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Re: Das erste Mal

Verfasst: Sa 6. Feb 2021, 06:10
von Céline
5:03
10 te Tag Post Op, Diese Nacht könnte ich zumindest ein paar Stunden schlafen bevor mich die Schmerzen und Alpträume weckten. Leider fängt jetzt der Dritte Zugang an zu schmerzen. Ich hasse sie und hab Angst noch einen 4 zu bekommen. Ich bin gerade wieder von meinem nächtlichen Spaziergang mit einer schönen heißen Tasse Kaffee von unserem Stationsengel zurück aufs Zimmer gekommen und so schreib ich einfach ein paar Zeilen.
Eines muss ich einfach immer wieder erkennen: Es ist für mich immer noch unglaublich was die Ärzte hier gezaubert haben. Gestern der Blick in der Dusche der mich endlich meinen Körper so sehen ließ wie ich ihn schon lange im Kopf gesehen habe ohne dieses Körperteil das immer aussah als wäre es falsch platziert. Obwohl und das ist total verrückt es in denn letzten Monaten durch den Umgang mit verschiedenen Personen zu immer mehr sinkender Diskrepanz gekommen ist. Ich konnte es ertragen so gesehen und zum Schluss auch dort berührt zu werden. Das absolut verrückte...ich fand Gefallen daran und konnte mich unglaublich fallen lassen und tatsächlich zum Teil in Extase fallen. Das Ganze war ein unglaublich verrücktes Zusammenspiel meiner selbst gewählten Abschottung in der mein Lieblingsplatz unter der Bettdecke war und ich stundenlang Fenster rausschaute und mich immer und immer wieder selbst reflektierte und eben Mensch so fremd weil sie gerade erst in mein Leben getreten sind und mich einer Herzlichkeit und Wärme empfangen haben wie ich es nicht kenne.

Und dann im Dezember eben diese Nachricht....
Er.... genau Er mit dem ich schon zwei unglaublich emotionale, aufregende in Worte kaum zu fassende Abende bei Veranstaltungen verbringen durfte in denen wir uns gesehen und kennengelernt haben. Zwei Veranstaltungen die mich so verändert haben da ich fast alle Scheu ablegen konnte weil ich mich für meinen Körper so geschämt habe. Und dort sind Fotos entstanden die mich immer wieder lächeln lassen da sie mir gezeigt haben das selbst in meinem Alter noch Veränderungen möglich sind die einen geradezu selbstverliebt und in gewisser Weise arrogant werden lassen. Ich habe gelernt auf eine Art und Weise öffentlich aufzutreten und die Blicke zu genießen und mit Reizen zu spielen.
Und dann kam Dezember die Nachricht : Wollen wir uns treffen und Kaffee trinken?
Was sollte ich nur tun weil er mir schon seit Anfang an nicht aus dem Kopf ging. Ich alleine mit jemanden treffen den ich noch nicht so gut kannte, der mir körperlich weit überlegen ist.
Aber was hätte ich zu verlieren, meine Ehe war nicht mehr zu retten und weiterhin in Selbstmitleid und Sorgen weiter und weiter zu versinken. Nichts aber auch rein gar nichts...
Also sagte ich zu. Aber ich ließ mich trotzdem von meiner Freundin Covern.
Es war also dieses Wochenende gekommen und ich stylte mich wieder einmal richtig auf . Und ich konnte in den Spiegel sehen und fand mich einfach wieder attraktiv. Ich fuhr los, besorgte noch Kuchen und machte mich auf den Weg. Ein Weg voller Gedanken und Überlegungen. Gedanken zwischen Vergangenheit und Zukunft.

