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TransKlassen und das "richtige Leben"

Verfasst: Mo 2. Jan 2017, 16:29
von Anne-Mette
Moin,

ich bin optimistisch: eines Tages wird der "Namen- und Geschlechsteintrag auf Antrag" kommen )))(:

Schon jetzt besteht kein OP-Zwang, um im "richtigen Geschlecht" - ich wollte eigentlich schreiben: "annerkannt zu werden", aber das ist nicht richtig.
Sagen wir mal so: der "für mich richtige Geschlechts- und Nameneintrag" kann dann behördlich dokumentiert und besiegelt werden.

Und dann?


Selbst mit meinen schon jetzt vorhandenen Dokumenten (Krankenkassenkarte, dgti-Ausweis, Büchereikarte... und und und) kann ich meinen Namen ausweisen - und mit etwas Mühe sogar noch etwas mehr.
Allerdings ist es so, dass ich - (ohne geschlechtsanpassende Maßnahmen) selbst in einigen transsexellen Gruppen Außenseiterin bin, von einigen sogar nur "zur Not geduldet" werde.

Darüber hinaus ist es in der "freien Wildbahn" noch schwieriger. Ein mir wichtiger Punkt ist die Verfahrensweise beim Schwimmen und beim Sport.
Wenn ich eine Gruppe habe, die mich mitnimmt, dann wäre es sicherlich möglich, die für mich richtigen Räumlichkeiten zu benutzen.
Wenn ich zusammen mit meiner Frau gehe - besser noch mit einem Enkelkind, damit wir eine "richtige Familie" sind, können wir in Absprache mit den Verantwortlichen des Schwimmbades die Familienumkleidekabine und die zugehörige Dusche benutzen.
Als wir zu zweit waren, gab es einmal selbst da mit einer anderen "richtigen Familie" Probleme.
Wenn ich alleine gehen würde, dann würde ich noch mehr den Zorn der Familien auf mich ziehen, wenn ich diese gut frequentierte Kabine benutze.

Eine Reform des TSG und die Umstellung auf "einfaches Antragsverfahren" für den Geschlechtseintrag wird diese Probleme nicht beseitigen; denn "Toiletten, Umkleide- und Duschräume für alle" sind sehr selten - und ich habe den Eindruck, dass kaum MitstreiterInnen zu finden sind, die helfen, die Verhältnisse zu ändern.
Das mag daran liegen, dass es für transsexuelle Menschen nach einer geschlechtsangleichenden OP ebenso wenig ein Problem ist wie für Menschen, die
überhaupt nichts mit Transsexualität zu tun haben.
Deshalb wird sich in vielen Kreisen sogar lustig darüber gemacht, wenn Wunsch oder Forderung "Toiletten/Dusch- und Umkleidräume für alle" geäußert werden
Da bleiben intersexuelle Menschen und transsexuelle Menschen ohne geschlechtsanpassende Maßnahmen irgendwie übrig und auf der Strecke.
Aber ich bin mir sicher: der Kreis der Betroffenen wird größer, wenn die vielfach geäußerten Forderungen in Bezug auf TSG-Änderungen eine Umsetzung erfahren.

Gruß
Anne-Mette

Re: TransKlassen und das "richtige Leben"

Verfasst: Mo 2. Jan 2017, 18:14
von ab08
Danke, liebe Anne-Mette, (fwe3)

um es noch einmal deutlich zu betonen: -> Das Geschlecht eines Menschen befindet sich zwischen den Ohren!
Ob mit oder ohne GAOP, ob mit oder ohne HRT, ob mit ... oder ohne ... Eine transsexuelle Frau ist eine Frau.
usw. usw. usw. usw. ==> Wir brauchen eine offeneren, weiten Blick auf die Problemstellung :!:
Menschen unterscheiden sich, ergo gibt es die unterschiedlichsten Lebenswege => Und das ist gut so!
Um dies auch der in der Regel uninformierten Öffentlichkeit verständlich zu machen, sind intersexuelle Prominente,
bzw. auch Menschen wie z.B. Charlotte von Mahlsdorf so wichtig.

Ganz liebe Grüße
Andrea )))(:

Re: TransKlassen und das "richtige Leben"

Verfasst: Mo 2. Jan 2017, 19:03
von Anne-Mette
Guten Abend,

danke für die Rückmledung.

