Seite 1 von 2
Die Logik eines Selbstbetrugs
Verfasst: Di 19. Jul 2016, 10:53
von Simone
Hallo,
nach zweistündiger Analyse durch einen Sexologen habe ich hier jetzt die Logik meines Selbstbetrugs aufgeschrieben. Bei mir muss es sicherlich noch ein wenig sacken, aber die Fakten weiß ich heute noch am besten.
Ich bin ein biologischer, gesunder Mann. Mit Erwachen meiner Sexualität in der Pubertät habe ich meine Autosexualität entwickelt, bei der mir Damenwäsche zur Erregungssteigerung diente. Ziel meiner Begierde sind Frauen. Mangels einer Partnerin habe ich meine Lust also allein gelebt und durch das Träumen, Sex als Frau zu erleben und mich weiblich zu kleiden, habe ich erreicht, dass ich den Frauen nahe bin, ohne dass ich ihnen als Junge oder später als Mann tatsächlich nahe kommen musste. Immer wenn ich jetzt negative Erfahrungen in einer Beziehung gemacht habe, habe ich meine Autosexualität auf Kosten meiner zwischenmenschlichen Sexualität weiter gepflegt, was bedeutet, dass ich mein Frausein immer weiter perfektioniert habe. Dabei habe ich den GV mit einem Mann als Krönung empfunden, wodurch ich quasi vollständig zur Frau werde. Aber darum geht es mir gar nicht wirklich. Hier betrüge ich mich. Mein eigentlicher, ursprünglicher Wunsch ist es, Frauen als Mann nah zu sein. Aber das ist im Laufe der Jahre in den Hintergrund geraten. Da ich meinen Körper nicht hasse und optischen Reiz hauptsächlich beim Anblick von Frauen empfinde, gibt es keinen Hinweis auf eine TS.
Meine männliche Sexualität mit einer Frau habe ich in keiner meiner Beziehung und auch nicht in meiner Ehe leben können. Stattdessen habe ich mich angepasst und nicht nur auf sexueller Ebene ein fremdbestimmtes Leben geführt. So geht es nicht weiter. Ich muss etwas ändern, sonst ist es nur eine Frage kurzer Zeit, wann unsere Ehe wieder an der gleichen Stelle steht. Es ist meine Entscheidung, wie ich weiter mache. Wenn es innerhalb der Ehe klappen soll, muss ich meine männliche Sexualität dort einbringen und leben können. Aber TS oder schwul bin ich ziemlich sicher nicht.
Jetzt sitze ich hier und bin ziemlich verunsichert. Aber ich wollte diese Logik einer Sexualität einmal vorstellen. Vielleicht mag die eine oder andere nach Antworten Suchende diese Logik auf ihre Situation übertragen. Ob man sie dann stichhaltig findet und auf ihrer Basis weiter macht, bleibt schließlich immer jedem selbst überlassen. Oft hilft ja auch zu wissen, was es nicht ist.
LG Simone
Re: Die Logik eines Selbstbetrugs
Verfasst: Di 19. Jul 2016, 11:16
von Sylvia
Kommt mir schmerzlich logisch und bekannt vor...
Re: Die Logik eines Selbstbetrugs
Verfasst: Di 19. Jul 2016, 21:37
von Simone
Hallo Sara,
das ist auch einfach nur so runtergeschrieben, möglichst schnell und möglichst ohne zu werten. Meine Empfindungen dazu sind eine andere Sache. Ich muss mir noch ein paar Gedanken machen und in mich hinein horchen. Als ich angefangen habe Wäsche zu tragen war ich höchstens zwölf Jahre alt. Klar gab es in meiner Jugend auch immer mal Zeiten, in denen ich mir eine Freundin gewünscht habe, aber eigentlich hatte ich immer wieder meinem Alter entsprechenden Kontakt zu Mädchen. Was ich nicht gut konnte, war Mädchen ansprechen. Aber enttäuscht war ich eigentlich erst, als meine Freundinnen so im Alter von 17, 18, 19 nicht mit mir schlafen wollten. Weil sie gerade erst 16 geworden war bzw. aus religiösen Gründen. Aber Mädchen war ich bei Gelegenheit meine ganze Jugend hindurch. War das nur meine Selbstbefriedigung, die ja normalerweise trotz erfülltem Sexuallebens nebenher läuft, oder waren es mehr Momente meiner Weiblichkeit, die sich Bahn brach? Das wird man wohl nur im Nachhinein beurteilen können.
