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Re: Heftig wachgeworden

Verfasst: Mi 1. Jul 2015, 16:55
von Regina
Hi Hedi,

nachdem ich Deinen Text las, dachte ich, dass da schon so einiges schiefgegangen ist.
Hedi hat geschrieben:Sie will mich wie sie mich kennt
So wie es aussieht kennt sie Dich nicht komplett.

Ihr solltet dringend mehr miteinander reden. Ich glaube ihr habt eine gute Basis.
Aber Du musst Dir darüber klar werden was Du willst.

Sorry für die knappe Antwort.

Liebe Grüße,
Regina

Re: Heftig wachgeworden

Verfasst: Mi 1. Jul 2015, 17:14
von Andrea aus Sachsen
.
Hallo Hedi,
danke für deine Offenheit und die Mühe, die du dir mit dem Schreiben deiner Geschichte gemacht hast! Das liest sich alles nach einer ganz normalen Entwicklung, die viele hier so oder so ähnlich durchgemacht haben oder ebenfalls gerade durchmachen.
Ich könnte mir vorstellen, dass es für dich hilfreich wäre, zusätzlich zum Forum hier dich mit anderen Betroffenen persönlich auszutauschen. Also geh doch einfach mal zu einer Selbsthilfegruppe oder einem Stammtisch in deiner Nähe. Bei den meisten sind auch Angehörige willkommen. Also nimm deine Frau gleich mit, so sie das möchte. Für sie wird es genauso hilfreich sein, sich mit anderen Partnerinnen auszutauschen.
Eine Auswahl an Anlaufstellen für unsereins findest du hier: http://www.crossdresser-forum.de/phpBB3 ... 120&t=9299

Re: Heftig wachgeworden

Verfasst: Mi 1. Jul 2015, 19:23
von Astrid
Hallo Hedi,

danke für Deinen ausführlichen Bericht. Ich kann Dir gut nachempfinden.

Es ist wohl so wie Andrea schreibt: Eine ganz normale Entwicklung.
Aber ich habe aufgehört von "Selbstfindung" zu reden. Im Grunde genommen wissen wir doch schon tief im Innern längst was wir sind und was wir wollen.
Es ist eher ein langer Prozess des Abwägens zwischen dem gewohnten und liebgewonnenen Leben in Familie und Beziehung auf der einen Seite und der Freiheit, das zu leben was man wirklich ist, auf der anderen Seite.
Du schreibst es ja selbst; keiner will eine langjährige Beziehung beschädigen.
Für die meisten steht daher wohl am Ende dieses Abwägungsprozesses irgendein Kompromiss. Und mit diesem Kompromiss wird man dann leben müssen.
Wie auch schon an anderen Stellen hier geschrieben: Alles kann man nicht haben.
Aber wirklich glücklich wird man so wohl nie werden.

Das sind meine Gedanken zu dem Thema. Leider kann ich mich nicht besser ausdrücken, aber meine Empfindungen gehen in diese Richtung.

Liebe Grüße - Astrid

Re: Heftig wachgeworden

Verfasst: Mi 1. Jul 2015, 22:42
von maia
Hallo Hedi,

ich habe ja schon auf Deine Vorstellung geantwortet - was ich eigentlich selten mache. Jetzt habe ich Deinen Text gelesen, habe am Ende gelacht und gleichzeitig feuchte Augen bekommen. Der Text hätte fast von mir sein können, mit einigen kleinen Änderungen. Sind wir seelenverwandt? Ich schreibe zwar jetzt nicht mit bunten Fingen - das ist der Gartenarbeit geschuldet - aber dafür mit lackierten Fußnägeln. Viele Deiner Gedankengänge kommen mir sehr bekannt vor!
Jetzt muß ich erstmal Schluß machen. Meine Frau kommt von Arbeit und bei uns gibt es im Moment auch einiges zu klären!

Also schöne Grüße
Maia

Re: Heftig wachgeworden

Verfasst: Do 2. Jul 2015, 07:06
von Astrid
Regina hat geschrieben: ...
Hedi hat geschrieben:Sie will mich wie sie mich kennt
So wie es aussieht kennt sie Dich nicht komplett.

...
Regina
Hallo Regina,

genau da liegt doch der Hund begraben: In dem Irrglauben einen anderen Menschen, insbesondere den Partner/die Partnerin genau zu kennen.
Diese Denke muß zwangsläufig zu Enttäuschungen führen!

Zeige mir einen Menschen, der sein Innerstes bis in den hintersten Winkel seiner Seele offenbart. Jedem Handeln oder nicht Handeln und jedem Gesagten oder nicht Gesagtem liegt irgendein Kalkül zu Grunde (nicht nur im negativen Sinne). Da bin ich mir sicher.

