Seite 7 von 15

Re: Aus dem Alltag von Inga

Verfasst: Mo 28. Apr 2014, 18:16
von Stephanie
Hallo Inga,

einfach Klasse, Deine Berichte. Macht Spaß sie zu lesen.
Weiter so (ap)

LG
Steffi

Diese Leidenchaft in mir ...

Verfasst: Mi 30. Apr 2014, 14:21
von Inga
Diese Leidenschaft in mir, wie sol ich sie beschreiben?
Vielleicht so:

"Es gibt Tage, da möchte ich
anders sein! "

- Halt - Ne, da bin ich die gleiche Person.
Etwas anderes ist anders. Da doch besser so:

" Es gibt Tage, da möchte ich mich
anders zeigen."

Kommt gut in den Mai

Liebe Grüße
Inga

Alltag an der Tankstelle

Verfasst: Fr 2. Mai 2014, 10:01
von Inga
Hallo, miteinander,

was will ein Mensch ohne Auto am frühen morgen bei der Tankstelle - Natürlich die einzige Gelegenheit weit und breit nutzen, um zum morgentlichen Kaffee und Brötchen zu kommen.

Die Frau an der Kasse war freundlich und gut gelaunt. Ungewohnt war ihre Stimme war so männlich tief und sie wirkte etwas burschukos. Auch eine von uns? Was soll 's! Ist doch nicht wichtig für die arbeit. Ich doch nicht wichtig für die Kunden. Irgendwie hat für eine Transitionauch so ein Arbeitsplatz etas für sich: Man hat dauernd etwas zu tun und kommt mit vielen Leuten in Kontakt.

Ich griff mir den bereit gestellten Kaffee und das Brötchen und ließ meine Gedanken sich wieder anderen, wichtigern, Dingen widmen.

Liebe Grüße
Inga

Aus dem Briefkasten

Verfasst: Mo 12. Mai 2014, 10:08
von Inga
Hallo, miteinader,

ein verlängertes Wochenende nicht zuhause gewesen, gab es wieder einiges im Briefkasten auszuräumen und durchzugucken. Viel Werbung, einige Rechnungen und manche nette Kleinigkeiten. Etwa diese:

Die Post lädt ein zu einem großen "Ladies Run" - 5 oder 10 km durch die innenstadt. Sollte ich da die enladung annehemn und mitmachen? Bevor ich darüber nachdenke, mitzumachen, sollte ich vielleicht erst mal im Kalender nachschauen, ob der Tag überhaupt noch frei ist ...

Eine Freundlin schickte mir eine Karte, das Motiv ein Vogel auf einem Käfig sitzend und dazu gedruckt die Worte "Eigentlich bin ich ganz anders, nur komme ich so selten dazu" (Ödön von Horvath) - Ups, wie passend! Könnte glatt mein Lebensmtto sein.

Liebe Grüße
Inga

Re: Aus dem Alltag von Inga

Verfasst: Di 20. Mai 2014, 00:15
von Inga
Was steht für Inga noch auf der To-Do-Liste der Dinge die sie schon immer mal wollte, bisher noch nicht gemcht hat, sich nicht getraut hat, sich keine Gelegen heit bot?

ein Wunsch von mir ist es , en femme baden gehen. Am strand liegen. Sonne genießen, dabei ein gutes Buch lesen und zwichendurch ab und an ins Wasser. Der Traum wird wohl noch eine Weile dauern, bis er Wirklichkeit wird. Doch einer der ersten Schritte ist ein Badeanzug oder Bikini. Bei meinem Bauch fällt die Entscheidung nicht schwer: einzteilig, einfarbig oder unregelmäßig gemustert. Ein Soderangebot von Lidl im Non-Food-Bereich ließ mich schwach werden und ich packte mir einen Badeanzug in passeneder Größe und Farbe in den Korb. Der Kassierer machte mich noch darauf aufmerksam, den Kassenbon für den Umtausch aufzuheben.