LG und gute Nacht
Simone
Re: Die Logik eines Selbstbetrugs
Verfasst: Di 19. Jul 2016, 22:08
von ExuserIn-2022-03-18
Vielleicht ist es auch anders als der Sexologe meint. Ich würde mich da nicht auf die Analyse einer einzelnen Person verlassen.
Sex mit Männern bei dem du Frau bist, kann auch ganz einfach nur bedeuten, dass du bi bist und dich gerne weiblich siehst/fühlst.
Re: Die Logik eines Selbstbetrugs
Verfasst: Di 19. Jul 2016, 23:28
von ExUserIn-2026-04-08
Hallo Simone,
danke für Deine Gedanken und toll, dass es so interessante Rückmeldungen gibt.
Meine Sicht: Du schreibst von Selbstbetrug. Damit dürfte implizit einher gehen, dass es ein richtig oder falsch gibt. Dieses ist aber wiederum Teil eines Wertesystems, dass Du wahrscheinlich nicht selber bestimmt hast. So quälte ich mich viele Jahre und Jahrzehnte lang in ähnlicher Weise.
Aber wie wäre es mit einem anderen Gedankenansatz. Ich habe begonnen, den Worten nicht so viel Bedeutung beizumessen. Selbstbetrug, Transsexualität, Werte etc. Kann man sich sich denn nicht jenseits dieser Kategorien definieren ? Ich habe Phasen mit Trans und auch ohne. Es ist interessant zu wissen, woher das kommt, aber wesentlich ist es, wie ich mich jetzt fühle. Je mehr TG ich zulasse, um so relaxter kann ich damit umgehen. Das ist viel entscheidender für mich. Vor 6 Wochen habe ich im Urlaub als Frau gelebt und seitdem bringt mich nichts mehr dazu, Damenwäsche zu tragen. Es geht mir gut dabei. Es gibt keinen Defizit und auch keinen Selbstbetrug. Ich gönne mir Strumpfhosen und BH wenn mir danach ist. Ich bin es mir wert. Und ich habe eine sehr gute Beziehung. Vielleicht auch, weil ich ehrlich mit mir bin. Zumindest so gut ich kann.
Wir sind kein Problem, solange wir nicht eines daraus machen.
Die Crux ist, dass wir sehr gut darin sind, ein Problem aus uns zu machen. Die wichtigste Frage ist für mich, wenn es mir nicht gut geht: Was ist wirklich das Kernthema ? ISt es TG an sich oder ist es vielmehr, weil wir uns nicht "vollwertig" im Sinne der Anderen fühlen ? Wer bestimmt, ob ich vollwertig bin ? Oder vielleicht von Deinem Grundproblem ausgehend: Worin liegt der Selbstbetrug wirklich ? Sind Deine Gefühle für Weiblichkeit nicht echt ? Könnte es sein, dass der Selbstbetrug auch seine Wurzeln darin hat, dass Du Deine Gefühle für Weiblichkeit nicht ernst nimmst ? Kann es sein, dass Du Dich nicht ernst nimmst ?
Ich denke man kann den Selbstbetrug so oder anders herum sehen. Eine sichere Antwort gibt es nicht. Vielleicht geht es nur darum, dass Du Dein Potential und Deine Möglichkeiten lebst. Deine Träume mögen vielleicht nicht in Erfüllung gehen, aber sie sind für Dich real. Kann, oder vielmehr darf man sie ignorieren ?
