Ob ich hier wohl richtig bin?
Verfasst: Mo 16. Mai 2016, 23:47
Hallo liebe Forenmitglieder,
manche von euch kennen mich schon, aber für die meisten bin ich der Neue und möchte mich deswegen gern vorstellen.
Ich heisse Klaus, bin 28cm groß und wiege 220 Gramm. Hab' ein bisschen zugenommen in letzter Zeit, mein BMI beträgt jetzt schon 2,8. Ich sehe aus wie ein Teddy, höre am liebsten die Musik von Anne Clark und Christina Stürmer (gern auch mal gleichzeitig, das groovt dann richtig gut) und arbeite als selbständiger Toleranzbotschafter. Nebenbei arbeite ich auch machmal als kritischer Demonstrant, weil das ganz gut zusammenpasst und ich so was dazuverdienen kann. Ich wohne in einem kleinen, gemütlichen Zimmer, das ein Teil eines größeren Schuhregals ist, in einem winzigen Dorf im Norden des Landes. Wenn ich in Sachen Toleranz unterwegs bin, reise ich in einer geräumigen Handtasche (unter uns: es ist manchmal etwas rümpelig darin, aber das ist echt nicht meine Schuld).
Meine Eltern haben mich damals Klaus-Maria genannt, weil sie mich nicht sofort in eine Geschlechterrolle drängen wollten; sie sind ziemlich fortschrittliche Teddybären. Für mich ist der Name Klaus aber voll OK, so heisse ich. Trotzdem habe ich manchmal Schwierigkeiten, weil ich nicht wie ein Teddy empfinde. Ich bin nämlich eigentlich ein Pinguin! Früher habe ich mir deswegen manchmal einen Frack angezogen und mich heimlich im Kühlschrank auf ein Ei gesetzt. Das war gar nicht schlecht, es fühlte sich stimmig an und das Passing war auch gut; besonders im Eisfach. Aber so richtig hat mich das nicht weitergebracht. Ich wollte mehr, ich wollte unter die Leute und mich ausprobieren, mich selbst erleben. Also bin ich von zu Hause weg und in eine große Stadt gezogen. Ich dachte dort müsste es mehr Typen wie mich geben, mit denen ich was unternehmen und erleben kann. Das war aber nix. Irgendwer wusste immer besser als ich selbst, wer ich bin und wie ich zu sein habe. Klar, da gab's auch coole Leute, Menschen, Pinguine, Teddys und alles mögliche andere, aber im Ganzen lief es dort für mich nicht rund. Zuletzt hab ich bei einer ziemlich doofen Familie gewohnt, die mich überhaupt nicht akzeptiert hat. Sie haben mich nicht in den Kühlschrank gelassen und sie wollten auch nicht, dass die Nachbarn es mitkriegen, wenn ich meinen Frack anziehe. Einmal im Jahr haben sie sogar alle Eier versteckt und behauptet, das wäre wegen Ostern! Lächerliche Ausrede. Und irgendwann haben sie mir auch noch eine bronzefarbene Schleife umgebunden, weil sie meinten, das wäre 'teddy-like' und würde gut zu meiner Nase passen. Völlig verpeilt diese Leute. Länger hab ich's dort dann auch nicht ausgehalten und bin abgehauen; in ein Heim für wohnungslose Plüschtiere. Die Heimleitung hat diese Bude aus irgendwelchen Gründen 'Second-Hand-Laden' genannt. Nicht witzig! Ich bin doch nicht gebraucht!
