13. Outdoorerlebnis am 30.08.2015
Verfasst: So 6. Sep 2015, 15:40
13. Outdoorerlebnis am 30.08.15
Veni, Vidi, Vici
(Er kam, sah und siegte)
Die Miss Monika Reise und Touristik GmbH wieder "on Tour"
Liebe Freunde meiner Outdoorerlebnisse. Endlich ging für mich ein Traum in Erfüllung. Ich besuchte meine Vorfahren. Verständlicherweise habe ich aus Biologischen Gründen keinen mehr angetroffen. Aber ich will nun etwas deutlicher werden.
Vor etwa 2.000 Jahren, genau 9 nach Christus, erlitten drei römische Legionen samt Hilfstruppen und Tross unter Publicius Quinctilius Varus in Germanien eine vernichtende Niederlage gegen ein germanisches Heer des Arminius, Hermann, eines Fürsten der Cherusker. Als Ort der Schlacht werden verschiedene Städten in Ostwestfalen, Norddeutschland und in den Niederlanden vermutet. Ein Teil dieser Truppen war in dem Ort Xanten am Niederrhein ansässig. Damals hieß der Ort natürlich nicht Xanten, sondern "Colonia Ulpia Traiana". Geografisch liegt dieser Ort ca.35 km Nord-Westlich von der Weltstadt Duisburg. Oder anders: ca. 100 km stromabwärts von der Provinzstadt Köln entfernt.
Köln wurde berühmt durch seinen Karneval, dem CSD (nicht CSU), seinem Fußballverein 1. FC Köln und durch mein 3. Outdoorerlebnis anno 26.04.14. Man spricht dort noch heute davon. Von meiner damaligen Anwesenheit natürlich. Seltsamerweise wird seitdem der Brauch des "Bekreuzigen" sowie das Aufsagen des "Vater unser" als auch das "Herunterbeten des Rosenkranzes" als eine beliebte und notwendige Freizeitbeschäftigung gesehen. Fairerweise muss ich eingestehen, dass die Stadt Köln auch schon vor 2.000 Jahren urkundlich erwähnt wurde. Damals hieß sie noch: Colonia.
Jetzt bin ich etwas vom Thema abgewichen. Es geht heute um die Stadt "Xanten" und nicht "Köln". Meine Vorfahren sind vor ca. 180 Jahren vom Teutoburger Wald nach Duisburg gezogen. An meinen Namen kann man meine römische Herkunft erkennen. Daher ist es absolut naheliegend, dass meine Urgroßväter bei der Schlacht im Teutoburger Wald vor den angreifenden Truppen Hermanns erfolgreich fliehen konnten. Sie haben praktisch "den Schwanz eingezogen". Heute nennt man das "Fahnenflucht".
Aber was soll es, wäre es damals nicht so gewesen, könnte ich heute nicht diesen Bericht schreiben.
Nach dem ihr nun also einen kleinen geschichtlichen und geografischen Unterricht meinerseits erfahren durftet, möchte ich endlich zum wesentlichen Teil dieses Ausflugs kommen.
Sonntagmorgen 7 Uhr 15
Meine Blase machte sich bemerkbar. Was blieb mir anderes üblich, dieser Umstand machte den Besuch des Porzellans "Villeroy und Boch" unumgänglich. Während ich auf dem "Thron" saß (Erspart mit bitte genauere Einzelheiten), schaute ich gelangweilt aus dem Badfenster. Und was sah ich? Ein wunderschönes Sommerwetter. Nun gut, das ist zu dieser Jahreszeit nicht gerade ungewöhnlich. Aber sollte ich diese Tatsache nicht doch nutzen? Ansonsten würde ich den Haushalt auf Vordermann bringen (oder auch nicht), eher nicht. Die Waschmaschine anschmeißen? Auch nicht. Den Keller aufräumen, und damit der Gefahr ausgesetzt sein, die Spinnweben von der Kellerdecke laufend im Gesicht hängen zu haben.
Nein, nein und nochmals nein. Das wollte ich nicht.
Also, was tun. Ich entschloss mich kurzfristig, ein weiteres Outdoorerlebnis mein Eigen zu nennen. Schnell unter die Dusche, nein erst den Kaffee, dann die Dusche. Anschließend die Schafschur. Beine, Gesicht, Arme und zum Schluss das Dekolleté.
Sonntagmorgen 8 Uhr 30
Jetzt folgte die schwierigste Aufgabe am Sonntagmorgen. Ich musste Hildegard wach kriegen, die bestimmt noch ihren Schönheitsschlaf absolvierte. Wahrlich, ein schwieriges Unterfangen. Trotz aller Befürchtungen gelang es mir. Mit verschlafener Stimme meldete sie sich am Telefon und verlangte von mir eine Erklärung für dieses Wecken zu dieser unchristlichen Zeit. Ich erzählte ihr von meinem Plan, der alten Römerstadt Xanten einen Besuch abzustatten. Verbunden natürlich mit einer Stippvisite des archäologischen Parks der gleichen Stadt. Sie stimmte diesem Vorschlag sofort zu.
Punkt 1 war also geklärt. Punkt 2 war die Verwandlung zur Miss Monika. Da gab es einige Probleme. Natürlich konnte ich diese Verwandlungszeremonie nicht in meiner Wohnung machen. Das Gerede in der Nachbarschaft wäre einfach zu groß geworden. Das gleiche Problem habe ich mittlerweile bei der Hildegard. Auch dort wurde sie schon mehrmals auf meine Person angesprochen.
Folgende Fragen wurden ihr gestellt:
1. Was macht denn so ihr neuer Freund?
2. Wie lange sind sie schon zusammen?
3. Beim letzten Besuch war er aber nicht lange da. (Da hatte ich ihr 2 Farbeimer mitgebracht)
4. Wo ist denn ihr alter und letzter Freund?
5. Ihr neuer Freund sieht aber nett aus (Entschuldigung, habe ich dazu gedichtet)
Um dem Gerede keine weitere Nahrung zu geben, rief ich meine langjährige Bekannte Petra an, mit der Bitte, die Umkleidungszeremonie in ihrer Wohnung stattfinden zu lassen. Diese Bitte wurde umgehend entsprochen. Jetzt also schnell den Koffer mit meiner "Dienstkleidung" packen. Dies ist eines der größten Probleme der Weltgeschichte. Die Schränke sind voll. (Mit weiblicher Dienstkleidung natürlich). Ganz im Gegensatz zu meinem Kühlschrank. Hier ist ein absolutes Vakuum. Wobei wir jetzt passender Weise bei den Latrinern, uppps, Lateinern sind.
Vakuum (von lateinisch vacuus, leer, plural Vakus ist in der Physik die Abwesenheit von Materie. Zur Erzeugung eines Vakuums ist besonders wichtig, Gas aus dem Volumen zu entfernen. In meinem Falle also die Bierflaschen aus dem Kühlschrank fachgerecht und Umweltfreundlich zu entsorgen. Dies geschieht dann dadurch, dass man ab und zu ein Schluck aus der Pulle nimmt. Ebenso muss ich die Fleischreste entsorgen, sie machen sich langsam selbstständig. Ich muss nur die Kühlschranktür aufmachen, und die springen mir schon entgegen. Und schon ist das Vakuum perfekt.
Bevor ihr nun alle zum Kühlschrank rennt und ihr womöglich Krach mit euren Ehefrauen bekommt, fahre ich lieber mit meinen Ausführungen fort. Wo sind wir stehengeblieben? Ach ja, beim Kofferpacken. In stehe also vor meinem Kleiderschrank, Plural ist besser, Kleiderschränke.
