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Re: Blutengel

Verfasst: Di 10. Dez 2019, 10:31
von Stephan
Wieder einmal hervorragend geschrieben. Respekt für das Werk.

Re: Blutengel

Verfasst: Fr 13. Dez 2019, 14:37
von Stephanie
Auf dem Segelflugplatz

Der Tag heute fängt normal an. Die Kollegen haben sich anscheinend schnell an mein neues "Ich" gewöhnt. Der Vormittag läuft normal. Gegen Mittag fragt ein Kollege: "Steffi, kommst Du mit zum Essen?" "Ich komme hinterher, ich muss noch mal eben privat telefonieren." Meine Kollegen setzen sich in Bewegung, während ich die Telefonnummer vom Segelflug Club wähle. Eine nette Damenstimme meldet sich am anderen Ende: "Guten Tag, Daniela Nie, vom Segelflug Club, was kann ich für sie tun?" Ich melde mich mit normaler Stimme und nur mit meinem Nachnamen: Ja, guten Tag, Boe mein Name, ich war vor längerem aktives Mitglied im Verein, dann passives Mitglied und würde jetzt gerne wieder aktiv dabei sein." "Ich glaube, dann kennen wir uns", sagt die Dame am anderen Ende. "Hm, ich kenne von damals eine Daniela Mai", antworte ich. "Ja, genau so hieß ich bis zur Hochzeit", antwortet sie freudig. "OK, dann hast Du Dirk geheiratet?", frage ich vorsichtig. "Genau", sagt sie etwas lachend, "Du warst lange nicht mehr hier." "Is"™ja ein Ding", staune ich. "Wenn Du magst kannst Du gerne vorbei kommen", sagt Daniela, "Dirk ist heute so um 15:00 Uhr da. Dann könnt ihr alles besprechen." Alles klar", sage ich erfreut, "ich bin dann da." "Bis nachher", sagt sie dann noch. Dirk und ich kennen uns aus der Schulzeit. Sein Vater war damals schon aktiv beim Segelfliegen. Ab und zu nahm er uns mal mit, und wir durften oft eine Runde mitfliegen. Mit 14 fingen wir dann auch die Ausbildung für den Segelflugschein zumachen. Und so wie es aussieht ist Dirk mittlerweile Vorsitzender des Vereins.

Nach dem Telefonat schnappe ich mir meine Jacke, weil es heute mal wieder etwas frischer draußen ist. Es ist eine schwarze Softshelljacke, die uns unser Arbeitgeber zur Verfügung stellt. Auf der Jacke ist mein Name eingestickt, Vorname mit dem ersten Buchstaben abgekürzt und dann der volle Nachname. Dann gehe ich in Richtung Kantine. Als ich reingehe schaue ich, wo meine Kollegen sind. Dann gehe ich zur Essenausgabe und stelle mir mein Essen zusammen. Ich gehe zu meinen Kollegen. Dabei fallen mir Sandras Kolleginnen auf, wie sich mich beobachten. Insbesondere die Kollegin die gestern so vehement die Plätze verteidigt hat. Vor allem versucht sie wohl meinen Namen auf der Jacke zu erspähen. Ich setze mich zu meinen Kollegen. "Was glotzt die denn so?" frage ich leise meine Kollegen. "Hm, na ja, die hat eben schon fiese Spitzen über Dich verteilt", sagt Ulrich. "Aha", bemerke ich lapidar, "hat sie wohl ein Problem mit mir." Ich beachte sie nicht weiter, sondern lass mich auf die Blödeleien meiner Kollegen ein. Kurz danach verlassen die Damen ihre Plätze. "Das war zum Teil ganz schön heftig, was die da von sich gegeben hat",, sagt Torsten, als die Damen außer Reichweite sind. "Was denn so?" frage ich. "Es fiel oft das Wort "Transe" und auch die Phrase "verkleidet sich doch nur"", sagt Ulrich. "Na ja, hat sie wohl die falsche Krankenakte studiert", sage ich leicht abwertend, "mal sehen, was da noch kommt." "Na, Dich ficht ja so leicht gar nichts mehr an, was?" sagt Ulrich lachend. Ich grinse.

Nach dem Mittag läuft es genauso ruhig weiter, wie am Vormittag. Das Wetter ist etwas besser geworden und die Sonne ist auch rausgekommen. Kurz vor 15:00 Uhr mache ich Feierabend und fahre zum Flughafen. Dort angekommen parke ich mein Auto und gehe zur Tür des Vereinsheims, in dem sich auch das Büro befindet. Ich gehe hinein. Daniela sitzt an einem Schreibtisch. Sie schaut hoch und fragt freundlich: "Guten Tag, wie kann ich Ihnen helfen?" Ebenso freundlich sage ich: "Wir hatten heute Mittag telefoniert." Sie schaut mich an, zwinkert mit den Augen, schüttelt leicht den Kopf. "Äh ja", sagt sie leicht verunsichert, "Stefan Boe? Oder eher dann Stefanie?" Ich nicke und sage: "Ja, genau so." "Och das hättest Du aber auch sagen können", sagt Daniela lächelnd. "Ist Dirk schon da?" frage ich. "Er hat sich leider etwas verspätet, müsste aber gleich da sein", antwortet Daniela. Kurz danach fährt ein Auto hinter das Vereinsheim und parkt da. "Mal sehen, ob er Dich gleich erkennt", sagt Daniela lächelnd. Dirk betritt das Haus durch den Hintereingang, begrüßt Daniela und grüßt kurz zu mir herüber. Dann fragt er Daniela: "Ist Stefan schon da?" Daniela tut geheimnisvoll und ich versuche nicht loszulachen. Dann sagt Daniela: "Ja, ist schon da." "Und wo ist er?" fragt Dirk weiter. "Sie!" antwortet Daniela. Dirk dreht sich ganz langsam zu mir um. "Das gibt es doch gar nicht!", sagt er völlig erstaunt. Er kommt auf mich zu. "Ja, doch jetzt von Nahen sieht man die Ähnlichkeit", sagt er, "wie kommts?" "Naja, wenn ihr etwas Zeit habt erzähle ich es euch gerne", antworte ich. "Gerne", sagt Daniela, "schieß los." Also erzähle ich den Beiden meinen Werdegang, auch die Trennung von meiner Frau. "Ist ja spannend", sagt Dirk nachdem ich fertig bin. "Und jetzt möchtest Du wieder in die Luft gehen", fragt Daniela. "Genau", antworte ich, "ich wüßte gerne ob meine Fluglizenz noch gültig ist." "Ja, die verfällt nicht, sondern ruht nur", sagt Dirk.

Im folgenden Gespräch erklärt mir Dirk die Vorgehensweise. Ich muss natürlich einige Flüge unter Aufsicht eines Trainers machen und Theorie wird dann auch noch mal abgefragt. "Bist Du damit einverstanden?" fragt Dirk. "Na klar", antworte ich. "Super",sagt Daniela. "Und ich freue mich, das unsere "Thermik-Natter" wieder da ist. "Dirk!" rüffelt Daniela, "das ist aber ein doofer Spitzname. Ich lache. "Nee, ist schon OK", sage ich, ""Thermik Spürhund" haben sie mich damals auch genannt." "War das vor meiner Zeit?" fragt Daniela. "Nöö, eigentlich nicht", antworte ich." "Und warum nannten sie dich so?" fragt Daniela weiter. "Weil er, sorry, sie die Thermik riechen kann, bzw. schmecken kann", sagt Dirk grinsend. "OK", sagt Daniela lachend. "Und wir finden jetzt raus, ob er, sorry sie das immer noch kann", sagt Dirk, "haste Zeit für eine Runde?" "Na klar", antworte ich. Wir gehen raus. "Ich habe schon mal das Trainingsflugzeug vorbereiten lassen", sagt Dirk. "Na dann", sage ich grinsend. Wir gehen zum Flugzeug. Ich steige vorne ein. Dirk fragt nochmal die Instrumente ab, die ich ihm alle beantworten kann. Ich betätige die Steuerung, um wieder ein Gefühl dafür zu kriegen. "Ich würde Dir dann oben die Steuerung überlassen", sagt Dirk. "Alles klar", antworte ich. Der Segler steht schon an der richtigen Stelle, um das Seil einzuhaken, für den Windenstart. "Hals- und Beinbruch" wünscht uns Daniela grinsend. Dann schließen wir die Haube. "Fertig?" fragt mich Dirk. "Jawohl!" antworte ich. Dirk zeugt den Leuten draußen den Daumen nach oben. Kurz danach strafft sich das Windenseil. Mit einem leichten Ruck geht"™s los. Dann nehmen schnell Fahrt auf. Der Flieger hebt ab und kurz danach gehen wir in den steilen Steigflug. "Ich liebe Windenstarts, habe ich das schon mal gesagt?" frage ich. "Früher sehr oft", sagt Dirk grinsend. Kurze Zeit später sind wir oben und das Seil klinkt aus. "Als wäre es gestern das letzte Mal gewesen", sage ich genießerisch. Dirk lacht. "Und riechst Du schon Thermik?" fragt er feixend. "Nee, aber da hinten hinter dem Wäldchen ist erfahrungsgemäß immer was", sage ich. Dirk steuert uns dahin und tatsächlich werden wir von einer Thermik erfasst. "Unglaublich", staunt Dirk, "so lange raus und immer noch ein Gespür dafür." "Jetzt kannste die Thermik auch riechen", sage ich, "wenn auch nur ganz leicht." "Hä?" fragt Dirk. "Merkst Du diesen ganz schwachen Geruch nach umgepflügten Acker?" frage ich grinsend. Dirk schaut nach unten. "Aha, so machst Du das", lacht er.

Dirk übergibt mir die Steuerung. "Ist doch ungewohnter, als ich dachte", sage ich. Aber nach kurzer Zeit habe ich den Bogen wieder raus und kurbele uns in der Thermik nach oben. "Na, das sieht doch gut aus", sagt Dirk. Als wir aus der Thermik raus sind, fliege ich ein kleines Dreieck und steuere dann den Flugplatz an. Die Landung übernimmt dann Dirk. "Und? Wie wars" fragt Dirk, als wir stehen. "Hammergeil!" antworte ich. Daniela kommt zu uns. "Na Steffi? Alles gut?" fragt sie. Ich nicke und sage strahlend: "Super gut!" "Na komm, dann machen wir noch eine zweite Runde", sagt Dirk, "Du fliegst und ich greife nur ein, wenn es Probleme gibt." "Okee", antworte ich zögerlich, "inklusive Start und Landung?" Dirk nickt. "Hm, na gut", sage ich dann. Zusammen mit zwei Helfern schieben wir den Flieger auf Position. Das Seil wird eingehakt und wir steigen ein. Haube schließen, der Bodenmannschaft die Bereitschaft zum Start gegeben. Kurz danach strafft sich das Seil und dann geht es auch schon wieder los. Dieses Mal werden wir von der anderen Winde hochgezogen. Ich merke eine leichte Vibration im Sitz. "Merkst Du das auch, dieses Vibrieren im Sitz?" frage ich Dirk noch im Steigflug. "Ja, ganz leicht", antwortet er, "kannst Du Dir einen Reim drauf machen, was das ist? "Ich vermute einen Lagerschaden in der Windenspindel", antworte ich. Im Spiegel sehe ich Dirk staunen. "Du bist ein Phänomen", sagt Dirk. Das Seil hat sich mittlerweile ausgeklinkt. Ich suche den Himmel ab. Es sind wenige Wolken am Himmel. "Die sieht doch schnuckelig aus", sage ich, als ich eine passende Wolke gefunden habe. Ich steuere den Flieger dorthin und schon erfasst uns ein ordentlicher Aufwind. "Verlernt hast Du wirklich nichts", sagt Dirk anerkennend, "aber das war ja schon in der Schule so, wenn Dir was Spaß gemacht hat, dann hast Du es Dir für immer gemerkt." "Genau das", antworte ich grinsend. Nach einiger Zeit setze ich zur Landung an. Das ist dann doch eine anstrengendere Sache. Aber ich kriege den Flieger auf den Boden. "Na ja, butterweiche Landung geht anders", flaxt Dirk. "Muss ja auch nicht gleich alles auf Anhieb klappen", feixe ich zurück. Bin ja lernfähig." Wir steigen aus dem Flieger und gehen zurück zum Vereinheim. Daniela empfängt uns. "Na Steffi, das sah gut von unten", sagt sie, "bist Du dann wieder mit dabei?" "Aber so was von gerne", sage ich. "Ich habe den Wechsel von passive auf aktive Mitgliedschaft schon mal vorbereitet." Ich lese mir das Formular kurz durch und unterschreibe dann. Dann gleichen wir noch die Termine für die Trainingsflüge ab.

"Wie sieht es mit den Aufbaustunden aus?" frage ich, gibt es die noch?" "Ja die gibt es noch", sagt Dirk, "ich hätte da auch gleich eine Idee für Dich." Er grinst mich an. "Ich glaube, ich weiß schon was das ist", sage ich genauso grinsend. Daniela schaut uns etwas irritiert an. "Hm, was meint ihr denn?" fragt sie. "Stell die vor, beim letzten Windenstart macht Steffi eine Ferndiagnose mit ihrem Hintern", sagt Dirk lachend. "Hä? Wie jetzt?" fragt Daniela. "Über den Sitz und das Seil merkt Steffi, dass die Windenspindel wahrscheinlich einen Lagerschaden hat", erklärt Dirk. Daniela schaut uns erstaunt an. Ich zwinkere ihr zu. "Jahrelange Erfahrung", sage ich lächelnd. "Unglaublich", bemerkt Daniela. "Soll ich mir die Winde mal anschauen?", frage ich. "Klar, wenn Du noch Zeit hast", antwortet Dirk. Die habe ich. Wir machen uns auf den Weg zur Winde. Unterwegs kommen wir an einer Reihe Flieger vorbei, die auf den Start warten. Die jeweiligen Besatzungen schauen mich natürlich an. Nach einigen Aufklärungen gehen wir weiter zur Winde. Die Winden sind auf einemLKW montiert und werden von je drei Leuten bedient. Einer der sie steuert, einer, der mit einem Auto das Seil zum Startpunkt bringt und der dritte hängt das Seil am Auto an. "Oh, ist unsere Thermiknatter als Mädchen zurück?" fragt einer der Drei, mit dem Namen Rainer. "Jepp", antworte ich kurz und lächelnd. "Oh super", sagt Rainer, "Du hattest ja damals auch viel mit an den Winden gearbeitet und instandgesetzt." "Genau deswegen sind wir hier", sage ich, "habt ihr irgendwelche Auffälligkeiten bemerkt?" "Ja, in letzter Zeit vibriert die Maschine leicht", sagt Volker, der andere an der Winde. "Das habe ich auch beim Hochziehen im Hintern gemerkt", sage ich. "Respekt, Frollein", sagt Rainer grinsend. Inzwischen ist das Seilschleppauto zurück gekommen. Der Fahrer steigt aus und schaut mich erstaunt an. Ich erkenne ihn und spreche ihn an: "Na Rolf? Ich bin wieder mit dabei." "Stefan??? Äh dann wohl Stefanie", fragt er verdattert. "Ja, oder kurz Steffi", antworte ich.

"Willst Du mal in die Winde reinschauen?" fragt Rainer. Ich nicke. Volker und Rainer schrauben eine Abdeckung ab. Rolf hängt derweil das Seil an das Auto. Rainer lässt die Winde langsam rückwärts laufen. "So merkt man erstmal nichts", sagt Volker, "aber unter Volllast da brummt es ein wenig." Rolf ist bei den Fliegern angekommen und hängt das Seil an den nächsten Flieger an. Über Funk kommt das OK für den Start. Langsam zieht die Winde an und wird dann immer schneller. "Oh ja, da links siehst Du es sogar leicht, wie es flattert", sage ich. Rainer schaut besorgt. "Wie lange mag das noch halten?" fragt er, "vor allem grade jetzt, wo die Saison anfängt." Dirk schaut zu mir. "Meinst Du das kriegen wir selber hin?" fragt er, "früher hast Du das doch schon mal gemacht." "Ich habe lange keine Lagerschalen mehr ausgeschabt", sage ich, "mit ein wenig Übung müßte ich es hinkriegen." "Das wär natürlich ein Ding", sagt Volker. "Ich denke, das hält noch eine Woche, vielleicht zwei", antworte ich. "Würdest Du das machen?" fragt mich Dirk. "Ich denke schon", antworte ich, "am besten am Wochenende abends, wenn keine Thermik ist anfangen und dann in die Nacht hinein." "Wann hättest Du Zeit?", fragt Rainer. "Dieses Wochenende ist schlecht", sage ich, "aber das nächste könnte ich mir freihalten." "Top, machen wir", sagt Rainer. "Super", freut sich Dirk. Rainer und Volker schrauben die Abdeckung wieder an. Dirk und ich machen uns auf den Weg zum Vereinsheim. "Ich mache mich dann mal wieder auf den Weg", sage ich. "Die Termine hast Du ja", sagt Dirk, "dann sehen wir uns nächste Woche." "Bis dann Steffi", sagt Daniela. "Tschüß ihr", sage ich, steige in mein Auto und fahre vom Gelände. Irgendwie bin ich total aufgeregt, das hat auch sehr viel Spaß gemacht, mal wieder durch die Lüfte zu gleiten. Und auch wie mich die anderen angenommen haben, find ich richtig gut. Zu Hause angekommen mache ich mir ein kleines Abendbrot und lasse den Tag Revue passieren. Ich bin so Happy und freue mich über mich selber, dass ich das mit dem Segelfliegen gemacht habe.

Re: Blutengel

Verfasst: Di 17. Dez 2019, 19:38
von Stephanie
Im Übungsraum

Nach dem Abendbrot nehme ich mir den Röhrenverstärker vor. Ich tausche die Röhren aus und überprüfe nochmal alle Lötstellen. Dann schalte ich den Verstärker ein und messe an der ein oder anderen Stelle, ob die Spannungen stimmen. Allein schon das leise Knistern der Röhren ist ein Genuss. Schade, dass ich die Gittarren schon im Übungsraum habe. Aber Moment! Ha, ich habe ja noch die Mundharmonika hier. Das passende Mikrofon liegt daneben. Also das Mikro angeschlossen, die Harp zwischen die Lippen genommen und mal schnell einen Blues geblasen. "Boah! Geiler Sound", denke ich mir, als ich nach einigen Minuten aufhöre. Es klopft leise an der Wohnungstür. Ich gehe hin und schaue nach. Lisa steht vor der Tür. Ich mache die Tür auf und frage vorsichtig: "War das zu laut?" "Nein, auf keinen Fall, das war gut!" antwortet Lisa, "ich wusste erst nicht, wo das herkam." "Hu, dann bin ich ja beruhigt", sage ich. Willi, Anne und Ebi stehen unten im Treppenhaus. "Das hörte sich gut an, Steffi", lobt mich Willi, "scheint so, als läuft der Verstärker." "Ja, tut er zuverlässig", sage ich, "mal sehen, wie er dann mit der Gittarre klingt." Wir unterhalten uns noch kurz im Treppenhaus, dann sage ich: "So ich mache mal weiter, ein wenig aufhübschen muss ich ihn noch. "Zeig mal, wenn Du fertig bist", sagt Lisa. "Gerne", sage ich lächelnd und gehe zurück in die Wohnung.

Im Internet hatte ich eine Anleitung gefunden, wie man die Bespannung am besten auf den Verstärker bekommt. Während ich den Stoff zuschneide signalisiert mir mein Handy, dass grade eine WhatsApp Nachricht eingetrudelt ist. Ich schaue nach. "Frank hat Dich zu der Gruppe - Die Fünf und Sie — hinzugefügt. "Netter Name", denke ich mir. Und schon kommt auch die erste Nachricht, von Frank : "Hallo, habe neue Gruppe aufgemacht. Wollen wir weiterhin Mittwochs üben, von 18.00 bis 21.00? @Steffi passt Dir das?" Ich antworte knapp mit: "Jepp, bis morgen." Nach und nach trudeln die Antworten der anderen ein. Denen passt es auch. "Schön", sage ich leise und bespanne meine Verstärker weiter. Gegen 23.00 Uhr bin ich fertig. Noch schnell wieder das "VOX"-Schild angebracht, dann begutachte ich mein Werk. "Kann sich doch sehen lassen", sage ich leise vor mich hin. Zufrieden gehe ich ins Bett.

Der Tag auf der Arbeit ist auch wieder unkompliziert. Bei uns in der Abteilung ist es üblich, das neue Kollegen einen Einstand geben. Natürlich forderten meine Kollegen dass von mir vorgestern auch ein, weil ich ja gegebenermaßen "die Neue" bin. Also habe ich heute vor der Arbeit in einem nahen Supermarkt alles für ein spätes Frühstück eingekauft. Meist machen wir das so, dass wir für uns die Mittagspause ein bis zwei Stunden vorziehen. Deswegen gehen wir Mittags dann auch nicht mehr in die Kantine. Der weiter Tag verläuft normal und ich fahre gegen 16.00 nach Hause. Es ist ziemlich warm geworden, also ziehe ich mich um. Hatte ich auf der Arbeit heute eine Skinny Jeans an, so wechsele ich jetzt auf ein leichtes einfarbiges blaues Baumwollkleid mit -¾ Ärmeln. Ich beschließe etwas früher zum Übungsraum zu fahren. Ich hole meinen Selbstbau-Röhren Verstärker aus dem Hobby-Zimmer und stelle ihn neben den Vox. Dann schnappe ich mir noch eine leichte Jacke, meine Handtasche und bringe alles ins Auto. Aus der Garage nehme ich noch eine Decke mit, die ich am Übungsraum über den Vox legen werde, weil ich ja die Jungs mit dem Ding überraschen will.

Kurz vor Fünf fahre ich los und komme auch schon 20 Minuten später auf dem Gelände an. Ich gehe einmal über den Platz und schaue ob alles OK ist. Im Briefkasten liegt auch nichts. So gehe ich rüber zum Übungsraum. Toms Auto steht da schon. Ich gehe zu meinem Auto und hole die Verstärker raus. Die Decke lege ich über den Vox, dann gehe ich Hoch. Tom schraubt grade an den Drums herum. "Hi Tom", begrüße ich ihn. Er schaut zu mir rüber und lächelt mich an. "Hallo Steffi, schön dass Du da bist", sagt er erfreut. Ich stelle meine Verstärker erst mal in eine Ecke und bestaune Toms Werk. "Wieso hast Du hier zwei Drumsets stehen?" frage ich ihn. "Na ja, ich habe im Laufe der Jahre immer was dazu gekriegt", antwortet er, "und außer dem ist hier ordentlich Platz." "Stimmt", sage ich und schaue mich um, "Frank hat sich ja auch ziemlich ausgebreitet mit seinen Keyboards." "Außerdem kann ich so mein Set den jeweiligen Auftritten anpassen", sagt Tom weiter. "Inwiefern?" frage ich etwas ratlos. "Na ja, je nachdem, ob wir auf einem Schützenfest oder auf einem Abschlussball von einer Tanzschule auftreten", antwortet Tom. Ich nicke zustimmend. "Alles klar, habe ich verstanden", sage ich lächelnd.

Ich schaue mich noch mal um. "Wo ist denn mein Platz?" frage ich. Tom lacht. "Such Dir was aus, die anderen Drei Saitenklopper haben sich noch garnicht eingerichtet. "OK", sage ich lachend und nehme meine beiden Gitarren. "Carlos steht von mir aus gesehen meistens ganz rechts", sagt Tom dann. "Alles klar, dann stehe ich halbrechts von Dir", antworte ich. Tom grinst. Ich gehe zu der Ecke, wo die Verstärker stehen. Ich nehme beide und gehe zurück zu den Klampfen. Tom schraubt derweil weiter und bekommt nicht mit, was ich da schleppe. Die Verstärker stelle ich ab und stecke an beiden schon mal Kabel an. Den Vox stelle ich weiter nach hinten, dass er nicht gleich auffällt. Dann schließe ich sie an der Steckdose an und schalte sie ein. Dann gehe ich zum kleineren Drumset und schnippe leise gegen eins der Becken. Tom schaut prompt hoch. "Willste mal?" fragt er verschmitzt. "Gerne", sage ich und gehe hinter die Drums. "Sticks liegen da auf dem Snare", sagt Tom. Ich stelle mir den Hocker ein. Tom beobachtet mich. "Mit den Schuhen willst Du spielen?" fragt er mich. "Darf ich nicht?" frage ich feixend dagegen. "Doch, doch, nur wegen der Absätze", sagt Tom. "Sind nur Sechs Zentimeter, das ist eigentlich nichts", sage ich flaxend, "ab 10 Zentimeter und Pfennigabsatz wird es schwieriger." "Oh je, Du bist eine Marke", sagt Tom. Ich zwinkere ihm zu.

Ich klacke den Takt an, dann probiere ich einige Rhythmen aus. In der Zwischenzeit kommen Frank und Micha an. Sie stellen ihre Sachen ab und schaun zu mir rüber. "Das ist nicht schlecht", sagt Tom, als ich aufhöre, "Du musst doch immer mal wieder geübt haben." "Habe ich auch", antworte ich und erzähle von dem digitalen Drumset. "Du Schlingel", sagt Tom grinsend, "da hast Du bei Jens und Bernie ganz schön tiefgestapelt." Frank und Micha müssen grinsen. Kurz nacheinander kommen dann auch Carlos und Alex an. "Ah, ich sehe Steffi hat sich schon einen Platz gesucht", sagt Alex. "Jepp, und extra rechts außen für Carlos freigehalten", sage ich. "Fein Steffi, das gefällt mir, Dich an meiner Seite zu haben", sagt Carlos. "He da!" sagt Tom gespielt entrüstet, was uns alle zum Lachen bringt.

