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Intersexualität und Sport

Verfasst: Mi 17. Aug 2016, 12:13
von Anne-Mette
"Semenya spaltet die Leichtathletik" titelt die WELT:

http://www.welt.de/print/welt_kompakt/p ... letik.html

Gruß
Anne-Mette

Re: Intersexualität und Sport

Verfasst: Mi 17. Aug 2016, 12:22
von ab08
Danke, liebe Anne-Mette,

über zwischengeschlecht ist übrigens eine Petition zur Rehabilitierung
der tamilisch-indischen Intersex-Athletin Shanti Soundarajan verlinkt:
http://blog.zwischengeschlecht.info/

Liebe Grüße
Andrea

Re: Intersexualität und Sport

Verfasst: Mi 17. Aug 2016, 20:53
von Anke
Hallo,

ich finde, dass das ein ganz schön kompliziertes Thema ist. Intersexuelle Menschen passen eben nicht in das männlich-weiblich Raster des Sports. Mir fällt es da sehr schwer, mir eine Meinung zu bilden.

Auf einem völlig anderen sportlichen Niveau beschäftigt mich das schon ein Weile. Ich bin vor einigen Jahren leistungsorientiert Langstrecke gelaufen, vor allem 10 km, Halbmarathon und Marathon. Derzeit bin ich dabei mich wieder auf ein ordentliches Leistungsniveau zu trainieren und überlege, ob ich mich vielleicht nochmal an die Startlinie stellen soll.

Mein Problem ist, selbst wenn ich von meinen früheren Zeiten weit entfernt bleibe, laufe ich die anderen Frauen in meiner Altersklasse zum größten Teil in Grund und Boden. Wenn ich da laufe, dann tue ich das für mich, aber ich kann eben nicht verhindern, dass ich dann auch in der Wertung auftauche. Ich habe jahrelang mit viel Testosteron im Körper trainiert und eine dementsprechende Muskulatur aufgebaut. Deshalb fühlt sich das für mich nicht fair an, zumal ich an irgendwelchen Preisen und Auszeichnungen nicht interessiert bin. Mir geht es vor allem um die Freude am Wettkampf und die dazugehörige Atmosphäre.

Bis jetzt habe ich noch keine Antwort für mich gefunden. Glücklicherweise habe ich noch genug Zeit, denn es wird noch eine Weile dauern, bis ich wieder einen guten Trainingszustand habe.

Liebe Grüße

Anke

Re: Intersexualität und Sport

Verfasst: Mi 17. Aug 2016, 21:11
von ab08
Anke hat geschrieben: laufe ich die anderen Frauen in meiner Altersklasse zum größten Teil in Grund und Boden.
Hallo Anke,

danke für Deine Erläuterungen! Es ist sicher richtig, dass Testosteron und Muskelaufbau eine wesentliche Rolle spielen.

Wenn die HET lange (z.B. mehr als ein Jahrzehnt) andauert, verschwindet aber bisweilen jeder körperliche Vorteil... -> Bei mir sind nun die Östrogenwerte hoch und Testosteron kaum messbar. Durch Trainingsrückstand bin ich durchschnittlich mobilen Frauen meines Alters inzwischen leider klar unterlegen... :oops:

Liebe Grüße
Andrea

P.S. Intersexuelle sollten in jedem Fall starten dürfen. - Ev. künftig, um Chancengerechtigkeit herzustellen, in eigener Kategorie? Denn es sind keine "Männer"!
=> Da es aber sehr wenige sind, bleibt eben nur, Intersexuelle in der Gruppe der Frauen starten zu lassen...