Weiter im Lateinunterricht:
Singular: lat. Singularis (Einzahl)
Plural: lat. Pluralis (Mehrzahl)
Ihr habt sicherlich schon bemerkt, dass wir heute die alten Römer besuchen wollen. Daher sehe ich es als durchaus angebracht an, diese tote Sprache wieder zu erwecken. Wo bin ich stehengeblieben? Ach ja, vor dem vollen Kleiderschrank. Ich muss zugeben, dass die Kleiderschränke (Pluralis) mit den weiblichen Kleidungsstücken in einem ungesunden Verhältnis zu dem Kleiderschrank (Singularis) mit den männlichen Kleidungsstücken stehen. Genauso sieht es mit meinen Schuhschränken aus. Ein begehbarer Kleiderschrank, voll mit Pumps, Sandaletten, Stiefeln etc,. steht im krassen Gegensatz zu den verschämt in einer Ecke stehenden Herrenschuhen. Ein kleiner Werbefilm über die Bedürfnisse der Frauen und Männer erklärt alles. Die meisten werden ihn sicherlich kennen.
https://www.youtube.com/watch?v=QBtciu6Onnc
Nun aber zurück zu dem zu packenden Koffer. Hier kommt man zu nichts. Der Koffer muss doch endlich mal voll werden. Soviel Zeit hab ich ja nun auch nicht. Heute am Sonntag sind subtropische Temperaturen bis 35 -°C angesagt. Dementsprechend muss also die Ober. bzw. Unterbekleidung dem Wetter angepasst werden. Weißes Shirt mit kurzem Arm, integriert in einem kl. schwarzen Jäckchen, weißer leichter Sommerrock (habe ihn zum ersten Mal an) und weiße Pumps mit 8 cm hohem Absatz (auch die habe ich Outdoor zum ersten Mal an). Ich liebe nun mal die Abwechslung. Untendrunter einen kurzen BH, (natürlich mit der dazugehörigen Füllung), Glänzende Feinstrumpfhose im Bronzeton, 15DEN von C&A, zum besseren Halt eine formende Miederhose der Fa. Susa (wegen meinem Bauch) und div. Schmuckteile die da wären: Ohrringe, Armband, Halskette sowie die obligatorische Handtasche (Gut gefüllt mit Kosmetika und anderen Gegenständen die "Frau" so braucht).
Jetzt kann es endlich losgehen. Ab zur Petra. Leider kann sie heute nicht mitkommen, da sie seit vier Tagen die pflegebedürftige Irmgard zu sich nach Hause geholt hat. Aber sie wird uns in Zukunft wieder begleiten. Heute wird sie uns sicherlich fehlen. Zumindest ist heute wieder Hildegard dabei.
Bei der Petra angekommen, ist erstmal umziehen angesagt. In der Reisetasche entstand zuerst ein Vakuum, welches sich dann wieder ins Gegenteil umschlug. Das heißt: Damenkleidung raus und Herrenkleidung rein. Die ganze Umkleidungszeremonie wurde nur dadurch unterbrochen, dass der Pflegedienst für Irmgard in der Wohnung erschien. Petra warnte mich vorsorglich, so dass ich rechtzeitig im Schlafzimmer verschwand und mich ganz still verhielt. (Hoffentlich kommt nicht gerade jetzt der Ehemann nach Hause, das wäre dann doch eine peinliche Situation mit erheblichem Erklärungsnotstand). Nach einigen Minuten, die für mich zur Ewigkeit wurden, war diese Situation gemeistert.
Neu eingekleidet unterwarf ich mich einer Inspektion Petras. Ihr Kommentar: Gut ausgewählt, alles stimmig. Nun folgte nur noch das Make up. Grundierung, Abdeckfarbe und Lippenstift in verführerischem Rot. Damit sollte es für heute genug sein. Heute am Sonntag hat ja meine Kosmetikerin frei und nimmt ihre wohlverdiente Auszeit. Also zurück zum Auto. Mit Erschrecken stellte ich fest, dass ich zugeparkt wurde. Ich konnte nur von der Beifahrerseite einsteigen. Mit turnerischer Leichtigkeit (ich neige zu Übertreibungen) betrat ich den Wagen von der Beifahrerseite und versuchte Kunstgerecht das linke Bein über den Mitteltunnel zu heben. Dabei war mir mein Rock im Weg. Also Rock bis zum Po hochgezogen, linke Bein über den Mitteltunnel und das rechte Bein nachgezogen. Zum Glück hatte ich in der Schule im Turnen immer eine "eins". Wer es glaubt wird selig. Es muss noch die Bemerkung gestattet sein, das durch die gymnastische Übung, meine Dessous zum Vorschein kam. Hat aber keiner gesehen. Hoffentlich. Nun also los. Haaaalt, ich hatte den Koffer vor dem Wagen stehen lassen. Nun wurde die ganze Prozedur in umgekehrter Reihenfolge wieder durchgeführt. Koffer im Kofferraum, und dann wieder elegant (!!!!) ins Auto eingestiegen. Diese ganze Vorgehensweise nahm mehrere Minuten in Anspruch. Ich hatte nur die Hoffnung, dass dieses von der Nachbarschaft nicht gesehen wurde. Ich muss später mal die Petra fragen, ob sie evtl. in diesem ehrenwerten Haus nicht doch, auf Grund dieser Turnübungen, von den Mitbewohnern angesprochen wurde.
Nun ging es weiter zur Hildegard. Sie stand schon erwartungsvoll in der Haustüre. Auch sie sommerlich gekleidet. Schulterfreies langes und dünnes Kleid in verschiedenen Farbtönen. Sie verzichtete auf einen BH, was aber bitte unter uns bleiben sollte. Ob sie ein Höschen unter dem Kleid trug entzog sich meiner Kenntnis, gibt aber reichlich Anlass zu Spekulationen. Ich habe sie auch nicht danach gefragt. Ganz Ladylike also. Auf Wunsch werden diesbezügliche Nachfragen eurerseits natürlich vertraulich behandelt.
Jetzt ging es endlich los. Das Navi wurde heute nicht benötigt, da ich den Weg nach Xanten auswendig wusste. Nach einigen Minuten erreichten wir die wundervoll idyllisch gelegene Platzanlage des Fußballvereins VfB Homberg, in der die Damen-Fußballmannschaft des MSV Duisburg ihre Heimspiele der 2. Fußball Bundesliga austrug. Heute sollte dort das erste Heimspiel der neuen Saison stattfinden. Der Parkplatz füllte sich schon und die Damenmannschaft vom SV Meppen war auch schon da. Hildegard frotzelte, ob ich nicht dort mitspielen wolle. Dies lehnte ich aus plausiblen Gründen ab. Was passiert etwa, wenn es nach dem Spiel zu einem Trikottausch kommt? Dann fällt der Schwindel sehr schnell auf. Also lass ich es.
Hier nun die Fotos der zwei Ballerinen:
Quelle: http://i59.tinypic.com/9ht179.jpg
Quelle: http://i58.tinypic.com/2vmeudu.jpg
Weiter geht es mit unserer Fahrt. Erstmal etwas über Xanten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Xanten
Nach 40 Minuten haben wir die alte Römerstadt erreicht. Mittlerweile beträgt die Außentemperatur schon 29 Grad. Ein Parkplatz (kostenfrei) ist schnell gefunden und das lechzen nach einer inneren Abkühlung ist allgegenwärtig. Aber erst kommt der Fußmarsch in die Altstadt von Xanten. Und oh Wunder, einige kleine Geschäfte mit Modeartikel haben heute am Sonntag geöffnet. Ich würdigte ihnen keines Blickes. Selbst Hildegard warf keinen Blick in die Auslagen der Modegeschäfte. Ich machte mir deshalb ernsthafte Sorgen um ihren Gesundheitszustand und ihre Wahrnehmungsfähigkeit. Eine Frau geht nun mal nicht einfach so an einem Bekleidungsgeschäft vorbei. Ein absolutes "No go". Schonung war also angesagt (Für den Geldbeutel).
