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10. Outdoorerlebnis am 18.4.2015

Verfasst: So 26. Apr 2015, 09:48
von Monika
10. Outdoorerlebnis am 18.4.2015

Nach langer Winterpause (zu lang) veranstaltete die Miss Monika Reise und Touristik GmbH ihr 10. Outdoorerlebnis (Jubiläum). Aus diesem Grunde musste natürlich ein entsprechendes und ansprechendes Programm auf die Beine gestellt werden.
Ihr erinnert euch evtl. Unser letztes Outdoorerlebnis fand am 22.12.14 in den Grotten von Valkenburg in den Niederlanden statt. Auch diesmal wählten wir wieder unser westliches Nachbarland und wollten der Stadt Utrecht einen Besuch abstatten.

Nun erstmal zu den Teilnehmern dieser Veranstaltung:
Titulieren wir sie diesmal als die fünf Golden Girls (Ähnlichkeiten mit den drei Golden Girls aus der damaligen Familienserie im Fernsehen sind rein zufällig und nicht gewollt).
1. Golden Girl: Monika
2. Golden Girl: Petra (Hoffotografin)
3. Golden Girl: Hildegard
4. Golden Girl: Sina (Petras Cockerspaniel) welches sich seit neustem begeistert über Fisch hermacht.
Und jetzt kommt eine Überraschung. Petras Mutter Irmgard (gerade mal 83 Jahre jung) wird uns als 5. Golden Girl begleiten und ihre schützende Hand über uns ausbreiten. Ihr ist zu Ohren gekommen, dass die vier Grazien doch allerlei Unsinn im Kopf haben und für manche Überraschung gut sind. Alter schützt vor Torheit
nicht (Sina eingeschlossen).
Nein im Ernst, Irmgard war durch unsere Erzählung vergangener Erlebnis neugierig geworden und wollte mein Crossdresser Erfahrungen mal live miterleben. Feststellend muss ich sagen, dass sich der Teilnehmerkreis immer weiter vergrößert, die Mund zu Mund Propaganda trägt Früchte und die aufregenden Abenteuer von Franz Josef Wanninger (alte Fernsehserie) pardon, den Golden Girls, lockt immer weitere Personen zu unserer Reisegesellschaft. Ich werde ernsthaft darüber nachdenken mir einen Reisebus zuzulegen. Die Voraussetzungen an der Teilnahme dieser Reisen sind natürlich an gewisse Bedingungen geknüpft.
Die da wären:
Einwandfreies Polizeiliches Führungszeugnis
Gültiger Reisepass bzw. gültiger Personalausweis
Unbedenklichkeitserklärung der Mutter/Vater/Arzt/Arbeitgeber bzw. dem Jobcenter (Hartz 4)
Gültige Impfbescheinigungen (Staupe, Wurmbefall, Flohbefall)
Um evtl. Missverständnisse vorzubeugen.
Diese letzte Bedingung bezieht sich, ich betone, bezieht sich nur auf die Rasse der Homo Sapiens bzw. Neandertaler.

Nun aber zum Reisetag selbst.
18.04.15, 6 Uhr
Kaffee aufgesetzt, unter die Dusche, anschließend eingecremt mit einer weiblichen Bodylotion, vorher natürlich die Rasur und danach den mittlerweile erkalteten
Kaffee in der Tasse getrunken. Leider keine Zeit für die obligatorische Tageszeitungen mit den ebenfalls obligatorischen schlechten Nachrichten. Auch die Sparte mit den leider verblichenen Zeitgenossen in der Tageszeitung musste zur Seite gelegt werden. Ich habe mir geschworen, nur positive Nachrichten an diesem Morgen an mir heranzulassen. Dies zum Thema "Positives Denken" Weiter geht"™s im Text.

Die Frau hat in ihrem Leben zwei wichtige Lebensfragen
1. Was ziehe ich heute an?
2. Was soll ich heute kochen?

