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Zeitungsartikel zum Queer„Kongress der Grünen und was die AfD bewirkt

Verfasst: Mo 23. Mai 2016, 18:37
von conny

Re: Zeitungsartikel zum Queer„Kongress der Grünen und was die AfD bewirkt

Verfasst: Mo 23. Mai 2016, 20:22
von Svetlana L
Da wollte ich eigentlich auch hin, hatte an dem Tag aber in Magdeburg zu tun. Daher vielen Dank für den Link zum Queer Kongress.

Re: Zeitungsartikel zum Queer„Kongress der Grünen und was die AfD bewirkt

Verfasst: Mo 23. Mai 2016, 23:52
von Marielle
Guten Abend,

was wollen die beiden Journalisten mir / uns mit ihren Artikeln sagen?

Im AfD-Artikel schreibt Herr Vitzthum (in dieser Reihenfolge, wenn auch durch ein paar Absätze voneinander getrennt):

"So sagte kürzlich Parteivize Alexander Gauland: "Also, ich habe mit Homosexualität kein Problem, ich habe allerdings ein Problem damit, dass mir vorgeschrieben werden soll, wie ich mich künftig zu verhalten habe, etwa gegenüber Transsexuellen."
.....

Die Zahl Homosexueller — mit denen viele Bürger ja ohnehin keinerlei Probleme mehr haben — mag ja noch erklecklich sein; die von Trans- und Intersexuellen ist sicher überschaubar.

Politisch könnte für diese Minderheiten also eine gute Zeit anbrechen. Ironischerweise nicht trotz, sondern wegen der AfD."



Will er uns damit etwa sagen, dass die regierenden Parteien dem Herrn Gauland und seinen Wähler_innen erklären wollen bzw. erklären müssen, wie sie sich gegenüber trans*-Menschen zu verhalten haben? Und will er sagen, dass das dann ein Vorteil ist, der sich aus dem Stimmenanteil der AfD in Sachsen-Anhalt ergibt? Auf so eine Idee kann wohl nur ein Journalist kommen, der für die Bürger-BILD schreibt.

Von Herrn Gauland und seiner Neigungsgruppe wird nicht mehr erwartet, als das sie die MINDESTANFORDERUNGEN!!! an eine Gesellschaft aus freien und gleichberechtigten Bürger_innen erreichen. Das es dafür Bildungspläne und ähnliches braucht, ist nun wirklich kein positiver Effekt der AfD-Präsenz. Eigentlich sollte man von Menschen mit Landtagsmandat und ihren Wähler_innen erwarten können, dass sie auch ohne Nachhilfe kapieren, was die Worte 'Respekt' und 'Toleranz' bedeuten.

Aber gut. Wenn es gar nicht anders geht, kriegen die halt ihren Bildungsplan. Man muss etwas tun, für die Schwachen der Gesellschaft.


In dem anderen Artikel findet Herr Schmitt es nicht zu blöd folgenden Satz zu schreiben:

"Es ist eine eigene Sprache, die in der Queer Community gesprochen wird. Der sensible Jargon, der immer wieder nachgebessert wird mit Rücksicht auf die neusten Unterprivilegierten, ist bei allem guten Willen zur Inklusion ein Hemmnis für jeden aus dem Mainstream, der mit den Queers ins Gespräch kommen will"

Lieber Herr Schmitt: Es ist genau dieser "sensible Jargon", der diejenigen, die an einer respektierenden und gleichberechtigten Gesellschaft interessiert sind, von denen unterscheidet, die mit dumpfen Parolen aus dunklen Zeiten und schlichten Wahrheiten (sprich: Lügen und Verkürzungen) durch's Land ziehen.

Das Hemmnis bezüglich des 'ins Gespräch kommens' liegt nicht in diesem 'Jargon', sondern in der einseitig sehr ausgeprägten Unfähigkeit zu neutralem Respekt, Herr Schmitt. Die 'neuesten Unterprivilegierten' können Sie sich an ihren pseudo-liberalen Journaillehut stecken, weil es viel zu offensichtlich ihre, mit Schein-Ironie nur notdürftig verkleidete, Gesinnung durchscheinen lässt.