Nach wenigen 100 Metern erreichten wir einen kleinen Imbissladen. Das gab auch Zeit. Die Füße taten mir jetzt schon weh. Ihr erinnert euch, Pumps mit 8 cm relativ schmalen Absatz. Die Bodenbeschaffenheit erinnerte mich daran, dass wir uns in einer 2.000 Jahre alten Stadt befanden. Das hatte ich wiederum nicht einkalkuliert. Nun gut, dieser Ausflug war mit "schneller Nadel gestrickt worden". Ich hatte den Eindruck, dass seit Publicius Quinctilius Varus kein Mensch aus historischen Gründen etwas an der "Bodenreform" geändert hat. Mein Ausspruch als alter Latriner! lautete deshalb so: "Livio mus Endivia", oder "Da haben wir den Salat".
Nun musste erst mal Essen gefast werden. Auf der Suche nach einer Lokalität wurden wir schnell fündig. Der Geruch von gebratenem Fisch stieg uns in die Nase. In einer kleinen Nebenstraße ließen wir an einem Tisch nieder. Ich dann also in das Lokal, und begrüßte den Wirt mit den Worten: Saluto Romano. Frei übersetzt also: Ein Hoch auf die Römer. Dem ließ ich noch zur Sicherheit die Worte folgen: Vivat architriclinus. Für alle Nichtrömer: Hoch lebe der Kellner. Ich hoffte, auf Grund dieser freundlichen Begrüßung, einen besonders schmackhaften Fisch serviert zu bekommen. Aber der Kellner machte einen etwas verwirrten Eindruck. Ich rechnete gleichzeitig damit, dass der Spruch folgen wird: "Die spinnen die Römer". Wer regelmäßig "Asterix und Obelix" liest, weiß was ich meine. Ich hatte auch den folgenden Eindruck gewonnen, dass dieser Mensch vor mir ein "einfacher Germane" ist. Infolgedessen versuchte ich in einwandfreiem Deutsch meine Bestellung aufzugeben. Ein Lächeln des Kellners bestätigte mir, das er diese Sprache doch etwas besser beherrschte. Jetzt bin ich schon in einer alten Römischen Stadt, und dann dieses. "Die spinnen die Germanen". Ich bestellte also ein internationales Menü. Belgische Pommes-Frites und holländische Kibbelinge in Knoblauchsauce. (Meine Knoblauchfahne hat sich mittlerweile verflüchtigt). Eine schmackhafte Cola mit vielen Kalorien aus den USA rundete das Ganze ab. Das dazu gehörige Besteck war aus germanischer Herstellung. Ich vermute mal aus Solingen. Die Sitzgelegenheit bestand aus einfachen Brettern mit Lehne deutscher Herkunft, pardon, germanischer Herkunft. Holz aus dem süd-amerikanischem Regenwald sieht anders aus. Nachdem ich noch mehrere Bierdeckel (Heineken Bier, Niederlande) unter einem der Stuhlbeine geklemmt hatte, stand dem internationalem Schmaus nichts mehr im Wege.
Quelle: http://i57.tinypic.com/qxqlap.jpg
Nach Bezahlen der Rechnung (Römische Münzen nahm der Kellner nicht an), machten wir uns wieder auf dem Weg (übrigens vorzügliches Kopfsteinpflaster, mit tiefen Furchen, in denen die Absätze der Pumps passgenau hängen blieben). Absatzschuhe immer wieder ein beliebtes Thema meiner Ausflüge. Wieder mal ein untrüglicher Beweis was "Frauen" manchmal zu leiden hatten. Ein intensiver Rundgang durch die Altstadt ließ uns ordentlich transpirieren. Wir hatten mittlerweile 32 -° C. einige schöne Lokale stachen uns besonders ins Auge.
Quelle: http://i60.tinypic.com/2cdbapt.jpg
Quelle: http://i57.tinypic.com/m77yhd.jpg
Die Sitzplätze waren fast alle besetzt und das Bedienungspersonal im Stress. Den Umweg zum Xantener Dom sparten wir uns, obwohl es dort sicherlich kühler zuging. Der Fußmarsch von ca. 500 m hin und ca. 1.000 zurück zum Parkplatz schien uns zu anstrengend. Aber es stand ja noch der Höhepunkt des heutigen Tages bevor. Andererseits hatte mir Hildegard glaubhaft versichert, keine weiteren schlimmen Vergehen seit ihrem letzten Kirchenbesuch begangen zu haben. Na, wer es glaubt wird selig. Eigentlich schade um die schönen Bilder die man dort machen konnte. Also zurück zum Parkplatz. Parkgebühren am heutigen Sonntag waren nicht zu entrichten, und Strafmandate der Politessen blieben auch aus. (Es geschehen noch Zeichen und Wunder). Factum est.
Kommen wir nun zum kulturellen Teil dieses Tages. Das riesige Areal des historischen Amphitheaters in Xanten.
Schnell die Eintrittskarten an der Kasse gelöst (9 € pro Person) und ab ins Vergnügen. Wir kamen gerade rechtzeitig genug um an der Führung teilzunehmen.
Quelle: http://i61.tinypic.com/nvrsld.jpg
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Zuerst ging es zum "Circus", (Stadion). Hier fanden vor ca. 2.000 Jahren die "Volksbelustigungen" statt. An 230 Tagen im Jahr konnte man sich hier vergnügen. Heutzutage findet das Vergnügen vor dem Fernseher und der Playstation statt, ebenso schauen wir uns live die Bundesligaspiele an, damals waren es die Gladiatoren, die dem Publikum viel Freude bereite. Mit dem Unterschied, dass die Spiele damals für die Bevölkerung keinen Cesterz kostete. Die Übertragungsrechte dieser Veranstaltung lag ganz in den Händen des Senats der Stadt Rom. Auch die Verpflegung wurde vom "Veranstalter" komplett übernommen. Pommes und Currywurst gab es damals noch nicht. Mc Donald's bzw. Burger King auch nicht. Dafür lag auf dem Grill leckeres Lammfleisch und alles andere was die Wälder und die Natur so hergaben. Sicherlich gab es auch "Wildschwein auf Toast", welches bei den Gallier so beliebt war. Beweis: Asterix und Obelix. An diesen Tagen blieb also die Küche zu Hause kalt. Jegliche Vergnügungen anderer Art, z. B . die Familienplanung zwecks Fortbestand der Rasse (formulieren wir es mal so) standen erst mal hinten an und wurden auf einen anderen Tag verlegt. Das gibt es heute auch noch, wenn zum Beispiel ein Heimspiel von Borussia Dortmund live im Fernsehen gesendet wird oder die alten Haudegen Boris Becker bzw. Mario Basler live ins Mikrofon ihr Statement abgeben. Zurück zu den Wildschweinen oder besser nicht ( Wegen der Figur). Bevor ihr jetzt zum Kühlschrank rennt, und das Vakuum verkleinert, lenken wir die Aufmerksamkeit erstmal auf die Gladiatoren. Kräftig gebaute Männer in XXXL Format sorgten für kurzweilige Unterhaltung und viel Spaß auf den gut gefüllten Tribünen. Das Stadion faste damals 10.000 Zuschauer, wobei die Stadt Xanten ungefähr 20.000 Kriegern und Bewohnern eine Heimat gab. Jedenfalls gab es die Gladiatorenwettkämpfe ab 264 v. Chr. bis zu Anfang des 5. Jahrhunderts. Zum Vergleich, die Fußball-Bundesliga gibt erst seit 1963. Auf den Tribünen der Arena saß das Volk verschiedenster Herkunft. Da bekamen unfähige Kommandeure ebenso Freikarten, wie die Vertreter des durchgeknallten Regietheaters oder auch gefangene Piraten! Angefangen haben die Spiele mit der Vorstellung der Kampfrichter, Organisatoren und Musiker. Anschließend stand die Tierhetze auf dem Programm. Um die Mittagszeit begann dann die Massenveranstaltung. Verbrecher und Kriegsgegner grüßten den Leiter der Spiele mit dem berühmten Satz: "morituri te salutant", "Die Todgeweihten grüßen dich". Viele endeten als Tierfutter oder am Kreuz. Dann folgten, zur besten Sendezeit, so würde man heute sagen, die Kämpfe der Gladiatoren.