Am Abend zuhause bot sich leich die Gelehgenheit, das frisch erworbene Stück anzuprobieren. Ja, das gut dehnbare Material hat seine Vorteile. Vorteilhaft aber ist es auch, die Rundungen an Po und Brust mit den bekannten Mitteln zu verstärken: Es macht die Wirkung noch weiblicher, solange nichts übersteht oder herauslukt. Ja, dann noch etwas Feierabend-Makeup und Perücke. Schon fällt es mir im Spiegel weniger auf, dass die Ausschnitte für die Beine und die Brust sehr knapp geschnitten sind. Doch es trägt sich angenehm. Wenn dann noch die Haare über den Rücken streicheln - einfach wunderbar ..

Jetzt reizt es mich, an die nächsten Schritte zu denken: Wann und wo den lässigen Tag ausprobieren und so im Badeanzug an Strand und vor allem ins Wasser gehen? Gibt es einen besonders geschützten Strandbereich? Gibt es irgendwo in der Nähe einen Termin für T*-Schwimmen?

Schaun wir mal. Die warme Jahreszeit hat ja noch gar nicht so recht angefangen.

Liebe Grüße
Inga

Re: Aus dem Alltag von Inga

Verfasst: Di 20. Mai 2014, 08:36
von Andrea aus Sachsen
.
Hallo Inga,
erst einmal vielen Dank für deine aufschlussreichen Berichte!
Beim Baden en femme geht es mir ähnlich: Es steht zwar auch auf meiner Wunschliste, aber nicht an vorderster Stelle. Das wird wohl frühestens erst in der übernächsten Badesaison. Du bist mir da mindestens einen Schritt voraus, indem du schon die passende Kleidung dafür besitzt.
Bezüglich Trans-Schwimmen fällt mir ein Beitrag von Maria-Sophie ein: http://www.crossdresser-forum.de/phpBB3 ... =23&t=8376
Berlin ist zwar nicht gerade in deiner Nähe und der genannte Termin (24.5.) auch noch sehr kurzfristig.
Andererseits: Wenige Tage später ist Forumstreffen (hoffe, dich da wiederzusehen). Vielleicht eher anreisen?

Ein Wochenende beim CrossDresserTreffen

Verfasst: Mi 4. Jun 2014, 00:30
von Inga
Hallo, miteinander,

vier Tage mit und rund ums Crossdresserforumstreffen in Berlin liegen hinter mir. Und nun liegt es vor mir, darüber etwas zu schreiben, was ich dabei erlebte und wie ich es für mich empfand. Ja, ich bin noch ganz hin und weg und muss mir mühe geben, die Eindrücke zu sortieren und in worte zu fassen.

Mein Programmrahmen war ganz einfach: Ich fuhr mit Rad und Bahn nach Berlin, konnte so durch Stadt und Umland radeln und auch ein Zimmer in einem Hotel nehmen, das nicht nur bezahlbar sondern auch etwas abgelegen von den Touristenströmen durchs Zentrum lagen.

Also, am Donmnerstag, Himmelfahrtstag, früh aufgestanden, die letzten Sachen gepackt, schon einmal einfach vorgeschminkt, schnell noch die Brüste und Perücvke eingepackt und auf mit dem Rad zum Bahnhof. Mich fröstelte es so früh am morgen. Gut dass ich ein T-shirt-kleid schon untergezogen hatte. Und nun nicht so viele Gedanken, jetzt erst mal in den Zug. Da wird es schn wärmer sein. Der Fahrkartenautomat hakte, bevor er mir eine Fahrradkarte ausspuckte. Ich erreichte mühsam und im Dauerlauf meinen Zug, stieg beim Fahrradabteil schnell ein, stellte das Rad samt Gepäck ab und vereinnahmte die nächstliegenden Sessel in denen ich mich zusammengerollend erst mal die Gelegenheit nutzte, etwas von dem Schlaf der viel zu kurzen Nacht nachzuholen.