Re: Die Logik eines Selbstbetrugs
Verfasst: Mi 20. Jul 2016, 12:03
von Simone
Hallo,
vielen Dank für eure Anmerkungen. Vielem von dem, was ihr schreibt, kann ich zustimmen. Wenn ich allein leben würde, hätte ich vielleicht gar kein Problem, oder es würde weniger schwer wiegen. Denn ich könnte meine Werte ändern und leben, wie ich es wollte. Selbstbestimmt leben. Das ist sicherlich die Haupterkenntnis der Analyse. Ich lebe nicht nach meinem Wertesystem, sondern nach dem der Gesellschaft, meiner Eltern, meiner Frau, usw.. Und folglich bekomme ich auch keine Bestätigung als der Mensch, der ich wirklich bin. Der ich komplett bin. Ich bin ein netter Kerl (die glückliche Ehefrau), der heimlich Frauenkleider trägt (die arme Ehefrau). Beides gehört zu mir, aber das Tragen von Frauenkleidern passt einfach nicht in den Wertekanon meiner Frau (der Gesellschaft, meiner Eltern, usw.). Und es ist ja gar nicht so, dass es keine Schnittmenge von Werten gibt, die ist sogar recht groß. Aber wenn es da ein No Go gibt, bin ich die einzige, die sich noch bewegen kann. Und an dieser Stelle habe ich mich und meine Bedürfnisse in der Vergangenheit nicht ernst genug genommen. Ich habe tatsächlich gedacht, meine Neigung würde verschwinden, oder sich unterdrücken lassen. Ich glaube, dazu bekommt meine männliche Seite zu wenig Bestätigung. Natürlich sind die Ansprüche meiner weiblichen Seite bezüglich Bestätigung wesentlich weniger anspruchsvoll. Aber es gibt sicherlich auch Männliches in mir, vielleicht nicht viel Typisches ... Ach jetzt sind wir wieder bei der Frage, was ist typisch männlich, was typisch weiblich. Ich glaube, ich kann beides. Aber wenn man möchte, dass männliches Verhalten überwiegt, darf man es auch nicht immer in Frage stellen, wenn es deutlich wird. Geblieben ist mir dann unkritisierte Weiblichkeit (von wem auch). Und diese "Erfolgsmodell" habe ich dann weiter verfolgt, bis es auf die Straße kann und will.
Ich weiß nicht wie, aber vielleicht können meine Frau und ich eine Trennung vermeiden. Ansonsten bin demnächst in der glücklichen Situation, meine Werte selber zu bestimmen und nach ihnen leben zu können. Sicherlich gilt das nicht uneingeschränkt, aber ich möchte ja auch in einer gewissen Gemeinschaft leben. Ich hoffe, das geht dann noch. Aber was ist eine Gemeinschaft wert, die jemanden ausschließt, weil er BH und Höschen trägt. Ich fürchte nur, die Mitglieder der Gemeinschaft fragen sich, was ist diese Person wert, wenn sie für das Tragen von BH und Höschen, Frau und Kind verlässt. Das könnte ich sogar verstehen. Deshalb muss ich wissen, ist es einfach nur ein Wunsch, oder Teil meiner Persönlichkeit.
Ich fürchte, jetzt bin ich abgeschweift. Ich glaube, ich wollte nur sagen, dass ich eine Verantwortung für meine Familie empfinde und mich frage, wie wichtig darf ich mich und meine persönlichen Bedürfnisse nehmen.
LG Simone
Re: Die Logik eines Selbstbetrugs
Verfasst: Mi 20. Jul 2016, 13:26
von Lina
Vicky_Rose hat geschrieben:Hallo Simone,
...
danke für Deine Gedanken und toll, dass es so interessante Rückmeldungen gibt.
Meine Sicht: Du schreibst von Selbstbetrug. Damit dürfte implizit einher gehen, dass es ein richtig oder falsch gibt. Dieses ist aber wiederum Teil eines Wertesystems, dass Du wahrscheinlich nicht selber bestimmt hast. So quälte ich mich viele Jahre und Jahrzehnte lang in ähnlicher Weise.
...
Stimmt. So gut wie alles was wir tun könnte unter dem Oberbegriff "Selbstbetrug" nach irgend einer Definition passen - Geboren werden, sterben, essen und Kinder kriegen vielleich als einzige Ausnahmen.
Wer sagt, dass man es logisch erklären soll. Und wenn man das muss, dann ist es auch logisch, dass man wirklich ALLE bedeutenden Faktoren kennen und einkalkulieren muss. Wer tut das?
