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Re: Ursachenforschung
Verfasst: Fr 22. Apr 2016, 07:20
von biene38
Hi Martina,
bevor man an das Thema Ursachenforschung herangeht, sollte man sich klar machen, was mit Frauenkleidung oder weiblicher Kleidung gemeint ist.
Das ist Kleidung bezogen auf den jeweiligen Kulturkreis, die MOMENTAN in der Mehrzahl von Frauen getragen wird. Bezogen auf unseren Kulturkreis fällt mir mit Ausnahme des BHs vielleicht kein Kleidungsstück ein, welches nun wirklich an das biologische Geschlecht der Frau gekoppelt wäre. Dies wird auch klar wenn man es geschichtlich betrachtet, viele Kleidungsstücke, die heute fast ausschließlich von Frauen getragen wurden, waren früher aussschließlich Männerkleidung wie z.B. der Minirock, Schuhe mit hohen Absätzen, Overkneestiefel oder Seidenstrümpfe.
Das Befürfnis sich attraktiv zu kleiden ist somit scheinbar geschlechtsunabhängig.
Warum sollte es keine männliche Seite geben dürfen, sich körperbetont und attraktiv zu kleiden.
Übrigens mein erster Kontakt mit dem "weiblichen" Kleidungsstück war auch die Strumpfhose im Alter von ca. 6 Jahren. Damals war die Feinstrumpfhose für mich nur ein schönes Kleidungsstück, welches so schön transparent war und welches ich auch tragen wollte genau so wie meine Schwestern. Als ein noch recht naives und unbeeinflusstes Kind brachte ich dies mit Geschlecht nicht in Verbindung. Dies geschah erst dann später von außen durch Sozialisierung durch Eltern, Freunde, Idioten etc.
Vielleicht hilft ja meine Ansicht der Dinge einigen, ihr Interesse an schönen Dingen und Kleidungstücken in einen gesunden und objektiven Kontext zu bringen und damit auch ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen.
Grüße von der Biene
Re: Ursachenforschung
Verfasst: Fr 22. Apr 2016, 10:09
von Jaqueline
lucalikes hat geschrieben:Was ich mir wünsche, ist Austausch mit anderen, die auch gerne nach den Ursachen ihrer CD- oder TG-Neigung suchen würden. Natürlich hat jede von uns eine ganz eigene Geschichte, aber vielleicht gibt es doch auch ein paar Gemeinsamkeiten.
Guten Morgen Martin,
die Frage habe ich mir auch schon gestellt, warum es mich mit diesen Lebenstraum getroffen hat.
Ich für mich kann sagen, es war nicht einfach da sondern es hat sich einige Zeit entwickelt. Je mehr ich darüber nachdenke um so mehr verstehe ich mich mittlerweile selber und meine Anfänge. Die Spuren reichen bei mir zurück bis in die 1. bzw 2. Klasse im Sportunterricht. Ich habe mich zu der Zeit bei den Mädels umgezogen, da ich es bei den Jungen einfach nur eklig fand und so nahm das ganze dann seinen Lauf.
Ob es die Antwort ist, die du erwartet hast weiß ich nicht.
Ganz liebe Grüsse
Jacky

Re: Ursachenforschung
Verfasst: Fr 22. Apr 2016, 11:15
von Lina
Hallo Martina,
ich vermute, dass das mit den Kleinmaedchensachen sich ziemlich stark au dich selbst besieht. Das bedeutet ja nicht unbedingt, dass das bei allen so zutrifft, wie du beschreibst. Ist das nicht der Fehler, den viele Psychologen machen - Siegmund Freud inkl. - dass sie davon ausgehen, dass alle mit den gleivhen Voraussetzungen geboren werden und dann sich selbst als Massrab setzt?
Du hast natuerlich Recht, dass es im weiblichem Verhalten, wenn es darum geht suess/sexy zu sein Elementevon Kindlichem Verhalten gibt. Da wind Menschen nicht die Einzigen. Da schliessen sich so viele Wirbeltiere an, dass es mich wundern wuerde, eenn nan de T-Rex nicht dazuzaehlen koennte.
Ich, zumindest, wollte als Kind nicht ein Kind sein. Ich wollte so bald wie moeglich das tun und koennen, was Erwachsene koennen.
Also habe ich auch nicht "Maedchenkleidung" angezogen sondern so weit Moeglich was den erwachsenen Frauen nahe kommt. Inkl schwerze Pumps und Schmuck mit Perlen, was ich uebrigens immer noch gerne mag.
Re: Ursachenforschung
Verfasst: Fr 22. Apr 2016, 13:34
von biene38
lucalikes hat geschrieben: weshalb ich mich heute nicht nur attraktiv, sondern auch betont androgyn geben will.