So hab ich das gelesen. Habt es gut

Marielle

Re: Zeitungsartikel zum Queer„Kongress der Grünen und was die AfD bewirkt

Verfasst: Di 24. Mai 2016, 01:16
von Exuserin-2016-074-06
Huhu Marielle,

dum musst aber schon alles zitieren und nicht die Hälfte weglassen

"Für viele Bürger ist es befremdlich, von einem selbstbewussten "Trans-Kind" zu hören oder ausführlich zu debattieren, ob der Begriff des "Trans-Phoben" den in Wahrheit "Trans-Feindlichen" nicht zu viel Ehre antue.

Es braucht noch immer Übersetzer wie Volker Beck,
um dem Mainstream diese Sensibilitäten in kleinen Dosen und mit Geduld über Jahre zu verabreichen. Im besten Fall wird man in diesem mühsamen Geschäft so glücklich wie Sisyphos."


"So sagte kürzlich Parteivize Alexander Gauland: "Also, ich habe mit Homosexualität kein Problem, ich habe allerdings ein Problem damit, dass mir vorgeschrieben werden soll, wie ich mich künftig zu verhalten habe, etwa gegenüber Transsexuellen."

Also hat er ein Problem mit Homosexuellen. Ganz zu schweigen, dass er Homosexuelle mit Transsexuellen verwechselt.
Natürlich muss er lernen sein Verhalten gegenüber Transsexuellen anzupassen und nicht die Transsexuelle selber. Warum haben solche Typen eigentlich immer die passende Bezeichnung im Namen? Gauland...tssss

"Genau das aber wollen die Landesregierungen tun. Sie haben klare Vorstellungen, wie mit sexuellen Minderheiten umzugehen sei." Ich frage mich gerade wo das Problem ist? Hat er keine klare Vorstellung von dem, wie mit heterosexuellen Cis-Menschen umzugehen ist? Er soll sich mal vorstellen, wenn ich mit Heteros genauso umgehe, wie oft mit Homosexuellen umgegangen wird. Und dass der Typ ständig "sexuell" in den Mund nimmt, spricht auch Bände.

"Anders als in Sachsen-Anhalt oder Baden-Württemberg, wo die Partner die entsprechende Forderung gegen die CDU nicht durchsetzen konnten, streitet das Land für die "Ehe für alle": "Wir setzen uns für die zivilrechtliche Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ein. Dazu gehört auch das Adoptionsrecht." Dafür fasst die Kenia-Koalition in Magdeburg ein heißes Eisen an, an dem sich die grün-rote Koalition in Stuttgart in den vergangenen Jahren die Finger verbrannt hat: die Toleranzerziehung an den Schulen." Selbst Mexiko ist schon weiter.


"Da braucht es dann ein Thema, das Aufmerksamkeit erregt und dennoch nicht allzu viele Menschen unmittelbar betrifft, um ein Gegengewicht zu schaffen. Dies kann und soll wohl die Gleichstellungspolitik leisten. Die Zahl Homosexueller — mit denen viele Bürger ja ohnehin keinerlei Probleme mehr haben — mag ja noch erklecklich sein; die von Trans- und Intersexuellen ist sicher überschaubar.

Politisch könnte für diese Minderheiten also eine gute Zeit anbrechen. Ironischerweise nicht trotz, sondern wegen der AfD.

Ob dies auch für ihre gesellschaftliche Akzeptanz gilt, ist eine andere Frage. Auch hier gilt: nicht trotz, sondern wegen der AfD."

Der Autor kritisiert oder vergleicht, dass die Gleichstellungspolitik nicht automatisch den Alltag abbilde oder Menschen nach dieser Verfahren. Siehe dazu diesen Gau (Größten anzunehmenden Unfall).

