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Re: Die Angst vor dem Raus gehen
Verfasst: Sa 3. Feb 2018, 15:34
von Ronda_PTL
@Johanna
Hab gerade wenig Zeit, da ich gleich weg muss, aber ich wollte Dir hinterlassen, dass ich Deine "Outdoor-Aktionen" richtig toll finde. Glückwunsch zum erfolgreichen Passing!!!
LG Ronda
Re: Die Angst vor dem Raus gehen
Verfasst: So 4. Feb 2018, 14:10
von Lina
Ein guter Trick für die, die Karneval als "Uebungsaufgabe" nutzen wollen, ist doch eben KEIN Karnevalskostuem zu tragen.
Ganz einfach en femme, wie eine Dame, die nichts damit zu tun hat. Dann können die Leute glauben was sie wollen.
Re: Die Angst vor dem Raus gehen
Verfasst: So 4. Feb 2018, 16:35
von Ronda_PTL
Lina hat geschrieben: So 4. Feb 2018, 14:10
Ein guter Trick für die, die Karneval als "Uebungsaufgabe" nutzen wollen, ist doch eben KEIN Karnevalskostuem zu tragen.
Ganz einfach en femme, wie eine Dame, die nichts damit zu tun hat. Dann können die Leute glauben was sie wollen.
Ja, Lina, da bin ich ganz Deiner Auffassung. Im Fasching / Karneval rennen so viele Leute mit Verkleidungen rum, dass eine "normal" gekleidete Dame überhaupt nicht auffällt. Und falls doch, ist es der ideale Zeitpunkt, um die Gaffer und Glotzer zum Rätseln zu bringen -- ohne negative Folgen.
LG Ronda

Re: Die Angst vor dem Raus gehen
Verfasst: So 4. Feb 2018, 16:41
von Johanna Dornal
Um das mal klarzustellen. Wir hier sind zwar eine Karnevalshochburg, hier heißt es Fassenacht. Aber ich brauche das nicht, um mich draußen unter diesem Aspekt zu präsentieren. Weil es ja keine Verkleidung ist.
Re: Die Angst vor dem Raus gehen
Verfasst: Mo 5. Feb 2018, 18:28
von Lina
Johanna Dornal hat geschrieben: So 4. Feb 2018, 16:41
Um das mal klarzustellen. Wir hier sind zwar eine Karnevalshochburg, hier heißt es Fassenacht. Aber ich brauche das nicht, um mich draußen unter diesem Aspekt zu präsentieren. Weil es ja keine Verkleidung ist.
Das ist ja schon klar. Aber es gibt ja Leute die gleich Bungee-Springen machen - und dann gibt es die die es erst in der Hüpfburg versuchen, bevor sie Bungee-Springen machen.
Es könnte aber auch noch einen Grund geben, an den du nicht gedacht hast: Ich habe mal eine Freundin mit auf eine Kostümparty gelockt, um SIE daran zu gewöhnen bzw. zu testen, wie sie darauf reagiert, wenn ich en femme bin.
Re: Die Angst vor dem Raus gehen
Verfasst: Mo 5. Feb 2018, 18:44
von Mina
Johanna Dornal hat geschrieben: So 4. Feb 2018, 16:41
Weil es ja keine Verkleidung ist.
Hm, ich sags mal so: Um einfach mal das Gefühl zu befreien, eeendlich ohne das anfänglich doofe Gefühl von Angst/Bedenken raus zu gehen, ist es gut geeignet.
Um aber die Bestätigung durch den Alltag zu bekommen, eher nicht so.
Aber sicher, um die erste Erfahrung zu bekommen und damit auch ein positives Schlüsselerlebnis, ist es ok. Sollte auf jeden Fall Mut machen.
Ganz egal ob Fasching oder nicht - raus aus der Stube Mädels, es ist schön und wird auch immer schöner!