Dabei ging es im "Circus" recht blutig zu. Wobei das Wort "recht" reichlich untertrieben ist. Auf den Tribünen stieg die Begeisterung ins unermessliche. Nach einem Kampf zweier Gladiatoren entschied oftmals das Publikum über Leben und Tod. Den berühmten Daumen nach oben (Leben) oder nach unten (Tod) erwartete der unterlegene nach einem Kampf. Und die Leute auf den Rängen waren durchaus sachkundig. Denn viele von ihnen hatten ihren Militärdienst absolviert und verstanden etwas von ihrem Metier. Auch die Damen der Gesellschaft saßen auf ihren Sitzplätzen. Dabei waren die Spiele recht teuer. Bis zu 120 Millionen Sesterzen kosteten sie. Das war z. B. der Unterhalt von 100.000 Legionären. Also so teuer wie heute die Ausrichtung der olympischen Spiele.
Quelle: http://i60.tinypic.com/awxpqh.jpg
Quelle: http://i57.tinypic.com/6tmt83.jpg
Es fällt evtl. auf, das Hildegard den römischen Kaiser besonders in ihr Herz geschlossen hat. Sie wollte sich immer wieder mit dieser Person aus Kalkstein ablichten lassen.
Dabei summte sie dieses Lied:
https://www.youtube.com/watch?v=yYx3f7c ... Yx3f7cMoOE
Ich sang danach folgenden Song:
https://www.youtube.com/watch?v=aLfstKKURmM
Nun ging es weiter mit der Führung über das Gelände.
Strammen Schrittes marschierten der Ausstellungsführer und die anwesenden Gäste zu dem nächsten Gebäude. Ich lief hinterher. Vielmehr, ich versuchte Anschluss zu Halten. Mein großes Pech war, das er der Leiter, die Abkürzung über den Rasen nahm. Vorher sagte er noch "wir können ruhig über den Rasen laufen, das ist kein Problem". Für mich aber schon, dachte ich. Na jedenfalls versank ich bei jedem Schritt den ich auf den Rasen machte bis zum Absatzende in die weiche Erde. Ich hatte als einziger Besucher Pumps mit hohen Absätzen an. Hildegard konnte nur mit Mühe ihr Lachen hinter der vorgehaltenen Hand verbergen. Meine Mine wurde länger und meine Schritte kürzer. Fünf Minuten später als die anderen Besucher erreichte ich schließlich die wunderbar rekonstruierten Handwerkergebäude der alten Römer. Folglich hatte ich natürlich einiges versäumt. Hier passte wieder das alte Sprichwort. "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben". Einige Personen starrten auf meine Person und mein Schuhwerk. Es waren sicherlich einige darunter die mich für bekloppt hielten angesichts meiner Pumps. Alle anderen Personen hatten bequemes Schuhwerk an. Nun denn, jedenfalls lauschte ich jetzt sehr aufmerksam den Worten unseres Führers. Er zeigte uns die ausgehobenen Fundamente und Mauerreste der ehemaligen Handwerkergebäude.
Quelle: http://i59.tinypic.com/2r3f72v.jpg
Jedenfalls waren die rekonstruierten Gebäude eine praktische Angelegenheit der damaligen Bewohner. Im Erdgeschoss die Handwerkerräume und im Obergeschoss die Wohn-und Schlafräume. Tolle Sache. Werde darüber nachdenken auch in meinem Garten zu Hause den selbigen umzugraben. Evtl. werde auch ich fündig. Auch ich kann den aufmerksamen Leser absolut empfehlen es mir gleichzutun. Fragt einfach eure Nachbarn, Freunde und Bekannte ob ihr mal einige Ausgrabungen oder Probebohrungen in deren Gärten durchführen könnt. Schweres Gerät kann man für wenig Geld im Baumarkt ausleihen. Ich denke mal die Begeisterung wächst mit der Aufgabe. Die voraussichtlichen Funde (Tonscherben, Bettschüssel usw.) rechtfertigen jede Ausgrabung. Die Nachbarn werden es euch garantiert Danken. Hier ein paar Beispiele von antiken Sammlungen:
Quelle: http://i57.tinypic.com/2nav69z.jpg
Quelle: http://i60.tinypic.com/167kx14.jpg
Nun sollte es zum nächsten Gebäude weitergehen. Der "Expeditionsleiter" sprach die Worte "Last uns bequemlicherweise die Abkürzung über den Rasen nehmen". Dieser Ausspruch traf mich wie ein Keulenschlag. Wenn er jetzt noch gesagt hätte: "Ein kleiner Schritt für mich und ein großer Schritt für die Menschheit", hätte ich seinen Verstand in Frage gestellt. Kurz um, ich hatte andere Vorstellungen und auch andere Ziele. Ich war groggy, meine Perücke saß auf halb acht, die Kehle war ausgedörrt (Mittlerweile 34 -°C.) und meine Füße taten höllisch weh. Das naheliegende Ziel, eine Taverne (lat. Taberna, Lokal), lag in erreichbarer Nähe. Mit letzter Kraftanstrengung schleppte mich Hildegard zu diesem gastlichen Ort. Unterdessen fiel mir folgendes Gedicht ein:
"Der Hildegard grausets, sie läuft geschwindt,
sie hält im Arm das ächzende Kind (Monika),
erreicht die Taverne mit Müh und Not,
in ihren Armen das Kind war tot."
Verzeiht mir die Abwandlung von Johann Wolfgang Goethes Gedicht "Der Erlkönig"
Heinz Erhardt machte es viel besser als ich.
https://www.youtube.com/watch?v=BrXfeXSWPbs
Hildegard erbarmte sich meiner und besorgte kalte Getränke. Acqua minerale con gas. Zum besseren Verständnis: Mineralwasser mit Kohlensäure. Auf den Met (Honigwein) verzichtete ich verständlicherweise (musste ja noch Auto fahren). Hildegard schlug vor meine Pumps auszuziehen, und die Füße auf der gegenüberliegenden Sitzreihe auszustrecken. Ich verzichtete darauf. Nach einer 45 minütigen Pause, in der Hildegard weiteres Mineralwasser orderte, machten wir uns auf dem Weg zu meinem Fahrzeug. Im Auto herrschten 50 -°C. Toll. 45 km bis zu Hildegards Wohnung (Durch den Umweg über die Autobahn). Nach unserer Ankunft ging es erstmal unter die Dusche. Die Kleidung klebte am Körper, der BH flog in die Ecke, die Pumps ebenfalls. Danach genoss ich wieder ein kühlendes Getränk.
Resümee:
Ein sehr anstrengender Tag bei anstrengenden Temperaturen. Zum Glück brauchte ich ausnahmsweise den kommenden Tag nicht arbeiten. Trotz alledem wieder ein schönes Erlebnis. Drei Lebewesen vermisste ich trotzdem Irmgard, Petra und die treue Hündin Sina. Zumindest Petra und Sina werden beim nächsten Outdoorerlebnis wieder dabei sind. Dann sind wir wieder ein starkes Team. Und ihr könnt mir glauben, ich werde wieder eine tolle Tour zusammenstellen. Liebe Freunde, wie soll ich Enden?
benignis cum salutionibus (Mit freundlichen Grüßen)
Monika
Veni, Vidi, Vici
(Er kam, sah und siegte)
Die Miss Monika Reise und Touristik GmbH wieder "on Tour"
Liebe Freunde meiner Outdoorerlebnisse. Endlich ging für mich ein Traum in Erfüllung. Ich besuchte meine Vorfahren. Verständlicherweise habe ich aus Biologischen Gründen keinen mehr angetroffen. Aber ich will nun etwas deutlicher werden.
