Nach einer weiteren schlaflosen Nacht voller Hustenanfälle und Atemnot sitz ich hier auf meiner Couch. Heißen Ingwertee und denke viel über das zurückliegende Jahr nach.
Ein Jahr das mit großen Depressionen, finsteren Gedanken, Ängsten und Verzweiflung begann und hier früh morgens in meinem Kopf noch einmal Revue passiert.
Und da ist da noch etwas das mir in der Art lange nicht so deutlich bewusst war wie jetzt.
Da ist ein oder mehrere Menschen da draußen denen ich dieses Jahr direkt verdanke. Der Mensch der meine Kurzschlusstat vor einem Jahr erkannte Maßnahmen ergriff als ich alle Brücken begann abzureißen und mich zu verabschieden. Der Tag als der Polizist vor mir stand und ich ins Klinikum sollte, meine Frau weinend und verzweifelt nicht mehr ein und aus wusste und ich mich hartnäckig weigerte zu gehen. Ich dem Polizisten drohte mir meine Entscheidung nicht nehmen zu lassen und letztlich ein Versprechen abgab das ich einhielt....zu Leben. Diesen Menschen widme ich als Dank diesen Post von einem Jahr das all die Jahre voll Erlebten in meinen Gedanken klein erscheinen lässt. Aber auch ein Jahr das geprägt war von großen körperlichen und seelischen Schmerzen.
Wie lange er wird ?? Ich weiß es nicht. 10 Worte...1000 Worte. Ich werde es merken wenn ich den letzten Satz geschrieben habe und wieder hochblicke.
Und so begann dieses Jahr 2021 eigentlich am 13.1 mit einem Telefonat.
Das Entscheidenste meines Lebens. Der Tag als mir gesagt wurde das meine OP doch stattfindet und mir zum ersten Mal bewusst machte wie Ernst das ganze jetzt wird und was mich wirklich erwartet. Die Tage in denen ich zitterte und meine Gedanken Kreuz und quer durch meinen Kopf flogen. Nur noch wenige Tage bis zur Wichtigsten Entscheidung meines Lebens. Aber da war noch meine Frau. Unsere Trennung begann und jeden Tag standen gepackte Taschen und Kartons im Hausgang. Bücher und Handtaschen hinterließen Lücken in den Schränken und gleichzeitig füllte sich mein Herz mit Verzweiflung und Angst. Angst um diesen so wichtigen Menschen meines Lebens. Und immer die verzweifelten Worte: Bitte tu es nicht. Ich brauche meinen Mann so sehr"
Heute weiß ich wie sehr mein Herz schmerzen und bluten kann. Und doch habe ich meine Entscheidung getroffen...im Wissen gleichzeitig den größten Fehler meines Lebens zu begehen. Die letzte Barriere zu überwinden wovon es kein zurück gab...nie wieder.
27.1.21 der wohl wichtigste Tag meines Lebens,der Tag an dem sich all die Träume erfüllen sollten die im Grunde schon mein Leben lang in mir waren und dem kleinen Jungen vor 45 Jahren gar nicht bewusst war was in der Zukunft vor ihm lag.
Und obwohl zu diesm Zeit mein Schritt zum Ziel den Verlust meines wichtigsten Menschen im Leben führen sollte bin ich ihn gegangen...ohne Möglichkeit auf Rückkehr. Und die darauf folgenden Wochen die voller Schmerzen und schlafloser Nächte gesäumt waren werde ich genau diese nicht vergessen da sie mich weiter zu diesem Menschen gemacht haben der ich jetzt bin. Und dann eben genau dies...kleine Wunder. Meine Frau möchte mich nicht verlassen. Zuviele Gemeinsamkeiten, zutief die Verbindung zwischen uns. Zu groß die Liebe die zwischen uns herscht. Eine Ehe??? Nein, das ist es nicht was uns beide verbindet und zusammen hält. Es sind diese Jahrzehntedie uns so sehr zusammen gebracht haben das wir nicht anders können als gemeinsam weiter zu gehen. Nicht als Mann und Frau sonders als liebendes Paar auch wenn unsere Beziehung von dem abweicht was andere darunter verstehen.
Und so vergingen Wochen und Monate in denen Dinge geschahen, Dinge und Ereignisse die mich weiter geprägt und Selbstbewusst gemacht haben wie ich es nicht für möglich gehalten hätte. Ereignisse im Leben als Frau die mir das das Gefühl gaben begehrt und attraktiv geworden zu sein. Ein Traum? Ich der ehemalige Mann der ein attraktiver Mann gewesen sein soll. Schlank, graue Schläffen, gutaussehend? Oft frage ich mich wie das geschehen konnte oder besser gesagt wie ich dieses Glück verdient habe diesen Wandel geschafft zu haben. Ich mit über 50.
