Teil 2, Kapitel 56, 2 Erkennungsdienstliche Behandlung.
Die Fahrt im Polizeiauto ins neue Zentrum der Gendarmerie in der Route Perpignan dauerte kaum ein paar Minuten, obwohl es Valerie länger vorkam, die total angespannt und mit gefesselten Händen auf dem Rücksitz hockte. Ihr Kopf war leer und körperlich fühlte sie sich so was von hilflos, wer schon einmal mit Handschellen hinten in einem schnell fahrenden PKW saß, der weiß, wovon ich spreche.
Die Polizistin, die sie verhaftet hatte, löste ihr den Sicherheitsgurt, so daß sie aussteigen konnte, nahm sie dann am Ellbogen und führte sie ins Haus.
"Allez-y, ma petite" (Rein mit dir, meine Kleine)
Die Türen schlossen sich automatisch hinter ihnen, danach kriegte sie auch ihre Handschellen wieder abgemacht und rieb sich die Gelenke. Obwohl es bereits tief in der Nacht war (besser gesagt: früh am Morgen) war hier noch Betrieb. Sie passierten die hell erleuchtete Eingangshalle und einen Flur im Erdgeschoß, dann wurde Valerie übergeben, sie wusste nicht, an wen.
Erstmal musste sie zehn Minuten warten, dann kam der ein Beamter auf sie zu. Sie war noch klar genug im Kopf, um zu wissen, was jetzt abgehen würde: Formulare waren auszufüllen.
"Name, Vorname, Adresse?"
"Wissen Sie, warum Sie hier sind?"
"Haben sie heute Alkohol zu sich genommen oder Drogen?"
"Das ist alles ein Missverständnis" Valeries Stimme war schwach und sehr müde, aber den Satz kriegte sie noch heraus, immerhin.
Der Beamte reagierte routiniert und nicht einmal unfreundlich. Ja, klar, alle sind unschuldig, die hier über die Schwelle gehen bei uns. Aber Sie wurden angezeigt; Madame, wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses. Man hat uns angerufen, Sie wurden beobachtet. Prostitution in der Öffentlichkeit, um es klar zu sagen. Hatten Sie Sex heute Nacht in Narbonne auf einem öffentlichen Platz? Ja oder nein? Sagen Sie die Wahrheit. Er nannte die Adresse, die sogar stimmte, Cours de la Republique, kurz vor der Brücke am Theater...
Und Sie sind deutsche Staatsangehörige? Das ist doch mal was Neues, eine "chandelle de trottoir" (eine Stricherin) aus Deutschland. Normalerweise kommen ihre Kolleginnen aus Spanien, ich meine die Damen, die hier bei uns im Arrest in Narbonne landen. Meistens aus Figueres oder Girona.
"Es sind nicht meine Kolleginnen" widersprach Valerie.
"Aber Sex mit einem Mann hatten Sie dort schon, in Narbonne, im Freien, dort am Canal de la Robine?
" Ja oder nein? Es ist eine einfache Frage", sagte der Beamte freundlich.
"Es stimmt", und es stimmt auch wieder nicht" antwortete Valerie.
"Denn ich bin keine Prostituierte"
"Es stimmt und es stimmt auch wieder nicht". Der Beamte machte ihren Tonfall ein wenig nach, aber er schien immer noch gut gelaunt zu sein. Dann traf dann aber eine Entscheidung.
"Heute Nacht werden Sie erst mal hierbleiben, morgen früh sehen wir dann weiter".
"Was geschieht dann, morgen früh?
"Sie werden dem Untersuchungsrichter vorgeführt, irgendwann zwischen 9.00 und 12.00 Uhr"
Untersuchungsrichter"¦ In dem Wort lag Gewicht. Aber so ganz war ihr immer noch nicht richtig klar, in welcher Lage sie sich befand. Fürs erste war es Valerie nicht einmal unrecht, den Rest der Nacht im Polizeigewahrsam zuzubringen, denn immerhin würde sie hier erst mal ausschlafen können. Wenigstens ein paar Stunden lang.
Die folgende erkennungsdienstliche Behandlung war kurz, ein paar schnelle Fotos frontal und im Profil, dann die Fingerabdrücke, und schon war Valerie im Polizeicomputer von Narbonne erfasst, danach durfte sie in ihre Zelle. Ihre Papiere und die Schuhe wurden ihr vorher noch abgenommen, dann machte die Türe Klick, gleichzeitig ging das Deckenlicht aus und sie war allein. Kurz darauf war Valerie auf ihre Pritsche auch schon eingeschlafen. Der Schlaf dauerte aber nicht lange, denn schon nach wenigen Stunden war sie wieder wach.
Sie riss die Augen auf und schaute an die weiß gestrichene Decke. Wo bin ich hier bloß?
Ahhh"¦ Polizeiarrest"¦ Erregung öffentlichen Ärgernisses. Dann fiel ihr wieder alles ein. Jetzt war an Schlaf natürlich überhaupt nicht mehr zu denken. Zu turbulent war die vergangene Nacht verlaufen. Sie dachte an ihr erotisches Abenteuer mit Erwin und ärgerte sich über sich selbst.
"Was für einen Riesen-Unsinn hast du da eigentlich wieder gemacht, du dumme Kuh"
Fragte sie sich selbst, und meinte damit die Art und Weise, wie sie den guten Erwin verführt hatte. Ja, eigentlich trug sie selbst die meiste Schuld an der ganzen Malaise, in die sie geraten war. Aber auch die Selbstvorwürfe halfen ihr nicht weiter. Jetzt, wo sie körperlich etwas mehr zur Ruhe gekommen war, spürte sie auch wieder Schmerzen, sie rieb sich die Handgelenke, wo die eng sitzenden Handschellen ihre Haut etwas aufgerieben hatten.
Irgendwie fühlte sie sich schmutzig, körperlich beschmutzt. Sie dachte an die vergangene Nacht mit Erwin aber es gelang ihr nicht, einen einzigen klaren Gedanken zu fassen. Er hatte sie lange gevögelt, wie lange und intensiv, das spürte sie auch jetzt noch in ihrem Po. Aber Hatte er eigentlich auch in sie ejakuliert? Sie versuchte, nachzudenken, fand aber keine Antwort. So gerne hätte sie jetzt ihr heimisches Bidet benutzt, aber natürlich gab es hier in der Ausnüchterungszelle kein solches Bidet, es gab nicht einmal eine Dusche. Alles was sie hatte, war diese Pritsche und ein Stuhl. Sie machte sich ganz klein unter ihrer Decke und versuchte, noch etwas Schlaf zu kriegen.
Um neun musste sie zum Untersuchungsrichter.
Fortsetzung demnächst.
Lieben Gruß, Valerie.
