Mein erstes Brautkleid
Verfasst: Do 30. Jul 2015, 19:47
Wahnsinn, absoluter Wahnsinn. Ich habe Brautkleider anprobiert. Im Geschäft. Keine Boutique, bloß ein Outlet für Braut- und Abendmode. Aber immerhin.
In der Nähe in einer Nebenstraße geparkt. Vorbei an der Schaufensterfront. Geradewegs auf den Eingang zu. Moment mal. Aus dem Augenwinkel sehe ich, dass ein paar Kundinnen im Geschäft sind. Vielleicht doch lieber warten...? Egal. Nicht nachdenken, sonst kneife ich womöglich noch den Schwanz ein. Weiter zum Eingang. Noch einmal kräftig durchatmen und rein. Die Verkäuferin an der Kasse grüßt freundlich, ich grüße zurück.
Kurz orientieren. Rechts sind Coktail- und Abendkleider, ein paar Kundinnen schauen sich dort um, eine verschwindet gerade mit einem kurzen roten Kleid in der Umkleidekabine. Links sind Brautkleider. Kurze auf Ständern in der Mitte, lange auf Bügel an Kleiderstangen entlang der Wände. Niemand dort. Auweia, da falle ich ja noch mehr auf.
Egal. Ich bin so weit gekommen, jetzt mache ich nicht kehrt! Erstmal zu den Kurzen in der Mitte. Einige schöne Kleider dabei. Doch immer wieder verstohlene Blicke zu den langen Kleidern am Rand. Die mit den weiten, gerafften Röcken - ein Traum! Wie gerne würde ich in so ein Brautkleid schlüpfen...
Aber ich traue mich einfach nicht näher heran. Und überhaupt: Was sagen die anderen Kundinnen, wenn ich mit einem der Kleider in einer Kabine verschwinde? Ob das okay ist? Ein Telefon klingelt. Die Verkäuferin - klein, hübsch, tolle Figur, langes schwarzes Haar, vielleicht Ende 20 - eilt an mir vorbei. Schaut kurz, sagt aber nichts. Sie öffnet eine Tür weiter hinten, scheint ein Büro zu sein. Das Klingeln verstummt. Sie hat den Anruf angenommen, spricht irgendwas mit irgendwem. Kurz darauf kommt sie wieder an mir vorbei. Jetzt oder nie: "Ähem, Entschuldigung. Ich hätte eine Frage zu den Kleidern." Ja, wie kann ich helfen. "Wegen der Größe..." Lieber eine Nummer größer nehmen, die fallen etwas kleiner aus. Am besten wäre es, wenn die Dame es selbst anprobiert. "Also, eigentlich soll das Kleid für mich sein." Ja, dann... nur zu, da vorn sind die Kabinen. Aber wie gesagt, lieber eine Nummer größer nehmen. "Danke für den Tipp."
Ich wähle zwei kurze Brautkleider zur Anprobe aus: Das eine oben eng und unten mit weitem Chiffonröckchen, das andere hauteng und durchgehend leicht geraffter Stoff. Mit den Kleidern überm Arm steuere ich die Kabinen an. Mein Herz klopft. Wie verrückt. Jetzt bloß nicht nach den übrigen Kundinnen schauen. Vorhang auf, rein, Vorhang fast zu, da sehe ich wie eine Kundin völlig verdutzt (empört? angewidert?)
zu mir herüber blickt. Vorhang ganz zu. Durchatmen.
Die Kleider hänge ich an einen Haken. Mit leicht zittrigen Händen ziehe ich Schuhe, Jacke, Shirt und Hose aus. Und schaue mich im Spiegel an: Bügel-BH mit schlichten Cups, dazu passender String, Strumpfgürtel mit etwas Spitze, Strapsstrümpfe mit Spitzenabschluss. Alles in weiß. So wie es sich für eine Braut gehört. Wenn mich die Kundin jetzt so sehen könnte, würde sie wohl aus allen Wolken fallen. Ich muss ein wenig schmunzeln.
Zuerst das hautenge Kleid. Der Tipp der Verkäuferin war gut. Meine normale Größe hätte mir nicht gepasst. Das Kleid sitzt zwar nicht perfekt, aber recht gut. Dafür dass es eigentlich für die Proportionen einer Frau gefertigt worden ist. Nur leider rutscht es oben rum immer wieder runter - mir fehlt eben der Busen und dem Kleid die Träger, um es an Ort und Stelle zu halten.
Das Chiffonkleidchen hat Träger. Aber hier war der Tipp der Verkäuferin leider falsch. Es ist viel zu weit. Schade. Denn es ist super süß. Und wie sanft das Chiffon meine bestrumpften Beine streichelt - herrlich! Als ich es ausziehe, höre ich eine Frauenstimme empört tuscheln: "Der hat sogar weiße Damenstrümpfe an!" Auweia. Der Vorhang reicht nicht bis auf den Boden. Kurz davor ist Schluss. Wohl genug, um meine Köchel und Füße von außen zu sehen. Das wird mir erst jetzt bewusst.
Doch die Verkäuferin erwidert der Kundin ganz entspannt: "Ja, und? Es soll doch auch gut aussehen." Recht hat sie!
Mit Tennissocken probiert man so ein Kleid jawohl nicht an. Der alte Drachen vielleicht. Aber den möchte man sich in solchen Kleidern lieber gar nicht erst vorstellen. 