Re: Die Angst vor dem Raus gehen
Verfasst: Mo 5. Feb 2018, 18:59
von rika
Hallo Johanna,
Dein Erlebnis an der Tankstelle erinnert mich an eines, welches ich hier vor längerer Zeit schon mal beschrieben habe und einfach in Kurzfassung wiederhole:
sonntags im Lahn-Dill-Kreis unterwegs dürstet das Wägelchen nach Diesel. Ich fahre die Aral in Haiger an, tanke voll und gehe zur Kasse, um mit einer Karte zu bezahlen. Da bittet die - naja etwas robuste - Dame hinter dem Thresen um meinen Personalausweis.

Darin ist natürlich das Foto meines "Zwillingsbruders"

(nein, nicht eineiig!!!

). Ich zeigte ihr ihn: kein Kommentar, noch nicht mal gute Fahrt.
Nach einem ganz besonderen Ausflug vor etlichen Jahren in Füssen, als wir zu dritt - wir kennen uns über Memmingen und waren dort - in ein Café gegangen waren und in eine hoch interessante Unterhaltung mit 2 Frauen gekommen sind, wurde vieles leichter.
Viele schöne Erlebnisse wünscht Dir (und Euch allen)
rika
Re: Die Angst vor dem Raus gehen
Verfasst: Mo 5. Feb 2018, 19:36
von rika
P.S: im Nachhinein wundere ich mich über meinen eigenen Mut - oder war es schon dreist: den nördlichen Lahn-Dill-Kreis ab Herborn sehe ich als eine Diaspora der weltanschaulichen Toleranz. (ich bin dort selbst aufgewachsen)
Dort gibt es Strukturen mit klaren Regeln: die Frauen tragen lange Röcke - nie körperbetont geschnitten und die immer langen Haare werden zum Zopf und dann zum sog. Dutt aufgetürmt. Böse Menschen nennen das Hallelujah-Zwiebel
Die Menschen treffen sich in Gemeinden und Bruderschaften; sie zahlen keine Kirchensteuer, sondern bauen eigene Häuser. Sie haben teilweise extremen Einfluss, sowohl ideologisch als auch finanziell. Die Unternehmer bekennen sich und hängen in ihren Büros und Hallen christliche Sprüche auf. Dafür sind sie dann weltweite Führer von Schaltschränken oder produzieren Leitern und Haushaltsgeräte mit dem roten Punkt. Ich erlebe es, dass in den Empfangsräumen von industriellen Unternehmen, die für die Autoindustrie stanzen und schweißen, neue Testamente und Traktate ausliegen.
Leute wie mich sieht man da nicht auf der Straße!
rika
Re: Die Angst vor dem Raus gehen
Verfasst: Mo 5. Feb 2018, 20:51
von Johanna Dornal
Zwei Punkte möchte ich noch erwähnen. Rika, da, wo ich wohne, leben ist vielleicht zu viel gesagt, da ist es auch kein Hort von überbordender Toleranz. Dennoch, vielleicht etwas beeinflußt durch die Metropolregion Rhein-Main-Neckar, ist es dann doch nicht vergleichbar mit LDK, ohne das bewerten zu wollen. Nochmal eine Anmerkung aus meiner Sicht. Sicher ist Fasching, Karneval, Fasnacht, Fasnet, wie auch immer bestens geeignet im Schutz des trollen Treibens halbwegs unerkannt zu bleiben. Aber das war nicht meine Intention. Bei mir war nun der Punkt gekommen, wo ich einfach rausmußte, und zwar in das reelle Leben, mit unmittelbarem Feedback. Authentisch, weil ohne den Schutz der momentan herrschenden Narretei, der möglicherweise den realistischen Blick auf das, was ich bezwecken wollte, verstellt hätte, und mir somit nicht weitergeholfen hätte.
Re: Die Angst vor dem Raus gehen
Verfasst: Mo 5. Feb 2018, 20:54
von Johanna Dornal
Hallo Nicole Doll, ich muß es einfach speziell für Dich erwähnen. Dieser Bankautomat war in Rheinböllen. Ist ja ganz in Deiner Nähe.
Re: Die Angst vor dem Raus gehen
Verfasst: Fr 9. Feb 2018, 02:20
von Nicole Fritz
Hallo,
zum Thema Karneval möchte ich etwas vom gestrigen Abend berichten. Ich bin erheblich mehr aufgefallen als sonst im täglichen Alltag. Sicherlich war meine Verkleidung auffällig. Doch war mein Passing offensichtlich so gut, dass man mich für eine Frau ansah. Und dann irritierte meine männliche Stimme. Einen kurzen Bericht dazu mit Fotos gibt es hier:
viewtopic.php?f=23&t=13463&start=90#p192223
LG Nicole
Re: Die Angst vor dem Raus gehen
Verfasst: Fr 9. Feb 2018, 06:59
von Annabelle-R.
Lina hat geschrieben: Mo 5. Feb 2018, 18:28
Ich habe mal eine Freundin mit auf eine Kostümparty gelockt, um SIE daran zu gewöhnen bzw. zu testen, wie sie darauf reagiert, wenn ich en femme bin.
Wäre noch interessant zu erfahren, wie das Experiment verlaufen ist.
Liebe Grüße, Annabelle
Re: Die Angst vor dem Raus gehen
Verfasst: Fr 9. Feb 2018, 10:16
von Lina
Erst mal die kurze Antwort dazu: Ich bin immer noch mit ihr verheiratet.
Re: Die Angst vor dem Raus gehen
Verfasst: Fr 9. Feb 2018, 17:10
von Ronda_PTL
Lina hat geschrieben: Fr 9. Feb 2018, 10:16
Erst mal die kurze Antwort dazu: Ich bin immer noch mit ihr verheiratet.
DAS spricht ja eindeutig für ein POSITIVES Ergebnis des Experiments!
LG Ronda