Natürlich verstehe ich
Das Geschlecht eines Menschen befindet sich zwischen den Ohren!
Allerdings: die Menschen "draußen" beurteilen eine Zugehörigkeit in der Regel nach "Inaugenscheinnahme".
Da werden einige von "uns" u.U. bei den Frauen durch empörte Blicke, vielleicht sogar durch einen Aufschrei vertrieben - und bei den Männern gehören wir auch nicht dazu, müssen uns vielleicht einiges anhören.
Um dies auch der in der Regel uninformierten Öffentlichkeit verständlich zu machen, sind intersexuelle Prominente,
bzw. auch Menschen wie z.B. Charlotte von Mahlsdorf so wichtig.
Da sind wir wieder bei meiner nicht umsonst so beliebten "tätigen Öffentlichkeitsarbeit" )))(:

Allerdings müssen wir sicherlich auch mit Frauengruppen ins Gespräch kommen und uns über solche Themen austauschen; da geht es darum, Ansprechpartnerinnen und Schnittstellen zu finden.

Gruß
Anne-Mette

Re: TransKlassen und das "richtige Leben"

Verfasst: Mo 2. Jan 2017, 20:02
von ab08
Zitat "Allerdings müssen wir sicherlich auch mit Frauengruppen ins Gespräch kommen und uns über solche Themen austauschen; da geht es darum, Ansprechpartnerinnen und Schnittstellen zu finden." Ja, genau!!
=> Engagierte, emanzipierte Frauen treffen wir z.B. in Frauenbuchläden, bei Konferenzen zur Emanzipation,...
oder auch am Weltfrauentag am 8.März https://www.nuernberg.de/internet/fraue ... g0803.html

Ich gehe nicht nur zum CSD, sondern bei der Demo am 12.3.2016 hier in Nürnberg lief ich ebenfalls mit. :wink: http://frauenkampftagnbg.blogsport.de/
Dort bekam ich auch Besen+Plakat *), war sofort integriert, traf nette Menschen und bekam Einladungen.

Liebe Grüße
Andrea

*) Letztes Bild -> Feminismus ist Antirassistisch :wink:

P.S. Um Missverständnisse zu vermeiden. -> Mit anderen, z.B. konservativen, Frauen komm ich an anderen Orten in Kontakt. (z.B. im Berufsverband)
Ich handle gern nach dem Prinzip: - Das eine tun, das andere nicht lassen. (Vor allem möchte ich mich nicht festlegen/vereinnahmen lassen.)

Re: TransKlassen und das "richtige Leben"

Verfasst: Mo 2. Jan 2017, 20:51
von Kerstin
ab08 hat geschrieben:.... Das Geschlecht eines Menschen befindet sich zwischen den Ohren!
......
=> Engagierte, emanzipierte Frauen treffen wir z.B. in Frauenbuchläden, bei Konferenzen zur Emanzipation,...
oder auch am Weltfrauentag am 8.März https://www.nuernberg.de/internet/fraue ... g0803.html

Ich gehe nicht nur zum CSD, sondern bei der Demo am 12.3.2016 hier in Nürnberg lief ich ebenfalls mit. :wink: http://frauenkampftagnbg.blogsport.de/
Dort bekam ich auch Besen+Plakat *), war sofort integriert, traf nette Menschen und bekam Einladungen.
Wegen genau dem Quatsch wird es keine "Geschlechtslosen" WC's geben. Eine extrem kleine Minderheit die sich im niedrigen einstelligen Prozentbereich bewegt - gemessen an der Gesamtbevölkerung - möchte dem großen Rest erklären wie sie ihr Geschlecht zu verstehen haben um dann Vorderungen zu stellen die andere zubezahlen und unterzuordnen haben.

Vergesst es!!

@ Anne-Mette
Wenn du etwas erreichen möchtest, dann pack die Leute beim Geldbeutel. Rechne doch einmal aus, was die öffentliche Hand, Vereine, Gaststätten usw sparen können wenn sie "Geschlechtsneutrale" WC's bauen.

Es gibt an der A9 in der nähe des Altmühltals einen Rastplatz, Gelbelsee glaub ich heist er, wo man es genau aus diesem Grund gemacht hat.
Natürlich hat es diskussionen gegeben und entsprechende Leserbriefe. Nur nachdem man die Kostenproblematik in verständlicher weise erklärt hat war ziemlich schnell Ruhe.
Andrea mit ihren Kontakten sollte dir da eigentlich hilfreich zu Hand gehen können.

