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Re: Kerstins literarische Ecke
Verfasst: Fr 15. Jul 2022, 22:26
von Kerstin1958
Liebe Mitmenschen,
heute müsst ihr meinen Text bestimmt zweimal lesen!?
transfraus gestern & heute
gestern einfach nur:
traurig zwar
& aber auch stolz
traurig zwar
& aber auch glücklich
traurig zwar
& aber auch ich
doch heute einfach nur:
stolz & glücklich & ich
(c) by Kerstin5858
Aber vielelicht lohnt es sich ja, das Lesen?
Liebe Grüße
Kerstin
Re: Kerstins literarische Ecke
Verfasst: Sa 16. Jul 2022, 09:33
von Juliane
Liebe Kerstin.
Es lohnt sich immer deine Texte zu lesen. Manchmal auch zweimal, oder öfter.
Denn gelegentlich erschließt sich einem der Sinn erst dann! Erst, wenn man einfach noch einmal mit
anderen Pausen zwischen den Zeilen und Worten liest. Oder sich deine Texte selbst einmal laut vorliest.
Ich jedenfalls möchte nicht darauf verzichten. Schon deshalb nicht, weil da so viel Wissen und Erfahrung
dahinter stecken. Wissen um unser gemeinsames und doch so unterschiedliches -Anderssein-
Liebe Grüße, Juliane
Re: Kerstins literarische Ecke
Verfasst: Sa 16. Jul 2022, 20:15
von Magdalena
Liebe Kerstin,
Deine Texte regen immer zum Nachdenken an.
Stolz und Glücklich kannst Du sein, weil Du
die Fessel gelöst hast, welche Dich traurig gemacht hat.
Viele liebe Grüße von Magdalena
Re: Kerstins literarische Ecke
Verfasst: Fr 22. Jul 2022, 23:02
von Kerstin1958
Liebe Mitmenschen,
hier kommen nun schon wieder neue Gedanken von mir.
Eine Rückschau, nicht euphorisch, eher etwas nachdenklich.
viel zu lange
viel zu lange
durfte ich nicht
sollte ich nicht
konnte ich nicht
nein,
ich konnte wohl nicht
mich wehren gegen
die normen
die erwartungen
die ängste
die hilflosigkeit
die sie gegen mich verwendeten
viel zu lange
konnte ich nicht
nein,
ich konnte es wohl nicht
mich wehren gegen
die, die mir ihre unterstützung
& auch ihre liebe
verweigerten
-© by Kerstin5858
Und wie schon mehrfach betont, nicht alles, aber vieles ist gut geworden für mich.
Und warum soll das nicht auch für die eine oder andere von euch gelten?
Die Daumen drückt...
Kerstin
Re: Kerstins literarische Ecke
Verfasst: Sa 23. Jul 2022, 09:02
von Juliane
Liebe Kerstin.
Wieder einmal Gedanken, die ich zum Großteil gut nachvollziehen kann. Auch wenn mein Weg, zu dem was ich heute bin,
ein anderer war und ist.
Und Du schreibst auch, dass nicht alles gut ist!
Doch laß es mich einmal so versuchen zu erklären:
Was noch nicht gut ist, ist noch nicht fertig 
.
Liebe Grüße und ein schönes Wochenende, Juliane
Re: Kerstins literarische Ecke
Verfasst: Sa 23. Jul 2022, 20:25
von Magdalena
Liebe Kerstin,
manchmal denke ich, Du kennst mein Leben.
Und doch weißt Du wenig über mich.
Und doch finde ich mich in Deinen Texten wieder.
Juliane schrieb, "Was noch nicht gut ist, ist noch nicht fertig." Da frage ich mich, ob es je geschehen wird, fertig zu sein. Wohl kann es sein, zufrieden mit dem Erreichten zu sein. Wissend, es gibt noch Verbesserungen.
Viele liebe Grüße von Magdalena
Re: Kerstins literarische Ecke
Verfasst: Fr 5. Aug 2022, 23:26
von Kerstin1958
Liebe Mitmenschen,
an jedem einzelnen Tag der vergangenen Woche wollte ich euch einen Text spendieren, doch irgendwie kam immer wieder etwas dazwischen.
Nun ja, wie bei einem Würfelspiel habe ich da wohl einmal ausgesetzt!