Micha, Alex und Carlos bauen ihre Sachen auf, während ich meine rote Ibanez an den Selbstbau-Amp anschließe. Ich spiele einige Akkorde an und spiele dann einen einfachen Blues. Alex kommt zu mir. "Geiler Sound", sagt er und schaut auf den Verstärker, "das ist der selbstgebaute?" "Ja ist er", antworte ich. Micha kommt dazu. Er schaut auf das Schild welches am Verstärker hängt. "SB Design?"fragt er, "was heißt das? SelbstBau Design?" Ich lache und sage: "Stefanie Boe Design, eigentlich." "Oh, sorry, wie peinlich", sagt Micha. "Und dafür wolltest Du die Röhren haben?" fragt Alex, "hast Du die eigentlich noch bekommen, war der Laden noch offen?" "Ja, die Röhren habe ich bekommen", antworte ich und stecke nebenbei das andere Kabel an, "allerdings hat der hier noch ziemlich frische Röhren, die neuen brauchte ich für was anderes." Verwunderung macht sich bei Micha und Alex breit. Ich schlage derweil einen fetten Power-Rock Akkord an. "Hä?" Wo kommt der Sound jetzt her?" fragt Micha, "und vor allem ist der noch eine Stufe fetter als eben." Ich spiele die Anfangs-Riffs von "Jumping Jack Flash", gehe dabei zum AC 30 und hebe mit dem Gitarrenkopf die Decke ab. Jetzt ist der Sound natürlich noch ungedämpfter. Ich schaue zu Alex und Micha. Die staunen mit offenen Mund. Tom grinst und fotografiert sie mit seinem Smartphone. Ich höre auf zu spielen. "Ist das geil", sage ich, "ich habe Entenfell auf dem Rücken." Carlos, Frank und Tom lachen, während Micha und Alex völlig sprachlos sind.

"Das, "¦ das ist Deiner, Steffi?" fragt Alex, der sich als erster gefangen hat. "Ja, selbst restauriert", antworte ich, "aber ich mach mir grade schwere Vorwürfe, dass ich ihn mitgebracht habe." "Wieso?" fragt Carlos. Ich antworte grinsend: "Na ja hätte ich das gewusst, wie er die beiden aus der Fassung wirft." "Es geht gleich wieder", sagt Alex ebenfalls grinsend. "Darf ich auch mal?" fragt Micha ganz vorsichtig. "Na klar", antworte ich. Micha schnappt sich seine Stratocaster, stöpselt sie an und spielt vorsichtig einige Akkorde. "Unglaublich", sagt er. "Gleich weint er", flaxt Frank. Dann traut sich Micha mal mehr Gas zu geben und spielt ein paar wahnsinns Soli. "Boah, ein echter AC 30", sagt er, als er fertig ist, "dass ich das noch mal erleben darf." "Von wann ist denn der?" fragt Frank. "Mein Baujahr", antworte ich, "1967." "Stark, ganz stark", sagt Alex. "Wo hast Du den her?" fragt Micha. "Günstig in der Bucht geschossen", antworte ich, "aber der war fast hinüber. Ich hätte selber nicht gedacht, dass der nochmal läuft." "Manno Steffi, ich glaube das immer noch nicht", sagt Micha. Ich muss grinsen. "Ich weiß jetzt aber wie man die wieder zum Laufen kriegt", sage ich, "haltet mal die Augen und Ohren offen. Zumal wir ja auch unten die Werkstatt nutzen können." "Wäre cool, wenn wir noch ein oder zwei dazu kriegen können", sagt Alex. Micha umarmt mich derweil. "Ich muss dich einfach mal drücken", sagt er dann.
Micha und Alex tüfteln noch an ihrem Equipment rum. Carlos ist schon fertig und hängt sich seinen Bass um. "Lass uns einfach ein bisschen jammen, zum warmwerden", sagt Carlos. Tom fängt an einen 2/4 Takt zu spielen. Carlos setzt mit dem Bass ein, danach Frank und ich. Wir rocken so vor uns hin. Ab und zu schauen ein paar Leute aus der Werkstatt rein. Dann sind auch Micha und Alex soweit. "Ich würde gerne mal "Jessica" von den Allman Brothers spielen", sagt Alex, "das müssten wir doch in der Besetzung hinkriegen." Ich nicke langsam und überlege, ob ich die Griffe noch drauf habe. "Spielst Du Piano oder Orgel", fragt Frank Alex. "Piano würde ich gerne", antwortet Alex. Micha grinst mich an. "Ich spiel die Akustische, die Soli krieg ich auf die Schnelle nicht hin", sage ich und grinse zu Micha, "und damit ist der Weg frei für Micha, auf dem Atze30 zu spielen." "Wenn seine Arterien das aushalten", flaxt Carlos cool. "Fertig?" fragt Tom. "Jepp!" antworten wir. Ich starte mit dem Intro und nach und nach steigen die anderen ein. Während wir spielen sehe ich aus den Augenwinkeln den Präsi und ein paar Leute in der Tür stehen und staunen.

"Boah, Leute, ihr seit ja gut", sagt der Präsi. "Danke", sagen wir im Chor. Neben dem Präsi steht eine Frau, die sich richtig freut. "Das ist meine Lebensgefährtin", stellt der Präsi sie vor. "Hi, das Lied ist mein absolutes Lieblingslied", sagt sie. "Dann lass mich raten", sage ich, "Du heißt Jessica." "Genau, oder einfach Jessi", sagt sie hocherfreut. "Is"˜ ja stark", freut sich Alex. "Dann wollen wir nicht weiter stören", sagt Jessi. "Tut ihr nicht", sagt Tom. Ich klimpere ein wenig auf der Akustischen rum und stimme sie nach. Dann fange ich einfach so mit dem Intro von "Wish you were here" an. "Geile Idee!" sagt Carlos. "Moment, moment", sagt Frank, "ich habe dieses Radiogedudele irgendwo abgespeichert." Er findet es und spielt es ab. Ich setze wieder mit der Gitarre ein und fange einfach an zu singen. Im Gegensatz zum Auftritt auf der Bühne stehen wir andersherum, so das wir uns alle sehen können. "Hammer, einfach nur Hammerhart, was hier abgeht", sagt Tom erfreut, "irgendwie hast Du uns wirklich gefehlt, Steffi." "Jetzt ist es richtig rund mit uns", freut sich Frank mit. "Und jetzt ratet mal wer hir wiedermal leicht verlegen wird?" fragt Carlos grinsend. "Hier, ich!", sage ich laut und hebe meine Hand, um diese Verlegenheit zu überspielen. Die anderen lachen.

Wir spielen noch einige Stücke, dann frage ich: "Wie sieht das eigentlich mit Auftritten aus? Wieviel macht ihr so?" "Ungefähr 10 bis 12 im Jahr", antwortet Frank, "manchmal auch weniger, manchmal auch mehr." "Je nachdem wie wir Zeit haben", fügt Alex hinzu. "Und mindestens Vier von uns sollten da sein", sagt Tom. "Den Anspruch könnten wir jetzt ja auf Fünf erhöhen", sagt Carlos. Ich nicke. "Und wo spielt ihr so?" frage ich. "Fast überall", antwortet Micha, "auf Schützenfesten, diverse Abschlussbälle, Stadtfesten, Firmenparties, usw.." "OK, und was wäre als nächstes?" frage ich weiter. "Ein Schützenfest, Anfang Juni", antwortet Frank. Ich stutze kurz, als ob ich was ahne. "Und wo?" bohre ich weiter. "In Mei..", antwortet Alex. "Ach du scheiße, als hätte ich es geahnt", sage ich mit gemischten Gefühlen. "Wieso, was ist denn mit dem Ort, das Fest ist immer gut besucht", sagt Frank. "Das weiß ich", antworte ich, was die Jungs zum Stutzen bringt, "ich habe da bis vor knapp einem halben Jahr gewohnt." "Ist das jetzt schlimm?", fragt Micha. "Na ja, da laufen dann wahrscheinlich einige rum, die ich eigentlich nicht mehr sehen will", antworte ich. "Hm", sagt Tom, "verstehe ich, geht mir ähnlich." "Ist ja noch ein bisschen hin, vielleicht überlegst Du es Dir bis dahin", sagt Frank. Ich grübele ein wenig, dann sage ich: "Ich will aber auch keine Spielverderberin sein. Ich mache da trotzdem mit." "Steffi, ich mag Deine Art Entscheidungen zu treffen", sagt Carlos lachend.
"Wie spielt ihr auf so einem Fest? Mit festen Programm, oder wie bei Jens und Bernie improvisiert?" frage ich. "Mit festem Programm", antwortet Micha, "die Kladde mit den Wünschen gibt es da nicht." "Höchstens mal ein, zwei Wünsche, wenn es was besonderes gibt", fügt Alex hinzu. Frank sucht etwas aus einer Kiste heraus. "Das wär das vorläufige Programm", sagt er und gibt mir eine Liste. "Ok, vieles kann ich, einiges müsste ich üben", sage ich, "kriege ich hin." "Die Liste kann aber noch angepasst werden", sagt Micha, "vielleicht hast Du ja auch noch ein paar Ideen." "Bestimmt", sage ich lächelnd, "ein paar Lieder von weiblichen Interpreten fehlen ja völlig." "Kannst gerne was mit einbringen", sagt Tom grinsend. Wir üben dann noch einige Stücke. Gegen Zehn Uhr schalten wir dann unser Equipment aus, verlassen den Raum und schließen ab. Unten bei den Autos bleiben wir noch kurz stehen. Micha sagt dann: "Ich glaube das wird gut mit uns "Fünf und Sie". Ich grinse und sage: "Schöner Name, aber wie heißt ihr den eigentlich?" "Ursprünglich "die fünf rätselhaften Herren", antwortet Frank, "kurz den eben "die Fünf"." "Mit "die Fünf und Sie" kann ich aber auch leben", sagt Tom. "Machen wir so", sagt Carlos und hält seine Hand in die Mitte, "Einer für alle"¦" "Alle für einen!" vervollständigen wir alle. "Sauber", sage ich, "ich freue mich." "Kommt gut nach Hause", sagt Frank, "und einen schönen Abend noch." "Ebenso" tönt es von uns zurück. Wir steigen in unsere Autos und fahren vom Platz. "Meine Güte", denke ich mir unterwegs, "was mache ich hier eigentlich grade für eine geile Entwicklung durch." Zu Hause angekommen, gehe ich dann auch gleich in die Heia und freue mich auf den morgigen Tag und das Treffen mit Sandra am Nachmittag.

Re: Blutengel

Verfasst: Mi 8. Jan 2020, 14:11
von Stephanie
Treffen mit Sandra

Wie in den vergangenen Tagen habe ich morgens eine süße Nachricht von Sandra auf meinem Handy. "Ich freue mich so, dass wir uns heute sehen", steht da. Ich antworte ihr natürlich. Nach dem Abstecher ins Bad und einem kurzem Frühstück, mache ich mich mit dem Fahrrad auf den Weg zur Arbeit. Da es noch etwas frisch ist, ziehe ich über das dunkelblaue Langarmkleid eine Blaue Steppweste. Der Wetterbericht sagt erneut einen warmen sonnigen Tag voraus. Nach zehn Minuten komme ich auch schon am Fahhrradständer an und schließe mein Fahrrad an. Beim verlassen des Fahrradunterstandes schaue ich zum Fenster von Sandras Büro. Natürlich hat sie mich anrollen sehen und steht schon am geöffneten Fenster. "Huhu Steffi!" ruft sie mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht. "Huhu Sandra", rufe ich zurück und winke. Dann gehe ich in Richtung Tor und dann zu meinem Arbeitsplatz. Der Vormmittag läuft vergleichsweise ruhig. Um 11:00 Uhr schreibe ich eine Nachricht an Sandra, in der ich frage, ob und wann sie zum Mittagessen geht. Ich bekommen keine Antwort, was mich wundert, denn Sandra antwortet immer recht schnell. Vielleicht ist sie in einem Termin. Als ich um viertel nach Zwölf immer noch keine Antwort von ihr habe, gehe ich mit meinen Kollegen zum Essen.

Wir betreten die Kantine und mit einem flüchtigen Blick kann ich Sandra nirgends erkennen, aber gefühlte Tausend Augenpaare glotzen mich an. "Irgendwas ist hier im Gange", sage ich zu meinen Kollegen. "Ist mir auch gleich aufgefallen, komische Stimmung hier", sagt Ulrich. Ich bewaffne mich mit Tablett und Besteck und und gehe mit den Kollegen zur Essenausgabe. Beim Bezahlen sagt Ariane, die an der Kasse sitzt: "Steffi, die Dicke da hat wieder über dich gelästert, aber so laut, dass wir es hier mitbekommen haben." "Danke für den Hinweis", sage ich, "das erklärt ja die Stimmung hier." "Als ich zum Tisch gehen will, sehe ich Sandra, die grade ihr Tablett wegbringt. Ich warte auf sie. Ihre Miene lässt nichts Gutes erahnen. "Hey, was ist denn los?", frage ich, "ist Dir eine Laus über die Leber gelaufen?" "Frag mich das nachher noch mal", sagt sie und lässt mich einfach stehen. "Was stimmt denn mit der auf einmal nicht?", frage ich, als ich mich an den Tisch zu meinen Kollegen setze. "Wahrscheinlich hat ihr "jemand" Mist über Dich erzählt", antwortet Torsten. "Na ja, wenn dem so ist, dann sollte diejenigewelche sich warm anziehen, auf das, was sie dann erwartet", sage ich in die Runde, dass die an den Nachbartischen es auch noch hören.

Nach dem Mittag habe ich damit zu tun, für den morgigen Tag eine Moderation für einen Workshop vorzubereiten, der am Vormittag stattfinden soll. Um halb Vier bin ich damit fertig. Ich fahre meinen Rechner runter und begebe mich zum Fahrradunterstand. Dort treffe ich einen Herrn, der mich gleich anspricht. "Ich saß in der Kantine in ihrer Nähe und habe ihre Verwunderung über die Situation mitbekommen", sagt er. "Was ist denn vorher passiert?" frage ich ihn, "war ja schon seltsam, wieviele Leute mich anschauten." "Die eine Person hat sehr intime Sachen über Sie erzählt", antwortet er. Ich stutze. "Wer war denn das?" frage ich, "etwa diese große etwas übergewichtige Dame, die immer so vehement die Plätze verteidigt?" Er lächelt. "Ja, genau die", antwortet er. "Können sie mir vielleicht den Namen nennen?" frage ich weiter. "Ich kenne nur den Vornamen", sagt er. "Der reicht", sage ich lächelnd. "Karla heißt die Dame", antwortet er. "Super, vielen Dank", sage ich. "Gerne", bekomme ich als Antwort.

Mit gemischten Gefühlen mache ich mich auf den Weg zur Eisdiele. Nach nicht mal Zehn Minuten bin ich da, noch vor der verabredeten Zeit. Sandra ist noch nicht zu sehen, wenn sie denn überhaupt noch kommt. Ich stelle das Fahrrad ab und gehe zu einem freien Tisch. "Schön, dass Sie mal wieder da sind", begrüßt mich die Chefin und legt die Karte auf den Tisch. Ich wundere mich. "War ich früher schonmal im Mädelmodus hier?" denke ich mir. Ich glaube eher, sie verwechselt mich mit meiner Mutter. Nach einiger Zeit kommt sie wieder. "Haben Sie schon etwas ausgesucht?" fragt sie. "Ich warte eigentlich noch auf jemanden", antworte ich. "OK, dann komme ich dann nochmal", sagt sie. Nach ein paar Minuten erscheint Sandra auf dem Platz, sieht mich und kommt auf mich zu. Sie versucht zu lächeln, was ihr aber nicht gelingt. Das ist auch nicht die Sandra, die ich kenne. Sie begrüßt mich auch ohne Küsschen oder Handgeben. Die Chefin kommt wieder und erkundigt sich nach unseren Wünschen. Wir bestellen uns beide einen Erdbeerbecher.

Da Sandra ziemlich still ist, suche ich das Gespräch und gehe auch gleich direkt auf das erlebte ein. "Was war heute los? Hat Dir irgendjemand was über mich erzählt?" frage ich. Sandras Augen werden feucht. "Du hast mich angelogen", sagt sie mit zittriger Stimme. "Inwiefern?" frage ich vorsichtig. "Du heißt garnicht Stefanie", antwortet sie. "Woher weißt Du das?" frage ich weiter. "Im betrieblichen Telefonbuch stehst Du mit Stefan Boe drin", antwortet sie. "Das hat auch einen einfachen Grund", sage ich, aber den erzähle ich dir später. Jetzt will ich erstmal wissen, ob Du das "rausgefunden" hast." "Nein, das war wer anders", antwortet Sandra patzig mit Tränen in den Augen. "Wer?" frage ich harsch. Sage ich nicht!" antwortet sie frech. "Wer war das?" frage ich mit Nachdruck. "Setz mich nicht unter Druck", bekomme ich als Antwort. "Ich setze Dich nicht unter Druck, das hat wer anderes schon getan", sage ich. Sandra dreht ihren Kopf zu mir. "Du bist keine Frau, du verkleidest Dich nur", sagt sie und noch mehr Tränen schießen in ihre Augen. "Moment mal, am letzten Samstag nach der Party erkläre ich allen Beteiligten, auch Dir, ausführlich meinen Zustand und jetzt kommst Du um die Ecke, weil Dir irgendjemand erzählt, ich wäre eine Transe und verkleide mich nur?" frage ich sie. "Und nur, weil irgendjemand meinen Namen auf der Jacke gesehen hat und daraufhin im Telefonbuch nachgeschaut hat?" bohre ich weiter. Sandras Augen fluten sich vollends mit Tränen. "Wer war es?" bohre ich weiter. "Kann ich nicht sagen", antwortet Sandra mit tränenerstickter Stimme. "Sandra, die Person spielt mit deinen Gefühlen", sage ich, "ich kenne dieses scheiß Gelaber mit der Transe zu genüge, deshalb lässt es mich auch kalt." Die umsitzenden Gäste habe mittlerweile unser Gespräch mit bekommen und schauen gespannt zu uns rüber.

"Sandra, wer von deinen Kolleginnen war es?" frage ich diesesmal etwas ruhiger. Sie schüttelt den Kopf. "Sandra, da werde ich die betreffende Person zur Rechenschaft ziehen müssen", sage ich ruhig, "das ist üble Nachrede, wenn nicht sogar Verleumdung." Sandra schaut mich mit an. "Ich will das mit ihr selber regeln", sage ich weiter, "ich kann aber auch über die Interessenvertretung (Betriebsrat) gehen. Dann geht aber ein riesiges Fass auf." Sandra steht wortlos und heulend auf und will gehen. "Sandra, war es Karla?" frage ich wieder bestimmend. Sie dreht sich um und schaut mich entsetzt an. "Jjj"¦ ja, sie war es", antwortet Sandra leise, dreht sich um und verlässt schnellen Schrittes die Eisdiele.

"Nanu, wo ist den ihre Freundin?" fragt die Chefin der Eisdiele, als sie die beiden Erdbeerbecher auf den Tisch stellt. Ich beantworte ihr die Frage. "Na gut dann stelle ich den anderen Becher erstmal wieder kalt", sagt sie, "vielleicht kommt sie ja noch mal wieder." Ich versuche kurz nicht an das eben erlebte zu denken und genieße das Eis. Nach einiger Zeit setzt sich die Chefin zu mir. "Ich habe jetzt eine Frage", sagt sie, "sind sie die Frau, die oft mit ihren Kindern hier zum Eisessen kam?" fragt sie. "Ein Junge, zwei Mädchen?" antworte ich fragend. "Genau", antwortet sie lächelnd. "Nein die Mutter bin ich nicht", antworte ich, "ich war der Sohn." Ihre Augen werden groß, dann mustert sie mich von oben bis unten ab. "Na das ist ihnen aber gelungen", sagt sie abschließend. "Danke", sage ich lächelnd. Dann wird sie zum Nachbartisch gerufen, weil die Herrschaften bezahlen möchten. Einige Bestellungen von neu dazugekommenen nimmt sie auf, dann kommt sie bei mir wieder vorbei. "Ihre Freundin kommt wohl nicht mehr wieder?" stellt sie fest. "Glaube ich auch", antworte ich, "würden Sie mir den anderen Erdbeerbecher bringen? Ich bin grade gut in Form." Sie lacht und bringt ihn mir nach einiger Zeit. Nachdem ich auch diesen Becher verputzt habe, frage ich nach der Rechnung. Die Chefin kommt zu mir und hat neben der Rechnung noch zwei Espressi dabei. "Der geht auf das Haus", sagt sie lächelnd. Ich bedanke mich un bezahle die beiden Becher. Dann trinken wir beide die Espressi. Ich bedanke mich freundlich und verabschiede mich. Als ich aufstehe, mustert mich die Chefin noch mal gründlich ab. "Alles richtig", sagt sie, "eine schöne Frau. Ich bedanke mich lieb und gehe zu meinem Fahrrad. Nach Hause fahren will ich noch nicht. Ich beschließe noch eine größere Runde zu radeln, um den Kalorien des Eises keine Möglichkeit zu geben, sich anzusetzen. Als Ziel wähle ich die Spedition, das ist eine gute Strecke.

Re: Blutengel

Verfasst: Mi 8. Jan 2020, 18:32
von Kim
Hi Stephanie

Vielen Dank für die wieder sehr schöne Fortsetzung.

Glg Kim

Re: Blutengel

Verfasst: Di 14. Jan 2020, 15:04
von Stephanie
Angler sind meine Spezialität

Unterwegs denke ich über das eben erlebte nach. Ich verstehe dabei Sandra gar nicht. Sie ist eine intelligente, aufgeschlossene Frau. Warum lässt sie sich von solchen Phrasen einer Kollegin aus der Fassung bringen? Außerdem hat sie sich doch auf der Party in mein Leben gedrängelt. Jedenfalls werde ich mir morgen die Kollegin mal vornehmen.
So langsam nähere ich mich dem Gelände der Spedition. Ich komme dieses mal von der anderen Seite über die Feldwege. Schon von weitem fallen mir einige Autos auf, die am Zaun zur Kiesgrube stehen. Eigentlich ist auf den Wegen die Durchfahrt für Kfz verboten, mit Ausnahme von Land- und Forstwirtschaftliche Fahrzeugen. Ich schaue mir das aus der Nähe an. Die Autos stehen da, wo der Zaun aufgeschnitten ist. Und von oben sieht man teilweise Angelruten am Wasser. Ich fotografiere die Kfz-Kenneichen und fahre dann weiter. An einer Stelle ist der Zaun so weit aufgeschnitten, dass ich mit dem Fahrrad durchkomme. Ich schaue nach, wie steil das runtergeht. Da ich ein Trekkingrad habe, entscheide ich mich, hier jetzt runterzufahren. Das geht auch problemlos und ich komme direkt neben einem Angler zum stehen. Der erschreckt sich ziemlich. Ich steige vom Fahrrad ab. Der Angler hat sich gefasst und fragt vorsichtig: "Wer sind Sie und was wollen Sie hier?" "Ist ganz einfach, ich bin die neue Verwalterin und möchte Ihre Erlaubnis sehen, dass Sie hier angeln dürfen", antworte ich. "Äh, Erlaubnis? Wie?" fragt der Angler erstaunt. "Eine Erlaubnis vom Eigentümer, das hier ist Privateigentum", sage ich streng. "Ach so, das wusste ich nicht", sagt er, räumt seine Sachen zusammen und verschwindet.

Ich peile durch die Büsche und sehe ein paar Meter weiter den nächsten Angler. Das Fahrrad lasse ich stehen und gehe zu Fuss dort hin. Natürlich hat mich der Angler schon gesehen. "Oh, schöne Frau, was für eine Abwechslung"¦", sagt er. Ohne eine Regung im Gesicht sage ich: " Genau und zur Abwechselung fordere ich sie auf, das Gelände sofort zu verlassen." "Warum"?" fragt er frech. "Das ist Privateigentum hier und außerdem ist hier Angelverbot", antworte ich. "Und wer sind Sie? fragt er. "Verwalterin des Geländes und der Baulichkeiten, sowie Vertreterin der Besitzers", antworte ich. Er schaut mich erstaunt an. "Sie verlassen jetzt sofort das Gelände!" fordere ich ihn streng auf. Er nickt und fängt an seine Utensilien einzusammeln. In der Nähe sitzt noch einer. Ich gehe hin. Der scheint das ganze Theater schon mitbekommen zu haben und erwartet mich schon. "Für Sie gilt das Gleiche, bitte verlassen Sie sofort das Gelände", fordere ich ihn auf. "Ich darf hier angeln und habe hier die erforderlichen Unterlagen", sagt er und drückt mir einen Stapel Papier in die Hand. "Wollen Sie mich veräppeln?" frage ich ihn und schaue flüchtig über die Papiere. "Nein, das hat so seine Richtigkeit", antwortet er überheblich. "Das ist alles Fake", sage ich, "auf keinem der Papiere ist eine Unterschrift, weder vom Eigentümer, noch von Ihnen, also nutzlos." "Kennen Sie den Eigentümer eigentlich?" fragt er frech. Beiläufig und immer noch auf die Papiere schauend antworte ich: "Ja, er ist mein Onkle!" "Ja, und?" fragt er wieder. "Nix und! Es gibt jetzt exakt zwei Möglichkeiten", sage ich bestimmend, "sie verlassen das Gelände freiwillig oder ich veranlasse, dass Sie das Gelände unter Anleitung amtlicher Personen verlassen." "Und wenn ich hierbleibe?" fragt er treudoof. Ich nehme mein Handy aus der Handtasche. "Sie haben sich soeben für die zweite Möglichkeit entschieden", sage ich beiläufig. "OK, OK, ich geh ja schon", sagt er und packt seine Sachen. Ich peile mal, ob ich noch einen sehe. Nach Anzahl der Autos müsste mindestens noch einer da sein. Von hier aus sehe ich aber keinen und gehe zum Fahrrad zurück. Die ersten beiden Angler sind schon verschwunden. Der dritte von eben hat sein Zeug auch zusammen und geht ebenfalls.