Angekommen einen Parkplatz gesucht und dann stehst du vor der Klingel, den Finger davor und zitterst. Erste Zweifel und Angst???? Definitiv ja.
Aber das Herz sagt ja zum Finger und dann läufst du die Treppen und.... wirst herzlich empfangen.
Es folgte ein langes Gespräch bei Kaffee und Kuchen und dann?
Und dann begann eine Reise so voll von Emotionen Gefühlen und Schwebezuständen das es nur ein Traum sein konnte. Ein Traum der nie enden dürfte. Ein Traum so lang in meinem Kopf mit Gefühlen die mir seit Jahren in einer Art und weise fehlten und die ich von unserer leider sehr kalten Beziehung so unendlich fehlten.
Und Stunden später realisierte ich erst was geschehen ist. Ein Traum wurde wahr obwohl mir bewusst ist das es sich nur um etwas offenes handelt. Und dann Stundenlang im Arm eines Menschen zu liegen und die Wärme und Geborgenheit zu genießen die so lange gefehlt hat. Etwas das mir meinen Lebensmut wieder geschenkt hat und wieder Licht in mein Leben brachte.
Und???? Es sollte nicht bei diesem einen Mal bleiben. Es folgten noch weitere unglaubliche Stunden.
Realität oder Traum??? Diese Frage stell ich mir sehr oft.
Gegenwart: Tag 11in der Klinik beginnt mit etwas Angst vor einer Untersuchung heute wegen einer Komplikation die behandelt werden muss. Ansonsten bin ich die Älteste hier und bin tatsächlich oft hin und hergerissen wie unglaublich gut hier viele Mädels und Jungs aussehen. Ich frage mich oft wie mein Weg wohl zu einem früheren Zeitpunkt ausgesehen hätte?

Céline

Re: Das erste Mal

Verfasst: Sa 6. Feb 2021, 10:57
von Andrea aus Sachsen
.
Hallo Céline,
das sind ja erfreuliche Neuigkeiten! Nach deinen emotionalen "Achterbahnfahrten" der vergangenen Monate tut es richtig gut, so etwas zu lesen.
Meinen Glückwunsch nachträglich noch zur gelungenen GaOP! Möge die Genesung schnell voranschreiten und nun ein erfülltes Leben als Frau beginnen.

Re: Das erste Mal

Verfasst: Sa 6. Feb 2021, 13:20
von MEL
Hallo Cèline

willkommen zurück und herzlichen Glückwunsch zur überstandenen Op. (flow) (hs)

Ich hoffe und wünsche dir, dass du alles gut überstehst und
"diese Entscheidung" nach Genesung dich in stabile und
glücklichere Zeiten führt?!!

Alles Gute für dich, gute Besserung, Kopf hoch, (moin) (moin)

Mel

Re: Das erste Mal

Verfasst: Sa 6. Feb 2021, 21:55
von Céline
Vielen Lieben Dank Euch noch
Die Probleme die ich habe sind nicht so schlimm würde mir heute von einem anwesenden Arzt erklärt aber unglaublich schmerzhaft was ich heute am Abend noch zu spüren bekommen sollte.
Aber etwas hat mich heute unglaublich betroffen gemacht. Ich lag in meinem Bett und hörte eine schlimmes weinen das mich nicht in Ruhe ließ und so offen wie ich bin bin ich ins Nebenzimmer und dort lag dieses junge Mädchen und weinte fürchterlich vor Schmerzen. Ich ging zu ihr und fragte ob ich ihr helfen kann und ob es ok ist bei ihr zu sein. Ich hielt ihre Hand und streichelte sie lange um ihr Trost zu geben bis die Schmerzmittel wirkten.
Mir ging es genauso, ich bin die ersten Tage fast verzweifelt vor Schmerz und Qualen. Ich hätte mir so sehr jemanden gewünscht der an meiner Seite gewesen wäre und mir meine Hand gehalten hätte. Ich weinte vor Schmerz nächtelang durch und schlief im Grunde fast gar nicht mehr. Diese Schmerzen und diese 8/9 Tage waren die schlimmsten meines Lebens und ich hatte tatsächlich oft an meiner Entscheidung gezweifelt so verzweifelt war ich. Ich wurde immer erschöpfter und niedergeschlagener weil auch noch einige Dinge eintraten die ich nicht gebraucht hätte.
Und öfters lag die Frage im Raum" Würdest du es nochmal machen?"
Jetzt am Tag 12 sage ich ganz einfach" Diese Frage stellt sich mir jetzt nicht mehr" aber verdammt....
Jaaa
Ich würde es wieder tun... diese Antwort kann ich mit voller Überzeugung hinausschreien weil das Ergebnis das ich diese Woche und heute Abend selbst im Spiegel betrachten durfte all meine Erwartungen übertrifft und ich ein ständiges Lächeln im Gesicht habe.
Ich ..Céline... endlich nach so vielen Träumen zum ersten Mal Ich