Vor etwa 2.000 Jahren, genau 9 nach Christus, erlitten drei römische Legionen samt Hilfstruppen und Tross unter Publicius Quinctilius Varus in Germanien eine vernichtende Niederlage gegen ein germanisches Heer des Arminius, Hermann, eines Fürsten der Cherusker. Als Ort der Schlacht werden verschiedene Städten in Ostwestfalen, Norddeutschland und in den Niederlanden vermutet. Ein Teil dieser Truppen war in dem Ort Xanten am Niederrhein ansässig. Damals hieß der Ort natürlich nicht Xanten, sondern "Colonia Ulpia Traiana". Geografisch liegt dieser Ort ca.35 km Nord-Westlich von der Weltstadt Duisburg. Oder anders: ca. 100 km stromabwärts von der Provinzstadt Köln entfernt.
Köln wurde berühmt durch seinen Karneval, dem CSD (nicht CSU), seinem Fußballverein 1. FC Köln und durch mein 3. Outdoorerlebnis anno 26.04.14. Man spricht dort noch heute davon. Von meiner damaligen Anwesenheit natürlich. Seltsamerweise wird seitdem der Brauch des "Bekreuzigen" sowie das Aufsagen des "Vater unser" als auch das "Herunterbeten des Rosenkranzes" als eine beliebte und notwendige Freizeitbeschäftigung gesehen. Fairerweise muss ich eingestehen, dass die Stadt Köln auch schon vor 2.000 Jahren urkundlich erwähnt wurde. Damals hieß sie noch: Colonia.
Jetzt bin ich etwas vom Thema abgewichen. Es geht heute um die Stadt "Xanten" und nicht "Köln". Meine Vorfahren sind vor ca. 180 Jahren vom Teutoburger Wald nach Duisburg gezogen. An meinen Namen kann man meine römische Herkunft erkennen. Daher ist es absolut naheliegend, dass meine Urgroßväter bei der Schlacht im Teutoburger Wald vor den angreifenden Truppen Hermanns erfolgreich fliehen konnten. Sie haben praktisch "den Schwanz eingezogen". Heute nennt man das "Fahnenflucht".
Aber was soll es, wäre es damals nicht so gewesen, könnte ich heute nicht diesen Bericht schreiben.
Nach dem ihr nun also einen kleinen geschichtlichen und geografischen Unterricht meinerseits erfahren durftet, möchte ich endlich zum wesentlichen Teil dieses Ausflugs kommen.
Sonntagmorgen 7 Uhr 15
Meine Blase machte sich bemerkbar. Was blieb mir anderes üblich, dieser Umstand machte den Besuch des Porzellans "Villeroy und Boch" unumgänglich. Während ich auf dem "Thron" saß (Erspart mit bitte genauere Einzelheiten), schaute ich gelangweilt aus dem Badfenster. Und was sah ich? Ein wunderschönes Sommerwetter. Nun gut, das ist zu dieser Jahreszeit nicht gerade ungewöhnlich. Aber sollte ich diese Tatsache nicht doch nutzen? Ansonsten würde ich den Haushalt auf Vordermann bringen (oder auch nicht), eher nicht. Die Waschmaschine anschmeißen? Auch nicht. Den Keller aufräumen, und damit der Gefahr ausgesetzt sein, die Spinnweben von der Kellerdecke laufend im Gesicht hängen zu haben.
Nein, nein und nochmals nein. Das wollte ich nicht.
Also, was tun. Ich entschloss mich kurzfristig, ein weiteres Outdoorerlebnis mein Eigen zu nennen. Schnell unter die Dusche, nein erst den Kaffee, dann die Dusche. Anschließend die Schafschur. Beine, Gesicht, Arme und zum Schluss das Dekolleté.
Sonntagmorgen 8 Uhr 30
Jetzt folgte die schwierigste Aufgabe am Sonntagmorgen. Ich musste Hildegard wach kriegen, die bestimmt noch ihren Schönheitsschlaf absolvierte. Wahrlich, ein schwieriges Unterfangen. Trotz aller Befürchtungen gelang es mir. Mit verschlafener Stimme meldete sie sich am Telefon und verlangte von mir eine Erklärung für dieses Wecken zu dieser unchristlichen Zeit. Ich erzählte ihr von meinem Plan, der alten Römerstadt Xanten einen Besuch abzustatten. Verbunden natürlich mit einer Stippvisite des archäologischen Parks der gleichen Stadt. Sie stimmte diesem Vorschlag sofort zu.
Punkt 1 war also geklärt. Punkt 2 war die Verwandlung zur Miss Monika. Da gab es einige Probleme. Natürlich konnte ich diese Verwandlungszeremonie nicht in meiner Wohnung machen. Das Gerede in der Nachbarschaft wäre einfach zu groß geworden. Das gleiche Problem habe ich mittlerweile bei der Hildegard. Auch dort wurde sie schon mehrmals auf meine Person angesprochen.
Folgende Fragen wurden ihr gestellt:
1. Was macht denn so ihr neuer Freund?
2. Wie lange sind sie schon zusammen?
3. Beim letzten Besuch war er aber nicht lange da. (Da hatte ich ihr 2 Farbeimer mitgebracht)
4. Wo ist denn ihr alter und letzter Freund?
5. Ihr neuer Freund sieht aber nett aus (Entschuldigung, habe ich dazu gedichtet)
Um dem Gerede keine weitere Nahrung zu geben, rief ich meine langjährige Bekannte Petra an, mit der Bitte, die Umkleidungszeremonie in ihrer Wohnung stattfinden zu lassen. Diese Bitte wurde umgehend entsprochen. Jetzt also schnell den Koffer mit meiner "Dienstkleidung" packen. Dies ist eines der größten Probleme der Weltgeschichte. Die Schränke sind voll. (Mit weiblicher Dienstkleidung natürlich). Ganz im Gegensatz zu meinem Kühlschrank. Hier ist ein absolutes Vakuum. Wobei wir jetzt passender Weise bei den Latrinern, uppps, Lateinern sind.
Vakuum (von lateinisch vacuus, leer, plural Vakus ist in der Physik die Abwesenheit von Materie. Zur Erzeugung eines Vakuums ist besonders wichtig, Gas aus dem Volumen zu entfernen. In meinem Falle also die Bierflaschen aus dem Kühlschrank fachgerecht und Umweltfreundlich zu entsorgen. Dies geschieht dann dadurch, dass man ab und zu ein Schluck aus der Pulle nimmt. Ebenso muss ich die Fleischreste entsorgen, sie machen sich langsam selbstständig. Ich muss nur die Kühlschranktür aufmachen, und die springen mir schon entgegen. Und schon ist das Vakuum perfekt.
Bevor ihr nun alle zum Kühlschrank rennt und ihr womöglich Krach mit euren Ehefrauen bekommt, fahre ich lieber mit meinen Ausführungen fort. Wo sind wir stehengeblieben? Ach ja, beim Kofferpacken. In stehe also vor meinem Kleiderschrank, Plural ist besser, Kleiderschränke.
