Hallo zusammen,
gestern (heute morgen) war ich zu müde für langwierige Ausführungen. Ein bischen was will ich dazu aber doch noch loswerden; und zwar ganz ohne Rücksichtnahme auf Zeitverschwendung und Nutzen-Analyse, sondern im Interesse eines konstruktiven Austausches.
Ganz grundsätzlich ist eine Provokation eine Handlung oder eine Aussage, die bewusst darauf gerichtet ist, eine Reaktion zu erzeugen. Das ist schon deswegen nicht immer negativ, weil nach dieser Definition auch die freundlich formulierte Frage nach dem Weg zum Bahnhof eine Provokation ist. Sie ist ja bewusst auf die Erzeugung einer Reaktion gerichtet.
Es geht allerdings gar nicht darum, ob es eine positive oder negative Provokation darstellt, wenn jemand z.B. ein Kleid mit einem Gesichtspullover kombiniert. Das sollte aus meinem obigen Beitrag eigentlich auch herauszulesen gewesen sein.
Es geht um die Frage, ob es
überhaupt eine 'Provokation' darstellt. Es geht darum, ob die Aussendarstellung von Conchita und anderen Uneindeutigen 'bewusst darauf gerichtet ist, eine Reaktion zu erzeugen' oder ob da nicht ein Mensch ist, der schlicht so handelt wie er/sie/es* es für sich als richtig entschieden hat. Dann würde die behauptete 'Provokation' nämlich nur im Kopf der Betrachter_in entstehen, nicht wahr? Es würde eine (neutrale) Handlung dadurch zur (gefühlten) Provokation, dass in diesem Kopf nicht genug Platz für eine neutrale, reaktionslose 'Zurkenntnisnahme' ist.
Wenn sich jemand durch eine uneindeutige Erscheinung provoziert fühlt, dann liegt das oft maßgeblich daran, dass die Betrachter_in ihr eigenes (immer eingeschränktes) Selbstdarstellungsschema zu weitgehend als für andere auch gültig ansieht.
Habt einen guten Tag, liebe Grüsse
Marielle
*) ich hab's bemerkt, ab08
Querleser_innen-Service:
Der Mensch, der sich provoziert fühlt, muss oft nur seinen eigenen Horizont ein wenig nachjustieren, damit sich die vermeintliche Provokation in Luft auflöst.