Seite 1 von 2
Will der Blutspendedienst mein Blut nicht?
Verfasst: Di 24. Jan 2017, 11:48
von Clara
Ihr Lieben,
ich fühle mich hilf- und ratlos - wie K. vor dem Schloß oder in Erwartung seines Prozesses.
Seit etwa sechs Wochen versuche ich vom DRK-Blutspendedienst einen neuen Ausweis mit meinem
jetzt offiziell weiblichen Namen zu bekommen. Davor war ich 41mal eine gern gesehene Spenderin und
wurde vom Team mit "Hallo Frau ...!" begrüßt.
Ich hatte meinem Schreiben den rechtskräftigen Gerichtsbeschluss beigefügt und daraufhin per Post einen Unfallhilfepass
bekommen, ohne weiteres Anschreiben seitens des DRKs.
Ein Versehen, na klar, dachte ich und rief die zuständige Stelle an.
Man würde es klären, aktuell sei die zuständige Sachbearberin aber leider in Urlaub. Ich solle doch eine Woche
warten/eine Woche später wieder anrufen.
Das tat ich bislang viermal. Jedesmal wurde ich wieder vertröstet: Immer hatte jemand Urlaub oder, mal anders,
ist krank. Heute ist mir am Telefon der Blusenkragen geplatzt

. Ich habe mit Presse, Funk und Fernsehen gedroht
und auch die Antidiskriminierungsstelle des Bundes nicht unerwähnt gelassen.
Jetzt ärgert es mich, dass ich mich gegenüber diesem Verein so dünnhäutig gezeigt habe...
Habt jemand von Euch entsprechende Erfahrungen gemacht? Gibt es Tipps?
Viele liebe Grüße
Clara, die jetzt laut Pass endlich Petra heißt
Re: Will der Blutspendedienst mein Blut nicht?
Verfasst: Di 24. Jan 2017, 12:47
von Michelle_Engelhardt
Das TS nicht gern gesehene Blutspender sind habe ich auch schon mal gehört. Da spukt in vielen Köpfen wohl noch das Bild des "dauergeilen Freaks" der ständig durch fremde Betten springt
2015 war ich im Krankenhaus. Mir wurde kurz nach der Einweisung ein zweites Mal Blut abgenommen um auf HIV, Hepatitis und Co. zu testen und das einzig und allein aus dem Grund, das ich TS bin. Das fand ich schon diskriminierend und habe das auch kund getan. Es wurde anfänglich sogar so getan, als hätte ich den Test gewünscht...das fand ich noch die allergrößte Frechheit.
Liebe Grüße
Michelle
Re: Will der Blutspendedienst mein Blut nicht?
Verfasst: Di 24. Jan 2017, 15:03
von Drachenfrau
Hallo zusammen,
hier habe ich dazu auch noch einen Beitrag gefunden:
http://www.gendertreff.de/2017/01/06/of ... ztekammer/
viele Grüße, Ulla
Re: Will der Blutspendedienst mein Blut nicht?
Verfasst: Mi 25. Jan 2017, 00:05
von Inga
Hallo, Clara,
es gibt so viele "Gründe", auf einmal vom Blutspenden ausgeschlossen zu sein. Trotz aller Aufrufe scheint es wohl mehr als genug Blutspenden zu geben.
in Sachen Blutspenden habe ich mir die Haltung angewöhnt und lasse sie auch gerne wissen: Wer mein Blut nicht will, kann auch auf die Spende meiner Organe verzichten.
Liebe Grüße
Inga
Re: Will der Blutspendedienst mein Blut nicht?
Verfasst: Mi 25. Jan 2017, 10:07
von Dolores59
Inga hat geschrieben: Mi 25. Jan 2017, 00:05
in Sachen Blutspenden habe ich mir die Haltung angewöhnt und lasse sie auch gerne wissen: Wer mein Blut nicht will,
kann auch auf die Spende meiner Organe verzichten.
Liebe Grüße
Inga
Damit triffst Du die falschen Leute. Es ist nicht das Rote Kreuz betroffen, wenn Du keine Organe spenden willst. Du triffst hilfsbedürftige Menschen, die ohne Deine Organe nicht weiterleben können.
LG
Dolores
Re: Will der Blutspendedienst mein Blut nicht?
Verfasst: Mi 25. Jan 2017, 14:05
von Drachenfrau
Hallo Welt,
ich finde, Organspende ist noch mal ein ganz eigenes und sehr heikles Thema, mit dem ich mich eine Weile intensiv auseinander gesetzt habe und mir auch die Kehrseite betrachtete. Dies brachte mich zu dem Entschluß keine fremden Organe annehmen zu wollen, sondern mein Leben für meine Gesundheit so verantwortungsbewußt wie mir möglich ist, zu leben.
Ingas Beitrag sehe ich als gerechtfertigt.
Wie kann man das Blut eines transsexuellen Menschen ablehnen, um dann aber doch die Organe weitergeben wollen. Das passt wirklich nicht zusammen.