Wir sind uns da sehr ähnlich.
Ich erkläre es mir damit, dass Frauen diesbezüglich in unserer Gesellschaft wesentlich mehr Freiheiten haben. Männer sind absolut benachteiligt in diesem Punkt. Indem man sich androgyn gibt, erhofft man sich, entsprechende Freiheiten zu erlangen, da man nicht mehr so den Anschein erweckt ein "typischer" Mann zu sein.
Die Frage wäre viel mehr, was wäre wenn wir in einer Zeit lebten, in der es anders herum war, d.h. die Mode der Männer freizügiger und experimentierfreudiger war als die der Damen, ob wir dann auch das Bedürfnis hätten uns androgyn zu geben. (
http://www.fashionhistory.ch/modeeinstu ... ssance.htm) Vielleicht hätte uns das vollkommen ausgereicht, da wir unsere Interessen unbekümmert ausleben hätten können.
Vielleicht ist diese Anrogynität nur ein Notbehelf, um etwas mehr Freiheit zu erreichen?
Oder geht es doch um etwas Geschlechtsspezifisches und wir hätten auch die Sehnsucht gehabt, uns mit dem anderen Geschlecht zu identifizieren und hätten uns entsprechend gekleidet??
Bei mir vermute ich eher ersteres.
Grüße von der Biene

Re: Ursachenforschung
Verfasst: Fr 22. Apr 2016, 16:01
von ExUserIn-2026-04-08
Hallo,
ich finde solche Geschichten auch interessant, aber wir können jahrelang über die Geschichten von uns reden und kommen doch keinen Schritt in der Ausgangsfrage weiter, weil wir uns in Details verheddern.
Wesentlich weiter könnten wir kommen, wenn wir versuchen, die Indizien zu sammeln und zu strukturieren, die für uns von Bedeutung sind. Z.B. Fragen wie
- Was bedeutet uns Trans ? Was ist von Bedeutung (z.B. (zeitweise) Frau sein, Entspannung, Freude an der Kleidung, vollständiger Wechsel des Geschlechts etc.
- Was sind die ersten Erinnerungen, die mit Trans verbunden sind ?
- Was ist die vermutete Ursache ?
- In welchem Alter trat Trans zum ersten Mal auf ?
- ...
In nächsten Schritt wären dann möglichst Viele zu befragen und in einer Tabelle darzustellen. Die Auswertungen könnten dann erste Strukturen liefern, die mit Trans zusammen hängen. Ich vermute, dass Trans ein viel zu weit gesteckter Begriff ist. Es gibt vermutlich unterschiedliche Gründe für unterschiedliche Phänomene. Aber wenn alles unter einem Sammelbegriff zusammengefasst wird, sind strukturelle Zusammenhänge nicht erkennbar.
Re: Ursachenforschung
Verfasst: Fr 22. Apr 2016, 18:04
von Jaqueline
lucalikes hat geschrieben:Jaqueline hat geschrieben:
Ich für mich kann sagen, es war nicht einfach da sondern es hat sich einige Zeit entwickelt. Je mehr ich darüber nachdenke um so mehr verstehe ich mich mittlerweile selber und meine Anfänge. Die Spuren reichen bei mir zurück bis in die 1. bzw 2. Klasse im Sportunterricht. Ich habe mich zu der Zeit bei den Mädels umgezogen, da ich es bei den Jungen einfach nur eklig fand und so nahm das ganze dann seinen Lauf.
Liebe Jacky, das finde ich interessant. Bei dir war es also die Umkleide. Ich staune, dass die Mädels das zugelassen haben
Was ich darüberhinaus spannend fände, wäre die Frage, was bei den Jungen so eklig war. Natürlich nur, wenn du das preisgeben magst.
Hallo Martina,
das ich mich bei den Mädchen umziehen durfte, hatte ich einer gewissen Situationen zu verdanken, auf die ich aber nicht weiter eingehen werde. An den Jungs hatte mich zum einen der Gestank in der Umkleide gestört und zum anderen das Matchogehabe.
Ganz liebe Grüsse
Jacky

Re: Ursachenforschung
Verfasst: Fr 22. Apr 2016, 19:25
von Franka
Ich bin heute zufällig über diesen Artikel gestolpert: Hirnströme bei Fehlhandlungen verraten Geschlecht
https://www.uni-magdeburg.de/Universit% ... 40580.html
Da drängte sich mir natürlich sofort die Frage auf, wie würde mein Trans*-Gehirn wohl reagieren und wo würde ich somit eingeordnet.
