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Heisse Jahreszeit
Verfasst: So 3. Jul 2016, 08:20
von peter61
Perfektes Passing ist so schon schwierig genug, in der heissen Jahreszeit ist das noch komplizierter und aufwendiger und es gelingt ohnehin kaum.
Deshalb fasziniert mich zunehmend der Gedanke, einfach so als Mann in Frauenkleidern hinauszugehen und im Urlaub auch so ans Frühstücksbuffet:
Luftiges Sommerkleid, ev. Lippenstift und leicht geschminkt, schön lackierte Nägel, aber eben ohne Perücke und eindeutig schon von weitem als Mann wahrzunehmen. Warum nicht? wer hat damit Erfahrungen gemacht?
Ich gehe als Frau ohnehin nicht durch, also warum dann nicht gleich aus der Not eine Tugend machen?
Re: Heisse Jahreszeit
Verfasst: So 3. Jul 2016, 09:45
von Svetlana L
In meinen Augen wird "perfektes Passing" sowieso überbewertet, zumal mir noch niemand erklären konnte, was im Einzelnen darunter eigentlich zu verstehen ist. Als 100% Frau durchzugehen? Mir konnte auch noch niemand erklären, was eigentlich 100% Frau (oder 100% Mann) ausmacht. Es zeigt vielmehr nur, dass die Gesellschaft noch immer einem zweigeschlechtlichen Weltbild hinterherhechelt. Entweder du bist Frau oder Mann, die unzähligen dazwischen liegenden Varianten werden ausgeblendet, ignoriert, diskriminiert. Den Weg irgendwo zwischen den Extremen Mann und Frau zu wählen verlangt vermutlich nach noch mehr Selbstvertrauen, Durchsetzungsvermögen und Kraft. Würde die Gesellschaft dagegen auch nichtbinäre Geschlechterrollen akzeptieren, dann würden vermutlich viele trans*-Menschen auf Hormone und/oder operative Maßnahmen verzichten, weil sie auch ohne diese (oftmals leidvollen) Maßnahmen ein erfülltes Leben leben könnten (nachzulesen in: Udo Rauchfleisch "Transsexualität - Transidentität").
Dir auf jeden Fall viel Erfolg, wenn du diesen Weg gehen möchtest. Vielleicht liest man dann hier mal etwas von deinen Erfahrungen.
Re: Heisse Jahreszeit
Verfasst: So 3. Jul 2016, 10:36
von Claudia H.
Hallo Peter
Wenn dir danach ist dann würde ich es so machen.Du mußt dir in deinem Outfit gefallen und was die Leute denken sollte dir eigentlich egal sein.Ich mache es etwas anders als du es vor hast.Ich verzichte meistens auf Schminke aber nicht auf Sillis und Perücke.Als was sehen mich jetzt die lieben Mitmenschen ? Mann ? Frau ? Spinner ? Ehrlich gesagt es interessiert mich nicht und ich bin noch nie doof angemacht worden.
Mach das was dich glücklich macht.
L.G. Claudia
Re: Heisse Jahreszeit
Verfasst: So 3. Jul 2016, 10:44
von NanaVistor
wenn es dieses zweigeschlechtliche Rollenbild nicht geben würde, würde es wohl die meisten von uns auch nicht geben
Re: Heisse Jahreszeit
Verfasst: So 3. Jul 2016, 10:47
von Jaqueline
Guten Morgen Peter,
das 100% perfekte Passing gibt es nicht. Wie bereits Eine geschrieben hat, bin ich auch der Meinung das Passing überbewertet wird. Du musst dich wohlfühlen. Aber wenn du als Mann in Frauenkleidern gehst und du eh als Mann zu erkennen sein willst, warum dann überhaupt Schminke und Lippenstift? Das sieht dann erst recht aus wie gewollt und nicht gekonnt.
Mit freundlichen Grüssen
Jacky
Re: Heisse Jahreszeit
Verfasst: So 3. Jul 2016, 11:15
von JaquelineL
Hallo Peter,
peter61 hat geschrieben:Perfektes Passing ist so schon schwierig genug, in der heissen Jahreszeit ist das noch komplizierter und aufwendiger und es gelingt ohnehin kaum.
Deshalb fasziniert mich zunehmend der Gedanke, einfach so als Mann in Frauenkleidern hinauszugehen [...]
Ich gehe als Frau ohnehin nicht durch, also warum dann nicht gleich aus der Not eine Tugend machen?
mein mentaler Startpunkt mag ein anderer sein, aber rein praktisch geht es mir wie Dir. In meiner Umgebung wird mich niemand "mit einer Frau verwechseln" und die vielen Blicke der Mitmenschen zeigen mir, dass ich auf keinen Fall unbemerkt durch's Leben gehe.