Emotionelle und intuitive Bewertungen werden meistens die überwiegenden Kriterien für alles sein, was wir tun. Wer meint, es sei nicht so, soll bitte hier darstellen, z.B. wie sie ihren Berufen oder Lebenspartnern gewählt haben - dann werden wir mal sehen. Vor allem, von denen, die gerade Beruf und Lebenspartner nur nach rationellen Überlegungen ausgesucht haben, würde ich gerne hören, wie ihr Leben sonst ist.
Und die Bewertung der GI nach rationellen Kriterien ...? Also, für mich würde das nicht funktionieren, so viel ist sicher.
Re: Die Logik eines Selbstbetrugs
Verfasst: Mi 20. Jul 2016, 17:48
von Simone
Hallo Sara, hallo Lina,
vielen Dank für eure Statements. Weil ich ein logisch denkender Mensch bin, hat eine solche Argumentationskette für mich grundsätzlich erst einmal Gewicht. Aber die Logik sagt auch, wenn die Vorausetzungen nicht wahr sind, kann man alles daraus folgern. Es ist auch meiner Meinung nach fraglich, ob man ein solch emotionales Thema mit Logik in den Griff zu bekommen versuchen sollte. Aber wenn man es tut, dann muss natürlich auch die Vorausetzung stimmen. Und die finde ich fraglich. Warum sollte ich als Jugendliche versuchen, mich dem Ziel meiner Begierde anzugleichen. Das scheint mir im ersten Moment nicht unbedingt nahe liegend. Meiner damaligen Erfahrung nach taten Frauen sich mit Männern zusammen. Warum sollte ich so den Frauen näher kommen? Ich hatte eigentlich immer Kontakt zu Mädchen, im Kindergarten, in der Grundschule und auch später. Irgendwann begann das Interesse für Damenwäsche, wahrscheinlich nichts ungewöhnliches in diesem Alter. Aber als ich zum ersten Mal erotische, pornografisch Bilder gesehen habe, war mir sofort klar, dass ich die Frau sein wollte. Ist das auch nicht ungewöhnlich? Oder habe ich einfach zu wenig Ahnung? Ich war und bin immer noch schüchtern. Wollte ich Frau sein, um bei der Kontaktaufnahme nicht den ersten Schritt gehen zu müssen? Oder wollte ich einfach angesprochen, verführt und genommen werden, weil es meiner weiblichen Natur entspricht?
Oder betrüge ich mich wieder selbst? Dass ich im Laufe der Zeit nie nach Männern geguckt habe, besagt in meinen Augen auch nicht unbedingt etwas. Wenn ich das täte wäre das wohl ein Hinweis darauf, dass ich kein heterosexueller Mann bin, aber wenn ich es nicht tue schließt das TS doch nicht automatisch aus. Der Gedanke mit einem Mann zusammen zu sein, sorgt bei mir deutlich für Erregung, der Gedanke an Sex mit einer Frau, so gut wie nicht mehr. Habe ich mich hier selber konditioniert? Geht das überhaupt?
Auf jeden Fall fühle ich mich als Mann im Moment in meiner Ehe nicht sehr wohl, ungeliebt und nicht akzeptiert. Die vielen Jahre, Gewöhnung aber vor allem die Liebe zu meinem Sohn binden mich. Aber eine Trennung hat für mich nicht nur Schrecken.
LG Simone
Re: Die Logik eines Selbstbetrugs
Verfasst: Mi 20. Jul 2016, 18:44
von Jenniffer63
Hallo Simone.
Das mit der Logik ist immer so eine Sache, vor allem, wenn's die eigene ist.
Was für andere logisch ist, kann für dich vollkommen unlogisch sein, auch wenn dritte der Logik des ersten durchaus wahre Aspekte zuschreiben, nicht ohne sie vorher durch die Logik eines vierten ergänzt zu haben.
Logisch oder ?
Also ganz ehrlich, ich verstehe nicht was ich da geschrieben habe.
Was ich sagen will ist eigentlich ganz einfach, pure scheinbare Logik ohne persönliche Gefühle ist unvollkommen. Ein logisches Leben kann krank machen, weil es einen wesentlichen Bereich, nämlich den der Gefühle komplett außen vor lässt.
Wenn deine Gefühle deine logischen Entscheidungen anzweifeln, ... dann tust du das was du gerade tust, nämlich den Selbstbetrug noch logisch erklären.