Eine Weile hab ich dann in diesem Laden, diesem Heim gewohnt. Das war aber auch nicht schön. Die Barbie aus dem Regal über mir hat dauernd rumgeheult, dass das alles unter ihrer Würde sei, so mit den ganzen Pelztieren in einem Regal zu leben. Die Tusse hat einfach nicht kapiert, dass die Sache mit meinem Fell einfach falsch gelaufen ist. Aber: DAS IST MEIN FELL, es könnten genausogut aber auch Federn sein. Was macht das denn für einen Unterschied? Diese dusselige Kuh! Ganz schlimm war es auch mit der Lederimitatjacke vom Kleiderständer gegenüber. Jeden, aber wirklich jeden, hat sie damit vollgelabert, dass sie eine Echtlederjacke sei, original aus Italien. Sie kam aus China (hab ihr heimlich unter's Etikett geguckt). Dabei hatte sie es echt nicht nötig so rumzulamentieren; total schick, modisch, sogar ein bisschen elegant war sie. Sie hätte sich eigentlich nur selbst mögen müssen, um uneinholbar gut auszusehen. Das Schlimmste war aber, dass ständig irgendwelche Kinder kamen und mich angegrapscht haben, als wäre ich 'n frischer Pfirsich in der Obstabteilung. "Guck mal, der Teddy ist soooo süß. Den will ich haben." haben sie gerufen. Hallo? ICH - BIN - KEIN - TEDDY! Und süß .... bin ich schon gar nicht! (auch wenn ich natürlich so aussehe als ob). Weil ich nun absolut nicht mit zu denen nach Hause wollte, hab ich dann immer laut gerülpst und unflätige Lieder gesungen (hab ich von meinem Opa gelernt, der hat sich so immer das Zugabteil von überflüssigen Mitreisenden freigehalten). Das ist sonst echt nicht meine Art, aber irgendwie muss man sich ja zur Wehr setzen, wenn man so klein ist.
Eines Tages, letztes Jahr im August war's, sass ich wiedermal draussen im Kasten vor dem Heim. Dort wurden wir bei schönem Wetter hingesetzt, damit 'die Kunden' uns besser sehen können. Wie würdelos! Kunden! Ich hab ein Zuhause gesucht, keinen Käufer und schon gar keinen Freier. Elende Sklavenhändler! Aber mit uns Kleinen kann man es ja machen. Neben mir saß dann auch noch die doofe Barbie und hat die ganze Zeit darüber gejammert, dass meine Anwesenheit ihr die Chance auf einen vorbeigehenden Ken versauen würde und sie ausserdem bald einen Sonnenbrand bekäme (soll sie sich halt dick mit Kunststoffpflegemittel einreiben, die Plastik-Tusse). Eigentlich also richtiger Mist, in dieser Kiste zu sitzen. Aber, was soll ich sagen? Das war mein Tag!
Ich hab' den Menschen schon von weitem gesehen, wie er die Strasse hoch kam. Eine ziemlich kuriose Erscheinung: Fast soviel Fell wie ich, deutlich höherer BMI als ich (egal),leicht gebeugter Gang (wie bei mir, schonmal gut) und dem ersten Anschein nach ohne jedes Verständnis für Gesellschaften mit beschränkter Toleranz (auch wie bei mir, also super). Den musste ich ansprechen und hab's getan. Er hat mich sofort verstanden und: Er fand mich cool! Die Heimleitung hatte mir aber dummerweise einen Zettel an's Ohr getackert (echt, so übel sind die drauf). Auf dem Zettel war die ausstehende Miete für mein Zimmer im Heim notiert. 'Kaufpreis' nannten sie das, diese miesen Kapitalisten. Ich hatte schon ein bisschen die Sorge, dass dieser Zettel meinem Glück im Wege stehen könnte, weil ich grad total pleite war. Aber der Mensch hielt wirklich was auf Solidarität, hat die Miete bezahlt und mich mitgenommen! Seitdem wohne ich bei ihm und seiner Frau, reise mit ihm, lerne tolle Leute kennen, werde dauernd fotografiert und hab einen riiiiiiiiiiiiesigen Spass.
Und nun hat der Mensch mich dazu überredet, mich hier anzumelden und ab und an meine Erlebnisse, Gedanken und Ideen hier auszubreiten. Et voila!