Nach ursprünglichen Gedanken über einen für mich nötigen "Mindest-Frau-Standard" meiner Optik habe ich all solches über Bord geworfen und bemühe mich lediglich darum, angemessen gekleidet unterwegs zu sein. Ich fühle mich damit sehr wohl, es ist, was ich eben bin und mein Passing ist mittlerweile nur noch gemessen am "vernünftigen Aussehen", nicht am "nicht mehr als männlicher Körper mit weiblichem Äußeren angesehen werden". Womit ich übrigens nicht ausdrücken will, dass die schrägen Blicke meiner Mitmenschen an mir abprallen. An guten Tagen kann ich als Antwort zurücklächeln, an weniger guten Tagen münden sie in Stress und Fluchtreflex.
Was mich lange Zeit davon abhielt, mich der Öffentlichkeit zu präsentieren, war die Idee einer Trennung zwischen dem Ausleben der weiblichen Rolle gegenüber der Teilnahme an der Gesellschaft in der geübten und breit akzeptierten männlichen Rolle, und die Angst, dass diese Trennung nicht gelingt. Als TS kam irgendwann der Moment, an dem mir klar wurde, dass ich das nicht werde auf Dauer aufrecht erhalten können. Als Crossdresser hat man in der Regel weitergehende Anforderungen an die Trennung der beiden Rollen - wenn *Du* also bereit bist zu akzeptieren, dass es Menschen gibt, die Dich in beiden Rollen kennen (und nicht alle werden das dann als "no problem" beiseite schieben), vergeude keine Energie mit dem Versuch, von allen und jedem eindeutig als "Frau" identifiziert zu werden. Wie Du selbst schreibst: In der Regel ist dieses Ziel eh in weiter Ferne und selbst in den "begnadeten Fällen" wird es Ausnahmesituationen geben, in denen der männliche Körperbau, Bewegungsmuster oder Verhaltensschemata verräterisch durchscheinend werden.
Sei Du selbst. Und erwarte nicht, dass Dich *jeder* liebt
Liebe Grüße
Jackie
Re: Heisse Jahreszeit
Verfasst: So 3. Jul 2016, 11:45
von Svetlana L
NanaVistor hat geschrieben:wenn es dieses zweigeschlechtliche Rollenbild nicht geben würde, würde es wohl die meisten von uns auch nicht geben
Da ich vermute, dass du auf meinen Beitrag antwortest, wäre eine Erläuterung dazu nicht schlecht. Evtl. verstehe ich dann, was du damit sagen willst.
Re: Heisse Jahreszeit
Verfasst: So 3. Jul 2016, 12:35
von Dolores59
Hi Peter,
ist doch kein Problem als Mann in Frauenkleidern zu urlauben. Du musst nicht zwangsläufig "als Frau" auftreten um schöne Kleider zu tragen.
Es wird immer wieder Leute geben, die herum nöhlen und nicht damit klarkommen. Na und.
Zur Zeit trage ich ein schönes, hellblaues Trägerkleid mit Paisley-Muster, nebst Halskette und Ohrschmuck. Dazu weiße Sandaletten. Sieht gut aus. Ganz ohne Passing.
Das Kleid habe ich bei einer Schneiderei anpassen lassen (Oberweite war zu groß). Jetzt sitzt es perfekt. Wozu dann noch Passing?
LG
Dolores
Re: Heisse Jahreszeit
Verfasst: So 3. Jul 2016, 12:57
von biene38
Passing bedeutet doch, sich so anzupassen, dass man nicht auffällt oder aus einer Menschenmenge heraussticht.
Wen es nicht stört, aufzufallen und somit die Blicke auf sich zu ziehen, kann eh tragen was er will. Da macht der Lippenstift und Schminke bei einem Mann auch keinen Unterschied.
Mir persönlich ist es lieber nicht zu sehr aufzufallen, ist aber auch stimmungsabhängig. Das ist ja das schöne, dass man dies durch Kleidung/Outfit/Schminke recht gut steuern kann.
Grüße von der Biene
Re: Heisse Jahreszeit
Verfasst: So 3. Jul 2016, 15:34
von Chiara77
Mein erster Ausflug ins Kaffee sah so aus: lackierte Fußnägel, flip-flops, Rock, t-shirt. Ohne Parücke, ohne Silikon, ohne make up... aber frisch rasiert...
Ja einige haben geschaut, die Freundin die mich begleitet hat, hat mich aber so abgelenkt das ich mich sehr wohl gefühlt habe.
Es war einfach nur ein wunderschönes Erlebnis für mich.