So ich muss auch erst aufpassen, dass mir die Nacht nicht wieder zu kurz wird. Morgen schreibe ich weiter.

Liebe Grüße
Inga

Re: Aus dem Alltag von Inga

Verfasst: Mi 25. Jun 2014, 12:42
von Inga
Hallo, miteinander,

nun ist der Bericht mit meinen Eindrücken vom Forumstreffen immer noch nicht weiter.

Etwas anderes möchte ich hier mit euch teilen:

Heute früh hatte sich vor Tau und Ta der Schornsteinfeger angekündigt. Ob mir das um diese Uhrzeit Glück bringt, weiß ich nicht so recht. zumindest habe ich ihn dann im Fitness-Dress empfangen: Microfaser Sweatjacke und Leggins in schwarz, Stil ziemlich unisex.

So, danach konnte der Alltag Platz nehmen. Nach Morgenkaffee, Morgenzeitung und Morgentoilette entschied ich mich, zu einer engen hellgrauen Hose ein T-shirt in altrosa und darüber eine weiße lange Bluse offen mit aufgekrempelten Ärmeln zu tragen, dazu Halstuch, Kette und die "Zweiten Haare" lang lockig offen (gut wenn man die Haarpracht nach Anlass und Stimmung wählen kann) , etwas Make-Up gegen den Bartschatten und schnell noch etwas Farbe für die Lippen. Gut so. Das genügt.

Alltag mit weiblicher Note. Das schafft mir trotz mancher Unahnnehmlichkeit, die auszusortieren gilt, entspannendes Gegengewicht.

Draußen am Himmel ziehen Schäfchenwolken vorbei, während ich mich Schreibtisch und Hausarbeit widme. In mir herrscht so eine richtig fröhlich-zufriedene Stimmung.

Jetzt wird es Zeit für die Küche. Mal schaun ob es was Gutes zum Mittag gibt.

Liebe Grüße
Inga

Sonntagseinkauf

Verfasst: So 6. Jul 2014, 23:55
von Inga
Hallo, miteinander,

vielleicht finde ich heute auf dem Flohmarkt ein schönes Sommerkleid?- dachte ich heute morgen und machte mich auf dem Weg. Da waren viele Stände, reichlich Publikum und - keine schönen Sommerkleider - und wenn doch, dann nicht in meiner Größe. Dennoch ging ich nicht mit leeren Händen nach Hause. Ich fand einen schönen dicken Winterponcho (oder heißt es Cape?), der richtig gut sitzt, einen Schal und zwei T-Shirts. Und das alles für weniger als eine stadtbusfahrkarte. Verkehrte Welt.

Vielleicht sollte ich im Januar auf dem Flohmarkt ein Sommerkleid zu kaufen suchen?!

Liebe Grüße
Inga

Re: Aus dem Alltag von Inga

Verfasst: Mo 7. Jul 2014, 12:34
von Saskia.shewulf
Hallo Inga
Hauptsache du gingst nicht ganz leer aus :wink:


Lg Saskia. ...die endlich mal wieder etwas Zeit hat für
das Forum


Seufz :?

CSD Parade in Hamburg

Verfasst: Di 5. Aug 2014, 00:32
von Inga
Hallo miteinander,

Samstag. Kurzfristig hatte ich mich entschlossen, doch zur CSD-Parade nach Hamburg zu fahren. Das Wetter versprach einen sonnigen Tag und ich wollte den Umzug mit U., einer Gleichgesinnten aus der Hamburger KISS-Gruppe erleben.