Mein Handy klingelt. Die Telefonnummer von der Werkstatt oben. Ich melde mich. Am anderen Ende meldet sich Jürgen. "Hi Steffi, hier bei mir sind vier Leute vom Naturschutz", sagt er, "sie wurden von deinem Onkel informiert, dass Du jetzt hier zuständig bist. Kannst Du kurzfristig hierher kommen?" "Wie kurzfristig denn?" frage ich flaxend. "Äh, wie jetzt?" fragt Jürgen erstaunt. "Ich bin unten am See und vertreibe die Angler", sage ich, "kommt ihr runter? Oder soll ich hoch kommen?" Kurze Pause, dann sagt Jürgen: "Wir kommen runter." "Super, dann treffen wir uns am Bootshaus", sage ich. "Ja, bis gleich", sagt Jürgen. Ich nehme mein Fahrrad und schiebe es zum Bootshaus. Nebenbei peile ich über den See, ob ich irgendwo noch einen Angler sehe. Tatsächlich sehe ich ihn dann auch, er sitzt gegenüber des Bootshauses auf der anderen Seeseite. Na, den schnappe ich mir nachher auch noch.
Um den See geht ein fester Trampelpfad, aber im größeren Umkreis um das Bootshaus liegt schöner, feiner Sand. Mit Ballerinas an den Füßen nicht so der Spaß. Ich lehne mein Fahrrad an das Bootshaus. Von oben kommt Jürgen mit den Naturschützern. Ich ziehe die Schuhe nacheinander aus und entleere den Sand, der sich in die Schuhe verirrt hat. Die Fünf sind mittlerweile bei mir angekommen. "Na Steffi? Nicht das richtige Schuhwerk, was?" flaxt Jürgen. "Ich wollte es mal ausprobieren", flaxe ich zurück. Dann stellt mir Jürgen die Naturschützer vor. Es sind zwei Frauen, Ines und Karin, sowie zwei Männer, Florian und Joachim. "Angenehm, ich bin Stefanie", sage ich, "bleiben wir beim "Du"?" "Gerne", antworten die Vier.

"Du sagtest eben am Telefon, du vertreibst die Angler?" fragt Jürgen. "Jepp! Da rechts habe ich eben schon drei nach Hause geschickt", antworte ich, "nachher ist der da drüben noch dran." "Ui, das wird schwierig, der ist aggresiv", sagt Joachim, "auch Frauen gegenüber." "OK, danke für den Hinweis", sage ich grinsend, "aggresive Angler sind meine Spezialität." "Aber sei trotzdem vorsichtig", sagt Ines lächelnd. Ich nicke. "Ich klink mich dann aus", sagt Jürgen, "kommst Du nachher noch hoch, Steffi?" "Na klar", sage ich. "Tom ist auch da", sagt Jürgen. "Der hat auch kein Zuhause", sage ich lachend, "bis nachher dann." Jürgen geht dann zur Werkstatt zurück. "Was kann ich für euch tun?" frage ich die Vier. "Wir haben hier früher oft Tiere beobachtet", sagt Ines, "kamen auch mit den Anglern klar, obwohl die hier gar nicht sein dürfen. Bis dann der Dicke da drüben kam und uns Schläge angedroht hat." "Wir hatten auch einen Unterstand, den der uns zerstört hat", sagt Florian. Ich schaue die vier fassungslos an. "Was bildet der sich ein?" frage ich, "mal sehen, wie ich den loswerde." "Aber wie geasgt, der ist extremst aggressiv", sagt Ines nochmal. Ich nicke.
"Für mich zum Verständnis, ihr habt eine unbefristete Erlaubnis von meinem Onkel, dass ihr das Gelände betreten dürft?" frage ich dann vorsichtshalber nach. "Genau, ich habe sie sogar mit", sagt Karin. "Ich glaube euch das auch so", sage ich lächelnd, "wo hattet ihr den Unterstand stehen?" "Da drüben, wo der da sitzt", sagt Ines, "da haben früher ein paar Eisvogelpärchen gebrütet." "Frechheit", sage ich, "den Angler vertreibe ich auch noch. Schon alleine der Eisvögel wegen. Mein Lieblingsvogel." Ines und Karin lächeln. Ist Tatsächlich so, dass ich die Eisvögel mag. Ich habe öfter schon welche beobachten können. Wie schillernde Juwelen sehen sie aus, wenn sie schnell über die Wasseroberfläche zischen.

"Können wir Deine Telefonnummer haben? Für Rückfragen?" fragt Karin. Ich wundere mich. "Natürlich könnt ihr die haben", sage ich, "hat mein Onkel euch die nicht gegeben, als er alle wegen des Wechsels informierte?" "Wohl nicht oder sie ist verschütt gegangen", sagt Florian. Wir tauschen noch schnell die Nummer aus und halten noch ein wenig Smalltalk. "Ich werde mich mal dem Typen da drüben annehmen", sage ich dann, "ich muss noch einigen Frust loswerden, da kommt mir so ein Geselle grade recht." "Wieso Frust?" fragt Ines. "Irgendsoeine andere Person hat mir heute ein Date vermaselt", sage ich, "war eigentlich erst nicht geplant, dass ich hier unterwegs bin." "Oh, das tut uns leid", sagt Karin. "Wie sieht er denn aus", fragt Ines neugierig. "Sie", antworte ich, "ziemlich niedlich." "Oh, cool", antwortet Ines mit einem Funkeln im Auge.

Ich mache mich auf den Weg zu dem dicken Angler. Natürlich muss ich meine Ballerinas nochmal vom Sand befreien, als der Strand wieder in einen Weg übergeht. Der Angler beobachtet mich die ganze Zeit. Es ist so ein Typ den ich garnicht mag. Das er über gewichtig ist geht ja noch , aber wieder so Typ Billardkugel, also rasierter Kopf und dann diese übertriebenen Tarn-Klamotten. Als ich vor ihm stehe, plappert er unverdrossen los: "Na Puppe, Du kommst ja grade recht. Ich müßte mal wieder entsaftet werden." Dabei fasst er sich ungeniert in den Schritt. Unbeeindruckt antworte ich: "Wie möchtest Du denn entsaftet werden? Über die Pulsadern oder über die Halsschlagader?" Verwirrt schaut er mich an. "Äh, was jetzt?" fragt er doof. Ich deute mit dem Zeigefinger eine Schnittbewgung am Hals an und sage dann: "Zum Ficken bin ich nicht hierher gekommen." Minutenlang glotzt er mich blöde an, dann sagt er nur: "Hä?" "Oh "˜tschuldigung, ich wusste nicht, dass dein Hirn noch mechanisch arbeitet", sage ich darauf. "Ey, was willst Du hier eigentlich?" fragt er verärgert. "Achso, ja", sage ich und tue überrascht, dann bestimmend: "pack Deine Sachen und verschwinde hier!" "Hä, wieso", fragt er. "Das ist hier Privateigentum", antworte ich, "du hast das Gelände illegal betreten." "Weißt Du, wie scheiß egal mir das ist?" fragt er schnippisch. "Interessiert mich nicht", fauche ich zurück, "pack deinen Scheiß zusammen und beweg deinen Arsch vom Gelände." "Ich baller Dir gleich eine", brüllt er. "Ach herje, da müssten schon richtige Kerle kommen und keine Ersatzteile", antworte ich abwertend. Wieder steht er da und glotzt, als ob er die Ansage nicht verstanden hat. Ich setze ja absichtlich auf Provokation, weil man bei dem Typen mit normaler Ansprache eh nichts erreicht. Ausserdem kenne ich es ja aus eigener Erfahrung noch, wie es ist wenn einen eine Frau abwertend behandelt.

Nach einiger Zeit hat er sich wieder gerappelt. "Jetzt verpiss Dich", sagt er weiterhin brüllend. Ich schüttele teilnahmslos den Kopf. "Du alte F"¦., Du hast es so gewollt!" brüllt er und kommt auf mich zu, "jetzt kriegste, was Du brauchst." Er streckt seinen rechten Arm aus , um mir eine zu knallen. Ich mache einen Schritt zur Seite, greife den Arm und ziehe ihn runter. Rumms, liegt der Typ auf dem Boden. Ich drehe ihm indes den Arm auf den Rücken, bis er vor Schmerz schreit. Ich lasse kurz locker und frage: "Hast Du es jetzt kapiert?" "Nein, lass mich los!" Brüllt er wieder. "Also gut", sage ich trocken und drehe ihm den Arm noch fester ein. "AUA!" Schreit er. "Wäre auch nicht das erste Mal, das ich einem den Arm auskugele", sage ich regungslos und drücke noch heftiger zu. Auch hier schreit er auf. Die Schmerzen treiben ihm die Tränen in die Augen. Ich lasse etwas locker und gehässig sage ich: "Ach, jetzt muss der Kleine auch noch weinen." "Du dämliche"¦", weiter kommt er nicht, weil ich den Arm erneut eindrehe. "Was?" frage ich. Er stöhnt vor Schmerzen. "Hast Du es jetzt kapiert, dass Du hier unerwünscht bist?" frage ich erneut. "Ja, verdammt!" brüllt er. Ich lasse ihn los und gehe einige Schritte von ihm weg, weil ich ihm nicht traue. Langsam steht er auf, schaut mich wütend an und sagt: "Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich jetzt gehe?" "Deshalb stehe ich ja auch hier hinten, weil ich ja genau vermute, das Du es immer noch nicht kapiert hast", sage ich, "und das nächste Mal tut es richtig weh." Ich habe es grade ausgesprochen, da rennt er auch schon auf mich los. Ich gehe ein Stück zu Seite, lasse ihn vorbeilaufen und stelle ihm noch ein Bein. Mit ordentlichem Schwung klatscht er auf den Boden. Aber er steht gleich wieder auf und kommt wieder auf mich zu, holt mit recht aus, aber bevor er zuschlagen kann gehe ich auf ihn zu, blockier ich den Arm mit meiner linken Hand und schlag ihm mit rechts voll ins Gesicht. Er geht gekrümmt und taumelnd ein paar Schritte nach hinten. Ich setze nach trete ihm mit ordentlicher Kraft in den Schwabbel-Bauch. Jetzt krümmt er sich richtig nach vorne. Von mir kriegt er jetzt von links einen Schlag ins Gesicht. Wie ein nasser Sack kippt er einfach um. Vorsichtig nähere ich mich ihm, um mich zu vergewissern, das er bei Bewusstsein ist. Er stöhnt leise vor Schmerzen. "Ich mag mich ja wiederholen, aber hast Du es jetzt endlich getickt?" frage ich. Wortlos steht er auf, würdigt mich keines Blickes und geht zu seiner Angelausrüstung. Er packt alles zusammen und geht den Abhang hoch zu seinem Auto. Ich schaue hinterher, um mich zu vergewissern, dass er auch wirklich abhaut.

Von hinten kommen Jürgen und die vier Naturschützer. Tom ist ebenfalls dabei. Als erste fasst sich Ines und sagt: "Aber hallo, Stefanie, das war ja ein Ding." "Mädel, ich staune ebenfalls", sagt Jürgen. "Du bist aber auch schnell", höre ich Tom. "Hi Tom", begrüße ich ihn. "Meinst Du der hat es kapiert?" fragt Joachim. "Ich glaube der kommt noch ein paar Mal wieder", sage ich, "das lässt der nicht auf sich sitzen." Inzwischen hat der Angler seine Sachen verstaut und fährt mit seinem Auto davon. "Kommt ihr noch mit, hoch in die Werkstatt auf eine Tasse Kaffee oder Tee", fragt Jürgen. "Oh, da sage ich nicht nein", antworte ich. Die anderen finden das auch gut. In der Werkstatt sitzen wir in einer gemütlichen Ecke, mit älteren Sofas und trinken Kaffee oder Tee. "Kuschelig hier", sage ich. "Ich war ja schon oft hier auf dem Gelände", sagt Ines, "aber hier drin noch nie, ich echt angenehm überrascht." Karin fragt Tom: "Bist Du hier auch in der Werkstatt?" "Nee, obendrüber", antwortet Tom, "da ist unser Übungsraum." "Ah, cool", sagt Karin, "wieviel seid ihr?" "Fünf Jungs und Steffi", die Naturschützer schauen mich erstaunt an. "Und die sind richtig gut", sagt Jürgen, "das was wir bisher mitbekommen haben war schon der Hammer." "Wir üben immer Mittwochs", sage ich, "wenn dann grade mal da seit, könnt ihr gerne reingucken, wenn die Tür offen ist." "Danke gerne", sagt Joachim.
Ines schaut mich die ganze Zeit auf eine ganz eigenartige Weise an. Dann kommt auch schon die Frage, auf die ich die ganze Zeit warte. "Entschuldige die Frage", sagt sie, "aber warst Du schon immer eine Frau." Ich lächele und überlege kurz wie ich es ausdrücke. Letztendlich erkläre ich es ausführlich. "Ist ja stark", sagt Ines. Kurz darauf sagt Florian: "Dann lasst es uns ausnutzen, dass die Angler weg sind und mal schauen, wie es da unten aussieht." "Wenn in Zukunft irgendwelche Zwischefälle auftauchen, dann mich bitte anrufen", sage ich, "und notfalls auf die Mailbox sprechen." "OK, gerne", sagt Joachim. Dann machen sich die vier auf den Weg. "Ich gehe dann auch mal nach oben", sagt Tom, "kommst Du nachher auch noch, Steffi?" "Ich schau nochmal rein", sage ich. Ich bleibe noch sitzen und unterhalte mich weiter mit Jürgen. Einer von den Leuten aus der Werkstatt kommt auf uns zu. "Hi ich bin Thomas" stellt er sich vor, "der Präsi hat gesagt Du bist gelernte Schlosserin?" "Ja bin ich", antworte ich lächelnd. "Wir haben da draußen eine Schlepp-Pumpe stehen, die nicht richtig läuft", sagt Thomas, "vielleicht hast Du noch eine Idee." "Schlepp-Pumpe?" frage ich, "Ja, zum hintern Traktor oder LKW zu hängen", antwortet Thomas. "Gucken kostet ja nichts", sage ich und gehe mit Jürgen und Thomas raus. Ich muss schmunzeln, als wir hinter der Werkstatt auf dem Hof stehen. Die Pumpe steht neben einen Selbstaufstellenden Pool, eine Saugleitung geht in den Pool und zwei C-Schläuche hängen ebenfalls im Pool. Neben der Pumpe steht einer, der sich mir als Kalle vorstellt. "Wir haben uns neulich während der Vorstellung hier schon gesehen?!" frage ich. "Genau", sagt Kalle. Ich schaue mir die Pumpe an. Die Abdeckung, die normalerweise dran ist, heben sie abmontiert. "Cooles Ding", sage ich, "ist das so eine, die unter anderem zur Beregnung von Feldern eingesetzt werden?" "Ja, so eine ist das", antwortet Jürgen. "Wo ist jetzt das Problem?" frage ich. "Die ist selbstansaugend", sagt Kalle, "die macht auch einen ordentlichen Unterdruck, aber drückt dann nicht in die Schläuche." "Funktioniert die wie eine Tragkraftspritze der Feuerwehr?" frage ich. Kalle zuckt mit den Schultern. "Schalt mal bitte ab", sage ich, "ich schau mal nach, ob und was die für ein Entlüftungssystem hat." Ich fasse mit der rechten Hand unter die Pumpe. "Mach dein Kleid nicht schmutzig", sagt Jürgen. "Kann man ja reinigen", antworte ich lächelnd.

Mittlerweile ist auch der Präsi da. "Na Steffi? Voll im Einsatz?" fragt er. Ich antworte lächelnd: "Jepp!" Ich knie mich hin um unter das Aggregat zu schauen. "OK, da ist ein Hebel, der muss geschlossen werden, dann sollte es funktionieren", sage ich, "aber ich glaube, dass das normal automatisch geht, sonst wäre das nicht so verbaut. Da kommt man im laufenden Betrieb sonst gar nicht dran." "Hm", sagt Kalle. "Habt ihm mal eine Lampe da?", frage ich. "Na klar", sagt Jürgen, holt eine und gibt sie mir. "Wo habt ihr denn das Teil her?" frage ich. "Über eine Kleinanzeige", antwortet Thomas, "ziemlich günstig, war als defekt angegeben. Aber der Motor läuft einwandfrei." "War dann wohl nur dieses Problem mit dem pumpen", sagt Jürgen. Ich leuchte mit der Lampe rein. "Ah, das wird es sein", sage ich. Thomas und Kalle kommen und schauen mit mir hinein. "Da ist der Entlüftungshebel und da der Regler", sage ich, "in der Mitte fehlt ein Verbindungsstück." Kalle schaut genauer hin. "Warte mal, das messe ich gleich mal aus", sagt er. Er notiert sich ein paar Maße. "Das fidele ich gleich mal zurecht", sagt er und verschwindet in Richtung Werkstatt. "Na, da bin ich ja gespannt", sagt der Präsi. "Ich geh mal so lange zu Tom hoch", sage ich und gehe nach oben.

Tom sitzt an seiner Schießbude und übt ein Stück. Als er mich sieht hört er auf. Ich singe: "Drumming man, he`s a drumming man"¦ !" "Ach Steffi, du mit deiner süßen Stimme", sagt er verträumt. Ich lächele ihn an. ,,Darf ich mal?" frage ich und zeige auf das andere Drumset. "Na klar", sagt Tom. "Mir geht da heute schon die ganze Zeit ein Lied durch den Kopf", sage ich und spiele den Anfang. "Das kommt mir bekannt vor", sagt Tom, "ich komme aber nicht drauf. "Warte mal, die Piano-Sequenz müssteste kennen," sage ich und setze mich an Franks E-Piano und fange an zu spielen. "Ja! Genau! Rheinita, von La Düsseldorf", sagt Tom erfreut, "das machen wir das nächste Mal, wenn Frank dabei ist. Schönes Stück." "Finde ich auch", sage ich. Wir unterhalten uns noch eine Weile. Nach einiger Zeit hören wir von der Hofseite Freudenschreie und dann: "Wasser Marsch!" Tom wundert sich. "Oh, es scheint sie haben die Pumpe zum laufen gebracht", sage ich und gehe zum Fenster. Ich öffne das Fenster und schaue raus. Tom kommt dazu und stellt sich neben mich. Kalle sieht uns und zeigt den gut gemacht Daumen. Er und Thomas halten die Schläuche über das Becken. "Meine Fresse hat das Ding Dampf!", sagt Thomas. Tom und ich gehen runter. "Steffi, das war es", sagt Kalle erfreut, "Du bist echt Gold wert." "Danke!" sage ich und werde zur Abwechselung mal nicht verlegen. Thomas stellt die Pumpe aus. "Da können wir ja mal die Wasserrutsche wieder aktivieren", sagt Thomas. "Wasserrutsche?" frage ich. "Ja, hinter der großen Halle runter zum See", antwortet Kalle, "Mit einer vier Meter breiten und über hundert Meter langen Teichfolie." "Und dann Wasser hochpumpen und auf der Folie mit Schlauchbooten und Luftmatratzen runterrutschen", sagt der Präsi. Ich mache große Augen und sage erfreut: "Ich bin mit dabei!" "Cool Steffi", sagt Kalle grinsend, "aber bitte im Bikini." "Wie denn sonst?" frage ich gespielt treudoof. "Du bist eine Granate", sagt Thomas. "Und Du, Tom?" frage ich und lege einen Arm um seine Schultern. "Das halten meine Arterien nicht aus, Dich im Bikini zu sehen", sagt er grinsend, was uns zum Lachen bringt.

"Einen Dauerlauftest wär aber noch mal was für die Pumpe", sagt Kalle, "aber so oft will ich hier am See auch nichts machen, wegen der Tiere." "Dazu müssten auch erst die Angler komplett verschwunden sein", sage ich, "sonst fühlen die sich bestätigt." "Stimmt", sagt Jürgen, "aber da ist Steffi ja tatkräftig dran." "Jau, im wahrsten Sinne des Wortes", sagt Tom. "Ich hätte noch ein anderes Einsatzgebiet", sage ich, weil ich grade an den versandeten Teich gedacht habe. "Schieß los", sagt Kalle. Ich erzähle den Anwesenden von dem Teich und dem Vorhaben, ihn auszupumpen und auszubaggern. "Das hört sich gut an", sagt Kalle, "einen Radlader haben wir ja auch." Das wär ja ein Ding", sage ich erfreut. "Sag an, wann es Dir passt", sagt Kalle, "da kommen bestimmt einige von uns mit." "Super, ich freu mich drauf", sage ich. "Ja, endlich mal wieder richtig was schaffen", sagt Thomas. "Übernächstes Wochenende?" frage ich. "Passt!", sagt Kalle, "sag wo das ist, wir bringen alles mit." "Geil Leute, einfach nur Geil", sage ich sichtlich erfreut. Wir gehen zurück in die Werkstatt. Auf einem PC in der Werkstatt zeige ich per Google Maps, wo der Teich ist. "Alles klar Steffi, da finden wir hin", sagt Thomas. "Wir sehen uns ja vorher mit Sicherheit auch noch ein paarmal, wenn es noch Fragen gibt", sage ich. Dann gehen Tom und ich hoch in den Übungsraum.

"Ich werde mich so langsam auf den Weg nach Hause machen", sage ich, "wird langsam frisch hier. "Ich verschwinde dann auch", sagt Tom. Wir schalten alles aus, schließen den Raum ab und gehen runter. "Machs gut, du süßes Ding", sagt Tom. "Oh , danke", antworte ich, "komm auch gut nach Hause." Ich setze mich auf das Rad und fahre los. Als ich am Zaun des Sees vorbeiradele, sehe ich, dass das eine Loch im Zaun mit Draht dicht gemacht wurde. Auch wurde ein Schild mit der Aufschrift "Betreten und Angeln verboten" wieder aufgestellt. An der Kreuzung der beiden Feldwege biege ich nach links ab und schaue dahin, wo der dicke Angler vorhin abgehauen ist. Dort sehe ich Ines und die anderen, wie sie auch da ein Loch im Zaun zu machen. "Super Leute, vielen Dank", lobe ich sie. "Vielleicht hält es ja den ein oder anderen ab", sagt Florian. "Genau", antworte ich, "schönen Abend euch noch." Tschüß, Steffi", rufen die vier. Ich mache mich dann endgültig auf den Weg nach Hause.

Re: Blutengel

Verfasst: Fr 17. Jan 2020, 16:12
von Stephanie
Zur Rede gestellt

Ich habe ja wieder einen Mist geträumt die Nacht, unter anderem kam auch mal wieder der Engel mit dem blutroten Gewand vor. Dementsprechend schlecht habe ich auch geschlafen. Etwas schlecht gelaunt stehe ich auf und mache mich fertig für die Arbeit. Nach einem kurzen Frühstück fahre ich wieder mit dem Fahrrad zur Arbeit. Am Fahrradstand angekommen, versuche ich unauffällig in Richtung Sandras Büro zu schauen. Tatsächlich kann ich sie hinter dem fenster erkennen. Direkt hinschauen tue ich allerdings nicht. Nach der Aktion in der Eisdiele gestern, halte ich es nicht für nötig, sie zu grüßen. Ich habe ja schließlich auch meinen Stolz.
Ich gehe zu meinem Arbeitsplatz und nehme die ganzen Unterlagen für den Workshop. Torsten fragt mich: "Na, Steffi, wie war dein Date?" "Geplatzt!" antworte ich, "mit größter Wahrscheinlichkeit wurde sie aufgehetzt." "Oha", sagt Torsten. "Falls ihr heute Mittag in die Kantine geht, dann funkt mich mal kurz an", sage ich, "und sagt mir bitte, ob die Dicke da ist." "Alles klar", sagt Torsten. Anschließend gehe ich zum Workshopraum. Der liegt in der Halle, wo auch die Kantine ist. Zu meiner Überraschung läuft der Workshop recht ruhig. Ich hätte mit mehr Diskussionen gerechnet. Wir sind planmäßig vor dem Mittag fertig und bereiten noch eine kurze Präsentation vor, die nach dem Mittag statfinden soll. Die Workshopteilnehmer gehen schon in die Kantine vor. Kurz danach bekomme ich von Torsten eine Nachricht: "Wir sind in der Kantine und sitzen, wie üblich eine Reihe vor der Dicken und ihrer Bande, Sandra ist auch da." "OK, dann mache ich mich auf den Weg", schreibe ich zurück. "Von wo kommst Du dann?" fragt Torsten, "die peilen die ganze Zeit, ob sie Dich auf unserem üblichen Weg sehen können." "Ah gut", antworte ich, "ich gehe durch die "Katakomben" (Keller) und komme dann die Treppe am Haupteingang der Kantine hoch." "Alles klar", sagt Torsten, "soll ich sagen, dass Du nicht mehr kommst, so das es die Mädels hören? So zum in die Irre führen?" "Au ja Gute Idee", sage ich und mache mich auf den Weg. Ein paar Minuten dauert das schon. Torsten hat indes die Meldung rausgegeben, dass ich nicht komme, was bei dem Mädels wohl zur Erleichterung führt.

Kurz danach betrete ich die Kantine. Sandra sieht mich als erste und ist vor Schreck ganz starr, dann merken es die anderen auch. Ich steuere direkt den Tisch an, aus den Augenwinkeln sehe ich meine Kollegen grinsen. Sandra fasst sich und steht auf. Ohne sie anzuschauen gehe ich an ihr vorbei und setze mich auf den ihren Platz, genau gegenüber von Karla. Die will grade aufstehen und abhauen. Höflich, aber bestimmend sage ich: "Bleiben Sie bitte sitzen, ich muss dringend etwas mit Ihnen klären." Sandra verlässt fluchtartig die Kantine. "Sagen Sie mal, in welcher Krankenakte habe sie gelesen, das ich transsexuell bin?" frage ich emotionslos. Sie stutzt. "Das habe ich nie gesagt", sagt Karla. "Von einigen Leuten hier in der Katine weiß ich, dass Sie mich als Transe betitelt haben", sage ich. "Das ist doch nicht das Gleiche!" versucht sie sich rauszureden. "So? Was ist es denn dann?" frage ich weiter. Sie stammelt irgendwas. In der Kantine ist es mittlerweile still geworden. Ich starre sie an. "Na ja, das ist so ein Ausdruck, wenn sich jemand als Frau verkleidet", sagt sie schließlich. Ich versuche ruhig zu bleiben. "Ich verkleide mich aber nicht, ich bin so!" sage ich frech, "und wenn sich jemand gegengeschlechtliche Kleidung anzieht ist er vielleicht ein Crossdresser, aber noch lange keine Transe oder besser ausgedrückt transexuell. Transe ist ein dämlicher Ausdruck." Sie sagt jetzt garnichts mehr, dass ihr die Situation peinlich ist sieht man ihr an.

