Flora hat geschrieben: Do 1. Feb 2024, 12:23
Hi Nathalie,
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Ganz liebe Grüße
Flora
Liebe Flora! Wie schön, Deinen Bericht zu lesen! Vielen Dank, dass Du mir persönlich geantwortet hast. Ich habe die ganze Zeit schon überlegt, die Geschichte fortzuführen. Es hat sich jedoch nicht viel ergeben und ich wollte auch nicht spammen

. Dein Bericht klingt für mich ganz wundervoll und genau so stelle ich mir das auch für mich vor. - bzw. mit ein paar Ausnahmen

. Aber dazu später mehr.
Die Salami-Taktik, wenn man sie denn so nennen will, hat natürlich den Vorteil, dass man zusammen daran wachen kann, so wie Du das ganz wunderbar beschreibst. Dass nun "spöttich-spielerische" Kommentare kommen, ist doch ein Zeichen dafür, dass sie das Thema auf dem Schirm hat und auch weiß, dass es für Dich ein Thema ist. Sie stößt die Tür auf, durchgehen musst Du :-p.
Witzig, dass Du Körperpflege erwähnst. Ich habe mich die Woche auch rasiert, seit langem mal wieder und Lippenstift aufgelegt..
Vielleicht erzähle ich einfach mal. Nach dem Gespräch mit ihr, von dem ich hier ja berichtet habe, habe ich das Thema noch auf einige Spaziergängen angeschnitten. Es kam jedoch leider kein Gespräch zu Stande. Ich habe es im Kopf abgelegt unter: "Mist, hast du dich doch getäuscht und sie dachte, es sei nur ein Gag gewesen"... Wobei, ich war echt innerlich aufgewühlt und mit - gefühlt - zittriger Stimme. Das hat sie doch bestimmt bemerkt und sich ihre Gedanken gemacht... Da gibt es doch normal so Antennen... Meine Frau ist vom Typ eher so, dass sie unangenehme Sachen weg drückt. Auch wenn es mal Streit gibt, muss man am besten gar nicht mehr darüber reden. Ich bin da das komplette Gegenteil

. Also, ich lag Abends oft wacht und habe mir Gedanken gemacht wie und ob es weiter geht - also mit Crossdressing!
Ich hatte ja eingangs geschrieben, dass ich mich erstmal selbst einordnen muss. Nun ist meine Frau die Woche geschäftlich im Ausland unterwegs, ich mit den Kindern daheim. Also hab ich mir auf Amazon ein paar Sachen bestellt und war ultimativ aufgeregt. Die Kleinen sind vormittags in der Schule, so dass ich mich da voll ausleben kann. ich habe mich also schick gemacht und dann vor den Homeoffice PC gesetzt. Ich konnte quasi keine 5 Minuten am Stück arbeiten, immer bin ich aufgesprungen und zum Spiegel gerannt. Wenn ich an mir hinunter geschaut habe, habe ich Gänsehaut bekommen. Wenn ich mich dann wieder zurückverwandelt habe (wenn es in Richtung Schulende ging), konnte ich nur noch an mich als Frau denken. Abends hatte ich einen Flatterbauch, da ich den nächsten Morgen nicht mehr erwarten konnte...
Sehr spannend
Aber da sind auch die anderen Seiten... Zum Beispiel hat es häufiger mal an der Tür geläutet. Hier haben ein paar Menschen den Haustürschlüssel. Mir war nicht ganz klar wann die Putzfrau aufschlägt. Da wurde es mir heiß und kalt. Ich hatte die Rolläden unten und bin einfach nicht zur Tür.. Ich wollte nicht, dass ich so gesehen werde. Ich wollte das für mich - bzw bin ich natürlich auch nicht soweit, das in mein Umfeld zu lassen - aber auch dazu später noch mehr.
Einmal klingelte der DHL Mensch. Wir rufen normalerweise runter, dass er es ablegen soll, doch dieses mal brauchte er eine Unterschrift... Also hat er mich in der Tunika gesehen... Bei ihm war es mir egal, auch nicht unangenehm.
Dann wollte ich in den DM gehen und mir eine Feinstrumpfhose kaufen und einen Lippenstift. Ich bin verstohlen an den Schminkutensilien vorbei geschlichen... Dieses Gefühl kennen vermutlich einige hier

