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Was soll ich tun?

Verfasst: Do 27. Okt 2016, 01:18
von caretaker
Hallo ihr,

ich führe derzeit einen heftigen Krieg mit mir selbst.
Ich bin ratlos deswegen was ich tun soll, auch wenn es nur eine Möglichkeit gibt.

Ich will hierbei ganz von vorne beginnen, damit ihr versteht was ich meine.

Ich bin als Junge geboren und nichts hätte schöner sein können. Meine Eltern haben alles für mich getan und tun dies bis heute.
Doch war da immer dieses Gefühl. Stets und insbesondere nach der Grundschule, habe ich mich immer eher weiblich als männlich gefühlt.
Ich wollte dies nicht, ich habe das als "krank" empfunden.
Und doch habe ich meine Gefühle stets rausgelassen. Habe geweint wenn mir danach war usw.
Ich habe viel Zeit mit Videospielen verbracht und auch hier habe ich immer eher die Heldin spielen wollen, wenn diese zur Verfügung stand.
Doch auch dies habe ich eher wieder als "krank" empfunden und habe es versteckt.

In den darauffolgenden Jahren ging dies stets so weiter, ich habe versteckt, wer ich wirklich bin, als wen ich mich wirklich fühle.
Ich habe aufgehört meine Gefühle in der Öffentlichkeit derart preiszugeben, es war hart, doch ich habe es geschafft.
Der Punkt ist jedoch, dass es mir nicht guttat diesen Schleier einer Pseudo-Männlichkeit aufzubauen.
Tja, die Quittung dafür hab ich heute.

Und jetzt sitze ich hier als 18-Jähriger. Meine "Männlichkeit" ist nichts als ein Schleier, den ich mir zum "Schutz" aufgebaut habe.
Doch egal wie gut ich auch versucht habe mein "eigentliches Ich" zu unterdrücken und zu verstecken, weil ich nicht "krank" sein wollte,
so brach es doch jedes Mal wieder hervor.
So auch jetzt wieder. Doch ist es diesmal anders. Es ist heftiger als jemals zuvor.
Ich will nicht länger verstecken wer ich wirklich bin.
Aber dennoch, die Angst hält mich davon ab.

Ich habe Angst preiszugeben wer ich wirklich bin.

Eigentlich gibt es keinen Grund angst zu haben.
Gerade in der heutigen Zeit, sind wir was die Akzeptanz angeht einen deutlichen Schritt weitergekommen.

Aber die Angst bleibt. Ich möchte nicht verlieren, was ich mir bisher aufgebaut habe.
Nur durch die Hilfe und Unterstützung meiner Famile, habe ich das Abitur geschafft und konnte nun mein Studium beginnen.

Mit dem Studium stehe ich nun vor einer neuen Herausforderung.
Eine Herausforderung von der ich genau weiß, dass ich sie nur bewältigen kann, wenn alles stimmt.
Meine Familie akzeptiert transsexuelle, zu denen ich wohl eindeutig gehöre.

Das Problem, sie akzeptieren sie zwar, sind aber der Meinung, dass es im Falle dessen schon in der frühen Kindheit deutlich wird.
Ich habe es jedoch stets versteckt. Ich habe Angst sie könnten mir nicht glauben und ich habe Angst sie zu verlieren.
Ich weiß genau wenn ich meine Familie deswegen verliere, wird mich das aus der Bahn werfen.

Ich bin ratlos was ich tun soll. Das Gefühl mich nachwievor zu verstecken, wirkt momentan so stark auf mich ein, ich kann nichts Essen ohne das mir schlecht wird. Selbst in ruhigen Minuten kann ich meine Gedanken nicht schweifen lassen und in Ruhe über meinen nächsten Schritt nachdenken, weil ich einfach angst habe.