Re: Die Angst vor dem Raus gehen
Verfasst: Fr 9. Feb 2018, 19:11
von Lina
Ronda_PTL hat geschrieben: Fr 9. Feb 2018, 17:10
Lina hat geschrieben: Fr 9. Feb 2018, 10:16
Erst mal die kurze Antwort dazu: Ich bin immer noch mit ihr verheiratet.
DAS spricht ja eindeutig für ein POSITIVES Ergebnis des Experiments!
LG Ronda
OK, und hier ein bisschen mehr Details. Sie wusste zumindest von Bildern, wie ich en femme aussehe, war aber noch nicht sozusagen selber "in public" damit gewesen. Ein Kostümparty, wie die megagroße LILABE in Hamburg-Bergedorf war ein guter Rahmen dafür, fand ich. Dann ist der soziale Druck weg. Es IST ja eine Kostümparty - jedoch ohne einen wirklichen Dresscode, also trug sie ein Flamenco-Kleid und ich ein etwas einfacheres Cocktailkleid. Ich ich konnte also tun wie immer. Unterwegs wurde es meiner Freundin klar, dass viele mich einfach für irgend eine Tussi hielten, die kein Bock gehabt hatte ein Kostüm zu besorgen. Und davon gab es erwartungsgemäß auch andere auf der Party. Das Problem ist ja immer, dass Leute dazu tendieren, bei der Gender-Rolle fest zu hängen in der man sich zuerst kennengelernt hat. Also Leute, die die femme Identität kennen akzeptieren viel leichter die femme Identität, haben mitunter sogar Probleme mit der "in drab" - dem Männermodus - Identität und sagen, die komme ihnen seltsam vor und passt nicht. Genau wie auch manchmal umgekehrt.
Der Trick ist also, dass sie nicht von dem umgekehrten sozialen Druck unbeeinflusst bleiben kann - wenn sie merkt wie alle andre ganz natürlich reagieren.
Ich habe einen Follow-Up dazu dann gemacht indem ich sie, ihre beste Freundin samt Freund mit auf den Tuntenball nahm. Die beiden Parties waren mir an sich piepegal und nur mittel zum Zweck.