Ich habe den Prof. Dr. med. M. Ullsperger also gleich angeschrieben und ihm meine Frage geschildert. Er fand die Idee Trans*-Personen bei zukünftigen Tests mit in die Gruppe der Testpersonen aufzunehmen eine gute Idee. Allerdings wird wohl jetzt erst weiter untersucht, ob die Reaktionen der Testpersonen genetische, hormonelle oder ob die von jedem Individuum empfundene sexuelle Identität den Unterschied ausmachen.
Er bedankte sich jedenfalls für den Denkanstoß und findet es interessant Trans*-Personen bei zukünftigen Tests mit einzubeziehen.
Vielleicht bekommst du so irgendwann mal eine gute Antwort auf deine Frage Martina.
LG Dahlia
PS: den ganzen Bericht (auf englisch) gibt es hier:
http://www.nature.com/articles/srep24435
Re: Ursachenforschung
Verfasst: Sa 23. Apr 2016, 00:11
von Lina
lucalikes hat geschrieben:Lina hat geschrieben:Hallo Martina,
ich vermute, dass das mit den Kleinmaedchensachen sich ziemlich stark au dich selbst besieht. Das bedeutet ja nicht unbedingt, dass das bei allen so zutrifft, wie du beschreibst. Ist das nicht der Fehler, den viele Psychologen machen - Siegmund Freud inkl. - dass sie davon ausgehen, dass alle mit den gleivhen Voraussetzungen geboren werden und dann sich selbst als Massrab setzt?
Du hast natuerlich Recht, dass es im weiblichem Verhalten, wenn es darum geht suess/sexy zu sein Elementevon Kindlichem Verhalten gibt. Da wind Menschen nicht die Einzigen. Da schliessen sich so viele Wirbeltiere an, dass es mich wundern wuerde, eenn nan de T-Rex nicht dazuzaehlen koennte.
Ich, zumindest, wollte als Kind nicht ein Kind sein. Ich wollte so bald wie moeglich das tun und koennen, was Erwachsene koennen.
Also habe ich auch nicht "Maedchenkleidung" angezogen sondern so weit Moeglich was den erwachsenen Frauen nahe kommt. Inkl schwerze Pumps und Schmuck mit Perlen, was ich uebrigens immer noch gerne mag.
Hallo Lina,
zum Verallgemeinern von irgendwas ist es mir auf alle Fälle noch zu früh. Deswegen habe ich es auch ausdrücklich eine Hypothese genannt, dass es eine Parallele gibt zum Ageplay. Ja, bei mir trifft das zu, aber auch bei einer Reihe anderer CD / TG / TS, die ich online kennengelernt habe. Es gibt auch Männer, die Windeln plus Jungssachen lieben oder Windeln plus Strumpfhosen, aber nichts von Mädels usw. usf. Ich hörte sogar von einem amerikanischen Psychiater, der das Phänomen AB / DL grundsätzlich mit Transsexualität in Verbindung setzen soll. Da geht also extrem viel hin und her. Deswegen höre ich lieber auf die echten Erinnerungen und Erfahrungen.
Und deine Erfahrung, dass du lieber so schnell wie möglich eine erwachsene Frau werden wolltest, ist natürlich ganz besonders spannend. So eine Geschichte habe ich noch nie gehört. Das macht mich aber auch extrem neugierig, weshalb du nicht ein erwachsener Mann werden wolltest...
LG
Martina
Das mit den Windeln etc. bezweifle ich gar nicht. Es gibt sowieso nicht das Kleidungsstück oder Accessoire samt viel mehr was nicht Gegenstand von Fetischismus ist. Aber worauf der Psychiater die These basiert, dass ausgerechnet diese eine Variante von Fetischismus insbesondere mit Transsexualität zu tun haben sollte, würde ich gerne in Detail dargestellt sehen. Zumal dass viele Windelfetischisten und auch viele Menschen, die eine fetischistische Neigung zu Frauenkleidung haben, keineswegs über ihre männliche Identität zweifeln.
Dass ich explizit eine erwachsene FRAU sein wollte stimmt auch nicht ganz. Es war eher so, dass ich verschiedene Erwachsenen-Rollenmodelle hatte - einige männlich, einige weiblich. Die Tragweite des Unterschiedes zwischen männlich und weiblich war mir einfach noch nicht klar. Obwohl ich oft mit meinen Schwestern zusammen gebadet oder gedusch hatte, war es mir nicht klar, dass wir anatomisch unterschiedlich sind. Es kam mir vor, dass die Rollenmuster zwar klar waren, aber frei auswählbar. Dann fing die Schule an ... und irgendwann kehrte ich bewusst zu meiner ursprünglichen (unbewussten) Auffassung zurück.
