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Re: Der Weg, der so schwierig ist / scheint.

Verfasst: Di 3. Jan 2017, 13:56
von ExuserIn-2019-12-20
Michelle_Engelhardt hat geschrieben:
Man muss nur aufpassen nicht zu viel Rücksicht zu nehmen sonst geht man dabei kaputt....
Das ist der entscheidende Satz finde ich. Es ist wirklich quälend und anstrengend teilweise jahrzentelang eine Rolle spielen zu müssen, die einem total widerstrebt. Schon vor einiger Zeit sprach ich mal von einem gewissen Egoismus, den man sich zulegen muss, will man nicht vor die Hunde gehen.

Liebe Grüße
Michelle
Einem Menschen fällt es sehr schwer gesunden Egoismus zu entwickeln, wenn dieser sich zweitrangig (ge)fühlt (hat)....immer Rücksicht auf andere, nur nicht auf sich genommen hat. Quasi sein persönliches Ich nach der Umwelt gerichtet hat.
Dann klappt es leider nicht mit dem Egoismus, das ist dann ein Prozess der neu erlernt werden muss/möchte, das kann evtl auch Jahre dauern. KANN....

Ich verstehe aber trotzdem den Sinn dahinter (flo) (yes)

Lg,
Anna )))(:

Re: Der Weg, der so schwierig ist / scheint.

Verfasst: Di 3. Jan 2017, 14:06
von ExuserIn-2019-12-20
JaquelineL hat geschrieben:Hallo ihr beiden,

wahre Worte, die ihr da niedergeschrieben habt!

Ich vermute, dass sich die Zweifel nie ganz legen werden, wenngleich sie mit jedem Schritt in Richtung neuer Normalität weniger werden dürften. Und sie stehen in direktem Zusammenhang mit den Problemen, die diese Schritte mit sich bringen - die "Grenzen der täglichen Realität und Verantwortung", insbesondere in Partnerschaften, bieten hierfür vor allem in der Transitionsphase (also ab dem Moment, in dem man sich ernsthaft auf den Weg macht - nicht erst ab Einleitung chemischer Maßnahmen) reichlich Gelegenheit. Über das "Danach" kann ich leider noch nicht selbst berichten.

Anna, dass Du Ausschau nach einer Wohnung hältst, betrübt mich sehr - zeigt es doch deutlich, wie dramatisch Du die aktuelle Situation empfindest. Ich hoffe, dass ihr beiden einen Weg findet, der das Maß der Verletzungen in Grenzen hält.

Ganz liebe Grüße
Jackie
Hallo Jackie (moin)

Erst einmal lieben Dank für deine Worte (smili)

Die Suche nach der Wohnung resultiert aus den Gesprächen und der allgemeinen Lage zwischen mir und meiner Frau.

Vor einigen Wochen war es nämlich ein Mega Streit der mich dazu bewegte, all meine persönlichen Gegenstände zu packen und ich war quasi schon raus aus der Wohnung, hätte ich nicht nach gegeben und auf die Bitte meiner Frau reagiert, zu bleiben.
Es wird NIE ein Zusammenleben zwischen Ihr und Anna Marie kommen, sodass ich gezwungener Maßen, sollte Anna raus "müssen" , ausziehen muss.
Sollte es zeitlich gesehen dann zu diesem Fall kommen, habe ich die Möglichkeit für ein paar Wochen als Übergang zu meinen Eltern zu ziehen.
Und da würde ich dann aber doch nicht lange bleiben wollen :P
Also aufgrund dessen bleibt eine Wohnungssuche leider nicht aus.

Liebe Grüße,
Anna )))(:

Re: Der Weg, der so schwierig ist / scheint.

Verfasst: Di 3. Jan 2017, 14:10
von Theresa-Annalena
Hi Mädels,

@ab08:
liebe Andrea, natürlich ist das "schwarze Schaf" nur eine Metapher. Und richtig, wir sind in erster Linie Menschen.
Auch bezüglich Deiner Festellung die persönlichen Schritte gründlich zu überlegen bin ich völlig d'accord, aber das unser unruhiger Geist
rein auf mentaler Ebene, befreit von jeglichem "grobstofflichen Ballast" eine selbsterkannte Verschiebung seiner geschlechtlichen Identität
bewältigen kann "...denn ohne geht es prinzipiell ja auch..." möchte ich bezweifeln. Sollte es ein "anwendbares" Prinzip geben, her damit (ap) ).