An sich müsste schon längst deutlich geworden sein, dass ich erst dann frei sein werde, wenn ich mich offenbare.
Doch weiß ich nicht wie ich das anstellen soll. Ich habe unlängst akzeptiert, dass ich nicht ändern kann wer oder was ich bin und das es mich nur kaputtmacht mich zu verstecken. Aber dennoch traue ich mich nicht auf direkten Konfrontationskurs zu gehen.
Nicht zuletzt, da wir vor kurzem erst umziehen mussten und seitdem nie wieder die Gemütlichkeit eingekehrt ist, welche sonst immer herrschte.
Da könnte eine solche Nachricht alles noch schlimmer machen, ein weiterer Grund für meine Angst.

Sollte ich vielleicht erstmal meinem engsten Kumpel davon erzählen oder soll ich anfangen mich in kleinen Schritten äußerlich zu verändern, bis ich darauf von meiner Famile angesprochen werde. Ich weiß es nicht. Ich weiß nichtmal wieso ich all das hier erzähle, wo ich niemanden von euch kenne.

Vielleicht ist es der Glaube daran, hier Leute zu finden, welche in der selben Situation stecken wie ich.

Was der Grund auch sein mag, Ich verbleibe Hoffnungsvoll, das ihr mir weiterhelfen könnt.

Re: Was soll ich tun?

Verfasst: Do 27. Okt 2016, 08:50
von Michelle_Engelhardt
Hi Caretaker,

erstmal herzlich willkommen und vielen Dank für Deine offenen Worte. In Deinem Posting steckt sehr viel Angst, Unsicherheit sowie Verzweiflung und ich kann mir lebhaft vorstellen, was Du derzeit durchmachst. Ich kann Dir nur dringend raten, Dich den Menschen zu offenbaren, die Dir am nächsten stehen, also Deinen Eltern. Transidentität ist tatsächlich angeboren (so sagt man), muss sich aber nicht zwangsläufig schon im Kindesalter zeigen! Ich habe z.B. stolze 42 Jahre gebraucht, um es für mich herauszufinden. Klar im Unterbewußtsein und im Nachhinen betrachtet war ich schon immer Frau.

Wie gesagt, rede mit Deinen Eltern und versuche auch Kontakte mit anderen Betroffenen zu knüpfen. Selbsthilfegruppen gibt es in jeder größeren Stadt. Leider hast Du keinen Wohnort angegeben, daher verweise ich auf die Seite http://www.dgti.org. Dort findest Du Kontaktadressen zu Selbsthilfegruppen, Psychologen usw. Weiterhin solltest Du auch das Gespräch mit einem Psychologen suchen, der auf das Thema Trans spezialisiert ist.
Das ist sehr wichtig, also bitte nicht zum nächstbesten "Seelenklempner" gehen.

Hier im Forum gibt es einige, die ihr wahres Ich verschleiern und unterdrücken. Meist geschieht dies aus Rücksicht vor dem Umfeld (Partner, Beruf usw.). Die meisten wissen auch, dass das auf Dauer nicht gut gehen kann, kriegen aber trotzdem nicht die Kurve. Wenn man so leben möchte wie man sich fühlt, bedarf es leider auch ein wenig Egoismus. Andernfalls bleibt man irgendwann auf der Strecke. Du bist 18 und hast noch Dein ganzes Leben vor Dir. Stell Dir vor, Du verdrängst Deine weibliche Seite, heiratest und gründest eine Familie. Dann kommt irgendwann der Tag wo Du einfach nicht mehr kannst. Dann wird alles viel, viel schlimmer und schwieriger. Glaub mir, ich weiß wovon ich rede.

Wie ich aus Deinen Zeilen herauslese scheinst Du ja ein sehr gutes Verhältnis zu Deinen Eltern zu haben, also öffne Dich und denke immer daran, dass sie Dich lieben und das sie wollen, dass Du glücklich bist.

Take care,
Michelle

Re: Was soll ich tun?

Verfasst: Do 27. Okt 2016, 09:44
von Theresa-Annalena
Hallo Caretaker,

den Worten von Michelle kann ich mich nur anschließen, denn ich bin selber einer dieser
von ihr beschriebenen Fälle. Als ich in Deinem Alter war, war das Internet gerade geboren
und Informationen gab`s nur aus Büchern von "Spezialisten". Ich kann mich noch erinnern,
das ich mir 1991 - ich war damals wie Du kurz vor dem Studium - heimlich ein Buch kaufte,
in dem mir erklärt wurde, das das, was ich als meine "Diagnose" für mich herauslas
eine Krankheit ist und diese therapiert werden muss...