In der Zwischenzeit hatte ich gelernt ein Junge zu sein. Gewissermaßen leicht, in vieler Hinsicht praktisch, auf vielen Punkten unzufriedenstellend.
Aber als KInd fühlte ich mich sehr wohl, wenn ich versuchte so sehr wie z.B. meine Mutter zu sein, wie es in dem Alter ging. Und als Erwachsene fand ich, dass die sehr "damenhafte" Rolle sehr gut zu mir passt und die Interaktion mit meinen Mitmenschen gut funktioniert und dass ich mich dabei sehr wohl fühle.
Re: Ursachenforschung
Verfasst: Sa 23. Apr 2016, 15:07
von NanaVistor
Die Uneinigkeit in der Quellenforschung ist groß. Es gibt viele Parallelen bei uns allen, und mindestens ebenso viele Unterschiede. Schon jede Eigendefinition schlägt da quer. Für den oder die ungemein wichtig, ist für den oder die andere total unbedeutend. Eine Trennung von den äußeren Einflüssen und angeboren/genetisch bedingt bringt nur noch mehr Variationen mit sich.
Schon die Ansicht "Frau" differiert enorm. Jede weitere, ursächliche Definition bringt weitere Grenzen mit sich.
Alles was ich bisher darüber gelesen oder gehört hab, zeigt auf: allgemein gültig gibt es nicht.
lg
Nana
Re: Ursachenforschung
Verfasst: So 24. Apr 2016, 13:51
von ab08
Danke für das Thema, Martina!!
Liebe Daenerys,
Du beschreibst auch meine Situation ziemlich gut, denn vieles kommt mir sehr bekannt vor. (Kindergarten, Testosteronspiegel, das ständige Suchen, sogar im Bereich
Fetischismus)
Pubertät... wie sehr wünschte ich mir, wie andere Mädchen einen normalen Busen zu bekommen, ... bzw. dass der Alptraum endete.
Alles aufzuzählen, dazu fehlt mir momentan die Zeit.
(Beruflich zur Zeit halt extrem viel los)
Mein Glück, dass ich früh, bereits in den 60er Jahren bei meinen Aufenthalten in Paris -
https://en.wikipedia.org/wiki/Coccinelle erfuhr, dass Transsexualität
existierte.
Aber es dauerte dennoch lange, ich
für mich selber akzeptierte, dass ich transsexuell war.
--> Inzwischen lernte ich zum Glück einiges über Intersexualität, Transsexualität dazu
Liebe Grüße
Andrea
Re: Ursachenforschung
Verfasst: Mo 25. Apr 2016, 10:54
von Astrid
Ja, über die Ursachen habe ich mir schon oft Gedanken gamacht. Zu einem schlüssigen Ergebnis bin ich für mich aber noch nie gekommen.
Das Wohlgefühl beim Tragen von weiblicher Kleidung war bei mir schon immer da. Selbst wenn ich bis zu meinen frühesten Erinnerungn zurückgehe, so im Alter von vier bis fünf Jahren, so sehe ich mich schon mit meiner Mutters Strumpfhosen, Schuhen und Kleidern herumspielen; allerdings stets und strikt heimlich. Immer wieder, meist schon gleich nach dem Aufstehen, wenn meine Eltern noch schliefen. Was nun aus heutiger Sicht meine genaue Motivation dazu war, kann ich nicht wirklich sagen. Ich fand es einfach schön. Auch habe ich rückblickend in dem Alter noch nicht das Gefühl gahabt, das mit meiner Identität etwas nicht stimmt. Lediglich betrachteten mich viele Menschen im Rückblick als "zart besaitet". Ich weinte schnell.
Mit Beginn der Pubertät kamen mir aufgrund meines Hangs zum heimlichen Dressen dann erste Zweifel auf. Zuerst schämte ich mich vor mir selbst, dann kamen im Laufe der Zeit die ersten Minderwertigkeitsgefühle auf, kein richtiger Junge zu sein. Aus den Minderwertigkeitsgefühlen entwickelte sich später eine Art Selbsthass. Ich wollte den anderen Jungen nacheifern: männlich sein, hart sein. Was mir zum Teil, wenn auch mit Mühe gelang. Ich fing an zu trinken und die Schule zu vernachlässigen. Eine Freundin fand ich nicht. Das Crossdressen wurde zum Fetisch. Ich schuf mir meine eigene Frau. Durch meine Abiturprüfungen bin ich mit Ach und Krach gerade noch so durchgekommen. Dann lernte ich wenig später meine heutige Frau kennen. Wir zogen recht schnell zusammen. Mein Crossdressen verheimlichte ich ihr und nutzte jede Zeit, die ich allein zu Hause war, mich umzuziehen. Ich empfand mein Verhalten zu der Zeit als krankhaft. Irgendwann begann ich zuzulassen, daß ich davon träumte eine Frau zu sein. Zudem fing es an, daß mir der männliche Part beim Sex immer weniger Freunde machte. Im Laufe der Jahre hatte ich Probleme, beim Sex überhaupt noch zum Höhepunkt zu kommen. Und da kam genau das ins Spiel, was auch Daenerys beschrieb: Ich versetzte mich beim Sex imaginär in die Rolle meiner Frau. Das half mir etwas. Ich habe nie mit meiner Frau darüber gesprochen.
