Re: RechtsextremistIn *** wird auf dem Papier zur Frau – Hat das Folgen für seine Haftstrafe?
Verfasst: Di 26. Aug 2025, 18:21
Dann ist das völlig falsch rüber gekommen. Geschlecht im Sinne von Gender hat Bedeutung für sehr viele Menschen. Genauso - und die Analogie passt fast immer -, wie Religion für viele Bedeutung hat. Obwohl Gender und Religion beide keine physikalischen Realitäten sind, sondern gesellschaftliche Konstrukte. Streng genommen fiktiv. Aber der feste Glaube daran und dass so viele mitspielen machen sie real. Mit tw sehr realen Folgen für eins selbst und eben auch andere.Anne-Mette hat geschrieben: Di 26. Aug 2025, 15:14Bei mir entsteht das Gefühl, dass du, Jaddy denkst oder sogar weißt, "Geschlecht hat keine Bedeutung".Jaddy hat geschrieben: Di 26. Aug 2025, 13:04 Der amtliche Eintrag spielt überall entweder keine oder eine nachgeordnete Rolle.
Allerdings sehe ich das als Utopie; denn in der heutigen Form des Zusammenlebens ist nicht alles nach Geschlechtern geordnet,
aber es spielt (noch) eine wichtige Rolle - jedenfalls wenn ich "im richtigen Leben unterwegs bin".
Ich will auch weder Geschlecht noch Religion abschaffen. Viele Leute brauchen das und ausserdem können sie für sich immer machen, was sie wollen. Ich will lediglich, dass sich Leute nicht mehr aufgrund ihrer "festen Überzeugung" einfach Dinge anderen gegenüber herausnehmen, im Widerspruch zu deren gleichen Rechten und Freiheiten. Auch nicht mit "Mehrheit" als Begründung. Da braucht es schon triftigere Gründe und mindestens eine faire Aushandlung auf gleicher Höhe.
Was ich oben schrieb ist, dass der amtliche Eintrag so gut wie keine Rolle spielt, weil Geschlecht als Merkmal in quasi allen Fällen des Alltags anders entschieden und behandelt wird. Eine trans Person (oder CD oder TV) mit ausreichendem Passing wird (fälschlich) als cis wahrgenommen und behandelt. Egal was in ihrem Geburtsregister steht. Ihr Erscheinungsbild und ihre Selbstaussage samt Namen werden akzeptiert, weil Menschen es so gewohnt sind.
Umgekehrt kann eine Person noch so lange mit der neuen Geburtsurkunde wedeln - oder mit dem Reisepass bei der Einreise nach Dubai, Russland, Iran, USA: wenn die Erscheinung nicht dazu passt, gibt es mindestens Irritationen, und ob ihr die amtliche Aussage überhaupt für die Akzeptanz - "dass andere es mit-glauben" - hilft, ist sehr fraglich.
Deshalb mein Merksatz: "Geschlecht wird an der (metaphorischen) Backtheke konstruiert" - und nicht auf dem Standesamt. So wie die Leute dich da wahrnehmen, einsortieren, behandeln, ist deine geschlechtliche Realität im Alltag.
Ich möchte Geschlecht nicht abschaffen als "Gesellschaftsspiel"(2), sondern die Freiheit eines jeden Leut, sich die eigene Spielfigur zu wählen, oder auch auf das mitspielen verzichten zu können. So wie (die allermeisten Menschen) sich ziemlich frei entscheiden können, welcher Religion sie sich zuordnen oder auch keiner. Das ist meine Utopie. Und das wird noch reichlich dauern. Bis dahin versuche ich, diese Fiktivität von Gender (und Religion) bewusster zu machen, und die Unfairness, wenn Menschen nicht mit den ihnen zugeschriebenen Rollen klarkommen.
(1) Gender meint den ganzen Überbau, der mit biologischen Eigenschaften nicht zwingend was zu tun hat. Beispiel: Ja, Menschen mit Uterus können Kinder zur Welt bringen. Die Rolle "Mutterschaft" mit alle ihren Anforderungen und Facetten ist aber nicht zwingend naturgegeben damit verbunden.
(2) Spiel im Sinne von "es gibt mehr oder weniger klare Spielregeln, unterschiedliche mögliche Spielzüge je nach Figur und Position und Konsequenzen".