Hallo,
ich habe mir gestern die Premiere angesehen. Gefällig und zotig inszeniert.
Ja, im 2. Akt, auf dem Ball des Grafen Orlowsky, sind die Grenzen fließend. Jeder ist verpflichtet seinen "Gelüsten" nachzugehen,
sonst wird er hinausgeworfen oder noch drakonischer, es wird eine Flasche auf seinem Kopf zerschlagen.
Es steigt eine große Fetish-Party. Der Graf hält eine flammende Rede für die Unbestimmtheit - sowohl geschlechtlich, wie auch
in vielen anderen Bereichen - und gründet die Nation "Champagner".
Nachdem sich der Graf aber dann als unbestimmtes Wesen outet - klar erkennbare, anatomische Merkmale beiderlei Geschlechts,
wird er verlacht und es zerfällt alles wieder. Alle, bis auf die Dienstmagd und der Graf, fallen mit einem großen Kater in ihre alten
Rollen zurück.
Soweit die leicht abgewandelte Handlung der Ur-Fledermaus. Mir hat es gut gefallen, zumal mir viele "Songs" noch aus Zeiten Anneliese
Rotenbergers bekannt sind.
Leider hat der traditionelle, politische Kommentar des Frosch (Gefängniswärter) bei mir einen schalen
Beigeschmack hinterlassen. Der Kommentar wurde vom Regisseur selbst verfasst, hat übliche Stammtisch-Parolen
aufgegriffen und sich selbst als Regisseur vorgeführt.
"Als Gesellschaft und Publikum möchte man doch nicht immer wieder mit diesen Themen
Inter*, Trans* oder Vegan* konfrontiert werden." usw.
Der spontane Applaus aus den Reihen des Premieren-Publikums, der für mich stark nach Zustimmung klang, hat mich dann doch
ein wenig erschreckt. Es gab dann auch keinerlei Buh-Rufe währende des Schluss-Applaus, was sehr ungewöhnlich ist.
Vielleicht hat diese "besänftigende" Rede aber auch ihr Gutes:
Eventuell bleibt beim Publikum doch mehr vom Inhalt hängen, als wenn es mit einer Anti-Haltung nachhause gegangen wäre.
Vielleicht habe ich aber auch zuviele Vorurteile und das Opernpublikum ist viel offener als ich denke.
Wer die Gelegenheit hat, sollte sich die Operette auf jeden Fall ansehen.
http://www.haz.de/Nachrichten/Kultur/Fo ... annover#p1