Puh, wahnsinnig schwer.
Ich denke die Ausgewogenheit macht's.
Es gibt Dinge die kannst du mit Zahlen, Daten, Fakten belegen, der einzelne Mensch gehört nicht dazu.
Und weil das so ist, ist die Logik von anderen schon gar nicht 1:1 übertragbar, vollkommen egal wie logisch dieser Mensch auch argumentiert. Der nächste liefert dir eine andere, auch in sich logische Erklärung. Und nu?
Keiner und Keine kennt deine wirklichen Gefühle, denn das was du erzählst sind auch nur für dich logisch in Worte gefasste Gefühle.
und dabei sind die Antworten so oft in den eigenen Fragen enthalten.
Und da schließt sich der Kreis schon wieder.
Liebe Grüße
Jenniffer
Re: Die Logik eines Selbstbetrugs
Verfasst: Mi 20. Jul 2016, 21:08
von ExuserIn-2022-05-28
Simone hat geschrieben:
Da ich meinen Körper nicht hasse und optischen Reiz hauptsächlich beim Anblick von Frauen empfinde, gibt es keinen Hinweis auf eine TS.
....Aber TS oder schwul bin ich ziemlich sicher nicht.
LG Simone
Hi die Logik dieses "Fachmanns" ist ja genial. Im Umkehrschluss heist das also : Lesbische Frauen sind also in Wirklichkeit keine Frauen, da Sie einen Reiz beim Anblick von Frauen empfinden. Aua, das tut schon weh.
Wenn obige Theorie stimmen würde - die man wohl auf fast alle älteren TS anwenden kann, würde das ja bedeuten, dass alle nur unbefriedigte Männer sind, die ihre Urtriebe nicht ausleben können.
Klar, ich wollte mit 4 Jahren unbedingt Frauen vergewaltigen und da ich es nicht konnte habe ich mich dann wie ein Mädchen verhalten und durchgesetzt, dass ich mit 5 meine erste Puppe bekam. Wo ist denn da die Logik?
Inzwischen gibt es diverse Studien, die belegen, dass eine unterschiedliche Entwicklung zwischen Gehirn und Körper zwischen der 8 und 12 Schwangerschaftswoche ein wesentlicher Auslöser ist.
Akso lass Dich nicht verunsichern sondern such Dir jemand der sich mit TS wirklich auskennt. Im übrigen kann eh kein Aussenstehender wirklich feststellen wie man sich fühlt sondern nur dabei helfen es selbst zu erkennen.
Was auch dabei helfen kann: Biographien anderer TS lesen und Tagebuch führen.
LG Chrissie
Re: Die Logik eines Selbstbetrugs
Verfasst: Mi 20. Jul 2016, 21:22
von Lina
Simone
dein ueberwiegender Selbstbetrug besteht nache meiner Einschaetzung darin, dass du dir einbildest ueberwiegend logisch zu denken.
Ich entscheide auch vieles rationell und logisch. Vielleicht sogar mehr als die Meisten. Dabei weiss ich aber auch, dass weit ueber 95% der gedankenprozesse Unbewusst ablaufen. Wieviel davon logisch basiert, emotionell ist oder einfach einprogrammierte Reflexe sind, weiss nach dem heutigen Stand der Dinge niemand.
Was aber 100% sicher ist: Alles was wir tun, tun wir letztendlich um dabei guute Gefuehle zu haben.
Die letzte "Entscheidung" haben slso immer die Emotionen.
