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Re: Der Stein rollt
Verfasst: Do 7. Jan 2016, 13:40
von ChristinaF
Lass dich drücken, Mädl.
Alles Gute dir auf deinem weiteren Weg.
Ich freu mich mit dir.
LG
Christina
Re: Der Stein rollt
Verfasst: Do 7. Jan 2016, 13:47
von Anne-Mette
Moin,
in der Tat - das Jahr fängt für Dich gut an
Glückwunsch!
Herzliche Grüße
Anne-Mette
Re: Der Stein rollt
Verfasst: Do 7. Jan 2016, 15:05
von Sabrina.P
Wünsch dir alles Gute Anke! Super!

Re: Der Stein rollt
Verfasst: Do 7. Jan 2016, 20:00
von Bianca D.
Moin Anke,
perfekt!
LG Bianca
Re: Der Stein rollt
Verfasst: Mo 18. Jan 2016, 18:36
von Anke
Hallo,
vor ein paar Tagen habe ich glückselig von der Zusage meiner Krankenkasse zu meiner GAOP berichtet. Ich bin darüber immer noch sehr froh und habe auch gleich einen Termin macht. Am 3. März gehe ich ins Krankenhaus und die OP soll am 4. März durchgeführt werden. Bis es soweit ist, zähle ich die Tage.
Mit der Zusage der Kasse und der Vereinbarung des Termins hat sich in meinem Kopf etwas verändert. Gerade so, als hätte das einen Schalter umgelegt. Ich versuche mal es zu beschreiben, was ich gar nicht so einfach finde. Ich hoffe, ich finde die richtigen Worte.
Seit einiger Zeit habe ich mich selbst als Transfrau bezeichnet. Ich fand, dass der Begriff gut zu mir passt und in gewisser Weise war ich auch stolz darauf. Und die ganze Zeit hatte ich die Vorstellung, mit diesem Begriff bis ans Ende meiner Tage zu leben.
Diese Vorstellung ist jetzt weg und ist dem Gedanken gewichen, dass ich mich nach der OP nur noch als Frau bezeichne. Mich hat das sehr überrascht, das hätte ich nicht erwartet. Aber der Gedanke und das Gefühl, beides war plötzlich da und beides scheint richtig.
Die OP habe ich immer als einen von vielen anderen Meilensteinen auf meinem Weg gesehen. Die Outings, der Beginn der HRT oder die Änderung von Namen- und Personenstand waren wichtige Wegmarken. Doch irgendwie scheint die OP auch emotional herauszuragen. Und ich empfinde sie gewissermaßen als Schlusspunkt meiner Transition, auch wenn es noch einiges zu tun gibt.
Damit möchte ich keinesfalls meine Transsexualität verleugnen oder verheimlichen. Ich habe das bisher offen gelebt und werde das auch weiter tun. Aber sie wird wohl eine immer geringere Rolle in meinem Leben spielen, auch wenn sie mich immer begleiten wird. Ich möchte auch nicht so verstanden werden, dass ich den Begriff Transfrau plötzlich ablehne. Ich finde, dass es ein guter Begriff ist. Er hat gut zu mir gepasst und mir gut getan. Ein Stück weit hat er mich getragen und mir auch Kraft gegeben. Doch bald scheint es Zeit zu sein, dass ich ihn zur Seite lege.
Rational kann ich das alles nicht erklären und will es auch gar nicht erst versuchen. Ich vertraue da einfach meinen Gefühlen.
Gleichzeitig hat sich in meinem Kopf auch ein begrifflicher Pfropfen gelöst. Oft habe ich Sätze gelesen wie "wird eine Frau", "lebt jetzt als Frau" sowie die dazugehörigen Proteste die sich in Formulierungen wie "war schon immer eine Frau" geäußert haben. Ich hatte immer das Gefühl, dass da etwas nicht stimmt, doch ich konnte es nicht auflösen.
Für mich, und nur für mich habe ich es lösen können. Und ich möchte darum bitten, das nicht zum Anlass für eine Begriffsdiskussion zu nehmen. Wenn das jemand anders sieht, dann respektiere ich das.