Lg,
Chiara
Re: Heisse Jahreszeit
Verfasst: So 3. Jul 2016, 15:56
von Exuserin-2016-074-06
peter61 hat geschrieben:
Luftiges Sommerkleid, ev. Lippenstift und leicht geschminkt, schön lackierte Nägel, aber eben ohne Perücke und eindeutig schon von weitem als Mann wahrzunehmen. Warum nicht? wer hat damit Erfahrungen gemacht?
Ich. Aber ich finde dass das trotzdem echt zum Typ passen muss. Bei einem 3 Tage Bart verwendet ich zum Beispiel kein Lippenstift. An femininen Männern ist grundsätzlich eh mehr rauszuohlen, als an "Waldschrats". Wie siehts denn mit deiner Haarpracht aus? Ich habe die Erfahrung gemacht, je näher man dem Idealbild Frau kommt, desto eher wird es von der Umwelt geduldet. Da fällt auch der Bart nicht sonderlich ins Gewicht. Bei Frauen in Kleidern die etwas kurpulenter sind und kurze Haare haben ist es für mich auch manchmal sonderbar. Da habe ich im ersten Moment auch einen halben Mann vor dem Auge. Aber dann frage ich mich. Warum nicht? Wenn Männer Kleider tragen würden, sähe das genau so aus. Nur ohne Bart und Titten.

Das Hauptkriterium ist nach meiner Erfahrung die Figur. Mir hat mal einer gesagt, wir bewerten Geschlechter an Licht, Farbe und Bewegung. Wenn das passt, dann spielt es meist auch keine Rolle, wenn das Geschlecht aus der Bewertung heraus nicht übereinstimmt.
Gruß
Re: Heisse Jahreszeit
Verfasst: So 3. Jul 2016, 16:11
von Exuserin-2016-074-06
Svetlana L hat geschrieben:Entweder du bist Frau oder Mann, die unzähligen dazwischen liegenden Varianten werden ausgeblendet, ignoriert, diskriminiert.
Was bin ich denn für eine Variante als Mann in einem Kleid oder Rock? Ich bin doch immer noch ein Mann. Ob ich will oder nicht. Was bin ich für eine Variante, wenn ich mich schminke oder gerade schminke, wenn ich Kleider anziehe? Ein Crossdresser? Aber warum? Als eigenes Geschelcht wäre es doch kein crossdressen mehr, sondern meine angestammmte Kleidung. Demzufolge, wären Frauen Crossdresser bezüglich Crossdressern und Drags, oder nicht? Der Wahn der 60 Geschlechter und mehr baut doch gerade auf diese Schubladisierung und Abgrenzung auf, um Mikrokulturen zu generieren statt Gruppen zu inkludieren und Bezeichnungen über Bord zu werfen. Ein Mann in Jeans und Hemd ist ein Mann genauso wie ein Mann in Kleidern und Stöckelschuhen ein Mann ist wie eine Frau in Jeans und Bluse eine Frau ist. Dadurch wird weder eine Zweigeschlechtigkeit aufgebrochen noch durch andere Geschlechter erweitert. Es gibt Männer und Frauen, egal wie die aussehen, was die anziehen oder ob sie geschminkt sind oder nicht.
Svetlana L hat geschrieben:
Den Weg irgendwo zwischen den Extremen Mann und Frau zu wählen
Wie sieht denn bitte das Extrem von Mann und Frau aus?
Svetlana L hat geschrieben:
Würde die Gesellschaft dagegen auch nichtbinäre Geschlechterrollen akzeptieren, dann würden vermutlich viele trans*-Menschen auf Hormone und/oder operative Maßnahmen verzichten, weil sie auch ohne diese (oftmals leidvollen) Maßnahmen ein erfülltes Leben leben könnten.
Du dürftest damit nicht auf Gegenliebe von Transexuellen stoßen, weil es genau die Forderung der Kritiker am Konstrukt der Transsexualität ist den Betroffenen psycholgisch zu helfen, statt chirurgische Eingriffe durchzuführen.
Die "nichtbinäre" Geschlechterrolle wird nicht unbinär, wenn man sich unbinär verhält, sondern erfüllt automatisch die binäre Geschlechterrolle des anderen Geschlechts.
Wenn ich ein Kleid anziehe bin ich trotzdem noch binär im Sinne der Zweigeschlechtlichkeit. Mir wachsen deswegen keine Brüste, noch dass mir unten was abfällt.
NanaVistor hat geschrieben:wenn es dieses zweigeschlechtliche Rollenbild nicht geben würde, würde es wohl die meisten von uns auch nicht geben
Ja und Nein.
