Re: Geschichte: ELLI
Verfasst: So 13. Mär 2016, 11:48
Ich war noch etwas wackelig auf den Beinen, als ich mich am nächsten Tag auf den Weg zum Paket-Amt in der Luckenwalder Straße machte. Ein "Fresspaket" von meiner Tante aus Hannover konnte ich in Empfang nehmen. Ich freute mich. Es war eine nette Geste von ihr, dass sie mir etwas schickte. Auch telefonierten wir manchmal miteinander, sodass der Kontakt nie ganz abriss.
Ein paar Sachen musste ich noch einkaufen. Das erledigte ich auf dem Rückweg.
"Erst die Arbeit — dann das Vergnügen", dachte ich mir und ging mit meiner Wäsche in einen Waschsalon. Mein Koffer stand inzwischen ausgepackt im Flur.
Ich hatte ein Buch dabei; denn ich wollte den Salon nicht verlassen. Einmal war mir dort tatsächlich Wäsche geklaut worden, als ich kurz abwesend war und meine Wäsche durch die Trocken-Trommel tobte. Das sollte mir nicht noch einmal passieren.
Auf das Buch konnte ich mich nicht so recht konzentrieren und ließ den letzten Abend Revue passieren. Mit Ruhm hatte ich mich nicht gerade bekleckert. Bisher war mir nie passiert, dass ich dringend aufgefordert wurde, "endlich zu gehen".
Da musste ich wohl abends noch einmal hin und um Entschuldigung bitten; schließlich wollte ich es mir mit den Leuten nicht verderben.
In der Marheineke Markthalle gönnte ich mir Fisch am Imbiss; so konnte ich die Stinkerei aus meiner Küche fernhalten.
Nachmittags beschäftigte ich mich mit meinen auf der Insel erworbenen Schätzen, d.h. der Sender kam noch nicht zum Einsatz; denn ich hatte so spontan keine Idee, wie ich ihn allein ausprobieren sollte.
Um nicht gleich die Batterien leer zu machen, wollte ich den Empfänger gern an mein vorhandenes Netzteil anschließen, aber der Stecker passte nicht. Ich hatte aber keine Lust, gleich wieder aufzubrechen und zu Arlt zu fahren und mir einen passenden Stecker zu besorgen. So probierte ich den Empfänger nur kurz aus.
Ganz hervorragend konnte ich Funkverkehr mit Flugzeugen hören. Polizeifunk war auch kein Problem — Taxifunk uninteressant.
Ich hatte die Lautstärke so eingestellt, dass ich so eben und eben hören konnte, was aus den Lautsprechern kam. Ich nahm mir vor, einen Kopfhörer zu besorgen.
Trotzdem erschrak ich, als es klingelte. Schnell schaltete ich den Empfänger ab und schob ihn unter die Bettdecke.
"Auch Du bist es!"
Einer aus meiner Klasse wollte nachsehen, ob ich schon wieder im Lande war. Außerdem wollte er mich "überreden", abends zu einer Fete zu kommen.
Ich sagte ihm, dass es bei mir etwas später werden würde; denn ich hätte vorher noch etwas zu erledigen.
Die Tarantel hatte wohl gerade erst aufgemacht, als ich hineintrat. Eine Frau saß mit einer Blechdose an einem kleinen Tisch am Eingang und verkaufte Eintrittskarten.
"Bakmak" stand auf dem Programm, sicherlich eine gute Band, aber die Musik, die sie machte, ging für meinen Geschmack zu sehr in Richtung Jazzrock und ich hatte nie rechten Zugang zu den Stücken gefunden.
Ich hatte schließlich an diesem Abend auch schon etwas vor.
Natürlich musste ich ihr erst einmal auseinandersetzen, dass ich nicht zum Konzert gekommen war, sondern um etwas mit der Thekenkraft "zu besprechen hatte".
Ich wurde vorgelassen, ohne dass ich eine Karte kaufen musste.
Die Frau empfing mich mit einem "ach, der schonwieder - Blick". Ich bat um Entschuldigung für mein Verhalten am letzten Abend und meinte, so etwas würde nicht wieder vorkommen.
"Hoffentlich!" sagte sie dazu.
Ich fragte sie, ob ich etwas zu ihrer Besänftigung beitragen könnte.