Nach einer Weile sage ich: " Ich habe im übrigen eine Krankenakte, wo dieser Zustand beschrieben ist, aber da steht nichts von Transe. Also, woher haben Sie die Informationen?" Beschämt schaut sie zu Boden. "Ich habe mir das selber hergeleitet", sagt sie schließlich. "Das ist frech", sage ich, "wäre ja nur gerecht gewesen, mal mit den Beteiligten zu reden. Aber anhand eines Namens auf einer Jacke so eine üble Nachrede bzw. eine Verleumdung meiner Person zu produzieren ist mehr als frech." "Entschuldigung", murmelt sie leise. "Bei mir brauchen Sie sich nicht entschuldigen, ich kenne dieses Gerede über meine Person", sage ich bestimmend, "aber da ist noch eine zweite Person im Spiel, mit deren Gefühlen sie auf das mieseste gespielt haben. Bei der Person müssen Sie sich dringenst entschuldigen. Nebenbei gesagt haben sie uns das Date gestern schön versaut!" Ich hätte nicht gedacht, das diese Frau überhaupt Gefühle hat, aber jetzt fängt sie doch an zu heulen. "Und noch was, der Grund, warum ich im Telefonbuch noch mit Stefan Boe geführt werde, liegt daran, dass im Standesamt so ein anderer Ignorant auf meinem Antrag zur Namensänderung sitzt", sage ich, "mein Arbeitgeber hat gar kein Problem damit, den Namen umzuschreiben!" Das war jetzt zu viel für sie. Sie steht auf und verlässt fluchtartig die Kantine. Ich schaue hinterher. Dann schaue ich zurück zu den anderen am Tisch verbliebenen Kolleginnen von Karla. "Für euch gilt das Gleiche",, sage ich und stehe auf. Ich drehe mich um und schaue zu meinen Kollegen. Ulrich grinst und zeigt vorsichtig den Daumen hoch. In der Kantine ist es immer noch still. Fast alle schauen zu mir rüber. Ich schaue zu meinen Kollegen und sage: "Jetzt brauche ich was zu futtern."

In der Essensausgabe treffe ich meinen Chef. "Huch, was machst Du denn hier?" frage ich. "Ich in wegen eurer Präsentation hier und nehme halt vorher mal einen Snack ein", antwortet er grinsend. Dann betritt unser zuständiger Betriebsrat auf den Raum. Er kennt meine neue Erscheinungsform vom Hörensagen, aber gesehen hat er mich bis dato noch nicht. "Meine Güte, sehr schön", sagt er. Mein Chef sagt: "Das war ja eine Aktion eben von Dir. Was ist denn da vor gefallen? Ich habe es nicht von Anfang an mitbekommen." "Kann ich euch gleich am Tisch erklären", sage ich. Wir gehen zur Kasse und bezahlen. Dann gehen wir zum Tisch, wo schon die Kollegen sitzen. "Ulrich plappert auch gleich los: "Na, Stefanie, ein Hurricane ist ein Fliegenschiss gegen Dich!" Ich grinse und setze mich. Dann erkläre ich Chef und Betriebsrat den Vorfall. "Gut dass Du sie zur Rede gestellt hast, aber direkt hier in der Kantine, ist schon mutig", sagt mein Chef, Ich sehe schon unter die Räder kommst Du nicht." "Danke", sage ich. "Soll ich mich der Sache auch noch annehmen?" fragt der Betriebsrat. "Wenn von der Gegenseite nicht smehr kommt, dann wohl nicht", sage ich, wenn Du jetzt nicht hiergewesen wärst, hätte ich Dich aber auf alle Fälle informiert." "OK", sagt er. Während wir noch essen, kommt ein Herr an unseren Tisch und fragt höflich, ob er mich sprechen kann. Ich nicke. Er stellt sich als Karlas Chef vor. Dann fragt er mich vorsichtig, ob ich ihm den Vorfall und die Hintergründe später noch mal schildern kann, weil er gleich einen Termin hat. Ich schaue zu meinem Chef, der nickt. Dann gibt mir Karlas Chef seine Karte, dass ich dann auch sein Büro finde.

Nach dem Essen gehen wir dann zurück zum Workshopraum und halten die Präsentation, die auch gut angenommen wird. Beherrschendes Thema ist aber weiterhin meine Ansage in der Kantine. Dann räumen wir den Workshopraum auf. Anschließend gehe ich zu meinem Schreibtisch. Meine Aktion hat sich unter den Kollegen, die nicht in der Kantine waren herumgesprochen, dementsprechend werde ich dort empfangen. "Die Tante hat es aber auch verdient", sagt Andreas in Bezug auf Karla, "die lästert aber auch über alle und jeden."

Um halb Zwei gehe ich rüber in Richtung des Büros von Karlas Chef. Es liegt auf der selben Etage, wie Sandras Büro, nur auf der anderen Seite des Treppenhauses. Ich melde mich bei der Sekretärin. "Ah, ja Sie können reingehen", sagt sie. Ich gehe in das Büro. "Hallo Frau Boe, oder darf ich Stefanie sagen?" fragt er. "Gerne", antworte ich. "OK, ich heiße Frank", sagt er. nachdem wir etwas Smalltalk gehalten haben (Wetter und so) fragt er: "Was waren den jetzt die Hintergründe von dem was dort in der Kantine passiert ist." Ich erkläre ihm das ausführlich, auch die Beziehung zu Sandra. Auch erkläre ich kurz meine Entwicklung, damit der Bezug zu der Lästerei von Karla und eben meine Reaktion vorhin hergestellt ist. Ich erfahre von ihm auch, dass Sandra ebenso wie Frank die gleiche Position haben, beide sind Abteilungsleiter. "Da stelle ich mir die Frage, wie eine Angestellte, wie Karla, eine Führungskraftso unter Druck setzen kann", sage ich erstaunt, "bei den Autobauern da drüben gibt es richtig Ärger bei so was." "Bei uns auch", sagt Frank, und das ist in der Vergangenheit auch öfter mit Karla vorgekommen. Nur hat keiner sich getraut was zu sagen. Von daher war deine Aktion völlig OK. Du traust Dir echt was zu." Ich lächele. "Ist aber auch erst so, seitdem ich so hier bin", sage ich und zeige an mir herunter. Frank lächelt auch. "Was passiert denn dann jetzt?" frage ich, "ich selber bin jetzt mit mir im Reinen." "Karla wird wohl eine disziplinarische Maßnahme in Form einer Versetzung in eine andere Abteilung erfahren", antwortet Frank, "und da wir über die ganze Stadt verteilt sind, kann das durchaus weit weg von hier sein." "OK, also kein Rausschmiss?" frage ich, "das wär mir dann auch zu hart." "Na ja, wenn Du drauf bestehen würdest, wäre das auch möglich", sagt Frank. "Nein das will ich nicht", sage ich, "ich glaube die Bloßstellung vorhin war schon eine harte Sache." Frank lächelt. "Hart aber fair, Du passt in die Welt", sagt er, "was machst Du beruflich?" "Moderatorin für Gruppen, Workshops und Seminare", antworte ich. "Wow! Kann man Dich buchen, wir haben hier immer Moderatorenmangel", sagt Frank. "Hm, das musst Du mit meinem Chef absprechen", sage ich, "der Herr, der mir in der Kantine gegenüber saß." "Ich frage da mal an", sagt Frank lächelnd. "Na ja, eure Inhalte sind aber ganz anderer Natur, als bei uns drüben", sage ich zweifelnd. "Stimmt schon", sagt Frank, "aber organisatorische Fragen sind überall gleich. "OK, wenn es zeitlich passt, können wir das gerne mal ausprobieren", sage ich, "ich bin allerdings sehr eingespannt im Moment." "Schauen wir mal", sagt Frank, "Sandra ist übrigens auch schon lange Gruppenmoderatorin." "Oh, gut zu wissen", sage ich.

Dann begleitet mich Frank noch zur Tür. "Vielen Dank nochmal für Deine Informationen", sagt Frank, "schönes Wochenende." "Wünsche ich Dir auch", sage ich und gehe ins Treppenhaus. Ich schaue durch die Glastür in das benachbarte Großraumbüro, ob ich Sandra irgendwo sehe. Tatsächlich kommt sie grade aus ihren Bürozimmer. Sie sieht mich, schaut kurz irritiert und verschwindet wieder in ihren Zimmer. "Hm, dann will sie wohl nicht", sage ich halblaut vor mich hin und gehe die Treppe herunter. Als ich über den Hof gehe, schaue ich noch mal zu ihrem Fenster hoch. Tatsächlich steht sie am Fenster und schaut mir hinterher. Ich dreh mich wieder um und gehe weiter. Noch kurz an meinen Schreibtisch gegangen, meine Sachen gepackt und dann geht es zum Fahrradstand. Auf dem Weg dahin schaue ich wieder unauffällig zu Sandras Fenster. Sie steht da und schaut wieder zu mir. Ich überlege noch kurz, ob ich winke, entscheide mich aber dann es nicht zu tun. Wenn sie noch irgendein Interesse an mir hat, dann soll sie auf mich zu kommen. Ich setz mich auf das Fahrrad und fahr nach Hause. Außerdem habe ich ja noch eine Verabredung mit Susanne. Und da will ich ja über den Mittellandkanal hin.

Re: Blutengel

Verfasst: Sa 18. Jan 2020, 15:37
von Satinxsilk
Ich hoffe die Sache mit Sandra beruhigt sich wieder.

Re: Blutengel

Verfasst: Fr 24. Jan 2020, 11:12
von Stephanie
Auf dem Kanal unterwegs

Zu Hause angekommen, schaue ich zuerst in die Garage. Das Schlauchboot-Kajak mit dem ich zu Susanne fahren will, hatte ich vor einigen Tagen aufgeblasen und in der Garage unter die Decke gehängt, um zu schauen, ob es dicht ist. Ich nehme das Boot herunter und lege es vorsichtig auf das Autodach. Dicht ist es jedenfalls. Es sieht im weitesten Sinne so aus, wie ein Indianer Kanu, in der Farbe Gelb, mit hochgezogenen Bug und Heck. Der Clou ist der durchsichtige Boden. Allerdings ist der Boden auch aufblasbar und dadurch ist der Blick etwas verzehrt, aber man kann trotzdem unter Wasser was erkennen. Na gut, auf dem Kanal, wird wohl eher nicht so viel zu sehen sein. Ich lege dann schon mal ein Paddel bereit. OK, ich könnte auch mit dem Kunststoff-Einer fahren, ginge auch schneller. Aber ich habe ja nun mal ein unergründetes Faible für Aufblasbares (falls ich das noch nicht erwähnt habe). Anschließend gehe ich noch in die Wohnung und packe die Sachen für das Wochenende in meinen Rucksack. Dann ziehe ich mir meinen blauen Badeanzug an und darüber ein hellblaues Skater Kleid mit kurzen Ärmeln, an den Füßen trage ich blaue Ballerinas. Noch mal kurz gecheckt ob ich alles habe, dann gehe ich wieder runter zur Garage. Das Boot hole ich raus und lege es auf den Garagenhof. Ich bringe noch vorne und hinten den Bootsnamen (Steffi 01) an, weil ich ja auf einer Bundeswasserstraße unterwegs bin. Aus den Augenwinkeln sehe ich Jochen aus seinem Fenster schauen. "Na, was der sich jetzt so denkt", sage ich leise vor mich hin. Dann gehe ich noch mal in die Garage und nehme noch ein Notfall-Flickzeug-Päckchen, sowie eine kleine Luftpumpe mit. Die Luftpumpe unter anderem auch dafür da, eventuell Luft nachzupumpen, da das Kanalwasser mit Sicherheit noch ziemlich kalt ist und dazu führt, dass das Boot nicht mehr so prall ist, wenn es erst im Wasser ist.

Dann schließe ich die Garage ab. Ich setze mein Rucksack auf, schultere das Boot und nehme das Doppelpaddel in die Hand. So bepackt gehe ich los Richtung Kanal. Ich entscheide mich den kürzeren weg zu nehmen und setze direkt an er Spundwand über eine Notleiter ein. Der Wasserspiegel ist hier einen halben Meter unterhalb des Spundwandendes, also problemloses Einsteigen, wenn man geübt ist. Ich hätte auch an einem Übergang am Düker bequemer einsetzen können, aber da ist mir der Weg zu weit. Ich bin auch bald am Kanal und lege das Boot ab. Grade fährt ein Binnenschiff durch und macht einigen Wellengang. Weitere Schiffe sind grade nicht zu sehen. So warte ich ein bisschen, bis sich das Wasser etwas beruhigt hat Und rufe Susanne an. "Huhu Steffi", höre ich sie. "Hallo Susanne, ich fahre jetzt los", sage ich. "Huch, so früh, ich bin grade erst von der Arbeit nach Hause gekommen", sagt sie aufgeregt. "Ganz ruhig", sage ich lachend, "ich komme über den Wasserweg und das mit einem luftgefüllten Verkehrsmittel. Eine Stunde wird es schon dauern." "OK, dann bin ich beruhigt und kann noch in Ruhe vorbereiten", sagt Susanne.

Ich lasse das Boot zu Wasser und mache es mit dem Seil an der Leiter fest. Den Rucksack lege ich vorsichtig ins Boot. Dann klettere ich über die Leiter problemlos ins Boot. Leinen los und ab geht"™s. Tatsächlich muss ich nochmal kurz nachpumpen. Aber dann stimmt der Druck und ich lege mich ins Zeug. Ein bisschen Rückenwind habe ich auch. Zügig komme ich voran. Ich passiere den Ruder- und Paddelclub am rechten Ufer. Ein Grüppchen junger Leute grüßt freundlich herüber. Da grüße ich doch genauso freundlich zurück. Weiter geht"™s. Mittlerweile fahre ich am Ölhafen vorbei. Von vorne kommt wieder ein Binnenschiff. Das macht auch eine ordentliche Bugwelle. Kurz bevor die Welle bei mir ankommt, drehe ich das Boot in die Welle. Und schwupp geht es auch gleich auf und ab. "Wie damals, als wir die ersten Male als Jugendliche auf dem Kanal unterwegs waren", erinnere ich mich. Die Wellen halten sich eine ganze Weile, weil sie immer wieder von den Spundwänden zurückgeworfen werden. Das ergibt einen ordentlichen Seegang. So was mag ich ja total gerne.

Nach einiger Zeit sehe ich eine lockere Gruppe von Paddlern, die auf mich zu kommen. Die ersten lächeln freundlich und grüßen mit "Ahoi". Ich grüße ebenso zurück. Es sind auch einige Frauen dabei. Die Gruppe ist fast vorbei, da kommt einer mit seinem Boot in meine Nähe. Er sieht ziemlich ärgerlich aus. "Wie kann man nur mit so einer aufblasbaren Plastiktüte fahren?" meckert er los. Ehe ich was sagen kann, höre ich hinter mir, von einem anderen Paddler: "EY Wilko, lass die Mist, lass die Dame in Ruhe." "Wieso, diese scheiß Schlauchboote sind doch absolut unästhetisch", meckert er weiter. Ich schaue mir seinen Einer an. Überall unfachmännisch geflickt und teilweise Löcher mit Klebeband zugemacht. "Unästhetisch?" frage ich lachend, "das musst Du grade sagen, mit deiner Flicken-Titanic." "Ich versenke Dich gleich", sagt er jetzt richtig ärgerlich. Bevor ich antworten kann schiebt sich ein Paddler zwischen uns, ein andere kommt von der anderen Seite. "Ey Wilko, es reicht langsam, noch so eine Nummer und Du fliegst aus dem Verein!" sagt der der zwischen uns steht. Noch zwei andere Paddler kommen dazu und nehmen den Wilko ins Geleit. "Das tut mir leid", sagt der Paddler neben mir, "der hat manchmal solche Anwandlungen." "Na ja ist jetzt nicht grade das Aushängeschild für einen Verein", sage ich, "seid ihr von dem Club hier vorne?" "Ja sind wir", antwortet er. "Hm, ich wollte eigentlich demnächst mal bei euch reinschnuppern", sage ich, "jetzt nicht mit diesem Boot, ich habe auch noch einen normalen Einer." "Kannst gerne mal vorbeikommen", sagt er freundlich, "ich heiße übrigens Mark und bin im Vorstand vom Verein." "Angenehm, Stefanie", sage ich, bei der Gelegenheit, wie geht ihr in eurem Verein mit Respekt und Toleranz um? So in Bezug auf Herkunft, Religion, Geschlecht, usw.?" "Das steht so bei uns in der Satzung", antwortet Mark, "wieso fragst Du?" "Wegen des Typens eben, der scheint das wohl nicht zu kennen", antworte ich, "wenn der schon wegen eines ordinären Schlauchbootes abdreht." Mark lacht. "Mach Dir keine Sorgen, komm einfach vorbei, eigentlich sind wir ein lockerer Haufen", sagt er. OK, mach ich so", sage ich und verabschiede mich.

Mittlerweile bin ich unter der alten B4 und dem Autobahnzubringer durchgepaddelt und langsam kommt die Slipanlage für Sportboote in Sicht. Weit hinter mir höre ich ein paar Leute rufen, kann aber nicht auflösen, was die rufen. Dann höre ich schnelle Paddelschläge. Ich drehe mich um und sehe den durchgeknallten Typen mit seiner Flicken-Titanic auf mich zu kommen. Recht schnell ist er neben mir. "So, jetzt biste dran", sagt er laut, "das lasse ich nicht auf mir sitzen." Ich höre auf zu paddeln und warte, was er vorhat. Umständlich versucht er etwas aus der Hosentasche zu kriegen. Erst mit einer Hand, dann mit der anderen. Dazu muss er sein Paddel loslassen und legt es vor sich auf seiner Einstiegsluke ab. Ich bin nah genug an ihm dran und führe langsam mein Paddel unter seins. Dann ziehe ich meins hoch und sein Paddel fliegt im hohen Bogen in den Kanal, weit genug weg, so dass er nicht mehr drankommt. Ich stoße mich von seinem Boot mit Hilfe meines Paddels ab und fahre hinter ihn. Er hat mittlerweile ein Taschenmesser aus der Hosentasche befördert. "So jetzt versenke ich deine Plastiktüte", ruft er. "Nur zu", sage ich, "aber wie denn ohne Paddel. Er realisiert jetzt erst, dass sein Paddel nicht mehr vor ihm ist. Hektisch sucht er sein Paddel. Mit ordentlichen Schwung fahre ich auf sein Heck und drücke es teilweise unter Wasser, außer Reichweite seines Messers. "Scheiße, was machst Du da?" fragt er hektisch. "Wenn Du glaubst, du kannst mich versenken, dann darf ich das auch", sage ich hämisch. Er versucht sich umzudrehen und irgendwie mit seinem Messer in die Nähe von meinem Boot zu kommen. Bevor es überhaupt gefährlich wird, schlage ich von oben mit meinem Paddel auf die Hand. Er öffnet automatisch seine Hand und schreit: "Aua!" Das Messer fällt auf sein Boot und rutscht in Zeitlupe in den Kanal. "Arme Sau", sage ich, "ohne Paddel, ohne Messer, jetzt bist DU! mir ausgeliefert. Mark ist mit zwei anderen mittlerweile herangekommen, sie schauen sich grinsend die Situation an.
"Sag mal was ist denn das hier für ein Stück Folie?" frage ich den Kapitän der Flicken-Titanic, "was mit Klebeband festgemacht ist?" Zum Teil liegt diese Flickstelle mit einer Größe von ca. 20x15 cm unter Wasser. "Mach kein Scheiß", brüllt er, "Finger da weg." "Du, ich bin eine Frau", sage ich, "und damit wahnsinnig neugierig." "Ist da was drunter?" frage ich wieder und lupfe eine Ecke leicht an. "Da ist nichts drunter", sage ich grinsend und ziehe den ganzen Flicken ab. "Ey du doofe Kuh", brüllt und versucht sein Gewicht nach vorne zu verlagern. "Jetzt wirst Du ein U-Boot", flaxe ich, "Kaleun an LI: "Fluten"." Die anderen dazugekommenen Paddler lachen. Gluckernd strömt das Wasser in sein Kajak. "Ich hoffe, Du hast Auftriebskörper in den Spitzen", feixe ich. Als sich merke, dass der Auftrieb seines Hecks nachlässt, stoße ich mich von seinem Boot ab. Sofort wird er instabil und kippt um. "Das tut mir jetzt doch leid", sage ich hämisch. Als er unter seinem Dampfer wieder hochkommt, sage ich: "Haste verstanden, dass Du Dich mit mir besser nicht anlegst, gelle?!" Er antwortet mir nicht und versucht schwimmend mit dem gekenterten Kajak im Schlepp ans Ufer zu kommen. Zwei der dazugekommenen Paddler helfen ihm dabei und machen sich etwas lustig über ihn. Mark sieht das nicht so lustig. "Wilko, ich habe mich mit dem Rest des Vorstandes abgesprochen, wir machen heute Abend um 20:00 Uhr eine außerordentliche Vorstandssitzung zu diesem Vorfall heute", sagt Mark mit ernster Miene, "Du bist ebenfalls eingeladen und ich rate Dir dringendst zu erscheinen."

Dann kommt Mark zu mir. "Entschuldigung nochmal", sagt er, "tut mir leid für die Unannehmlichkeiten durch unser Vereinsmitglied." "Ist schon OK", sage ich lächelnd, "ich hatte ja meinen Spaß." "Du bist ganz schön taff" sagt Mark anerkennend, "wäre wirklich schön, wenn Du mal bei uns vorbeikommst." "OK, ich schau mal, wann ich Zeit habe", sage ich. "Schön", sagt Mark. Eine Weile schaue ich noch den Bergungsarbeiten von Wilkos Kajak zu, dann sage ich zu Mark: "Ich muss dann aber weiter, ich habe noch eine Verabredung mit meiner besten Freundin." "Mach es gut, Stefanie", sagt Mark lächelnd. Ich rufe noch zu den anderen ein herzliches "tschüss" herüber. Die beiden Paddler grüßen zurück, nur Wilko würdigt mich keines Blickes, was mich aber auch nicht wirklich stört.

Ich fahre weiter in Richtung Yachthafen, wo Susanne auf das Haus ihrer Eltern aufpasst. An der Slipanlage lassen grade ein paar Laute Sportboot zu Wasser. "Hallo schöne junge Frau, das war ja mal eine schöne Einlage eben", ruft einer. "Danke!" rufe ich zurück. Der Kanal macht eine kleine Kurve und dann sehe ich drei Brücken über den Kanal. "Na, dann ist es ja nicht mehr weit", denke ich. Hinter der dritten Brücke liegt dann auch schon der Yachthafen oder die Marina, wie es ja jetzt auf Neudeutsch heißt. Bis dahin bleibt es auch ruhig, abgesehen, von dem ein oder anderen Binnenschiff, die mich schön durchschaukeln. Ich fahre in den Hafen rein. Früher stand hier mal eine Fabrik, die Kalksandsteine für den Hausbau herstellte. Den Sand dazu haben sie quasi vor der Haustür abgebaggert. Nach der Stilllegung wurde das Gelände zur Bebauung freigegeben. Der Kanal verläuft an dieser Stelle in einem Einschnitt, so dass viele Häuser am Hang liegen. Das Haus von Susannes Eltern liegt unten an einem sehr kleinen Seitenarm, der vom Hafenbecken abzweigt. Unter einer kleinen Brücke fahre ich in den Arm herein. An der Einfahrt steht ein Schild mit der Aufschrift "Durchfahrt für Unbefugte verboten". Da ich aber eingeladen bin fahre ich trotzdem durch und werde prompt von dem Bewohner des ersten Hauses patzig angesprochen: "Können Sie nicht lesen? Durchfahrt verboten!" Auf dem Nachbargrundstück sehe ich Susanne. Grinsend schaut sie zu uns herüber. "Ich darf hier durchfahren", sage ich ebenso patzig, "und wenn Sie mir nicht glauben, dann fragen sie ihre Nachbarin!" Und zeige in Susannes Richtung. "Na Bernd, spielste wieder Hausmeister?" fragt sie flaxend, "die Dame ist mein Gast." "Oh Entschuldigung", murmelt er und verschwindet in sein Haus. Ich schüttele grinsend den Kopf und fahre weiter zu Susanne. "Huhu Steffi, schön siehst Du aus", sagt sie. "Du aber auch, Susanne", antworte ich. "Fahr mal hier hinein", sagt Susanne und zeigt auf ein Bootshaus. Ich fahre hinein und mache mein Boot fest. "Das ist ja mal ein cooles Boot", sagt Susanne, "mit durchsichtigem Boden." "Wir können gerne eine Runde drehen", sage ich. "Aber erstmal darfst Du Dich ruhig verschnaufen", sagt Susanne, "ich habe ein bisschen was vorbereitet. "Na da bin ich aber gespannt", sage ich und steige aus meinem Boot. Aber erstmal umarmen wir uns herzlich. Dann nehme ich meinen Rucksack aus dem Boot und folge Susanne. "Gib mal den Rucksack, ich lege ihn ins Haus", sagt Susanne. Während Susanne den Rucksack wegbringt, stehe ich auf einer Terrasse und vor mir liegt ein sehr großer Pool. Susanne kommt zurück und sieht mich staunen. "Aber hallo, Mädel Du lebst ja nicht schlecht", sage ich lächelnd. Susanne lacht. Auf dem Pool treibt eine große aufblasbare, runde Badeinsel, mit einem Sonnenschutzdach. "Cooles Ding", sage ich, das Ding will ich auch haben", sage ich. "Dann klettere mal drauf", sagt Susanne und hält die Insel fest. Nachdem ich sitze kommt auch Susanne drauf. Dann gibt sie der Insel einen Schubs, sodass wir auf die andere Seite des Pools treiben. Dort nimmt Susanne eine Flasche Prosecco aus einem Kühler und drückt mir zwei Sektgläser in die Hand. Dann schenkt sie uns ein. "Prost Steffi, schön, dass Du da bist", sagt Susanne, "auf ein schönes Wochenende." "Prost Susanne, danke für die Einladung", sage ich lächelnd.

