Aria hat geschrieben: Do 4. Jan 2024, 20:20
Du schiebst damit die Schuld deiner Frau in die Schuhe, wenn das zwischen euch nicht klappt. Sie kann doch ihre Begehren nicht einfach so ausrichten wie du es dir evt. wünschst.
Hallo Aria,
genau das ist eigentlich nicht mein Bestreben. War es nicht und wird es auch nicht sein. Das wäre auch keine Beziehung auf Augenhöhe. Ich meine auch etwas anderes. Wenn in einer Beziehung eine Krise auftritt, mache Schuldzuweisungen keinen Sinn. Sie vertiefen den Konflikt. Für mich ist ein Hinterfragen der eigenen Glaubenssätze, jeder für sich selber, ein Weg zu neuen Sichtweisen und ein Wachsen wird möglich. Aber ob man diesen Weg beschreiten will, muss jede/r für sich selber ausmachen. Ich habe die Entscheidung meiner Frau für sich selber zu akzeptieren.
Ich habe natürlich Hoffnungen, aber ich muss mich selber genau der gleichen Frage unterziehen. Wie sehe ich meine eigenen Glaubenssätze ? Welche Glaubenssätze habe ich ? Wie wichtig ist mir mein Leben als Frau ? Oder ist es "nur" ein Spiel im Frauenmodus ? Und so, wie ich nicht von meiner Frau fordern kann, sich meinen Wünsche zu unterwerfen, kann sie es auch nicht, dass ich mein Leben als Mann lebe, obwohl es mir nicht gut tut.
Ich versuche für mich selber Klarheit zu finden. Dazu habe ich jetzt eine SHG besucht, um meine Gefühle für das Frausein klarer zu sehen. Ich werde das auch fortsetzen, Aber wie Wally schon schreibt, ein Leben als Frau ist vielleicht auch in meiner Beziehung möglich. Es hat keiner gesagt, dass das einfach wird. Das kläre ich mit meiner Frau.
EmmiMarie hat geschrieben: Do 4. Jan 2024, 22:49
Den Konflikt den du, sorry, mal wieder aufbaust, müsste nicht sein, wenn man eine andere
Haltung einnimmt und sich nicht mehr als die solitär wichtigste Person im Leben einer anderen Person betrachtet.
Hi Marie,
der Satz hatte mich zu einer Antwort gereizt, die ich geschrieben, aber dann verloren habe, weil ich versehentlich den Browser geschlossen habe. Für mich ist das immer ein Zeichen, noch einmal darüber nachzudenken. Ich denke, das war auch sehr gut, da es bedeutet, mich zu hinterfragen. Ist dieser Satz wirklich richtig ? Ja und nein. Ich habe Gefühle und ich habe Bedürfnisse. Vor allem bei den Gefühlen entdecke ich immer mehr an mir, was meine Frau auch fördert. Das Ergebnis ist offen, aber je mehr ich meine Gefühle erforsche, um so mehr stelle ich fest, das mir ein Leben als Frau im Alltag deutlich wichtiger wird. Ich denke daran, auch mein Outing auszuweiten.
Das bedeutet für meine Frau natürlich Stress. Frage an Dich, wie kann ich damit umgehen ? Soll ich meine Bedürfnisse hinten an stellen oder sie damit konfrontieren ? In letzterem Fall stelle ich mich tatsächlich dem Vorwurf aus, dass ich meine Bedürfnisse auf ihre Kosten leben will. Im ersten Fall vergewaltige ich mich selber. Ist das nicht der Konflikt, in der viele von uns stehen, wenn sie in einer Beziehung sind ? Nur in den seltensten Fällen wird der Partner/die Partnerin "hurra" rufen.
Den einzig gangbaren Weg sehe ich darin, dass wir uns aus unseren jeweiligen Positionen ins Gespräch kommen und jeweils, wie oben in meiner Antwort an Aria beschrieben, verständigen. Aber selbst dieser Weg ist ein Weg, den wir einvernehmlich beschreiten müssen. Für mich ist genau das die Freiheit, die wir haben. Und ja, es ist ziemlich schwierig: für uns beide. Wie Wally schrieb: es kann gelingen.
Unser Leben wird sich zwangsläufig verändern. Nichts wird bleiben, wie es war, da wir uns in einer tiefen Krise befinden, die fruchtbar, aber auch furchtbar werden kann. Wenn wir da gemeinsam heraus wollen, müssen wir es gemeinsam wollen, Jede für sich muss diese Frage beantworten. Jede hat ihre Bedürfnisse. Auch die werden dabei Thema sein. Vielleicht sind sie unvereinbar, aber wie Du schreibst, kann eine Beziehung trotzdem gelingen. Freunde von mir haben ihre Ehe, die über 25 Jahre besteht, geöffnet, ohne sie zu beenden. Ob für uns das ein Weg ist weiß ich nicht. Ich strebe es nicht an. Und nicht jedes Bedürfnis muss befriedigt werden. Aber auf meine Bedürfnisse habe ich ein Recht. Wie meine Frau auch.
Ich danke Dir für Deine kritischen Anmerkungen. Sie haben mir weiter geholfen. Vielleicht kommen meine Beiträg wirklich etwas egozentrisch rüber. Aber mein bisheriger Weg und gerade die Entwicklungen in meinem Inneren in en letzten Tagen und Wochen zeigen mir, wie sehr ich mich vernachlässigt habe. Ich zweifle an vielem an mir und so betreibe ich Nabelschau, um mir selber näher zu kommen. Vor fast 15 Jahren war nach einer Trennung ich in einer depressiven Krise. Die wichtigste Lektion, die ich aus dieser Phase mitgenommen habe, war die Erkenntnis, dass ich meine Gefühle lernen musste und zwar von Anfang an. In mir hat alles rebelliert und ich habe mich oft nicht gut verhalten. So musste ich lernen, was sich für mich gut anfühlt und was schlecht. Selbst das habe ich vorher nicht hinbekommen. So nach und nach kommt immer mehr hinzu. Scham, Angst, Freude, Zufriedenheit und immer stärker auch das Gefühl für meine Weiblichkeit und was sie für mich bedeutet. Es war immer da, wollte gesehen werden und gleichzeitig habe ich es unterdrückt. Es darf nicht sein, was nicht sein darf. Ich drehte mich im Kreis und heute weiß ich, dass ein Leben ohne meine Weiblichkeit nicht möglich ist. Aber auch dabei muss ich noch lernen, was meine Weiblichkeit wirklich ist.
Ich gebe zu, das ist vielleicht egozentrisch. Aber welche Wahl habe ich, wenn ich das nicht frei hier äußere ? Lösungen findet man manchmal einfach auch dadurch, dass man sie ausspricht. Ist das nicht oft der Wunsch von Frauen, wenn sie ihrem Partner etwas erzählen ? Oftmals wollen sie keine Hilfestellung, sondern nur ein offenes Ohr. So ähnlich geht es mir hier. Und die Antworten lasse ich mir durch den Kopf gehen, kritische wie auch Mut machende ...
Wally hat geschrieben: Fr 5. Jan 2024, 16:22
Aber anhand meiner Erfahrungen möchte ich Dir gerne ein wenig Mut machen: es IST möglich, es KANN gutgehen - auch unter Erhalt und sogar Festigung einer gut funktionierenden Partnerbeziehung.
Hallo Wally,
vielen Dank für Deine ermutigenden Worte. Ich weiß sie sehr zu schätzen. Sie machen Mut, aber sie zeigen auch, dass es auf dem Weg eine Menge Probleme geben kann, die bewältigt werden wollen. Aber auf diesen Weg setze ich.