Ein Cocktail war das richtige Mittel. Sie prostete mir zu — und ich prostete "š"in die Luft", schließlich wollte ich meine versprochene Besserung nicht gleich wieder teilweise zurücknehmen.
Ich bezahlte und verabschiedete mich, noch bevor die Band angefangen hatte.
Später, in Schöneberg, musste ich in dem alten, aber ziemlich gepflegten Mehrfamilienhaus nur dem Lärmpegel nachgehen: bis auf die Straße war die Musik zu hören.
Den Schalter für das Treppenlicht fand ich gleich. "Klack" machte es laut in einem Holzkasten, der am Hinterausgang hing. "Nach 18 Uhr keine Teppiche klopfen" stand auf einem Schild an der Tür und "Fußballspielen auf dem Hof verboten". Klare Regelungen, die sicherlich nicht allen Mietern gefielen.
Irgendwie freute ich mich auf den Abend und nahm immer zwei Stufen auf einmal, als ich nach oben stürmte. Dicker Sisal schluckte die Geräusche.
Die Party war in vollem Gange. Getränkemäßig hielt ich mich zurück; eine Mitschülerin fragte mich, ob ich krank wäre. Junge, was hatte ich für einen Ruf???
"Nein, aber gestern hatte ich etwas zu viel des Guten. Heute werde ich es etwas langsamer angehen lassen", antwortete ich ihr.
Dieses Mal hatte ich meine Pfeife dabei. Später, als nur noch der "harte Kern" anwesend war, gab es Gelegenheit, sie zu stopfen. Es war wieder eine "besonders gute Lieferung" eingetroffen; aber langsam hatte ich das Gefühl, bei meinem Mitschüler gab es nur "gute Lieferungen".
Da auch in dieser Wohnung ein Matratzenlager vorhanden war, das vorher noch als Riesensofa gedient hatte, konnte die Übernachtungsfrage pragmatisch geklärt werden, wenn auch kaum mehr von ÜBERnachtung gesprochen werden konnte, sondern von "ein paar Stunden dösen oder schlafen".
Am spätem Vormittag wollte ich heimfahren, überlegte es mir aber unterwegs anders und fuhr mit der U-Bahn zur Krummen Lanke. Ich ging am See spazieren, was mir gut tat. Kein "Großstadtgefühl", sondern Wasser und Wald — und natürlich etliche SpaziergängerInnen, die die gleiche Idee wie ich hatten.
Die Erwachsenen machten überwiegend einen frohen Eindruck, hatten vielleicht gerade schön gefrühstückt oder Sex gehabt. Ich musste lächeln, wenn ich einige Paare sah und mir das vorstellte. Die begleitenden Kinder sahen oftmals nicht so froh aus, sondern hätten vielleicht lieber mit Freunden gespielt als um die Krumme Lanke zu laufen.
Interessant fand ich die Gesprächsfetzen.
Der belehrende Vater: "schaut mal, das sind Buchen! Wenn ihr genau auf den Boden schaut, werdet ihr im Umkreis Bucheckern finden".
Die Kinder stoben davon.
"Du kannst den Wagen auch mal schieben" — eine junge Frau schob nicht nur den Kinderwagen, sondern hatte auch noch ein kleines Kind an der Hand. Der dazugehörige Mann hatte die Hände in der Jackentasche und meinte: "die zweite Hälfte".
"Otto sah nicht gut aus gestern" — schon waren die beiden älteren Damen an mir vorbei. Wollen wir hoffen, dass es Otto bald besser ging.
"Der tut nichts, der spielt nur", ein Mann versuchte, seinen Schäferhund wieder einzufangen, der sich für den kleinen weißen Pudel einer Spaziergängerin interessierte.
Vom Spazierweg bog ich so ab, dass ich zur Fischerhüttenstraße kam — und dann ging ich durch lauter winzige Straßen mit "Hexenhäuschen". Das waren ganz kleine Reihenhäuser, die in diesem bevorzugten Gebiet standen. Alle hatten einen kleinen Vorgarten und einen Garten "nach hinten raus". Alte Obstbäume standen da — und einige Mieter hatten einen Blumen- oder Gemüsegarten.
Staunend stand ich davor: "IM KINDERLAND", las ich auf dem Straßenschild. Nichts deutete darauf hin, dass wir uns in der Stadt befanden.