Ich möchte auch nicht als menschliches Ersatzteillager gesehen werden, denn darauf würde es sich meiner Meinung nach reduzieren.
Euer Drache.
Re: Will der Blutspendedienst mein Blut nicht?
Verfasst: Mi 25. Jan 2017, 17:31
von Dolores59
Gewiß ist Organsspende ein heikles Thema. Aber was hat das mit dem Roten Kreuz zu tun?
Soweit ich weiß, ist für die Weiterleitung von Organspenden nicht das Rote Kreuz zuständig, sondern eine Ärzte-Kommssion (die Problematik der Wartelisten ist mir bekannt).
LG
Dolores
Re: Will der Blutspendedienst mein Blut nicht?
Verfasst: Mi 25. Jan 2017, 19:22
von Drachenfrau
Hallo Dolores,
sicher sind es unterschiedliche Organisationen.
Dennoch passt es nicht, dass die eine Organisation wohl die Organe annehmen und weitergeben würde und die andere das Blut als risikohaft einstuft.
immer noch der Drache.
Re: Will der Blutspendedienst mein Blut nicht?
Verfasst: So 29. Jan 2017, 15:23
von Inga
[
Hallo, miteianander,
noch ein paar Worte zu den letzten Beiträgen.
Mal abgesehen davon, dass man das Blut auch als eine Art Organ verstehen kann, es ist mir schon komisch, warum das Blut durch die sexuelle Neigung oder der gespürten Geschlechtsidendität auf einmal risikobehaftet und unbrauchbar geworden sein soll, die aber vom betroffenen Blut permanent durchflossenen Organe von gutem Nutzen für andere Menschen nach meinem Tode. Das passt für mich nicht zusammen. Wenn in der Medizin Bedarf an meinen Organen sein soll, dann - bitteschön - nehmt auch regelmäßig mein Blut.
Die Ausschlusskriterien des Roten Kreuzes für Blutspenden (etwa bei längerem Aufenthalt in Großbritanien ) werden auch bei anderen Diensten wie privaten Blutplasmasammeldiensten etc. verwendet. Ich selber wäre für eine Einzelfallprüfung der betreffenden Person, wenn die Liste der Risiko- und Ausschlusskriterien Unbrauchbarkeit der Blutspende vermuten lässt. Doch dazu sind die Blutspendedienste trotz Nachfragen nicht bereit. Wenn dem so ist, und an den Kriterien nichts geändert wird, bekommen sie wohl schon so genug Blut. (Das dürfte durchaus sein, denn für manche Blutgruppen vwrfügen die Blutbanken über reichliche Bestände und - soweit mir bekannt - verwendet die Medizin für manche Anwendungen weniger Blutkonserven oder nur noch bestimmte Bestandsteile oder Ersatzstoffe).
Bei Organspenden wie Herz, Leber, Niere ist zu bedenken , dass von vielen Menschen die Organe gar nicht (mehr) verwendet werden können, etwa weil sie schon durch Belastungen wie bestimmte Ernährungsgewohnheiten, regelmäßigen Alkoholkonsum, medikamentöse Behandlungen, Altersabnutzung, infektiöse Krankheiten, etc. so stark geschädigt sind, dass sie einer weiteren Person nicht mehr helfen. Mr ist zum Beispiel unverständlich, warum eine durch starken Alkohoholkonsum geschädigte Leber für eine Organspende dienen soll. Daneben müssen die Organe beim Verstorbenen noch relativ "frisch" sein, was in der Regel vor allem bei Verkehrs- und Arbeitsunfällen der Fall ist. Darum gibt es ja auch für diverse Anwendungen Ersatzorgane aus künstlichen oder biologischen (tierischem) Material, die durchaus ihre Funktion erfüllen können, wenn nicht auch schon schonendere, nicht-operative Behandlungsmethoden besser greifen). Tatsächlich kommt nur ein relativ kleiner Kreis der Bevölkerung für Organspenden in Frage, und zwar nur dann, wenn sie im Falle des Todes vom Rettungsdienst schnell gefunden wurden
Ich weiß, dass heutzutage ein Teil meiner Organe eh nicht mehr für andere Menschen zu brauchen sein werden. Warum soll ich sie beim Eintreten vom Tode denn noch zur Spende anbieten? Was ist denn daran noch wohltätig für andere? Nur, weil dafür in der Öffentlichkeit so heftig geworben wird? Das kann es ja wohl nicht sein.
Liebe Grüße
Inga
Re: Will der Blutspendedienst mein Blut nicht?
Verfasst: So 29. Jan 2017, 16:22
von Michi
Hallo Inga,
ich habe den Eindruck, dass dich das Ganze sehr beschäftigt.