Früh wachte ich auf, duschte gleich und sorgte für gute Rasur und passendes unauffälliges Alltahgs-Make-Up. Dem Wetter passend wählte ich mir ein dünnes Sommerkleid mit Taschen und den Keil-Sandalen, die ich dies Jahr erst so selten getragen hatte. Noch schnell zu den Utensilien eine dünne Strickjacke in die Handtasche, diese mit den Sandalen, der langlockigen Perücke und Sillies in den Rucksack. Mach dir nicht zu viel Kopf um angemessenes Outfit. Bei solch einem Umzug kann es ja zur Not auch etwas übertrieben, etwas unstimmig sein. Es geht darum selber dabei zu sein. Schnell zog ich mir Hemd und Hose über und an den Füßen Sneaker. auf ging es zum Bahnhof und bald saß ich im Zug nach Hamburg, der sich unterwegs merklich füllte. Je näher an Hamburg, desto mehr Leute mit fantasievollem Outfit stiegen zu. Es gab eine drangvolle Enge in den Wagen, die an Sadinenbüchsen erinnert. Wenigstens die Toilette war frei und da nutzte ich die Gelegenheit, nicht nur die üblichen Geschäfte zu erledigen, sondern mich schnell umzugsgerecht en femme zu gestalten: Männerklamotten aus und in den Rucksack, sommerkleicdchen über, Sillies im BH plazieren, Haare ausschütteln, aufsetzen und etwas in Form zupfen, Schuhe mit Sandalen tauschen, und noch einmal nachschminken. Gerade rechtzeitig in Hamburg war Inga fertig und ging mit knallroten Lippen auf den Bahnsteig. Ich suchte nach einem freien Gepäckschließfach für den Rucksack. Für den Umzug und den übrigen Tag in Hamburg sollte mir die Handtasche über der Schulter reichen.

Um mich herum waren in der Wandelhalle nicht nur die üblichen Bahnreisenden, sondern mehr und mehr Leute, die sich auf die Parade einstimmten. In einer kleinen Boutique war ein Pärchen, das offenbar noch Schmuck zum Outfit suchten. Vor dem Schaufenster fragte mich ein Mensch im Sommerdress und langen weißen Haaren gleich, ob er meinen Busen anfassen dürfte. Wieso denn das , fragte ich mich. Dann die Fage von ihm, ob er echt sei. Ich überlegte: Natürlich ist er echt. Echt Silikon wollte ich noch hinterher hauchen. Da war er schon weg. Irgendwie hätte ich gerne ein paar Worte mehr getauscht mit jemanden, der etwas davon versteht. Doch Fehlanzeige. Naja, wenigstens gefragt hat er.

Es war noch Zeit zum Treffpunkt und Umzug. So ging ich noch in den Supermarkt, um eine Flasche Saftbrause zu kaufen. Es wird warm werden und ich sollte an solch einem Tag genug trinken. Im Laden waren zwischen den engen Regalen da zwei Jugendliche, die mir dann bis zu Kasse auf die Fersen folgten und sich in der Schlange süßlich begehrend lächelnd hinter mir anstellten. Irgendwie war es mir unangenehm und kurz bevor ich dran war, entschwand ich und schaute in den Regalen noch einmal schnell nach etwas Süßem. Die beiden waren etwas verwirrt, zahlten dann ihre sachen an der Kasse und entschwanden.

Draußen auf der Straße schien die Sonne. Ein leichter Wind wehte. Ich fühlte mich mit der Saftbrausenflasche in der Hand leicht und frei. Ungemein wohl so die Straßen zum Umzug in die Lange Reihe zu gehen. Auf meinen Unterarmen bemerkte ich noch die knallroten Reste einen heftigen Sonnenbrandes der letzten Tage und dazu den Kontrast der käsebleichen Oberarmen und Schultern. Ups, du musst etwas gegen Sonnenbarnd machen: Sonnencreme oder ein leichtes Tuch. Ich entschied mich innerlich fürs letztere und kaufte in einem Straßeneckenkiosk eine Regenbogenfahne, die mir als Schultertuch dienen sollte. Farblich passt es am besten. Um mich herum strömten die Massen in den Stadtteil. So die ganze Breite an Spektrum, die die LSBTI*-Szene so zu bieten hatte. Ich selber aber strömte den Leuten entgegen, um nach einigen Telefonaten (was wären wir ohne Handy und Smartphones) endlich U. an der Kunsthalle zu treffen. Wir brachten uns in Position am Straßenrand und ja- da - langsam aus der Langen Reihe kam die Vorhut: Ein Auto der Straßenverkehrspolizei und dann endlich die Spitze des Umzugs. Erinnernd und gedenkend an die Opfer und Verfolgten in vielen anderen Ländern und auch an die Freiheit, dass wir uns hier zeigen können und dies in unserem Land ohne Verfolgung auf der Straße feiern können.