@Uta:
Ist es wirklich so, das eine angewendete HET ein Marker darstellt und eine reproduzierbare Diagnose zur TS liefern könnte?
Das wäre ja genial, um zu einem gewissen Zeitpunkt der Transition einen Ausblick auf den nächsten Schritt GAOP zu nehmen.
Aber wie stelle ich den Punkt fest, das ich so weit (und reif) für eine HET bin. Klar wünsche ich mir auch am liebsten alle
äußerlichen Vorteile die die HET mit sich bringt, aber medizinisch gesehen ist es schon teilweise eine Einbahnstraße.
Insbesondere stelle ich mir die Frage, welche Auswirkungen diese in der per Konsens funktionierenden Partnerschaft hat
(Liebesleben)?

@Jaqueline:
ja, da sprichst Du mir aus der Seele, ich denke auch, das das "zweifeln" eine Wirkung auf die ganzheitliche Sicht der Dinge
hat. Auch bei mir hat sich das im Laufe der Jahre geändert. Von daher sollte man dies nicht nur aus einem negativen Blickwinkel sehen,
auch wenn das "zweifeln" zunächst nur hinderlich erscheint.

LG Tessa.

Re: Der Weg, der so schwierig ist / scheint.

Verfasst: Di 3. Jan 2017, 14:48
von Michelle_Engelhardt
Bei mir war es folgendermaßen: Ich habe mein Leben lang (teilweise unbewußt oder verdrängt) ein Rolle gespielt. TS können großartige Schauspieler sein. Ich war immer für andere da, habe immer versucht, es allen recht zu machen, habe meine Bedürfnisse meist hinten angestellt. (Anna, kommt Dir das bekannt vor?) Irgendwann kam dann der Punkt, wo ich es satt hatte. Ich habe nur dieses eine Leben und die Zeit rann mir durch die Finger. Ich konnte nicht mehr, ich wollte nicht mehr. Jeder Tag als "Mann" war für mich ein verlorener Tag. Dann habe ich zu mir gesagt: "So, jetzt bist Du mal dran". Ich glaube, der Leidensdruck muss einfach nur groß genug sein, dann ergibt sich alles von selbst. Leider verliert man durch dieses Hadern mit sich selbst oft viele Jahre, aber so isses nun mal.

Re: Der Weg, der so schwierig ist / scheint.

Verfasst: Di 3. Jan 2017, 14:53
von Michelle_Engelhardt
Anna Marie hat geschrieben:Einem Menschen fällt es sehr schwer gesunden Egoismus zu entwickeln, wenn dieser sich zweitrangig (ge)fühlt (hat)....immer Rücksicht auf andere, nur nicht auf sich genommen hat. Quasi sein persönliches Ich nach der Umwelt gerichtet hat.
Dann klappt es leider nicht mit dem Egoismus, das ist dann ein Prozess der neu erlernt werden muss/möchte, das kann evtl auch Jahre dauern. KANN....
"Wer nur Freunde hat im Leben, der macht irgendwas falsch."

Diesen Satz führe ich mir immer wieder vor Augen, denn er ist so wahr.
Man muss nur oft genug, auf deutsch gesagt, auf die Schnauze fallen, um das zu kapieren.

LG
Michelle

Re: Der Weg, der so schwierig ist / scheint.

Verfasst: Di 3. Jan 2017, 15:09
von ExuserIn-2019-12-20
Hm, dabei ist mein Freundeskreis = 0 :roll:

Was heißt das dann für mich? :shock:

Re: Der Weg, der so schwierig ist / scheint.

Verfasst: Di 3. Jan 2017, 15:20
von Michelle_Engelhardt
Das heißt für Dich, das Du vielleicht öfter mal vor die Tür gehen solltest, Liebes :mrgreen:

Man kann den Satz auch abwandeln: Wer der Ehefrau / Partnerin immer alles recht macht und zu allem ja und amen sagt, macht irgendwas falsch.

LG
Michelle

Re: Der Weg, der so schwierig ist / scheint.

Verfasst: Di 3. Jan 2017, 15:35
von ExuserIn-2019-12-20
Hr hr hr Du nun wieder :mrgreen:

Dazu fällt mir nix mehr ein, zumal Du ja Recht hast :roll:
Nur die Umsetzung.... :cry:

Ich glaube ich würde im Angesicht der Freiheit wohl 24/7 unterwegs sein wollen :lol:
Die armen Mitmenschen :P

Re: Der Weg, der so schwierig ist / scheint.

Verfasst: Di 3. Jan 2017, 15:54
von Michelle_Engelhardt
Nur die Umsetzung.... :cry:

[ironie]Ach was...lass Dir ruhig Zeit. Du bist ja erst Anfang 40 :mrgreen:[/ironie]

:)p (ki)

Re: Der Weg, der so schwierig ist / scheint.