LG

Re: Zeitungsartikel zum Queer„Kongress der Grünen und was die AfD bewirkt

Verfasst: Di 24. Mai 2016, 08:36
von Ulrike-Marisa
Moin zusammen,

...auf jeden Fall scheint es in unserer Gesellschaft schwer zu sein, Menschen einfach so zu nehmen und anzuerkennen wie sie sind - als Mensch mit Rechten und Pflichten und eigener würde. Muss denn alles und so auch Menschen immer in irgendwelche Schubladen gepackt werden??
Die großen Parteien krampfen und winden sich mit der Thematik LSBTIQ***, weil den meisten Politikern, meiner Vermutung nach, schlicht und einfach das Wissen fehlt, worum es sich denn genau bei der Thematik handelt und welche Bedeutung das für die Betroffenen hat; dazu kommt vermutlich noch die Angst, mit der Thematik irgendwie persönlich in Zusammenhang gebracht zu werden.
Auch die großen Glaubensgemeinschaften sind da auch nicht so recht weiter gekommen, mal mehr mal weniger Akzeptanz, je nach Fall und Fragestellung.
Wegschieben, ausgrenzen, ignorieren - das scheinen vielfach die gängigen Reaktionsmuster zu sein, wenn es um gesellschaftliche Randgruppen und -Phänomene geht; so regiert es sich am bequemsten, das ist scheinbar wirklich mehrheitsfähig.
Es hilft nichts, alle von der Thematik betroffenen Menschen müssen ihren eigenen/gemeinsamen Kampf führen, wie andere vorher auch, die politische Veränderungen und Rechte wollten. Von alleine passiert da nichts in der Politik. Meist entscheidet mittlerweile das Bundesverfassungsgericht, was zu tun ist, weil die Politik kaum noch konsensfähig erscheint. Große Worte, Gesten und wenig Taten, so kommt mir praktischer Politikalltag meist vor. Mit gesellschaftlichen Randthemen ist wohl für die etablierten Parteien kaum ein Blumentopf zu gewinnen - und Angst vor etwas ist immer ein gutes Thema und setzt Mobilisierung frei, in etwa nach dem Motto des (Katastrofen)Journalismus: nur eine schlechte Nachricht, ist eine gute Nachricht...
Wir sind mitten in der Gesellschaft - aber nur, wenn wir auch erkennbar sind. :wink:

Beste Grüße, Ulrike-Marisa

Re: Zeitungsartikel zum Queer„Kongress der Grünen und was die AfD bewirkt

Verfasst: Di 24. Mai 2016, 12:37
von Lina
@
"Es ist eine eigene Sprache, die in der Queer Community gesprochen wird. Der sensible Jargon, der immer wieder nachgebessert wird mit Rücksicht auf die neusten Unterprivilegierten, ist bei allem guten Willen zur Inklusion ein Hemmnis für jeden aus dem Mainstream, der mit den Queers ins Gespräch kommen will"


Oh, nein, wie pathetisch. Als würde jede Gruppierung in der Gesellschaft sich nicht eigene Ausdrucksweisen zulegen, eigene Wörter oder spezielle Bedeutungen für einzelne Wörter entwickeln. Wenn ich bedenke, was für ganz besondere Ausdrucksweisen einfach innerhalb einer einzelnen Familie existieren.

Wer nicht fähig ist, sich auf so was einzustellen, ist einfach nicht fähig, normal in einer modernen Gesellschaft zu funktionieren.

Re: Zeitungsartikel zum Queer„Kongress der Grünen und was die AfD bewirkt

Verfasst: Di 24. Mai 2016, 13:58
von Joa
Hallo,
ist das nun ein Fortschritt, dass die etablierten Parteien auf einmal Gegenpositionen zur AfD suchen und sie nicht mehr mit vollem Karacho rechts überholen wollen wie in der Flüchtingsproblematik?! Na ja, vielleicht, auch wenn auch mich der Verdacht beschleicht, dass Crossdresser und Transgender da ein Vehikel sind, auch das man publikumswirksam aufspringen kann, ohne Wählerklientels zu vergraulen. Wir sind ja auch nicht so viele. Da muss man vor dem Untergang des Abendlandes nicht wirklich Angst haben, wenn man da mal nach dem Rechten und den Rechten schaut. Dass wir dabei "pars pro toto" stehen , diese Erkenntnis wird den meisten Politikern dann doch zu weit gehen. Wie auch immer, politisches Engagement für Minderheiten ist lobenswert. Dass die Berichterstattung da staunend und eloquent nach Worten ringend davor steht und wie beim Queerkongress die Gesellschaft wiederspiegelt in Wortwahl und Haltung, wen wundert's. Da sind Journalisten auch nicht viel weiter als das Gros der Bevölkerung, auch wenn das noch so wünschenswert wäre.
L.G. Joa