Nach zehn Jahren Beziehung kamen bei mir dann die ersten Suizidgedanken auf. Irgenwann kam ich an den Punkt, wo ich so nicht mehr weiterleben wollte. Das war dann der Zeitpunkt meines ersten, recht halbherzigen Coming-Outs bei meiner Frau. Nach einigen Diskussionen akzeptierte meine Frau, daß ich die Kleidung zu Hause trug. Dann lief erstmal alles so weiter, nur das ich mich nicht mehr heimlich kleiden mußte. Über die nächsten zehn Jahre entwickelte sich dann mehr und mehr - wieder unausgesprochen und an meiner Frau vorbei - diese, wie ich es jetzt mal nenne, weibliche Identität. Am Ende verging kein Tag mehr, an dem ich nicht über mein ganzes Dasein nachgrübelte. Die Abwärtsspirale begann, von der ich neulich ja hier schon berichtete. Dann der gescheiterte Suizidversuch mit anschließendem zweimonatigem Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik.
Und hier wäre meine erste große Chance gewesen, die Karten auf den Tisch zu legen, an mir zu arbeiten, mein Leben zum Besseren zu ändern.
Aber ich ließ sie verstreichen und schwieg eisern bei Ärzten und Therapeuten über mein wahres Problem.
Bei der Entlassung meinte die Stationsärztin noch zu mir: "Sie werden wiederkommen. Ihre Probleme scheinen ihnen so ungeheuerlich groß vorzukommen, daß sie noch nicht bereit sind darüber zu sprechen." Wie Recht sie doch hatte!
Irgendwie schaffte ich es über die nächsten Monate, mich wieder aufzurappeln. Es lief aber die nächsten Jahre alles weiter wie gehabt. Immer mehr fühlte ich mich aber vom "Mann-sein-müssen" abgestoßen. Echte Freude am Leben empfand ich nicht mehr. Eines Tages laß ich auf Spiegel-Online einen Bericht über eine Transsexuelle. Ich war danach wie elektrisiert, konnte an nichts anderes mehr denken. Der Wunsch, ebenfalls als Frau zu leben, war plötzlich voll da. Ich suchte später das Gespräch mit meiner Frau über meine Empfindungen. Sie war nicht schockiert, eher verblüfft und akzeptierte es auch erstmal; wohl weil weder sie noch ich uns über die tatsächlichen Konsequenzen darüber im Klaren waren.
Das war der Zeitpunkt, an dem ich mich hier im Forum angemeldet habe. Psychisch war ich da schon wieder in einer Ausnahmesituation und erneut mit Suizidgedanken belastet.
Ein damaliger Therapeut aus dem Klinikum hat mal zu mir nach einer Gruppentherapie - wo ich meist auch nur schwieg - gesagt: "Machen Sie doch mal Ihr Problem zum Thema!" Ich konnte aber leider nie über meinen eigenen Schatten springen.
Auch hier im Forum nicht. Ich habe zwei Jahre lang die Chance gehabt, mein Problem zum Thema zu machen. Auch diese habe ich wieder verstreichen lassen. Stattdessen habe ich mich, in dem ich zu allem Möglichen meinen Senf dazugegeben habe, oft mit Hang zur Konfrontation, gefühlt selbst ins Abseits geschrieben.
Auch wenn ich mich hier selbst in den verschiedensten Theorien von wegen Zwischengeschlechtlichkeit verstrickt habe, ist es in Wahrheit so:
Ich bin mir absolut sicher, daß ich kein Mann bin. Ich fühle mich nicht wohl unter Männern und auch nicht dazugehörig und habe mich deshalb auch über die Jahre von allen Freunden zurückgezogen. Ich blicke in den Spiegel und meine eigene Erscheinung stößt mich ab, weil sie nicht mit meiner gefühlten Identität übereinstimmt. Der Wunsch - aber leider nicht Gewissheit - eine Frau zu sein wird immer stärker.
Und nun möchte ich deutlich sagen: Ja, ich bin transident! - Und: Ja, ich habe nicht den blassen Schimmer, wohin meine Reise noch geht.