Der zweite Teil fällt heute flach, heute bleibt die Küche kalt. Sie wäre sowieso kalt geblieben, da meine Ikea-Küche stromlos ist (wegen umfangreicher Renovierung). Auch müssen einige Ikea-Teile noch zusammengefügt werden. Der Wahlspruch von diesem schwedischen Möbelhaus lautet. "Lebst du schon, oder schraubst du noch" oder Ikea = ich kriege einen Anfall. Jedenfalls habe ich diesen Spruch mittlerweile verinnerlicht. Kommen wir zum viel wichtigeren Teil. "Was ziehe ich heute an?". Die Anziehsachen waren schon seit gestern Abend im Reisekoffer. Ein neues rotes Kostüm, noch nie getragen, bestehend aus einer roten Bolero-Weste mit schwarzen Abschlüssen, dazu der passende rote Rock. Schwarze Pumps mit niedrigem Absatz (4 cm) und dem üblichen Krimskrams (Salopp formuliert) also Armbänder, Ohrringe, Handtasche usw. Um wertvolle Zeit zu sparen, zog ich mir schon vorsorglich die Strumpfhose an, welche sofort eine lange Laufmasche zierte. Ergo, die Ersatzstrumpfhose aus dem Koffer herausgeholt und die Prozedur des Anziehens diesmal im gemächlichem Tempo vollzogen. Mittlerweile ist meine zweite Tasse Kaffee auch schon relativ kalt geworden, das lag u.a. daran, dass ich meinen neuen bordeauxfarbenen Prothesen BH der Fa. Anita noch füllen musste. Kann ich übrigens bedenkenlos weiterempfehlen. Danach folgte das Unterkleid und den schwarzen Pullover mit schönen gekräuselten Abschlüssen an Ärmel und Hals. Sehr gut passend zum Kostüm. Vorsorglich zog ich mir aber noch eine lange Hose an, weil ich ja meine Mädels noch abholen wollte. Die endgültige Verkleidungszeremonie sollte in der Wohnung Hildegards von statten gehen. Also schnell noch die Winterjacke übergezogen bevor es losging. In meiner Hektik (Hektik ist Gift für mich) verhaspelte ich mich mit dem Reisverschluss. Folge, die Jacke konnte ich nicht mehr anziehe. Ergo, nahm ich eine andere Jacke (etwas knapper geschnitten, mit der Folge, dass mein gefülltes Dekolleté deutlich zum Vorschein kam. Ich gab es auf, und verließ etwas frustriert die Wohnung um Petra abzuholen. Es wurde Zeit denn mittlerweile war es 7 Uhr 10.
Pünktlich um 7 Uhr 30 stand ich verabredungsgemäß vor Petras Wohnung, bat um Einlass und stieß mit meinem voluminösen Oberbau fast auf eine herauskommende Bewohnerin. Das Glück war heute bisher kein guter Begleiter. Aber was soll es, derartige Zwischenfälle bin ich nun schon gewohnt, und hinterlassen bei mir keine nennenswerten Spuren mehr. Mit Petras Hündin Sina und Petra selbst fuhren wir dann zur Hildegard. Pünktlich 8 Uhr erreichten wir das Zwischenziel. Die bezaubernde Kosmetikerin war schon da, und wollte dann anschließend ihre Fähigkeiten bei mir auslassen. Keine Zeit für den angebotenen Kaffee. Er wäre sowieso kalt geworden. Leider musste die Schminkzeremonie bei Hildegard stattfinden, da das neue Ladenlokal der Visagistin noch nicht komplett fertig war. Infolgedessen saß ich auf einem normalen Küchenstuhl (gepolstert) in einer unbequemen Haltung mit hochgereckten Hals vor meiner Verwandlungskünstlerin. Dabei dachte ich an den alten Witz, wo eine Personen den Hals und Kopf nach oben reckte und den Satz aussprach "Oh, ein toter Vogel. Alle anderen Personen schauten nach oben. So spielt das Leben. Na jedenfalls werde ich morgen einen gewaltigen Muskelkater im Halsbereich verspüren. Nach ca. 30 Minuten war dieser Teil der Umwandlungsaktion beendet. Nun ging es ans Lackieren der Fingernägel. Hier war die Sitzhaltung etwas bequemer. Mit traumwandlerischer Sicherheit seitens der Kosmetikerin bekam ich also nicht nur Farbe ins Gesicht, sondern auch die Fingernägel erstrahlten in einem feurigen Rot.
Nun kam Petra an die Reihe. Meine Fingernägel trockneten vor sich hin, und mein Hals auch. In dieser Zeit nahm ich dann meine erste heiße Tasse Kaffee zu mir. Dankbar schaute ich Hildegard in ihre blauen Augen. Aus der Ferne vernahm ich das erste Stöhnen von Petra in diesem "Rasierstuhl". Ich möchte hiermit ausdrücklich betonen, dass sich mir diese nicht unbekannten Laute, ausschließlich auf die Sitzposition Petras bezog. Mein Vorschlag an Hildegard beim nächsten Mal doch bitte entsprechendes Mobiliar bei Ikea anzuschaffen erntete bei ihr nur ein geringschätziges Lächeln. Mit ihrer Drohung mir bei nächster Gelegenheit nur lauwarmen Kaffee zu präsentieren, verschwand ich ins Bad (Fingernägel waren inzwischen trocken), um mich dann kleidungsmäßig in das neue Outfit zu begeben.
Diese Mutation geschieht, wie ihr sicherlich schon alle wisst, ungefähr alle 4 Wochen in den warmen Monaten. Das neue Kostüm stand mir ausgezeichnet, nur hatte ich den Eindruck, dass der Rock nicht so fest an meinen Hüften anlag. Er hatte einen festen Bund ohne Gummizug. Etwaige Bedenken ignorierte ich aber. Es folgte das obligatorische Foto.
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Nach dem sich die ausgesprochen nette Kosmetikerin (wir sind ja mittlerweile Stammkunden bei ihr) von uns mit dem Hinweis verabschiedete, dass der nächste Behandlungstermin in ihren neuen Räumlichkeiten stattfinden würde, betete ich im Gedanken 5 mal das "Vater unser" herunter und 10 mal den Rosenkranz. (Ich träumte schon von dem tollen Behandlungsstuhl in ihrer Verschönerungspraxis).
Nun stand der nächste Termin bevor. Die Abholung Irmgards (Mutter von Petra) die uns zum ersten Male begleiten wird. Angeregt durch die Berichterstattung in Presse, Funk und Fernsehen, konnte sie es kaum erwarten die mittlerweile zu einer Berühmtheit gewordenen "Miss Monika" bei ihren Touren zu begleiten. Nein im Ernst, mir war schon ganz schön flau im Magen. Ich kannte Irmgard auch schon über 40 Jahre (solange wie Petra) und nun sollte sie mich zum ersten Mal Outdoor "en femme" kennenlernen. Eine gewisse Unsicherheit machte sich schon bei mir breit. Die beruhigenden Worte Petras versuchte ich zu verinnerlichen.
Fast Pünktlich (nur zwei Minuten über der Zeit) 9 Uhr 32 (ich bin ein Pünktlichkeitsfanatiker) erschien Irmgard am Auto, wünschte mir und den anderen einen guten Morgen, ohne dass ich ein Erstaunen in ihrem Gesicht wahrnehmen konnte.