Den Satz "war immer schon eine Frau" formuliere ich für mich um in: "Ich war immer schon weiblich." Denn das ist genau das, was ich empfinde. Eine Frau musste ich erst werden, so wie jedes andere Mädchen auch. Beziehungsweise bin ich immer noch dabei und der Prozess wird vermutlich nie wirklich enden. Im Gegensatz zu einem Mädchen, das mit einem weiblichen Körper geboren wurde, hat zu meinem Prozess des Frau Werdens eine körperliche Veränderung gehört. Aber das ist nur ein Teil, wenn auch ein sehr wichtiger. Genauso wichtig finde ich ist es, meinen Stil und Ausdruck als Frau zu finden, mich als Frau zu erleben und auch auszuprobieren. Eben meine weibliche Persönlichkeit zu entwickeln.
Deshalb habe ich mich auch mit der Formulierung "lebt als Frau" ausgesöhnt. Natürlich bin ich weiblich und so langsam auch eine Frau. Aber das braucht eben seinen Ausdruck und das ist das, was ich jetzt meine, wenn ich sage, dass ich jetzt als Frau lebe. Mein Inneres, meine Weiblichkeit kommt jetzt nach außen und wird sichtbar, indem ich als Frau lebe.
Irgendwie ist das alles durch die Zusage der Kasse ausgelöst worden. So, als wäre ein lang angestauter Damm gebrochen.
Liebe Grüße
Anke
Re: Der Stein rollt
Verfasst: Mo 18. Jan 2016, 18:51
von Bianca D.
Moin Anke,
ich kann deine Gedanken sehr gut nachvollziehen. Mir ging es da ganz ähnlich bzgl der Begriffe Transfrau/Frau usw. Deine Beschreibung im vorletzten Absatz bzgl. der Weiblichkeit hast du wirklich gut getroffen. Danke,das hat mir noch eine neue Sichtweise auf meine Vergangenheit eröffnet.
Für deine OP wünsche ich dir alles Gute und das alles so wird,wie du es dir erträumt hast.
LG Bianca
Re: Der Stein rollt
Verfasst: Di 19. Jan 2016, 03:43
von Beatrix
Glückwunsch, zur Zusage der GaOP durch die KK.
Da ich auf den vorherigen Seiten beim querlesen nichts gefunden habe, frage ich mich, wo Du die GaOP machen lassen willst (und warum da) ?
Liebe Grüße
Beatrix
Re: Der Stein rollt
Verfasst: Di 19. Jan 2016, 07:57
von Anke
Hallo,
erstmal lieben Dank an alle, dass ihr euch mit mir freut. Tut gut!
@Beatrix: ich lasse es in Tübingen machen. Über die Gründe im einzelnen schreibe ich dir eine PN.
@Bianca: vielen Dank und gern geschehen. Auch wenn ich dazu keine Diskussion anzetteln wollte ( wenn würde ich das eher in einem gesonderten Thread tun), ein klein wenig hoffe ich, dass das was ich geschrieben habe, auch Denkanstöße gibt.
Liebe Grüße
Anke
Re: Der Stein rollt
Verfasst: Di 19. Jan 2016, 08:22
von Magdalena
Hallo Anke!
Ich wünsche Dir für die bevorstehende OP viel Glück.

So wie Du Deinen Gefühlen Ausdruck verleist, mit der Weiblichkeit und Frau sein, gefällt mir.
Da steckt viel wares dahinter, abseits der Begriffsdefinitionen. Selber bin ich ja auch keine Freundin der Definitonen, da sich Gefühle nicht in Schubladen schieben lassen.
Viele Grüße Magdalena
Re: Der Stein rollt
Verfasst: Di 19. Jan 2016, 08:39
von Tatjana_59
Hallo Anke,
Herzlichen Glückwunsch

Der Stein rollt unaufhaltsam weiter.
Dein letztes Posting gefällt mir ausgesprochen gut, finde ich mich selbst darin wieder.
Speziell in Transfrau und Frau, was war ich, was bin ich, was werde ich sein?
Ich habe zu meinem Therapeuten mal gesagt.
Ich mag das Transenlaufen nicht, ich mochte für mich nur die Frau sein die ich schon immer war. Und das so u auffällig wie möglich.