Aber nun kommt doch ein neuer ('alter') Text für euch daher:
ich habe es nicht gewusst
ich habe einfach nicht gewusst
dass sie nicht nein sagen könnten
ich habe einfach nicht gewusst
dass ich ja sagen dürfte
zu mir & meinem ich
- bis gestern -
denn da habe ich einfach ja gesagt zu mir
einmal endlich ja zu mir gesagt
- bis gestern -
habe ich es einfach nicht gewusst
doch jetzt
ja, jetzt
weiß ich es nur zu genau
dass ich ja sagen durfte
-© by Kerstin5858
Ein schönes Wochenende wünscht
Kerstin
Re: Kerstins literarische Ecke
Verfasst: Sa 6. Aug 2022, 08:52
von Juliane
Liebe Kerstin.
Wir
dürfen nicht nur ja sagen zu dem, was da in uns schlummert, drängt, bohrt oder pocht. Nein, wir
müssen ja sagen,
ohne zu "Ja-sagern" zu werden. Denn wenn wir das, was in uns ist, nicht herauslassen können und dürfen, dann, dass ist auch
meine Erfahrung, dann werden wir krank.
Krank in der Seele und krank im Körper. Denn beständiges verstecken, vertuschen, verdrängen macht auch körperlich krank.
Meine Hausärzte und ich, wundern uns heute, nach über 22 Jahren, noch immer darüber, wie schnell und umfassend die diversen
Medikamente abgesetzt, oder zumindest in der Dosierung verringert werden konnten, nachdem der Deckel vom überkochenden
Topf genommen worden war.
Ich wünsche mir, dass das auch viele andere erleben dürfen, und der Welt zeigen können, hier sind wir, und wir sind so wie wir sind.
Und egal, ob Gott, Mutter Natur, Budda, oder Mohamed, oder wer auch immer dafür verantwortlich sein soll, nehmt es als gegeben
hin. Akzeptiert euch so wie ihr seid.
Puh, jetzt ist es doch tatsächlich schon wieder fast einmal das Wort zum Sonntag geworden

.
Liebe Grüße, Juliane
Re: Kerstins literarische Ecke
Verfasst: Fr 12. Aug 2022, 21:59
von Kerstin1958
Liebe Mitmenschen,
oft, sehr oft ist mein Blick in die Zukunft gerichtet.
Doch gelegentlich, das ist hier wohl schon deutlich geworden, schaue ich auch einmal zurück...
eine trans*frau und ein kleiner junge
nicht einmal
die augen muss ich schließen
nicht einmal
betrinken muss ich mich
um
diesen kleinen jungen wieder zu treffen
um
ihn in in seiner heimlichen welt zu beobachten
seine not zu spüren
seine verzweiflung zu wissen
all' die
sehnsucht
angst
panik
hilflosigkeit
in seinen gedanken
nicht einmal die augen muss ich schließen
nicht einmal betrinken muss ich mich
um
mich wieder an diesen kleinen jungen von damals zu erinnern
wieder dieser kleine junge von damals zu sein
-© by Kerstin5858
In diesem Sinne, bleiben wir hoffnungsvoll und mutig!
Kerstin
PS: Liebe Juliane, vielen Dank für dein 'Wort zum Sonntag'!!!
Ich weiß deine Gedanken zu schätzen.
Re: Kerstins literarische Ecke
Verfasst: Fr 12. Aug 2022, 22:43
von Juliane
Liebe Kerstin.
Oooh, wie gut kann ich, können wohl soviele hier, deine Worte nachvollziehen.
Diese Sehnsucht, die Sachen selber einmal anzuziehen. Diese Kleidung, die doch eigentlich den Mädchen und Frauen vorbehalten war.
Diese Angst erwischt zu werden und sich auszumalen, was dann passieren könnte.
Diese Panik, wenn dieser Fall eingetreten ist und man (Kind) einfach nicht weiß, was jetzt passiert.
Diese Hilflosigkeit wenn Mutter dann droht, ....... damit droht alles Vater zu erzählen, ...... und ins Heim gesteckt zu werden.
Diese Verzweiflung, die Schläge, die Drohungen, ........... sie lassen einen hilflos zurück.
Und dabei wollte man doch nur einmal, für ganz kurze Zeit spüren, wieder einmal spüren, wie es sich anfühlt, die richtige Kleidung zu tragen.
Endlich wieder einmal ein Kleid anzuziehen, spitzenverzierte Wäsche, seidige Strümpfe, hochhackige Schuhe und Mutters Lippenstift zu schmecken.
Einiges ist damals in den 60er Jahren, innen drin, an der Seele, kaputt gegangen, kaputt gemacht worden.
Um so froher bin ich jetzt, dass ich nun, seit über 20 Jahren, mithin inzwischen ein gutes Drittel meines Lebens, mich nicht mehr verstecken muss.
Dass ich im Rückblick mein absolut bestes Stück meines Lebens, jetzt so lebe wie ich möchte.