Vor uns hatten sich die Menschen, die am Straßenrand auf langgestreckten Steinen Saßen erhoben und einige forderten uns auf, uns hiner sie auf die Steine zu stellen, damit wir etwas besser sehen können. solange wir nicht schubsten. Da kamen die ersten Wagen mit viel lärmiger Musik, mit vielen tanzenden und schunkelnden Leuten, manche phantasievoll gedressed, DragQueen ist da noch zu bescheiden, andere schlicht und sich freuen, einfach dabei zu sein. viele Gruppen und Grüppchen, auch solche mit speziellen Neigungen wie die SM.-Leute und manche innerlich sehr nahe stehenden, wie die T*-Leute, die um die Aufheb ung der trennenden Geschlechter warben. Werbung für die Ehe mit gleichen Rechten und Protest gegen Homophobie. Es war ein tolles Gefühl, so viele verschiedene Menschen vorbei ziehen zu sehen. Doch irgendwann wurde es uns zu anstrengend, nur zu stehen. Bei einer größeren Lücke reihgten wir uns mit ein und fan den uns hinter einem Wagen der FDP wieder. Welch eine Tarnung für mich! Da würde mich keiner vermuten! Der Zug zog vorbei am Hauptbahnhof und hinter Saturn in der Steinstrasse Richtung Rathausmarkt . An der Jakobuskirche nutzten wir eine kleine Abkürzung, um an einem Tisch vor einem Restaurant eine Pause für eine gute Tasse Kaffee einzulegen. Von unserem Tsich konnten wir erahnen wie die Spitze des Zuges sich nach der Ziwshcenstatio a Rathausmarkt über die Mönckebergstraße wieder zum Hauptbahnhof zog, um dort zur Alster abzubiegen. Für mich bot sich da auch die Gelegenheit für einen Besuch der Toilette, vor deren Damen-Teil sich schon eine kleine Schlange gebildet hatte. Wie selbstverständlch rückte die Schlange vor, und als ich dran war, machte mich eine andere Frau auf die gerade frei gewordene Kabine bei Damens aufmerksam.

Endlich erleichtert schauten wir noch von unserem Tisch auf den Zug und entscheiden uns noch näher heran zu gehen. O, es war voller geworden selbst auf den Gehsteigen. Neben uns waren im Publikum vier fotogene Feen mit weißen wehenden Kleidern und langen roten lockigen Haaren. Zwei der Feen hatten auffällig tiefe Stimmen. sonst aber gaben sie ein sher gleichmäßiges stimmiges Bild ab, das von vielen Passanten fotografiert wurde. Wir reihten uns wieder ein und nutzten hinter dem verdi-Wagen eine größere Lücke. Da sind zwei sommerlich gedresste Frauen sicher keine optische Störung des Gruppenbildes. Wir gingen noch mit über die Lombarsbrücke bis um die Binnenalster am Hotel "Vier Jahreszeiten", in dem ich glatt mal übernachten würde, wenn ich könnte, und endlich bis zum Jungfernstieg, wo sich der Zug auflöste, die Mitläufer zwischen den vielen aufgebauten Buden verschwanden und die Wagen sich zur Heimfahrt sammelten.
Wir entgingen dem Getümmel durch die Europapassage zu Karstadt und dort in die Cafeteria, um noch einige Kleinigkeiten wie Mattjes und Sauerfleisch zu essen: CSD-Parade macht hungrig. DFoch war es nicht nur der Hunger und der Wunsch, zu sitzen, Grund um etwas auf Distanz zum CSD-Geschehen zu gehen. Unterwegs bei der Parade gab es Leute, die mich etwas zu aufdringlich umarmten, mir in den Po kniffen und in die Haare griffen. Ob die Leute, die meine Kinder oder gar meine Enkel sein könnten, merkwürdige Begehrlichkeiten sexueller Natur hatten oder mir einfach nur mein Geld aus der Tasche mopsen wollten, konnte ich bei deren aufdringlichen Art nicht so recht fest stellen. Naja, Puder und Nagellack, Kreditkarte und Scheine waren noch da. Jedenfalls war das die unangenehmere Seite, von der ich mich nicht für den restlichen Tag herunter ziehen lassen wollte.