Klar, ich bin in therapeutischer Behandlung. Aber oft fehlt mir der Mut zur konsequenten Ehrlichkeit, anderen und auch mir selbst gegenüber. Das läßt meinen Prozess nur quälend langsam voranschreiten.
Und oft ist es auch das vielleicht nur eingebildete Gefühl, den Anspüchen an eine Frau niemals gerecht werden zu können.
Andererseits habe ich auch einige Erfolge zu verbuchen, bei denen ich meine eigenen Grenzen überwinden konnte: Allen voran, daß ich bei den meisten Menschen aus meiner Familie, auch meinen Eltern, ein Coming-Out hatte. Weiterhin wird mein Erscheinungsbild immer weiblicher. Auch wenn ich nicht voll durchgestylt auf die Straße gehe, so besteht meine Kleidung doch jetzt schon hauptsächlich aus Damenteilen, meine Fingernägel trage ich lang und stets lackiert und oft trage ich noch dezent Kajal und Mascara auf und die Haare werden auch immer länger. Und ich habe mir angewöhnt, konsequent überall so hinzugehen, auch auf die Arbeit.
Kollegen, die den Mut aufbringen mich darauf anzusprechen, erhalten die Antwort zu meiner gefühlten Identität. Das hat bis jetzt gut geklappt.
Allerdings wirke ich eher wie ein feminin gekleideter Mann, als wie eine Frau, was bei vielen Leuten anscheinend nicht dem Klischee eines trans* Menschen entspricht. Aber es verschafft mir schon jetzt ein positiveres Lebensgefühl, auch wenn es zum richtigen Durchbruch noch ein harter Weg für mich ist.
Abschließend zur Frage der Ursache: Für mich selber sehe ich keine konkrete Ursache für meine Transidentität. Sie war wohl immer schon da, nur hat es einer langen Entwicklung bedurft, bis ich mir dieser ernsthaft bewußt wurde bzw. werden wollte, möglicherweise auch aus unterbewusster Angst vor den Konsequenzen.
Liebe Grüße - Astrid
Re: Ursachenforschung
Verfasst: Mo 25. Apr 2016, 15:46
von Lina
@@Laut meiner Mama begann das Drama am ersten Tag im Kindergarten. Meine eigenen Erinnerungen sind lückenhaft. Ich klammere mich an die Hand meiner Mutter. In einer Ecke steht ein Puppenhaus. Ich will hingehen, zu den Mädchen, die dort spielen. Aber etwas hält mich zurück. In der anderen Ecke toben die Jungs. Ich weiß nicht, was ich tun soll, bin überfordert und habe Angst. Schließlich werde ich zu den Jungs geschoben. Ich verziehe mich in eine Ecke und versuche aus Bauklötzen ein eigenes Puppenhaus nachzubauen. Ein Junge wirft sich in meinen Rohbau, und ich fange an zu weinen.
OMG! Das erinnert mich auch daran, wie ich mich gefreut habe, dass ich nicht in den Kindergarten musste. Ich spielte ungern mit Jungen, fand - oder finde es immer noch - furchtbar, wie einige wild um sich mit Sachen werfen, rumschubsen die eigenen oder Spielzeuge anderer kaputt machen. Besonders wenn ein bestimmter Junge mit seinen Eltern zu besuch kam, habe ich mein schönstes Spielzeug vor ihm Versteckt. Ein entscheidendes Schlüsselerlebnis in meinem Leben war, als er mal im Alter von ca 8 Jahren beim Spielen völlig rücksichtslos auf mich gesprungen ist und mit mir ringen wollte. Ich war völlig unvorbereitet, habe ihm reflexiv einen runter gehauen und hatte dabei zufälligerweise irgend ein Gegenstand. Er ist heulend weg gelaufen. Ich blieb erstaunt stehen und entdeckte da erst, wei einfach es sein kann ... und wie wenig Tatkraft hinter einer protzigen Oberfläche sein kann. Ursache? Verstärkend vielleicht.
Ich muss aber doch etwas schmunzeln, wenn ich hier die ganzen mutmaßlichen Ursachen aneinander gereiht sehe. Eigentlich fehlen nur zwei. Die völlig old-school These, "dominante Mutter", und die eher neuzeitige, dass die "Genderisten" in Cooperation mit den Illuminati daran schuld seien.
Ein paar Punkte möchte ich aber aufgreifen. Erst mal pauschal. Wenn die ganzen genannten mutmaßlichen Ursachen diese Auswirkung haben können, wundert es mich, dass es doch relativ wenige TG gibt.
