Es wird langsam mal Zeit, den angekündigten zweiten Teil hier einzustellen.
Hier noch der Link zum ersten, wenn jemand noch mal nachlesen möchte.
Noch etwas vorab ...
Mir ist klar, dass eine bestimmte "Fraktion" die nachfolgend geschilderten Erfahrungen selektiv lesen wird, als Bestätigung ihrer Vorurteile gegen die Menschen im Nicht-Cis-Spektrum, die nicht den ihrer Meinung nach einzig richtigen Weg aus Hormonen, Vornamensänderung und GaOP gehen. Aber bei solchen Vorurteilen, und wenn sie meinen, sich (empathie-befreit) darin suhlen zu müssen, dass natürlich niemand so sehr leidet wie sie, kann ich wohl nichts machen. In gewisser Weise ist das als selbsterfüllende Prophezeiung sogar zutreffend, selbst erschaffenes Leid. Aber das ist dann nicht mein Problem.
Teil 2 - Eigene Erfahrungen
Dieses wundersame Gefühl, irgendwie auch Mädchen sein zu wollen, begleitet mich, so weit ich zurück erinnern kann. Allerdings konnte ich es damals im Alter zwischen dem 4. und 5. Geburtstag noch nicht so genau benennen wie heute. Ich hatte durchgängig das Bedürfnis nach weiblicher Kleidung, empfand es irgendwie ungerecht diese nicht haben zu dürfen, und habe dem Bedürfnis auch im Rahmen des Möglichen nachgegeben.
Bereits vor der Pubertät war es so, dass mein An- und Ausprobieren von Mädchen-/Frauen-Kleidung von extremer Heimlichkeit, großer Scham und dementsprechend panischer Angst vor dem Entdeckt-Werden geprägt war. Mir war von frühester Kindheit an bewusst, dass ich Wünsche und Bedürfnisse habe, die irgendwie nicht normal sind, und die ich besser ganz für mich behalte, wenn ich mich nicht zum Gespött machen und die Liebe meiner Familie verlieren will.
In der Pubertät kam dann das, was bei Jungs nun mal so kommt ... die sexuelle Erregung, bei mir noch zusätzlich mit Testosteron-Spritzen angekurbelt, weil die Ärzte wohl der Meinung waren, dass es bei mir nicht nach Plan lief. Diese Spritzen in Verbindung mit der Heimlichkeit und der damit verbundenen Anspannung hatte natürlich erheblichen Einfluss und heizte den Trieb regelrecht an. Durch den allgegenwärtigen Zeitdruck und die Angst vor Entdeckung konditionierte ich mich zwangsläufig darauf, mich der schönen Kleider nach dem ungewollten Lustgewinn schnell wieder zu entledigen. Ich kam geradezu in einen Teufelskreis von dem Wunsch, meinen weiblichen Gefühlsanteilen mit entsprechender Kleidung für mich selbst ein Gesicht zu geben, und dem Schamgefühl vor mir selbst, speziell ob des Ablaufs, von dem ich mich nicht befreien konnte. Die nur kurzen, eher seltenen Gelegenheiten trieben mich immer wieder dazu, die nächste Gelegenheit geradezu zwanghaft auszunutzen und mich hinterher doch wieder nur schlecht zu fühlen.
Später, als ich beruflich öfter unterwegs war, hat sich das erstmals spürbar verändert. Ich konnte nun entspannt genießen, mehrere Stunden in meiner (wenigen) geliebten weiblichen Kleidung zu verbringen. Trotz gelegentlicher leichter Erregung fühlte ich mich nun anders ... deutlich wohler und entspannter. Der frühere Druck war nicht mehr da, auch wenn ich hin und wieder Angst vor Entdeckung durch Kollegen, Kunden oder das Hotelpersonal hatte. Wenn ich jedoch länger keine Dienstreisen hatte, und dementsprechend keine wirklich ungestörte Zeit zum Dressen, dann merkte ich, wie das alte Muster wieder zurückzukehren drohte. Ich musste wieder die Gelegenheit nutzen, wenn sie sich gerade bot. Und dementsprechend war der Druck wieder da, der auf mir lastete, der mich ungewollt erregte.
Nach der Trennung von meiner Frau wurde es wiederum besser und in meiner Zeit als Stubentranse normalisierte sich der Umgang mit weiblicher Kleidung. Ich hatte nicht tagelang, aber gut planbare Zeiten. Ich zog dann an, wonach mir war, konnte mich dabei emotional entspannen und einfach nur wohl fühlen.
(Einen kleinen Rückschritt gab es nochmals, als ich anfing, als Frau gekleidet auch nach draußen zu gehen, und wieder die Angst vor Entdeckung verspürte.)
Heute, nach ein paar Jahren Outdoor-Erfahrung bin ich wesentlich entspannter geworden. Obgleich ich es immer noch sehr genieße, und auch ein Wohlgefühl, eine ganz leichte Erregung verspüre, so ist dieses Gefühl doch ein völlig anderes geworden. War es früher die sehr lokalisierte männliche Erregung, die mir Unbehagen bereitete und mir die wenige Zeit des äußerlichen Frau-Seins regelrecht vermieste, so ist diese heute einem allgemeinen wohligen Gefühl am ganzen Körper gewichen. Mein leicht angeregter Kreislauf lässt mich in leichter weiblicher Kleidung spürbar weniger frieren als in den üblichen dicken Männerklamotten.
Wem von euch ging es ähnlich?