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Wieviele Menschen sind nach ICD eigentlich krank?
Verfasst: So 10. Jul 2016, 12:38
von steffiSH
Ich habe mir gerade den Passus
http://www.icd-code.de/icd/code/F66.-.html
CD-10-GM-2016 > F00-F99 > F60-F69 > F64.-
durchgelesen und mir stellt sich die Frage, wieviele Menschen nach dem ICD eigentlich krank sind.
Auf jeden Fall sind es erst mal 99,9% der Frauen weil sie ja männliche Kleidung wie Hosen tragen. Dann kommen noch Männer dazu, die gerne mal ein rosa T-shit tragen - oder eins mit Blumen (geht gar nicht) und und und ...
Gibt es nach dieser Klassifizierung eigentlich einen Normmenschen wie man zu sein hat ohne krank zu sein?
Die Schwulen haben es immerhin geschafft, nicht mehr als krank zu gelten
http://www.icd-code.de/icd/code/F66.-.html
ICD-10-GM-2016 > F00-F99 > F60-F69 > F66.-
obwohl das für mich im Vergleich dann wieder überhaupt nicht Nachvollziehbar ist, denn gäbe es ausschießlich homosexuelle Menschen gäbe es uns Menschen ja gar nicht mehr, oder?
Ich glaube aber die Menschheit ist auf einem guten Weg, diese anachronistischen Klassifizierungen über Bord zu werfen.
Re: Wieviele Menschen sind nach ICD eigentlich krank?
Verfasst: Mo 11. Jul 2016, 07:42
von Astrid
Ich habe bisher immer angenommen, daß nur wer in pathologischer Weise z.B. unter seiner vom körperlichen Geschlecht abweichenden Geschlechtsidentität leidet krank im Sinne von ICD10 F64 ist.
Demnach wäre z.B. nicht gleich jeder Mensch mit männlichem Körper, der ein Kleid trägt, krank, sondern erst, wenn diese Person aufgrund von Beschwerden, wohl meist psychischer Art, einen Arzt aufsucht und festgestellt wird, daß diese ihre Ursache in der vom Körper abweichenden Geschlechtsidentität haben.
Oder irre ich da (habe keine Ahnung)?
Liebe Grüße - Astrid
Re: Wieviele Menschen sind nach ICD eigentlich krank?
Verfasst: Mo 11. Jul 2016, 09:29
von Svetlana L
Astrid hat geschrieben:Demnach wäre z.B. nicht gleich jeder Mensch mit männlichem Körper, der ein Kleid trägt, krank, sondern erst, wenn diese Person aufgrund von Beschwerden, wohl meist psychischer Art, einen Arzt aufsucht...
Das ist der Beweis: Arztbesuche machen krank

Re: Wieviele Menschen sind nach ICD eigentlich krank?
Verfasst: Mo 11. Jul 2016, 10:19
von steffiSH
Svetlana L hat geschrieben:Astrid hat geschrieben:Demnach wäre z.B. nicht gleich jeder Mensch mit männlichem Körper, der ein Kleid trägt, krank, sondern erst, wenn diese Person aufgrund von Beschwerden, wohl meist psychischer Art, einen Arzt aufsucht...
Das ist der Beweis: Arztbesuche machen krank