Und wenn man von einige gängigen Theorien der Psychoanalytik aus geht - einerseits, dass Kinder ohne Vorprägung geboren werden und alles sich nur durch die Einflüsse nach der Geburt aufbaut, weiter dass wenn bestimmte Erlebnisse/Erinnerungen/Traumen, die "verdrängt" seien, wieder bewusst gemacht werden dann auch ihre Wirkung verlieren, dann sollten ja auch kaum jemand hier nach Bewusstmachung der Ursache immer noch T sein. Also - wenn diese Theorie stimmt, dann können die nicht die tatsächlichen Ursachen gefunden haben, denn dann wären sie nicht T mehr. Zumindest bei denen, wo es sich um psychische Ursachen geht.
Logisch, oder? Natürlich immer noch angenommen, dass diese Theorien wasserdicht sind.
Möglich ist natürlich auch, dass diese Theorien nur teilweise stimmen oder total durch den Wind sind.
Und was die physiologischen Ursachen betrifft: Die physiologischen Unterschiede sind ja ohne jeden Zweifel festgestellt. Was mir da noch fehlt ist, dass konkreter festgestellt wird, was hier Ursache und was Wirkung ist.
Nehmen wir die Sache mit dem Testosteron. Super, ich zweifle nicht daran, dass die meisten, die sonst physiologisch wie Männer sind und ganz oder teilweise in der sozialen Rolle der Frau leben wesentlich weniger Testosteron als andere Männer ihrer engeren Verwandtschaft haben. Aber wie viel weniger - das würde ich gerne wissen. Wenn wir nur von 10-15% weniger reden, kaufe ich das nicht als Ursache. Weil ...
Es ist bekannt und unter Laborbedingungen feststellbar, dass man mit Suggestion und / oder durch bestimmte Körperpositionen das Testosteronlevel erheblich verändern kann. In manchen Fällen sogar 25%+. Wer es nicht glaubt - wenn jemand Versuchsperson und Labor + stellt, beweise ich es auch gerne in Praxis. (Es geht auch einfacher, aber wenn es wissenschaftlich sein soll, dann soll es wissenschaftlich sein.)
Es ist auch bekannt, dass es Sportler gibt - überwiegend welche, die Muskelmasse aufbauen wollen - die mittels bestimmter Körperhaltungen sich ein höheres Testosteronlevel antrainieren.
Als T macht man eigentlich genau das Gegenteil. Wenn mehr Testosteron sich antrainieren lässt, dann auch weniger. Logisch, nicht wahr?
Dass das Hirn sich auch durch bestimmten Prozesse sich verändert, denke ich, ist inzwischen allgemein bekanPnt.
Das stärkste Beispiel, was ich vorführen könnte, hat zwar nicht mit TG zu tun, aber deutet stark darauf hin, dass durch einen mentalen Prozess innerhalb von Minuten auch was Physiologisches verändert - ist die sog. Fast Phobia Cure. Die Fast Phobia Cure habe ich gelegentlich in Zusammenarbeit mit Praktizierenden, die eine Heilerlaubnis besitzen, ausgeführt. (Zumindest in den Fällen, wo es in Deutschland statt fand.)
Eine Phobie manifestiert sich ja nicht nur durch eine psychischen Reaktion oder Fluchtreflex - z.B. bei Angst vor kleinen Räumen, Spinnen, etc. - sondern auch durch Schweißausbrüche, erhöhte Herzfrequenz, schnelleres Atmen, Haut reagiert usw. Denkt bitte daran, dass eine Phobie nicht nur ein bisschen Unbehagen bei irgend etwas ist, sondern etwas was stark genug ist um Teile des Lebens des betroffenen zu beherrschen. Genau wie eine bestimmte sexuelle Neigung oder ein Fetisch es auch sein kann.
Wenn also durch einen mentalen Prozess - eine Art Suggestion - nicht nur das subjektive Angstgefühl sondern auch die körperlichen Reaktionen auch normalisiert sind - meine ICH (natürlich nicht nur ich, sondern auch eine Menge Andere), dass in der Kurzen Zeit auch physiologisch was geändert haben muss. Die ganzen genannten körperlichen Funktionen werden vom Hirn gesteuert, also müssen sich auch neue Neuronverbindungen gebildet haben, und das innerhalb von Minuten.
Wenn man also innerhalb von 15-30 Minuten etwas an der Phsyiologie des Hirns ändern kann - was passiert dann wenn:
Eine Peson wird - mit den ganzen zusätzlichen Stressfolgen, die man sich denken kann - in einer Gender role erzogen, die nicht passt.