Re: Blutengel

Verfasst: Fr 24. Jan 2020, 21:07
von Kristin_Engel
(fwe3)
Es ist immer wieder eine Freude die Schlagfertigkeit "zu erleben"...die Erlebnisse von Steffi sind aber auch immer wieder fesselnd und mitreißend geschildert (ap) ... (hs) Vielen Dank, dass Du uns teilhaben lässt (moin)

Re: Blutengel

Verfasst: Mi 5. Feb 2020, 14:26
von Stephanie
Bei Susanne

"Hach, ist das entspannend", sage ich nach einer Weile. Eine leise Brise und die Wasserdüsen aus der Filteranlage lassen uns sachte über das Wasser treiben. "Gefällt es Dir?", fragt Susanne. "Ja, ganz nach meinem Geschmack, "Wasser ist mein Element." "Schön", freut sie sich, "Darf ich Dich noch weiter verwöhnen?" Ich schaue sie mit großen Augen an. Sie sieht das und lacht: "Eigentlich meinte ich mit Kaffee und Kuchen." "Au ja, das klingt gut", antworte ich. "Dann warte schön auch mich", sagt Susanne lächelnd und steigt von der Insel. "Mach ich", sage ich. Der Wind und die Wasserströmung lassen die Insel immer wieder so hindrehen, dass man zu dem Seitenarm des Hafens schaut. Dahinter ist ein schmaler Streifen mit Bäumen bewachsen, dann kommt der Betriebsweg am Kanal, der auch von Fußgängern und Radfahrern genutzt wird. Auf dem Weg ist einiges los. Durch die Bäume kann man gut hindurchsehen. Susanne kommt mit einem Tablett voll Kaffee und Kuchen. Sie gibt mir das Tablett herüber und kommt dann wieder auf die Insel. "Na, beobachtest Du die Leute auf dem Weg?", fragt sie. "Ja, ganz schön was los da", antworte ich. Susanne verteilt dann Kaffee und Kuchen.

"Lecker, der Kuchen", lobe ich Susanne. "Danke", sagt sie. Ein Radfahrer fährt langsam auf dem Weg. "Huch schau mal, Steffi", sagt Susanne erstaunt, "ist das nicht unser Nachbar?" "Tatsächlich, das ist Jochen", sage ich erstaunt, "verfolgt der mich etwa?" "Meinste?" fragt Susanne. "Der hat mich die ganze Zeit beobachtet, wie ich das Boot auf dem Garagenhof startklar gemacht habe", antworte ich, "außerdem schwänzelt er immer im Treppenhaus herum, wenn ich nach Hause komme." "Dann ist er wohl in Dich verknallt!", sagt Susanne grinsend. "Wahrscheinlich, aber schlimmer als ein Teenager", antworte ich. Nach einiger Zeit kommt Jochen wieder zurück. "Gesehen hat er uns aber noch nicht", stellt Susanne fest, "hat er wohl nicht gesehen, wo Du hingefahren bist." Ich muss leise lachen. "Warum lachst Du?" fragt Susanne. "Wenn der mir wirklich die ganze Zeit hinterhergefahren ist, dann muss er die Aktion mit dem bekloppten Paddler auch mitbekommen haben", sage ich grinsend. "Was für eine Aktion?" fragt Susanne. Ich erzähle ihr das erlebte. "Wie bitte, was?" fragt Susanne aufgeregt, "der wollte Dich versenken und dann hast Du den Spieß umgedreht? Du bist ja eine abgedrehte Nudel." Das fasse ich als Lob auf und sage: "Danke." Susanne grinst mich an. "Du musst mir dann aber mal erzählen, was Du die ganze Zeit so gemacht hast, seit unserem letzten Treffen." "Aber gerne doch", sage ich und erzähle das erlebte.

Susanne staunt und hängt an meinen Lippen, als ich von der Kneipe am Harz erzähle, von den Jungs von der Band, usw. "Du machst Musik?" fragt sie, "ist ja cool." "Kannst gerne mal am Übungsraum vorbeischauen", sage ich. Während ich weiter rede klingelt mein Handy. Ich hole es aus meiner Handtasche, die neben mir liegt. Es ist Dirk seine Nummer. "Darf ich mal rangehen, passt zur Geschichte", frage ich Susanne lächelnd. "Na klar", antwortet sie. Ich nehme das Gespräch an. "Hallo Dirk, ich grüße Dich", sage ich. "Hi Steffi, ich habe Neuigkeiten, Rainer sitzt neben mir, darf ich auf mithören stellen?" fragt Dirk. "Na klar, neben mir sitzt meine beste Freundin Susanne", sage ich, "wenn sie auch mithören darf!?" "Ist OK", sagt Dirk. Ich stelle mein Smartphone laut und frage: "Was gibt es denn neues?" "Also, wir haben mal die Werkstatt durchsucht und eine nagelneue Spindel für die Winde gefunden", sagt Rainer, "und die dazu gehörigen Lagerschalen sind auch dabei." "Das ist ja super", freue ich mich und schaue dabei Susanne an. Die kann sich natürlich keinen Reim darauf machen und schaut mich staunend an. Ich grinse und sage zu Dirk und Rainer: "Vielleicht könnt ihr euch kurz mal vorstellen, Susanne schaut mich grade staunend an." "OK, ich bin Dirk und Vorsitzender im Segelflugverein hier in Braunschweig", sagt Dirk. "Und mein Name ist Rainer, ich bin Mitglied im Verein", sagt Rainer, "bin Segelflieger und für die Winden zuständig, die die Flieger nach oben ziehen." "OK!" sagt Susanne noch stärker staunend, "und wie hängst Du da mit drin, Steffi?" "Ich bin seit Dienstag wieder aktives Mitglied in dem Verein", sage ich grinsend, "und grade dabei meine Lizenz wieder zu reaktivieren." "Ist ja stark", bemerkt Susanne. "Du kannst gerne mal vorbeischauen, Susanne", sagt Dirk, "und wenn Du magst auch gerne mal mitfliegen." "Aber so was von gerne!" sagt Susanne begeistert.

Ich nehme den Faden mit der Spindel wieder auf. "Dann können wir unter der Woche schon die Lagerschalen ausschaben", sage ich, "und dann irgendwann abends einbauen." "Du könntest ja erst deine Trainingsrunden drehen, und dann hinterher noch die ein oder andere Schale bearbeiten", sagt Dirk. "Klar gerne", sage ich. "Ich würde Dich dabei unterstützen", sagt Rainer, "kannst mich gerne anlernen." "Machen wir so", sage ich. "OK, bis dann, Steffi", sagen Dirk und Rainer. "Tschüss", sage ich noch. Susanne sitzt strahlend vor Freude neben mir. Ich lege das Handy in die Handtasche. Als ich damit fertig bin, setzt sich Susanne auf meinen Schoß. Sie legt ihre Hände auf meine Schultern und sagt: "Was habe ich denn da für eine geniale Freundin?" Dann drückt sich mich liebevoll. "Hey Du", sage ich verlegen. "Machst Musik, bist Segelfliegerin, echt unglaublich", sagt sie, "was kommt denn da noch?" "Weißt Du, das sind alles Sachen, die ich immer gerne gemacht habe, bis meine Noch-Gattin mir das alles vermiest hat", sage ich, "das hole ich jetzt alles wieder nach." "Schön", sagt Susanne. Ich erzähle noch den Rest der Erlebnisse der letzten Wochen, von der Spedition mit dem Kies See und dem Teich den wir demnächst auspumpen wollen. Auch das Erlebte mit Sandra erläutere ich kurz. "Ich glaube, mit dir gibt es keine Langeweile", sagt Susanne lächelnd. "Ich werde bestimmt auch noch ruhiger", sage ich. "Hoffentlich nicht!" sagt Susanne lachend.

Wir stellen unser Kaffeegeschirr auf das Tablett, welches Susanne dann gekonnt am Beckenrand abstellt. Dann steigen wir von der Insel ab. "Ein geniales Ding", sage ich, "muss ich mir auch besorgen." Susanne lächelt. Wir bringen das Geschirr ins Haus. Als wir wieder auf der Terrasse sind fragt Susanne: "Wollen wir wieder auf die Insel? Ich würde auch gerne mal dein Boot ausprobieren." "OK, gute Idee", sage ich, "Ich würde mal gerne wissen, wie es hier noch weitergeht. Ob die Kiesgruben, die hier früher waren mit integriert worden sind." "Zum Teil", sagt Susanne, "schauen wir es uns doch mal an." Wir gehen ins Bootshaus. Susanne nimmt sich noch ein Doppelpaddel von einem Einer ihrer Eltern und steigt ein, während ich das Boot halte. Dann steige auch ich ein. In dem Bootshaus liegt auch noch ein ziemlich großes Motor-Schlauchboot. "Wenn Du magst, dann können wir mit dem Ding morgen mal über den Kanal jagen", sagt Susanne. "Gerne", antworte ich. "Wenn keiner guckt, kannst Du gerne auch mal fahren", sagt sie dann. "Inwiefern?" frage ich. "Na ja, für das Boot braucht man schon einen Führerschein", antwortet Susanne. "Ach so, da brauchst Du Dir keine Sorgen machen", sage ich, "habe ich." Sie dreht sich erstaunt um. "Wie jetzt, Binne und See?" fragt sie aufgeregt. "Genau!" antworte ich lächelnd. "Steffi das wird ja immer toller", freut sie sich, "bestimmt darfst Du auch LKW fahren?" "Und Panzer", antworte ich, habe ich beides beim Bund machen dürfen." "Ich werde verrückt", sagt Susanne lachend und stößt uns ab. Langsam bugsieren wir das Boot aus dem Bootshaus. Dann biegen wir nach rechts ab und fahren den Seitenarm hinauf. "Oh, hier gibt es ja Fische!" sagt Susanne, weil sie ab und an durch den transparenten Boden schaut.

Der Seitenarm wird etwas breiter. "Hier war die eine Kiesgrube", sagt Susanne, "zum Teil haben sie die zugeschüttet. Und darauf teilweise die Häuser gebaut." "Stimmt, das war eine größere Fläche", sage ich, "hier bin ich früher öfter mit meinen Kumpels unterwegs gewesen." Wir paddeln langsam weiter und fahren um eine scharfe Kurve. "Bestimmt kommt gleich mein "Lieblingsnachbar"", sagt Susanne. "Lieblingsnachbar?" frage ich. "Ja, so ähnlich wie Jochen bei Dir", antwortet Susanne, "hoffnungslos verliebt, allerdings nicht so schüchtern. Und labert mich immer an." "Verheiratet?" frage ich. "Ja", antwortet Susanne. "Na gut, schauen wir mal", sage ich grinsend. "So, da wären wir in der zweiten ehemaligen Kiesgrube", sagt Susanne, "ist eigentlich eine schöne ruhige Ecke hier, wenn der Lieblingsnachbar nicht wäre." Kaum hat sie es ausgesprochen, taucht besagter auch schon am Ufer auf. Er will wohl grade was sagen, da sieht er, dass wir zu zweit sind und das irritiert ihn wohl. Susanne nutzt das und sagt: "Hallo Detlef, darf ich Dir meine neue Partnerin Steffi vorstellen?" "Hallo!" rufe ich gleich hinterher. "Äh, ja, Tag", stammelt er, dreht sich um und geht. Susanne staunt. "Nanu, das ging ja einfach", sagt sie grinsend, "sonst textet er mich minutenlang zu." Ich lache leise. "Partnerin ist gut gewählt", sage ich, "alles offengelassen." "Oder?" fragt Susanne und dreht sich zu mir um. "Ja, meine Paddelpartnerin", sage ich lächelnd. Susanne dreht sich etwas seitwärts auf ihrem Sitz und schaut zu mir rüber. "Sonst ist es doch schön hier, oder?" Ich nicke zustimmend.

Nachdem wir eine Weile die Stille genossen haben, fragt Susanne: "Wollen wir noch ein wenig weiter?" "Klar gerne, einmal durch das Hafenbecken toben?" frage ich lächelnd. "Au ja", sagt Susanne. Wir fahren aus der ehemaligen Kiesgrube raus. Als wir wieder um die Kurve sind fragt Susanne: "Wie schnell kann denn das Boot?" "Kommt drauf an, wieviel MP wir haben", antworte ich. "MP?" fragt Susanne erstaunt. "Mädchen-Power!" antworte ich grinsend. "Na dann los!" sagt Susanne und zieht das Paddel durch das Wasser, das es nur so gurgelt. Es geht gut 100 Meter geradeaus, direkt auf die Brücke zu. "Schau mal, wer da suchend auf der Brücke steht", sage ich zu Susanne. Jochen steht mit dem Rücken zu uns und sucht das Hafenbecken ab. "Rufen wir auf drei "Huhu Jochen"?" frage ich. "Au ja", sagt Susanne und zählt an, "eins, zwei, drei." Und dann wir beide zusammen: "Huhu Jochen!" Der zuckt erschrocken zusammen. Als er sich umdreht sind wir schon unter der Brücke durch. Wir hören beide auf zu Paddeln und lassen das Boot geleiten. "Hat ja einen schönen Gradeauslauf", sagt Susanne, "sind da irgendwelche Finnen drunter?" "Ja, vorne und hinten", antworte ich. Das Boot wird langsamer und dreht sich langsam nach links. Wir sind fast auf der anderen Seite des Hafenbeckens und schauen zur Brücke. Jochen steht da immer noch. "Der guckt, wie eine Kuh, wenn es donnert", kichert Susanne. "Hat er wohl nicht mit gerechnet", sage ich grinsend. Susanne rutscht nach vorne von ihrem Sitz runter, nimmt ihn, dreht sich zu mir und legt den Sitz hinter sich. Dann setzt sich wieder drauf. "Smalltalk-Position", kommentiert sie ihre Aktion. "Sehr schön", sage ich, "aber von hinten in Bewegung bist Du aber auch eine Augenweide." "Danke!" sagt sie lächelnd. "Ich glaube ich höre ein Schiff", sage ich, "ich paddle mal ein wenig näher zum Kanal." "Magst Du das, wenn der Wellengang der Schiffe das Boot durchschaukelt?" fragt Susanne. "Ja, absolut", antworte ich. "Wir haben eine Menge Gemeinsamkeiten", sagt Susanne lachend. Dann schiebt sich auch schon langsam von links der Bug eines Binnenschiffes ins Bild. Ich drehe unser Boot in Richtung der auf uns zu laufenden Wellen. Und schon erfassen uns die ersten.

"Hui!" sagt Susanne, als uns die Wellen durchschaukeln, "und weißt du was, Steffi? In so einem Schlauchboot macht das noch dreimal so viel Spaß." Aber so was von", sage ich lächelnd. Während uns die Wellen weiter durchschaukeln, fragt Susanne: "Hast Du eigentlich eine Erklärung, warum Du diesen Aufblaskram so gerne hast?" "Eine hundertprozentige Erklärung habe ich nicht", antworte ich, "aber einige Lösungsansätze." "Aha", bemerkt Susanne. "Eine hat tatsächlich mit meinem Wandel zum Mädel zu tun", sage ich. "Wie das?" fragt Susanne. "Hm, das hört sich vielleicht komisch an, aber meistens wird Aufblasbares mit Frauen beworben", sage ich, "das hat mich seit jeher angesprochen. Eine schöne Frau im Schlauchboot, auf der Luftmatratze und schon musste ich das jeweilige Teil haben." "Ist ja ein interessanter Ansatz", sagt Susanne, "da stellt sich die Frage, wie es jetzt ist, wo Du Frau bist." "Andersrum, ich habe gefühlte tausend Fotos von mir auf irgendeinem Lufti-Ding." Susanne lacht. "Und wie ist es bei Dir?" frage ich. Susanne zuckt mit den Schultern. "Ich weiß es nicht so genau", sagt sie. "Vielleicht, die Haptik, also wie es sich anfasst?" frage ich. "Ja genau", sagt Susanne und streicht über die Bootshaut. "Huuu, Du machst das aber auch sinnlich", sage ich anerkennend. "Na ja, eine erotische Komponente ist halt auch dabei", sagt Susanne. Ich lächele sie an. "Bei Dir wohl auch?" fragt sie spitzbübisch. "Hm, etwas", antworte ich und verdrehe übertrieben die Augen. Susanne lacht. "Ich finde es außerdem toll, wenn man sich hinsetzt, dass es elastisch nachgibt", sage ich. "Oh ja, das mag ich auch total gerne", sagt Susanne aufgewühlt, "das macht mich dann auch richtig an." "Ja, das habe ich neulich auf dem Luftbett gemerkt", sage ich grinsend. Susanne schaut sich um. "Mist, dass man hier so auf dem Präsentierteller ist", sagt sie flaxend. Ich lache leise. "Und was ich faszinierend finde, ist, dass man aus ein paar Quadratmeter zusammengeschweißte Folie und einigen Hektolitern Luft ein recht stabiles Gebilde zaubern kann", sage ich. "Das stimmt", sagt Susanne, "na das sind doch ein paar Erklärungen, die die Faszination für Luftis erklären. Und die Elastizität gepaart mit Erotik können wir ja nachher auf der Insel überprüfen." Ich mache übertrieben gespielt große Augen. Susanne lacht.

Inzwischen ist der nächste Dampfer durchgefahren und macht ebenfalls einen guten Wellengang. Wir sind dicht an die Spundwand herangetrieben, an dieser Stelle ist sie fast zwei Meter hoch. "Hast Du Jochen noch mal gesehen?" frage ich. "Nee, seitdem wir unter der Brücke durch sind, habe ich auch nicht mehr drauf geachtet", antwortet Susanne. Eine Weile lassen wir uns noch von den nachlassenden Wellen durchschaukeln. "Ich glaube, da kommt gleich wieder ein Dampfer", sag Susanne. "Na dann fahren wir mal lieber ein Stück von der Spundwand weg", sage ich und paddle los. Susanne sitzt immer noch mir gegenüber und schaut grinsend über meinem Kopf zum Ufer hinter mir. "Na, wen haben wir denn da?" sagt sie laut. Ich drehe das Boot und schaue ebenfalls dorthin. Natürlich steht da Jochen und fühlt sich total ertappt. "Ich rufe noch: "Huhu!", da schwingt er sich auf dein Rad und fährt strauchelnd davon. "Der ist ja tatsächlich noch schräger drauf, als ein pubertierender Teenager", sagt Susanne prustend. Sie dreht sich im Boot wieder um, so dass sie wieder nach vorne schaut. "Wollen wir mal schauen, ob er tatsächlich abhaut?" fragt Susanne. "Na los", sage ich. Gleichzeitig ziehen wir die Paddel kraftvoll durch das Wasser und nehmen rasch Fahrt auf. "Für ein Schlauchboot-Kajak ist das aber ganz schön schnell!", sagt Susanne. Wir können locker mit einem gemütlich dahinradelnden Radfahrer mithalten. "Hey Mädels, das sind 15 km/h", ruft er zu uns rüber. "Danke!" rufe ich zurück.

Dann sehen wir beide Jochen. Er steht unter einer Brücke und glotzt auf sein Handy. Wir hören auf schnell zu paddeln und lassen uns erstmal gleiten. Dann fahren wir langsam paddelnd weiter. Jochen hat uns noch nicht bemerkt. In fünf Metern Abstand zu Spundwand schleichen wir uns an. Langsam fahren wir in sein Blickfeld. Er registriert das erst gar nicht, bis Susanne ihn anspricht: "Hallo Jochen, ich habe da mal eine Frage." Jochen schaut uns erschrocken an, befördert sein Handy umständlich in die Jackentasche und verlässt fluchtartig den Platz. Susanne lacht. "Mein Gott, was stimmt denn mit dem nicht?" sagt sie lachend. "Na überleg mal, zwei solche hübschen Mädels wie wir in einem Boot", sage ich, "vielleicht halten seine Arterien das nicht aus." "Oder so", sagt Susanne immer noch lachend. Wir schauen noch lange hinterher, bis Jochen hinter der Kurve verschwunden ist. "Wenn ich mal wieder bei euch bin, dann nehme ich mir ihn mal vor", sagt Susanne grinsend.
"Dann lass uns mal zurückpaddeln", sage ich. "Stimmt, Zeit für das Abendbrot", sagt Susanne, "hast Du Lust auf Grillen?" "Au ja, gerne", antworte ich. "Paddeln macht hungrig!" sagt Susanne. Wir drehen um und fahren gemächlich zurück. "Ein tolles Boot!", sagt Susanne, als wir wieder im Bootshaus ankommen. Wir steigen aus dem Boot und Susanne schließt das Einfahrtor. Durch den Seiteneingang verlassen wir das Bootshaus. "Schmeißt Du den Grill an?" fragt Susanne, "dann bereite ich das Grillgut vor." "OK machen wir so", antworte ich. Nach einiger Zeit kommt Susanne mit einem riesen Tablett voll Würstchen, Fleisch und zwei Salaten wieder raus. Ich staune. "Wer soll das denn alles essen?" frage ich, "kommt noch wer?" Susanne lacht. "Nee, da kommt keiner mehr", sagt sie, "ich bin froh Dich hier alleine zu haben." Dann nimmt sie mich in den Arm.

Re: Blutengel

Verfasst: Mi 19. Feb 2020, 12:22
von Stephanie
Bei Susanne Teil 2

"Das ist ja alles oberlecker", sage ich, während wir essen. "Freut mich", sagt Susanne lächelnd. Wir sitzen auf der Terrasse, hinter uns das Haus und vor uns der Pool. "Das ist schon schön hier", sage ich. "Kann man aushalten", sagt Susanne. "Wie lange sind denn Deine Eltern immer unterwegs?" frage ich, "so selten, wie Du in deiner Wohnung bist." "Mit Unterbrechungen locker 7 — 9 Monate", antwortet Susanne, "zwischendrin sind sie mal ein paar Wochen hier." "Und was machen sie beruflich?" frage ich weiter. "Unternehmensberatung, weltweit", antwortet Susanne. "Also Consulting, wie das jetzt neudeutsch heißt", sage ich. "Genau", sagt Susanne, "eigentlich auch nichts anderes, als das was Du in Deiner Firma machst". "OK, verstanden", sage ich.

Zu meiner Überraschung haben wir alles aufgegessen. "Ich bin gar nicht vollgefuttert", stelle ich fest. "Und dabei hattest Du bedenken, das war zuviel", sagt Susanne lächelnd. "Aber lecker war es!" sage ich. Ich helfe Susanne noch beim zusammenräumen und reinbringen des Geschirrs. Anschließend setzen wir und wieder draußen hin und unterhalten uns lange bei einer Flasche Rotwein. Mittlerweile ist es schon dunkel geworden. Susanne schaut auf den Pool und zu der Badeinsel. "Hast Du schon mal auf dem Wasser auf einer Lufti übernachtet?" fragt sie mich. "Ja öfter mal, meistens im Garten auf dem Pool", sage ich, "aber auch schon mal im Schlauchboot auf einem See. Und du?" "Ein paarmal habe ich das hier auch schon gemacht", sagt Susanne, "aber halt alleine." Ich schaue sie an und kann mir schon denken was sie möchte. Susanne lächelt mich an. "Wollen wir heute Nacht auf der Insel übernachten", fragt sie. "Warum nicht?" antworte ich, "könnte nur etwas frisch werden." "Das ist kein Problem", sagt sie, "ich habe einen kuscheligen Doppelschlafsack mit wasserabweisender Oberfläche." "Na dann los", sage ich. "Hu, bin ich aufgeregt", sagt Susanne, "mit meiner Lieblingsnachbarin auf der Insel draußen übernachten." Ich lächele sie an.

Wir gehen ins Haus und holen den Schlafsack. Dann ziehen wir uns noch schlaftauglich um. Ich ziehe mir eine Baumwollleggings und ein Langarm-Shirt an. Susanne zieht sich ein Long Shirt an. Meine "Haare" flechte ich zum Zopf, weil sie dann nicht so schnell verfilzen. Susanne schaut mir dabei zu. "Na, so sieht man aber deinen Zwillingsbruder durchscheinen", sagt sie etwas erregt. Ich lächele sie an. Dann gehen wir wieder zum Pool. Susanne schaut mir dabei in den Schritt. "Du-uh, was ist denn das für eine Beule, da vorne?" fragt sie grinsend. "Auswüchse der männlichen Genetik", antworte ich trocken. Susanne lacht. "Ich dachte Du bindest Dir das weg", sagt sie. "Nur, wenn ich Hosen trage oder zu besonderen Anlässen", antworte ich lächelnd, "und bei Dir weiß ich, dass ich mir den Zwang nicht antun muss." Susanne lacht und sagt: "Das ist genau richtig so." "Außerdem ist es nicht unbedingt gesundheitsfördernd wenn es immer weggebunden ist", füge ich hinzu. "Kommt mir nur recht", sagt Susanne mit dunkler erotischer Stimme.

