JaquelineL hat geschrieben: Sa 29. Jul 2017, 18:22
Liebe Martin-a,
wieder einmal drängt sich mir beim Lesen von Kommentaren wie "wenn sich doch nur mal durchsetzen würde, dass Männer Röcke tragen" die folgende Frage auf: Was tragen Crossdresser in einer Gesellschaft, in der es für Männer normal ist, Röcke zu tragen? Und wie definieren sich Crossdresser in einer Gesellschaft, in der es gar keine geschlechterspezifische Kleidung mehr gibt?
Liebe Grüße
Jackie
Mach dir darüber keine Sorgen. Selbst in einer Gesellschaft, wo die frauen oft Hosen tragen gibt es ja ganz deutlich geschlechtsspezifische Kleidung. Ich verstehe nicht wie man sich vorstellen kann, dass es keine geschlechtsspezifische Kleidung geben sollte.
Aber rein hypothetisch: Wenn es so was geben sollte irgendwo irgendwann auf irgend einem Planeten mit Genderdualität ... genau das habe ich auch oft gefragt, und nie eine Antwort bekommen.
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Ich kann ein Beispiel geben, das zeigt, wie weit sich genderspezifisches Verhalten streckt. Ich habe vor einigen Monaten die Gelegenheit mit zu hören, wie eine Führungskraft - weiblich - sich mit einer ganzen Menge Bewerberinnen innerhalb kurzer Zeit telefonierte.
Ich konnte praktisch immer an ihr hören, ob ein Mann oder eine Frau am anderen Ende war. Ich konnte es nicht an Namensnennungen festlegen, da sie nicht eine von diesen komplett Peinlichen, die mal gelernt haben erst nach dem Namen zu fragen und dann fast jeden Satz mit Herrn oder Frau Sowieso anfangen zu lassen.
Es war was ganz Subtiles in ihrer Art zu reden, das sie vermutlich nicht mal selber bemerkt. Mir fiel es auf, weil am ende des Gesprächs meistens die persönlichen Daten aufgenommen wurden und ich dadurch checken konnte, ob ich richtig lag.
Es gibt einfach Unterschiede - tendenzielle Unterschiede.
Und wie Nora erwähnt, es gibt potthäßliche Typen, die die hübschesten Freundinnen haben. Meistens haben diese Typen irgend eine Machtposition im großen oder kleinen Rahmen. Oder das "Mann sein" strahlt einfach mehr physische Macht aus - nicht dass dies mit der physischen Realität zu tun haben muss - aber wie immer in der Natur: Der Schein tut es meistens auch. Pfauen-Hahn-Federn und Löwenmähne z.B.
Dass es gewisse Dinge gibt, die man in der sozialen Funktion als Mann tun kann und die nie funktionieren würde in der sozialen Funktion als Frau, wie ich die verkörpere, sah ich deutlich letzte Woche. Ich hatte ein belästigendes Verhältnis bei ein paar Leuten freundlich angesprochen - das veranlasste dann eine komplett dritten dazu, aufzustehen, belästigen, mit seiner Körperpostiton zu bedrohen (Mann, spät 20er, ca. meine Gr., Tattoos überall). Ich saß, er hat mich sozusagen "blindsided" - ich konnte also weder seine rechte hand noch sein Gesicht ordentlich sehen - sonst wäre ich vermutlich sitzen geblieben - aber wenn man nicht sehen kann, was Leute tun, ist es einfach zu gefährlich. Ich bin also aufgestanden, sodass ich Augenkontakt und ihn ganz im Blick hatte. Von der Position habe ich ihn aufgefordert, es zu lassen und zurückzutreten. Tat er dann auch, als er endlich begriff, was sonst passieren könnte.
Das z.B. hätte en femme nie funktioniert. Ob er es dann einer Frau gegenüber versucht hätte ist eine andere Geschichte. Meine Erfahrung en femme, sagt mir, dass die Typen dann erst einlenken, wenn es wirklich weh tut. Da kann man also genau so gut warten.
Also zum Thema Status - in der o.g. Extremauslegung - Es gibt einen bestimmten Machtstatus, den man en femme nicht mehr hat. Man kann aber was Anderes haben. KANN sage ich. Wer das nicht erforscht oder begriffen hat, wer nicht weiß was zu dem Status gehört und sich diesen Status en femme erarbeitet - durch die Persönlichkeit, durch bestimmtes Verhalten - die werden gehänselt, belächelt und belästigt in der Öffentlichkeit.
Warum das passiert kann man dann einen anderen Thread mit füllen. Aber es hat etwas damit zu tun, dass es immer noch genügend Leute gibt, die auch wie der o.g. tattoo-Typ wohl glauben, Freundlichkeit ist gleich Schwäche und daher gleich die Chance sieht, sich aufzuspielen. Solche kennen wir vermutlich auch fast alle aus der Schulzeit. Wenn ich z.B. lautstark die anderen beiden Idioten zurechtgewiesen hätte, statt sie freundlich anzusprechen, hätten die wahrscheinlich nicht angefangen zu provozieren und er wäre schön im Hintergrund geblieben - würde ich wetten.