Ziel dieser Tour war wiederum die Niederlande. Genaugenommen Utrecht.
Die Stadt Utrecht hat 589.000 Einwohner, und erlangte Berühmtheit durch ihre vielen Grachten in der wunderschönen Altstadt. Kenner behaupten, dass diese Stadt schöner wäre als Amsterdam. Entfernung: Duisburg-Utrecht = 170 km.

Abfahrt: 9 Uhr 40 (nach einigen nervösen Lungenzügen an der Zigarette)
Die "Golden Girls" (samt Sina) wurden strategisch im Wagen verteilt. Petra vorne neben mir, wg. der Bedienung des Navis, anreichen der Getränke (natürlich Alkoholfrei), Unterhaltung der übrigen Mitfahrer durch Musik (Keine Angst, Miss Monika hat nicht gesungen), und div. andere Hilfsmaßnahmen. Irmgard hinter meinem Vordersitz (so kannte sie zumindest meine volle Haarpracht bewundern) meine Perücke. Ansonsten pflege ich einen lockeren Umgang mit meinen wenigen Haaren. Das heißt, wenn ich beim Friseur bin, zahle ich nicht für den Haarschnitt, sondern für Haare suchen. Nun aber Schluss mit dem haarigen Thema. Hildegard platzierten wir hinten rechts. Dort kann sie am wenigsten Unfug anstellen. Bleibt noch Sina. Sie bekam wieder den Ehrenplatz im Kofferraum ohne nicht vorher den Kofferraum Penibel nach evtl. essbaren Lebensmitteln durchforscht zu haben. Evtl. Wurstreste waren nicht vorhanden.
Kommen wir nun zu den klimatischen Bedingungen:
Außentemperatur um 9 Uhr 45, 8 Grad.
Wageninnentemperatur: 19 Grad
Windverhältnisse: Leichte Brise aus Nord/Nord-Ost
Barometer: 1080 Hektopascal (hPa), Tendenz steigend (Werte vom Wetteramt Essen, NRW).
Die Frisur sitzt. Drei Wettertaft.
Aber hier erst mal der Wetterbericht für den heutigen Tag. (Bitte nur den Wetterbericht)
https://www.youtube.com/watch?v=C_D4MTpkf-E

Die ersten 80 km folgten wir der A 3 Richtung Arnheim, nur Unterbrochen durch wunderschön ausgebauten Baustellen, Richtung Grenze zur Niederlande. Eine Pinkelpause, Verzeihung, Urinale Entsorgung war nicht notwendig. Dann überschritten wir die Grenze nach Niederlande. Schnell wurden die Haare gerichtet. Ich richtete meine Perücke. Sina entzog sich dieser Prozedur. Sie fühlte sich nicht angesprochen. Ich nahm an, dass sie mangels vorhandener leckerer Würstchen etwas angefressen war.
Oberlehrerin Monika möchte es nicht versäumen, nun euch auch ein wenig Geschichtsunterricht zu geben.
Unterwegs, ca. 30 km vor Utrecht, kamen wir an dem Ort "Doorn" vorbei. Wer im Geschichtsunterricht aufgepasst hat, wird mit diesem Ort etwas anfangen können. In Doorn lebte Kaiser Wihelm II im Exil. November 1918, bis zu seinem Tod am 4.6.1941. Aus diesem feierlichen Anlas heraus möchte ich zu seinen Ehren die "Deutsche Kaiserhymne" präsentieren .

Ich bitte euch sich von den Plätzen zu erheben, und diesen feierlichen Augenblick gebührend zu würdigen.
https://www.youtube.com/watch?v=tJB_cD95TIA

