Nachtfee hat geschrieben: Di 21. Okt 2025, 15:48
Du hast ja auch nicht vor deinen Mann zu ändern, warum solltest du das in dem Fall BEI DIR tun. Das wird dein Mann auch nicht wollen.
Hallo Nachtfee,
jemanden anderen ändern zu wollen ist vergebene Liebesmühe. Keine Frage. An sich selber zu arbeiten, kann man tun, muss es aber nicht. Es ist eine Option oder eine Chance. Was passiert, wenn man es nicht tut ? Bei einem selber wenig bis gar nichts. Aber wenn sich beim Partner etwas ändert, ändert sich auch die Beziehung.
Für mich sind Beziehungen immer dynamisch und die Partner sind immer miteinander verbunden. Wenn Du Deinem Partner die Tür öffnest, neue Wege zu gehen und er tut es, bewegt sich die Beziehung und damit kommt eine veränderte Situation auf Dich zu, mit der Du umgehen musst, ganz im Sinne von "man kann nicht nicht reagieren".
Bitte nicht falsch verstehen, ich will Dich nicht überreden, dass Du in irgendeiner Weise Deinen Partner sehen sollst. Veränderungen passieren von ganz alleine. Sie sind unvermeidbar. Viele Partnerinnen reagieren verschnupft, wenn man sie auf die Möglichkeit aufmerksam macht, dass sie selber die Situation durch eigenes Handeln ändern können. Sinngemäß habe ich schon öfters gelesen, dass sie sagten "Warum soll ich mich ändern, er hat sich so sehr geändert, dass ich nicht mehr den Mann sehe, in den ich mich verliebt habe". Das ist verständlich, nutzt aber nichts. Denn die Veränderung des Partners (oder die eigene Sicht auf ihn) ist zwangsläufig. Und das zwingt einen selber, damit umzugehen. Ein Beharren auf der eigenen Position mag bis zu einem gewissen Punkt verständlich sein, aber auf Dauer funktioniert das nicht.
Und das gilt immer für beide.
Wenn Du entspannt mit seiner gefühlten Weiblichkeit umgehen kannst, ist das sehr schön und für Deinen Partner offensichtlich eine große Entlastung. Und wenn das so für Euch auch auf Dauer so richtig ist, ist ja auch alles fein. Aber ein Satz wie "Du kannst machen was Du willst, für mich bleibst Du mein Mann" hat für mich etwas Trotziges und Verletzendes. Er schließt eine Tür zwischen Euch, da er das Empfinden Deines Partners in eine bestimmte Richtung einschränkt. Und auch, wenn Du noch so oft betonst, dass er empfinden kann, wie er will. Du hast jedes Recht auf Deine Meinung, aber ich meine, dass damit Konsequenzen verbunden sind.
Es gibt kein richtig und kein falsch. Es gibt auch kein "Du sollst etwas tun". Es gibt nur eine Folge von Veränderungen. Und wenn ich Veränderungen nicht aufhalten kann, macht es mMn Sinn, sie zu gestalten. Je "härter" meine Position ist, um so mehr schränke ich mich ein. Und je "weicher" ich meine Position verstehe, um so mehr Möglichkeiten habe ich. Es geht ja nicht darum, sich gegen etwas oder jemanden sich durchzusetzen, sondern aus der neuen Situation ein Mehr für sich selber und damit auch für die Beziehung zu gewinnen. Das heißt nicht, Ja und Amen zu allem zu sagen. Aber wie gesagt, jede Haltung hat Konsequenzen. Und nach meiner Erfahrung lohnt es sich, eigene Standpunkte auch einmal außer Kraft zu setzen. Was man dann erlebt, kann sehr spannend werden und ist nicht vorhersagbar.
Du kannst meine Wore in die Tonne treten, wenn Du meinst, sie würden nicht passen. Aber egal was Du tust, es hat Konsequenzen. Nichts bleibt, nichts kann man fest halten. Ist es da nicht besser, mit Veränderungen aktiv umzugehen ? Du hast Schritte gemacht, Dein Partner hat Schritte gemacht, aber es geht noch weiter. Dafür offen zu bleiben, ist mein Plädoyer.