Ich habe mir oft eingeredet das ich doch nur ein Sexualobjekt, ja Lustobjekt oder Fantasie von bestimmten Menschen zu sein und bekam deswegen öfters nach meinen nächtlichen Ausflügen Anflüge von Selbstzweifeln. Ist es das was ich wollte... Eine lebende Fantasie zu verkörpern?
Nein... Ganz sicher nicht und genau das erfuhr ich nach und nach.
Im Grunde war dieses Jahr auf meinem bisherigen Weg das was ich als das stärkste pubertierende bezeichnen würde. Ich habe mit meinem Style experimentiert und genoss bei meinem Nächtlichen Clubbesuchen förmlich das " Rampenlicht"
Und dann war da Er...Er hatte mich auf einer Onlineseite angeschrieben und nach kurzen Hin und Herschreiben beschloss ich den Kontakt zu beenden. Denn da war immer noch geau der Andere. Es war ein wunderbares Verhältnis, ein Abenteuer und ein Mensch der mich zum ersten Mal auffing und das Gefühl gab vollständig angekommen zu sein. Er gab mir all die Dinge die ich doch so dringend brauchte und mich danach sehnte.
Und dann war da dieses " Monster" in mir das aus heute Ideotischen Gründen genau diesen Menschen so sehr verletzte und wegwarf. In meinem Leben gibt es nicht viele Dinge weswegen ich ein schlechtes Gefühl habe aber dieses steht mit ganz oben. Ich schäme mich dafür für das was ich getan habe und ich habe unglaublich viele Tränen aus Liebe, Entäuschung meiner Selbst und Schlechten Gewissen geweint. Ein Fehler den ich nicht mehr rückgängig machen kann. Einen Menschen so zu verletzen ist alles andere als verzeilich.
Heute bin ich mit ihm wieder ab und zu in Kontakt weil ich seinen Blick und die Stunden mit ihm nicht vergessen kann und ich ihn als Mensch so sehr mag und schätze.
Aber dann kam ja Er und einige Zeit später schrieb er mich wieder an und aus dem schreiben entwickelte sich mehr und aus einem Bitten um eine Chance wurde ein Date. Was hatte ich schon zu verlieren? Außer die Stunden und vielleicht ein einsamer Abend im Club.
Und so trafen wir uns beim vereinbarten Asiatischen Restaurant. Und für diesen Abend hatte ich mir ein ganz besonderes Outfit ausgesucht weil ich wissen wollte ob er mit mir als sehr auffällige Frau im vollbesetzten Restaurant zurecht kommt. Also kamm ich im engen Lederetuikleid mit hohen Stiefeln....
Wenn Kinderaugen zu Weihnachten glänzen und funkeln dann waren seine Augen Kinderaugen.
Für mich sind solche Auftritte vor vielen Menschen mittlerweile normal und natürlich erregte ich Aufsehen bei den anderen Gästen und Er? Ein Gentleman durch und durch und er bemühte sich perfekt. Angefangen von einem zärtlichen Handkuss und wunderschöne Blumen bis zum perfekten Ausklang unseres gemeinsamen Abendessen. Nach diesem Wunderschönen Essen begaben wir uns in eine ganz besondere Lokation......
Und genau dieser Wunderbare Mensch begleitet mich nun schon seit einem Jahr. Affäre?? Nein, inzwischen ist da viel mehr und er trägt mich auf Händen.
Und diese funkenden und glänzenden Augen??? Das sind heute meine wenn wir uns sehen und telefonieren.
Und dann waren da noch so viele andere Situation und Menschen. Neue Freunde..wirklich neue Freunde. Menschen von denen ich immer gedacht habe das wir nie befreundet sein können. Menschen die so unnahbar schienen und doch passiert da etwas was ich mir manchmal nicht erklären kann. Mein Leben gestaltet sich und das ganz besonders letztes Jahr unglaublich exzessiv und extrem. Menschen kommen auf mich zu und überhäufen mich mit Komplimenten über mein Auftretten und mein Wesen. Anfangs nahm ich das in einer ganz anderen Weise wahr und dachte ..ja klar du bist nur eine Attraktion,ein Zirkustier mit dem man sich rühmt. Und natürlich wird das auch bei einigen zutreffen. Aber das ganze Jahr war übersäht von wunderbaren Ereignissen. Das allermeiste muss hier verschwiegen werden aber trotz dem ganzen C. Jahr erlebte ich das aufregenste und abenteuerlichste meines ganzen Lebens. Aus dem ruhigen Wesen das nie auffällig sein wollte und froh war nicht angeschaut zu werden ist ein Partyluder geworden das die Auftritte genießt. Auftritte die ich genau plane und mit meinem Freund zusammen die Blicke auf uns ziehen.
Und mein Freund? Er genießt es mit mir zusammen das Nachtleben unsicher zu machen wenn auch nur beschränkt möglich.
Und dann war da noch die Korrektur OP im Sommer. Kann man sich auf das Krankenhaus freuen? Ja und wie und es war ein förmlicher Spaziergang und Wehmut begleitete mich als nach wenigen Tagen wieder heimdurfte.