Re: Die Logik eines Selbstbetrugs
Verfasst: Mi 20. Jul 2016, 23:32
von Simone
Hallo,
Zur späten Stunde möchte ich mich noch einmal für eure Anteilnahme an meinem Problem bedanken. Ich habe irgendwo gelesen und eine meiner Berater hat es auch erwähnt, dass man festgestellt hat, dass vor jeder Entscheidubg des Verstandes die Bereiche des Gehirns, die für die Bauchentscheidungeb zuständig sind , einen Impuls senden. Daraus resultiert die Frage, ob wir überhaupt frei in unseren Entscheidungen sind. Wenn ich jetzt meinen Bauch entscheiden lassen würde, würde ich mir eine Stunde lang die Beine rasieren, Strnümpfe und Rock anziehen und Tanzen gehen. Warum mache ich das nicht? Weil mein Bauch schon längst entschieden hat, dass ich wieder einen anderen Weg versuchen werde, weil ich mich wiederholt selbst betrüge, meinen Verstand, der mir ja so wichtig ist, betrüge und einer ja dafür sorgen muss, dass ich nicht untergehe. Soll ich sagen Danke Bauch oder ist mein Bauch der einzige, der sagt, Simone, gib dich nicht auf. Du bist real, irgendwann bring ich dich groß raus. Verflixt! Ich glaube ich muss wieder meiner Frau die Entsceidung überlassen. So falsch sie vielleicht auch liegt. Sie kann damit leben und ich bin es sowieso gewohnt, Fremdbestimmung zu leben. Für mich gibt es keine Wahrheit. Ist das nicht furchtbar? Wonach soll ich mich dann richten?
Gute Nacht Simone
Re: Die Logik eines Selbstbetrugs
Verfasst: Do 21. Jul 2016, 16:06
von Lina
lucalikes hat geschrieben:Lina hat geschrieben:
Die letzte "Entscheidung" haben slso immer die Emotionen.
Das ist auch gut so. Und manchmal ist es verheerend falsch. Emotionen sind besser durch andere manipulierbar. Emotionen können dafür sorgen, dass wir um der Hoffnung willen, ins Paradies zu kommen, unser irdisches Leben aufs Spiel setzen.
Manchmal auch genau richtig.
Meistens SIND deine intuitiven Handlungen aber richtig - sonst würdest du wahrscheinlich nicht mal am Leben sein. Du würdest z.B. immer Treppen runter fallen, weil du bewusst die ganze Information die für Treppen laufen gar nicht bewusst verarbeiten kannst. Und du würdest immer auf die falschen Leute rein fallen - weil das Unterbewusstsein diese Vielfalt von komplexen Informationen, die die Verhaltensweise einer Person weiter geben, am besten und am zuverlässigsten Verarbeitet. Grundlage menschlicher Interaktion seit einigen Millionen Jahre.
Der Punkt ist: Welchen Sinn mach eine scheinbar logisch korrekte Lösung, wenn letztendlich die die guten Gefühle dabei nicht eintreten.
Ist also die Ausdrucksweise meiner Gender Identity richtig, wenn sie logisch erklärbar ist, oder ist die richtig, wenn ich damit die Interaktion mit den Mitmenschen erlebe, die mir gute Gefühle bereitet? Was ist für dich richtig?
Und was bedeutet übrigens "Manipulierbar" in deinem Kontext?
Re: Die Logik eines Selbstbetrugs
Verfasst: Do 21. Jul 2016, 16:11
von Lina
gabi52 hat geschrieben:Lina,
dem kann ich nur zustimmen. Guute Gefühle haben und dabei und keinem anderen Menschen schaden/weh tun. Dazu hat mir vor vielen Jahren mal (m)ein Psychologe geraten.
,,,
War das der, der sagte, dass du glücklicher wirst, wenn du dich nicht so sehr von Expertenaussagen dirrigieren lässt?
(Sorry, ... ich musste den los werden - mein Lieblingswitz, wenn es um die Psycho-Branche geht.)
Re: Die Logik eines Selbstbetrugs
Verfasst: Fr 22. Jul 2016, 00:54
von Lina
lucalikes hat geschrieben:'Nabend, Lina.
Lina hat geschrieben:Meistens SIND deine intuitiven Handlungen aber richtig - sonst würdest du wahrscheinlich nicht mal am Leben sein. Du würdest z.B. immer Treppen runter fallen, weil du bewusst die ganze Information die für Treppen laufen gar nicht bewusst verarbeiten kannst. Und du würdest immer auf die falschen Leute rein fallen - weil das Unterbewusstsein diese Vielfalt von komplexen Informationen, die die Verhaltensweise einer Person weiter geben, am besten und am zuverlässigsten Verarbeitet. Grundlage menschlicher Interaktion seit einigen Millionen Jahre.