Den Satz hat er tatsächlich so ähnlich ins Gutachten geschrieben für die VA/Pa.
Es ging um einen Stammtisch mit anschließendem gemeinschaftlichem Shopping. Mir hat vor dem Gedanken gegraut, zu acht oder zehnt die Geschäfte zu stürmen.
Ich bin Frau, wenn auch noch nicht ganz so weit wie du.
Wenn ich nach meinem Geschlecht gefragt werde gebe ich ja auch nicht Trans* an.
Gruss Tatjana
Re: Der Stein rollt
Verfasst: Di 19. Jan 2016, 09:54
von Sabrina.P
Danke Anke, ich denke du hast es sehr gut ausgeführt! Schöner Text!
Re: Der Stein rollt
Verfasst: Di 19. Jan 2016, 12:23
von Frida
Hallo Anke,
da ich dein Rollen gerne immer mitverfolgt habe, freu ich mich jetzt für dich, dass du die Zusage so schnell bekommen hast. Das ist leider nicht selbstverständlich und manch Eine hat ganz schön zu kämpfen. Du bist ja auch eine sehr zielstrebig Flotte. Wenn ich bedenke, dass du dich ein halbes Jahr nach mir hier angemeldet hast, wobei ich jetzt nicht mehr genau weiß, wie weit du da schon gewesen warst.
Bei mir rollt es etwas langsamer ( bin ja auch was älter, hihi). Jede hat so ihre eigene Geschwindigkeit und je nach dem in welcher Lebenssituation sie steckt. Ich muss immer schauen, dass meine Liebste mir auch folgen kann, weil ich sie nicht verlieren möchte. Da muss ich auch schon mal warten oder ein Schritt zurück machen. Aber ich bleibe am Ball und habe schon viel erreicht.
Ich hatte mich mit dem Beginn meiner Outingphase immer als weiblich erklärt, weil es das ist, was ich schon immer empfinde, auch wenn ich es früher nicht erkennen konnte, dass es so war und ich mich einfach "anders" dachte, fühlte. Heute weiß ich, dass ich schon immer weiblich bin und eben eine transsexuelle Frau.
Wenn ich mich ganz stimmig fühle, werde ich nur noch Frau sein....egal welche körperlichen oder sozialen Veränderungen ich vorgenommen habe.
Entscheidend ist doch, was ich denke und fühle und wie es mir dabei geht oder?!
Alle Gute weiterhin für dich!
Liebe Grüße, Frida
Re: Der Stein rollt
Verfasst: Di 19. Jan 2016, 13:18
von Bianca D.
Anke hat geschrieben: Über die Gründe im einzelnen schreibe ich dir eine PN.
Moin Anke,
ich denke,es wäre für Betroffene, die noch auf der Suche nach dem richtigen Operateur sind,ganz hilfreich,wenn du deine Beweggründe für deine Wahl hier so weit wie möglich veröffentlichen würdest,sofern es für dich kein Problem darstellt.
Anke hat geschrieben: ein klein wenig hoffe ich, dass das was ich geschrieben habe, auch Denkanstöße gibt.
Nun,das ist doch wohl der Sinn des Austausches hier in diesem Forum o.ä.... Danke!
LG Bianca
Re: Der Stein rollt
Verfasst: Di 19. Jan 2016, 14:15
von ChristinaF
Mensch Mädl, ich freu mich ja so mit dir. Ich wünsche dir, dass alles gut läuft und du dann endlich so leben kannst, wie du es dir immer schon gewünscht und herbei gesehnt hast. Alles Liebe und ich drück dich ganz fest.
Liebe Grüße
Christina
Re: Der Stein rollt
Verfasst: Di 19. Jan 2016, 15:14
von Anke
Hallo,
@Bianca: bei den Gründen für die Wahl des Operateurs bin ich sehr zurückhaltend. Da gehen die Emotionen sehr schnell nach oben. Aber ich versuche es mal ein wenig allgemein darzustellen:
Starten möchte ich mit etwas Konkretem. Meine erste Wahl wäre Suporn in Thailand gewesen. Leider zahlt meine Kasse das nicht und das selbst zu bezahlen schaffe ich gerade nicht. Deshalb lasse ich es in Deutschland machen.