Und dann kommt noch dazu, daß sich die eigene Persönlichkeit in einem ständigen Wandel befindet. Klar, mit dem Partner reden ist immer gut. Aber es vergeht doch auch immer ein gewisser Zeitraum bis ich eine eigene Entwicklung erstmal selber wahrnehme, dann verarbeite und am Ende dann darüber sprechen kann. Und bis dahin wird eben oft verheimlicht.

In dem Zusammenhang habe ich hier schon oft das Wort "Ehebruch" gehört. Das bringt mich auf die Palme.
Wenn eine Ehe wirklich bedeuten sollte, daß ich immer der selbe Mensch bleiben muß, der ich vor 25 Jahren einmal war, dann ist sie für mich nicht würdig, gelebt zu werden. Da muß man sich als Partner auch auf Veränderungen einlassen können. Und wenn dann Grenzen überschritten werden sollten, ok, dann wird man Kompromisse finden müssen, oder sich trennen. Aber dann bitte ohne Schuldzuweisungen. Schuldige gibt es hier nämlich nicht!

Liebe Grüße - Astrid

Re: Heftig wachgeworden

Verfasst: Mi 8. Jul 2015, 19:09
von Astrid
Hedi hat geschrieben: ...
Viel Spaß und Danke für's Lesen
Gerne, keine Ursache!

Dein Schreibstil ist erfrischend.
Deine Selbstversuche und vor allem die Erkenntnisse sind genial. :wink:
Bitte mehr davon!

Ich bin auch schon auf Dein Resümee gespannt. Wie ich schon schrieb: Wir wissen es doch schon längst...

Liebe Grüße - Astrid

Re: Heftig wachgeworden

Verfasst: Mi 8. Jul 2015, 22:56
von s_Roeckchen
Willst Du es immer oder nur zeitweise...

Aus meinem eigenen Erleben: Sobald ich ein neues Kleidungsteil oder Assesoir aus der Damenwelt "integriert" habe, dann kams zu einem Überschwang, quasi "jeder Farbe, jedes Modell, jederzeit 100%".
Eine kleine Stimme sagte mir aber immer, gemach gemach, teste es ruhig aber überlade dich nicht. Ist das was oder geht die Lust auf dieses Assesoir wieder?

Deinen Text wenn ich lese, hab ich den Eindruck, Du verfährst genauso. Oder?

s'Röckchen

Re: Heftig wachgeworden

Verfasst: Do 9. Jul 2015, 04:09
von Lina
@Und, um mal auf die Ausgangsfrage zurückzukommen, wie wir damit umgehen: Ich habe keine Ahnung. Erstmal ist nur wichtig daß keiner den anderen unter Druck setzt. Momentan ist es so daß ich im Rahmen der Selbstfindung ihr ok habe zu Hause rumzulaufen wie ich will. Aber ob das so förderlich ist weiß ich nicht. Es ist halt nicht wirklich ungezwungen.

Hier ist schon der erste Widerspruch.


@Keiner will 19 Jahre Zweisamkeit/8 Jahre Ehe wegwerfen, aber wie bisher geht es auch nicht weiter. Sie will mich wie sie mich kennt, und ich freue mich drüber daß hier seit 4 Stunden mit roten Nägeln tippe.


Vielleicht solltet ihr endlich mal lernen, miteinander zu reden. Nicht nur darüber. Wenn du so lange geglaubt hast, das du eine so wichtige seite deiner Persönlichkeit versteckten könntest - und sie genausolange nichts davon gewusst haben will - zeigt, das ihr euch auf mehreren Punkten lange nicht gut genug kennt. Welche Wünsche, Träume oder Ängste hat sie, von denen du nichts gewusst haben willst?

Wirklich höchste Zeit, dass ihr lernt miteinander zu reden. Und das ist erlernbar. Manchmal nur mit fremder Hilfe, aber erlernbar ist es.

Re: Heftig wachgeworden

Verfasst: Do 9. Jul 2015, 13:07
von ExUserIn-2026-04-08
Ich denke auch, den Weg, wie man damit umgehen soll, ist sehr individuell. Ich habe trotz der vielen Erkenntnisse, die ich im Laufe der Jahre gewonnen habe, bin ich auch kaum in der Lage zu sagen, wie es bei mir weitergehen soll. Vielleicht muss man lernen, weniger in die Zukunft, sondern mehr im Augenblick zu leben und dann zu schauen, wohin es einen gebracht hat.

