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"Testpsychologische Untersuchung" zur Begutachtung meiner Transidentität

Verfasst: Do 15. Okt 2015, 17:06
von Lipstick-Lady
Ich habe demnächst einen Begutachtungstermin bei dem Berliner Psychiatrieprofessor K.M. Beier. Auf der Einladung stand, daß ich ausreichend Zeit einplanen sollte, da im Anschluß an das Gespräch eine testpsychologische Untersuchung stattfinden soll. Hat jemand eine Vorstellung, was da auf mich zukommt? Idiotentest?

Re: "Testpsychologische Untersuchung" zur Begutachtung meiner Transidentität

Verfasst: Do 15. Okt 2015, 17:33
von JuliaS (†)
Hallo Lipstick-Lady,

ich habe mich gerade mal kurz über den Herren informiert. Im Grunde sollte man diesen Gutachter als befangen ablehnen. :((a
An dieser Test-Untersuchung würde ich die Mitarbeit verweigern, zumindest sachkompetente Begleitung bzw Unterstützung mitnehmen. Kurz gefasst, es ist Vorsicht geboten.
Er hat nur die berümten drei Fragen zu beantworten:

- Transsexuell ja oder nein. Dürfte unstrittig sein.
- seit mindestens drei Jahren unter den Zwang leidend; auch unstrittig, da nicht prüfbar
- "Rückfall" ausgeschlossen; auch unstrittig, warum durchläuft man sonst das ganze Prozedere.

Wenn er mehr will, diesem widersprechen und auf Vermerk des Widerspruches insistieren. Auf keinen Fall einschüchtern lassen.

Gruß

Julia

Re: "Testpsychologische Untersuchung" zur Begutachtung meiner Transidentität

Verfasst: Do 15. Okt 2015, 18:04
von Anne-Mette
Moin,

wie kommst Du auf einen Begutachter in Berlin?
Für den norddeutschen Raum (steht in Deinem Profil) könnte ich Dir eine Liste möglicher GutachterInnen schicken.

Gruß
Anne-Mette

Re: "Testpsychologische Untersuchung" zur Begutachtung meiner Transidentität

Verfasst: Do 15. Okt 2015, 23:32
von nicole.f
Kornelia hat geschrieben: ...
Zum eigentlichen Thema, Therapeuten, Psychiater und Psychologen können heute immer noch nicht die Schädelplatte hochklappen und dir ins Gehirn schauen :wink:
Mein Tipp, sei einfach du selbst, natürlich wie es geht, das man bei so einer 'Begutachtung' aufgeregt ist, ist normal. Von daher lass dich deswegen nicht verrückt machen was auf dich zukommen könnte. Bei der 'Begutachtung' sollen nur klinische psychische Erkrankungen ausgeschlossen werden (z.B. Schizophrenie).
Vorsicht, darum geht es hier ganz und gar nicht.
Diese Sache mit der Differential-Diagnose, die Du hier ansprichst, also Ausschluss bspw. eine Schizophrenie, macht man heute nicht mehr. Die Ansicht, dass echte psychische Störungen eine Transsexualität vortäuschen könnten ist überholt, dafür gab es auch nach langer Forschung keine klinischen Beweise. Wohl aber weiß man, dass eine Transsexualität Komorbiditäten auslösen kann, gerade bspw. Depressionen. Das hat aber wiederum mit einer Diagnose Transsexualität nichts zu tun. Und mit der Begutachtung nach TSG hat dies alles nichts zu tun, dann das ist, wie Julia schon richtig schrieb, nicht der Auftrag des Gerichts an den Gutachter.

Beier ist in der Tat einer der nicht so prickelnden Gutachter, aber nuja. Er ist vor allem bei Kindern und Jugendlichen äußerst kritisch zu betrachten. Er hält Trans* für eine Erziehungssache und zudem als für eine Aversionsreaktion auf Homosexualität. Oder anders gesagt, Transsexuelle, gerade Trans-Frauen, sind für ihn schwul erzogene Buben, die dies ablehnen und lieber Mädchen sein wollen - *grusel*. Im Erwachsenenalter sieht er dann glücklicherweise Hopfen und Malz verloren und gibt klein bei. KiJu droht er aber gerne mal Sorgerechtsentzug der Eltern oder Einweisung in die Geschlossene.