das ist ja mal ne gute Nachricht: Wenn ich nicht zum Arzt gehe bin ich gesund

Re: Wieviele Menschen sind nach ICD eigentlich krank?
Verfasst: Mo 11. Jul 2016, 10:35
von Lina
Ihr fixiert wieder total den Blick auf die Kleidung.
Die Klsidug ist nicht Teil der GI sondern vielen Menschen ein Ausdruck dieser. Ist sie aber nicht bei allen. Also ist die Kleidung ein schwaches Kriterium.
Re: Wieviele Menschen sind nach ICD eigentlich krank?
Verfasst: Mo 11. Jul 2016, 11:57
von conny
Astrid hat geschrieben:Ich habe bisher immer angenommen, daß nur wer in pathologischer Weise z.B. unter seiner vom körperlichen Geschlecht abweichenden Geschlechtsidentität leidet krank im Sinne von ICD10 F64 ist.
so verstehe ich das auch.
Re: Wieviele Menschen sind nach ICD eigentlich krank?
Verfasst: Mo 11. Jul 2016, 13:56
von Andrea aus Sachsen
.
Astrid hat geschrieben:Demnach wäre z.B. nicht gleich jeder Mensch mit männlichem Körper, der ein Kleid trägt, krank, sondern erst, wenn diese Person aufgrund von Beschwerden, wohl meist psychischer Art, einen Arzt aufsucht und festgestellt wird, daß diese ihre Ursache in der vom Körper abweichenden Geschlechtsidentität haben.
Der ICD10 kennt neben dem Transsexualismus (F64.0) noch weitere "Krankheitsbilder", die das Tragen gegengeschlechtlicher Kleidung beinhalten:
"¢ F64.1: Transvestitismus unter Beibehaltung beider Geschlechtsrollen (Crossdresser, Teilzeitfrauen, DWT)
"¢ F65.1: Fetischistischer Transvestitismus (sexuelle Erregung durch gegengeschlechtliche Kleidung)
Danach dürften fast alle hier im Forum (außer vielleicht Partnerinnen) laut ICD10 "psychisch krank" sein.
Einen Kommentar dazu erspare ich mir.
Re: Wieviele Menschen sind nach ICD eigentlich krank?
Verfasst: Mo 11. Jul 2016, 15:29
von steffiSH
Andrea aus Sachsen hat geschrieben:
Danach dürften fast alle hier im Forum (außer vielleicht Partnerinnen) laut ICD10 "psychisch krank" sein.
Wenn ich das mal weiterspinne könnten wir ja eigentlich bei der Krankenkasse auch einen Zuschuß für unsere nächsten Pumps oder Kleider beantragen denn die möchte ja, daß ihre Mitglieder nicht an ihrer Krankeit leiden, oder daß sie unser nächstes Forentreffen (Selbsthilfegruppe) mitfinanzieren. Was die wohl sagen würden? -dann würde ich wohl tatsächlich als psychisch krank eingestuft!

Re: Wieviele Menschen sind nach ICD eigentlich krank?
Verfasst: Mo 11. Jul 2016, 16:09
von steffiSH
Explorer hat geschrieben:
Wobei ich mir halt nicht sicher bin, ob das so wirklich so gemeint ist, oder ob da nicht noch etwas Kontext fehlt, und noch weitere Kriterien (z.B. der schwere Leidensdruck) hinzukommen müssen, um es wirklich als krankhaft zu determinieren. Daher meine Frage nach notwendigem vs. hinreichendem Kriterium.
Um das wirklich Hieb- und Stichfest aussagen zu können sind wohl ärztliche Experten gefragt und deswegen schlage ich vor unsere nächstes Treffen in einer psychatrischen Klinik stattfinden zu lassen. Dort ist Fachpersonal anwesend was uns auch beim Leidensdruck "wie ziehe ich eine 10den Feinstrumpfhose an ohne sie gleich zu zerstören" unterstützend zur Seite steht. Wirklichen Fetischisten kann auch Fieber gemessen oder beim Anziehen von engen Korsetts geholfen werden. Am Besten wäre es natürlich wenn auch gleich eine geschlossene Abteilung dort angegliedert wäre - für die schwer therapierbaren -

Re: Wieviele Menschen sind nach ICD eigentlich krank?
Verfasst: Mo 11. Jul 2016, 16:26
von Maryl
Gesund ist nur der, der noch nicht genügend "durchdiagnostiziert" wurde!

