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Nur ein Weg beim Therapeuten? Oder: "wie hört man damit auf"?

Verfasst: Sa 7. Nov 2015, 01:03
von Nicki
Hallo Community,

heute ist wieder so ein Tag an dem ich ganz besonders wenig Lust auf dieses Doppelleben habe! Es treibt mich regelrecht in den Wahnsinn!

Mein Plan zu einem Therapeuten zu gehen steht fest, doch hoffe ich irgendwie darauf, dass es für mich einen Weg gibt als Mann zu leben und zwar ohne der Frau in mir. Ich will mich nicht outen, nicht an Hormone gebunden sein, nicht in einem so gut es eben geht angeglichenen Körper leben, nicht keine Kinder bekommen können und im schlimmsten Fall alleine alt werden.

Also habe ich eben danach googelt, ob es andere geschafft haben ihr angeborenes Geschlecht zu schätzen zu lernen, finde ich nichts. Kommt so was denn nicht vor? Gibt es für uns nur die Optionen damit zu leben oder den TS Weg zu gehen?

Ich bin deprimiert.

LG
Nicki (wo)

Re: Nur ein Weg beim Therapeuten? Oder: "wie hört man damit auf"?

Verfasst: Sa 7. Nov 2015, 10:39
von ChristinaF
Ich finde, das ist die Gretchenfrage schlechthin.
Meines Wissens ist es aber so, dass wir oder du, damit leben musst.
LG
Chrissie

Re: Nur ein Weg beim Therapeuten? Oder: "wie hört man damit auf"?

Verfasst: Sa 7. Nov 2015, 12:13
von Marielle
Guten Morgen Nicki,

das ist ein ziemlich dicker Brocken, der da vor dir liegt. Es ist eine gute Idee von dir, dass du dir Hilfe suchen willst, um ihn wegzuräumen. Ob ich dir richtig helfen kann weiss ich nicht; vielleicht aber ein paar Anstösse geben, ein paar Fragen stellen. Fragen stellen scheint zwar erstmal gemein zu sein, wenn jemand eigentlich um Antworten bittet. Antworten kann aber eigentlich niemand für dich geben, das musst du für dich tun.

Du hast dich schon gefragt, was es für dich bedeutet, als Frau zu leben und du hast Antworten darauf gefunden, die für dich keine gute Perspektive eröffnen (so verstehe ich deine Worte). Du könntest dich auch fragen, was es bedeutet als Mann zu leben; was das für dich bedeutet. Du kannst dich auch fragen, warum es ein Doppelleben sein muss, das du führst. Ob du vielleicht deswegen ein Doppelleben fürchtest, weil du keinen Platz zwischen Mann und Frau siehst.

Ich bin sicher, dass es dort einen Platz gibt. Man lernt dort zwar nicht sein zugewiesenes Geschlecht zu schätzen (das man es nicht schätzt, wird man wohl wirklich nicht los), aber man muss dort kein Doppelleben führen. Man kann sich selbst ein bisschen besser akzeptieren.

Wenn man diesen Platz für sich selbst findet und man es dort gut hat, wenn dieser Platz sich richtig anfühlt, braucht man keine Hormone oder Operationen. Man kann dort man selbst sein, für eine Weile oder auf Dauer. Mit ein bisschen Glück wird man dort auch nicht alleine alt; wie überall anders gehört das bisschen Glück aber auch dort dazu. Man kann diesen Platz zwischen Mann und Frau auch nutzen, um sich auszuprobieren. Es gibt dort nicht 'den TS-Weg', weil es mehr als nur Mann und Frau gibt.

Vielleicht kann man sich diesen Platz wie eine Bank an einem Weg vorstellen. Man steht dort und sieht Menschen vorbeigehen; manche in die eine, manche in die andere Richtung. Manche bleiben stehen, setzen sich auf die Bank und schauen sich um. Sie überlegen welches Ziel das richtige für sie ist und gehen dann festen Schrittes weiter. Manche bleiben auch für immer und bauen sich ein Haus an diesem Weg.

Ich wünsch dir alle Kraft die du brauchst und den Mut, dir und anderen alle wichtigen Fragen zu stellen.

Hab es gut

Marielle

Re: Nur ein Weg beim Therapeuten? Oder: "wie hört man damit auf"?