Wir sind am Pool angekommen und ich prüfe, wie stramm die Insel noch ist. "Hast Du noch irgendwo eine Handpumpe?" frage ich sie. Dadurch, dass es etwas kühler geworden ist, ist die Insel nicht mehr ganz so prall. Susanne gibt mir eine Pumpe und ich pumpe etwas Luft nach. "Nicht zu stramm", sagt Susanne, "ein bisschen kuschelig soll es schon sein." "Gerne", sage ich. Dann legt sie den Schlafsack auf die Insel und sichert ihn nach vorne mit einem Netz gegen abrutschen. "Du denkst aber auch an alles", sage ich grinsend. "Soll ja eine entspannte Nacht werden", sagt sie und schaut mich mit einem leicht erotischen Blick an. Ich zwinkere ihr ebenso erotisch zurück. Dann gibt sie mir einen Stoffbeutel. "Da kannst Du deine Ballerinas drin verstauen und mit auf die Insel nehmen", sagt Susanne. "Gute Idee", sage ich, "dann kühlen sie nicht so aus." "Ich lasse meine an", sagt Susanne, "ich mag das so." Ich schaue sie staunend an, was sie zum Lachen bringt. "Ich habe halt so meine Spleene", sagt sie. "Du bist schon eine erstaunliche Frau", sage ich grinsend, "mal schauen, was das noch wird."

"Na dann mal rauf auf die Insel", sagt Susanne. Sie hält die Insel fest und ich klettere rüber, dann folgt sie mir. Wir schlüpfen unter die Decke. "Ja, die ist wirklich warm", sage ich, "da kann ich ja fast die Leggings wieder ausziehen." "Hihi", sagt Susanne nur. Ich ziehe die Leggings aus und lege mich lang hin. "Boah, genau das richtige für eine Lufti-Begeisterte, wie ich es bin", sage ich genießerisch. Susanne legt sich neben mich und kuschelt sich ran. Sie legt ihren Kopf auf meine Schulter und ich halte sie fest. "Ist das schön so", sagt sie verträumt. Eine Weile liegen wir entspannt, dann fragt Susanne: "Eine Frage habe ich nochmal zu dieser Sandra." "Ja, die wäre?" frage ich. "Bist Du mit ihr irgendwie zusammen?" fragt Susanne. "Nee, so weit ist es nicht gekommen", antworte ich, "da hat ja vorher wer dazwischengefunkt." "Eigentlich wolltest Du Dich ja auch nicht wieder so schnell binden, nach der Trennung von Deiner Frau, oder?" fragt Susanne. "Genau", antworte ich, "aber Sandra hat sich so massiv in mein Leben gedrängelt, da konnte ich in dem Moment gar nicht nein sagen." Dann sagt Susanne: "Aber so ein Fick-Verhältnis, so wie mit mir ist OK, oder?" "Ey Susanne, boah!", sage ich gespielt entrüstet, "also nee, "¦ "¦ immer so direkt, so trocken, "¦ "¦ das gefällt mir." Susanne lacht. Eine Zeitlang unterhalten wir uns noch, dann werden wir doch müde. "War auch ein langer, ereignisreicher Tag", sagt Susanne. "Fick-Verhältnis", sage ich nochmal halblaut, "unglaublich." Susanne grinst. Bald danach schläft sie ein. Bei mir dauert es auch nicht mehr lange, bis ich einschlummere.

Irgendwann werde ich wach, weil Susanne ziemlich unruhig ist im Schlaf. Sie wälzt sich hin und her und sagt unverständliches. Kurz danach wacht sie auf und setzt sich hin. Etwas verwirrt schaut sie sich um. Dann prüft sie die Insel. "Ist die Insel noch heile?" fragt sie noch leicht verwirrt. "Ja, alles OK", antworte ich. "Dann habe ich das wohl nur geträumt", sagt sie und fasst sich so langsam. "Was denn geträumt?" frage ich. "Es fing eigentlich ganz erotisch an", sagt Susanne, "ich habe mit jemanden geschmust, wahrscheinlich mit Dir. Dann wurde es immer heftiger mit Knutschen. Schließlich gab es im Pool einen Wellengang, der uns in den Kanal gespült hat und später sind wir auf einem Meer getrieben. Und dann musste ich dauernd die Insel nachpumpen." "Soso, Frollein", sage ich grinsend, "schon wieder etwas ausgehungert, was Bettgeschichten angeht, was?" Susanne lächelt. "Ja, vielleicht", sagt sie dann. Sie legt sich wieder an und kuschelt sich auch gleich wieder an mich ran.

"Irgendwie bin ich jetzt hellwach", sagt Susanne nach einiger Zeit. Ich schaue sie an und zwinkere nur. Sie stützt sich mit dem Ellenbogen auf und streichelt mir über den Oberkörper. Ich kraule ihr den Nacken. "Steffi??? Ich habe irgendwie Hunger", sagt sie mit süßer Stimme. Mit einer dunklen, samtigen Stimme frage ich sie: "Brauchst Du noch was Warmes im Bauch?" "Na wenn das kein Wink mit dem Zaunpfahl war"¦", sagt sie und zieht mir das Höschen aus. Dann legt sie sich auf mich und winkelt die Beine an. Ich ziehe ihr Long Shirt hoch und versuche ihr Höschen zu finden. "He Du", sage ich, "da ist ja keins. Du warst Dir Deiner Sache aber sehr sicher, was?" Statt einer Antwort bekomme ich einen dicken Kuss, während sie ihren Unterleib an mir reibt. Die entsprechende Reaktion bleibt bei mir nicht aus. Susanne schaut nach unten zwischen unsere Beine. Geschickt setzt sie sich auf meinen Kleinen und fädelt ihn gekonnt ein. Ein leises Stöhnen kommt über ihre Lippen. Während sie uns langsam reitet, ziehe ich ihr Shirt aus und streichele ich liebevoll ihre Brust. Ihre rhythmischen Bewegungen werden heftiger. Sie richtet sich etwas auf und zieht mir mein Shirt aus, dann stützt sich auf meine Schultern. So langsam schaukelt sich das Wasser im Pool auf und unterstützt ihre Bewegung. "Ist das schön", sage ich auch schon heftiger stöhnend. "Steffi, "¦ Steffi, "¦Steeeffiii", haucht Susanne, "es kribbelt wie verrückt. Bitte komm!" Ich schaue sie an und drücke mein Becken nach oben. Susanne gibt einen spitzen Schrei heraus. "Nochmal!" sagt sie laut stöhnend. Ich wiederhole es zweimal, dann halte ich es nicht mehr aus und ergieße mich in ihr. Mit einem lauten "Jaaaah!" kommen wir fast zeitgleich zum Höhepunkt. Susanne bewegt sich noch langsam weiter. Das aufgewühlte Wasser im Pool schaukelt uns zusätzlich durch.

Susanne liegt auf mir und ist noch am Schnaufen. Dann schaut sie mich an. "Das war so schön", sagt sie verträumt, "das habe ich so noch nie erlebt, auf dem Wasser." Ich gebe ihr einen dicken Kuss. Sie bleibt noch lange auf mir liegen und kuschelt sich an. Ich halte sie fest und streichele ihren Rücken. Nach einer Weile rollt sie sich auf die Seite, bleibt aber an meiner Seite. Obwohl wir beide nackt sind, ist uns nicht kalt. "Schön warm die Decke", sage ich. "Da kann man glatt so bleiben", sagt Susanne lächelnd, "spart man sich das Ausziehen fürs nächste Mal." Ich schaue sie mit gespielt großen Augen an. "Wie jetzt? "frage ich. "Meinste nicht?" fragt sie keck. "Doch eigentlich schon, aber ist jetzt nicht die halbe Nachbarschaft in Habt-Acht-Stellung, bei dem Krawall den wir eben gemacht haben?" frage ich flaxend. "Och, das meiste geht Richtung Kanal", sagt Susanne grinsend, "links ist das Bootshaus, rechts die Mauer zum Nachbarn und hinter uns das Haus. Die können uns gar nicht hören." "Na ja wen Du meinst, Du hast ja schließlich Heimvorteil", sage lächelnd. Kaum habe ich es ausgesprochen, sieht man rechts auf dem Grundstück einen Taschenlampenschein. "Ja OK, vielleicht hat er was gehört", sagt Susanne grinsend. Da wir vom Abendessen her noch ein paar Windlichter mit Kerzen anhaben und er nebenan das wohl auch gesehen hat kommt er näher an die Grundstücksgrenze, an der Stelle, wo die Mauer zu Ende ist und fragt auf gut Glück: "Susanne?" "Ja bitte?" antwortet Susanne. Wir setzen uns beide hin und halten uns die Decke vor die Brüste. "Hast Du gehört wo das "Geschrei" herkam?", fragt der Nachbar. "Keine Ahnung", sagt Susanne und versucht ernst zu bleiben. Jetzt sieht der Nachbar das wir zu zweit sind. "Guten Abend", sagt er freundlich zu mir. Ich grüße ebenso Freundlich zurück. "Ich glaube das kam vom Kanal", sage ich dann, "aber wir sind aufgewacht, da war es schon vorbei." "OK", sagt der Nachbar, "aber "¦ "¦ ihr schlaft auf dem Ding auf dem Pool? Ist das nicht zu kalt." Wir schütteln den Kopf. "Nöö", sagen wir gleichzeitig und dann Susanne: "Mit der Richtigen Decke geht alles." "Na gut", sagt der Nachbar und leuchtet mit seiner Taschenlampe nochmal Richtung Kanal. "Dann euch noch eine gute Nacht", sagt er. "Ebenso", sagen wir fast gleichzeitig.

Als der Nachbar weg ist, sagt Susanne grinsend: "Der wird jetzt aber eine unruhige Nacht haben." "Wieso?" frage ich. "Na, der hat mir auch schon mal Avancen gemacht", sagt sie, "obwohl er verheiratet ist." "Na ja, einer hübschen alleinstehenden Frau wie Du kann das schon mal passieren", sage ich lieb. "Danke, Steffi", sagt Susanne lächelnd, "ist Dir das auch schon mal passiert?" "Es gibt ein paar Leute, von denen ich glaube, dass sie mich sympathisch finden, kenne ich schon", antworte ich, "aber so eine richtige Einladung ins Bett zu kommen habe ich noch nicht erhalten." "Außer von mir", sagt Susanne lächelnd. "Außer von Dir", bestätige ich, auch lächelnd. "Zweite Runde?" fragt Susanne keck. "Wenn der schon weg ist", sage ich. "Warte mal", sagt Susanne und schubst unsere Insel zum gegenüberliegenden Beckenrand. Dazu muss sie etwas über die Insel krabbeln. "Huh, ist das kalt", sagt sie. Ich merke auch einen kühlen Luftzug. "Die Decke ist ja super", sage ich, "so eine brauche ich auch." "Ich gebe dir gerne die Adresse von dem Shop", sagt Susanne, als sie wieder neben mir ist. Vom anderen Beckenrand können wir zu Nachbarhaus schauen. "Alles dunkel", sagt Susanne. Es weht die ganze Zeit ein laues Lüftchen, was uns wieder rüber an den Beckenrand am Haus treibt. Die Umwälzanlage läuft schon seit einiger Zeit nicht mehr. Obendrein ist an der Seite zum Haus ein großes Sonnensegel über den Pool gespannt. "Und?" fragt Susanne," geht es schon wieder?" "Ich kann ihn nicht finden", sage ich flaxend. "Pah! Lass mich mal", sagt sie frech und fasst mir liebevoll in den Schritt. "Schau mal, keine halbe Minute und er steht wie eine Eins", sagt sie und legt sich auf den Rücken und spreizt die Beine. Ich lege mich dazwischen, ziehe die Decke über unsere Schultern und dringe dann ganz langsam in sie hinein. Leise schnauft sie und legt ihre Arme um meine Schultern. Langsam bewege ich mich hin und her. Dabei bringe ich die Insel in eine Schaukelbewegung, die im Pool einen entsprechenden Wellengang erzeugt. "Steffi, wie geil ist das denn?" bemerkt Susanne. Wir werden etwas schneller in den Bewegungen. Jetzt drückt Susanne ihr Becken nach oben. "Uuh!" kommt es mir über die Lippen. Susanne drückt in immer kürzeren Abständen ihren Unterleib gegen meinen, während ich mich auch weiterbewegen. Immer schneller werden unsere Bewegungen. Susanne hat schon völlig ihre Hemmungen verloren und schreit ihre Lust laut heraus. Ein lautes Stöhnen kommt aus ihr heraus, als ich in ihr komme, so laut, dass meine Laute fast nicht zu hören sind. Obendrein kommt sie auch noch feucht, was mich dazu veranlasst, sie unter stöhnen zu fragen: "Mädel, wie geil bist Du denn?" Sie zieht mich ran und gibt mir einen riesen Kuss.

Ich lege mich nach einer Weile neben sie. Susanne schaut mich an. "Das ist ja ein Traum hier heute", sagt sie leise und hält mich fest. Wir sind beide immer noch leise am schnaufen. Nach kurzer Zeit sehen wir auf dem Nachbargrundstück Taschenlampenschein. Unsere Windlichter sind mittlerweile ausgegangen. Susanne legt den Zeigefinger an ihre Lippen und signalisiert mir leise zu sein. Ich zwinkere ihr als "verstanden" zu. Der Nachbar von rechts kommt wieder an den Zaun und leuchtet rüber. Er schaut dabei geradeaus rüber. Wahrscheinlich ist der Nachbar von links auch draußen. Aber den kann man wegen des Bootshauses nicht sehen. Der rechte Nachbar zuckt irgendwann mit den Schultern und verschwindet dann wieder. Susanne und ich warten noch eine Zeitlang, dann sagt Susanne leise: "Das ist der Vorteil von schnellem Sex, ehe dich irgendwer erwischt, biste schon fertig." Ich lache ganz leise. "Ja fertig bin ich auch", sage ich grinsend. "Schön", sagt Susanne leise. Wir liegen engumschlungen und schlafen auch bald ein.

Re: Blutengel

Verfasst: Do 5. Mär 2020, 15:20
von Stephanie
Bei Susanne Teil 3

Als ich aufwache, ist es schon etwas hell, die Dämmerung ist noch im Gang. Ich schaue in Susannes Gesicht. Sie liegt immer noch eng an mir dran. Sie schlägt die Augen langsam auf. "Guten Morgen Steffi", sagt sie verschlafen. Um uns herum steigt leichter Nebel aus dem Pool auf. Das Wasser im Pool ist deutlich wärmer als die Umgebungsluft. Susanne und ich stützen uns leicht auf und schauen in die Umgebung. Es ist sehr still, nur ein paar Vögel zwitschern ihre Lieder. "Ist das traumhaft, oder?" frage ich. "Total schön", antwortet Susanne. Dann legt sie sich wieder hin, zieht mich ran und drückt mich lange. "Hast Du schön geschlafen?" fragt sie mich dann. "Total entspannt", antworte ich, "und Du?" "Hach Steffi, ich auch und einen schönen Traum hatte ich auch." "Na dann sollten wir das wohl öfter mal machen", sage ich. "Auf jeden Fall", sagt Susanne und küsst mich innig. Wir schlummern noch mal wieder ein. Etwa um acht Uhr wachen wir fast gleichzeitig wieder auf. "Wollen wir mal frühstücken?" fragt Susanne. "Wird das an den Pool gebracht?" frage ich. "Nee, leider nicht", antwortet Susanne lächelnd. "Och schade", sage ich, "na gut dann stehen wir mal auf." Obwohl ich noch den ganzen Tag hier liegen bleiben könnte." "Ja stimmt", seufzt Susanne. Wir suchen unter der Decke unsere Kleidung. "Hast Du mein Shirt irgendwo gesehen?" fragt mich Susanne. "Nicht wirklich", antworte ich, "ich suche meine Leggings." "So doll haben wir doch gar nicht gewühlt", befindet Susanne. "Da wär ich mir nicht so sicher", sage ich grinsend, "kurz aber heftig." Susanne grinst mich an und hält mir meine Leggings hin. "Danke", sage ich. Kurz danach finden wir auch alle anderen Kleidungsstücke wieder. "Mit Dir macht Sex schon richtig Spaß", sage ich zu ihr. "Danke, Steffi, mit Dir aber auch", antwortete sie. Ich ziehe mir noch die Ballerinas an und halte uns am Beckenrand fest. Susanne klettert als erste von der Insel, dann hält sie die Insel fest, so dass ich absteigen kann. Am Beckenrand gibt sie mir noch mal einen richtig dicken Kuss. "Ich bin echt happy", sagt sie zufrieden. Wir gehen über die Terrassentür ins Haus.

"Duschen?" fragt Susanne. "Gerne", antworte ich. Wir gehen die Treppe hoch. "Hier oben ist mein Reich", sagt Susanne. "Ist ja eine komplette Wohnung", staune ich, "aber na ja, wenn Du oft das Haus einhütest." "Genau", sagt sie. Wir gehen in ihr Bad und ziehen uns wieder aus. Dann gehen wir gemeinsam in die nicht grade kleine Duschkabine. Das gegenseitige Einseifen geht natürlich nicht ohne Abkitzeln. Wir gackern und lachen, was das Zeug hält. Beim Abtrocknen fragt Susanne: "Hast Du einen Wunsch für das Frühstück?" "Nicht unbedingt", antworte ich, "hast Du denn was da?" "Ja klar", antwortet sie grinsend, "außer frische Brötchen." "Na gut, die kann ich ja holen", sage ich, "gibt es den kleinen Bäcker hier noch im Ort?" "Nee, der hat so schnell wieder dichtgemacht, wie er aufgemacht hatte", antwortet Susanne. Ich verziehe übertrieben das Gesicht. "Dann muss ich ja in den Nachbarort", sage ich. "Da komme ich aber mit", sagt Susanne lachend, "die Gesichter der Leute muss ich sehen." Im Nachbarort habe ich bis vor ca. einem halben Jahr gewohnt. Mit Sicherheit gibt es da den ein oder anderen, dem es übel aufschlägt, wenn ich da erscheine. "Ja, das kann schon interessant werden", sage ich, "ist aber schon mal eine Eingewöhnung auf das Schützenfest in sechs Wochen." "Wie jetzt? Du willst auf das Schützenfest???" fragt Susanne erstaunt. "Von wollen kann keine Spur sein", sage ich, "aber die Band, in der ich jetzt bin, spielt dort auf." "Oh cool, dann komme ich da auch mal wieder hin", sagt Susanne erfreut. "Wenn sie mich denn heute ins Dorf lassen", sage ich grinsend.

"Wollen wir mit dem Auto oder Fahrrädern dorthin?" fragt Susanne. "Fahrrad wäre cool", sage ich. "Dann brauche ich vorher aber noch eine Nutella-Stulle", sagt Susanne, "als Kraftfutter, so auf nüchternen Magen möchte ich ungern los." "Gute Idee", sage ich und folge Susanne in die Küche. Nachdem wir uns gestärkt haben, gehen wir zur Garage und holen zwei Räder heraus. "Hey geil, Hollandräder", sage ich erfreut. "Mit Korb vorne dran", sagt Susanne, "richtig Mädchen-like. Wir schwingen uns auf die Räder und radeln los. Eine gute Viertelstunde brauchen wir für die fünf Kilometer. Wir nähern uns der Ortsmitte. Der ein oder andere Passant schaut uns hinterher. "Stimmt ja heute ist Samstag und damit Markt", sagt Susanne, als wir am Marktplatz ankommen. An einem freien Fahrradständer schließen wir die Räder an. Dann gehen wir in einen Bäckerladen. "Guten Morgen!" grüße ich freundlich in die Runde. Einige grüßen zurück, zwei Leute schauen mich an um gleich wieder wegzuschauen. Susanne grinst sich einen. Bei Verlassen des Bäckerladens sage ich zu Susanne: "So ein richtiges offenes Outing habe ich nie gemacht, von daher kommen einige wohl nicht klar damit." "Sieht so aus", sagt sie lachend. Die Brötchen legt sie in den Fahrradkorb. "Lass uns nochmal über den Markt gehen", sagt sie. Am Stand eines Bio-Bäckers halten wir noch mal an. "Die haben hier leckere Croissants", sage ich. "Kenne ich!", sagt Susanne, "die sind wirklich lecker." Die Schlange ist recht lang an dem Stand. Weiter vorne erkenne ich eine Bekannte von früher, die sich angeregt mit einer anderen Frau unterhält. "Oha!" sage ich leise zu Susanne, "siehst Du die beiden Frauen da vorne, die so angeregt rumlabern?" "Ja, was ist mit denen?" fragt Susanne. "Die kleinere von beiden ist meine Ex-, bzw. Noch-Gattin", antworte ich. Susanne ist sowieso die ganze Zeit am Grinsen, aber jetzt verstärkt sich das auch noch. Ich schmunzele ebenfalls.

Eine ältere Dame wird grade bedient und hält den ganzen Laden auf. Meine Ex und ihre Freundin sind etwas genervt, drehen sich gelangweilt um und schauen in unsere Richtung. "Schade, dass man es nicht hören kann, wenn Gesichtszüge entgleisen", sage ich beiläufig, als ich die Gesichter der Beiden kommentiere. Susanne dreht sich schnell um, damit die beiden nicht sehen, wie sie loslacht. "Du bist aber auch eine Granate, Steffi", gackert Susanne. Ich drehe mich ebenfalls um. "Ach, "¦ guten Morgen, Herr Ex-Nachbar", sage ich, als ich den Herrn hinter uns als solchen erkenne. Der hatte auch immer ein Problem mit meiner Erscheinung, wenn er zufällig in den Keller kam, wo ich mich immer umgebaut habe. Dementsprechend peinlich berührt verlässt er die Schlange. Meine Ex wird mittlerweile bedient. Unauffällig versucht sie in unsere Richtung zu schauen, was ihr nicht gelingt, weil Susanne völlig auffällig zu ihr rüber schaut. Schließlich bezahlt meine Ex ihre Ware und verschwindet mit ihrer Freundin im Getümmel des Marktes. Nachdem wir unsere Croissants bekommen haben, kaufen wir an anderen Ständen noch Zutaten für ein leckeres Essen. Dann bringen wir alles zu unseren Rädern und verstauen alles. "Wo genau hast Du denn gewohnt?" fragt Susanne. "Dort drüben in dem großen Haus", antworte ich, "die restliche Familie wohnt dort immer noch." "Nicht schlecht", staunt Susanne, "mitten im Geschehen." Dann machen uns auf den Rückweg.

Wieder bei Susanne zu Hause machen wir unser Frühstück. "Lass uns mal im Wohnzimmer frühstücken", sagt Susanne grinsend, "ich habe mir eine neue Sofagarnitur gegönnt." Ich schaue sie gespielt zweifelnd an, kann mir aber schon was denken. Susanne bringt schon mal das Geschirr und das Frühstück in ihr Wohnzimmer. Ich warte bis der Kaffee durchgelaufen ist und folge ihr dann. Ich staune nicht schlecht, als ich das Wohnzimmer betrete und die von ihr genannte Sofagarnitur sehe. Natürlich eine aufblasbare Garnitur, in der Optik von Chesterfield-Möbel. "Alter Schwede", sage ich staunend, nicht schlecht." Susanne erfreut sich über mein Staunen. Ich stelle den Kaffee auf den Tisch und setze mich auf einen der Sessel. "Boah, cooles Sitzgefühl", staune ich. Susanne schaut mich strahlend an. "Gefällt es Dir?" fragt sie. "Super gut", antworte ich, "aber die haben doch ihren Preis? Günstig sind die nicht." "Die waren zwar reduziert, aber trotzdem noch hochpreisig", antwortet Susanne, "ich habe da einfach mal mein letztes Weihnachtsgeld investiert." "Okay", sage ich, "ordentlich stabil sind sie jedenfalls."

Wir lassen uns lange Zeit beim Frühstück. "Sag mal Steffi, wie hat sich denn dein neues, ääh, "¦ Geschlechtsteil entwickelt?" fragt mich Susanne. Ich verdrehe die Augen und grinse dabei. "Wie jetzt? erzähl mal", sagt Susanne, "hast Du es schon probiert?" Ich verdrehe wieder die Augen und sage: "Mmmmh!" "Steffi!!! fordert Susanne, "Du hast schon jemanden rangelassen?" "Nein, das nicht", antworte ich, "aber so das ein oder andere Spielzeug kommt dann schon zum Einsatz." "Also Vibros und so?" fragt Susanne. "Genau", antworte ich. Damit gibt sie sich erstmal zufrieden und grinst mich aus den Augenwinkeln an, was mich dazu veranlasst zu wiederholen: ""¦und so." Natürlich springt sie drauf an. "Was ist denn und so?" fragt sie erwartungsgemäß. "Na ja ich habe da so ein neckisches Spielzeug in einem Erotikladen gesehen und dann auch gekauft", antworte ich und erzähle von dem Liebeslounger. Susanne ist auf einmal völlig aufgeregt. "Wie ist das Ding?" fragt sie erregt. "Na ja, ich bin genauso abgegangen, wie Du in der Nacht auf der Insel", antworte ich. "Boah! Steffi, die sind aber ziemlich teuer", sagt Susanne. "Nöö", antworte ich, "mehrfach runtergesetzt, ich habe das Ding für 89,-€ bekommen und das ist es wert." "Auch haben wollen", sagt Susanne erregt, "wo hast Du den her?" Ich nenne ihr den Laden. "Ob die noch einen haben?" fragt sie wuschig. Ich nehme mein Handy und rufe in dem Laden an. "Hallo, ich bin die Kundin, die neulich den Liebeslounger gekauft hat", melde ich mich, als am anderen Ende eine Verkäuferin rangeht. "Ist alles in Ordnung, mit dem Gerät?" fragt die Verkäuferin. "Ja, na klar, ist alles in Ordnung" antworte ich, "ich wollte mich nur erkundigen, ob sie vielleicht noch einen haben? Ich habe eben meiner besten Freundin von dem Gerät erzählt und sie ist Feuer und Flamme." "Ja, wir haben noch ein paar aus einer anderen Filiale bekommen", sagt die Verkäuferin lachend, "soll ich einen zurücklegen?" Ich frage Susanne. Die nickt und ich sage zur Verkäuferin: "Ja, legen Sie bitte einen zurück." "Okay, mache ich "sagt die Verkäuferin, "bis nachher dann." Ich schaue Susanne an. "Du bist aber auch so eine", sage ich lächelnd zu ihr, "ich frage mich doch glatt, ob ich in die Transformation zur Frau gegangen wäre, wenn ich Dich schon früher kennengelernt hätte." "Hihi", sagt Susanne nur, "aber ist schon OK, so wie Du jetzt bist. Bleib einfach so, dann haben wir bestimmt noch eine Menge Spaß." "Ich werde es versuchen", sage ich grinsend. Wir lassen uns weiterhin das Frühstück schmecken.