Nachdem unsere Teller geleert waren und unsere Füße abgekühlt waren, machten wir uns noch auf dem Weg zu den Landnungsbrücken. Ganz sicher konnten wir Elbwasser sehen und vielleicht noch Reste vom "Hamburg Cruise Day". Zwischen vielen Touristen schritten wir die Landungsbrücken ab und sahen uns alle möglichen Schiffe für Hafenrundfahrten und Ponton-Restaurants an. Wir schlenderten zurück und wollten am Baumwall wieder in die U-Bahn steigen. Tatsächlich kam auch ein recht gut gefüllter Zug. Doch es war dermaßen stickig, dass wir an der nächsten Station ausstiegen und durch die Straßen Richtung Hauptbnahnhof bummelten.

U. verabschiedete sich, "bis zu nächsten Mal" vielleicht wieder beim Treffen im Kiss oder halt in einem Jahr beim nächsten CSD. Ich überlegte auch in den Zug nach Hause zu steigen. Doch dann entschied ich mich, dem Park "Planten un Bloomen" noch einen Besuch abzustatten. Da fand sich direkt an den Teichen des Wassergartens noch ein freier, unbesetzter diser herrlichen Holzsessel, in den ich mich hinein kuschelte und - ups - ein Schäferstündchen hielt. Es war abend geworden. Es war unangenehm kühl an den Schultern. Ich nahm mir die dünne Jacke aus der Handtasche und zog sie über. So ist es spürbar besser.

Bald nach Sonnenuntergang wird noch die Wasserlichtorgel zu sehen und zu hören sein. In der Freiluftgaststätte Rosenhof bekam ich noch zur Stärkung die letzte Portion Pommes des Tages. Unter den Bäumen stehend betrachtete ich das Wasserfeuerwerk mit Farben und Musik. Diesmal im Hintergrund zwischen den Bäumen Feuerwerksraketen vom "Hamburg Cruise Day". Viele Menschen, Familien, die den Tag schon im Park verbracht hatten, waren auf den Wiesen rings um den See. die kinder stießen begeistert Freudenrufe über jedes neue Farbenspiel aus, so ehrlich fröhlich begeistert. Gegen halb elf wünschte uns der Sprecher noch eine guten Heimweg und eine gute Nacht. Ich schlenderte durch den dunklen Park zum Stephansplatz und fuhr mit der U-Bahn zum Jungfernstieg. Sollte ich mich noch unter die Queeren mischen, die um die Alster bei Disko-Musik den CSD feierten, betanzten und der eine und die andere wohl auch kräftig betranken? - Ach nein, ich wollte mit der nachklingenden fröhlichen Atmosphäre der Wasserlichtorgel nach Hause fahren.

Ich begab mich zum Hauptbahnhof, holte meinen Rüucksack aus dem Gepäckschließfach und bald schon kam mein Zug Richtung Heimat. Ja, der Zug füllte ich sehr schnell und stark. Ich bekam gerade noch einen Stehplatz. Nach einer Weile kam auch ein Schaffner zur Fahrkartenkontrolle. Bei meinem Ticket, auf dem mein Männername stand, zuckte es in ihm und er musste irgendwie zweimal gucken. Ich lächelte in mich hinein. Da fand er dann das Ticket doch ausreichend für mich.