Re: Das erste Mal

Verfasst: So 7. Feb 2021, 12:59
von scheue_Sarah
Céline hat geschrieben: Sa 6. Feb 2021, 21:55 Ich hielt ihre Hand und streichelte sie lange um ihr Trost zu geben bis die Schmerzmittel wirkten.
Liebe Céline,

das war eine große Tat, die man/frau nicht hoch genug bewerten kann. (ap)
Du hast wahrlich eigene Probleme, aber ein noch größeres Herz!

Vielen Dank, nicht zuletzt auch im Namen des Mädchens! (hs)
Sarah

Re: Das erste Mal

Verfasst: Mo 8. Feb 2021, 05:44
von Céline
5:00 Uhr Morgens,
Eine mit relativ viel Schlaf vergangene Nacht liegt hinter mir dank einer Schlaftablette die ich mir gestern geben ließ.
Wie jeden frühen Morgen stehe ich auf und laufe ein wenig um meinen Kreislauf in Schwung zu bekommen und die leichten Schmerzen vom liegen wegzulaufen und mir einen frischen Kaffee von unserem Stationsengel zu holen.
Leider plagt mich diese verdammte Komplikation ungemein.
Eine" Analvenentrombose".
Seit Tagen wird jeder Toilettengang zur Qual und ich habe Angst sobald ich nur das Gefühl habe mich erleichtert zu müssen. Vorgestern Abend wurde es zum ersten Mal... kein schönes erstes Mal... unglaublich schmerzhaft Sodas ich Hilfe von den Pflegern brauchte und gestern nach einem wirklich tollen Vormittag der mich sehr positiv stimmte und es besser schien fing nach dem Mittagessen alles noch schlimmer an.
Ich bin auf der Toilette vor Schmerzen und Verzweiflung zusammen gebrochen und musste lange weinen. Meine Zimmernachbarin eine unglaublich liebe und tolle Frau mit der ich mich super verstehe bemerkte es Und rief das Pflegepersonal. Nach einigen Medizinischen Maßnahmen die wahrlich nicht angenehm sind ging es mir wieder besser und ich schlief danach zum ersten Mal wie tot 5 Stunden durch. Das erste Mal seit meinem Aufenthalt hier.
Ich überlege viel warum bei mir nicht mal etwas normal ablaufen kann aber vielleicht ist das mein Schicksal und genau das macht mich zu dem Menschen der ich heute bin.
Und ganz ehrlich... in ein paar Monaten werde ich alles Negative verdrängt haben und mit einem Lächeln zurück sehen. Den das alles erleben zu dürfen ist im Grunde etwas ganz besonderes auch wenn der ganze Weg von unglaublich viel Schmerz und Tränen begleitet wird. Ein Weg den ich beim längeren Nachdenken immer wieder gehen würde den die Pille die mich normal werden lässt wird es nie geben....
Céline

Re: Das erste Mal

Verfasst: Mo 8. Feb 2021, 07:43
von MichelleMarie
Oh mein Gott was musst Du alles ertragen 😔

Jedoch gehst Du deinen Weg und verzagst nicht und das finde ich unglaublich beeindruckend 👏🙏🙏

Ich wünsche dir alles, alles gute und das dein Leben schnell die schönen Seiten wieder erobert 🙏🍀😍😍😍

