Ich denke auch, den Weg, wie man damit umgehen soll, ist sehr individuell. Ich habe trotz der vielen Erkenntnisse, die ich im Laufe der Jahre gewonnen habe, bin ich auch kaum in der Lage zu sagen, wie es bei mir weitergehen soll. Vielleicht muss man lernen, weniger in die Zukunft, sondern mehr im Augenblick zu leben und dann zu schauen, wohin es einen gebracht hat.
Partnerinnen sind i.d.R. ein besonderes Kapitel für uns. Ich glaube, es geht meistens weniger darum, ob man einen Rock oder Strumpfhosen trägt, sondern um die eigene Verbindung zum Weiblichen. Ich denke, die wenigsten wollen eine Rock tragen, weil er bequem ist, auch wenn das viele gegenüber der Partnerin behaupten, sondern weil er das Attribut "weiblich" trägt. Wir machen uns und der Partnerin etwas vor, wenn wir nicht dazu stehen, dass es uns im Kern darum geht.
Ich kann mir auch psychologisch viele Begründungen vorstellen, warum die Partnerinnen damit ein Problem haben, aber das nützt wenig, wenn ich es in der Diskussion anführe. Ich würde sie und ihre Gefühle damit überfahren und dann wäre die Diskussion schnell am Ende.
Hedi hat noch einen anderen Grund erwähnt, den sie mit Blick auf die Partnerin nicht schreibt. Das muss man respektieren, aber ich vermute, dass hier ein wesentlicher Grund für die Probleme liegt. Hedi schreibt selbst,
Sie hat mir diese Woche erstmals konkret erzählt warum sie meinen Anblick in Damenkleidung nicht ertragen will. Es sind berufliche Gründe bzw. eigentlich ist es nur ein einziger Grund, der es aber mächtig in sich hat. Konkretisieren will ich es hier nicht weil ich damit ihre Anonymität riskieren würde, an ihrer Stelle würde mir aber wahrscheinlich ab und an auch übel werden.
Hedi, das finde ich spannend, dass Dir selber vor Dir übel werden könnte. Bedeutet das eine Ablehnung Deines Selbst ? Es sieht für mich so aus, als würdest Du Dich selber nicht unabhängig von anderen Menschen sehen. Stehst Du zu Dir oder Du hast Zweifel ?
Natürlich wirft man eine Beziehung nicht leichtfertig weg. Aber die andere Frage lautet, was bringt Dir eine Beziehung, in der Du nicht Du selber sein kannst ? Wobei man sehr aufmerksam sein muss, dass man nicht selber derjenige ist, der mit der Situation nicht umgehen kann. Nach meiner Erfahrung kennen wir uns nicht selber, wenn wir die Dinge nicht leben, die uns ausmachen. Ich habe erst durch den Umgang mit TG viel über mich selber gelernt und ich lerne noch. Ständig verändert sich meine Sicht auf mich selbst.
Auch Deine Partnerin dürfte ähnliche Probleme haben wie Du. Auch sie wird regelmäßig Neues über sich selber lernen. Die Auseinandersetzung mit Weiblichkeit und Männlichkeit ist auch ein dickes Brett, das zu bohren ist. Sie wird auch lernen müssen, dass der Mann, den sie geheiratet hat, der gleiche ist, der mit roten Nägel und ihren Schminksachen vor ihr steht. Ja, dass sie Dich geheiratet hat, weil Du so bist, aber sie es noch nicht erkennen konntest. Aber in Deinen Eigenschaften spiegelt sich alltäglich auch ohne weibliches Outfit Dein Wesen. Wenn sie Dich wieder haben will, wie sie Dich kennen gelernt hat, bedeutet das, dass sie Dich auf etwas reduziert, was sie in Dir sieht/gesehen hat. Aber das bist nicht Du. Ich bin davon überzeugt, wenn sie Dich annimmt, wie Du bist, wird sie viel über sich selber lernen. Es ist eine Chance für sie, die sie möglicherweise noch nicht sieht oder nicht sehen will.
Für mich ergibt sich daraus die Konsequenz, dass ich selbstbewusst zu mir selber stehen muss. Ich bin wie ich bin und das ist gut so. Das heißt nicht, dass man immer und bei jeder Gelegenheit seinen Kopf durchsetzen muss, sondern die wesentlichen Grundzüge meines Leben gelebt werden wollen.
Grüße
Vicky