Re: Zeitungsartikel zum Queer„Kongress der Grünen und was die AfD bewirkt

Verfasst: Di 24. Mai 2016, 15:45
von Exuserin-2016-074-06
Ulrike-Marisa hat geschrieben: Muss denn alles und so auch Menschen immer in irgendwelche Schubladen gepackt werden??
Wer bricht denn Schubladen auf? Wenn, dann sind das nur Crossdresser. Transsexuelle bedienen im Gegensatz dazu ja wieder das binäre Geschlechtersystem, in dem sie sich als Frau oder Mann einordnen.
Ulrike-Marisa hat geschrieben: Die großen Parteien krampfen und winden sich mit der Thematik LSBTIQ***, weil den meisten Politikern, meiner Vermutung nach, schlicht und einfach das Wissen fehlt, worum es sich denn genau bei der Thematik handelt und welche Bedeutung das für die Betroffenen hat; dazu kommt vermutlich noch die Angst, mit der Thematik irgendwie persönlich in Zusammenhang gebracht zu werden.
Im allgemeinen tut sich das "Normale Bürgertum" damit schwer, weil sie 1. keinen Bezug dazu hat, 2. sich damit nicht weiter beschäftigt. Der Politik ist es wichtig, ihre alten Wähler nicht zu vergraulen und die Mehrheit der Wähler ist cis-heterosexuell und traditionell ausgerichtet.

Re: Zeitungsartikel zum Queer„Kongress der Grünen und was die AfD bewirkt

Verfasst: Di 24. Mai 2016, 16:28
von ab08
Breakfast at Tiffany hat geschrieben:
Ulrike-Marisa hat geschrieben: Muss denn alles und so auch Menschen immer in irgendwelche Schubladen gepackt werden??
Wer bricht denn Schubladen auf? Wenn, dann sind das nur Crossdresser. Transsexuelle bedienen im Gegensatz dazu ja wieder das binäre Geschlechtersystem, in dem sie sich als Frau oder Mann einordnen.
Hallo Tiffany,

kleine Anmerkung einer Betroffenen:
Als transsexuelle Frau möchte ich zunächst so akzeptiert werden, wie ich bin!
Mir geht es nicht darum, durch meine Existenz irgendwelche Schubladen aufzubrechen. (Hierin sehe ich nicht meine vordringliche Aufgabe.)
Im Gegenteil mir (65, d.h relativ alt) wäre Ruhe d.h. Normalität persönlich lieber.
Außerdem: Was ich tue und für welche Ziele ich mich einsetze, entscheide ich selbst. Klartext: Ich lasse mich von niemand vereinnahmen (vor seinen Karren spannen).

Trotzdem finde ich es nicht gut, wenn Menschen in Schubladen gepackt werden, daher bedankte ich mich bei Ulrike-Marisa für ihren Beitrag.
Dies war übrigens bereits Stichwort einer Kampagne der Antidiskriminierungsstelle des Bundes 2011 :wink:
http://www.antidiskriminierungsstelle.d ... 11209.html

Liebe Grüße
Andrea

P.S. Ansonsten finde ich die einige Beiträge hier recht gut und freue mich, dass es den Danke-Button gibt.
Denn einerseits möchte ich mich an Spekulationen über die AfD nicht beteiligen, weil ich hier zuwenig durchblicke... *)
andererseits halte ich manche der hier gemachten Überlegungen durchaus für möglich und daher für bedenkenswert...

*) Alterbedingt (geboren 1950, kurz nach dem 2.Weltkrieg) hab ich in dem Zusammenhang nur häufig Assoziationen. Einige Lehrkräfte, die mich unterrichteten,
waren halt vor 1945 bereits im Schuldienst. Damals herrschte Personalmangel, ergo unterrichteten sie einfach weiter. Das war der Grund für 1968.
Auf gewisse Gedankengänge (Ausgrenzung, Rassismus, ...) reagieren viele meiner Generation allergisch.
Jüngeren scheint das weniger auszumachen. Da fehlen eventuell entsprechende unangenehme Erfahrungen.

Re: Zeitungsartikel zum Queer„Kongress der Grünen und was die AfD bewirkt

Verfasst: Di 24. Mai 2016, 16:52
von Marielle
Guten Tag zusammen, Hallo Tiffany,
Wer bricht denn Schubladen auf? Wenn, dann sind das nur Crossdresser. Transsexuelle bedienen im Gegensatz dazu ja wieder das binäre Geschlechtersystem, in dem sie sich als Frau oder Mann einordnen.
Entschuldige bitte, das ist so doch nicht richtig. Du selbst hattest doch neulich vom Geschlechterverständnis einer Bekannten berichtet, die Geschlecht allein an der Frage 'Penis ab oder Penis dran?' festmacht. Rein sachlich widersprechen damit auch binär selbstdefinierte, transsexuelle Menschen dem üblichen Geschlechtermodell allein dadurch, dass sie der jeweiligen Fortpflanzungsfunktion auch im Falle einer Angleichung nicht gerecht werden. Das kommt im üblichen Frau-Mann-Schema, das ja auf den äusserlichen körperlichen Gegebenheiten im Zeitpunkt der Geburt basiert, nunmal nicht vor. Das Problem entsteht aber nicht durch die trans*-Menschen, sondern durch die Mangelhaftigkeit des üblichen Modells von Geschlecht und die daran gekoppelten Erwartungen bzw. Zuweisungen.