Es würde dich trotzdem geben, du würdest aber nicht in Abgrrenzung zu Männlichkeit stehen.
Jaqueline hat geschrieben:Aber wenn du als Mann in Frauenkleidern gehst und du eh als Mann zu erkennen sein willst, warum dann überhaupt Schminke und Lippenstift? Das sieht dann erst recht aus wie gewollt und nicht gekonnt.
Sieht denn ein Mann im Kleid eher nach gewollt und gekonnt aus? Was macht denn das Kleid im Gegenzug zu Make-Up, noch als Mann erkennbar zu sein? Es sind doch viel mehr Figur und Bewegung, was die Leute irritieren lässt, als irgendein Lippenstift oder Kleid.
Re: Heisse Jahreszeit
Verfasst: So 3. Jul 2016, 16:26
von Regina
BaT hat geschrieben: Die "nichtbinäre" Geschlechterrolle wird nicht unbinär, wenn man sich unbinär verhält, sondern erfüllt automatisch die binäre Geschlechterrolle des anderen Geschlechts.
Hä???

Re: Heisse Jahreszeit
Verfasst: So 3. Jul 2016, 16:42
von Dolores59
Breakfast at Tiffany hat geschrieben:Die "nichtbinäre" Geschlechterrolle wird nicht unbinär, wenn man sich unbinär verhält, sondern erfüllt automatisch die binäre Geschlechterrolle des anderen Geschlechts.
Ja, nee, is klar!
Die zweiteilige Geschlechterrolle wird nicht unpaarweise, wenn man sich unpaarweise verhält, sondern erfüllt automatisch die zweiteilige Geschlechterrolle des anderen Geschlechts.
Noch Fragen?
Keine. Dann sind sämtliche Klarheiten beseitigt.
(Ich bin ziemlich gut drauf heute.)
Dolo
Re: Heisse Jahreszeit
Verfasst: So 3. Jul 2016, 16:54
von Svetlana L
Breakfast at Tiffany hat geschrieben:Was bin ich denn für eine Variante als Mann in einem Kleid oder Rock? Ich bin doch immer noch ein Mann. Ob ich will oder nicht.
Das kommt darauf an, ob du dich von irgendjemanden definieren lassen willst oder du dich selbst definierst, als was auch immer. Wenn du selbst dich mit Kleid und Stöckelschuhen als Mann definierst, dann ist das eben so. Wer sollte da dagegenreden?!
Svetlana L hat geschrieben:
Den Weg irgendwo zwischen den Extremen Mann und Frau zu wählen
Wie sieht denn bitte das Extrem von Mann und Frau aus?
Das ist ja gerade die Frage. Und wie ich schon schrieb, konnte mir diese Frage noch niemand beantworten. Und vermutlich kann das auch niemand beantworten. Insofern ist das in meinen Augen eine rhetorische Frage.
Svetlana L hat geschrieben:
Würde die Gesellschaft dagegen auch nichtbinäre Geschlechterrollen akzeptieren, dann würden vermutlich viele trans*-Menschen auf Hormone und/oder operative Maßnahmen verzichten, weil sie auch ohne diese (oftmals leidvollen) Maßnahmen ein erfülltes Leben leben könnten.
Du dürftest damit nicht auf Gegenliebe von Transexuellen stoßen, weil es genau die Forderung der Kritiker am Konstrukt der Transsexualität ist den Betroffenen psycholgisch zu helfen, statt chirurgische Eingriffe durchzuführen.
Wer sagt denn, dass ich auf Gegenliebe von Transsexuellen hoffe. Ich spreche hier nur für mich allein, außerdem habe ich von trans*-Menschen gesprochen, wovon einige Transsexuelle sich ja bewusst abgrenzen. Aber diese Diskussion wird ja u.a. schon an anderer Stelle hier im Forum geführt. Außerdem habe ich das aus dem erwähnten Buch von Udo Rauchfleisch entnommen; rein zufällig entspricht das aber auch meiner Auffassung.
Die "nichtbinäre" Geschlechterrolle wird nicht unbinär, wenn man sich unbinär verhält, sondern erfüllt automatisch die binäre Geschlechterrolle des anderen Geschlechts.
Wie gut, dass ich das nicht als einzige nicht verstehe.
Im übrigen rückt auch die Biologie immer mehr von der Idee der Zweigeschlechtlichkeit ab, da diese sich immer weniger halten lässt. Abweichungen von Mann und Frau werden also nicht mehr als Fehler (in der Matrix

) betrachtet sondern als Variation. War kürzlich mal in der Presse zu lesen, evtl. hat Anne-Mette das sogar hier verlinkt (bin mir nicht sicher)