Meiner Meinung spiegeln die Kriterien, die hier angelegt werden, ein gutes Stück weit wie Vorurteile wider, die da draußen im realen Leben nocht vielfach gegen Menschen gepflegt werden, die nicht dem heteronormativen Gesellschaftsbild entsprechen. Ein erheblicher Teil der sogenannten Normalen geht sehr nachlässig mit seinem Körper und seiner Gesundheit um (erheblicher und/oder täglicher Alkoholgenuss, Tabak und Drogen, starkes Übergewicht, aber auch Risikosportarten), doch die Probleme werden eher bei Menschen mit abweichender sexueller Orientierung oder vom Körper abweichender Geschlechtsidentität gesucht. Da kann man manchmal nur den Kopf
Es zeigt alles in allem sehr deutlich, dass uns bisher überwiegend nur Tolereanz (Duldung) entgegengebracht wird, aber noch keine Akzeptanz (Annahme).
Ich stelle das alledings nicht fest, damit wir uns in die Opferrolle flüchten, sondern um aufzuzeigen, dass es noch viel zu tun gibt.
Liebe Grüße
Michi
Re: Will der Blutspendedienst mein Blut nicht?
Verfasst: Mi 1. Mär 2017, 00:20
von Beatrix
Bei mir wurde letztes Jahr die Abgabe einer Blutspende mit der Begründung verwehrt, daß ich Hormone nehme. Nach Rücksprache mit mehreren Cis-Frauen in den Wechseljahren, scheint das (in NRW) die übliche Praxis zu sein. Dies ist aber
keine Kontraindikation für eine Organspende. Davon wird man erst ausgeschlossen, wenn der Spender an einem metastasierenden Krebsleiden, an einer aktiven und verbrauchenden Infektion, der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit beziehungsweise anderen Prionen-Erkrankungen oder einer chronischen Organfunktionsstörung leidet.
LG
Beatrix
Re: Will der Blutspendedienst mein Blut nicht?
Verfasst: Mi 1. Mär 2017, 10:14
von Aubergine
Hallöchen ihr da draußen,
Kann es sein, dass die kopfkinos bei euch mal wieder nicht abzustellen sind? Das eine Blutspende wegen ts abgelehnt wird, kann durchaus mal sein, aber ich glaube nicht, dass es die Regel ist.
Vorschriften über die Qualität des Blutes bzw seiner Reinheit gibt es jede menge. Die Personen, die mit der Abnahme zu tun haben, dürften so einiges an Erfahrung haben und Spender schon vorab einschätzen zu können. Z. B. Jemand mit alkoholfahne wird sofort abgelehnt. Ab 60 darf man auch nicht mehr spenden, selbst wenn du fit bist wie ein turnschuh.
Ich selbst wurde abgelehnt weil ich Asthma habe und dafür ein Medikament inhalieren muss. Wohlgemerkt NICHT einnehmen.
Daher empfehle ich jedem ernsthaften Spender ins Krankenhaus zu gehen, dort zu spenden da bekommt man dann auch noch außer Vesper eine Entschädigung. Dort werden die Spender in die Kartei aufgenommen und sind, wenn bei der ersten spende alles in Ordnung war auch immer willkommen.
LG Aubergine
Re: Will der Blutspendedienst mein Blut nicht?
Verfasst: Mi 1. Mär 2017, 10:28
von ChristinaF
Aubergine hat geschrieben: Mi 1. Mär 2017, 10:14
Ab 60 darf man auch nicht mehr spenden, selbst wenn du fit bist wie ein turnschuh.
LG Aubergine
Ist bei uns, zumindest in meinem Umfeld anders. Ich spende zwar nicht mehr, dafür jedoch Leute aus unserer Nachbarschaft. Und die sind mittlerweile schon über 70. Die spenden allerdings schon über 40 Jahre.
LG
Christina
Re: Will der Blutspendedienst mein Blut nicht?
Verfasst: Mi 1. Mär 2017, 10:32
von Michelle_Engelhardt
Ich denke es kommt drauf an, an wen man gerät. Aubergines Tipp mit dem Krankenhaus find ich gut...vielleicht mach ich ja mal die Probe aufs Exempel

Re: Will der Blutspendedienst mein Blut nicht?
Verfasst: Mi 1. Mär 2017, 11:17
von Aubergine
Hallo Christina.
als junge Frau habe ich immer gespendet. Dann, wie schon erwähnt wurde ich auf Grund meines Medikaments abgelehnt. Zum 60. Geburtstag wurde mir seitens des DRK schriftlich gratuliert, sich fürs spenden bedankt und mir mitgeteilt, dass ab sofort nun keine Spende meinerseits auf Grund der erreichten 60 möglich ist.
Wie das im Krankenhaus ist, weiß ich nicht, aber beim Spendenaufruf bist du bei uns ab 60 ausgeschlossen.
Was ich aber noch erwähnen möchte gibt es auch Ablehnungen bzgl. der Blutgruppe. Wenn von einer Blutgruppe genug zur Verfügung steht, wird schon auf Grund der "falschen" Blutgruppe abgelehnt.
LG Aubergine