Weiter im Lateinunterricht:
Singular: lat. Singularis (Einzahl)
Plural: lat. Pluralis (Mehrzahl)
Ihr habt sicherlich schon bemerkt, dass wir heute die alten Römer besuchen wollen. Daher sehe ich es als durchaus angebracht an, diese tote Sprache wieder zu erwecken. Wo bin ich stehengeblieben? Ach ja, vor dem vollen Kleiderschrank. Ich muss zugeben, dass die Kleiderschränke (Pluralis) mit den weiblichen Kleidungsstücken in einem ungesunden Verhältnis zu dem Kleiderschrank (Singularis) mit den männlichen Kleidungsstücken stehen. Genauso sieht es mit meinen Schuhschränken aus. Ein begehbarer Kleiderschrank, voll mit Pumps, Sandaletten, Stiefeln etc,. steht im krassen Gegensatz zu den verschämt in einer Ecke stehenden Herrenschuhen. Ein kleiner Werbefilm über die Bedürfnisse der Frauen und Männer erklärt alles. Die meisten werden ihn sicherlich kennen.
https://www.youtube.com/watch?v=QBtciu6Onnc
Nun aber zurück zu dem zu packenden Koffer. Hier kommt man zu nichts. Der Koffer muss doch endlich mal voll werden. Soviel Zeit hab ich ja nun auch nicht. Heute am Sonntag sind subtropische Temperaturen bis 35 -°C angesagt. Dementsprechend muss also die Ober. bzw. Unterbekleidung dem Wetter angepasst werden. Weißes Shirt mit kurzem Arm, integriert in einem kl. schwarzen Jäckchen, weißer leichter Sommerrock (habe ihn zum ersten Mal an) und weiße Pumps mit 8 cm hohem Absatz (auch die habe ich Outdoor zum ersten Mal an). Ich liebe nun mal die Abwechslung. Untendrunter einen kurzen BH, (natürlich mit der dazugehörigen Füllung), Glänzende Feinstrumpfhose im Bronzeton, 15DEN von C&A, zum besseren Halt eine formende Miederhose der Fa. Susa (wegen meinem Bauch) und div. Schmuckteile die da wären: Ohrringe, Armband, Halskette sowie die obligatorische Handtasche (Gut gefüllt mit Kosmetika und anderen Gegenständen die "Frau" so braucht).
Jetzt kann es endlich losgehen. Ab zur Petra. Leider kann sie heute nicht mitkommen, da sie seit vier Tagen die pflegebedürftige Irmgard zu sich nach Hause geholt hat. Aber sie wird uns in Zukunft wieder begleiten. Heute wird sie uns sicherlich fehlen. Zumindest ist heute wieder Hildegard dabei.
Bei der Petra angekommen, ist erstmal umziehen angesagt. In der Reisetasche entstand zuerst ein Vakuum, welches sich dann wieder ins Gegenteil umschlug. Das heißt: Damenkleidung raus und Herrenkleidung rein. Die ganze Umkleidungszeremonie wurde nur dadurch unterbrochen, dass der Pflegedienst für Irmgard in der Wohnung erschien. Petra warnte mich vorsorglich, so dass ich rechtzeitig im Schlafzimmer verschwand und mich ganz still verhielt. (Hoffentlich kommt nicht gerade jetzt der Ehemann nach Hause, das wäre dann doch eine peinliche Situation mit erheblichem Erklärungsnotstand). Nach einigen Minuten, die für mich zur Ewigkeit wurden, war diese Situation gemeistert.
Neu eingekleidet unterwarf ich mich einer Inspektion Petras. Ihr Kommentar: Gut ausgewählt, alles stimmig. Nun folgte nur noch das Make up. Grundierung, Abdeckfarbe und Lippenstift in verführerischem Rot. Damit sollte es für heute genug sein. Heute am Sonntag hat ja meine Kosmetikerin frei und nimmt ihre wohlverdiente Auszeit. Also zurück zum Auto. Mit Erschrecken stellte ich fest, dass ich zugeparkt wurde. Ich konnte nur von der Beifahrerseite einsteigen. Mit turnerischer Leichtigkeit (ich neige zu Übertreibungen) betrat ich den Wagen von der Beifahrerseite und versuchte Kunstgerecht das linke Bein über den Mitteltunnel zu heben. Dabei war mir mein Rock im Weg. Also Rock bis zum Po hochgezogen, linke Bein über den Mitteltunnel und das rechte Bein nachgezogen. Zum Glück hatte ich in der Schule im Turnen immer eine "eins". Wer es glaubt wird selig. Es muss noch die Bemerkung gestattet sein, das durch die gymnastische Übung, meine Dessous zum Vorschein kam. Hat aber keiner gesehen. Hoffentlich. Nun also los. Haaaalt, ich hatte den Koffer vor dem Wagen stehen lassen. Nun wurde die ganze Prozedur in umgekehrter Reihenfolge wieder durchgeführt. Koffer im Kofferraum, und dann wieder elegant (!!!!) ins Auto eingestiegen. Diese ganze Vorgehensweise nahm mehrere Minuten in Anspruch. Ich hatte nur die Hoffnung, dass dieses von der Nachbarschaft nicht gesehen wurde. Ich muss später mal die Petra fragen, ob sie evtl. in diesem ehrenwerten Haus nicht doch, auf Grund dieser Turnübungen, von den Mitbewohnern angesprochen wurde.
Nun ging es weiter zur Hildegard. Sie stand schon erwartungsvoll in der Haustüre. Auch sie sommerlich gekleidet. Schulterfreies langes und dünnes Kleid in verschiedenen Farbtönen. Sie verzichtete auf einen BH, was aber bitte unter uns bleiben sollte. Ob sie ein Höschen unter dem Kleid trug entzog sich meiner Kenntnis, gibt aber reichlich Anlass zu Spekulationen. Ich habe sie auch nicht danach gefragt. Ganz Ladylike also. Auf Wunsch werden diesbezügliche Nachfragen eurerseits natürlich vertraulich behandelt.
Jetzt ging es endlich los. Das Navi wurde heute nicht benötigt, da ich den Weg nach Xanten auswendig wusste. Nach einigen Minuten erreichten wir die wundervoll idyllisch gelegene Platzanlage des Fußballvereins VfB Homberg, in der die Damen-Fußballmannschaft des MSV Duisburg ihre Heimspiele der 2. Fußball Bundesliga austrug. Heute sollte dort das erste Heimspiel der neuen Saison stattfinden. Der Parkplatz füllte sich schon und die Damenmannschaft vom SV Meppen war auch schon da. Hildegard frotzelte, ob ich nicht dort mitspielen wolle. Dies lehnte ich aus plausiblen Gründen ab. Was passiert etwa, wenn es nach dem Spiel zu einem Trikottausch kommt? Dann fällt der Schwindel sehr schnell auf. Also lass ich es.
Hier nun die Fotos der zwei Ballerinen:
Quelle: http://i59.tinypic.com/9ht179.jpg
Quelle: http://i58.tinypic.com/2vmeudu.jpgWeiter geht es mit unserer Fahrt. Erstmal etwas über Xanten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Xanten
Nach 40 Minuten haben wir die alte Römerstadt erreicht. Mittlerweile beträgt die Außentemperatur schon 29 Grad. Ein Parkplatz (kostenfrei) ist schnell gefunden und das lechzen nach einer inneren Abkühlung ist allgegenwärtig. Aber erst kommt der Fußmarsch in die Altstadt von Xanten. Und oh Wunder, einige kleine Geschäfte mit Modeartikel haben heute am Sonntag geöffnet. Ich würdigte ihnen keines Blickes. Selbst Hildegard warf keinen Blick in die Auslagen der Modegeschäfte. Ich machte mir deshalb ernsthafte Sorgen um ihren Gesundheitszustand und ihre Wahrnehmungsfähigkeit. Eine Frau geht nun mal nicht einfach so an einem Bekleidungsgeschäft vorbei. Ein absolutes "No go". Schonung war also angesagt (Für den Geldbeutel).