Ich ziehe mich wieder an, öffne den Vorhang, hänge die Kleider zurück auf den Ständer. Während dessen fixiert mich ununterbrochen besagte Kundin - sie ist außer der Verkäuferin mittlerweile die einzige im Laden. Für einen Moment überlege ich, die Kundin richtig zu schocken und eins der langen Brautkleider auszuwählen. Leider verlässt mich der Mut.
Dieser Blick ist aber auch echt fies.
Ich verabschiede mich freundlich von der Verkäuferin: "Leider nichts Passendes dabei." Sie erwidert meinen Abschiedsgruß und ermuntert mich, ein anderes Mal wieder herein zu schauen. "Gern", sage ich und gehe weiter zum Ausgang. Die Kundin grummelt noch irgendwas, das ich aber - zum Glück? - nicht mehr verstehe... 
In der Nähe in einer Nebenstraße geparkt. Vorbei an der Schaufensterfront. Geradewegs auf den Eingang zu. Moment mal. Aus dem Augenwinkel sehe ich, dass ein paar Kundinnen im Geschäft sind. Vielleicht doch lieber warten...? Egal. Nicht nachdenken, sonst kneife ich womöglich noch den Schwanz ein. Weiter zum Eingang. Noch einmal kräftig durchatmen und rein. Die Verkäuferin an der Kasse grüßt freundlich, ich grüße zurück.
Kurz orientieren. Rechts sind Coktail- und Abendkleider, ein paar Kundinnen schauen sich dort um, eine verschwindet gerade mit einem kurzen roten Kleid in der Umkleidekabine. Links sind Brautkleider. Kurze auf Ständern in der Mitte, lange auf Bügel an Kleiderstangen entlang der Wände. Niemand dort. Auweia, da falle ich ja noch mehr auf.
Aber ich traue mich einfach nicht näher heran. Und überhaupt: Was sagen die anderen Kundinnen, wenn ich mit einem der Kleider in einer Kabine verschwinde? Ob das okay ist? Ein Telefon klingelt. Die Verkäuferin - klein, hübsch, tolle Figur, langes schwarzes Haar, vielleicht Ende 20 - eilt an mir vorbei. Schaut kurz, sagt aber nichts. Sie öffnet eine Tür weiter hinten, scheint ein Büro zu sein. Das Klingeln verstummt. Sie hat den Anruf angenommen, spricht irgendwas mit irgendwem. Kurz darauf kommt sie wieder an mir vorbei. Jetzt oder nie: "Ähem, Entschuldigung. Ich hätte eine Frage zu den Kleidern." Ja, wie kann ich helfen. "Wegen der Größe..." Lieber eine Nummer größer nehmen, die fallen etwas kleiner aus. Am besten wäre es, wenn die Dame es selbst anprobiert. "Also, eigentlich soll das Kleid für mich sein." Ja, dann... nur zu, da vorn sind die Kabinen. Aber wie gesagt, lieber eine Nummer größer nehmen. "Danke für den Tipp."
Ich wähle zwei kurze Brautkleider zur Anprobe aus: Das eine oben eng und unten mit weitem Chiffonröckchen, das andere hauteng und durchgehend leicht geraffter Stoff. Mit den Kleidern überm Arm steuere ich die Kabinen an. Mein Herz klopft. Wie verrückt. Jetzt bloß nicht nach den übrigen Kundinnen schauen. Vorhang auf, rein, Vorhang fast zu, da sehe ich wie eine Kundin völlig verdutzt (empört? angewidert?)
Die Kleider hänge ich an einen Haken. Mit leicht zittrigen Händen ziehe ich Schuhe, Jacke, Shirt und Hose aus. Und schaue mich im Spiegel an: Bügel-BH mit schlichten Cups, dazu passender String, Strumpfgürtel mit etwas Spitze, Strapsstrümpfe mit Spitzenabschluss. Alles in weiß. So wie es sich für eine Braut gehört. Wenn mich die Kundin jetzt so sehen könnte, würde sie wohl aus allen Wolken fallen. Ich muss ein wenig schmunzeln.
Zuerst das hautenge Kleid. Der Tipp der Verkäuferin war gut. Meine normale Größe hätte mir nicht gepasst. Das Kleid sitzt zwar nicht perfekt, aber recht gut. Dafür dass es eigentlich für die Proportionen einer Frau gefertigt worden ist. Nur leider rutscht es oben rum immer wieder runter - mir fehlt eben der Busen und dem Kleid die Träger, um es an Ort und Stelle zu halten.
Das Chiffonkleidchen hat Träger. Aber hier war der Tipp der Verkäuferin leider falsch. Es ist viel zu weit. Schade. Denn es ist super süß. Und wie sanft das Chiffon meine bestrumpften Beine streichelt - herrlich! Als ich es ausziehe, höre ich eine Frauenstimme empört tuscheln: "Der hat sogar weiße Damenstrümpfe an!" Auweia. Der Vorhang reicht nicht bis auf den Boden. Kurz davor ist Schluss. Wohl genug, um meine Köchel und Füße von außen zu sehen. Das wird mir erst jetzt bewusst.
Ich ziehe mich wieder an, öffne den Vorhang, hänge die Kleider zurück auf den Ständer. Während dessen fixiert mich ununterbrochen besagte Kundin - sie ist außer der Verkäuferin mittlerweile die einzige im Laden. Für einen Moment überlege ich, die Kundin richtig zu schocken und eins der langen Brautkleider auszuwählen. Leider verlässt mich der Mut.