Verfasst: Sa 7. Nov 2015, 15:10
von Theresa
Hallo Nici,
Ich hänge mich hier mal an weil es mir ähnlich geht. Ich liebe die innere Frau denn sie tut mir gut. Ich hasse sie weil ich sie nirgends gebrauchen kann, sie überall stört und Ich mich regelrecht abhängig davon fühle. Sie war zwar schon unterschwellig immer schon vorhanden, als sie vor zwei Jahren an die Oberfläche kam wurde das Leben Bzw . die Beziehung noch komplizierter. Und jeh nach dem in welcher Phase ich mich befinde wünsche ich mir ein feminineres Aussehen und der Blick in den Spiegel sagt wieder, dass es sinnlos ist.
Der ständige Wechsel macht einen fertig.
Selbst als Einzelgänger habe ich Angst vor Einsamkeit im Alter. Das ist, jeh nach Definition ja nicht mehr lange.
Der Psychologe sagt immer, dass man das akzeptieren lernen muss. Dies fällt mir unterschiedlich leicht/schwer. Ich möchte einfach nur ein normales Leben leben.
Ich fühle mich nicht als Frau, habe nur das Bedürfnis eine sein zu wollen. Das unterscheidet uns von denen die sagen, sie seien im falschen Körper meiner Meinung nach ganz erschienen.

Re: Nur ein Weg beim Therapeuten? Oder: "wie hört man damit auf"?

Verfasst: Sa 7. Nov 2015, 17:25
von Nicki
Daenerys Targaryen hat geschrieben:Ich erinnere mich an ein Zitat im Buch von Jean Lessenich, in dem eine Freundin von ihr sinngemäß sagt: "Ich habe Jahre gebraucht um herauszufinden, dass die Frau in mir den Mann in mir zerstören wollte."
Das Zitat sollte man einrahmen! Das trifft es total! Und wenn die Frau in mir so weiter macht gewinnt sie. :?

Besonders Angst habe ich auch davor, dass es mir ergeht wie Anna/Finnin, dass die therapeutischen Sitzungen nur kluge Sprüche von jemandem sein werden, der eigentlich gar nicht nachvollziehen kann, was in uns vorgeht. Da kann ich mich auch gleich mit dem nächsten Pfarrer unterhalten - da muss ich wenigstens nicht auf einen Termin warten.

Re: Nur ein Weg beim Therapeuten? Oder: "wie hört man damit auf"?

Verfasst: Sa 7. Nov 2015, 23:04
von exuserin-2017-01-16
Hallo Nicki, mir geht es ähnlich wie dir. Ich denke das Problem sind nicht wir! Uns macht das Doppelleben verrückt, weil es die Gesellschaft um uns herum nicht akzeptiert. Wo wäre das Problem wenn ich heute Mann und Morgen Frau sein möchte, je nach dem wie meine Gefühlswelt gerade ist ? Die Gesellschaft verlangt aber das man sich für eine Seite entscheidet. Der deutsche Michel begreift ja so schon nicht was mit uns los ist bzw. wie wir fühlen. Wenn man dann noch hin und her wechselt, dreht der Rest der vielleicht eine Transition akzeptiert hätte auch noch durch.
Momentan versuche ich mit dem Doppelleben klar zu kommen. Die Familie weiß Bescheid, wenn mir danach ist kann ich die Frau sein die ich gerne von Geburt an geworden wäre. Wie lange ich das noch schaffe weiß ich nicht, durch meine Arbeit , Kinder usw. kann ich kein komplettes Outing machen, da würde alles wegbrechen was mir auch wichtig ist.
Das Zitat in deinem letzten Beitrag stimmt bei mir auch die Frau in mir versucht den Mann zu zerstören alles was mir als Mann wichtig ist wird scheinbar unwichtig.

Gruß Uta

Re: Nur ein Weg beim Therapeuten? Oder: "wie hört man damit auf"?

Verfasst: So 8. Nov 2015, 03:40
von Lina
Ich will nicht sagen oder beraten, was du tun sollst, aber das hier verstehe ich überhaupt nicht

@Gibt es für uns nur die Optionen damit zu leben oder den TS Weg zu gehen?

Wie kommst du eigentlich darauf? Es gbit doch tausende Varianten dazwischen, darunter die, die einfach sagen, - heute bin ich eher Frau, dann kleide ich und style mich so - und an anderen tagen, - heute ist eher der Mann in mir dominierend ...

Das Doppelleben besteht nur darin, dass es als Doppelleben betrachtet wird.

