Da ich selber als Bundesfreiwilligendienst in einem Pflegeheim arbeite, schätze ich mal, dass es schwierig einzuschätzen ist, zumal man durch diese Erfahrung auch selber einen Einblick in die Arbeitsstelle bekommt.
Ich kann zwar nicht für alle Einrichtungen sprechen, schätze aber mal, dass die Arbeitseinstellung ungefähr sich ähnelt in den meisten Einsatzstellen aufgrund der Vielfalt an verschiedenen Pflegern.
Ich vermute mal, dass es für das Pflegepersonal eventuell nicht schwierig ist Crossdressing innerhalb der Einrichtung zu akzeptieren, da es weitaus unangenehmere Angelegenheiten gibt als so etwas. Hängt natürlich in den meisten Fällen auch von den einzelnen Pflegern ab, grundsätzlich schätze ich meine Kollegen als tolerant ein und würde auch sagen, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass auch in anderen Einsatzstellen die Toleranz höher sein könnte als man selber erwartet. Es ist ein Job, klar, und das Geld steht bei manchen auch oftmals im Vordergrund als die eigentliche Arbeit - dennoch gibt es viele Altenpfleger, welche auch aus Überzeugung dort arbeiten und die findet man auch eher in den Chefpositionen wie Pflegefachkraft als die ohnehin unmotivierten.
Und letztendlich kommt es eher auf diese Leute an, da sie den Ton angeben - da sind dann Lästereien von untergeordneten Kollegen, die ohnehin für ein paar Monate bleiben oder nur paar Jahre, irrelevant, finde ich.
Generell ist die Sache aber situationsabhängig.
Ich werde es nicht beschönigen, dass man ohnehin schon verloren hat, wenn man unter starker Demenz leidet oder von vornerein auf Konflikt mit dem Pflegepersonal aus ist und Kleinigkeiten zu Elefanten gemacht werden. Je mehr Umstände ein Bewohner macht, umso unschöner wird die Sache für beide Parteien und resultiert meistens dann auch darin, dass Wünsche weniger berücksichtigt werden oder wenn dann auch nur unter Duldung nach außen hin.
Und ich kann es leider auch nachvollziehen, da ich ohnehin schon ein verständnisvoller, sozialer Mensch bin, wo andere sagen würden, dass ich vielleicht zu engagiert wäre. Manchen Leuten kann man leider nicht mehr helfen, was zwar oft durch tragische Erkrankungen oder gravierende Schicksalsschläge der Fall ist - leider kenne ich aber auch Menschen im hohen Alter, welche zwar zum großen Teil gesund sind und auch hervoragend in der Lage sind ein halbwegs normales Leben zu leben, letztendlich sich aber stets undankbar zeigen und mich am liebsten anzeigen wollen, wenn ihnen das Brot auf dem Teller zu trocken ist, wofür weder ich als Helfer etwas für kann noch die Küche, da ein Altenheim nun mal auch kein Luxushotel ist und der Zeitplan regulärer Pflegekräfte ohnehin schon knapp bemessen ist. Gerade weil es an gutem Fachpersonal und Zahlungsmitteln von Seiten des Staats mangelt, haben ja viele Pflegeheime auch Probleme die Bedürfnisse aller Bewohner zu erfüllen.
Um die Sache aber positiv abzurunden, kann ich aber auch sagen, dass die Bewohner, die jetzt nicht überwiegend negativ auffallen aufgrund von unangebrachter Unhöflichkeit oder durch vermeidbare Stresssituationen, die sie dem Personal bereiten, eigentlich von jedem von uns freundlich und auch menschenwürdig behandelt werden. Das gilt wohlgemerkt auch für Demenzerkrankte und Menschen mit anderen Erkrankungen - von daher ist die Liste der Personen, die bei uns eher gemieden werden, wenn es möglich ist auch auf vielleicht gerade mal 2-3 Extremfälle beschränkt bei einer Etage mit knapp 40 Bewohnern.
Daher sehe ich es positiv und denke mir immer, dass das Pflegepersonal mit hoher Wahrscheinlichkeit ganz andere Probleme hat als Männer, die darauf bestehen Frauenkleidung tragen zu dürfen und froh sind, wenn besagte Personen einfach ganz entspannt ihren Alltag verbringen ohne große Problematiken zu verursachen.