Ich habe über Jahre versucht aus Angst stigmatisiert zu werden alles verdrängt und
bis heute eine "falsche" Realität um mich gebaut, ja mit allem was dazugehört:
Beruf, Partner, Kinder - wie es Michelle beschrieben hat. Ich habe es in über 20 Jahren
nicht geschafft den "weiblichen" Teil von mir in mein Leben einzubeziehen und mich dazu
zu offen zu bekennen. Jetzt mit Anfang/Mitte 40ig empfinde ich mein Leben wie eine Einbahnstraße,
welche einen Richtungswechsel nicht zulässt. Könnte ich heute nochmal zurück und hätte die
Informationsmöglichkeiten wie heute, wäre mein Leben ganz anders gelaufen.
Ich kann Dir nur empfehlen die Ratschläge von den hier so erfahrenen Forenmitgliedern
anzunehmen, um zu verhindern das Du in eine ähnliche Situation gerätst wie ich.

Ich drücke Dir die Daumen und mit den netten Menschen hier
wirst Du viel Unterstützung erfahren.

LG
Tessa.

Re: Was soll ich tun?

Verfasst: Do 27. Okt 2016, 10:07
von Joa
Hallo Caretaker,
ich möchte mich meinen Vorrednerinnen unbedingt anschliessen. Ein Leben gegen Dich nützt niemendem etwas, also laß den Namen unter dem Du hier auftrittst Programm sein für Dich.
"Take care of yourself". Der Entschluss, sich zu offenbaren ist ein verdammt grosser und schwerer, da können viele hier ein Lied davon singen. Das Fatale daran ist, dass er die Tendenz hat,mit der Zeit immer schwerer zu werden. Vielleicht sollten die erste Schritte wirklich die zu einer Selbsthilfegruppe und dann zu einem erfahrenen Therapeuten sein,damit Du auf etwas sichererem Boden stehst, wenn Du Deiner Familie gegenüber trittst. Und sei Dir auch in Bezug darauf gewiss: Der größte Schrecken herrscht in unserer Vorstellung.
Auch ich drücke Dir sämtliche Daumen und wünsche Dir Kraft und Mut.
Joa

Re: Was soll ich tun?

Verfasst: Do 27. Okt 2016, 10:46
von ExuserIn-2019-12-20
Hallo Caretaker (moin)

Erst einmal herzlich willkommen hier im Forum :)

Auch ich schließe mich den Damen vorher an und würde vorschlagen, dich an deine Eltern zu wenden.
Wenn Sie nichts gegen Trans haben, werden sie erst Recht nichts gegen Dich haben, da ja ein gutes Verhältnis bei dir zu Hause ist.

Menschen, die Dir wichtig sind bzw du denen wichtig bist, werden dich bestimmt so nehmen wie Du bist :)

Ich kann ja mal mein Dialog schildern, als ich mich fast vor einem Jahr gegenüber meiner Mutter und meinem Stiefvater geoutet habe:

Ich: Mama, ich wollte dir sagen, das ich ein wenig anders bin. Innerlich meine ich. (Stiefvater war grad nicht im Raum)
Mama: Ja was soll ich sagen, das habe ich schon immer irgendwie gemerkt. Egal wie deine Zukunft aussehen wird, Du wirst immer mein Kind bleiben.
(Stiefvater betritt mit Kaffee den Raum)
Ich: Ja ich fühle mich nicht so wirklich wohl.
Sitefvater: Das kenne ich, möchte morgens auch nicht so gerne aus dem Bett, die Knochen.
Ich: Nein, es ist was inneres... ich fühle mich in meinem Körper nicht wohl.
SV: Na komm, so dick und hässlich bist du doch nicht. (Mensch war ich innerlich am schmunzeln)
Ich: Nein Papa, da ist was anderes: Ich fühle mich als Frau, schon die ganzen Jahre.