Nach wenigen 100 Metern erreichten wir einen kleinen Imbissladen. Das gab auch Zeit. Die Füße taten mir jetzt schon weh. Ihr erinnert euch, Pumps mit 8 cm relativ schmalen Absatz. Die Bodenbeschaffenheit erinnerte mich daran, dass wir uns in einer 2.000 Jahre alten Stadt befanden. Das hatte ich wiederum nicht einkalkuliert. Nun gut, dieser Ausflug war mit "schneller Nadel gestrickt worden". Ich hatte den Eindruck, dass seit Publicius Quinctilius Varus kein Mensch aus historischen Gründen etwas an der "Bodenreform" geändert hat. Mein Ausspruch als alter Latriner! lautete deshalb so: "Livio mus Endivia", oder "Da haben wir den Salat".
Nun musste erst mal Essen gefast werden. Auf der Suche nach einer Lokalität wurden wir schnell fündig. Der Geruch von gebratenem Fisch stieg uns in die Nase. In einer kleinen Nebenstraße ließen wir an einem Tisch nieder. Ich dann also in das Lokal, und begrüßte den Wirt mit den Worten: Saluto Romano. Frei übersetzt also: Ein Hoch auf die Römer. Dem ließ ich noch zur Sicherheit die Worte folgen: Vivat architriclinus. Für alle Nichtrömer: Hoch lebe der Kellner. Ich hoffte, auf Grund dieser freundlichen Begrüßung, einen besonders schmackhaften Fisch serviert zu bekommen. Aber der Kellner machte einen etwas verwirrten Eindruck. Ich rechnete gleichzeitig damit, dass der Spruch folgen wird: "Die spinnen die Römer". Wer regelmäßig "Asterix und Obelix" liest, weiß was ich meine. Ich hatte auch den folgenden Eindruck gewonnen, dass dieser Mensch vor mir ein "einfacher Germane" ist. Infolgedessen versuchte ich in einwandfreiem Deutsch meine Bestellung aufzugeben. Ein Lächeln des Kellners bestätigte mir, das er diese Sprache doch etwas besser beherrschte. Jetzt bin ich schon in einer alten Römischen Stadt, und dann dieses. "Die spinnen die Germanen". Ich bestellte also ein internationales Menü. Belgische Pommes-Frites und holländische Kibbelinge in Knoblauchsauce. (Meine Knoblauchfahne hat sich mittlerweile verflüchtigt). Eine schmackhafte Cola mit vielen Kalorien aus den USA rundete das Ganze ab. Das dazu gehörige Besteck war aus germanischer Herstellung. Ich vermute mal aus Solingen. Die Sitzgelegenheit bestand aus einfachen Brettern mit Lehne deutscher Herkunft, pardon, germanischer Herkunft. Holz aus dem süd-amerikanischem Regenwald sieht anders aus. Nachdem ich noch mehrere Bierdeckel (Heineken Bier, Niederlande) unter einem der Stuhlbeine geklemmt hatte, stand dem internationalem Schmaus nichts mehr im Wege.
Quelle: http://i57.tinypic.com/qxqlap.jpgNach Bezahlen der Rechnung (Römische Münzen nahm der Kellner nicht an), machten wir uns wieder auf dem Weg (übrigens vorzügliches Kopfsteinpflaster, mit tiefen Furchen, in denen die Absätze der Pumps passgenau hängen blieben). Absatzschuhe immer wieder ein beliebtes Thema meiner Ausflüge. Wieder mal ein untrüglicher Beweis was "Frauen" manchmal zu leiden hatten. Ein intensiver Rundgang durch die Altstadt ließ uns ordentlich transpirieren. Wir hatten mittlerweile 32 -° C. einige schöne Lokale stachen uns besonders ins Auge.
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Quelle: http://i57.tinypic.com/m77yhd.jpgDie Sitzplätze waren fast alle besetzt und das Bedienungspersonal im Stress. Den Umweg zum Xantener Dom sparten wir uns, obwohl es dort sicherlich kühler zuging. Der Fußmarsch von ca. 500 m hin und ca. 1.000 zurück zum Parkplatz schien uns zu anstrengend. Aber es stand ja noch der Höhepunkt des heutigen Tages bevor. Andererseits hatte mir Hildegard glaubhaft versichert, keine weiteren schlimmen Vergehen seit ihrem letzten Kirchenbesuch begangen zu haben. Na, wer es glaubt wird selig. Eigentlich schade um die schönen Bilder die man dort machen konnte. Also zurück zum Parkplatz. Parkgebühren am heutigen Sonntag waren nicht zu entrichten, und Strafmandate der Politessen blieben auch aus. (Es geschehen noch Zeichen und Wunder). Factum est.
Kommen wir nun zum kulturellen Teil dieses Tages. Das riesige Areal des historischen Amphitheaters in Xanten.
Schnell die Eintrittskarten an der Kasse gelöst (9 € pro Person) und ab ins Vergnügen. Wir kamen gerade rechtzeitig genug um an der Führung teilzunehmen.
Quelle: http://i61.tinypic.com/nvrsld.jpg
Quelle: http://i57.tinypic.com/16ggsz.jpgZuerst ging es zum "Circus", (Stadion). Hier fanden vor ca. 2.000 Jahren die "Volksbelustigungen" statt. An 230 Tagen im Jahr konnte man sich hier vergnügen. Heutzutage findet das Vergnügen vor dem Fernseher und der Playstation statt, ebenso schauen wir uns live die Bundesligaspiele an, damals waren es die Gladiatoren, die dem Publikum viel Freude bereite. Mit dem Unterschied, dass die Spiele damals für die Bevölkerung keinen Cesterz kostete. Die Übertragungsrechte dieser Veranstaltung lag ganz in den Händen des Senats der Stadt Rom. Auch die Verpflegung wurde vom "Veranstalter" komplett übernommen. Pommes und Currywurst gab es damals noch nicht. Mc Donald's bzw. Burger King auch nicht. Dafür lag auf dem Grill leckeres Lammfleisch und alles andere was die Wälder und die Natur so hergaben. Sicherlich gab es auch "Wildschwein auf Toast", welches bei den Gallier so beliebt war. Beweis: Asterix und Obelix. An diesen Tagen blieb also die Küche zu Hause kalt. Jegliche Vergnügungen anderer Art, z. B . die Familienplanung zwecks Fortbestand der Rasse (formulieren wir es mal so) standen erst mal hinten an und wurden auf einen anderen Tag verlegt. Das gibt es heute auch noch, wenn zum Beispiel ein Heimspiel von Borussia Dortmund live im Fernsehen gesendet wird oder die alten Haudegen Boris Becker bzw. Mario Basler live ins Mikrofon ihr Statement abgeben. Zurück zu den Wildschweinen oder besser nicht ( Wegen der Figur). Bevor ihr jetzt zum Kühlschrank rennt, und das Vakuum verkleinert, lenken wir die Aufmerksamkeit erstmal auf die Gladiatoren. Kräftig gebaute Männer in XXXL Format sorgten für kurzweilige Unterhaltung und viel Spaß auf den gut gefüllten Tribünen. Das Stadion faste damals 10.000 Zuschauer, wobei die Stadt Xanten ungefähr 20.000 Kriegern und Bewohnern eine Heimat gab. Jedenfalls gab es die Gladiatorenwettkämpfe ab 264 v. Chr. bis zu Anfang des 5. Jahrhunderts. Zum Vergleich, die Fußball-Bundesliga gibt erst seit 1963. Auf den Tribünen der Arena saß das Volk verschiedenster Herkunft. Da bekamen unfähige Kommandeure ebenso Freikarten, wie die Vertreter des durchgeknallten Regietheaters oder auch gefangene Piraten! Angefangen haben die Spiele mit der Vorstellung der Kampfrichter, Organisatoren und Musiker. Anschließend stand die Tierhetze auf dem Programm. Um die Mittagszeit begann dann die Massenveranstaltung. Verbrecher und Kriegsgegner grüßten den Leiter der Spiele mit dem berühmten Satz: "morituri te salutant", "Die Todgeweihten grüßen dich". Viele endeten als Tierfutter oder am Kreuz. Dann folgten, zur besten Sendezeit, so würde man heute sagen, die Kämpfe der Gladiatoren.
