Französische Impressionen 2
Bateau peche promenade
Peche promenade ist hier unten in Südfrankreich eine gebräuchliche Wortkombination für die gemütlichen kleinen Motorboote, die zu Hunderten in den Häfen liegen, jedes so um die 22 bis 25 Fuß lang (6-7 m), die meisten davon mit einem kleinen tuckernden Marinediesel versehen, viele davon mit einer separaten Kabine für die Fahrgäste, und rechts etwas abgetrennt und erhöht, der Fahrerstand. Das sind richtig geräumige und stabile Fischerboote, aber zum Fischen nimmt man sie heute nicht mehr.
Peche promeade. Wie der Name sagt, kann so ein Boot zum Angeln, Fischen, aber auch bloß zum Spazierenfahren benutzt werden, eben für die promenade en mer, wie man hier sagt, natürlich immer mit GPS, Kompass und unter Landsicht, ("6 milles", das ist die Vorschrift) und mit der entsprechenden Sicherheitsausrüstung, schließlich will man auch wieder zurückfinden in den Heimathafen.
Frankreich ist von zwei Meeren sowie im Norden vom Ärmelkanal umschlossen, verfügt damit über eine unglaublich lange Küstenlinie und nennt sich zu Recht eine Seefahrernation mit seinen vielen Hafenstädten, jeder hat schon von den Korsaren von Saint Malo gehört. Beim Namen Brest denke ich fast automatisch an diese U-Boothäfen des letzten Weltkriegs, bekannt aus den Filmen von Emmerich und Petersen ("das Boot"), und sofort meldet sich in meinem inneren Ohr das impertinente Geräusch des Sonar-Detektors in meinem Kopf.
Von La Rochelle und Saint Nazaire gingen die ersten Wellen französischer Auswanderer aus, die schon im 16. Jahrhundert Europa den Rücken kehrten und Amerika und Kanada besiedelt haben. In Toulon und Marseille sitzt heute die französische Kriegsmarine ("Force de Frappe").
Von Les Sables d"™Olonne am Atlantik geht neben andren Regatten alle 4 Jahre diese weltberühmte Hochseeregatta ab (das Golden globe race für Einhandsegler), die um den ganzen Globus führt und am Ende dann meistens von einem Franzosen gewonnen wird. Bernard Moitessier, Eric Tabarly, jedes Kind kann dir hier diese Namen buchstabieren, das sind Seeleute und es sind auch HELDEN.
Auch hier unten im Süden brauchst du ein Boot, denk nur mal an die Hitze der Sommermonate. Ich für mich meine mit "Boot" heute nichts großartiges mehr, kein Segler, keine Yacht. Inzwischen bin ich angekommen bei der Klasse der kleinen Motorschiffe um die sechs bis 8 Meter, eben die typischen Fischerboote. Liebte ich früher die schnellen Segler, so sind es heute die beschaulichen alten Fischerboote, die mich faszinieren. Fischerboote siehst du hier an jeder Ecke, an den Küsten, auf den Flüssen und auf den Kanälen.
Schau dir nur mal die Yachthäfen an der Mittelmeerküste an, ich muss da keine Namen nennen, denn Agde, Sete, Gruissan oder Saint Tropez kennt doch wohl jeder, und was hier an Millionenwerten in den Häfen herumsteht an Yachten um die 30 Fuß und mehr, hat wohl noch niemand gezählt außer dem französischen Finanzamt.
Solch ein Schiff brauche ich heute nicht mehr. Auch Valerie war in ihren jüngeren Jahren in der Segler-Szene aktiv, und besitzt von daher eine Lizenz zum Führen von Yachten unter Segel oder Motor bis 15 Meter Länge, sowie den deutschen Motorbootführerschein, erworben am deutschen Bodensee , und auch heute noch gültig an der Küste und auf Binnenwasserstraßen.
Damit wären wir bei peche promenade angelangt. So ein Boot besitze ich heute, und darauf bringe ich heutzutage einen guten Teil meiner hiesigen Freizeit zu. Es ist ein über vierzig Jahre altes Fischerboot der französischen Marke Jeanneau, und es besitzt einen 80 PS starken Dieselmotor, der schon über 3300 Stunden auf dem Buckel hat und entsprechende Pflege verlangt, Es ist ein Marine Diesel der Marke Perkins, Baujahr 1980, er ist alt aber nicht klapperig, ich pflege ihn selbst mit einem Freund zusammen, der Profi ist und den Mechaniker-Beruf richtig erlernt hat. Inzwischen kann man sagen, wir kennen diesen Motor inwendig und auswendig.
Für den Unterhalt dieses Boots und speziell für die Reparaturen dieses Motors gebe ich viel Geld aus, aber ich mache das gerne. Das Boot liegt an seinem eigenen Liegeplatz am hiesigen Kanal-Hafen , der Platz gehört der VNF (voies navigables francaises), das ist die Organisation, die für den Unterhalt der französischen Binnen-Wasserstraßen verantwortlich ist. Der Platz muß von mir unterhalten werden, aber trotzdem bezahle ich Platzmiete an die VNF, es ist eher ein symbolischer Betrag, und ich bezahle das Geld gerne.
So wurde ich hier unten in Südfrankreich zum Binnenschiffer, sozusagen. Wenn es euch interessiert, kann ich demnächst einiges mehr aus diesem Leben erzählen. Eventuell interessiert auch, in wieweit mein Leben als CD zusammenpasst mit meinem Leben auf und mit dem Boot.
Valerie