Ganz, ganz herzlich liebe Grüße
Michelle

Re: Das erste Mal

Verfasst: Mo 8. Feb 2021, 17:42
von Céline
Jetzt lieg ich hier und habe ständig ein Dauerlächeln im Gesicht weil halt doch immer irgendwo ein Licht erscheint und heute Vormittag war es für mich eines der schönsten in meinem ganzen Leben trotz der immer noch leichten Schmerzen die aber aushaltbar sind.
Endlich nach 12 Tagen wurde heute der Katether gezogen und alles sieht super aus. Und soviel gelacht hab ich noch nie auf einen Behandlungsstuhl. Dann hieß es viel Trinken und warten...
Aber gleichzeitig hätte ich auch Angst das der erste Toilettengang ein Desaster wird.
Ich lag im Bett, trank Tee und Wasser und wartete total aufgeregt bis der Drang endlich einsetzte. Im Grund ein sehr intimer Teil meines Lebens aber als ich dann saß und ich vollkommen normal Wasser lassen könnte ohne das irgendeine Befürchtung eintrat war das eines der schönsten Erlebnisse meiner ganzen Transition.
Nach 52 Jahren zum Ersten Mal als angekommene Frau auf der Toilette entschädigte mich nochmals für all die Schmerzen und Tränen der letzten Tage. Diesmal begleiteten mich nur die Freudentränen....
Céline

Re: Das erste Mal

Verfasst: Mo 8. Feb 2021, 17:59
von Engelchen
Liebe Céline,

andere gehen zum Lachen in den Keller...., und was machst du...

Heulen auf dem WC - du sollst da Pipi machen nicht heulen, lach (ki) (gitli)

Gratuliere zum ersten mal... und vor allem den Katheder raus.
Nun heißt es Nachts wieder aufstehen, das haste nun davon...

Ganz Liebe Grüße


Lisa

Re: Das erste Mal

Verfasst: Mo 8. Feb 2021, 21:46
von Helga
Liebe Céline,
ich freue mich aufrichtig wieder von dir zu lesen und zu sehen. Die Schmerzen werden bald vorbei gehen und, da sie physisch bedingt sind, keine Narben auf der Seele hinterlassen.
Deinen Abschlussatz aus den vorletzten Post möchte ich gerne rausgreifen:
Céline hat geschrieben: Mo 8. Feb 2021, 05:44 die Pille die mich normal werden lässt wird es nie geben...
Die Pille gibt es nicht. Aber es gibt einen kleinen Schalter versteckt irgendwo in deinem Kopf.
Starkstromkabel, Mauerziegel, Abschlussrohre... alles was von Menschand oder Maschine hergestellt wird lässt sich in Normen fassen. Selbst Kleider- und Schuhgrößen, die Maße von Sitzmöbeln und Toiletten, Betten und Bodenbeläge, also alles was mensch am Körper trägt, worauf mensch sitzt, liegt oder steht, lässt sich norminell erfassen. All diese Dinge können "normal" sein. Für Menschen gibt es keine Norm (zumindest keine von unparteiischer Stelle verfasste). Normalität ist eine individuelle Anschauung, die sich bei den meisten Menschen an einem durchschnittlichen Mainstream orientiert. Normalität ändert sich über die Jahre und Jahrzente, über Regionen und Kulturkreise, von Generation zu Generation. Vor vierzig Jahren war es normal in ständiger Angst vor dem atomaren Overkill zu leben, heute ist es normal allen Menschen möglichst weit aus dem weg zu gehen.
Was für dich normal ist entscheidest du selbst. Du musst nur den kleinen Schalter in deinem Kopf finden und ihn einmal auf null setzen. Du bist völlig normal.
Liebe Grüße
Helga

Re: Das erste Mal

Verfasst: Mo 8. Feb 2021, 22:09
von Céline
Danke Helga für Deinen tollen Post.
Diesen Schalter der bei mir gefühlsmäßig riesig ausgefallen ist habe ich mit aller Macht schon lange umgelegt und lebe mein Leben als Frau in allen Facetten.
Aber diese Pille, die ich mir so sehr wünsche hätte ich für einen Menschen geschluckt um sie glücklich zu machen.....

