war ja lange überfällig
Verfasst: So 1. Nov 2015, 17:13
ich habe in den letzten Wochen beim Lesen den Eindruck gewonnen, eine ordentliche Vorstellung ist mindestens erwünscht. Mit meinem Jahrgang 56 habe ich zwar mein Leben verbracht mit dem Bemühen unkonventionell zu sein, aber hier macht es ja schon Sinn zu wissen, mit was für Geschichten man es zu tun hat - außerdem habe ich soo viele Lebensläufe gelesen, dass ich selbst neugierig bin, was da so entsteht beim Einsammeln der eigenen Geschichte.
Meine vermutlich älteste Erinnerung an "möchtegern Mädchen sein" war wohl meine Faszination für die Sachen meiner Schwestern, die meist kurze Röcke und Wollstrumpfhosen anhatten. Ich kann mich noch erinnern, dass auch Jungs Strumpfhosen statt langer Unterhosen anhatten. Die älteste meiner 3 Schwestern hat mich auch ermutigt: "Frag Mutti doch mal - vielleicht kriegst Du auch welche." Ob ich mich nicht getraut habe zu fragen oder mir die Genehmigung verweigert wurde, weiß ich aber nicht mehr.
Irgendwann 5. oder 6. Klasse hat mich einer der "Großen" total beeindruckt, als er im Winter im Rahmen des Sportunterrichts auf dem Schulhof Fussball spielte und dabei Nylonstrumpfhosen trug. Als wenig später jemand in der Umkleide vor dem Schwimmunterricht wegen seiner Wollstrumpfhosen unter der Hose gehänselt wurde, sprang ich ihm zu Hilfe mit aller mir zur Verfügung stehenden Inbrunst: "Die Großen spielen sogar in Seidenstrumpfhosen auf dem Schulhof Fussball."
Viele Jahre später zum Studium nach Berlin umgezogen hatte ich dann endlich eigene, die ich einigermassen regelmäßig gegen Kälte und/oder für den Reiz drunterzog. Vierzig Jahre später, durch das neue Selbstbewusstsein, zu dem mir meine neue Frau verhalf und durch Lesen im Internet - z.B. in diesem Forum - hörte es endlich auf, dass ich mir dabei wie ein Perverser vorkam.
Irgendwann probierte ich wohl mal einen ihrer Röcke an, was ein wenig Neid auslöste: "Du hast ja schönere Beine als manche Frau". Eine Weile danach kam sie mit einem Kilt angedackelt, den sie im Internet bestellt hatte. Gleich die nächsten Tage sind wir im Kilt shoppen gegangen, um dazu passende Oberbekleidung zu besorgen und zu einer Esseneinladung zu Freunden. Im Schnitt bin ich einmal die Woche im Rock im Büro und Wochenendaktivitäten wie Flohmarkt, Museumsbesuche oder Spaziergänge haben mich schon länger nicht mehr in Hosen gesehen.
Inzwischen ist es kühler geworden und ich ziehe farblich passende Wollstrumpfhosen drunter, was meine Frau dann aber doch mit einem Stirnrunzeln quittiert - schließlich hat sie einen Mann geheiratet und der soll auch Mann bleiben und Strumpfhosen unterm Kilt sind so an der Grenze zu "zu weiblich". Aber jetzt gerade sitzt sie an der Nähmaschine und stellt meinen 2. Kilt fertig. Gerade war Anprobe, der wird schön!
Reaktionen beobachte ich eher selten, meine Erfahrungen beschränken sich dabei "eigentlich" auf Paris und Berlin. Die Meisten scheinen es gar nicht zur Kenntnis zu nehmen - in Paris noch weniger als in Berlin - hin und wieder merkt man dann doch, dass man einen Blickk einfängt, aber wenn man angeglotzt werden möchte, muss man Ecken mit sehr hoher Touridichte aufsuchen. In der Firma können sich die Kollegen, die man Jahre oder Jahrzehnte kennt, Bemerkungen wie "das ist also der neue Style in Eurer Abteilung..." nicht verkneifen. Auf der Strasse werde ich gelegentlich - meist von Frauen - angesprochen: "Finde ich super und das sich das endlich mal ein Mann traut" oder "Klasse und steht dir wirklich sehr gut".