Nach dem wir diesen geschichtsträchtigen Ort nun hinter uns gelassen haben, gab es Zeit für die erste Pause. Ich steuerte meinen Wagen nach ca. 100 km den gut besuchten Parkplatz auf mittlerweile niederländischen Hoheitsgebiet an. Ich hatte ein ganz großes Verlangen nach flüssiger Nahrung. Petra öffnete die Ladeklappe, und half der nicht mehr ganz jungen Sina (Arthrose) aus dem Kofferraum. Meine Arthrose in der Hüfte und Petras Arthrose in den Knien machte diese Zwangspause notwendig. Ob Petra und Irmgard unter der oben erwähnten Krankheit litten, entzog sich meiner Kenntnis. Gegebenenfalls kann ich auf Nachfrage ein Ergebnis der Arthrose Umfrage beim nächsten Outdoorerlebnis im Mai berichten. Denn nichts ist schöner, als sich über Krankheiten zu unterhalten. Je mehr Personen zusammen sind, desto höher ist der Unterhaltungswert.
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Apropos Unterhaltungswert. Der sollte sich jetzt, unfreiwilliger Weise, in enorme Höhen steigern. Wir sind bei der Tatsache stehengeblieben, dass ich den Kofferraum öffnete, um meine Trinkflasche herauszuholen. Zu diesem Zweck bückte ich mich tief in den Kofferraum hinein. Und dann geschah das Unfassbare. Ich hatte ja heute zum ersten Mal den neuen roten Kostüm-Rock angezogen und der jedenfalls rutschte in einem Zug von meiner nicht vorhandenen Hüfte runter auf dem Boden.
Ich stand nun mit blankem Gesäß vor dem Kofferraum
Mein Kopf wurde wohl genauso rot wie den auf dem Boden liegenden Rock. 3-4 Sekunden erstarrte ich in völligem Entsetzen, um dann den Rock wieder auf seinem angestammten Platz hochzuziehen. Was hinter mir geschah konnte ich nicht sehen. Ich weiß nur, das etliche Fahrzeuge hinter mit standen und dieses Schauspiel einfach sehen mussten. Diese Situation wurde auch von meinen Mitfahrerinnen registriert. Das Mitgefühl ihrerseits war deutlich zu spüren. So schnell ich konnte stieg ich ins Auto ein, ohne einen Blick in den Rückspiegel zu werfen. Jede Frau wird meine Panik verstehen, als ich feststellte, dass nun auch meine Strumpfhose gerissen war. Eine große Laufmasche zierte mein linkes Bein. Dies geschah durch das ruckartige Hochziehen des Rockes, wobei der Reißverschluss desselbigen hängenblieb. Wir kamen zu der Erkenntnis, dass im nächsten Kaufhaus von Utrecht schnellstens Ersatz angeschafft werden musste. Meinen Koffer hatte, ich zum ersten Male überhaupt, in Hildegards Wohnung gelassen. In dem befand sich eine Ersatzstrumpfhose. Ansonsten hatte ich diese Liebesröhre auch immer in der Handtasche. Diesmal eben nicht. Das weitere Problem war der Rock. Die Gefahr, dass sich dieser evtl. noch mal selbständig machen sollte, war durchaus gegeben. Ergo musste zumindest eine Nähklammer her, um weitere Unfälle dieser Art vorzubeugen. Nachdem nun alle Reisemitglieder wieder ihren Sitz eingenommen hatten, ging es in zügiger Fahrt weiter Richtung Utrecht. Das Tempolimit von 120 Km/h einhaltend, erreichten wir dann die Stadtgrenze. Nun ging es auf innerstädtischen Straßen Richtung Altstadt. Zum ersten Mal konnten wir nun die einheimischen Baustellen bewundern. Es wurde kräftig gebuddelt, und mein Navi hatte kräftig zu kämpfen. Die Umleitungen waren nicht gut ausgeschildert, ich war ebenso wie das Navi relativ durcheinander. Nur Petra behielt die Ruhe und den Überblick. Um 11 Uhr 20 erreichten wir endlich eines der vielen Parkhäuser dieser Stadt. Erleichtert nahm ich zur Kenntnis, dass an diesem Parkhaus ein sehr großes Einkaufs-zentrum ansässig war. Name des Kaufhauses: V&D. Hatte ich noch nie im Leben gehört. Kurzum, wir stürmten den Aufzug und verließen ihn mit weiteren stürmischen Schritten, hinein in den Konsumtempel. Diese stürmische Angelegenheit hatte wiederum dramatische Folgen. Der Rock machte sich wieder auf dem Weg nach unten und zierte dann meine Fußknöchel.