Dass ich diesen Gefühlen Raum geben kann. Dass Juliane leben kann und so viele um mich herum, mich so akzeptieren oder tolerieren.
Ich Glückspilz ich

Re: Kerstins literarische Ecke
Verfasst: Sa 13. Aug 2022, 21:29
von Magdalena
Liebe Kerstin,
wieder einmal hast Du dass ausgedrückt, womit sich viele von uns ihren Zwiespalt durchlebt haben. Nicht tun zu dürfen, wonach sie sich sehnten. Eingeschüchtert, in sich gekehrt, verschlossen.
Da der Tag der Befreiung, Outing, Freude verlieren und neue Freunde und Freundinnen gewinnen. Die Achterbahn der Gefühle durchleben.
Irgendwann angekommen, doch der kleine Junge von damals ist tief in uns drin. Und ich finde, es nist gut so. Zeigt uns doch der kleine Junge, die Frau von heute wäre ohne den kleinen Jungen nicht.
Viele liebe Grüße von Magdalena
Re: Kerstins literarische Ecke
Verfasst: So 14. Aug 2022, 22:15
von Kerstin1958
Liebe Juliane, liebe Magdalena,
habt vielen Dank für eure Anmerkungen!
Was wären meine bescheidenen Worte und Zeilen, wenn ihr sie nicht mit euren Gedanken, Erinnerungen, Erfahrungen und Leben zum Leben erwecken würdet!
Vielen lieben Dank für eure Begleitung!
Kerstin
Re: Kerstins literarische Ecke
Verfasst: Fr 19. Aug 2022, 18:17
von Kerstin1958
Liebe Mitmenschen,
immer wieder einmal habe ich in verschiedenen Gesprächen einen kleinen 'Spruch' eingetreut.
Nun wollte ich die Gedanken endlich auch als kleinen Text in die Welt senden...
Hin zu euch!
ein traum — ein endlich
ein traum:
keine perücke...
kein silikon auf der haut...
kein silikon unter den haut...
eine sehnsucht:
keine perücke...
kein silikon auf der haut...
kein silikon unter den haut...
ein wunsch:
keine perücke...
kein silikon auf der haut...
kein silikon unter den haut...
eine hoffnung:
keine perücke...
kein silikon auf der haut...
kein silikon unter den haut...
ein ziel:
keine perücke...
kein silikon auf der haut...
kein silikon unter den haut...
eine wirklichkeit:
keine perücke...
kein silikon auf der haut...
kein silikon unter den haut...
ein endlich — dieses ICH
-© by Kerstin5858
In diesem Sinne, vielleicht dürfen Träume ja manchmal Wirklichkeit werden.
Kerstin
Re: Kerstins literarische Ecke
Verfasst: Fr 19. Aug 2022, 20:47
von Kerstin1958
Liebe Mitmenschen,
... deutsche Sprache schwere Sprache oder
... zuviel Schmerzmittel zwischen den Synapsen?
Egal,
hier nun noch einmal mit 'der' statt 'den':
Liebe Mitmenschen,
immer wieder einmal habe ich in verschiedenen Gesprächen einen kleinen 'Spruch' eingetreut.
Nun wollte ich die Gedanken endlich auch als kleinen Text in die Welt senden...
Hin zu euch!
ein traum — ein endlich
ein traum:
keine perücke...
kein silikon auf der haut...
kein silikon unter der haut...
eine sehnsucht:
keine perücke...
kein silikon auf der haut...
kein silikon unter der haut...
ein wunsch:
keine perücke...
kein silikon auf der haut...
kein silikon unter der haut...
eine hoffnung:
keine perücke...
kein silikon auf der haut...
kein silikon unter der haut...
ein ziel:
keine perücke...
kein silikon auf der haut...
kein silikon unter der haut...
eine wirklichkeit:
keine perücke...
kein silikon auf der haut...
kein silikon unter der haut...
ein endlich — dieses ICH
-© by Kerstin5858
In diesem Sinne, vielleicht dürfen Träume ja manchmal Wirklichkeit werden.
Kerstin
Re: Kerstins literarische Ecke
Verfasst: Di 23. Aug 2022, 08:36
von Juliane
Liebe Kerstin,
was doch so ein winziger Wechsel von "n" zu "r" gleich ausmacht.
Aber mal ganz ehrlich, ............ ich habe es beim ersten lesen glatt übersehen und mein Hirm hat scheinbar
automatisch "de
r Haut" gelesen

.
Weiterhin alles Liebe und Gute für dich, ohne Perücke und Silikon.
Juliane