Irgendwann sind wir fertig mit frühstücken und räumen das Geschirr weg. Das Wetter ist im Moment etwas durchwachsen. "Hoffentlich wird das noch besser heute Nachmittag", sagt Susanne etwas besorgt. Ich ziehe mir eine Skinny Jeans an. "Heute ausnahmsweise mal eine Hose", sage ich grinsend, weil ich ja sonst in Kleid oder Rock unterwegs bin. "Gemein", sagt Susanne, "da wirken Deine Beine ja noch länger, als sie eh schon sind." Susanne zieht sich ebenfalls eine knallenge Jeans an. "Also verstecken musst Du Deine Beine aber auch nicht", sage ich lobend und gebe ihr einen Klapps auf den Po, "und das sieht um Längen besser aus als bei mir." "Nobody is perfect", sagt Susanne lächelnd. Dann gehen wir zur Garage. Per Funk öffnet Susanne einen VW Passat. Ich wundere mich. "Fährst Du nicht sonst einen Mini?" frage ich. "Ja", antwortet sie, "aber das Auto hier muss auch mal bewegt werden." "Stimmt auch wieder", sage ich. Wir steigen ein und machen uns auf den Weg nach Braunschweig.

Re: Blutengel

Verfasst: Di 10. Mär 2020, 15:36
von Stephanie
Shoppen in Braunschweig

Die Fahrt verläuft recht ruhig, bis zur ersten Ampel. Wir stehen neben einem Auto in dem zwei Herren sitzen, die deutlich älter aussehen, als wir es sind. Der Fahrer macht ein Zeichen, dass ich meine Scheibe runtermachen soll. Ich schaue kurz zu Susanne und grinse sie an. Dann schaue ich zu den Herren und mache die Scheibe runter. Der Fahrer plappert auch gleich los: "So zwei schöne Frauen muss man doch einfach zum Kaffee einladen." Susanne schaut an mir vorbei und sagt energisch aber lächelnd: "Nein, shoppen geht vor!" Kurz danach wird die Ampel grün und Susanne fährt scharf an. Ich schaue nach hinten. Die beiden Herren haben irgendwie das losfahren vergessen. "Geil, Susanne", sage ich. "Oder? Ist doch so, wir kommen doch nicht nur zum Kaffeetrinken aus der Provinz hierher", sagt sie. Ich lache. "So ist es", sage ich. "Lass uns im Schloss parken", sagt sie, "dann können wir hinterher noch einen Kaffee trinke." "Gute Idee!", sage ich. Nachdem wir im Parkhaus einen Platz gefunden haben und ausgestiegen sind, frage ich Susanne: "Ist das normal, dass man als Frau öfter angesprochen wird?" "Hm, mir passiert das häufiger", antwortet sie, "musst nur aufpassen, dass Du die Typen auf Abstand hältst." "Na gut", sage ich lächelnd, "mal schauen, wie es mir ergeht." "Auf alle Fälle passiert es Dir jetzt bestimmt öfter, als im "Mann-Modus"", sagt Susanne grinsend.

Auf der Rolltreppe fahren wir dann runter. Auf der Rolltreppe nebenan fahren zwei Typen nach oben. Sie fixieren uns die ganze Zeit. Als sie grade so an uns vorbei sind, sagt der eine: "Boah, das sind ja zwei heiße Schnecken, was?" "Nicht gleich umdrehen", sagt Susanne leise, "immer etwas warten." "OK, Chefin", sage ich grinsend. Als wir unten angekommen sind, drehen wir uns gleichzeitig um und schauen zu den Typen. Der eine winkt prompt. Wir lächeln, drehen uns um, und gehen weiter. "Waren jetzt nicht mein Typ Männer", sagt Susanne grinsend. "Und ich steh eh nicht auf Männer!" antworte ich auch grinsend. Die nächste Rolltreppe bringt uns in die oberste Shopping-Etage. "Schon mal ein bisschen sensibilisieren, was?" frage ich flaxend. "Jepp!" antwortet Susanne kurz. Wir gehen zügig durch die Einkaufspassage im Schloss. "Auf dem Rückweg nachher verpassen wir dir noch ein bisschen "Bling-Bling", sagt Susanne, als wir an einen Modeschmuckladen vorbeigehen. Ist ein bisschen wenig, nur Ohrringe." Ich grinse sie nur an.

Wir verlassen das Schloss und gehen über den großen Vorplatz. Susanne hakt sich an meinem Arm ein. Auch hier erregen wir bei einigen Herren Aufmerksamkeit. Einer schaut uns hinterher und läuft dabei beinahe gegen eine Laterne. "Nicht direkt hinschauen, richtig?" frage ich Susanne und versuche mir das Lachen zu verkneifen. Susanne nickt und versucht ebenfalls ihr Lachen zu verkneifen. Als wir weit genug weg sind bleiben wir stehen und verschaffen uns durch Lachen Luft. "Ich glaube, einmal durch die ganze Stadt würde ich nicht überleben", sage ich gackernd. "Am Lachanfall erstickt?" fragt Susanne prustend. Ich nicke nur. Wir haben uns grade halbwegs beruhigt haben, werden wir schon wieder angesprochen. Diesmal wimmele ich den Herrn direkt ab. Zügig gehen wir weiter. An einer Ampel müssen wir warten. Ich schaue an mir herunter. "Du, Susanne, ist Dir aufgefallen, dass wir beide blaue Lackballerinas anhaben?" frage ich sie. "Nanu, da habe ich gar nicht drauf geachtet", sagt sie grinsend. "Nur, dass Deine locker viermal so viel gekostet haben wie meine", sage ich, "Pretty Ballerinas?" "Genau", antwortet Susanne, "die waren aber reduziert. Die habe ich von dem Laden im Schloss." Die Ampel wird grün und wir gehen zielstrebig in Richtung Erotikladen und sind kurze Zeit später dann auch da.

Die Verkäuferin erkennt mich auch gleich wieder, als wir den Laden betreten." Ups, vormittags ist hier mehr los", stelle ich fest, als ich mich im Laden umgesehen habe. Ein paar Männer sind da, die uns auch gleich erstmal mit ihren Blicken abscannen. Mir fallen zwei Frauen auf, die anscheinend etwas genervt sind und sich langsam in unsere Richtung bewegen. "Wir hatten vorhin telefoniert?" fragt mich die Verkäuferin. "Genau", antworte ich. Wir folgen ihr in die Ecke, wo die Liebesliegen stehen. Susanne ist auf einmal völlig aufgekratzt. "Haben Sie den schon ausprobiert?" fragt mich die Verkäuferin. Ich nicke. "Und? Wie ist ihr Eindruck?" fragt die Verkäuferin weiter. Ehe ich antworten kann fragt eine der beiden Frauen vorsichtig: "Dürfen wir uns dazu stellen?" "Klar, kein Problem", sagen Susanne und ich. "Also, mein Eindruck", sage ich und mache eine Pause, dann sage ich: "Holla, die Waldfee, das Ding kann einen schon um den Verstand bringen." Susanne und die beiden Frauen lachen leise. "Das stimmt", sagt die Verkäuferin grinsend, "ich habe es auch probiert." Die Männer im Laden schauen die ganze Zeit, ob sie was mitbekommen können, von unserer Runde, was mir nicht entgeht. Ich schaue kurz hin und zucke leicht mit den Schultern. Ertappt schauen sie weg.
"Also, ich nehme jetzt einen", sagt Susanne. Die Verkäuferin nimmt einen Karton. "Soll ich Ihnen den neutral verpacken?" fragt sie. "Ach nöö", sagt Susanne grinsend. Ich schaue sie mit gespielt großen Augen an. "Boah! Mädel, der Hinweg hierher war ja schon anstrengend", sage ich feixend, "na dass wird ja ein Rückweg werden." "Ich stehe zu meinen Neigungen", sagt Susanne frech grinsend und geht zur Kasse. Dort bezahlt sie dann ihren Lounger. Ich stehe noch bei den beiden Frauen. "Ihr seid ja vielleicht locker drauf", sagt die eine staunend. Ich lächele. Susanne kommt zu uns zurück. "Na könnt ihr euch nicht entscheiden?" fragt sie keck. "Hm, nee, nicht so richtig", sagt die eine, "dann kann ja immer nur eine." Ich vermute ja schon die ganze Zeit etwas und frage dann auch mal ganz mutig nach: "Seid ihr ein Paar?" "Ja, sind wir", sagt die eine. Und kurz danach werden wir von der anderen gefragt: "Und ihr?" Susanne und ich schauen uns kurz an. "Wie hast Du das gestern genannt?" frage ich Susanne. "Meinste Fickverhältnis?" fragt Susanne dagegen, was bei uns allen zum Lachanfall führt. Nur die Männer schauen etwas verstört zu uns herüber. Schließlich nehmen die Beiden auch einen. Wir verlassen zusammen den Laden. "Viel Spaß!" wünsche ich. "Danke!" bekomme ich als Antwort. Susanne und ich machen uns auf den Rückweg zum Auto. "Ich würde sagen, wir legen die Liege ins Auto und machen noch dann noch mal eine Runde durch die Läden, oder?" sagt Susanne. "So machen wir das", sage ich.

Der Rückweg ist wirklich spannend. Das Bild auf dem Karton sagt schon aus, was sich drin befindet. Und etliche Leute verdrehen sich Kopf oder Augen, um zu sehen, was sie da trägt. Auf dem halben Weg frage ich Susanne, ob ich den Karton tragen soll, was sie dankend annimmt. Der hat schon einiges an Gewicht. Ich mache mir den Spaß und trage den Karton vorm Bauch. Das trägt bei Susanne zur völligen Erheiterung bei. "Geil Steffi", sagt sie gackernd und hat Mühe weiterzugehen. "Ich kann auch provozieren", sage ich grinsend. Wieder im Schloss angekommen, sagt Susanne: "Lass uns mal den Fahrstuhl in die Parketage nehmen." Wir müssen auch nur kurz warten, dann kommt der Fahrstuhl aus dem Basement. Er ist halb voll und keiner steigt aus. Ich trage den Karton mittlerweile an der Hand. Ein Herr versucht "unauffällig" rauszukriegen, was ich da trage. Absichtlich, aber aus Jux versuche ich den Karton hinter mir zu verstecken. Susanne steht halb hinter mit und hat das mitbekommen. Der Herr versucht immer noch zu schauen, was das ist, während Susanne ihn beobachtet. Kurz darauf bemerkt er das und schaut peinlich berührt weg. Der Fahrstuhl hält in dem Parkdeck wo unser Auto steht. Schnell verlassen wir den Fahrstuhl in Richtung Auto. Dort angekommen, müssen wir erstmal herzlich lachen. "Bist Du eigentlich immer so gut aufgelegt, wenn Du mit einer Freundin shoppen gehst?" frage ich noch gackernd Susanne. "Kommt auf die Freundin drauf an", sagt Susanne lachend, "ja, es gibt noch zwei, drei, die ähnlich gut drauf sind wie Du."

Inzwischen haben wir den Karton im Auto verstaut und sind wieder auf den Weg in die Shoppingetagen. Wir kommen an einem Schuhladen vorbei. "Hier habe ich die Ballerinas her", sagt Susanne, "wollen wir mal schauen, ob es die auch in Deiner Größe gibt?" "Hm, schauen kostet ja nichts", antworte ich. Wir gehen hinein. Wir schauen uns die Regale an. Eine Verkäuferin bietet ihre Hilfe an. "Wir suchen diesen Ballerina", sagt Susanne und zeigt ihren rechten Fuß. "Welche Größe?" fragt die Verkäuferin. "44", antworte ich und rechne eigentlich nicht damit, dass Sie die Größe hat. "Warten Sie kurz, ich gehe mal ins Lager", sagt die Verkäuferin. "Ich bin der Meinung die haben hier Übergrößen", sagt Susanne. Nach einiger Zeit kommt die Verkäuferin wieder. "Sie haben Glück, hier ist noch ein Paar", sagt sie, "wir lösen grade die Übergrößenabteilung auf." "Zu wenig Zuspruch?" frage ich. "Genau", antwortet die Verkäuferin. Ich probiere die Ballerinas an. "Reinschlüpfen und wohlfühlen", sage ich begeistert, "und passen tun sie auch." "Super!" sagen Susanne und die Verkäuferin fast gleichzeitig. "Ist schon was anderes, so aus Leder", sage ich, "im Gegensatz zu meinen anderen. Obwohl die auch super bequem sind." "Und Sie haben doppelt Glück, die sind deutlich reduziert", sagt die Verkäuferin. "Normal liegen die doch so bei 130 — 150 Euro", sagt Susanne. Die Verkäuferin nimmt den Schuhkarton. "Genau, 129 Euro", sagt sie, "aber radikal reduziert auf 69,- Euro." Ich überlege nicht lange. "Die sind gekauft", sage ich begeistert. "Schön" sagt die Verkäuferin, "möchten Sie sie gleich anbehalten?" "Ja gerne", antworte ich und wir folgen ihr zur Kasse. Während die Verkäuferin den Preis in die Kasse eingibt und meine anderen Ballerinas in den Karton legt, halten Susanne und ich unsere linken Füße nebeneinander. "Total cool, Steffi", sagt Susanne begeistert. "Du hast aber auch nicht grade kleine Füße", bemerke ich, als ich ihren Fuß betrachte. "42 ist das", antwortet Susanne. "Große Frauen dürfen auch auf großem Fuß leben", sagt die Verkäuferin lächelnd. Susanne ist auch nicht grade die kleinste. Ich bezahle schließlich und bedanke mich herzlich bei der Verkäuferin.

"Jetzt einen Kaffee?" frage ich, als wir den Schuhladen verlassen haben. "Wie jetzt?" fragt Susanne, "wir haben doch noch gar nicht richtig angefangen. Schwächelst Du schon, Steffi?" Ich muss lachen. "OK, da muss ich wohl noch einiges lernen", sage ich grinsend, "früher war ich ja nur Tütenträger." Susanne grinst. "Komm wir gehen in den Modeschmuckladen", sagt Susanne. Dort angekommen, behängt mich Susanne mit allerhand Ketten. Nachdem ich mich dann für das ein oder andere entschieden habe, frage ich eine Verkäuferin: "Ich suche zu den Ohrsteckern die ich grade trage noch passende Ohrhänger." In den Ohren trage ich links einen Notenschlüssel, genauer Violinschlüssel und rechts eine Doppelnote. Die Verkäuferin geht zu einem Verkaufsständer und nimmt zielstrebig ein paar Ohrhänger raus. Ich entscheide mich schließlich für ein Set aus verschiedenen Noten und Schlüsseln. "Sind sie Musikerin?" fragt die Verkäuferin beim Bezahlen. Wahrheitsgemäß bejahe ich die Frage.

"Ich muss unbedingt in den Dessous Laden, in der zweiten Etage", sagt Susanne. "Na Du stellst mich aber heute vor Herausforderungen", sage ich lächelnd. Susanne lächelt mich an. "Ist Dir aufgefallen, dass Du die ganze Zeit voll als Frau durchgehst?" fragt sie. Ich nicke zustimmend. "Ich wäre aber nicht enttäuscht, wenn es nicht so wäre", sage ich grinsend. In dem Laden angekommen geht Susanne zielstrebig auf eine BHs zu und sucht sich welche heraus. Dann geht sie zu einer Umkleidekabine und verschwindet dort. Ich schaue mich etwas um. "Steffi, kannst Du mal schauen?", ruft mich Susanne, "ich brauche mal deine Meinung." "Aber gerne", antworte ich und gehe zu ihr. Susanne hält sich einen nach dem anderen an und ich gebe Meine Meinung dazu ab. Inzwischen ist eine Verkäuferin dazu gekommen, die bisher eine andere Kundin hatte. Nachdem sich Susanne entschieden hat, fragt sie mich: "Und Du, Steffi?" "Ich habe da vorn ein, zwei gesehen, die mal von den Üblichen abweichen, die ich sonst trage", antworte ich und gehe hin. Die Verkäuferin hilft mir dabei. Letztendlich entscheide mich für einen BH mit viel Spitze dran. "Hey romantisch steht Dir aber auch", sagt Susanne. Wir bezahlen und verlassen nach höflicher Verabschiedung den Laden.

"Wollen wir da vorne dann einen Kaffee trinken", fragt Susanne und zeigt auf einen Laden, wo man teilweise in der Passage sitzt. Die erste und zweite Etage sind in der Mitte offen, so dass man in der Mitte runterschauen kann. Und bei der Cafeteria sind beide Seiten mit einer Brücke verbunden. Auf dem Weg zum Cafe liegen noch ein paar Boutiquen, in denen wir auch noch mal hereinschauen. Wir schauen uns ein paar Oberteile an. Aus den Augenwinkeln sehe ich draußen zwei Frauen vorbeigehen. Ich schaue genauer hin und erkenne, dass die eine Sandra ist. Susanne bemerkt das und fragt: "Ist da was?" "Ich glaube, da ist grade die Sandra vorbeigegangen", antworte ich und zeige dahin, "die mit der blonden Lockenmähne." "Aha", bemerkt Susanne. Wir schenken der Sache jetzt keine weitere Beachtung. In der Boutique finden wir nichts Ansprechendes und so verlassen wir den Laden.

Wir gehen zum Cafe. "Ups, jetzt sitzt sie da", sage ich, als ich Sandra mit ihrer Begleitung dort sitzen sehe. "Und wollen wir trotzdem dort einen Kaffee trinken, oder lieber woanders?" fragt Susanne. "Ach nee, das ist jetzt kein Hinderungsgrund", sage ich, "schau mal dahinten am anderen Ende der Brücke ist noch was frei." "Dann gehen wir dorthin", sagt Susanne grinsend. Sandra sitzt mit dem Rücken zu uns und hat mich noch nicht gesehen. "Geh Mal vor und setz Dich zuerst", sage ich, "kannst sie ja mal beobachten, wie sie reagiert, falls sie mich erkennt." "Mach ich", sagt Susanne grinsend und geht zu dem freien Tisch. Sie setzt sich und schaut in meine Richtung und beobachtet Sandra. Dann gehe ich zu dem Tisch. An Susannes Regung kann ich erkenne, das Sandra mich erkannt haben muss. Ich setze mich so hin, dass ich Sandra halb den Rücken zeige. "Was hast Du heute Morgen auf dem Markt mit den Gesichtszügen entgleisen gesagt", fragt Susanne feixend. "Grade hinter mir passiert?" frage ich. "Aber so was von", sagt Susanne. Ich muss grinsen. Eine Bedienung erscheint und fragt nach unseren Wünschen. Wir nehmen beide erstmal einen Cappuccino.

"Meine Güte, schaut die mich böse an", sagt Susanne grinsend. "Stört Dich das?" frage ich. "Nöö", kommt als kurze Antwort. Wir unterhalten uns eine Weile über das heute erlebte. "So einen richtigen Gentleman lernt man aber eher selten kennen", sage ich, über das erlebte mit den Herren, die uns heute so begegneten. "Ja stimmt schon", sagt Susanne, "aber auf der Suche sind wir ja auch nicht, oder?" Ich schüttele den Kopf etwas stärker, dass meine "Locken" ordentlich schwingen. "Na das hat jetzt aber einen Eindruck auf die Sandra gemacht", sagt Susanne leise, "die schaut jetzt total verträumt." "Soll sie doch", sage ich patzig, "ich werde sie allerdings nicht ansprechen, sonst ist das Wochenende hin. Sehr vereinnahmend ist die Dame." Susanne lacht leise. Nach einiger Zeit sehe ich von weitem einen Herrn durch die Passage in unsere Richtung gehen, den ich vor kurzem hier kennengelernt habe. "Wo wir grade von Gentlemen geredet haben", sage ich, "da hinten kommt einer." Susanne schaut hin. Er kommt näher und erkennt mich jetzt auch. Es ist Alexander, den ich neulich in dem anderen Cafe im Erdgeschoss kennengelernt habe. Alexander steuert unseren Tisch an. Ich stehe auf und begrüße ihn, Umarmung, Küsschen links, Küsschen rechts. Dann stelle ich ihm Susanne vor, die steht auch auf. "Dann möchte ich aber auch Umarmung, Küsschen links, Küsschen rechts", sagt sie. Alexander lacht. "Aber gerne", sagt er. "Hast Du etwas Zeit?" frage ich, "magst Du Dich zu uns setzen?" "Ja klar, gerne", antwortete er. Beim Hinsetzen fällt mein Blick kurzfristig auf Sandra. Die schaut völlig erstaunt, wobei ich so tue, als hätte ich sie nicht erkannt.

Wir drei unterhalten uns angeregt. Die Bedienung erscheint nochmal und erkundigt, ob wir noch weitere Wünsche haben. Wir bestellen uns nochmal Cappuccino. "Die haben hier so leckere Mandelhörnchen", sage ich und folge der Verkäuferin. Sandra sieht mich und schaut irritiert weg, als ich an ihr vorbeigehe. Am Tresen im Laden sehe ich die Hörnchen und ordere einen zu unserer Bestellung dazu. Dann gehe ich zum Tisch zurück. Sandra wird von ihrer Freundin gewarnt und als ich an den Beiden vorbeigehe, höre ich Sandra zu mir sagen: "Entschuldige "¦ ." Weiter kommt sie nicht, weil ich freundlich abblocke: "Alles gut, ist nichts passiert." "Susanne hat das mitbekommen und lacht sich schon wieder eines. Auch Alexander hat das irgendwie mitbekommen, auch wenn er die Hintergründe nicht kennt. Die erkläre ich ihm aber auch gleich, nachdem ich mich hingesetzt habe. Wir bleiben noch eine ganze Weile sitzen und erzählen. Nach einigen Cappuccinos und Mandelhörnchen sagt Alexander: "Ich muss leider weiter, obwohl es mit euch grade sehr angenehm ist." "Wir müssen dann auch wieder los", sage ich. "Schön, dass ich Dich kennenlernen durfte", sagt Susanne und lächelt Alexander an. Wir stehen so langsam auf und gehen in die Passage. "Wartet noch mal kurz", sagt Alexander, "Du hattest mir neulich deine Telefonnummer gegeben, Stefanie." Er holt sein Handy raus und ruft mich kurz an. "Jetzt hast Du meine auch, kannst du auch gerne an Susanne weiterleiten", sagt er, "wenn ihr mal in der Nähe seid, ruft einfach an." "Machen wir!" sagen Susanne und ich gleichzeitig. Ich blicke nochmal zurück. Sandra und ihre Freundin sind nicht mehr zu sehen.

Susanne und ich gehen zurück zum Auto. "Die ist aber ganz schön hübsch, die Sandra", sagt Susanne. "Aber anstrengend, von dem was ich bisher von ihr kennengelernt habe", sage ich, "ganz anders als Du!" "Danke Steffi", sagt Susanne, "bei uns stimmt halt die Chemie, und das von Anfang an." Ich lächele sie an. Am Auto angekommen, packen wir unsere Shopping-Beute in den Kofferraum, steigen ein und fahren los. "Ui, das Wetter ist doch noch schön geworden", sagt Susanne, als wir das Parkhaus verlassen, "warm ist es auch. Dann können wir ja noch eine Spritztour mit dem Motorboot machen." "Gute Idee", sage ich, "Abenteuer-Tours mit Susanne. Susanne schaut zu mir rüber und zwinkert mir zu. "Wer hat schon so eine tolle Freundin, wie Stefanie!?" sagt Susanne. "Das Lob gebe ich Dir aber auch gerne", antworte ich.

Re: Blutengel

Verfasst: Fr 17. Apr 2020, 13:11
von Stephanie
Motorschlauchboot-Tour auf dem Mittellandkanal.