Mittlerweile geübt im schnellen hochziehen der Beinkleidung, meisterte ich diese Situation in einer sagenhaften Geschwindigkeit, die mir sonst keiner mehr zugetraut hätte. Zur Sicherheit stopfte ich den unteren Rand des Pullovers in dem Bund des Rocks. Welche Auswirkungen dies auf den Gesichtern der Kaufhausgäste hervorrief kann ich nicht beurteilen. Den Blick nur nach vorn gerichtet stürmte ich mit traumwandlerischer Sicherheit dem nächsten Modegeschäft entgegen. Jede Frau, egal welchen Alters, hat ein besonderes Gespür für das Auffinden von Bekleidungsgeschäften und vor allen Dingen Schuhläden. Diese Eigenschaft wurde ihnen schon in der Wiege gelegt. Diese Gene habe ich komplett übernommen. Fast jeder Mann verzweifelt in dieser Situation, da sich der Geldbeutel bei einer groß angelegten Shoppingtour immer übersichtlicher wurde.
Mit geübtem Blick (jahrzehntente Erfahrung) suchte ich nun die Strumpfabteilung. Ich wurde sehr schnell fündig. Mit vier Personen betraten wir das Strumpfparadies, und suchten einen adäquaten Strumpfersatz. Sina beteiligte sich nicht an der Suche. Ergo war von ihrer Seite keine nennenswerte Hilfe zu erwarten. Immer, mit einer Hand den Rock haltend, durchsuchte ich sämtliche Strumpfständer, meine Weggefährtinnen ebenfalls. Ich entschied mich dann schließlich für die Hudson glamour 20 in der Farbe Teint zum Preis von 10 €. Das war dann also meine erste Anschaffung bzw. Geldausgabe im Königreich der Niederlande. Ich war davon überzeugt, dass dies nicht meine letzte war. Nun also zum Ausgang des Kaufhauses. Wollten wir zumindest. Wir fanden ihn nicht. Ohne Navi sind wir in dieser modernen Gesellschaft nun mal auf Neandertal-Status. Jedenfalls besichtigten und benutzten wir daraufhin alle Rolltreppen des Kaufhauses. Nur die arme Petra musste wegen Sina die Treppen nutzen. Was man anschließend auch hören konnte. Sie war reichlich außer Puste.
V&D hat wunderschöne Rolltreppen.
Bei einem Besuch dieser Stadt empfehle ich unbedingt die Benutzung dieser Transportmöglichkeit. Kurz um, der Aufenthalt auf diesen Rolltreppen warf unseren ganzen Zeitplan durcheinander. Nach einer uns endlos erscheinenden Zeit fanden wir endlich den Ausgang. Übrigens ganz in der Nähe wo wir das Kaufhaus betraten. Mit einem gewinnenden Lächeln auf den Lippen betraten wir nun die Fußgängerzone der Altstadt.
Doch Vorsicht, Hildegard wurde fast von einem Radfahrer überfahren. Hier in den Niederlanden wird man nicht von einem Auto überfahren, sondern von rücksichtslosen Radfahrern. Das also die nächste Erkenntnis. Wohin man auch schaute, links, rechts, vor uns, hinter uns, über uns (die letzten zwei Worte bitte streichen), ein Heer von Radfahrern. Auf Holländisch heißt Fahrrad übrigens "fiets". Auch die Bildung soll beim diesem Erlebnis nicht zu kurz kommen.
Unser nächstes Ziel war ein Café, wo wir nun in aller Ruhe, nach dem ganzen Stress, ein Getränk zu uns nehmen wollten. Außerdem musste ich ja noch meine Strumpfhose wechseln. Ein Riesenbetrieb in den Cafés erschwerte uns die Suche.
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Die ganze Niederlande schien auf den Beinen zu sein, bzw. auf den "fiets". Letztendlich war dann unsere Suche erfolgreich. Die Stühle "raubten" wir uns zusammen, und platzierten sie strategisch um einen Tisch herum. Selbst ist der Mann, pardon, selbst ist die Frau.