Emotionen führen leider oft dazu, dass wir in der Tat immer wieder auf die falschen Leute hereinfallen. Das heißt in der Psychologie Wiederholungszwang. Dazu gibt es noch die sogenannte "Identitikation mit dem Aggressor". Heißt, dass wir es manchmal vorziehen, Unsinn zu akzeptieren, bloß um die Verursacher des Unsinns nicht für ihr Versagen beschuldigen zu müssen. Sinnfälligstes Beispiel ist sexueller Missbrauch. Wenn sich Menschen dem nicht stellen, wie sie darunter gelitten haben, laufen sie Gefahr, sich ein Leben lang selbst zu bestrafen.
Lina hat geschrieben:Ist also die Ausdrucksweise meiner Gender Identity richtig, wenn sie logisch erklärbar ist, oder ist die richtig, wenn ich damit die Interaktion mit den Mitmenschen erlebe, die mir gute Gefühle bereitet? Was ist für dich richtig?
Wenn du dabei nur gute Gefühle hast, beglückwünsche ich dich und hoffe, dass du dabei absolut ehrlich mit dir selbst bist. Mein eigenes Empfinden ist im Allgemeinen gemischt und ich merke, dass ich immerzu noch mehr möchte (ähnlich einer Sucht).
Lina hat geschrieben:Und was bedeutet übrigens "Manipulierbar" in deinem Kontext?
Dabei dachte ich an gar keinen Kontext oder an alle. Manipulation funktioniert m.E. nur, wenn sie sich an vorhandene Emotionen richtet. Ich finde es z.B. nicht verwerflich, dass mir Fleisch so gut schmeckt, dass ich es früh, mittags und abends essen könnte. An dieser Stelle bin ich bestens für Werbung empfänglich und für jedes Argument, weshalb es gesund und notwendig ist und weshalb die Fleischproduktion Arbeitsplätze sichert und die Wirtschaft ankurbelt.
Ich weiß aber auch, dass das alles gar nicht stimmt.
Und weil ich es mir so sehr wünsche, eine Frau zu sein oder zumindest dafür gehalten zu werden, bin ich total empfänglich für alle Berichte von Menschen, die in ihrem Wunschgeschlecht leben und sich einfach nur wohlfühlen, keine Probleme haben, es nicht bereuen und auch nicht immer mehr wollen.
Aber auch da weiß ich, dass das nicht immer stimmt. Nur dass die Menschen, die sich damit ihr Leben versaut haben, nicht hier äußern werden. Die wenigsten gestehen sich das überhaupt ein.
Die "Logik eines Selbstbetrugs", wenn es sie denn gibt, beruht vermutlich auf Emotionen, die wir nicht hinterfragen wollen.
Ciao
Martina (lucalikes)
Martina,
diese Diskussion ist natürlich nur sinnvoll wenn zumindest so vie Übereinstimmung besteht, dass wir uns einigen können, dass letztendlich so gut wie alle Entscheidungen emotional gesteuert sind. Scheinbar siehst du das aber nicht so - obwohl du auch nicht wirklich ein Nachweis vom Gegenteil präsentierst. Du könntest natürlich dann das Gegenteil von mir verlangen - rein logisch - aber darauf lass ich mich nich ein, weil es einfach zu langwierig wäre. Ich bitte dich einfach mal zu überlegen, welche wichtigen Entscheidungen du in deinem Leben getroffen hast und uns dann von A bis Z beschreiben wie diese Entscheidung auf rein logischer Basis zu Stande kam.
Vielmehr will ich Annahmen, die du einfach so ohne wirkliche Grundlage äußerst z.T. zurückweisen: Ich habe z.B. nicht gesagt, dass alles was ich tue mich glücklich macht. Aber wenn ich beispielsweise nur nach wisssenschaftlichen Erkenntnissen meine GI bestimmen sollte, dann würde es ca. so aussehen:
Physiologisch bin ich männlich - zwar weniger ausgeprägt männlich als manche andere aber trotzdem männlich.
Es gibt keine wissenschaftliche Methode eindeutig und objektiv Gender Identity festzustellen - höchstens Ausprägungen des Intellekts, die jedoch nur Tendenziell sind und sich stark überlappen. Also keine logische Grundlage GI festzustellen.