Re: Das erste Mal

Verfasst: Di 9. Feb 2021, 06:48
von Céline
Rückblick 13.12.20 - bis heute
Ein sehr großer Schockmoment im Dezember der mir förmlich die Füße komplett weggerissen hat war der Anruf aus München das die OP komplett auf unbestimmte Zeit abgesagt wird und dieser Anruf war in eigentlich das was jetzt noch gefehlt hat um mir auch noch den letzten Lebensmut zu rauben. Ganz ehrlich... ich weiß nicht wie ich es geschafft habe dann noch in irgendeiner Art rational zu denken. Aber da half mir eben auch die Flucht in die Arbeit und mein " neues Hobby". Und letztlich auch dieser unglaubliche Mann der mich förmlich schweben ließ und dafür sorgte das sich in meinem Kopf wieder Träume bildeten. Träume die mich wieder Lächeln und hoffen ließen. Er hat mir genau das gegeben was mir seit ewigen Zeiten so sehr gefehlt hat. Stundenlang in seinen Armen liegen und bin Glücksgefühlen erfühlt zu sein, das war das was mir so sehr gefehlt hat. Etwas was trotz vieler Versuche und Gespräche mit meiner Frau nie erwidert wurde.
Und jedes Mal gehen müssen um Rechtzeitig zuhaut sein war für mich wie ein kleiner Abschied. Aber dieses Glück einen solchen Menschen kennen lernen zu dürfen ist für mich etwas ganz besonderes. Im Grunde wurde hier einer meiner Träume war die ich nie erhoffte weil ich selbst mein Passing nicht unbedingt als das beste einschätze. Ich bin da ziemlich realistisch viel erreicht zu haben und das Erreichte als großes Glück ansehe.
Dann....am 13.1 als ich nochmals die Praxis kontaktieren sollte wegen dem ausgefallenen Termin die Nachricht" Ihre OP findet jetzt doch statt" Ich wusste gar nicht was mir geschah und geriet in einen wahren Freudenrausch. Und das nachdem ich eigentlich inzwischen im Kopf verdrängt habe und mit einem erneuten Jahr Wartezeit rechnete. Noch 2 Wochen um alles vorzubereiten und alles irgendwie auf die Reihe zu bekommen. Im Grunde waren es zwei ziemlich stressige Wochen da auch zu Hause unglaublich viel vorzubereiten war. Für meine Tiere musste alles rechtzeitig auf Vorrat hergerichtet und der Stahl sauber sein. Brennmaterial für den Ofen fertig hergerichtet werden. Lebensmittel und Getränke auf Vorrat bereit sein. Die ersten Hilfsmittel bestellt werden und im Grunde alles strategisch fertig sein falls es mir nicht gut geht und ich auf mich alleine gestellt sein sollte. Meine Angst war immer alleine in meinem Haus zu sein und jede Aufgabe überfordert mich. Aber da gab mir meine Frau ganz klar die liebevolle Aussage. Ich werde dich jetzt nicht sitzen lassen sondern bei dir bleiben bis es dir besser geht und dann gehen...
Ein gehen für immer.....jetzt der Moment vor dem ich mich fürchte. Und trotzdem ist sie der beste Mensch meines Lebens weil sie mich trotz der großen Abneigung der OP gegenüber und ihre definitiv letzte Grenze nicht im Stich lässt.
In meiner Arbeit müssten dann auch noch viele Arbeiten und Aufträge abgearbeitet werden, alles was Vorrang hatte und Dir letzten Gespräche mit meinem Vorgestellt und Kollegen wie die nächste Zeit aussieht. Sobald es mir wieder besser geht werde ich teilweise von zu Hause arbeiten und Telefonsupport bei Problemen machen.
26.1 Der Tag... der Tag an dem meine Reise ins neue Leben beginnt. Ein Freund fuhr mich morgens nach München in die Klinik und natürlich war meine Aufregung Riesengroß.
Ich wurde in der Station schon erwartet und kam in ein Dreibettzimmer wo ich vorerst alleine war.
Da war ich nun, total ängstlich und nervös. Vorfreude... nein gar nicht. Ich wusste das wenn ich durch diese Türe gehe ein andere für immer zu geht. Und so begann der Tag langsam zu vergehen. Im Laufe des Tages bekam ich dann noch zwei andere Mädels aufs Zimmer und schließlich am Nachmittag dann endlich das Gespräch mit den Ärzten die mich über alles aufklärten und sehr einfühlsam waren.
Und dann schließlich um 14:00 ging alles los. Der erste Teil mit dem Abführmittel sollte beginnen.
Mit Abstand das Widerlichste das ich jemals trinken musste. Flasche 1 von zwei . Und wenn ich dachte das es unglaublich ekelhaft war dann würde ich bei der zweiten Flasche eines Besseren belehrt. Sie war so ekelhaft das ich Schwierigkeiten hatte mich nicht zu übergeben.
Tja und dann begann irgendwann der Toilettenmarathon bis zum Morgen. Viel Zeit um über alles nachdenken.....
Gedanken über 52 Jahre meines Lebens, 33 Jahre die schönste Ehe voller Glück die man sich nur wünschen kann mit dem Tollsten Menschen den ich eigentlich nicht verdient habe und Gedanken jetzt in ein vollkommen neues Leben zu gehen das vielleicht nochmal ein großes Abenteuer wird. Aber definitiv ist alles was ich erleben durfte trotz so vieler Tiefen die Unglaublichste Reise meines Lebens voller Abenteuer und wunderbaren Erlebnissen.
Und so folgte eine sehr kurze Nacht bis ich zum letzten Mal Dinge tat die nie wieder sein werden und ich durch diese Türe gehen werde ....
Céline