Re: Wieviele Menschen sind nach ICD eigentlich krank?
Verfasst: Di 12. Jul 2016, 20:24
von Cybill
Wenn es darum geht - Alle.
Ab 30 ist man/frau/trans nicht mehr gesund, sondern nur schlecht untersucht - wirft irgendwie ein merkwürdiges Bild auf die Mediziner.
-Cy
Re: Wieviele Menschen sind nach ICD eigentlich krank?
Verfasst: Di 12. Jul 2016, 20:30
von Svetlana L
Erinnert mich an die WHO-Definition für Gesundheit: "Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens". Demnach gibt es in meinen Augen sowieso keine gesunden Menschen.
Re: Wieviele Menschen sind nach ICD eigentlich krank?
Verfasst: Mi 13. Jul 2016, 09:45
von Anne-Mette
Moin,
in Schweden galt in den 1970er Jahren Homosexualität als "Krankheit".
Da haben sich viele Leute eine Krankschreibung abgeholt
Das war vor ein paar Tagen irgendwo nachzulesen:
Erst am 19. Oktober 1979 nahm das Socialstyrelse (Gesundheitsamt) Schwedens Homosexualität aus der Liste der Krankheiten, insbesondere deshalb, weil es der Medizin nicht gelungen war einen Beweis zu erbringen, dass Homosexualität in irgend einer Weise eine Krankheit sei,
Gruß
Anne-Mette
Re: Wieviele Menschen sind nach ICD eigentlich krank?
Verfasst: Mi 13. Jul 2016, 10:24
von JaquelineL
Explorer hat geschrieben:Das muss lustig sein. Zum Arbeitgeber gehen und sich wegen Homosexualität krank zu melden. Voraussichtliches Genesungsdatum: Nie.
Tja, der leidige Unterschied zwischen "krank" und "arbeitsunfähig"... nicht jede Kranke ist arbeitsunfähig (und nicht jede Gesunde ist fähig zu arbeiten

)
Liebe Grüße
Jackie
Re: Wieviele Menschen sind nach ICD eigentlich krank?
Verfasst: Mo 1. Aug 2016, 18:21
von Fabiane
Hallo zusammen,
nochmal zur Ausgangsfrage. Wenn man/frau die Einleitung zum ICD-10-Kapitel V mit klinisch-diagnostischen Leitlinien liest, liegt eine Störung (nicht nur bei F 64, sondern auch bei allen anderen "F"s) erst dann vor, wenn es auf der individuellen Ebene Belastungen oder Beeinträchtigungen gibt. "Soziale Beeinträchtigungen allein, ohne persönliche Beeinträchtigung sollten nicht als psychische Störung im hier definierten Sinne angesehen werden", heißt es dort weiter.
Auf die persönlichen Belastungen haben einige von Euch ja auch abgehoben, und irgendwie kann es auch aus meiner Sicht gar nicht anders sein: Wer sich z.B. in Frauenkleidung GUT fühlt und von seinem Umfeld damit vorbehaltlos angenommen wird, kann doch wohl kaum von der WHO als KRANK bezeichnet werden. Alles andere wäre eine pauschale Stigmatisierung und Etikettierung von oben herab durch eine mehrheitlich (noch) an starren Bildern hängenden Welt-Gesellschaft. Dass es auch anders geht und solche Etikettierungen im ICD 11 wegfallen können, zeigen die erfreulichen Ansätze in der von Anne-Mette in einem neueren Beitrag zitierten Studie:
viewtopic.php?f=52&t=12637
Würden die Änderungen Wirklichkeit, wäre aus meiner Sicht zumindest auf dem Diagnose-Papier ein großer Schritt nach vorne getan: hin zu einer Ent-Stigmatisierung und zu einem Mehr an individuellen Lebensentwürfen, sicher auch zu einem Mehr an innerer Entspannung. Dass in der heutigen sozialen "Mehrheits-Wirklichkeit" noch viel mehr zu tun wäre, nämlich Barrieren in den Köpfen abgebaut werden müssen, steht auf einem anderen Blatt. Dass es diese sozialen Barrieren und Ausgrenzungen/Stigmatisierungen sind, die wirklich krankmachen können, sehe ich auch so. Dennoch erhoffe ich mir von der beschriebenen "ICD-Gesundung" eine gewisse Wellenwirkung in die Gesellschaft hinein. Motto: Seht her, der ICD 11 geht bei Transgendern oder Crossdressern nicht mehr von einer Störung aus - also nehmt auch IHR sie doch einfach so an, wie sie sind. Da gilt es sicher, viel Geduld zu haben. Aber Schwule und Lesben haben auch beharrlich ihren Weg gemacht. Wir sind alle Gesellschaft, können über die verschiedensten Kanäle in sie hineinwirken und Änderungen herbeiführen, auch wenn das manchmal viel Mut erfordert und dieser sicher nicht immer da ist (ich schließe mich da ausdrücklich ein). Aber er kann ja wachsen.
Liebe Grüße
von Fabiane