Ich fragte mich oft: Wars das jetzt wirklich? 6 Jahre vorbei? Ich habe all die Träume und Wünsche erfüllt bekommen und das in einem Maße das ich nie erwartet hätte und es bis heute nicht glauben kann das ich nicht träume. Jeden Tag wenn ich in den Spiegel sehe bin ich dankbar über das erreichte.
Bis auf.....meine Oberweite. Mein Männlicher Oberkörper wird mir bleiben, zumindest noch längere Zeit. Damit gut gehen? Nein ganz gewiss nicht. Es belastet mich fast jeden Tag in dem ich mich vor dem Spiegel stehe aber ich denke ich hab mich unter Kontrolle um deswegen nicht ein Loch zu fallen. Geholfen hat mir mein Freund und Andere Personen die mir ihre ehrliche Meinung sagen und mich beruhigt haben und mir trotzdem sehr positives Feedback deswegen geben.
Und dann war da noch ein Abschluss dieses Jahr der für mich sehr wichtig war. Der letzte Besuch bei meiner Therapeutin die mich fast 6 Jahre begleitet hat und das obwohl sie vorher noch nie eine Transidente Person begleitet hat. Unser letztes Gespräch war mit ziemlich viel Wehmut behaftet da mich nur sehr wenige Menschen so bis in mein Innerstes kennen als meine Therapeutin. Vorallem hat mich ihr persönlicher Eindruck von mir gefreut. Eigentlich wollte sie mich am Anfang nicht begleiten da sie mit der Thematik keine Erfahrung hatte, war aber von mir als Mensch so überzeugt das sie es unbedingt wollte und es waren tolle Jahre und Gespräche mit ihr. Vielleicht hab ich ja so dafür gesorgt das es wieder eine Anlaufstelle für jemanden in Zukunft gibt der Hilfe benötigt.
Und das Jahr verging wie im Flug und so verbrachte ich mit meiner Frau im September einen der wunderbarsten Urlaub unseres Lebens. Wie verbrachten unglaublich schöne und romantische Stunden zusammen im Spreewald. Wobei natürlich Gurken nicht zu kurz kammen
Und auch wenn das Jahr durch C sehr eingeschränkt war durfte ich ein paar unglaublich aufregende Partynächte mit meinem Freund erleben. Eine davon fand in München statt und war so aufregend und besonders das sie mir sehr lange in Erinnerung bleiben wird. Besonders mein erster Tanz auf der komplett leeren Tanzfläche umringt von vielen Gästen als ich meinen Freund zu mir geholt habe. Meine Welt einfach.....
Und da war die Einzige Schwarze Scene Nacht in Augsburg. Angefangen bei einer anderen Party am Nachmittag bis zum nächsten Morgen um 5.
Wenn Füße tot sein können dann waren sie es....16 Stunden in hohen Schuhen
Doch leider gab es ein Ereignis das mir komplett die Füße weggezogen hat als im November mein Vater plötzlich gestorben ist. Ich war so unvorbereitet das eine Welt zusammen gebrochen ist. Die Nachricht das der eigene Vater im sterben liegt ist so grausam und erbarmungslos das kein rationaler Gedanke mehr möglich ist. Und dann sitzt man lange am Sterbebett und redet ein letztes Mal mit einem der wichtigsten Menschen in seinem Leben. Diese Momente werde ich nie vergessen als ich meinem Vater noch lange die Hand gehalten habe und ein letztes Mal sein Stopeliges Gesicht steeicheln darf. Mein Vater mit dem ich so viele Stunden in seiner Schreinerei verbracht habe. Dem ich trotz der vielen Widrigkeiten so viel zu verdanken habe. Ich darf in nie wieder sehen.......
Und trotzdem sehe ich auf das Jahr2021 zurück und bin froh über die vielen Momente die so kostbar sind und die mir nie wieder jemand nehmen kann.
Und eines kann mir nach diesem Jahr niemand mehr nehmen...meinen Kampfgeist, meine Stärke zu meiner Meinung zu stehen und Dinge mit meinem Verstand zu erkennen und zu sehen. Ich habe auch eines gelernt , beschimpft, denunziert und ausgeschlossen zu werden und stolz darauf zu sein. Und ich habe gelernt Nein zu sagen und standhaft zu meiner Meinung zu stehen.
Und so ging das Jahr 2021 zu Ende, krank zuhause mit einem schlimmen Infekt aber lächelnd zurück blickend auf ein Jahr voller wunderbarer Menschen und Elebnissen die in meinem Leben eine der Einzigartigsten waren die ich je erleben durfte.
Und die wunderbarste Frau die man sich wünschen kann an meiner Seite.
Und...noch nie hab ich so lange für einen Post gebraucht.
Danke an Alle die mich lesen und mit ihren Komentaren zum nachdenken bringen.
Euch allen ein gesundes Jahr 2022
Doch da ist ein ungutes Gefühl für dieses Jahr....
Céline