Kapitel 4. Warum heißt es eigentlich Kleidergrößen?
Dumme Frage, die Antwort ist doch eindeutig: Weil sie im Lauf der Zeit größer werden.
Wir schreiten jetzt mal ein paar Jahre vorwärts in der Zeit. Und zwar mit sehr großen Schritten. Nichts bleibt, wie es ist. Nur Valerie fällt aus der Reihe, in ihrem Leben blieb sozusagen kein Stein auf dem anderen, und sie ist immer noch allein. Allerdings ist sie nicht geschieden, sie ist wieder alleinstehend, so nennt man das wohl, wenn man nach vielen Jahren des Zusammenlebens mit einem Mann plötzlich feststellt, er war doch nicht der Richtige, aber du dumme Kuh hast vergessen, ihn zu heiraten oder sonst irgendwie vorzusorgen für schlechtere Zeiten.
Die Jahre mit Thierry, dort unten auf dem Traumschloss im Süden, die waren so schnell verflogen.
Valerie drückte diese Gedanken weg.
Sie lebte jetzt zur Miete in Narbonne, das ist diese Kreisstadt in der Region Occitanie, wo sie vor der Zeit mit Thierry schon dieses Immobilien-Büro hatte, das sie dann aber aufgab, nachdem sie zu ihm nach Seriège gezogen war. Natürlich hat sie dort in Narbonne noch Freunde und viele alte Verbindungen.
Sie ist jetzt nicht mehr 35, nein sie ist eingetreten in den Club der 40er, und dieses Vierziger-Zahl betrifft nicht nur ihr Lebensalter, sondern auch ihre Kleidergröße. Wie schön war"˜s doch noch, als sie noch 38 tragen konnte, obwohl"¦ schon damals kannte sie das Gefühl, dass es bei Kleidern und eng geschnittenen Oberteilen knapp und eng wird unter dem Arm"¦ Also achtunddreißig, das war einmal, vergangen, vergessen, vorbei.
Und auch bei 40 und 42 hat sie sich nicht sehr lange aufgehalten, und was soll man sagen, gerade ist sie dabei, die 44 hinter sich zu lassen und auf die 46 zuzugehen. Ist Valerie ein Frustfresser? Tröstet sie sich mit leckerem Essen über manche Enttäuschungen des Alltags hinweg? Jeder mag sich seinen Teil dazu denken, ich verurteile sie nicht.
Man muß auch wissen, dass es natürlich hervorragende Restaurants dort unten gibt, wo sie jetzt ihren Lebensmittelpunkt aufgeschlagen hat. Leben wie Gott in Frankreich"¦ Von den berühmten Weinen, Likören, Apéritifs, und den Desserts der Region einmal ganz zu schweigen. Von daher war es fast vorhersehbar, dass ihre Wäschegröße, zum Beispiel für BHs, im gleichen Zeitraum von 85 schnell auf 90 und 95 stieg, und schwupps hatte sie die 100 überschritten fast ohne es zu merken, es ist ja auch schwierig, hier noch die Übersicht zu behalten, bei den ganzen modernen Synthetik-Wäscheteilen, die sind ja sooo elastisch heutzutage."¦
Jedenfalls füllte sie obenrum schon recht schnell ein B-Körbchen aus, auch früher schon. Natürlich waren das damals inside-Silis gewesen, also implantierte Silikonkissen. (Ihr erinnert euch an die Schönheitsklinik in Böblingen?) Aber selbst nachdem sie diese Implantate später hatte wieder entfernen lassen (nach dem Skandal) und nach der Trennung von Thierry nahm sie oben herum ständig zu, Valeries Oberweite wuchs, logo dass sie dann irgendwann wieder auf den Gedanken kam, wieder auf Silikonbrüste zurückzugreifen, um ihre geliebte weibliche Silhouette zu erhalten. Das waren dann recht schnell wieder B- und C-Größen, die sie in ihre BHs einlegte. Bitte nicht erschrecken, wenn ich jetzt Valeries aktuelle BH-Größe nenne: 115 C (bei soften Körbchen) oder 115 B (bei festeren, also den gemoldeten Schalen, wie man sie z.B. unter dem T-shirt trägt). Nicht vergessen, in Deutschland wäre das 100b oder 100c, die französischen Hersteller rechnen da immer 15 zur Oberweite dazu.
Hundert, das ist ihr jetziges Ubru-Maß. Geht aber auch schon wieder auf 105 zu, nichts bleibt wie es war.
Das gute Leben hinterlässt Spuren, warum sollte es bei ihr anders sein? Nun ist es nicht so, dass sie sich und ihren Körper vernachlässigte, nein, sie hing nicht vor dem Fernseher herum, sie verkam nicht zur couch potato, sie betrieb dagegen immer noch Sport, sie joggte jeden Sonntagmorgen am Canal du Midi entlang, und ebenso klar ist, dass sie nach wie vor viel Geld für elegante Kleidung ausgab. Ebenso ihr Aufwand für Körperpflege und Kosmetik, der war nicht klein. Aber darüber zu schreiben, wäre ein eigenes Kapitel wert.
Ein regelmäßiges Einkommen aus fester Anstellung hatte sie nicht. Jahrelang hatte sie sich mit verschiedenen Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten, später machte sie dann wieder häufiger als Freelancer im Immobilien-Business mit, hier kannte sie sich aus und hier kannte sie auch einige Leute, also stellte sich der finanzielle Erfolg wieder ein. Obwohl"¦ Erfolg ist als Begriff vielleicht zu hoch gegriffen. Mal konnte sie etwas verkaufen oder vermitteln, dann lebte sie wieder eine Zeitlang von ihrer 15-prozentigen Vermittlerprovision, dann aber folgten wieder längere Phasen, wo kaum etwas lief"¦ Valerie lebte wieder, wie zu ihrer Anfangszeit in Narbonne, das Leben einer Freiberuflern, nennen wir sie freelancer, das klingt abenteuerlicher, und ein Abenteuer war ihr Leben dann auch geworden, da muss man sich keiner Illusion hingeben. Die Zeit nach Thierry war mindestens so abenteuerlich, wie es die Zeiten vorher gewesen waren.
Nun wissen wir, dass sie Grundbesitz besaß. Kann man Grundbesitzer sein, ohne irgendein Einkommen zu haben? Man kann. Valerie lebte ein seltsames Leben. Theoretisch war sie eigentlich eine Millionärin, denn sie besaß über tausend Ar an Land, das war alles auf ihren realen Namen im Bodenregister der Präfektur in Béziers eingetragen. Nur"¦Landbesitz allein bedeutet kein regelmäßiges Einkommen auf dem Konto. Praktisch hatte sie ihr Girokonto bei der Bank ständig überzogen. Was war zu tun? Totes Kapital muss man irgendwie aktivieren. Valerie entschloss sich, einen ihre Freunde nach dem Verkaufswert ihres Grundstücks zu befragen.
Soviel für heute.
Eure Kommentare, Gedanken, Ideen werden aus dem Forum werden gerne gelesen.
Das 5. Kapitel kommt bald in diesem Theater, voraussichtlich nach Nikolaus.
Liebe Grüße, Valerie