Ohne jetzt die ewig langen Debatten, die vor Zeiten hier geführt wurden, wieder aufnehmen zu wollen: Es fehlt bis dato für sämtliche Schubladen, die in der Debatte benannt werden, an hinreichenden Kriterien. Schon der Versuch 'Frau' so zu definieren, dass damit eine zweifelsfreie, jederzeitige Eingruppierung durch Aussenstehende möglich ist, ist bisher immer gescheitert. Es sei denn, man stützte sich ausschliesslich auf angeborene Fortpflanzungsfunktionen und liesse diesbezügliche Abweichungen (Funktionsausfälle) ausser Betracht. Das ist zwar nach wie vor das übliche Verfahren 'der Gesellschaft', ist aber sowohl naturwissenschaftlich als auch sozio-kulturell reichlich überholt. Es taugt nicht zur Sortierung von Menschen.

Der eigentliche Punkt ist, dass nicht das Aufbrechen ein Problem ist, sondern das die Schubladen das Problem sind. Wenn eine gleichberechtigte, diskriminierungsfreie Gesellschaft das Ziel ist, sind sämtliche Schubladen mit Fremdzuweisungscharakter untauglich. Deswegen sollten grade wir sie nicht dauernd reproduzieren. Es ist doch schon schlimm genug, dass sowohl der Herr Gauland und sein Verein, als auch die beiden oben genannten Journalisten ihr (althergebrachtes, aber untaugliches) Geschlechterbild zum Mass der Dinge erklären wollen, neben dem sie (vielleicht) ein paar kleine Schubladen für die Bittsteller dulden würden.

Habt es gut

Marielle

Re: Zeitungsartikel zum Queer„Kongress der Grünen und was die AfD bewirkt

Verfasst: Di 24. Mai 2016, 18:53
von Exuserin-2016-074-06
Hallo Marielle,
Marielle hat geschrieben: Entschuldige bitte, das ist so doch nicht richtig. Du selbst hattest doch neulich vom Geschlechterverständnis einer Bekannten berichtet, die Geschlecht allein an der Frage 'Penis ab oder Penis dran?' festmacht. Rein sachlich widersprechen damit auch binär selbstdefinierte, transsexuelle Menschen dem üblichen Geschlechtermodell allein dadurch, dass sie der jeweiligen Fortpflanzungsfunktion auch im Falle einer Angleichung nicht gerecht werden. Das kommt im üblichen Frau-Mann-Schema, das ja auf den äusserlichen körperlichen Gegebenheiten im Zeitpunkt der Geburt basiert, nunmal nicht vor. Das Problem entsteht aber nicht durch die trans*-Menschen, sondern durch die Mangelhaftigkeit des üblichen Modells von Geschlecht und die daran gekoppelten Erwartungen bzw. Zuweisungen.
Nicht meine Bekannte, sondern eine Diskutantin.
Mein Einwand war, woran sie unterscheidet, wenn im Normalfall die Genitalien nicht einsehbar sind. Antwort: Wer weiblich aussieht auf Frauen-WC, wer männliche Attribute hat, aufs Männer-WC.
Ich weiß selber, dass das von ihr fehlerhaft ist. Darum bezog sie sich dann anschließend auf die Genitalien, weil sich cis-Männer somit als Frauen ausgeben könnten um zu spannen etc.