Bis bald
euer Klaus
manche von euch kennen mich schon, aber für die meisten bin ich der Neue und möchte mich deswegen gern vorstellen.
Ich heisse Klaus, bin 28cm groß und wiege 220 Gramm. Hab' ein bisschen zugenommen in letzter Zeit, mein BMI beträgt jetzt schon 2,8. Ich sehe aus wie ein Teddy, höre am liebsten die Musik von Anne Clark und Christina Stürmer (gern auch mal gleichzeitig, das groovt dann richtig gut) und arbeite als selbständiger Toleranzbotschafter. Nebenbei arbeite ich auch machmal als kritischer Demonstrant, weil das ganz gut zusammenpasst und ich so was dazuverdienen kann. Ich wohne in einem kleinen, gemütlichen Zimmer, das ein Teil eines größeren Schuhregals ist, in einem winzigen Dorf im Norden des Landes. Wenn ich in Sachen Toleranz unterwegs bin, reise ich in einer geräumigen Handtasche (unter uns: es ist manchmal etwas rümpelig darin, aber das ist echt nicht meine Schuld).
Meine Eltern haben mich damals Klaus-Maria genannt, weil sie mich nicht sofort in eine Geschlechterrolle drängen wollten; sie sind ziemlich fortschrittliche Teddybären. Für mich ist der Name Klaus aber voll OK, so heisse ich. Trotzdem habe ich manchmal Schwierigkeiten, weil ich nicht wie ein Teddy empfinde. Ich bin nämlich eigentlich ein Pinguin! Früher habe ich mir deswegen manchmal einen Frack angezogen und mich heimlich im Kühlschrank auf ein Ei gesetzt. Das war gar nicht schlecht, es fühlte sich stimmig an und das Passing war auch gut; besonders im Eisfach. Aber so richtig hat mich das nicht weitergebracht. Ich wollte mehr, ich wollte unter die Leute und mich ausprobieren, mich selbst erleben. Also bin ich von zu Hause weg und in eine große Stadt gezogen. Ich dachte dort müsste es mehr Typen wie mich geben, mit denen ich was unternehmen und erleben kann. Das war aber nix. Irgendwer wusste immer besser als ich selbst, wer ich bin und wie ich zu sein habe. Klar, da gab's auch coole Leute, Menschen, Pinguine, Teddys und alles mögliche andere, aber im Ganzen lief es dort für mich nicht rund. Zuletzt hab ich bei einer ziemlich doofen Familie gewohnt, die mich überhaupt nicht akzeptiert hat. Sie haben mich nicht in den Kühlschrank gelassen und sie wollten auch nicht, dass die Nachbarn es mitkriegen, wenn ich meinen Frack anziehe. Einmal im Jahr haben sie sogar alle Eier versteckt und behauptet, das wäre wegen Ostern! Lächerliche Ausrede. Und irgendwann haben sie mir auch noch eine bronzefarbene Schleife umgebunden, weil sie meinten, das wäre 'teddy-like' und würde gut zu meiner Nase passen. Völlig verpeilt diese Leute. Länger hab ich's dort dann auch nicht ausgehalten und bin abgehauen; in ein Heim für wohnungslose Plüschtiere. Die Heimleitung hat diese Bude aus irgendwelchen Gründen 'Second-Hand-Laden' genannt. Nicht witzig! Ich bin doch nicht gebraucht!