LG Kerstin

Re: TransKlassen und das "richtige Leben"

Verfasst: Mo 2. Jan 2017, 21:37
von ab08
Hallo Kerstin,

eine Anmerkung, um Missverständnisse auszuschließen, da ich bei dieser Demo als transsexuelle Frau ausdrücklich willkommen und
übrigens dort auch nicht die einzige transsexuelle Frau war. - Zitat von der Webseite frauenkampftagnbg.blogspot
"Die Forderungen nach Gleichbehandlung und einem Ende an Gewalt an Frauen* sollten über diesen Tag hinaus von allen Menschen mitgetragen werden! Organisiert den feministischen Widerstand in eurer Stadt mit und misch dich in die Diskussion um frauensprezifische Themen ein!

*gesellschaftlich definierte Kategorie" Der wesentliche Teil ist rot markiert. :wink:

Liebe Grüße
Andrea

@all
"Wegen genau dem Quatsch"" sogenannter fränkischer Genitiv
-> vgl. Bastian Sick - Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod

Re: TransKlassen und das "richtige Leben"

Verfasst: Mo 2. Jan 2017, 22:47
von Inga
Hallo, Änne-Mette,

ich denke, es gibt einfach zu wenig Unisex-Umkleiden und Unisex-Toiletten , die auch von der breiten Masse akzeptiert wird. Ausnahmen sind die Bahn und andere Verkehrsmittel: In den Fahrzeugen gibt es in der Regel nur Unisex-Toiletten, es ist dort allgemein akzeptiert und sie werden ohne Vorbehalte auch von allen, welchen Geschlechts auch immer, genutzt. Da sind dann auch Trans*Menschen völlig unauffällig. So wünsche ich es mir auch im Schwimmbad und anderen Örtlichkeiten. Doch da muss m. E. die "breite Masse" ohne Vorbehalte mitmachen. So wie in der Bahn.

Liebe Grüße
Inga

Re: TransKlassen und das "richtige Leben"

Verfasst: Mo 2. Jan 2017, 22:49
von Anne-Mette
Liebe Andrea,

da sehe auch ich kaum Probleme; eher geht es mir um persönliche, ja, sogar intime Bereiche wie die Verfahrensweise im Schwimmbad und beim Sport.

Gruß
Anne-Mette

Re: TransKlassen und das "richtige Leben"

Verfasst: Di 3. Jan 2017, 01:47
von Michi
Hallo Anne-Mette,

du schreibst:
Anne-Mette hat geschrieben:Allerdings ist es so, dass ich - (ohne geschlechtsanpassende Maßnahmen) selbst in einigen transsexellen Gruppen Außenseiterin bin, von einigen sogar nur "zur Not geduldet" werde.
Das ist ein Punkt, der mich auch immer wieder schwer irritiert. Gerade Menschen, die für sich selbst von der Gesellschaft immer wieder Toleranz einfordern,
reagieren gar nicht so selten in höchstem Maße intolerant auf andere Trans-Menschen, welche nicht dem eigenen Weg entsprechen.

Da wird Menschen wie dir, die sich (aus welchen Gründen auch immer) gegen eine GaOP entscheiden, die Daseinsberechtigung abgesprochen,
oder Teilzeitfrauen wie ich als Spaß-Transen und Perverse niedergemacht, und uns unterstellt, dass wir nicht den "nötigen" Leidensdruck hätten.

Schlimm! :shock:

Was wissen solche Personen schon von davon, wie es in anderen Menschen aussieht? - Nichts! Aber sie erdreisten sich, sich selbst als Maßstab für andere herzunehmen. :evil:

Ich halte es mit André Gide:
Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.
Liebe Grüße
Michi

Re: TransKlassen und das "richtige Leben"

Verfasst: Di 3. Jan 2017, 07:37
von Anke
Hallo,

ich finde, dass die Diskussion um Unisex-Toiletten und Umkleideräumen etwas irrationales auf Seiten von denen hat, die das ablehnen. In praktisch jedem privaten Haushalt werden die Toiletten gemeinsam benutzt, demnach sind das bereits Unisex-Toiletten.

Auch in Flugzeugen, Bussen oder Zügen sind geschlechtsgetrennte Toiletten nicht zu finden. Und dort läuft das völlig problemfrei. Es ist also nicht so, als ob Unisex-Toiletten etwas neues wären.

Auch aus rein praktischen Aspekten machen Unisex Toiletten viel mehr Sinn. Während bei uns Frauen oft lange Schlangen sind, herrscht bei den Männern abgesehen von den Urinalen oft gähnende Leere. Ich frage mich dann immer, warum die Toiletten nicht anders organisiert sind.

