Was bleibt nach all den Diskussionen?
Verfasst: Mo 4. Jan 2016, 23:58
Hallo, Guten Abend zusammen,
wir (einige) haben in den letzten eineinhalb Jahren hier im Forum manche überdurchschnittlich lebhafte Debatte um Standpunkte, Thesen und nicht zuletzt um Wörter geführt. Man kann auch sagen, es wurde erbittert darum gestritten. Eine umfassende Einigung hat es nicht gegeben, zwischen manchen Positionen nichtmal eine Annäherung; beides konnte es vielleicht auch gar nicht geben. Neben allen gegensätzlichen Meinungen und manchen Erkenntnissen (für mich jedenfalls) hat es aber einen Punkt gegeben, der trotz aller widersprüchlichen Positionen zu keiner Zeit und von keiner Diskutant_in in Frage gestellt wurde: Geschlecht kann und darf nicht von aussen zugewiesen werden.
Aus Anlass eines anderen Themas, in dem jemand nach der 'Geschlechterverteilung bei Trans............' fragt*, möchte ich diese (womöglich einzige) gemeinsame Position ganz explizit und für sich allein nochmal aufgreifen. 'Für sich allein', weil jede Ableitung daraus wieder zu den gehabten Debatten führen könnte, die 'Nicht-von aussen-Zuweisbarkeit' von Geschlecht aber, obwohl nicht in Frage gestellt, auch in der Community nicht gänzlich angekommen zu sein scheint.
Insbesondere interessiert mich die Frage, wie wir mit (expliziten oder immanenten) Zuweisungen umgehen wollen bzw. wie wir es erreichen könnten, dass diese unterbleiben bzw. das sie erstmal einfach als Zuweisungen erkannt werden. Die Frage nach der 'Geschlechterverteilung' beinhaltet nämlich schon eine solche Zuweisung, die sich (wahrscheinlich und wahrscheinlich auch unabsichtlich) an der üblichen gesellschaftlichen Praxis orientiert. Für mich ist die Frage nach der Geschlechterverteilung daher erstens nicht zu beantworten (welches Geschlecht sollte man zur Grundlage der Verteilung machen, ohne Zuweisungen vorzunehmen?) und zweitens, viel wichtiger, auch eine Art sich laufend wiederholenden Rückschrittes im Diskurs um Geschlechtlichkeit.
Natürlich wird es kurzfristig keinen 'kollektiven Erkenntnisstand' in einem Forum geben können, in das immer wieder neue Mitglieder kommen, aber irgendwie (genau kann ich es z.Z. nicht beschreiben) treibt mich die Idee um, dass wir diesen Schlüssel finden müssen, um hier im Forum und auch 'draussen' einen wichtigen Schritt im Diskurs um Geschlechtlichkeit machen zu können. Immerhin ist es vielleicht der einzige Punkt, über den keine Uneinigkeit in der Community besteht.
Veileicht etwas kraus, es ist schon spät. Vielleicht finden sich aber Ansätze für eine Diskussion, die uns weiterbringt.
Habt es gut
Marielle
*) Es geht mir definitiv nicht um eine persönliche Kritik an der entsprechenden Fragestellung! Sie war nur der sachliche Auslöser für obigen Beitrag. Vor Jahren hätte ich diese Frage ggfs. selbst so (unrichtig) formuliert. Man hätte auch einfach eine Umformulierung vorschlagen können,z.B. 'wie ist die Verteilung nach amtlich zugewiesenem Geschlecht bei trans..... ', aber es steckt mehr in diesem Komplex, finde ich.
wir (einige) haben in den letzten eineinhalb Jahren hier im Forum manche überdurchschnittlich lebhafte Debatte um Standpunkte, Thesen und nicht zuletzt um Wörter geführt. Man kann auch sagen, es wurde erbittert darum gestritten. Eine umfassende Einigung hat es nicht gegeben, zwischen manchen Positionen nichtmal eine Annäherung; beides konnte es vielleicht auch gar nicht geben. Neben allen gegensätzlichen Meinungen und manchen Erkenntnissen (für mich jedenfalls) hat es aber einen Punkt gegeben, der trotz aller widersprüchlichen Positionen zu keiner Zeit und von keiner Diskutant_in in Frage gestellt wurde: Geschlecht kann und darf nicht von aussen zugewiesen werden.
Aus Anlass eines anderen Themas, in dem jemand nach der 'Geschlechterverteilung bei Trans............' fragt*, möchte ich diese (womöglich einzige) gemeinsame Position ganz explizit und für sich allein nochmal aufgreifen. 'Für sich allein', weil jede Ableitung daraus wieder zu den gehabten Debatten führen könnte, die 'Nicht-von aussen-Zuweisbarkeit' von Geschlecht aber, obwohl nicht in Frage gestellt, auch in der Community nicht gänzlich angekommen zu sein scheint.
Insbesondere interessiert mich die Frage, wie wir mit (expliziten oder immanenten) Zuweisungen umgehen wollen bzw. wie wir es erreichen könnten, dass diese unterbleiben bzw. das sie erstmal einfach als Zuweisungen erkannt werden. Die Frage nach der 'Geschlechterverteilung' beinhaltet nämlich schon eine solche Zuweisung, die sich (wahrscheinlich und wahrscheinlich auch unabsichtlich) an der üblichen gesellschaftlichen Praxis orientiert. Für mich ist die Frage nach der Geschlechterverteilung daher erstens nicht zu beantworten (welches Geschlecht sollte man zur Grundlage der Verteilung machen, ohne Zuweisungen vorzunehmen?) und zweitens, viel wichtiger, auch eine Art sich laufend wiederholenden Rückschrittes im Diskurs um Geschlechtlichkeit.
Natürlich wird es kurzfristig keinen 'kollektiven Erkenntnisstand' in einem Forum geben können, in das immer wieder neue Mitglieder kommen, aber irgendwie (genau kann ich es z.Z. nicht beschreiben) treibt mich die Idee um, dass wir diesen Schlüssel finden müssen, um hier im Forum und auch 'draussen' einen wichtigen Schritt im Diskurs um Geschlechtlichkeit machen zu können. Immerhin ist es vielleicht der einzige Punkt, über den keine Uneinigkeit in der Community besteht.
Veileicht etwas kraus, es ist schon spät. Vielleicht finden sich aber Ansätze für eine Diskussion, die uns weiterbringt.
Habt es gut
Marielle
*) Es geht mir definitiv nicht um eine persönliche Kritik an der entsprechenden Fragestellung! Sie war nur der sachliche Auslöser für obigen Beitrag. Vor Jahren hätte ich diese Frage ggfs. selbst so (unrichtig) formuliert. Man hätte auch einfach eine Umformulierung vorschlagen können,z.B. 'wie ist die Verteilung nach amtlich zugewiesenem Geschlecht bei trans..... ', aber es steckt mehr in diesem Komplex, finde ich.