Nach einigen Stationen endlich wurde es leerer. Ich fand einen Platz in den aufgereihten Sitzen des unterdecks. Eine Station weiter stieg eine Teenie-Gruppe zu, die sich lautstark über ihren Heimweg unterhielten. Doch ich musste eingenickt sein. Bald, sehr bald war der Zug kurz vor meinem Ziel. Sollte ich mich noch die Männerklamotten überziehen ? Och nö, ist doch CSD in Hamburg gewesen und ich war entsprechend dem Anlass gekleidet. Also, auf nach Hause, am Bahnhof aufs Rad geschwunden.

Es war um mich herum alles still, als ich die Wohnungstür aufschloss. Noch ein großes Glas Wsser zum willkommensgruß daheim. Schnell zog ich das Kleid aus, schminkte mich zügig ab und schon bald war ich im Bett verkrochen. "Oh, war das ein schöner Tag!"- schwirrte es noch schnell durch den Kopf und schon war ich eingeschlafen.

Am Sonntag morgen wachte ich auf. Was ist das in den Füßen? Ja, doch, Muskelkater, an den Fesseln. Na, das war mir der CSD in Hamburg wert!

Liebe Grüße
Inga

Re: Aus dem Alltag von Inga

Verfasst: Mi 6. Aug 2014, 18:13
von Lina
Ich hätte es mir nicht gefallen lassen, dass Leute auf der Straße mich unaufgefordert anfassen oder kneifen. Konjunktiv eigentlich überflüssig - es gab drüben, wo die Infostände waren, einen Zwischenfall mit einem der es versuchte.

Re: Aus dem Alltag von Inga

Verfasst: Mi 6. Aug 2014, 23:58
von Exuserin-2015-09-09
Lebhaft und anschaulich geschrieben. Schön! Das sind die Tage, die Dir noch lange in Erinnerung bleiben.

Re: Aus dem Alltag von Inga

Verfasst: Do 7. Aug 2014, 00:12
von Inga
Lina hat geschrieben:Ich hätte es mir nicht gefallen lassen, dass Leute auf der Straße mich unaufgefordert anfassen oder kneifen. Konjunktiv eigentlich überflüssig - es gab drüben, wo die Infostände waren, einen Zwischenfall mit einem der es versuchte.
Hallo, Lina,

naja, dem einem habe ich es auch sehr energisch gesagt, dem anderen noch kräftig auf die Finger gehauen.

Mir ist im Nachhinein noch etwas anderes gekommen. Wuie kommt denn jemand dazu eine Frau (oder so etwas ähnliches ) zu begrapchen, die locker dreißig Jahre älter ist. kann natürlich sein, dass er etwas wirr im Kopf war. Kann sein, dass er etwas merkwürdige vorstellungen von Annäherung hat. - Kann aber auch sein, dass er mich ablenken wollte und als Taschendieb evtl. mit einem Kumpel etwas einsammeln wollte. Was ja bei so einer Großveranstaltung auch möglich wäre. Denn wurde davor nicht auch an anderer Stelle gewarnt vor Taschendieben, die sich bewusst aufdrängen, mit irgendwelchen Aktionen ablenken um sich dann in den Taschen zu bedienen.

Wie auch immer, es gibt immer etwas Neues.

Liebe Grüße
Inga

Re: Aus dem Alltag von Inga

Verfasst: Fr 8. Aug 2014, 16:36
von Lina
Wenn jemand überraschend kommt - wie es ja Samstag passierte - reagiere ich einfach nur. Ich kann nicht anders. Das kann mit Schmerzen verbunden sein ... Dieser Typ sah auch etwas erschrocken aus, aber da seine Hand ziemlich wegflog und er sonst außer Reichweite blieb passierte auch nichts Weiteres.

Ich verstehe übrigens auch nicht warum jemand erwartet, dass es nicht mit zu Verletzungen führen kann, wenn man völlig unvermittelt fremde Leute anfasst? Wenn man was tut, was zwangsläufig eine Abwehrreaktion auslösen muss.