Re: Nur ein Weg beim Therapeuten? Oder: "wie hört man damit auf"?

Verfasst: So 8. Nov 2015, 12:16
von Nicki
Lina hat geschrieben:Ich will nicht sagen oder beraten, was du tun sollst, aber das hier verstehe ich überhaupt nicht

@Gibt es für uns nur die Optionen damit zu leben oder den TS Weg zu gehen?

Wie kommst du eigentlich darauf? Es gbit doch tausende Varianten dazwischen, darunter die, die einfach sagen, - heute bin ich eher Frau, dann kleide ich und style mich so - und an anderen tagen, - heute ist eher der Mann in mir dominierend ...

Das Doppelleben besteht nur darin, dass es als Doppelleben betrachtet wird.
Wo siehst du denn tausend Varianten? Ich sehe nur 4: komm damit klar und halte es geheim, komm damit klar und lebe es offen aus, lebe als Frau oder lebe als Mann. Die ersten beiden Varianten sind nix für mich. Die Transition zur Frau wäre mein Favorit, doch für eine erfolgreiche oder unbeschwerliche Zukunft wäre der Weg als Mann der bessere (als Mann hätte ich an meinen Körper und meiner Art erst mal nichts auszusetzen - von Feintuning abgesehen).

Das Doppelleben existiert auch nicht nur, weil ich mein Leben als solches betrachte. Es ist einfach so. Störend ist es wenn ich Entscheidungen treffe, wie zum Beispiel: zum Körper im Allgemeinen (Muskelaufbau, Augenbrauen zupfen, Form der Fingernägel etc.), zu Finanzen (beide haben teure Interessen) oder zur Wohnungseinrichtung (sie hätte gerne alles irgendwie plüschig, gut riechend und Pink, er würde sie am liebsten in eine Werkstatt umbauen, was auch öfter mal vorkommt). Auch in der Persönlichkeit habe ich so etwas wie ein Doppelleben, glaube ich. Ich verstelle mich zwar nicht, aber es ist schon so, dass ich in einer Sache unterschiedliche Empfindungen habe, je nach Präsenz des einen oder anderen Geschlechts. So zum Beispiel möchte er sehr wohl Frauen/seine Freundin beschützen, sie hingegen würde es schöner finden, wenn sie beschützt wird. In Beziehungen ist das regelmäßig ein Thema für mich.

Re: Nur ein Weg beim Therapeuten? Oder: "wie hört man damit auf"?

Verfasst: So 8. Nov 2015, 16:50
von crossi
Hi Nicki
ich habe noch einen Artikel entdeckt der dir vielleicht auch etwas helfen kann.
http://www.stern.de/gesundheit/sexualit ... 49202.html.

LG Crossi

Re: Nur ein Weg beim Therapeuten? Oder: "wie hört man damit auf"?

Verfasst: So 8. Nov 2015, 17:39
von nicole.f
Liebe Nicki,
wie andere auch bereits andeuteten und ich auch gleich noch näher beschreiben werde, sind diese Art von Gefühlen alles andere als ungewöhnlich. Mich hat genau dieser Zwiespalt auch jahrelang gequält und die scheinbar zwingende Entscheidung Mann oder Frau, Transition oder nicht, die Möglichkeit mich selbst zu finden blockiert. Ich war blockiert, denn beide Varianten schienen mehr und mehr nicht mehr lebbar. Je stärker ich mich zu einer Entscheidung, eine Entschluss drängen wollte, desto tiefer wurde der Spalt und die Zweifel.

Es gibt kein Allheilmittel dagegen, keinen eindeutigen guten Weg und ich würde sogar behaupten, jede_r, der_die meint einem einen solchen vorgeben zu können, sollte mit äußerster Vorsicht betrachtet werden. Jede_r muss das für sich selbst herausfinden, leider.

Dabei hat mir sehr geholfen, alle Rollenbilder, Klischees, Erwartungen, geschlechtsspezifische Ansichten etc. etc. alles über Board zu werfen. Dies alles sind Ansichten und Gedanken, die wir von außen bekommen haben, die aber mit uns selbst nicht notwendigerweise etwas zu tun haben. Manchmal passt es vielleicht, aber oft genug auch nicht. Warum sollten wir uns für so etwas wichtiges und basales wie unser eigenes Geschlecht von außen fremdbestimmen lassen?