Die Person bricht aus diesem muster aus. Fühlt sich nicht mehr verpflichtet, den "Obermacker" zu spielen, muss nicht mehr das "Rangordnungsverhalten" in einer Männergruppe mit machen, was bestimmt stressig war - kann jetzt lernen ganz andere mutmaßlich viel sanftere seiten von sich zu zeigen usw. Dies als Teil eines Prozesses, der vielleicht Jahrzehnte dauert. Nicht nur 15-30 Min. Wenn jemand mal beweist, dass dies NICHTS am Hirn ändert, dann glaube ich an die These, dass TG mit einem komplett anders strukturierten Hirn geboren werden.
Bis dahin halte ich das ganze Spektrum von überwiegend angeboren bis überwiegend konditioniert für offen.
Da unsere Threadstarterin ja selber Psychologin ist und dies im Threadstart betont hat, hoffe ich jetzt auch auf wissenschaftlich fundierte Reaktionen.
Re: Ursachenforschung
Verfasst: Mo 25. Apr 2016, 17:42
von Jaqueline
Warum schreibt ihr alle solche Romane

? Es geht garantiert auch kürzer
Re: Ursachenforschung
Verfasst: Mo 25. Apr 2016, 18:06
von rika
Hallo zusammen,
ich habe auch in der Vergangenheit oft darüber nachgedacht, warum gerade ich? Gab es Ereignisse, die die Entwicklung beeinflusst haben, war es der Vater der vielleicht auch CD war, es in seinem Leben aber nie zeigen durfte, aber warum ist er Schneider geworden? War es die 10 Jahre ältere (Halb)schwester, die mich sehr mochte? Warum sind meine Brüder "klassische" Männer? Warum wollte ich Kinder haben?
Auf all diese Warums habe ich keine Antwort gefunden,aber rückblickend erkannt, dass ich auch nicht der "klassische Junge" war. Fußball blöd, Turnen in der Schule höchstens eine 4, Bundesjugendspiele immer ohne Urkunde. Ich fuhr gerne Rad, spielte mit großer Ausdauer Federball (hieß früher so), Lego und Modellbahn. Alles Beschäftigungen ohne Fouls.
Vom Gymnasium geflogen landete ich mit 15 in der Handelsschule, war der Primus, Klassen- und Schulsprecher. Da fing ich auch an, mich etwas ausgefallen zu kleiden (langer Pulli mit Gürtel obendrüber, trug man damals) und hatte lange Haare, denen ich bis heute nachtrauere.
Meine Eltern bauten ein Haus, ich arbeitete mit Hingabe im Garten und an der Außengestaltung incl. Treppen bauen. Die Erwartung, "zum Bund" zu müssen, machte mir Angst. Ich hatte Glück und wurde in die höchste Tauglichkeitsstufe 5 wegen akutem Untergewicht eingestuft
Ich hatte eine Freundin, auch wenn sie nicht meine große Liebe war und heiratete mit 21. Heute weiß ich, dass es sowohl eine Flucht als auch eine Hoffnung war: vielleicht werde ich anders. Wir waren 14 Jahre kinderlos verheiratet, dann getrennt und ich ging für längere Zeit alleine nach USA. Da lebte man in den 80er besser drinnen, wenn man nicht den Standards entsprach. Zurück in Deutschland lebte ich in meinem kleinen Haus alleine bis eine Kollegin eingestellt wurde, die 3 Jahre später die Mutter meiner Tochter wurde. Auch da kam immer wieder das Warum und manchmal dachte ich: wenn die intensive Ehe so weiter geht, verblasst das andere ich. Und wieder eine Frage: kann eine intakte und intensive Beziehung den CD verdrängen oder gar ganz entfernen? Antwort für mich: nein, niemals.
Die Ehe endete nach 10 Jahren und rika wurde stark, wagte die ersten Spaziergänge und fragte doch immer wieder: warum gerade ich? Ist es Last und Fluch oder??? 14 Jahre sind seit der Trennung vergangen, in den letzten 2-3 Jahren habe ich die Fragen beendet und den Kampf gegen mich ebenso, denn wer gegen sich selbst kämpft, kann nie gewinnen, da dieser Mensch zugleich immer auch der Verlierer ist. Man sagt, ich sei weicher geworden.
rika
Re: Ursachenforschung
Verfasst: Mo 25. Apr 2016, 21:15
von Lina
Lucalices
@Die Erkenntnisse der Psychologie (seriös oder nicht) deuten auf alle Fälle darauf hin, dass Identität in keiner Hinsicht angeboren ist, sondern in einem psychosozialen Spannungsfeld erarbeitet wird.
Womit begründen sie diese Annahme?
Einige sprechen doch von Einflüssen schon im Mutterleib.
...
(War das kurz genug, Jaqueline?)