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Mit Erstaunen stellten wir dann fest, dass hier eine ganz andere Sprache als bei uns gesprochen wird. Mit "Deutsch" kamen wir hier nicht weit. Infolgedessen versuchten wir es mit Englisch. Und siehe da, es funktionierte. Bald zierte vor jedem Platz ein "Latte Macchiato" unseren Tisch. Nun endlich konnte ich meine neu erworbene Strumpfhose auf der Damentoilette wechseln. Es war auch Zeit, da die Laufmasche immer weiter nach unten wanderte. Der Rock hielt so einigermaßen, da Irmgard tatsächlich eine Sicherheitsnadel in ihrer Handtasche vorfand. Im insgeheimen schwor ich mir, beim nächsten Outdoorerlebnis im Mai, dieses Utensil mitzuführen. Dann ging es ans bezahlen. Auch hier die Amtssprache "Englisch".
Nun ging es nach dem unfreiwilligen Shopping-Erlebnis zu den kulturellen Sehenswürdig-keiten. Vielmehr wurden wir fast geschoben. Eine riesige Menschenmenge, alle von dem langen Winter "die Schnauze voll", lechzte nach Abwechslung, raus aus den eigenen vier Wänden. Da meine mich begleitenden " Gebetsschwestern" recht fromm sind, lag es nahe, der umliegenden Kirchen einen Besuch abzustatten. Erste Kirche war die "Dom-Kerk".
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Zweite Kirche "St.Willi-Brordkerk".
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Dritte Kirche "Pieters-Kerk". Alles wunderschöne Kirchen mit herausragender Architektur und schöner Innengestaltung. Alles besser als meine halbfertige Ikea-Küche. Nur die Bestuhlung war etwas hart. Eines ist mir sofort aufgefallen, neben den Sitzplätzen war ein sehr kleiner Raum (Platz für eine Person) mit einem außen liegendem Sitzplatz. Unsere auf diesem Gebiet sehr sachkundige Hildegard (sie ist im katholischen Glauben erzogen worden), lieferte sofort die Erklärung, (für die für mich im evangelischen Glauben erzogene Person. Dies ist der Raum wo man seine Sünden beichten kann, berichtete sie (Hildegard). Da könnte ich (Hildegard) hineingehen und meine Missetaten dem Priester beichten. Meine Antwort: Soviel Zeit haben wir heute nicht. Mir müssen ja schließlich heute Abend wieder zu Hause sein. Das Gesicht Hildegards hättet ihr sehen müssen. Nun machten sich aber unsere Mägen langsam bemerkbar. Was war naheliegender als den heimischen Fischmarkt zu besuchen. Genaue Bezeichnung: Market Vredenburg.
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Der Markt Vredenburg ist der größte Markt in der City von Utrecht. Dieser Markt offeriert frischen Fisch, Fleisch, Syrup Waffles, Obst und andere frische Lebensmittel.
Mir lief das Wasser im Munde zusammen. Die herrlichsten Köstlichkeiten wurden hier angeboten. Wir entschieden uns alle für Kibberlinge (Fritierter Seelachs) in Knoblauchsauce. Da wir uns letztendlich alle für die Knoblauchsauce entschieden hatten, konnte sich keiner über den penetranten Knoblauchgeruch des anderen beschweren. So einfach kann die Lösung sein. Sina (Cocker-Hündin) entschied sich für Kieler Sprotten. (Mittlerweile ihre absolute Lieblingsspeise), die Flachland-Tiroler aus dem hohen Norden kennen das. Ich gehöre auch dazu.
http://de.wikipedia.org/wiki/Kieler_Sprotte
Diese Spezialität wurde natürlich ohne Knoblauchsauce angeboten. Sina war also die einzige Person äh Lebewesen welches hinterher keinen Mundgeruch verbreitete. Ich hatte den Eindruck, das Sina angewidert ihr Maul abwendete wenn man mit ihr sprach.