Stiefvater bekommt :o und sagt ganz nüchtern : ja wenn das so ist, musst Du mal zu einer Psychologin.

Ende vom Lied: zur Zeit kann ich es noch nicht so ausleben, wegen meiner Frau und Stieftochter, die es noch nicht wissen soll.
Frau weiß es aber und kommt damit nicht zurecht.
Wenn ich aber den Weg gehe, dann werde ich auch so von meinen Eltern akzeptiert,so wie ich bin.
Natürlich werde ich mich langsam ran tasten, aber ich werde es tun (smili)

Nun habe ich zuviel von mir geschrieben :roll:

Auf dich zurück kommend: Ich drücke dir die Daumen, das Du deinen Weg gehst, wie auch immer er sein wird.
Hier im Forum triffst du liebe Leute die dir Mut machen und dich unterstützen (können) (smili)

Lg,
Anna (moin)

Re: Was soll ich tun?

Verfasst: Do 27. Okt 2016, 12:08
von Aubergine
Hallo Caretaker,

sei herzlich willkommen in diesem Forum. Danke für deine Offenheit und Ehrlichkeit so vielen fremden Menschen gegenüber. Aber genau das ist es, was dir vielleicht bei der einen oder anderen Frage helfen wird, denn hier sind viele, denen es ähnlich geht oder ergangen ist. Darüber kann ich nicht viel sagen, denn es trifft mich nur am Rande.

Was ich dir aber sagen und raten kann ist folgendes:
Du schreibst, du hast ein gutes Verhältnis zu deinen Eltern. Das hört sich doch schon mal gut an.
Mein Rat an dich: sprich in Ruhe als erstes mit deiner Mutter. Mütter lassen niemals zu, dass ihrem Kind weh getan wird, bzw dass ein Kind leidet. Wenn jemand Verständnis für dich aufbringen wird und dich auch unterstützen, dann ist das als erste deine Mutter.
Mütter wollen immer nur das Beste für ihr Kind und bei Problemen sind sie die erste Anlaufstelle. Ich selbst habe zwei erwachsene Töchter, wo auch nicht immer alles gerade läuft, wie es eigentlich soll. Sie treffen ihre Entscheidungen als Erwachsene selbst, aber sie bekommen, wenn sie brauchen auch heute noch meine volle Unterstützung, ganz egal, um was es sich handelt.
Wenn das Beziehungsverhältnis stimmt, wird dich deine Mutter niemals im Stich lassen.
Vielleicht hat sie, wie Anna schon beschrieben hat, schon lange etwas gemerkt, aber natürlich nichts gesagt. Das kann sie nicht, solange du dir nicht im Klaren bist und auf sie zugehst. Mütter spüren das oft sehr genau.
ist diese Hürde genommen, wird sie dich sicherlich auch bei der "Beichte" dem Vater gegenüber unterstützen. Väter haben erfahrungsgemäß etwas mehr Probleme, sich mit solchen Situationen anzufreunden, aber dann hast du eine starke Verfechterin an deiner Seite.

LG Aubergine

Re: Was soll ich tun?

Verfasst: Do 27. Okt 2016, 16:14
von caretaker
Ich danke euch für all eure netten Antworten.
Meine Angst hat sich im laufe des Tages selbstverständlich nicht aufgelöst, eure Zusprüche machen es jedoch um einiges besser.
Ich weiß nur nicht wie ich es ihnen sagen soll. Wann ist der richtige Augenblick für sowas?

LG

Re: Was soll ich tun?