Verfasst: Di 3. Jan 2017, 16:03
von exuserin-2017-01-16
@ Anna wenn du dann draussen bist, kommt irgendwann der Tag das du nicht mehr rein /zurück willst (siehe Simone). Und dann kommt der Tag, der Befreiung des sich nicht mehr Verstecken wollens. Durch die Türe müsst ihr aber alle selber gehen. Das ist nicht einfach, aber wenn dein Inneres nicht mehr anders leben will, gehst du auch durch diese Tür.

@ Tessa das Problem mit der Partnerin ist noch mal ein Anderes da schreib ich dir lieber eine PN dazu.

LG Uta

Re: Der Weg, der so schwierig ist / scheint.

Verfasst: Di 3. Jan 2017, 16:15
von JaquelineL
Liebe Uta,

vielen Dank für diese Klarstellung:
uta hat geschrieben:Man muss nur aufpassen nicht zu viel Rücksicht zu nehmen sonst geht man dabei kaputt
denn Du hattest ursprünglich geschrieben "dann macht ihr euch keine Gedanken mehr was andere von euch denken", was man dann auch als "völlig rücksichtslos" interpretieren könnte...

Aber so, mit dem "auch an sich selbst denken" sind wir wieder auf einer gemeinsamen Linie (cof)

Liebe Grüße
Jackie

Re: Der Weg, der so schwierig ist / scheint.

Verfasst: Di 3. Jan 2017, 16:31
von ExuserIn-2019-12-20
Michelle_Engelhardt hat geschrieben:
Nur die Umsetzung.... :cry:

[ironie]Ach was...lass Dir ruhig Zeit. Du bist ja erst Anfang 40 :mrgreen:[/ironie]

:)p (ki)
Püh Du olle Nudel, nur auf dem Papier bin ich Anfang 40, fühl mich aber jünger. Abgesehen von den Knochen :evil: ... wobei Du ja Richtung .... ok ich bin dann lieber stille :mrgreen: :P

Re: Der Weg, der so schwierig ist / scheint.

Verfasst: Di 3. Jan 2017, 16:33
von exuserin-2017-01-16
Jackie , wenn dich auf dem Weg genug Menschen verletzt und beleidigt haben , du das Gefühl hast nichts Verbotenes zu machen, dich nicht mehr rechtfertigen mußt und willst, dann kommst du auch an den Punkt wo es dir egal ist was Andere darüber denke ! Es ist unser Leben es kommt niemand mit in die Kiste wenn wir gestorben sind. Abgesehen von der Familie ist es den meisten Menschen egal ,jeder hat seine eigenen Probleme. Wir kommen dann in eine Schublade Trans sowie die Lesben oder Homosexuellen in ihre Schublade kommen und den Menschen ist es dann i.d.R. egal wie wir leben. Ich empfinde die Transition nicht mehr als etwas Schlimmes, Verwerfliches oder sonst etwas. Für mich ist es mittlerweile Normal so leben zu können, wie ich muß/möchte. Ehrlich gesagt verstehe ich die ganze Aufregung meiner Mitmenschen nicht mehr.
LG uta

Re: Der Weg, der so schwierig ist / scheint.

Verfasst: Di 3. Jan 2017, 16:41
von ExuserIn-2019-12-20
Die Aufregung verstand ich noch nie liebe Uta!

Beleidigungen und Abwertendes aus der Vergangheit prägt einen Menschen wirklich sowas von.
Als ich das erste mal en femme draussen war, zu Karneval! wurde ich mehrfach angestarrt als hätte ich 10 Meter weiter jemanden erstochen.
Mir wurde von einer Gruppe ausländischer Jugendliche Dinge an den Kopf geworfen, an der Perücke rumgezogen....

Das hatte mich so sehr geprägt das ich "Schiss" hatte, das erste mal zum Stammtisch zu gehen.

Ich habe auch ein LMAA Gefühl entwickelt, sobald es aber an die Umsetzung geht, kommt es dann aber doch wieder bei mir auf die "Tagesform" an :oops:

Nun ja, wir sind dann doch im positivem Sinne Aussergewöhnlich :D

Lg,
Anna )))(:

Re: Der Weg, der so schwierig ist / scheint.

Verfasst: Di 3. Jan 2017, 16:47
von exuserin-2017-01-16
Anna wenn ich mir dein Avatar ansehe kann ich mir das gar nicht vorstellen. Ich kenne solche Reaktionen nicht, habe keine Probleme draussen. Vielleicht sahst du ja damals wirklich etwas seltsam aus, das die reaktionen gekommen sind. Wenn das Passing halbwegs gut ist, man nicht wie eine Prostituierte rumläuft, fällt man kaum auf und erregt Aufmerksamkeit.