Die Rückfahrt verläuft ruhig. "Alexander ist ja wirklich ein Gentleman", sagt Susanne nach einiger Zeit, "aber er kommt mir irgendwie bekannt vor, ich habe ihn schon mal irgendwo gesehen." Susanne grübelt. "Vielleicht fällt es Dir ja wieder ein", sage ich. Beiläufig schaue ich auf die Außen-Temperaturanzeige. "Holla, das ist ja richtig warm heute", sage ich. "Habe ich so bestellt", sagt Susanne lächelnd. Bald sind wir wieder bei Susanne zu Hause. Auto abgestellt und unsere Einkäufe ins Haus gebracht. "Die Liege macht mich ja schon neugierig", sagt Susanne, "aber wir sollten eher das gute Wetter ausnutzen. Hast Du immer noch Lust auf eine Runde Motorboot fahren?" "Aber na klar doch", antworte ich begeistert. "Ich auch", sagt Susanne, "wollen wir vorher noch was essen oder nehmen wir ein Lunchpaket mit?" "Ich bin ja noch satt von den Mandelhörnchen", antworte ich, "Lunchpaket find ich gut." Daraufhin gehen wir in die Küche und bereiten ein nettes Lunchpaket zu. "Nehmen wir die Croissants von heute Morgen auch noch mit?" frage ich. "Au ja, dann lass uns noch etwas zu trinken mitnehmen", antwortet Susanne. Alles zusammen packen wir in einen großen Korb. "Ich würde mich gerne noch mal umziehen", sage ich. "Stimmt ein bisschen bequemer wäre schon toll", antwortet Susanne. Sie zieht sich dann eine kurze Jeans und ein rotes Kurzarm-Shirt an. Ich wähle indes ein Kurzarm-Skaterleid auch in Rot aus meinem Rucksack. "Signalfarbe!" sage ich lächelnd. "Genau!" antwortet Susanne. Dazu tragen wir beide weiße Leinen-Sneaker. In einer Tasche nehmen wir noch jeder ein Sweatshirt und eine Strumpfhose mit, falls es kühler werden sollte.
Dann gehen wir zum Bootshaus. Susanne steigt zuerst ins Boot ein und prüft nochmal Luftdruck der Schläuche, dann, ob genug Treibstoff im Tank ist. "Alles top, Steffi", sagt sie dann. Ich gebe ihr den Korb und die Tasche rüber und mache anschließend die beiden Seile los, mit dem das Boot festgemacht ist. Dann steige ich auch ein. "Joa, das macht schon was her", sage ich, als ich neben Susanne Platz nehme. Susanne startet den Motor und mit Standgas fahren wir langsam aus dem Bootshaus heraus. Über eine Fernbedienung schließt Susanne das Bootshaus. Langsam fahren wir in Richtung Hafenbecken. Susannes Nachbar ist im Garten und schaut uns verträumt hinterher. "Was der sich jetzt wohl denkt", sagt Susanne, als wir ein Stück von ihm weg sind. " "Da würde ich jetzt auch mitfahren wollen und dann würde ich sie beide vernaschen" denkt der grade", sage ich grinsend. Susanne schaut mich staunend, aber grinsend an. "Woher weißt Du das?" fragt sie, "eigene Erfahrung, als Du noch auf der "anderen" Seite warst?" "Genau, Kerle ticken so", sage ich grinsend. Susanne lacht. "Mädels sind aber auch nicht anders", sagt sie lachend, "nur zurückhaltender." Ich nicke.

Wir fahren ins Hafenbecken und Susanne gib etwas mehr Gas. In einer weitgezogenen Rechtskurve fahren wir auf den Kanal. Mit gemütlichen 15 km/h fahren wir in Richtung Wolfsburg. "Einfach nur Klasse", sage ich begeistert. Susanne lächelt mich an. "Eigentlich ist dieses Boot hier ein Beiboot für eine Motorsegel Yacht", sagt sie dann. "Aha", bemerke ich erstaunt. "Die Yacht liegt normalerweise im Yachthafen von Palma de Mallorca", sagt Susanne weiter. "Normalerweise?" frage ich. "Ja, im Moment ist sie in Hamburg, auf der Werft, wo sie gebaut wurde, zur Generalüberholung", sagt Susanne weiter. "Und wieso Mallorca?" frage ich. "Weil meine Eltern dort eine Finca haben und ihre freie Zeit meistens da verbringen", antwortet Susanne. "Holla die Waldfee", sage ich anerkennend. Susanne lächelt. Nach einer Weile frage ich: "Und wie kriegt ihr die Yacht dann ins Mittelmeer? Nordsee, Atlantik, Gibraltar?" "Nöö, das geht über Kanäle und Flüsse", antwortet Susanne. "OK, ich glaube ungefähr zu wissen, wo das dann langgeht", sage ich. "Über die Kanäle zum Rhein, dann in die Mosel, dann über französische Kanäle in die Saone, dann in die Rhone und schließlich ins Mittelmeer", sagt Susanne. "Ach so, da lang", sage ich dann. "Und wer bringt die Yacht dann dahin?" frage ich weiter. "Dieses Jahr machen das meine Schwester Sabine, die kennst Du ja auch, ihr Mann und ich", antwortet Susanne, "kannst gerne auch mitkommen." "Wie lange dauert das denn eigentlich?" frage ich wieder. "Na ja so vier bis sechs Wochen kann das schon dauern", sagt Susanne, "je nachdem, ob man rund um die Uhr fährt." Ich lege die Stirn in runzeln. "Meinen Urlaub habe ich noch gar nicht geplant", sage ich, "und ob ich sechs Wochen kriege, weiß ich auch nicht. Die stellen sich schon an, wenn Du nur ein paar Tage über die drei Wochen hinaus haben möchtest." "Kannst es ja im Hinterkopf behalten", sagt Susanne. Ich nicke. Lust hätte ich ja schon.

Wir passieren grade den Abzweig des Elbe-Seiten-Kanals und fahren weiter Richtung Wolfsburg. "Wollen wir mal schauen, ob wir über die Schleuse kommen?" fragt Susanne. "Fragen kostet ja nichts", sage ich, "aber im Allgemeinen ist Samstag eher weniger Schiffsverkehr." "Ich funke die Schleuse mal an", sagt Susanne und nimmt sich das Handfunkgerät. Wir werden aufgefordert hinter einigen Sportbooten zu warten. Nach zwanzig Minuten kommt ein Schubverband von unten hoch. Das obere Schleusentor öffnet und behäbig setzt sich der Verband in Bewegung. Langsam zieht er an uns vorbei. Ein Besatzungsmitglied, das grade ein Seil aufspult, sieht uns und vergisst seine Arbeit. Prompt kommt eine Lautsprecherdurchsage vom Kapitän. "Vergiss Deine Arbeit nicht", hört man, "auch wenn die Mädels noch so hübsch sind." "Das geht doch runter wie Öl", sage ich lächelnd. Susanne winkt den Leuten auf dem Schiff zu, ich schließe mich dem auch an. Der Kapitän lächelt uns aus seiner Kabine heraus an. Der Verband hat sich mittlerweile entfernt und das erste der Sportboote fährt in die Schleuse rein, alle anderen und wir auch folgen. Ich hänge kleine Fender an die rechte Seite unseres Bootes. "Hast Du das schon mal eine Schleusung mitgemacht?" fragt mich Susanne. "Ja, war Bestandteil der Fahrschule", antworte ich, "ich habe die in Wolfsburg gemacht und da sind wir öfter hier durch." "OK", sagt Susanne lächelnd. Hinter uns schließt das Schleusentor und dann geht es auch schon abwärts. Susanne bleibt am Steuer, während ich das Seil immer wieder umhänge. Dann sind wir unten angekommen und das untere Schleusentor öffnet sich. Nacheinander fahren die Boote heraus. Zum Schluss wir. Wir fahren weiter Richtung Wolfsburg. Ich staune über die vielen Lastkähne, die vor der Schleuse warten. "Ganz schön was los hier für einen Samstag", sage ich schließlich, "aber so viele Kähne kamen doch gar nicht bei uns vorbei." "Ein Teil biegt in den Elbeseitenkanal ab", antwortet Susanne. Gemütlich fahren wir weiter. Von weitem sehen wir schon das Hochhaus eines bekannten norddeutschen Autoherstellers. "Das bringt mich auf eine Idee", sage ich lächelnd. "Was denn?" fragt Susanne. "Ich hätte Lust auf eine Kaffeespezialität", antworte ich, "wollen wir mal schauen, ob wir an der Autostadt anlegen dürfen?" Susanne lächelt mich an. "Das ist eine Idee", sagt sie. Ich suche aus meiner Handtasche mein Portemonnaie heraus und schaue hinein. "Ha! Bingo! Ich habe sogar die Familien-Jahreskarte dabei", sage ich begeistert. "Cool", sagt Susanne.

Wir fahren mittlerweile an der langen Fassade des Werkes vorbei. Dann kommt das Hafenbecken in Sicht, wo sich die Autostadt befindet. Ein Stück weit kann man hineinfahren, dann hindert eine schwimmende Brücke die Weiterfahrt. Susanne steuert das Ufer an. Dort liegt schon ein Sportboot. Am Ufer steht eine Angestellte der Autostadt. "Guten Tag", grüße ich, "dürfen wir hier anlegen?" "Ja, wenn sie eine gültige Eintrittskarte haben", antwortet die Angestellte höflich. "Ich habe eine Jahreskarte", sage ich und zeige sie ihr. "Na dann ist alle klar", sagt die Dame, "ich wünsche ihnen viel Spaß." "Danke!", sagen Susanne und ich gleichzeitig. Wir machen das Boot fest und gehen dann zum großen Empfangsgebäude. "Bist Du schon mal hier gewesen?" frage ich sie. "Ja meine Eltern holen hier ab und zu ein Auto ab", antwortet Susanne, da war ich auch schon mal dabei." Wir gehen in eins der Cafés und Restaurants und holen uns Latte Macchiato. "Coole Idee, hier eine Kaffeepause einzulegen, Steffi", sagt Susanne. Ich lächele sie an. Wir holen uns nach einiger Zeit noch jeder einen Cappuccino. "Dann lass uns mal wieder auf den Weg machen", sagt Susanne, nachdem wir gemütlich die Cappuccinos getrunken haben, "nicht das wir nachher nicht mehr über die Schleuse kommen." Wir bezahlen und machen uns auf den Rückweg zum Boot. Susanne steigt ein während ich die Leinen los mache. Mittlerweile steht dort eine andere Angestellte und wünscht uns freundlich eine gute Weiterreise. Wir bedanken uns ebenso freundlich.

"Möchtest Du mal fahren?" fragt mich Susanne. "Klar gerne", antworte ich. Langsam fahre ich das Boot aus dem Hafenbecken. Kurz geschaut, ob frei ist und dann geht es los. Weit vor und hinter uns fahren zwei Lastkähne ebenfalls in Richtung Schleuse. "Na, da dürften wir kein Problem haben mit hoch zu kommen", sagt Susanne ein wenig erleichtert. Bald kommt die Schleuse auch schon in Sichtweise. Susanne meldet uns wieder über Funk an. Wir werden angewiesen zu warten um dann hinter dem vor uns fahrenden Lastkahn in die Schleuse zu fahren. Allerdings warten schon zwei Kähne und ein paar Sportboote vor der Schleuse. Hinter dem Kahn fahren wir auf unsere Warteposition und machen fest. Der Kapitän des Schiffes kommt aus seiner Kabine und geht zum Heck. "Guten Tag", grüßt er freundlich, als er uns sieht, "ich wollte doch mal schauen welch hübsche Frauen hinter mir fahren." "Und haben wir sie auch nicht enttäuscht?" fragt Susanne freundlich lächelnd. "Nein gar nicht", sagt der Kapitän lachend. Er ist ein recht angenehmer Mensch. Wir unterhalten uns über einige Sachen, wo wir so herkommen und unsere Ziele. Dann muss er aber auch schon wieder los. "Die Pflichten rufen", sagt er noch und geht dann.

"Das ist immer ganz angenehm, wenn man auf den Kanälen unterwegs ist", sagt Susanne lächelnd, "man lernt so den ein oder anderen netten Menschen kennen. Ganz zwanglos eben." "OK", sage ich, "und ein gemeinsames Thema hat man ja auch." "Genau", sagt Susanne und nickt. Aus den Augenwinkeln heraus beobachte ich die ganze Zeit zwei etwas übertrieben schick angezogene Typen. "Siehst Du diese beiden Typen da?" frage ich leise Susanne. "Ja, die geiern uns die ganze Zeit an", antwortet sie. Kaum hat sie es ausgesprochen, spricht und der eine auch gleich an: "Na ihr beiden Süßen? Wollt ihr auch über die Schleuse?" Susanne und ich schauen uns an, beide sind wir genervt von der plumpen Anmache. Dann schauen wir zu den Typen. Anstatt zu antworten, nicken wir beide nur und schauen auch gleich wieder weg. Um sie auf Abstand zu halten frage ich Susanne: "Magst Du vielleicht ein der Croissants?" "Au ja, gute Idee", antwortet sie. Ich hole die Tasche und packe die Croissants aus. "Mmh, sind die lecker", sagt Susanne. Die beiden Typen stehen da wie bestellt und nicht abgeholt. Als einer der beiden wieder was sagen will, werden sie von vorne gerufen. Im nächsten Moment rennen sie hektisch nach vorne. "Jetzt muss ich mal gucken, was da los ist", sagt Susanne grinsend und klettert aus dem Boot. Sie schaut amüsiert nach vorne. "Die hätten beinahe verpennt in die Schleuse zu fahren", sagt sie lachend. Dann steigt sie wieder zu mir ins Boot. "Hoffentlich sind die weg, wenn wir denn hochkommen", sage ich. Susanne nickt. Über Funk meldet sich ein Mitarbeiter der Schleuse bei uns. "Wenn Sie wollen können gleich zur Südschleuse rüberfahren und hinter den beiden dort stehen den Lastkähnen reinfahren", sagt der Mitarbeiter. "Vielen Dank, das machen wir", antwortet Susanne. Sie macht die Leinen los. Ich starte den Motor und fahre in Richtung der angegebenen Schleusenkammer. Dem Kapitän mit dem wir uns eben so nett unterhalten haben winken wir noch zu. "Gute Weiterfahrt", wünscht er uns. "Ebenso rufen wir zurück.

Vor der anderen Kammer müssen wir nur kurz warten, dann können wir hinein. "Na das ist aber kuschelig eng hier", sage ich grinsend, "das sind aber höchstens 15 Meter zwischen Heck und Schleusentor." "Haste Angst?" fragt Susanne etwas besorgt. "Nö, alles gut", antworte ich. Am Heck des Schiffes vor uns taucht ein Besatzungsmitglied auf. "Na Mädels alles in Ordnung?" fragt er höflich, "oder braucht ihr Unterstützung?" "Alles gut, vielen Dank", antwortet Susanne. "Habt ihr schon öfter gemacht, was?" fragt er noch mal. "Ja haben wir", antwortet Susanne. Und dann geht es auch schon nach oben. "Kann das sein, dass diese Schleuse schneller ist, als die mit der wir vorhin runter sind?" frage ich erstaunt. "JA!" antwortet Susanne, "die wurde vor kurzem komplett neu gebaut." Dementsprechend schnell sind wir auch oben. Das obere Schleusentor öffnet und ganz langsam fährt das erste Schiff raus. Dann startet der Motor vom Schiff vor uns. Der nette Mensch von eben grade steht wieder am Heck und schaut etwas angespannt zu uns rüber. Die Schrauben des Schiffes wühlen leicht das Wasser auf und schaukeln uns leicht durch. "Hui!" sagen Susanne und ich gleichzeitig. "Na euch bringt aber auch Garnichts aus der Ruhe, was?" sagt das Besatzungsmitglied vom Schiff vor uns, "schön mal so taffe Mädels zu sehen." "Danke für das Kompliment", rufe ich herüber. Susanne und ich winken, währen sich das Schiff ganz behäbig aus der Schleusenkammer bewegt. Wir warten bis es fast aus der Schleuse raus ist, dann gebe ich langsam Gas und fahre ebenfalls ganz langsam aus der Schleuse.

Wir fahren den extra etwas langsamer, weil die großen Schiffe länger brauchen, um auf ihre Geschwindigkeit zu kommen. Das erste Schiff mit dem wir in der Schleuse waren biegt in den Elbeseitenkanal ab. Das andere fährt geradeaus. "Och nee, schau mal da vorne", sagt Susanne, "sag nicht, dass die beiden Lackaffen extra auf uns gewartet haben." Die beiden, die uns vor der Schleuse blöd angelabert haben, stehen mit ihrem Boot an der Einfahrt zu einem kleinen Yachthafen und glotzen zu uns herüber. Sie haben ein schickes Sportboot aus Holz. "Viel zu schade, das Boot, für solche Typen", bemerkt Susanne. Die beiden Typen winken zu uns herüber. "Einfach ignorieren", sage ich halblaut. Susanne nickt. Als wir an ihnen vorbeifahren, plappert der eine auch gleich los: "Hallo ihr süßen, da seid ihr ja wieder." Wortlos und ohne Regung fahren wir an den Beiden vorbei. "Die haben echt grade noch gefehlt", sage ich leise. "War bis jetzt ja ein schöner Tag", sagt Susanne leicht verärgert. Hat"™s noch gar nicht ausgesprochen, da tauchen die beiden links neben uns auf. "Hey, wir hatten euch eben angesprochen", sagt der eine übertrieben höflich. Wir schenken den Beiden immer noch keine Beachtung. "Hallo ihr da!" ruft der andere, "huhu." Genervt drehe ich mich zu den Beiden und sage: "Wir machen von unserem Recht Gebrauch und antworten nicht, ist das klar." Dann schaue ich wieder nach vorne. Anstatt zu verschwinden, fahren sie immer noch neben uns. "Hey, ich bin Robert und das ist mein Freund Gregor", sagt der eine, "und wer seid ihr?" "Das geht euch nichts an, verschwindet!" sage ich barsch. Aber sie verschwinden nicht. "Und noch was", sagt Susanne genervt, "motorisierte Fahrzeuge dürfen auf dem Kanal nicht nebeneinander fahren, allenfalls zum Überholen." Die beiden fahren vor uns und drosseln die Geschwindigkeit. Der eine, der uns eben schon volllaberte kommt ans Heck des Bootes. "Wollt ihr uns nicht sagen wer ihr seid?" fragt er übertrieben höflich. "Alter, kannst Du nicht zuhören?" sage ich energisch, "ich habe doch grade gesagt, das geht euch nichts an. Und jetzt macht die Bahn frei, wir möchten passieren." Tatsächlich gibt der am Steuer Gas, dreht um und fährt langsam in die Gegenrichtung. Nach kurzer Zeit drehe ich mich um und schaue, ob sie weg sind. "Und? Fahren sie weg?" fragt Susanne. "Nee, die haben wieder gedreht und fahren hinter uns her", antworte ich. "Scheiß Typen", sagt Susanne, "ich habe kein Bock drauf dass die uns bis nach Hause verfolgen." Kurz danach fahren sie wieder neben uns. Ich gebe etwas mehr Gas. Was die beiden natürlich auch machen. "So einfach kommt ihr uns nicht davon", sagt der eine wieder überfreundlich. Dann versuchen sie uns an die Spundwand zu drücken. Susanne schaut ängstlich. Ich ziehe den Fahrthebel abrupt nach hinten, lenke scharf links und gebe wieder Gas. Mit dem Bug unseres Bootes drücke ich das Heck der anderen weg. "Und Nein, wir wollen nichts mit euch zu tun haben", sage ich laut. Dann lassen wir sie stehen und fahren weiter. "Cooles Manöver, Steffi", sagt Susanne und schaut dann aber besorgt nach hinten, "als ob ich es geahnt hätte, die kommen schon wieder ran."

Bald sind sie neben uns. "Hey, Du hast ja was auf dem Kasten", sagt der Typ, "Du gehst doch auch im Bett richtig ab, oder?" Ehe ich was sagen kann, labert der andere los: "Ja, auf den beiden kann man sich sehen lassen." "Ach ihr wollt Ficken?" sage ich übertrieben erstaunt, "na das hättet ihr doch gleich sagen sollen." Diese Antwort lässt den Beiden ein Lächeln auf das Gesicht zaubern. Susanne schaut mich ängstlich erstaunt an. "Keine Angst", sage ich leise und dann zu den Typen, "wir schmeißen mal eben ein wenig Kohle zusammen, dann könnt ihr nach Braunschweig in den Puff fahren, OK?" Susanne schaut weg und beißt sich auf die Lippen, damit sie nicht laut loslacht. "Wir haben leider nicht die geringste Lust mit euch zu poppen", sage ich weiter und gebe wieder Gas. Wie begossene Pudel stehen sie da. "Meinste, das haben sie kapiert?" fragt Susanne nach einiger Zeit. Ich drehe mich um, um zu schauen wo sie sind und antworte: "Nöö, die kommen schon wieder auf." "Scheiße", sagt Susanne. Und schon tauchen sie wieder neben uns auf. "Ey, das war nicht höflich", sagt Typ. "Ey Roberto, wer hat denn mit dem ganzen Scheiß angefangen?" frage ich frech. Statt eine Antwort zu geben, versuchen Sie uns wieder an die Spundwand zu schieben. Und wieder bremse ich ab, aber diesmal stärker und fahre hinter ihrem Boot auf die andere Seite. Mittlerweile beobachten einige Spaziergänger und Radfahrer das Geschehen. Ein älterer Herr schimpft auch die beiden Lackaffen an. Das scheint die aber gar nicht zu interessieren. "So ihr billiger "Miami Vice Verschnitt", noch einmal so eine Aktion und ihr erlebt die Fortsetzung der Piraten-Saga "Der Fluch des Mittellandkanals"", sage ich laut und deutlich, ihr dreht jetzt um und fahrt in die Gegenrichtung." Langsam beschleunige ich unser Boot. "Hoffentlich haben sie es jetzt kapiert", sagt Susanne ärgerlich, "wir sind bald zu Hause." "Hm, mach Dir keine Hoffnung", sage ich, nachdem ich mich umgeschaut habe, "da kommen sie schon wieder. Aber jetzt lernen sie Piraten-Steffi kennen." Ich zwinkere Susanne zu. Bevor sie mich was fragen kann, sind die Typen wieder neben uns. "Weit gefehlt!" sagt der Typ, "uns werdet ihr heute nicht mehr los." "Du das ist Nötigung, was ihr da macht", sage ich grinsend, "aber ich habe ein Mittel dagegen." Als ich merke, dass sie uns wieder Richtung Spundwand drücken wollen, gebe ich Gas. Wir schießen nach vorne los und lassen die anderen stehen. Als die das gerafft haben, drehe ich eine Kurve und fahre den Typen nah am anderen Ufer entgegen. Die stehen nur ungläubig auf ihrem Boot und schauen verdattert zu uns rüber. Ich drehe abermals und fahre wieder auf deren Boot zu. Als ich fast neben ihnen bin, ziehe ich scharf nach links weg und die dabei entstehende Welle trifft die beiden völlig unerwartet. "Ey, Scheiße", höre ich den einen brüllen. Wieder ziehe ich eine Kurve und fahre neben deren Boot. "Übernimm das Steuer, wenn ich drüben bin und fahr ein Stück weg", sage ich zu Susanne. "OK, Steffi", antwortet sie. Dann stehe ich auf, schaue zu den beiden Typen und rufe: "Klarmachen zum Entern!" Im nächsten Moment springe ich auf das andere Boot. Susanne gibt Gas und entfernt sich. Ich schnappe mir den einen Typen und schubse ihn in den Kanal. "He, das geht so nicht", sagt der andere. "Doch, wirst Du sehen", sage ich und habe ihn auch schon geschnappt. Und auch ihn befördere ich in den Kanal. Schnell setze ich mich ans Steuer des Bootes, der Motor läuft noch und fahre von der Stelle in Stück weit weg. Die Leute am Kanalufer johlen teilweise und klatschen. Die beiden Lackaffen schwimmen derweil ans Ufer. Ich schaue noch, wo sie rausklettern, dann fahre ich noch ein Stück vor. Nach gut 150 Metern fahre ich an das andere Ufer, binde das Boot an einer Notausstiegsleiter an und stoppe den Motor. Den Schlüssel ziehe ich ab und lege ihn in ein Ablagefach. Ein Radfahrer hält auf dem Weg neben mir. Er grinst und sagt: "Das war ja mal eine Aktion, kann ich Ihnen noch irgendwie behilflich sein?" "Sie könnten die Wasserschutzpolizei anrufen." Habe ich schon gemacht", sagt er. Susanne ist inzwischen auch bei mir angekommen. "Wir werden das auch gleichmachen", sage ich, "von zu Hause dann. Wir wollen nicht, dass die Typen nochmal verfolgen." "Alles klar", sagt der Radfahrer. Ich steige zu Susanne ins Boot. Sie gibt dann auch Gas und wir fahren los. Ich drehe mich nochmal um und sehe, den einen Typen noch mal ins Wasser gehen. Wahrscheinlich will er auf die andere Seite zum Boot. Ich schaue Susanne lächelnd an. Sie lächelt zurück, aber man sieht ihr an, dass sie etwas geschockt von dem Ganzen ist. "Die haben vielleicht nach Alkohol gestunken, die beiden", sage ich zu Susanne. "Das erklärt ja einiges", sagt sie fassungslos.

Der Kanal macht eine leichte Kurve und ich schaue noch mal zurück, dann sehe ich auch nichts mehr. Nach ein paar Minuten sind wir im Hafenbecken und biegen in den Seitenarm ein. Per Fernbedienung öffnet Susanne das Tor vom Bootshaus und kurz darauf fährt sie hinein. Dann schließt sie das Tor gleich wieder. "Boah, Steffi, das war ja mal was", sagt Susanne noch sichtlich aufgeregt. Dann setzt sie sich rittlings auf meinen Schoß und sagt: "Danke, dass Du uns da rausgeholt hast, ich hatte echt Angst." Dann drückt sie mich liebevoll. Sie zittert leicht, eine Weile halte ich sie noch fest. "Lass uns mal ins Haus gehen", sagt sie. Wir steigen aus dem Boot aus und nehmen unsere Sachen. "Wir können von hier aus in die Garage gehen", sagt Susanne, "von da aus ins Haus. Dann brauchen wir nicht über die Terrasse." "OK", sage ich und lächele sie an. Im Haus angekommen, peilen wir vorsichtig raus, ob die Typen nicht vielleicht da draußen rumfahren. Scheint aber nicht so zu sein. "Ich mache mal was zu essen", sagt Susanne, "ich brauche eine Abwechslung. Und Hunger habe ich auch." "Ich helfe Dir gleich", sage ich, "ich melde den Vorfall nur eben der Polizei." "Alles klar", sagt Susanne und geht in die Küche. Ich suche die Nummer der Wasserschutzpolizei raus und rufe dort an. Nebenbei gehe ich zu Susanne in die Küche. Am anderen Ende der Leitung meldet sich jemand. Ich schildere kurz den Fall. "Gut, dass sie sich melden", sagt der Polizist, ich verbinde sie mal mit dem Einsatzleiter auf dem Patrouillen Boot." Nach einer kurzen Pause meldet der sich auch dann. Ich schildere auch ihm noch kurz den Vorfall. "Wo sind Sie jetzt genau?" fragt er mich. Ich nenne die Adresse und das in der Nähe ein Anlegesteg ist. "OK, dann sind wir gleich da", sagt der Polizist. In der Zwischenzeit bereiten wir unser Abendessen vor.