Verfasst: Do 27. Okt 2016, 17:52
von Aubergine
Hallo Caretaker,

vor allem nicht zwischen Tür und Angel. Bereite dich ein bisschen darauf vor (was könnten für Fragen kommen, wie fange ich am besten an) und dann warte einen Moment ab, an dem alle etwas Ruhe haben und nicht gleich irgendwo hin müssen oder was zu erledigen haben.
Ich kenne ja eure Tagesabläufe nicht, aber am Sonntag beim Frühstück, bzw. danach, wenn man vielleicht noch zusammen sitzt oder bei einem Nachmittagskaffee, falls es so etwas bei euch gibt oder nach dem Abendessen.
Wenn alle noch sitzen oder alle fertig sind, dann sagst vielleicht: "habt ihr bitte noch einen Augenblick Zeit, ich muss etwas sehr dringendes und für mich wichtiges mit euch besprechen....oder so ähnlich.
Oder wenn du Mama lieber allein erwischen möchtest, dann eben wenn Papa gerade nicht da ist.
Wenns um was wichtiges geht, lässt Mama eh alles stehen und liegen für den Sohn.
Nur Mut, du schaffst das schon. Der Anfang ist verdammt schwer, aber ich denke danach geht es dir viiiiieeeel besser.

LG Aubergine

Re: Was soll ich tun?

Verfasst: Do 27. Okt 2016, 18:10
von caretaker
Nun, ich denke dann werd ich wohl wieder melden, wenn ich das hinter mich gebracht habe.
Eine Frage hätte ich da allerdings noch. Hat jemand eine Idee, wie ich deutlich machen kann wie ernst mir das ist, dass ich nicht irgendwie das Verlangen habe als Mann Frauenkleidung zu tragen, sondern das ich eben wirklich eine Frau werden will.

Wie mach ich deutlich, dass ich mich nicht verändere. Wie sag ich ihnen das ich nunmal bin wer ich bin und das sie mich nicht verloren haben.
Ich werde dadurch ja keine neue Person. Ich bin und bleibe ihr Kind und bin verdammt stolz darauf, sie als Eltern haben zu dürfen.
Mein Denken und mein Handeln wird sich dadurch nicht verändern. Meine Hobbies sind meine Hobbies, weil mir Spaß macht was ich tue. Alles was ich sage und denke, sage und denke ich, weil ich daran glaube.

Ganz ehrlich, wenn ich jetzt so darüber nachdenke und mir durchlese, was ich hier schreibe, frage ich mich ganz ehrlich, wieso mir das eigentlich so schwer fällt.

Re: Was soll ich tun?

Verfasst: Do 27. Okt 2016, 18:49
von exuserin-2017-01-16
Hi ich kann dir auch empfehlen die Veränderungen schleichend einzuführen. Immer Stück für Stück. Irgendwann wird dann jemand fragen wirst du zur Frau oder du siehst so anders aus etc. das kannst du dann auch nutzen um dich zu outen. Vorteil der langsamen Methode du kannst die Leute auf deine Reise mitnehmen eine Umstellung von heute auf Morgen stößt viele Freunde und Bekannte vor den Kopf. Ich empfand das langsame Reinwachsen auch angenehmer, Anfangs hat man noch Bartschatten den lies ich stückweise weglasern ,die Haare brauchen auch 1-2 Jahre, falls du sie nicht schon länger trägst. Augenbrauen zupfen, immer ein klein wenig mehr Fraulichkeit zulassen es tut gut. Den Weg gehst du das Tempo bestimmst du auch zumindest deinen Teil Outing usw.
Ich würde wie Aubergine auch schreibt bei deiner Mutti anfangen,hab ich damals auch so gemacht mit ein paar Fotos von mir und dann ging es los. Vatern kam nach 1,5 h und wollte wissen was los sei. Er hat auf die Antwort noch ein paar Jahre warten müssen. Heute weiß er es hat aber weil er es als letztes erfuhr die größten Probleme damit.
Mach dir keine Sorgen die Angst vorm Outing ist meistens unbegründet. Letztes Jahr als ich in die Öffentlichkeit ging hat mich die Angst fast zerrisssen. Es war nicht halb so schlimm wie befürchtet ,die Leute heute sind aufgeklärter als man denkt. Probleme hatte ich bisher keine und ich wohne auf dem Dorf in der tiefsten Ostdeutschen Provinz.
Nur Mut du willst richtig Leben halte die das vor Augen und gehe deinen Weg.
LG Uta

Re: Was soll ich tun?