Müssen wir nicht. Für mich war es dann bald nicht mehr die Frage nach Mann oder Frau, sondern nach mir. Wer bin ich? Was sind meine Bedürfnisse? Was muss ich? Was muss ich nicht? Was lehne ich ab oder was strebe ich an? Nachdem ich mich einmal von den Klischees und klassischen Bildern gelöst hatte, konnte ich das viel einfacher betrachten. So pickte ich dann ein Ding nach dem anderen, bewertete es und legte es sozusagen mit seinem Wertetikett zur Seite. Dann sortierte ich das alles und langsam begann sich ein Bild zu formen. Am Ende kam etwas heraus, was viel mehr Frau als Mann war. Das es immernoch einige Teile gab, die nicht zu "ganz Frau" zu passen schienen, war mir dann aber egal, denn ich suchte ja nicht die ideale Frau in mir! Eigentlich suchte ich ja weder Mann noch Frau, sondern "nur" mich. Was für mich daraus auch folgte war, dass alle Teile, die ich da fand, irgendwie zu mir gehören - auch wenn sie nicht in ein einziges Bild oder Klischee passen.

Wenn man in bestimmten Situationen für andere einen Beschützer_innen Instinkt entwickelt, ist das dann unbedingt männlich? Pft... nö, es ist nett und fürsorglich, was soll's, welchem Geschlecht man soetwas vielleicht zuordnen könnte, muss man ja aber nicht.

Es gibt keinen Grund, sich zu zwingen, sich für etwas zu entscheiden. Das ganz ganz wichtige ist, dass wir wir selbst sind und authentisch leben. Was das dann nach außen bedeutet, ist doch zunächst einmal egal? Für mich hat es bedeutet, dass die meisten meiner Eigenschaften eher denen einer Frau entsprachen und ich mit dem Bekenntnis zu Frau damit nach außen am wenigsten in Konflikt geraten würde. Das bedeutete also Veränderungen. Das bedeutete aber auch nicht, dass ich damit jeder Erwartung an Frau entsprechen müsse und auch nicht, dass ich alle Mann-Eigenschaften wegwerfen musste. Warum auch? Jeder Mensch hat gewisse Brüche. Die Interessantesten Menschen vereinen viele solcher scheinbaren Widersprüche in sich. Und je besser sie das hinbekommen, desto größer ist mein Respekt für sie.

Versuche einfach Du selbst zu sein - ganz und gar. Wenn Du weiblich sein möchtest, sei weiblich, wenn Du jemanden beschützen möchtest, beschütze. Solange Du Dir selbst dabei treu bleibst, Dir nicht selbst etwas vormachst oder einredest, solange wird alles gut sein, Du wirst zufrieden sein und Dein Umfeld wird Deine Authentizität an Deiner Ausstrahlung erkennen und anerkennen.

Liebe Grüße
nicole

Re: Nur ein Weg beim Therapeuten? Oder: "wie hört man damit auf"?

Verfasst: So 8. Nov 2015, 19:59
von Lina
Nicki hat geschrieben:
Lina hat geschrieben:Ich will nicht sagen oder beraten, was du tun sollst, aber das hier verstehe ich überhaupt nicht

@Gibt es für uns nur die Optionen damit zu leben oder den TS Weg zu gehen?

Wie kommst du eigentlich darauf? Es gbit doch tausende Varianten dazwischen, darunter die, die einfach sagen, - heute bin ich eher Frau, dann kleide ich und style mich so - und an anderen tagen, - heute ist eher der Mann in mir dominierend ...

Das Doppelleben besteht nur darin, dass es als Doppelleben betrachtet wird.
Wo siehst du denn tausend Varianten? Ich sehe nur 4: komm damit klar und halte es geheim, komm damit klar und lebe es offen aus, lebe als Frau oder lebe als Mann. Die ersten beiden Varianten sind nix für mich. Die Transition zur Frau wäre mein Favorit, doch für eine erfolgreiche oder unbeschwerliche Zukunft wäre der Weg als Mann der bessere (als Mann hätte ich an meinen Körper und meiner Art erst mal nichts auszusetzen - von Feintuning abgesehen).