Ganz leicht roch es aus den Schornsteinen nach Kohleofen — und ich musste an die Worte meiner Zimmerwirtin denken, die mir gesagt hatte: "Sonntags heize ich den Badeofen an".
Überhaupt musste ich manchmal an das Praktikum denken. Gut fand ich, dass wir auf der Fete nicht über unsere Erlebnisse gesprochen hatten; denn die nächsten Wochen in der Schule waren mit Berichten aus dem Praktikum voll belegt. Das hatte uns der Klassenlehrerschon angekündigt. Die Note der Präsentation sollte sogar im Zeugnis stehen.
Ich war froh, dass ich nicht zu den ersten SchülerInnen gehörte, die mit ihrem Vortrag dran waren. So konnte ich erst einmal hören und schauen, was die anderen Praktikanten erlebt hatten.
Ja, "schauen" hatte ich ganz vernachlässigt. Sybille, die von einem Kinderladen berichtete, hatte viele Fotos gemacht. Außerdem hatte sie mit einem UHER Reportage-Tonbandgerät einige Situationen aufgenommen.
In einer Pause rief ich in der Klinik an und ließ mich mit Antje verbinden. Ich bat sie um Fotos von der Gruppe und Fotos von der Einrichtung — und vielleicht noch um ein Konzept, das während der Zeit meines Praktikums gerade in Arbeit war. Sie versprach mir, alles umgehend zu schicken.
Bei dem Stichwort "Fotos" fiel ihr allerdings ein, dass ich doch auch Fotos haben müsste. Sie meinte nicht die beiden Polaroidbilder von uns, sondern die kleinen Negative.
In ganz kurzen Worten erzählte ich ihr, was ich damit gemacht hatte. Ich musste schon wieder Markstücke nachwerfen, denn sie wollte mir noch etwas erzählen.
"Ich komme übernächste Woche nach Berlin, kann ich dann bei Dir schlafen?"
"BEI mir JA, aber MIT mir NEIN", antwortete ich und hatte Mühe, ernst zu bleiben, "wer mich einmal nicht reingelassen hat, muss nicht wieder ankommen!"
Es dauerte einen Moment, bis sie meinen Satz als Spaß verstanden hatte.
"Die Fotos und den Entwurf für das Konzept schicke ich vorher", meinte sie, "dann bis bald!"
Ein paar Sachen musste ich noch einkaufen. Das erledigte ich auf dem Rückweg.
"Erst die Arbeit — dann das Vergnügen", dachte ich mir und ging mit meiner Wäsche in einen Waschsalon. Mein Koffer stand inzwischen ausgepackt im Flur.
Ich hatte ein Buch dabei; denn ich wollte den Salon nicht verlassen. Einmal war mir dort tatsächlich Wäsche geklaut worden, als ich kurz abwesend war und meine Wäsche durch die Trocken-Trommel tobte. Das sollte mir nicht noch einmal passieren.
Auf das Buch konnte ich mich nicht so recht konzentrieren und ließ den letzten Abend Revue passieren. Mit Ruhm hatte ich mich nicht gerade bekleckert. Bisher war mir nie passiert, dass ich dringend aufgefordert wurde, "endlich zu gehen".
Da musste ich wohl abends noch einmal hin und um Entschuldigung bitten; schließlich wollte ich es mir mit den Leuten nicht verderben.
In der Marheineke Markthalle gönnte ich mir Fisch am Imbiss; so konnte ich die Stinkerei aus meiner Küche fernhalten.
Nachmittags beschäftigte ich mich mit meinen auf der Insel erworbenen Schätzen, d.h. der Sender kam noch nicht zum Einsatz; denn ich hatte so spontan keine Idee, wie ich ihn allein ausprobieren sollte.
Um nicht gleich die Batterien leer zu machen, wollte ich den Empfänger gern an mein vorhandenes Netzteil anschließen, aber der Stecker passte nicht. Ich hatte aber keine Lust, gleich wieder aufzubrechen und zu Arlt zu fahren und mir einen passenden Stecker zu besorgen. So probierte ich den Empfänger nur kurz aus.
Ganz hervorragend konnte ich Funkverkehr mit Flugzeugen hören. Polizeifunk war auch kein Problem — Taxifunk uninteressant.