Re: Das erste Mal

Verfasst: Mi 10. Feb 2021, 09:49
von Céline
Tag 15 Post OP
Wie Cybill heute schon geschrieben hat.
Ein Spaziergang ist das definitiv nicht und das Schmerzempfinden ist sehr unterschiedlich. Ich habe leider das Pech nicht alle Schmerzmittel zu vertragen und in den ersten Tagen waren meine Schmerzen immer dann wenn die Wirkung schwächer geworden ist sehr schlimm aber...
Ich habe es geschafft und bin froh diesen Schritt gemacht zu haben denn eines passiert gerade.
Ich werde mir meiner Weiblichkeit immer mehr bewusst und die Gefühle was mich betrifft werden immer intensiver und ein stetiges Dauerlächeln begleitet mich vor allem wenn ich vor dem Spiegel stehe und mich betrachte.
Ich werde jeden Tag glücklicher und selbst nach so kurzer Zeit ist diese schlimme Zeit voller Schmerz, Verzweiflung und Angst bereits fast vollständig verschwunden...
Es war jede Anstrengung wert.
Céline
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Re: Das erste Mal

Verfasst: Do 11. Feb 2021, 07:47
von Céline
Tag 16
Heute durchlebte ich eine relativ schlaflose Nacht in der tausend Gedanken durch meinen Kopf gingen. 1000 Dinge deren Gründe, Rechtfertigungen und Sinnhaftikeit meine Gedanken lange beschäftigen. Und das obwohl ich weiß das der Zustand an dem ich mich jetzt befinde richtig ist aber eines lässt mir seit Stunden keine Ruhe und meine Augen möchten nicht mehr aufhören zu weinen...
Die Erkenntnis und das Wissen wann sich der Weg zu meinem Herzensmenschen langsam und stetig angefangen hat zu entfernen und die Geschwindigkeit in der wir uns immer weiter entfernt haben scheinbar immer höher wird. Und genau dieses Wissen dieses Teilstück meines Lebens jetzt abschließen zu müssen und einen getrennten Weg zu gehen obwohl da immer noch diese große Liebe vorhanden ist Schmerz so sehr und mein Herz möchte nicht mehr aufhören zu weinen. Ich rede mir zwar immer ein das wenn die eine Türe zugeht eine andere dafür aufgeht ab solch eine wunderschöne Türe wird es nie wieder geben...

Re: Das erste Mal

Verfasst: Do 11. Feb 2021, 08:19
von Momo58
Hi Céline,

Ich drück dich mal (dr) (dr)
und ich möchte dir sagen, dass ich großen Respekt für deine Entscheidung mit der GAOP habe.
Meine Partnerin und ich haben vor 40 Jahren zueinander gefunden, nur keine von uns wusste weshalb wir uns eigentlich gefunden hatten. Heute wissen wir, dass wir uns nur deshalb gefunden haben, weil wir beide trans* sind. Was wir beide verloren haben, sind unsere Familien. Das hat am Anfang weh getan. Mit der Zeit heilen auch die seelischen Wunden. Heute sind diejenigen, die wir einmal Familie nannten, nur noch transphobe Volltrottel. Vielleicht kommt die Zeit, wo sie nicht einmal mehr das sind.
Ich wünsche dir einen schönen Tag und weiterhin gute Genesung.

Liebe Grüße
Manuela