Das Doppelleben existiert auch nicht nur, weil ich mein Leben als solches betrachte. Es ist einfach so. Störend ist es wenn ich Entscheidungen treffe, wie zum Beispiel: zum Körper im Allgemeinen (Muskelaufbau, Augenbrauen zupfen, Form der Fingernägel etc.), zu Finanzen (beide haben teure Interessen) oder zur Wohnungseinrichtung (sie hätte gerne alles irgendwie plüschig, gut riechend und Pink, er würde sie am liebsten in eine Werkstatt umbauen, was auch öfter mal vorkommt). Auch in der Persönlichkeit habe ich so etwas wie ein Doppelleben, glaube ich. Ich verstelle mich zwar nicht, aber es ist schon so, dass ich in einer Sache unterschiedliche Empfindungen habe, je nach Präsenz des einen oder anderen Geschlechts. So zum Beispiel möchte er sehr wohl Frauen/seine Freundin beschützen, sie hingegen würde es schöner finden, wenn sie beschützt wird. In Beziehungen ist das regelmäßig ein Thema für mich.
Z.T. siehst du es ähnlich wie ich - z.T. aber auch nicht. Dadurch sind wir also schon über die vier Varianten hinaus, die du siehst. Darüber hinaus gibt es genügend Leute deren Sichtweise ich nicht mal nachvollziehen kann - die aber schon. Das sind also weitere Varianten, die innerhalb des Denkbaren liegen.
Ja, ich kann nachvollziehen, dass die komplette Transition eine attraktive Lösung sein kann und ich verstehe auch voll das Argument, dass - nehmen wir es völlig wie ich es rein subjektiv sehe - dass durch mögliche berufliche Benachteiligung die Aussicht zu einem Leben in Armut erschreckender ist als die Option in Teilen des Lebens noch die Männerrolle zu leben. Das ist für mich zwar nicht der einzige Grund eine komplette Transition abzulehnen, aber es ist ein wesentlicher Grund.
UND am allerwichtigsten: Das ist eine Entscheidung, die ich getroffen habe. Ich hätte mich auch anders entscheiden können. Egal was daraus gekommen wäre, hätte ich die Entscheidung auch für mich selbst getroffen. Nicht andere, nicht die Gesellschaft, nicht meine Eltern oder Verwandte sondern ICH.
Und so treffst du auch deine Entscheidungen selber ... und du kannst wie alle andere Menschen zwischen unterschiedliche Optionen wählen. Einige Optionen sind einfach da, andere musst du selber schaffen.
Die Tatsache, dass du unterschiedlich empfindest je nachdem in welchem Umfeld du dich befindest ist aber auch nichts Neues - so geht es allen Menschen. Wenn das zu einem Doppelleben für dich wird könnte es durchaus damit zu tun haben, welche Empfindungen, du in dem einen oder anderen Umfeld - sei es Gender-bezogen oder nicht - hast aber stark unterdrückst oder vortäuscht, wenn die nicht vorhanden sind. Sonst wüsste ich nicht, wie es zu einem Gefühl des Doppellebens werden sollte. Da hast du auch selber die Entscheidungsgewalt.
@So zum Beispiel möchte er sehr wohl Frauen/seine Freundin beschützen, sie hingegen würde es schöner finden, wenn sie beschützt wird.
Das ist z.B. ein gutes Beispiel. Mir geht es genau so. Ich liebe es, wenn ich en femme mit Freunden unterwegs bin und wie wollen mich schützen. Zumindest als Geste - ganz verlasse ich mich auch nicht darauf. Wenn ich en femme bin tun die es gerne. (Spannend, dass das so viel ausmacht) Wenn ich irgendwie geschwächt - z.B. krank oder einfach nur traurig bin ist es auch schön, dass meine Partnerin da ist für mich.
Aber in einem Risiko beladenen Umfeld verstehe ich gut, wenn Frauen sich gerne von mir Schützen lassen - meine Partnerin oder auch andere. Schließlich habe ich darin reichlich Ausbildung und Kampferfahrung. ICH sehe darin kein Doppelleben. Wenn eine Bekannte oder Freundin durch eine bedrohlichen Gegend gerne zum Taxi, Hotel oder zur U-Bahn eskortieren lässt, damit sie nicht beraubt oder von Besoffenen begrapscht wird - oder über Kopfsteinpflaster sich stützen lässt, damit die HighHeels nicht beschädigt werden, der habe ich keine Bedenken anzuvertrauen, wie die Jungs auf mich aufpassen, wenn ich en femme bin - und dass ich das schön finde.
Wenn DU entscheidest daraus ein Doppeleben zu machen, dann entscheidest DU das. Es ist nicht für dich entschieden worden. Und aus meiner Sicht bringt es dir auch nur wenig, das weiter so als "Arbeitsthese" festzuhalten.