Fortpflanzungsfunktion: Darin liegt die Kritik bei den Leuten. Der Vorwurf lautet, dass die Homo-Lobby Fehlbildungen von Intersexuellen und Hermaphroditen als normal und ein Minderheiten-Mimikry als Problem einer Mehrheit erklärt. Alle Förderungen gingen nur noch für Minderheitenprobleme drauf. So die Kritik.
Marielle hat geschrieben: Schon der Versuch 'Frau' so zu definieren, dass damit eine zweifelsfreie, jederzeitige Eingruppierung durch Aussenstehende möglich ist, ist bisher immer gescheitert. Es sei denn, man stützte sich ausschliesslich auf angeborene Fortpflanzungsfunktionen und liesse diesbezügliche Abweichungen (Funktionsausfälle) ausser Betracht. Das ist zwar nach wie vor das übliche Verfahren 'der Gesellschaft', ist aber sowohl naturwissenschaftlich als auch sozio-kulturell reichlich überholt. Es taugt nicht zur Sortierung von Menschen.
Das sind die Definitionen von Butler.
Wenn man sich damit inensiv befasst, ist vieles nachvollziehbar.
Für die meisten ist es das aber nicht und wäre so als wenn über Physik der chemische Prozesse diskutiert.
Marielle hat geschrieben: sind sämtliche Schubladen mit Fremdzuweisungscharakter untauglich. Deswegen sollten grade wir sie nicht dauernd reproduzieren.
Aber du und wir reproduzieren täglich unser Geschlecht. Oder versteh ich das gerade falsch?

Re: Zeitungsartikel zum Queer„Kongress der Grünen und was die AfD bewirkt

Verfasst: Di 24. Mai 2016, 21:06
von ab08
Marielle hat geschrieben:Der eigentliche Punkt ist, dass nicht das Aufbrechen ein Problem ist, sondern das die Schubladen das Problem sind. Wenn eine gleichberechtigte, diskriminierungsfreie Gesellschaft das Ziel ist, sind sämtliche Schubladen mit Fremdzuweisungscharakter untauglich.
Hallo Tiffany,

ich zitiere nochmal die für mich wichtigste Aussage von Marielle.
Egal ob nun mit Butler oder anderen argumentiert wird.
==> Wesentlicher Punkt bleibt: Fremdbestimmungen verletzen Menschen!
Das Selbstbestimmungsrecht(die Menschenwürde) dieser Menschen wird durch diese Einordnungen/Beurteilungen missachtet.
Man sollte Menschen zuhören und nicht über sie urteilen!

Menschen sind keine "Laborratten". Keine Objekte, die beurteilt bzw. an denen rumexperimentiert werden darf. (Das ist Quintessenz der Erklärung der Menschenrechte)
Dieses Vorgehen hat aber leider Tradition, geschah früher *) und geschieht bisweilen noch heute. (z.B. bei Operationen an intersexuellen Neugeborenen)

Liebe Grüße
Andrea

*) Daher sprach ich vorher von Assoziationen...

Re: Zeitungsartikel zum Queer„Kongress der Grünen und was die AfD bewirkt

Verfasst: Mi 25. Mai 2016, 11:26
von Marielle
Hallo Tiffany,

oh man, reichlich viele Aspekte, für eine Frühstückspause :) Am Ende kommt bestimmt wieder ein viel zu langer, viel zu politischer, viel zu kritischer Text raus.
Der Vorwurf lautet, dass die Homo-Lobby Fehlbildungen von Intersexuellen und Hermaphroditen als normal und ein Minderheiten-Mimikry als Problem einer Mehrheit erklärt Alle Förderungen gingen nur noch für Minderheitenprobleme drauf. So die Kritik.
Die Kritik ist bekannt und wird oft wiederholt, dass macht sie aber doch nicht besser oder richtiger.

Inter-, Trans-, Homo-, und weiss ich welche Menschen noch, sind in ihren individuellen Eigenschaften normal menschlich und wirken aus sich selbst heraus in keiner Weise spezifisch negativ auf die Gesellschaft. Würde 'die Gesellschaft' aus diesen Eigenschaften keine Abgrenzungen konstruieren, gäbe es diese Gruppen als Minderheiten doch gar nicht. Hätte man z.B. nicht Jahrhunderte behauptet, Frauen, also Menschen ohne Penis, seien dümmer, schwächer und weniger Wert als Männer, hätte man sich das Drama mit der Emanzipation einfach erspart; so sieht es aus.