Dass man anderswo Reaktionen ernten kann, habe ich gemerkt, als ich in meinem Berliner standard Fahrradoutfit (kurze Hose und Strumpfhose drunter) in der Nähe von Nürnberg zum Tanken aus dem Auto kletterte. Ich kam mir vor wie eine lila Kuh.
Das wars dann erstmal,
Claude
Meine vermutlich älteste Erinnerung an "möchtegern Mädchen sein" war wohl meine Faszination für die Sachen meiner Schwestern, die meist kurze Röcke und Wollstrumpfhosen anhatten. Ich kann mich noch erinnern, dass auch Jungs Strumpfhosen statt langer Unterhosen anhatten. Die älteste meiner 3 Schwestern hat mich auch ermutigt: "Frag Mutti doch mal - vielleicht kriegst Du auch welche." Ob ich mich nicht getraut habe zu fragen oder mir die Genehmigung verweigert wurde, weiß ich aber nicht mehr.
Irgendwann 5. oder 6. Klasse hat mich einer der "Großen" total beeindruckt, als er im Winter im Rahmen des Sportunterrichts auf dem Schulhof Fussball spielte und dabei Nylonstrumpfhosen trug. Als wenig später jemand in der Umkleide vor dem Schwimmunterricht wegen seiner Wollstrumpfhosen unter der Hose gehänselt wurde, sprang ich ihm zu Hilfe mit aller mir zur Verfügung stehenden Inbrunst: "Die Großen spielen sogar in Seidenstrumpfhosen auf dem Schulhof Fussball."
Viele Jahre später zum Studium nach Berlin umgezogen hatte ich dann endlich eigene, die ich einigermassen regelmäßig gegen Kälte und/oder für den Reiz drunterzog. Vierzig Jahre später, durch das neue Selbstbewusstsein, zu dem mir meine neue Frau verhalf und durch Lesen im Internet - z.B. in diesem Forum - hörte es endlich auf, dass ich mir dabei wie ein Perverser vorkam.
Irgendwann probierte ich wohl mal einen ihrer Röcke an, was ein wenig Neid auslöste: "Du hast ja schönere Beine als manche Frau". Eine Weile danach kam sie mit einem Kilt angedackelt, den sie im Internet bestellt hatte. Gleich die nächsten Tage sind wir im Kilt shoppen gegangen, um dazu passende Oberbekleidung zu besorgen und zu einer Esseneinladung zu Freunden. Im Schnitt bin ich einmal die Woche im Rock im Büro und Wochenendaktivitäten wie Flohmarkt, Museumsbesuche oder Spaziergänge haben mich schon länger nicht mehr in Hosen gesehen.
Inzwischen ist es kühler geworden und ich ziehe farblich passende Wollstrumpfhosen drunter, was meine Frau dann aber doch mit einem Stirnrunzeln quittiert - schließlich hat sie einen Mann geheiratet und der soll auch Mann bleiben und Strumpfhosen unterm Kilt sind so an der Grenze zu "zu weiblich". Aber jetzt gerade sitzt sie an der Nähmaschine und stellt meinen 2. Kilt fertig. Gerade war Anprobe, der wird schön!
Reaktionen beobachte ich eher selten, meine Erfahrungen beschränken sich dabei "eigentlich" auf Paris und Berlin. Die Meisten scheinen es gar nicht zur Kenntnis zu nehmen - in Paris noch weniger als in Berlin - hin und wieder merkt man dann doch, dass man einen Blickk einfängt, aber wenn man angeglotzt werden möchte, muss man Ecken mit sehr hoher Touridichte aufsuchen. In der Firma können sich die Kollegen, die man Jahre oder Jahrzehnte kennt, Bemerkungen wie "das ist also der neue Style in Eurer Abteilung..." nicht verkneifen. Auf der Strasse werde ich gelegentlich - meist von Frauen - angesprochen: "Finde ich super und das sich das endlich mal ein Mann traut" oder "Klasse und steht dir wirklich sehr gut".
Dass man anderswo Reaktionen ernten kann, habe ich gemerkt, als ich in meinem Berliner standard Fahrradoutfit (kurze Hose und Strumpfhose drunter) in der Nähe von Nürnberg zum Tanken aus dem Auto kletterte. Ich kam mir vor wie eine lila Kuh.
Das wars dann erstmal,
Claude