Re: Nur ein Weg beim Therapeuten? Oder: "wie hört man damit auf"?

Verfasst: So 8. Nov 2015, 23:57
von Nicki
Lina hat geschrieben:Wenn DU entscheidest daraus ein Doppeleben zu machen, dann entscheidest DU das. Es ist nicht für dich entschieden worden.
Ja, so gesehen habe ich mich wohl tatsächlich dazu entschieden. Also mal sehen, was der Psychiater so zu sagen hat. Ich sehe es kommen! Außer "mhm, mhm... reden Sie weiter!" wird nicht viel kommen... Na ja, nächste Woche werde ich die Therapeuten hier in der Gegen abklappern und dann mal sehen. Hoffentlich bekomme ich bald einen Termin!

Vielen Dank an alle für die netten Worte!

LG
Nicki

Re: Nur ein Weg beim Therapeuten? Oder: "wie hört man damit auf"?

Verfasst: Mo 9. Nov 2015, 02:08
von Lina
Hmmm, ja da wäre ich auch gespannt - viel zu oft wollen Psychiater uns gerne erzählen WARUM wir so sind, wie wir sind, nicht allzuoft Ansätze geben, WAS wir tun sollen (was wahrscheinlich auch gut ist). Es steht und fällt also damit, ob er dazu beiträgt, dass so viel System in den Denkprozess rein kommt, dass wir selber die Lösungen finden. Ich will nicht vorweg nehmen, ob ich glaube, dass er das kann oder nicht. Mag sein - vielleicht auch nicht.

Der Unterschied zwischen mir und einem Psychiater ist, dass der Psychiater sich als Behandler und seinen Patienten als jemanden sieht, der unter einem körperlichen oder psychischen Zustand leidet - und dieser Zustand muss neutralisiert werden. Und ich sehe mich als Coach und der Klient ist einer dem ich helfe eine möglice Veränderung von sich selbt erst als Ziel zu definieren und anschließend zu erreichen. Der Unterschied liegt also kompakt ausgedrückt drin, dass sein Fokus in der Vergangenheit und der Gegenwart liegt - und auf ein, nach seiner Sicht vermutlich pathologischen Zustand. Ich dagegen lasse den Klienten auf seine persönlichen Werte fokussieren, die sich dann allmählich zu einem genauer formulierten Ziel(zustand) zusammenbauen.
Deshalb habe ich auch deine Aufmerksamkeit auf deine eigenen Entscheidungen gerichtet.

Das ist so ähnlich wie wenn du in einer fremden Stadt stehst und fragst, wie du zum Bahnhof kommst. Der Psychiater wird dich fragen, wie es sich anfühlt, den Bahnhof nicht finden zu können und wie alt du warst, als du zum ersten Mal den Bahnhof nicht finden konntest.

Wenn du mich fragst, sage ich, "stell dir genau vor, du bist schon im Bahnhof. Wie fühlt es sich an? Ist das genau das, was du erreichen willst? ..."


OK, das ist zwar ein altbekannter Witz, aber er beschreibt schon den Unterschied recht gut.

Re: Nur ein Weg beim Therapeuten? Oder: "wie hört man damit auf"?

Verfasst: Mo 9. Nov 2015, 19:35
von Nicki
Lina hat geschrieben:Und ich sehe mich als Coach...
Wie darf man das verstehen? Begleitest du beruflich TG/TS auf ihrem Weg?

Re: Nur ein Weg beim Therapeuten? Oder: "wie hört man damit auf"?

Verfasst: Mo 9. Nov 2015, 20:46
von hannah51
Hallo Nicki und Ihr anderen,
erstens: ich fange gerade erst richtig an , mir Frauensachen anzuziehen,
Bin total begeistert.
Zweitens: ich bin schon seit Jahren in psychotherapeutischer Behandlung , mit Unterbrechungen.
Nach meinem "Outing" in der Therapie hat er mir gesagt " Komm doch mal in Frauenkleidern"
Ich also heute hin. Es war ein völlig neues Gefühl, da in Rock, Nylons und Pumps zu sitzen.
Kann ich nur empfehlen,
.....und auf keinen Fall "damit" aufhören, solange es Dir gefällt1!!!
lg
hannah
PS: ich hab das Gefühl, mich hier in diesem Forum sehr wohl fühlen zu können!!