Jetzt aber keine Panik bekommen. Der muss ganz normal die zwei Fragen des TSG begutachten, mehr nicht. Wenn er keinen sehr konkreten Grund dagegen findet, muss er es positiv begutachten.

Diese Testpsychlogische Untersuchung würde ich auch verweigern, sofern diese nicht zwingend zur Begutachtung gehört. Was soll denn das!? Nur weil wir trans* sind, sind wir doch nicht sofort auch gleich Forschungsobjekt!? Geht's noch? Das kann man vielleicht freiwillig mitmachen, aber keinesfalls als eine Art Zwang. Die Fremdbestimmung ist so schon widerlich genug, doch da muss man ganz sicher nicht noch Sellenstriptease vor Psycho Heinis machen, damit die wieder völlig falsche und beknackte Paper über uns fremdbestimmend schreiben können. Ne danke.

Liebe Grüße
nicole

Re: "Testpsychologische Untersuchung" zur Begutachtung meiner Transidentität

Verfasst: Fr 16. Okt 2015, 08:38
von Anke
Hallo Lipstick-Lady,

das Vorgehen des Gutachters halte ich für sehr problematisch. Durch das anstehende Gutachten entsteht eine Situation, in der Du in deiner Entscheidung, ob Du an dem Test teilnimmst oder nicht, nicht mehr frei bist. Damit überschreitet der Gutachter ganz klar Grenzen und ich finde, dass so etwas nicht durchgehen sollte. Ich gehe mal davon aus, dass das nicht das erste und auch nicht das letzte Mal war, dass er so etwas macht.

Ich würde das dem Gericht vorlegen und um einen anderen Gutachter bitten.

Liebe Grüße

Anke

Re: "Testpsychologische Untersuchung" zur Begutachtung meiner Transidentität

Verfasst: Fr 16. Okt 2015, 11:22
von Cybill
...dann pass mal auf, dass Du nicht noch einer Aversionstherapie oder einer Elektroschockbehandlung unterzogen wirst.

Das erscheint mir doch sehr verdächtig.

-Cy

Re: "Testpsychologische Untersuchung" zur Begutachtung meiner Transidentität

Verfasst: Fr 16. Okt 2015, 11:38
von Anne-Mette
Moin,

nun mal nicht Angst machen; die Zeiten, in denen die Elektoschocks noch für viele Zwecke angewendet wurden (z.B. wurde auch Lili Elbe so behandelt), sind wohl inzwischen auch in Berlin vorbei(?), höchstens, dass manfrau manchmal auch dort beim Lesen der Stromrechnung einen Elektroschock bekommt (smili)

Wenn's denn Berlin sein soll: ich habe per PN eine Anlaufstelle genannt, die bestimmt (da bin ich mir sicher) weiterhelfen kann.

Gruß
Anne-Mette

Re: "Testpsychologische Untersuchung" zur Begutachtung meiner Transidentität

Verfasst: Fr 16. Okt 2015, 15:49
von ab08
Psychiatrieprofessor Klaus Michael Beier, Direktor des Instituts für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin an der Charité in Berlin.
Wir sollten den Fall der 11-jährigen Alexandra nicht vergessen...
--> vgl. http://www.crossdresser-forum.de/phpBB3 ... lin#p38810
vgl den dort verlinkten Artikel der Taz. Vielleicht fand inzwischen dort ein Lernprozess statt, aber ich wäre sehr vorsichtig.

Positives Ergebnis der Tätigkeit des Herrn Professors: Indirekt führte es zur Gründung von TRAKINE http://www.trans-kinder-netz.de/

Liebe Grüße
Andrea