Ich hatte die Lautstärke so eingestellt, dass ich so eben und eben hören konnte, was aus den Lautsprechern kam. Ich nahm mir vor, einen Kopfhörer zu besorgen.
Trotzdem erschrak ich, als es klingelte. Schnell schaltete ich den Empfänger ab und schob ihn unter die Bettdecke.
"Auch Du bist es!"
Einer aus meiner Klasse wollte nachsehen, ob ich schon wieder im Lande war. Außerdem wollte er mich "überreden", abends zu einer Fete zu kommen.
Ich sagte ihm, dass es bei mir etwas später werden würde; denn ich hätte vorher noch etwas zu erledigen.
Die Tarantel hatte wohl gerade erst aufgemacht, als ich hineintrat. Eine Frau saß mit einer Blechdose an einem kleinen Tisch am Eingang und verkaufte Eintrittskarten.
"Bakmak" stand auf dem Programm, sicherlich eine gute Band, aber die Musik, die sie machte, ging für meinen Geschmack zu sehr in Richtung Jazzrock und ich hatte nie rechten Zugang zu den Stücken gefunden.
Ich hatte schließlich an diesem Abend auch schon etwas vor.
Natürlich musste ich ihr erst einmal auseinandersetzen, dass ich nicht zum Konzert gekommen war, sondern um etwas mit der Thekenkraft "zu besprechen hatte".
Ich wurde vorgelassen, ohne dass ich eine Karte kaufen musste.
Die Frau empfing mich mit einem "ach, der schonwieder - Blick". Ich bat um Entschuldigung für mein Verhalten am letzten Abend und meinte, so etwas würde nicht wieder vorkommen.
"Hoffentlich!" sagte sie dazu.
Ich fragte sie, ob ich etwas zu ihrer Besänftigung beitragen könnte.
Ein Cocktail war das richtige Mittel. Sie prostete mir zu — und ich prostete "š"in die Luft", schließlich wollte ich meine versprochene Besserung nicht gleich wieder teilweise zurücknehmen.
Ich bezahlte und verabschiedete mich, noch bevor die Band angefangen hatte.
Später, in Schöneberg, musste ich in dem alten, aber ziemlich gepflegten Mehrfamilienhaus nur dem Lärmpegel nachgehen: bis auf die Straße war die Musik zu hören.
Den Schalter für das Treppenlicht fand ich gleich. "Klack" machte es laut in einem Holzkasten, der am Hinterausgang hing. "Nach 18 Uhr keine Teppiche klopfen" stand auf einem Schild an der Tür und "Fußballspielen auf dem Hof verboten". Klare Regelungen, die sicherlich nicht allen Mietern gefielen.
Irgendwie freute ich mich auf den Abend und nahm immer zwei Stufen auf einmal, als ich nach oben stürmte. Dicker Sisal schluckte die Geräusche.
Die Party war in vollem Gange. Getränkemäßig hielt ich mich zurück; eine Mitschülerin fragte mich, ob ich krank wäre. Junge, was hatte ich für einen Ruf???
"Nein, aber gestern hatte ich etwas zu viel des Guten. Heute werde ich es etwas langsamer angehen lassen", antwortete ich ihr.
Dieses Mal hatte ich meine Pfeife dabei. Später, als nur noch der "harte Kern" anwesend war, gab es Gelegenheit, sie zu stopfen. Es war wieder eine "besonders gute Lieferung" eingetroffen; aber langsam hatte ich das Gefühl, bei meinem Mitschüler gab es nur "gute Lieferungen".
Da auch in dieser Wohnung ein Matratzenlager vorhanden war, das vorher noch als Riesensofa gedient hatte, konnte die Übernachtungsfrage pragmatisch geklärt werden, wenn auch kaum mehr von ÜBERnachtung gesprochen werden konnte, sondern von "ein paar Stunden dösen oder schlafen".
Am spätem Vormittag wollte ich heimfahren, überlegte es mir aber unterwegs anders und fuhr mit der U-Bahn zur Krummen Lanke. Ich ging am See spazieren, was mir gut tat. Kein "Großstadtgefühl", sondern Wasser und Wald — und natürlich etliche SpaziergängerInnen, die die gleiche Idee wie ich hatten.