Z.b. Sitzkabinen für alle und ein Raum mit Urinalen für die Stehpinkler. Oder nur Kabinen, in denen neben der Sitztoilette auch ein Urinal hängt. Ich fände das wesentlich sinnvoller und geschickter und ganz nebenbei wären die Anliegen von Transgendern, Crossdressern und ähnlichen gelöst.

Liebe Grüße

Anke

Re: TransKlassen und das "richtige Leben"

Verfasst: Di 3. Jan 2017, 08:03
von Michelle_Engelhardt
@MichiWell:

Das was Du schreibst, habe ich auch schon mehrfach real erlebt. Manchmal frage ich mich, ob einige TS sich für die Krönung der Transgender halten oder ob die Hormone allzu sehr aufs Oberstübchen geschlagen sind. Eine Bekannte sagte mal über eine andere Bekannte zu mir: "Der ist doch nur ein Transvestit".

Vollkommen daneben, so ein Spruch. Da fehlten selbst mir kurzzeitig die Worte.

Liebe Grüße
Michelle

Re: TransKlassen und das "richtige Leben"

Verfasst: Di 3. Jan 2017, 08:18
von Christiane
Hallo Anne-Mette

Ich hab gelesen, daß man in der Schweiz in einem Restaurant, oder Hotel eine Toilette für alle einrichtet. Wenn ich das richtig mitgeschnitten habe, erfolgt eine Anzeige gleich bei Eröffnung, da es im Gesetz verankert ist, getrennte Toilettenräume zu Verfügung zu stellen. Der Betreiber sieht dem nach eigener Aussage gelassen entgegen. Ich bin mal gespannt, wie das weitergeht.
Vielleicht ist hier der Hund begraben. Es gibt in Deutschland bestimmt auch entsprechende Gesetze und Verordnungen, über die sich die Betreiber nicht einfach hinwegsetzen können, bzw. dürfen. Ich glaube, daß da der Hebel anzusetzen wäre. In den Thermen in Bad Säckingen, sind nur die Duschen und die Toiletten getrennt. Die Umkleiden sind so gestaltet, daß sich jeder für sich umziehen kann (Einzelkabinen) - aber keine Geschlechtertrennung besteht. Das große Problem sehe ich eigentlich nur bei den Duschen. Aber auch das wäre baulich bestimmt lösbar.
Ich glaube, da wären dann die Ordnungsämter dafür zuständig??
Christiane

Re: TransKlassen und das "richtige Leben"

Verfasst: Di 3. Jan 2017, 08:42
von ab08
Hallo Christiane,

in meinem Stammschwimmbad wird bei Umkleiden nicht unterschieden.
Bei Toiletten wäre es im Grunde nicht nötig.
Die Duschen sind Gemeinschaftsduschen, nach Geschlechtern getrennt. - Daher streifte ich bisher (vor der GAOP) nur das Oberteil ab, bzw. drehte mich zur Wand, wenn ich mich weitergehend wusch. Duschen sind ein Problem.
-> Entweder nur Einzelduschen(z.B. mit Vorhang) oder das gesellschaftliche Umfeld ändert sich wesentlich...

Liebe Grüße
Andrea

Re: TransKlassen und das "richtige Leben"

Verfasst: Di 3. Jan 2017, 09:11
von Anne-Mette
Moin,

ja, es stimmt: Gesetze und Verordnungen sind die eine Seite - das "wahre Leben" die andere.

Positive Vorstöße werden oft sabotiert und/oder ins Lächerliche gezogen. Ich denke da z.B. an die armen Studenten, die Tampons auch auf einem "Männer-WC" bereitgehalten haben. Hohn und Spott gab es von links und rechts, oben und unten.

Unser "Minderheitenproblem" wird ein wunder Punkt bleiben; denn Unterstützung werden wir kaum bekommen. Was mich am meisten ärgert? - wenn Menschen, die etwas nicht brauchen, es auch anderen nicht gönnen(?) oder zubilligen.
Dabei ist mir besonders eine Gruppierung V*** (nein, nicht VW) aufgefallen, aber es gibt auch andere.

Allerdings habe ich das Gefühl, kann es allerdings nicht belegen, dass die Gruppe der transsexuellen Menschen "ohne OP" und der "nonbinaries" größer wird, was sich bei einer Reform des TSG noch verstärken wird.

Gruß
Anne-Mette