Dabei ging es im "Circus" recht blutig zu. Wobei das Wort "recht" reichlich untertrieben ist. Auf den Tribünen stieg die Begeisterung ins unermessliche. Nach einem Kampf zweier Gladiatoren entschied oftmals das Publikum über Leben und Tod. Den berühmten Daumen nach oben (Leben) oder nach unten (Tod) erwartete der unterlegene nach einem Kampf. Und die Leute auf den Rängen waren durchaus sachkundig. Denn viele von ihnen hatten ihren Militärdienst absolviert und verstanden etwas von ihrem Metier. Auch die Damen der Gesellschaft saßen auf ihren Sitzplätzen. Dabei waren die Spiele recht teuer. Bis zu 120 Millionen Sesterzen kosteten sie. Das war z. B. der Unterhalt von 100.000 Legionären. Also so teuer wie heute die Ausrichtung der olympischen Spiele.
Quelle: http://i60.tinypic.com/awxpqh.jpg
Quelle: http://i57.tinypic.com/6tmt83.jpgEs fällt evtl. auf, das Hildegard den römischen Kaiser besonders in ihr Herz geschlossen hat. Sie wollte sich immer wieder mit dieser Person aus Kalkstein ablichten lassen.
Dabei summte sie dieses Lied:
https://www.youtube.com/watch?v=yYx3f7c ... Yx3f7cMoOE
Ich sang danach folgenden Song:
https://www.youtube.com/watch?v=aLfstKKURmM
Nun ging es weiter mit der Führung über das Gelände.
Strammen Schrittes marschierten der Ausstellungsführer und die anwesenden Gäste zu dem nächsten Gebäude. Ich lief hinterher. Vielmehr, ich versuchte Anschluss zu Halten. Mein großes Pech war, das er der Leiter, die Abkürzung über den Rasen nahm. Vorher sagte er noch "wir können ruhig über den Rasen laufen, das ist kein Problem". Für mich aber schon, dachte ich. Na jedenfalls versank ich bei jedem Schritt den ich auf den Rasen machte bis zum Absatzende in die weiche Erde. Ich hatte als einziger Besucher Pumps mit hohen Absätzen an. Hildegard konnte nur mit Mühe ihr Lachen hinter der vorgehaltenen Hand verbergen. Meine Mine wurde länger und meine Schritte kürzer. Fünf Minuten später als die anderen Besucher erreichte ich schließlich die wunderbar rekonstruierten Handwerkergebäude der alten Römer. Folglich hatte ich natürlich einiges versäumt. Hier passte wieder das alte Sprichwort. "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben". Einige Personen starrten auf meine Person und mein Schuhwerk. Es waren sicherlich einige darunter die mich für bekloppt hielten angesichts meiner Pumps. Alle anderen Personen hatten bequemes Schuhwerk an. Nun denn, jedenfalls lauschte ich jetzt sehr aufmerksam den Worten unseres Führers. Er zeigte uns die ausgehobenen Fundamente und Mauerreste der ehemaligen Handwerkergebäude.
Quelle: http://i59.tinypic.com/2r3f72v.jpgJedenfalls waren die rekonstruierten Gebäude eine praktische Angelegenheit der damaligen Bewohner. Im Erdgeschoss die Handwerkerräume und im Obergeschoss die Wohn-und Schlafräume. Tolle Sache. Werde darüber nachdenken auch in meinem Garten zu Hause den selbigen umzugraben. Evtl. werde auch ich fündig. Auch ich kann den aufmerksamen Leser absolut empfehlen es mir gleichzutun. Fragt einfach eure Nachbarn, Freunde und Bekannte ob ihr mal einige Ausgrabungen oder Probebohrungen in deren Gärten durchführen könnt. Schweres Gerät kann man für wenig Geld im Baumarkt ausleihen. Ich denke mal die Begeisterung wächst mit der Aufgabe. Die voraussichtlichen Funde (Tonscherben, Bettschüssel usw.) rechtfertigen jede Ausgrabung. Die Nachbarn werden es euch garantiert Danken. Hier ein paar Beispiele von antiken Sammlungen:
Quelle: http://i57.tinypic.com/2nav69z.jpg
Quelle: http://i60.tinypic.com/167kx14.jpgNun sollte es zum nächsten Gebäude weitergehen. Der "Expeditionsleiter" sprach die Worte "Last uns bequemlicherweise die Abkürzung über den Rasen nehmen". Dieser Ausspruch traf mich wie ein Keulenschlag. Wenn er jetzt noch gesagt hätte: "Ein kleiner Schritt für mich und ein großer Schritt für die Menschheit", hätte ich seinen Verstand in Frage gestellt. Kurz um, ich hatte andere Vorstellungen und auch andere Ziele. Ich war groggy, meine Perücke saß auf halb acht, die Kehle war ausgedörrt (Mittlerweile 34 -°C.) und meine Füße taten höllisch weh. Das naheliegende Ziel, eine Taverne (lat. Taberna, Lokal), lag in erreichbarer Nähe. Mit letzter Kraftanstrengung schleppte mich Hildegard zu diesem gastlichen Ort. Unterdessen fiel mir folgendes Gedicht ein:
"Der Hildegard grausets, sie läuft geschwindt,
sie hält im Arm das ächzende Kind (Monika),
erreicht die Taverne mit Müh und Not,
in ihren Armen das Kind war tot."
Verzeiht mir die Abwandlung von Johann Wolfgang Goethes Gedicht "Der Erlkönig"
Heinz Erhardt machte es viel besser als ich.
https://www.youtube.com/watch?v=BrXfeXSWPbs
Hildegard erbarmte sich meiner und besorgte kalte Getränke. Acqua minerale con gas. Zum besseren Verständnis: Mineralwasser mit Kohlensäure. Auf den Met (Honigwein) verzichtete ich verständlicherweise (musste ja noch Auto fahren). Hildegard schlug vor meine Pumps auszuziehen, und die Füße auf der gegenüberliegenden Sitzreihe auszustrecken. Ich verzichtete darauf. Nach einer 45 minütigen Pause, in der Hildegard weiteres Mineralwasser orderte, machten wir uns auf dem Weg zu meinem Fahrzeug. Im Auto herrschten 50 -°C. Toll. 45 km bis zu Hildegards Wohnung (Durch den Umweg über die Autobahn). Nach unserer Ankunft ging es erstmal unter die Dusche. Die Kleidung klebte am Körper, der BH flog in die Ecke, die Pumps ebenfalls. Danach genoss ich wieder ein kühlendes Getränk.
Resümee:
Ein sehr anstrengender Tag bei anstrengenden Temperaturen. Zum Glück brauchte ich ausnahmsweise den kommenden Tag nicht arbeiten. Trotz alledem wieder ein schönes Erlebnis. Drei Lebewesen vermisste ich trotzdem Irmgard, Petra und die treue Hündin Sina. Zumindest Petra und Sina werden beim nächsten Outdoorerlebnis wieder dabei sind. Dann sind wir wieder ein starkes Team. Und ihr könnt mir glauben, ich werde wieder eine tolle Tour zusammenstellen. Liebe Freunde, wie soll ich Enden?
benignis cum salutionibus (Mit freundlichen Grüßen)
Monika