Partnerinnen sind i.d.R. ein besonderes Kapitel für uns. Ich glaube, es geht meistens weniger darum, ob man einen Rock oder Strumpfhosen trägt, sondern um die eigene Verbindung zum Weiblichen. Ich denke, die wenigsten wollen eine Rock tragen, weil er bequem ist, auch wenn das viele gegenüber der Partnerin behaupten, sondern weil er das Attribut "weiblich" trägt. Wir machen uns und der Partnerin etwas vor, wenn wir nicht dazu stehen, dass es uns im Kern darum geht.

Ich kann mir auch psychologisch viele Begründungen vorstellen, warum die Partnerinnen damit ein Problem haben, aber das nützt wenig, wenn ich es in der Diskussion anführe. Ich würde sie und ihre Gefühle damit überfahren und dann wäre die Diskussion schnell am Ende.

Hedi hat noch einen anderen Grund erwähnt, den sie mit Blick auf die Partnerin nicht schreibt. Das muss man respektieren, aber ich vermute, dass hier ein wesentlicher Grund für die Probleme liegt. Hedi schreibt selbst,
Sie hat mir diese Woche erstmals konkret erzählt warum sie meinen Anblick in Damenkleidung nicht ertragen will. Es sind berufliche Gründe bzw. eigentlich ist es nur ein einziger Grund, der es aber mächtig in sich hat. Konkretisieren will ich es hier nicht weil ich damit ihre Anonymität riskieren würde, an ihrer Stelle würde mir aber wahrscheinlich ab und an auch übel werden.
Hedi, das finde ich spannend, dass Dir selber vor Dir übel werden könnte. Bedeutet das eine Ablehnung Deines Selbst ? Es sieht für mich so aus, als würdest Du Dich selber nicht unabhängig von anderen Menschen sehen. Stehst Du zu Dir oder Du hast Zweifel ?

Natürlich wirft man eine Beziehung nicht leichtfertig weg. Aber die andere Frage lautet, was bringt Dir eine Beziehung, in der Du nicht Du selber sein kannst ? Wobei man sehr aufmerksam sein muss, dass man nicht selber derjenige ist, der mit der Situation nicht umgehen kann. Nach meiner Erfahrung kennen wir uns nicht selber, wenn wir die Dinge nicht leben, die uns ausmachen. Ich habe erst durch den Umgang mit TG viel über mich selber gelernt und ich lerne noch. Ständig verändert sich meine Sicht auf mich selbst.

Auch Deine Partnerin dürfte ähnliche Probleme haben wie Du. Auch sie wird regelmäßig Neues über sich selber lernen. Die Auseinandersetzung mit Weiblichkeit und Männlichkeit ist auch ein dickes Brett, das zu bohren ist. Sie wird auch lernen müssen, dass der Mann, den sie geheiratet hat, der gleiche ist, der mit roten Nägel und ihren Schminksachen vor ihr steht. Ja, dass sie Dich geheiratet hat, weil Du so bist, aber sie es noch nicht erkennen konntest. Aber in Deinen Eigenschaften spiegelt sich alltäglich auch ohne weibliches Outfit Dein Wesen. Wenn sie Dich wieder haben will, wie sie Dich kennen gelernt hat, bedeutet das, dass sie Dich auf etwas reduziert, was sie in Dir sieht/gesehen hat. Aber das bist nicht Du. Ich bin davon überzeugt, wenn sie Dich annimmt, wie Du bist, wird sie viel über sich selber lernen. Es ist eine Chance für sie, die sie möglicherweise noch nicht sieht oder nicht sehen will.

Für mich ergibt sich daraus die Konsequenz, dass ich selbstbewusst zu mir selber stehen muss. Ich bin wie ich bin und das ist gut so. Das heißt nicht, dass man immer und bei jeder Gelegenheit seinen Kopf durchsetzen muss, sondern die wesentlichen Grundzüge meines Leben gelebt werden wollen.

Grüße
Vicky

Re: Heftig wachgeworden

Verfasst: Do 9. Jul 2015, 22:31
von s_Roeckchen
Hedi hat geschrieben:...Mir ging es da eher um den "Geisteszustand" und die Momente des Zweifelns. Konkret mit Geklimper und 1000 Klamotten im Schrank habe ich es eigentlich nicht so...
Dann hab ich das falsch interpretiert. Mein Empfinden ist, wenn ich etwas Neues integriere, dann will ich am liebsten das Neue in allen Möglichkeiten ausprobieren und "haben". Dem geb ich nicht nach, sonst würde sogar ich mal unseren häuslichen Frieden gefährden. Aber trotzdem oder gerade deswegen hab ich den Eindruck, daß Du das für Dich ganz richtig aufziehst.