Endergebnis: GI männlich, also muss auch die Kommunikation in Verbal- und Körpersprache - also darunter auch Kleidung - in allen Situationen dem Entsprechen, was den sozialen Normen nach als männlich gilt.
Das ist doch einfach - Damit ist die Sache doch klar ... ich muss mich also so verhalten, dass Frauen immer wissen, dass ich sie immer auf irgend einem Level meiner Prioritäten sie als mögliche Partnerin sehe, dass Männer immer in männlich-weiblich polarisierten Zusammenhängen als verbündete sie versteht. Usw., usw. ... Ich habe keinen Bock das weiter auszumahlen, weil es mir schon jetzt dabei schlecht geht.
Ich kann das alles - sehr gut sogar. Aber ICH fühle mich nicht dabei wohl. Warum soll ich dann dumm-dämlich anhand einer scheinbar logischen Entscheidung etwas tun, was mich definitiv NICHT glücklich macht ...
wenn ich ...
Situationsbedingt mir aussuchen kann, ob gerade die Seite von mir die eher männlich, geschlechtsneutral oder weiblich wahrscheinlich eher dir vorherrschnde sein wird. Dann bin ich z.B. für die eine Gruppe Menschen in der Gesellschaft männlich - vielleicht der Spezialist in irgend einem Arbeitsbereich - für andere bin ich z.B. der Trainingspartner im Box-Gym den sie nicht einschätzen können, weil er nicht gefährlich aussieht, aber immer wieder für eine Überraschung gut ist, und für viele andere wieder bin ich die Freundin Lina mit der sie über alles reden können, und die sie sich gar nicht anders vorstellen können. Da brauche ich also nicht weder meine Themen, Ausdrücksweisen oder Gesten zu verstellen, weil die zu dem weiblichen Äußeren passen. So bin ich also weitgehend bedient. Ich darf unter Freunden und Freundinnen so sein wei ich mich fühle, ich bin unter der Oberfläche stark genug um Ärsche zu treten, sollte es notwendig sein, und ich bin auch so integriert in der Gesellschaft, dass ich mein Lebensunterhalt verdienen kann mit den Fähigkeiten, die ich mit viel Einsatz entwickelt habe.
Nein, ich bin nicht immer glücklich, aber ich wäre doch ziemlich bescheuert, wenn ich nur aufgrund einer logisch erklärbaren Entscheidung etwas tun würde, was mich definitiv nicht glücklich gemacht hat.
Das Problem was du erwähnst, mit Leuten, die immer die Entscheidungen treffen, die sich nicht Glücklich machen - z.B. immer denselben Idiot als Partner - jedes mal mit einem neuen Namen, aber doch irgendwie derselbe - ist mir natürlich bekannt.
Haben diese Leute sich in irgend einer Weise klar gemacht, welche mentalen Auslöser sich einprogrammiert haben, die das verursachen? Nach meiner Erfahrung meistens nicht. Das ist ja eben der Punkt den ich anspreche: Wenn man sich erlaubt Emotional und Intuitiv zu handeln wird man auch eher im klaren sein wann man wirklich rationell und wann man emotional motiviert ist.
Und wie du vielleicht bemerkt hast - ich rede nicht davon "eine Frau sein zu möchten" oder Derartiges. Der Grund ist, ich sehe das nicht als ein Zustand an sich. Ich sehe das als als ein biologischer Anteil, der sich nicht ganz ändern lässt, darauf eine ganz große Menge soziale Konstrukte woduch die GI zum Ausdruck kommt.
Ist für mich also kein Zustand sondern eher eine Handlung. Ich habe ein inneres mentales Grundkonstrukt, dass am besten das nach draußen kommunizieren kann innerhalb von den Konventionen, die die Leute um mich normalerweise vorwiegend als weiblich sehen. Wenn das was ich mit meinem Körper - inkl. Kleidung und Styling - kommunizeire am besten mit der sprachlichen Konvention die auch "weiblich" ausdrückt - ?ronomen, Adjektivendungen, Eigennamen - ist das mir völlig recht. Es ist aber eine Handlung - nicht ein Zustand. Deshalb fühle ich mich z.B. auch keineswegs verpflichtet den Zustand meines Körpers zu ändern,