Verfasst: Do 27. Okt 2016, 19:59
von Michelle_Engelhardt
caretaker hat geschrieben:Eine Frage hätte ich da allerdings noch. Hat jemand eine Idee, wie ich deutlich machen kann wie ernst mir das ist, dass ich nicht irgendwie das Verlangen habe als Mann Frauenkleidung zu tragen, sondern das ich eben wirklich eine Frau werden will.


Lass einfach Dein Herz sprechen....klingt jetzt erstmal doof, ich weiß. Also sprich einfach aus, was Du fühlst und wie Du empfindest. Du wirst sehen, das es nur so aus Dir heraus sprudelt und Du ohne großes Nachdenken die richtigen Worte finden wirst.
caretaker hat geschrieben:Wie mach ich deutlich, dass ich mich nicht verändere. Wie sag ich ihnen das ich nunmal bin wer ich bin und das sie mich nicht verloren haben.
Ich werde dadurch ja keine neue Person. Ich bin und bleibe ihr Kind und bin verdammt stolz darauf, sie als Eltern haben zu dürfen.
Mein Denken und mein Handeln wird sich dadurch nicht verändern. Meine Hobbies sind meine Hobbies, weil mir Spaß macht was ich tue. Alles was ich sage und denke, sage und denke ich, weil ich daran glaube.

Die Frage hast Du Dir im Grunde schon selbst beantwortet: Sage genau das, was Du hier geschrieben hast und alles wird gut.

Ich wünsche Dir ganz viel Glück und Erfolg auf Deinem weiteren Weg.

Tu mir und vor allen Dingen DIR einen Gefallen: Schiebe Dein Outing nicht auf die lange Bank!

Alles Liebe
Michelle

Re: Was soll ich tun?

Verfasst: Do 27. Okt 2016, 22:22
von Aubergine
caretaker hat geschrieben:Nun, ich denke dann werd ich wohl wieder melden, wenn ich das hinter mich gebracht habe.
Eine Frage hätte ich da allerdings noch. Hat jemand eine Idee, wie ich deutlich machen kann wie ernst mir das ist, dass ich nicht irgendwie das Verlangen habe als Mann Frauenkleidung zu tragen, sondern das ich eben wirklich eine Frau werden will.
Die Frau in dir wird dir schon sagen in welchen Häppchen du das rüberbringst. Schließe mich da Michaela und Uta an. Falle nicht mit der ganzen Tür ins Haus, sondern mach sie erst mal auf. Das, womit du schon seit langem kämpfst, ist für andere sprich deine Familie Neuland. Sie müssen die Chance haben mit dir zu gehen und an deiner Seite zu bleiben. Frau zu werden geht ja auch nicht von heute auf morgen, sondern es ist ein weiter Weg und du wirst froh sein, die Unterstützung deiner Eltern zu haben. Dazu musst du ihnen aber Gelegenheit geben, sich damit anzufreunden und sich darauf einzustellen.

Wie mach ich deutlich, dass ich mich nicht verändere. Wie sag ich ihnen das ich nunmal bin wer ich bin und das sie mich nicht verloren haben.
Sie bekommen zum Sohn noch eine Tochter dazu, auch wenn der Sohn immer mehr verschwindet. Verändern wirst du dich ganz sicher, aber sie können dich begleiten und unterstützen.
Ich werde dadurch ja keine neue Person. Ich bin und bleibe ihr Kind und bin verdammt stolz darauf, sie als Eltern haben zu dürfen.
Mein Denken und mein Handeln wird sich dadurch nicht verändern. Meine Hobbies sind meine Hobbies, weil mir Spaß macht was ich tue. Alles was ich sage und denke, sage und denke ich, weil ich daran glaube.
Du bleibst auf jeden Fall immer ihr Kind. Sag ihnen genau das, was du hier schreibst. Du findest schon die richtigen Worte, genauso, wie du sie hier im Forum für uns gefunden hast. Viel Glück!