Ich habe dann eine Vorauswahl getroffen. Ausschlaggebend für die Vorauswahl war zum einen die angewandte Methode und zum anderen die Reputation des Operateurs. Letzteres ist das schwierigste. Es gibt praktisch so gut wie keine objektive Daten. Deshalb hab ich auf sämtlichen Plattformen die Berichte gelesen und mich mit der einen oder anderen auch ausgetauscht. Die Berichte im Netz finde ich in vielen Fällen sehr problematisch und schwer einzuschätzen. Ich habe mir immer die Frage gestellt, wieviel Wahrheit und wieviel Übertreibung steckt in einem Bericht. Ist etwas schief gelaufen, weil der Operateur Mist gebaut hat oder hat die Person sich einfach falsch verhalten? Damit habe ich mich schon beschäftigt, als für mich noch gar nicht klar war, ob ich den Schritt gehe oder nicht. Allein die Recherche ist enorm zeitaufwändig und ich musste mir immer Zeit geben, das Gelesene zu verdauen und einzuordnen.
Mit der Vorauswahl habe ich die Zahl der für mich in Frage kommenden Operateure bereits deutlich reduziert. Ich habe mir dann Gesprächstermine besorgt, um mir einen persönlichen Eindruck zu verschaffen. Da hat für mich weniger eine Rolle gespielt, ob ich den Operateur nett finde. Mir war vor allem wichtig, dass er mir meine Fragen beantwortet und auch mit kritischen Nachfragen vor allem im Hinblick auf Risiken kompetent umgeht. Das habe ich auf mich wirken lassen und mich entschieden, wobei am Ende auch die mögliche Wartezeit eine Rolle gespielt hat.
Keine Rolle hat die räumliche Nähe gespielt. Das Tübingen bei mir praktisch direkt um die Ecke ist (30 min Fahrzeit) ist ein angenehmer Nebeneffekt, über den ich mich natürlich freue.
darstellt.
Bianca hat geschrieben:Anke hat geschrieben:ein klein wenig hoffe ich, dass das was ich geschrieben habe, auch Denkanstöße gibt.
Nun,das ist doch wohl der Sinn des Austausches hier in diesem Forum o.ä.... Danke!
Da bin ich ganz deiner Meinung. Leider gerät das manchmal in Vergessenheit.
@Frida: Vielen Dank für deine lieben Worte. Mit meinen Entscheidungen habe ich mir viel Zeit gelassen, vielleicht mehr, als hier sichtbar wird. Als ich mich dann entschieden habe, da habe ich angefangen es auch zügig umzusetzen. Das ist eben meine Art und so gehe ich mit den Dingen um. Und wie Du auch schreibst, jede hat ihre Geschwindigkeit. Ich mag es so und damit fühle ich mich auch wohl. Erleichternd kam hinzu, dass meine Partnerin da ganz ähnlich gestrickt ist wie ich.
Frida hat geschrieben:Entscheidend ist doch, was ich denke und fühle und wie es mir dabei geht oder?!
Das sehe ich genauso. Für mich war und ist entscheidend, dass es mir gut geht. Jahrzehntelang ging es mir sehr schlecht und ich stand auch oft kurz vor dem Abgrund. Da möchte ich nicht mehr hin. Das lag auch daran, dass ich mich von anderen in bestimmte Entscheidungen habe hineindrängen lassen. Wer mich heute erlebt, kann sich das vermutlich kaum vorstellen. Aber davon musste ich mich erst einmal befreien und lernen, auf mich selbst zu hören. Das bedeutet nicht, dass ich andere Meinungen und Standpunkte ignoriere, ganz im Gegenteil. Aber am Ende treffe ich die Entscheidung und da stelle ich mir immer die Frage, ob es mir damit gut gehen wird. Bis jetzt hat das auch gut funktioniert.
Nochmal lieben Dank an alle, die sich mit mir freuen und mich hier begleiten. Mir bedeutet das wirklich sehr viel. Lange Zeit habe ich mich oft sehr alleine gefühlt und wusste nicht, wo ich hingehöre. Das hat sich geändert und auch ihr habt, neben anderen lieben und tollen Menschen, einen wichtigen Teil dazu beigetragen.
Liebe Grüße
Anke