Die Erwachsenen machten überwiegend einen frohen Eindruck, hatten vielleicht gerade schön gefrühstückt oder Sex gehabt. Ich musste lächeln, wenn ich einige Paare sah und mir das vorstellte. Die begleitenden Kinder sahen oftmals nicht so froh aus, sondern hätten vielleicht lieber mit Freunden gespielt als um die Krumme Lanke zu laufen.
Interessant fand ich die Gesprächsfetzen.
Der belehrende Vater: "schaut mal, das sind Buchen! Wenn ihr genau auf den Boden schaut, werdet ihr im Umkreis Bucheckern finden".
Die Kinder stoben davon.
"Du kannst den Wagen auch mal schieben" — eine junge Frau schob nicht nur den Kinderwagen, sondern hatte auch noch ein kleines Kind an der Hand. Der dazugehörige Mann hatte die Hände in der Jackentasche und meinte: "die zweite Hälfte".
"Otto sah nicht gut aus gestern" — schon waren die beiden älteren Damen an mir vorbei. Wollen wir hoffen, dass es Otto bald besser ging.
"Der tut nichts, der spielt nur", ein Mann versuchte, seinen Schäferhund wieder einzufangen, der sich für den kleinen weißen Pudel einer Spaziergängerin interessierte.
Vom Spazierweg bog ich so ab, dass ich zur Fischerhüttenstraße kam — und dann ging ich durch lauter winzige Straßen mit "Hexenhäuschen". Das waren ganz kleine Reihenhäuser, die in diesem bevorzugten Gebiet standen. Alle hatten einen kleinen Vorgarten und einen Garten "nach hinten raus". Alte Obstbäume standen da — und einige Mieter hatten einen Blumen- oder Gemüsegarten.
Staunend stand ich davor: "IM KINDERLAND", las ich auf dem Straßenschild. Nichts deutete darauf hin, dass wir uns in der Stadt befanden.
Ganz leicht roch es aus den Schornsteinen nach Kohleofen — und ich musste an die Worte meiner Zimmerwirtin denken, die mir gesagt hatte: "Sonntags heize ich den Badeofen an".
Überhaupt musste ich manchmal an das Praktikum denken. Gut fand ich, dass wir auf der Fete nicht über unsere Erlebnisse gesprochen hatten; denn die nächsten Wochen in der Schule waren mit Berichten aus dem Praktikum voll belegt. Das hatte uns der Klassenlehrerschon angekündigt. Die Note der Präsentation sollte sogar im Zeugnis stehen.
Ich war froh, dass ich nicht zu den ersten SchülerInnen gehörte, die mit ihrem Vortrag dran waren. So konnte ich erst einmal hören und schauen, was die anderen Praktikanten erlebt hatten.
Ja, "schauen" hatte ich ganz vernachlässigt. Sybille, die von einem Kinderladen berichtete, hatte viele Fotos gemacht. Außerdem hatte sie mit einem UHER Reportage-Tonbandgerät einige Situationen aufgenommen.
In einer Pause rief ich in der Klinik an und ließ mich mit Antje verbinden. Ich bat sie um Fotos von der Gruppe und Fotos von der Einrichtung — und vielleicht noch um ein Konzept, das während der Zeit meines Praktikums gerade in Arbeit war. Sie versprach mir, alles umgehend zu schicken.
Bei dem Stichwort "Fotos" fiel ihr allerdings ein, dass ich doch auch Fotos haben müsste. Sie meinte nicht die beiden Polaroidbilder von uns, sondern die kleinen Negative.
In ganz kurzen Worten erzählte ich ihr, was ich damit gemacht hatte. Ich musste schon wieder Markstücke nachwerfen, denn sie wollte mir noch etwas erzählen.
"Ich komme übernächste Woche nach Berlin, kann ich dann bei Dir schlafen?"
"BEI mir JA, aber MIT mir NEIN", antwortete ich und hatte Mühe, ernst zu bleiben, "wer mich einmal nicht reingelassen hat, muss nicht wieder ankommen!"
Es dauerte einen Moment, bis sie meinen Satz als Spaß verstanden hatte.
"Die Fotos und den Entwurf für das Konzept schicke ich vorher", meinte sie, "dann bis bald!"