LG s'Röckchen

Re: Heftig wachgeworden

Verfasst: Di 14. Jul 2015, 15:48
von Lina
Danke fuer den Dank Hedi.
Schoen zu sehen, dass ein paar kurze und buendige Fragen - auf die ich die Antwort gar nicht erfahren muss - zielfuehrende Gedankenprozesse in Gang setzen koennen.

Ich habe noch mehr davon im Werkzeugkasten.

Re: Heftig wachgeworden

Verfasst: Di 14. Jul 2015, 21:58
von Andrea aus Sachsen
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Hedi hat geschrieben:Ich habe's geschafft im Atelier in Dresden noch einen XXL-Termin vor deren Sommerurlaub zu bekommen. Vielleicht wirkt's ja anders wenn ich ihr in einem geeigneten Moment mal vernünftige Bilder mit vernünftigem Styling von mir zeigen kann und nicht nur mein Homewear mit Warhol-Makeup und Rothaarperücke.
Das war eine gute Idee, dort einen Termin zu vereinbaren! Was du dort an Erfahrungen sammeln kannst, ist echt Gold wert und ansprechende Bilder sind immer ein gutes Argument für unsere Sache. Ich war vor über 3 Jahren dort und zehre noch heute davon.
Ich bin mir sicher, auch du wirst begeistert sein. Schreib doch mal, wie du das erlebt hast!

Re: Heftig wachgeworden

Verfasst: Sa 18. Jul 2015, 17:31
von fsh-lover
Hedi hat geschrieben:
Sie glaubt ich habe nächste Woche eine Fortbildung in Berlin und meint ich sollte mal sehen ob ich dort nicht anschließend eine Beratungsstelle, SHG oder ähnliches auftun kann. Ich habe Ihr das mal so bestätigt, allerdings im Hinterkopf mit meiner eigenen Auffassung von "Beratungsstelle".
Hallo Hedi,

meinst du, das ist der richtige Weg? Sie glaubt, du bist in Berlin auf Fortbildung und du hast einen Termin in Dresden zum Aufhübschen.

Sollte das irgendwann rauskommen, ist dein Vertrauensvorsprung (falls du überhaupt einen hast) mit einem Male zunichte gemacht.
Die Idee an sich, bei ST sich mal richtig stylen zu lassen, um zu sehen, was machbar ist, finde ich schon gut. Nur sollte es nicht auf einer Lüge aufbauen, aus der du nicht ohne Blessuren wieder rauskommst. Du willst ihr ja die Bilder mal zeigen, dann musst du erklären, dass du nicht in Berlin warst, sondern in Dresden beim XXL-Urlaub.

LG Fsh-lover

Re: Heftig wachgeworden

Verfasst: Sa 18. Jul 2015, 20:38
von Cybill
Lina hat geschrieben: Ich habe noch mehr davon im Werkzeugkasten.
Da sind sie auch gut aufgehoben...
(ki)

-Cy

Re: Heftig wachgeworden

Verfasst: So 30. Aug 2015, 02:00
von Theresa
Hallo Heidi,

Das mit "der Partnerin gefallen wollen" kenne ich auch. Und das, obwohl ich weiss, sie kann mit mir als Frau, mit Frauen überhaupt, nichts anfangen.
Wenn ist allso sagt, Dieses oder Jenes ist mir gut gelungen, fällt es mir schwer das zu glauben.
Wir führen eine Fernbeziehung, so dass ich erhebliche Freiheiten habe. Der Nachteil ist, dass ich niemand habe, der mir Rückmeldung geben kann, was Kleidung Makeup, -überhaupt mein allgemeines Erscheinungsbild betrifft. Habe immer Angst mich mehr zum Affen zu machen als es nötig ist. Dabei würde ich gerne unauffällig sein. An meine Selbstbewusstsein gibt es noch viel zu arbeiten.... An meinen 190cm kann ich nicht viel verändern.

Es macht Spaß von dir zu lesen. Hast einen schönen Schreibstil. Vieles von dem, was du schreibst, kommt mir, sicher auch Anderen bekannt vor. Vielleicht auch in abgewandelter Form.
Ich bin gespannt wie es weiter geht.

Ich wünsche Dir, dich mit Deiner Frau arrangieren zu können. Ich empfinde es immer sehr traurig wenn einem Partnerschaf zerbricht. Alle Träume und Pläne, die man einmal hatte lösen sich auf. Auch die Sicherheit, die man damit verbindet.

Und was kommt dann? Welche Frau mag schon eine Transe (oder was immer ich auch sein mag) an ihrer Seite? Es mag solch seltene Exemplarre geben. Ein Lottogewinn scheint mir (für mich) warscheinlicher.

So nachdenklich

Theresa