Ach Claudia... Kennst du die Rede von Sylvia Rivera auf der New Yorker "Christopher Street Liberation Day Rally" 1973? Das war der 4te CSD überhaupt.Claudia hat geschrieben: Mi 9. Jul 2025, 16:20 Den Schaden haben wir, weil sehr viele Leute davon irritiert sind und trans* nicht mehr ernst nehmen. Es wirkt eben sehr fremd und dadurch sind wir zum Feindbild geworden. Das hat der trans-community einen riesengroßen Schaden zugefügt.
Sylvia Rivera war eine der nicht-weissen trans Personen, die am 28.6.1969 im Stonewall Inn waren. Sie hat aber nicht nur bei den Riots mitgemacht, sondern auch STAR massgeblich geleitet. Eine aktivistische Selbsthilfegruppe für trans Personen. Vor allem gegen Polizeigewalt, auch sexuelle, und Abzocke durch die Polizei.
Warum erzähle ich das? 1973 hatten sich die weissen, bürgerlichen schwulen Gruppen die Dominanz der CSD Bewegung erobert, indem sie mit Geld und Masse diejenigen rausgedrängt hatten, die sie für nicht präsentabel genug für ihre Ziele hielten. Schwarze, Farbige, trans und gendernonkonforme, leicht skurrile und exzentrische. WIe Sylvia Rivera, Marsha P. Johnson und etliche andere. Weil "sehr viele Leute davon irritiert sind und die normalen Schwulen nicht mehr ernst nehmen. Es wirkt eben sehr fremd und dadurch sind wir zum Feindbild geworden. Das hat der schwulen community einen riesengroßen Schaden zugefügt."
In ihrer Rede reibt Sylvia ihnen genau dies unter die Nase. Sie wollten sie nicht reden lassen. Sie musste sich das Mikrofon erkämpfen. Sie wurde aus der Menge ausgebuht.
Sie redete gegen genau den gleichen unsolidarischen Mist, der darüber hinaus nicht funktioniert. Nicht mit der Ausgrenzung von Kink, nicht mit der Ausgrenzung von nichtbinären Leuten. Mal abgesehen davon, dass diese Art, Menschen, die unter genau den gleichen Repressionen zu leiden haben für das eigene bisschen Toleranz untern Bus zu werfen, menschlich eine absolut miese Sache ist.
Die Sache ist: Jede Menge trans Personen sind auch kinky, machen Petplay, spielen das BDSM-Lexikon von ob bis unten durch. Die wirfst du damit auch untern Bus. Aber glaube nicht, dass "die Leute" einen Unterschied machen werden zwischen Gender und Sexualität, wenn sie auf queer, kinky und_oder trans Personen losgehen. Das ist ihnen völlig egal. Ob Hundemaske oder crossgedresst, ob kinky oder "normal trans"(tm): Das ist für stino-cis-hetero Menschen alles ähnlich unversändlich. Es geht bei Queerfeindlichkeit nicht um Details, sondern um den Hass gegen Abweichung bei allem rund um Geschlechtlichkeit generell.
Uns "ernst nehmen"? Wer gegen CSDs, Regenbögen und dergleichen ist, den wirst du nicht durch Appeasement und "cis-Tarnung" überzeugen. Aber die Masse der Leute durch Gewöhung und erlebte Harmlosigkeit gewinnen. Also freu dich lieber, dass da Leute rumlaufen, die du vielleicht eklig findest. Dafür giltst du dann vielleicht umso akzeptabler. Allerdings, wenn ich mal rein von der Erscheinung ausgehe, scheinen mir ein paar fröhliche Wuffels und niedliche Pferden optisch und menschlich deutlich attraktiver auf die Zuschauenden zu wirken, als manche trans Senior*innen. Nach meinen Erfahrungen gewinnt nämlich Fröhlichkeit die Leute.