Re: Intersexualität und Sport

Verfasst: Mi 17. Aug 2016, 22:16
von Beatrix
Anke hat geschrieben:Mein Problem ist, selbst wenn ich von meinen früheren Zeiten weit entfernt bleibe, laufe ich die anderen Frauen in meiner Altersklasse zum größten Teil in Grund und Boden. [...] Bis jetzt habe ich noch keine Antwort für mich gefunden. Glücklicherweise habe ich noch genug Zeit, denn es wird noch eine Weile dauern, bis ich wieder einen guten Trainingszustand habe.
Da mußt Du dir keine Gedanken machen. Bring einfach ein Attest von deinem Therapeuten, Endokrinologen oder Hausarzt mit, in dem bestätigt wird, daß und welche Hormone du nimmst.
siehe auch im Wikipedia-Artikel: Geschlechtsüberprüfung beim Sport
Mit Wirkung zum Mai 2011 regelte die IAAF ihre Richtlinien zum Umgang mit geschlechtsangleichend operierten Sportlern neu. Während ursprünglich weibliche Sportler nach einer Operation ohne Weiteres in Männerwettbewerben antreten können, können von ursprünglich männlichen Sportlerinnen, die nach einer Operation bei Frauenwettbewerben antreten möchten, in einer im Einzelnen geregelten Prozedur Hormontests und daraus folgend Hormonbehandlungen verlangt werden, um eine mögliche Wettbewerbsverzerrung zu vermeiden. Gleichzeitig wurden ähnliche Regeln für den Umgang mit Sportlerinnen eingeführt, die Symptome von Hyperandrogenismus aufweisen.
Weitere Links zum Thema:
Eine pdf-Datei von der Seite iaaf.org von 2011
Transathlete.com
Ein Artikel von "The Guardian" vom 25. Januar 2016


Liebe Grüße
Beatrix

Re: Intersexualität und Sport

Verfasst: Mi 17. Aug 2016, 22:41
von Frida
Hallo,

noch mal zu Semenya. Ein guter Bericht des ZDF, wie ich finde.
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/ ... au-zu-sein?

Ich persönlich spüre nach 10monatiger Hormoneinnahme einen deutlichen Verlust meiner Kraft, was sich sehr beim Laufen auswirkt. Ich bin einige Jahre auch wettkampfmäßig gelaufen und habe aber wegen Hüftgelenksproblemen leider auf Hobbyniveau zurückschrauben müssen.
Ich bemerke jetzt, wie es mir immer schwerer fällt meine Leistung zu verbessern oder wenigstens zu halten. Ich stelle aber auch fest, dass sich der Leistungswille verändert hat. Ich habe nicht mehr den Ehrgeiz wie früher. Das mag vielleicht auch ein wenig am fortschreitenden Alter liegen. Ich fühle mich so wohler und entspannter...kann mehr genießen.

Liebe Grüße, Frida

Re: Intersexualität und Sport

Verfasst: Do 18. Aug 2016, 09:30
von Anne-Mette
Moin,

hier kommt noch ein Artikel: http://www.vol.at/800-meter-der-frauen- ... en/4850233

Gruß
Anne-Mette

Re: Intersexualität und Sport

Verfasst: Do 18. Aug 2016, 10:43
von Anke
Hallo,
Beatrix63 hat geschrieben:Da mußt Du dir keine Gedanken machen. Bring einfach ein Attest von deinem Therapeuten, Endokrinologen oder Hausarzt mit, in dem bestätigt wird, daß und welche Hormone du nimmst.
lieben Dank an Beatrix für den Hinweis. Aber das ist für mich nur der eine Teil. Es geht mir auch darum, wie ich mich selbst dazu stelle. Wie fühle ich mich damit und ist das noch Fair Play. Und damit meine ich Fair Play noch meinen eigenen Maßstäben.

Und damit bekomme ich die Kurve zum Ausgangsthema. Ich bin da hin- und hergerissen. Auf der einen Seite wünsche Sportlerinnen wie Canter Semenya, dass sie bei solchen Veranstaltungen starten können. Auf der anderen Seite bin ich mir nicht sicher, ob es fair gegenüber den anderen Läuferinnen ist.

Wir diskutieren hier auch das Thema "Drittes Geschlecht" auch im Hinblick auf intersexuelle Menschen und ich habe häufig gehört und gelesen, dass diese sich dort auch gerne verorten.

Ich frage mich, was ist das richtige Kriterium für die Einteilung beim Sport und vor allem auch beim Leistungssport: die Geburtsurkunde, der körperliche Augenschein, die Gene, der Hormonspiegel oder die Selbstbestimmung?

Dabei darf nicht aus den Augen verloren werden, dass je nach Kriterium den Betrugsmöglichkeiten Vorschub geleistet wird. Wer Staatsdoping betreibt, der hat auch sicherlich keine Hemmungen solche Möglichkeiten zu missbrauchen.

Liebe Grüße

Anke