Weiter ging es zum Blumen und Pflanzenmarkt. Genaue Bezeichnung: "Flowermarket Oudegracht". Ich persönlich hege kein sonderliches Interesse für "Grünzeug". Kann man ja nicht essen. Aber eines muss man sagen. Eine wunderbare Farbenpracht bei wunderbarstem Wetter.
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Nachdem unsere Augen farbenmäßig positiv verwöhnt wurden, ging es zur "Maartensbrug".
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Die Maartensbrug, die älteste Brücke über die Oudegracht, war aufgrund ihrer Nähe zum Fischmarkt jahrhundertelang ein geschäftiger Ort und wurde wahrscheinlich bereits im 10. Jahrhundert gebaut. Damals war es eine Holzbrücke, die 1404 in eine Brücke aus Stein umgebaut wurde.
Zurück ging es dann über die "Key shopping area", eine eindrucksvolle alte Einkaufsstraße mit vielfältigen Geschäften aller Art die jeden Wunsch erfüllen kann. Kurzum, ein wahres Einkaufsparadies. Und alle Geschäfte hatten, trotz des späten Nachmittags, noch geöffnet.
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Mittlerweile taten mir meine Füße schon ausgesprochen weh. Gut war, dass ich Schuhe mit relativ niedrigem Absatz angezogen hatte.