In aller Regel geht es bei gesellschaftlicher Normung (normal sein) um die Definitionsmacht, die manche Menschen, ohne eine sachliche Grundlage zu haben, für sich in Anspruch nehmen, um anderen etwas zu verbieten, zu erschweren, wegzunehmen oder vorzuenthalten. Daher soll bitte 'die Gesellschaft'* nicht rumjammern, wenn sie gelegentlich die Lasten ihrer eigenen Handlungen zu tragen hat. Insoweit ist das Minderheitenthema natürlich ein Problem, das die 'Mehrheit' betrifft. Manche wollen das nur nicht hören und lieber ihr kleingeistiges Verständnis von 'normal' konservieren.

Bei dem Förderungs-Argument wird's fast schon lustig. Wie man angesichts von staatlichen Zuschüssen für Spass-Mobile mit Batterie, ausgezahlt an Menschen denen es wirtschaftlich ohnehin an nichts fehlt, auf die Idee kommt, dass 'alle Förderungen ... nur noch für Minderheitenprobleme draufgehen', ist fast lächerlich. Die allermeisten zusätzlichen Mittel im Bildungssektor wandern in die Verbesserung der heiligen wirtschaftlichen Verwertbarkeit von Schüler_innen, erhebliche Summen landen im Betrieb von Symphonieorchestern und öffentlichen Schwimmbädern oder der Rettung von systemrelevanten Steuerhinterziehungsagenturen. Das hat alles nichts mit 'Minderheitenproblemen' zu tun. Das Argument ist objektiv Unsinn.


Die Sache mit dem 'Minderheiten-Mimikry' ist aber zumindest interessant. Der Vorwurf der Mimikry ist, dass die eine Minderheit sich einer anderen Minderheit ähnlich macht, um von aussen nicht mehr anhand ihrer individuellen Eigenschaften, sondern als Teil einer größeren Gruppe gesehen zu werden oder von 'Privilegien' der anderen Minderheit zu profitieren.

Der Punkt ist allerdings, dass sich alle Minderheiten in dem wesentlichen Punkt ähnlich SIND: Sie erfahren eine Abgrenzung aufgrund individueller Eigenschaften. Das 'sich ähnlich machen' (Mimikry) ist daher kein Verwirrspiel, sondern kommt aus der Erkenntnis, dass es keinen Sinn macht für die speziellen Forderungen kleiner und kleinster Gruppen zu streiten, dass es vielmehr darum gehen muss, dass ALLE in ihrer Individualität frei und gleichberechtigt sein können. Und wozu will die 'Mehrheit' überhaupt Unterscheidungsmerkmale möglichst sichtbar machen? Aus Liebe zu den Minderheiten oder doch eher wegen des Erfolgs von 'divide et impera'?

Fatal ist allerdings, dass manche Menschen in den Minderheiten dieses 'Teile und Herrsche'-Spiel von Seiten 'der Gesellschaft' nicht durchschauen oder es sogar absichtlich, in einer Art Mehrheits-Mimikry, noch befördern. Unter dem Motto: Sieh her Mehrheit, wir sind euch ähnlicher als die da, habt uns bitte lieb.

Aber du und wir reproduzieren täglich unser Geschlecht. Oder versteh ich das gerade falsch?
Welche Sicht auf Geschlecht willst du dabei zugrundelegen? Eine individuelle Selbstbestimmtheit von Geschlecht oder eine normative Fremdbestimmung? Kann man Geschlecht überhaupt reproduzieren, wenn es eine ausschliesslich individuelle, nicht-binäre Eigenschaft ist und von allen als solche verstanden würde? Tja, Butler wirkt :wink: Es geht, wie bei der Mimikry-Thematik, nicht darum, individuelle Eigenschaften abzulegen (sie nicht für sich selbst zu reproduzieren), sondern darum, Abgrenzungen und die ihnen zugrundeliegenden Normungen zu dekonstruieren, anstatt sie anbiedernd zu reproduzieren. Wie Andrea es sagt: Es geht um die indidviduelle Freiheit der Selbstbestimmung.

Habt einen guten Tag.

Marielle


*)Man sollte vorsichtig mit der Verallgemeinerung 'die Gesellschaft' umgehen (weswegen sie hier in Apostrophen steht). Trotz aller gegenteiligen Behauptungen der Verfechter_innen der reinen, gottgegebenen binären Heterosexualität, die sich ständig als Teil einer schweigenden Mehrheit bezeichnen, ist es mittlerweile wohl der deutlich kleinere Teil der (zumindest hiesigen) Bevölkerung, der sich und seine geordnete Welt durch Schwule, Neger, Frauen, Ungläubige und Transen bedroht sieht.