Eine Weile hab ich dann in diesem Laden, diesem Heim gewohnt. Das war aber auch nicht schön. Die Barbie aus dem Regal über mir hat dauernd rumgeheult, dass das alles unter ihrer Würde sei, so mit den ganzen Pelztieren in einem Regal zu leben. Die Tusse hat einfach nicht kapiert, dass die Sache mit meinem Fell einfach falsch gelaufen ist. Aber: DAS IST MEIN FELL, es könnten genausogut aber auch Federn sein. Was macht das denn für einen Unterschied? Diese dusselige Kuh! Ganz schlimm war es auch mit der Lederimitatjacke vom Kleiderständer gegenüber. Jeden, aber wirklich jeden, hat sie damit vollgelabert, dass sie eine Echtlederjacke sei, original aus Italien. Sie kam aus China (hab ihr heimlich unter's Etikett geguckt). Dabei hatte sie es echt nicht nötig so rumzulamentieren; total schick, modisch, sogar ein bisschen elegant war sie. Sie hätte sich eigentlich nur selbst mögen müssen, um uneinholbar gut auszusehen. Das Schlimmste war aber, dass ständig irgendwelche Kinder kamen und mich angegrapscht haben, als wäre ich 'n frischer Pfirsich in der Obstabteilung. "Guck mal, der Teddy ist soooo süß. Den will ich haben." haben sie gerufen. Hallo? ICH - BIN - KEIN - TEDDY! Und süß .... bin ich schon gar nicht! (auch wenn ich natürlich so aussehe als ob). Weil ich nun absolut nicht mit zu denen nach Hause wollte, hab ich dann immer laut gerülpst und unflätige Lieder gesungen (hab ich von meinem Opa gelernt, der hat sich so immer das Zugabteil von überflüssigen Mitreisenden freigehalten). Das ist sonst echt nicht meine Art, aber irgendwie muss man sich ja zur Wehr setzen, wenn man so klein ist.
Eines Tages, letztes Jahr im August war's, sass ich wiedermal draussen im Kasten vor dem Heim. Dort wurden wir bei schönem Wetter hingesetzt, damit 'die Kunden' uns besser sehen können. Wie würdelos! Kunden! Ich hab ein Zuhause gesucht, keinen Käufer und schon gar keinen Freier. Elende Sklavenhändler! Aber mit uns Kleinen kann man es ja machen. Neben mir saß dann auch noch die doofe Barbie und hat die ganze Zeit darüber gejammert, dass meine Anwesenheit ihr die Chance auf einen vorbeigehenden Ken versauen würde und sie ausserdem bald einen Sonnenbrand bekäme (soll sie sich halt dick mit Kunststoffpflegemittel einreiben, die Plastik-Tusse). Eigentlich also richtiger Mist, in dieser Kiste zu sitzen. Aber, was soll ich sagen? Das war mein Tag!
Ich hab' den Menschen schon von weitem gesehen, wie er die Strasse hoch kam. Eine ziemlich kuriose Erscheinung: Fast soviel Fell wie ich, deutlich höherer BMI als ich (egal),leicht gebeugter Gang (wie bei mir, schonmal gut) und dem ersten Anschein nach ohne jedes Verständnis für Gesellschaften mit beschränkter Toleranz (auch wie bei mir, also super). Den musste ich ansprechen und hab's getan. Er hat mich sofort verstanden und: Er fand mich cool! Die Heimleitung hatte mir aber dummerweise einen Zettel an's Ohr getackert (echt, so übel sind die drauf). Auf dem Zettel war die ausstehende Miete für mein Zimmer im Heim notiert. 'Kaufpreis' nannten sie das, diese miesen Kapitalisten. Ich hatte schon ein bisschen die Sorge, dass dieser Zettel meinem Glück im Wege stehen könnte, weil ich grad total pleite war. Aber der Mensch hielt wirklich was auf Solidarität, hat die Miete bezahlt und mich mitgenommen! Seitdem wohne ich bei ihm und seiner Frau, reise mit ihm, lerne tolle Leute kennen, werde dauernd fotografiert und hab einen riiiiiiiiiiiiesigen Spass.
Und nun hat der Mensch mich dazu überredet, mich hier anzumelden und ab und an meine Erlebnisse, Gedanken und Ideen hier auszubreiten. Et voila!
Bis bald
euer Klaus