Ganz ehrlich, wenn ich jetzt so darüber nachdenke und mir durchlese, was ich hier schreibe, frage ich mich ganz ehrlich, wieso mir das eigentlich so schwer fällt.
Weil du selbst lange gebraucht hast um zu dir selbst zu stehen, weil vielleicht noch etwas Scham im Spiel ist und weil du Angst hast jemanden zu verletzten. Das brauchst du aber alles nicht haben und ich wünsche dir Kraft und Mut für dein Outing

LG Aubergine

Re: Was soll ich tun?

Verfasst: Fr 28. Okt 2016, 09:06
von caretaker
Ich kann das einfach nicht. Die Möglichkeit wäre da gewesen aber dann sind mir doch irgendwie Zweifel gekommen.
Bei all diesen Zweifeln frag ich mich mittlerweile, ob ich mich hier nicht ganz schön selbst was vormache.
Ich weiß nicht wie ich das sagen soll, aber irgendwie empfinde ich die ganze Sache falsch.
Ich bin echt verzweifelt. Da ich mittlerweile wieder anfange den Glauben daran zu verlieren fühlt es sich falsch an, ihnen soetwas sagen zu wollen.
Andererseits fühlt es sich falsch an sie die ganze Zeit deswegen zu "belügen".

Gestern haben sie gemerkt, dass ich mir die Arme rasiert habe. Ich hatte mich dabei geschnitten und meine Mutter hat die Wunde gesehen und mich gefragt, was ich da gemacht habe. Ich habe ihr natürlich erzählt das, dass beim rasieren passiert ist, habe ihr und meinem Vater allerdings verschwiegen, dass ich mir den gesamten Arm rasiert habe. Außerdem haben sie mir angemerkt, dass ich irgendwas auf dem Herzen haben muss, sie haben nämlich gemerkt, dass ich irgendwie abwesend wirke, was daran liegt, dass mir ständig Gedanken zu dem Theme durch den Kopf schießen.

Ich bin mittlerweile einfach nur noch verunsichert.
LG

Re: Was soll ich tun?

Verfasst: Fr 28. Okt 2016, 09:36
von Anne-Mette
Moin,

manchmal hilft es, den Angehörigen ein Buch in die Hand zu geben oder einen Film zu zeigen. Ich denke, dieses kleine Video greift die Problematik der Vermittlung des Anliegens gut auf:




Es gibt ein Buch von Udo Rauchfleisch, das ich für bedingt geeignet halte, einen Einstieg zu finden und einige kleine Artikel, die ich Dir gerne nennen kann.

Gruß
Anne-Mette

Re: Was soll ich tun?

Verfasst: Fr 28. Okt 2016, 10:01
von Theresa-Annalena
Hallo caretaker,
caretaker hat geschrieben:Ich kann das einfach nicht. Die Möglichkeit wäre da gewesen aber dann sind mir doch irgendwie Zweifel gekommen.
Bei all diesen Zweifeln frag ich mich mittlerweile, ob ich mich hier nicht ganz schön selbst was vormache.
Ich weiß nicht wie ich das sagen soll, aber irgendwie empfinde ich die ganze Sache falsch.
genau das mache ich seit über 20 Jahren! Glaube mir, es ist ein großer Fehler. Du hast heute so viele
Quellen Dich zu informieren, kannst Dich in sozialen Netzwerken und Foren belesen und austauschen.
Vieleicht solltest Du noch etwas warten und Dir mit den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten
mehr Klarheit verschaffen.

Es steht mir nicht zu, Dir Ratschläge erteilen zu wollen
(weil ich es selber bisher nicht geschafft mein Outing zumindest vor der eigenen Frau voranzutreiben),
aber wenn Du spürst, das da mehr ist, als "ein paar Klamotten" von der "anderen Seite", baue nicht
an einer falschen Realität wie ich. Du schlägst jeden Tag Nägel in Dein Leben und das Anderer.
Das später zu sortieren (wie meine aktuelle Situation) wird sehr schwierig!

LG Tessa.