Ich wandere ja eigentlich ganz gerne. Früher bin ich ja dem Wanderverein "Die Wandervögel e.V" beigetreten. Bin aber nicht lange dabeigeblieben. Es wurde nur gewandert.

Nach einem langen und anstrengenden Tag ging es zurück zum Parkhaus mit dem dazugehörigen Einkaufscenter. Zum Glück hat Petra ein ausgezeichnetes Orientierungs-gefühl. Ebenso war uns ihr Smartphone mit eingebautem Navi eine wunderbare Hilfe. Petra fragte mich spitzbübisch, ob ich noch Lust hätte weitere Rolltreppen kennenzu-lernen. Dem konnte ich aber nichts positives mehr abgewinnen. Wir erreichten den Kassenautomaten der 10 € für das Parken verlangte. Jetzt kam die nächste Schwierigkeit, Bargeld nahm der Automat nicht an, Niederländisch konnte keiner von uns ( Selbst Petra kann nur goedendag, goeden morgen, goedenavond, welterusten und Dank je wel). Stolz wollte ich die Parkgebühr mit meiner Bankkarte bezahlen, was der Automat aber nicht akzeptierte, ergo strapazierte ich meine gesamte Kreditkartensammlung, ohne Erfolg. Die Menschenschlange hinter uns wurde größer und größer. Warum er so manche Karte nicht annahm, entzieht sich meiner Kenntnis. Oder sagen wir es mal so, nach drücken eines Knopfes, konnte man in einem Feld die Sprache auswählen. Und siehe da jetzt akzeptierte auch die Kreditkarte. Jetzt wollten wir nix wie raus aus der Stadt. Was sich wiederum als nicht ganz einfach herausstellte. Das Navi spielte auf Grund der Baustellen wieder verrückt, so dass wir nicht ganz freiwillig weitere Stadtteile kennenlernten. Das Rotlichtmilieu ließen wir links liegen. Ohne große Zwischenfälle, und ohne Staus fuhren wir dann auf der Autobahn wieder unserer Heimat entgegen. In Hildegards Wohnung verwandelte ich mich wieder zurück. Irmgard setzte ich als nächstes zu Hause ab und dankte ihr für die tolerante Teilnahme an diesem wunderschönen Tag. Petra fuhr ich dann ebenfalls nach Hause, und verbrachte noch einen geruhsamen Abend mit gemütlichem Beisammensein.
Dieses war nun unser erstes Outdoorerlebnis in diesem Jahr und gleichzeitig unsere Jubiläumsveranstaltung (zehntes Erlebnis). Viele weitere werden noch folgen.
Es gibt noch viel zu tun. Packen wir es an.

Monika, Reise und Touristik GmbH