. Ich habe mich nicht getraut hinzusehen.. Ganz zu schweigen von den Feinstrumpfhosen. Da bin ich einfach vorbeigegangen. Im Endeffekt habe ich mir belangloses Zeug gekauft und einen Lippenstift, der in einem Karnevals-Regal lag... Das konnte ich verknusen...
Ich denke das ist Teil meiner Verklemmtheit, die ich auch ablegen will - auf meinem Weg zu mir Selbst! Mein Wesen ist eher weich, gepresst in eine harte Schale mit Stacheln nach außen - zumindest in meiner Jungend. Spirituelle Arbeit hat mich schon den Kern erweichen lassen. Dies meiner Familie und Frau zu erzählen, hat mich damals unendliche Überwindung gekostet. Und doch haben es alle - sogar Freunde - gut aufgenommen. Doch ich drifte ab...
Wo war ich? Ach ja, die Strumpfhose!
Ich habe mir hochoffiziell eine gekauft und meine Frau weiß auch davon. Ich habe ihr davon erzählt mit der Begründung, dass mir im Office so kalt ist. Sie fand es keiner Erwähnung oder spöttischen Kommentar wert. Habe ich auch nicht erwartet. Sie war auch schon in der Wäsche. Und ich liebe das Gefühl, sie zu tragen.
Dann noch die Geschichte mit dem Nagellack! Meine älteste Tochter ist im Schmink-Alter. Habe ich ja schon erzählt, dass sie mir die Fingernägel mit Klarlack überzogen hat. Das habe ich schon ein paar mal selbst gemacht und bin mit ihr in den DM gefahren, um Nachschub zu holen. Schließlich kann ich ja nicht ihr Zeug leeren

. Dabei habe ich bemerkt, dass sie mir gegenüber sehr aufgeschlossen ist, wenn ich mich für diese Dinge interessiere. Das finde ich spannend, ist es ansonsten doch eher sperrig.. Also habe ich mir Anfang der Woche (wie gesagt, meine Frau ist auf Geschäftsreise) ihre Nagelacke zeigen lassen. Dann habe ich sie gefragt, ob sie mir mal die Nägel lackieren will. Schließlich hatte ich das meiner Frau ja schon angekündigt und meine Tochter hat sich gefreut. Heute habe ich mit meiner Frau telefoniert und sie hat es erwähnt, dass meine Tochter es ihr geWhatsappt hat und ganz aufgeregt war. Sie fand das eine tolle Idee und hat auch gemerkt, dass wir dadurch einen ganz anderen Zugang bekommen..
Ja, jetzt schreibe ich diese Zeilen mit lackierten Fingernägeln. Die Kinder sind zwar im Bett, aber ich traue mich dennoch nicht, hier mit meinen Lieblings-Klamotten zu sitzen.
Hat mich das jetzt weiter gebracht?
Ich denke schon! Ich bin noch lange nicht soweit, mit Klamotten draußen herum zu laufen. Ich werde es vielleicht auch nie sein. Ich will auch nicht, dass mein Umfeld davon erfährt. Nicht mal meine Kinder. Die dürfen mich gerne schminken und lackieren. Das bringt uns sicherlich auch noch näher zusammen, davon bin ich überzeugt. Achso, die ganze Beschäftigung mit diesen Themen hat eine ganz neue Art Verständnis und Geduld in mir hervorgebracht. Selbst in Zeiten allerhöchster Not und Stress schaffe ich es, verständnisvoll zu sein. Das ist auch meinem Umfeld aufgefallen...
Auch merke ich, dass ich - wenn ich meine(!) Klamotten trage - anders fühle, anders laufe, anders bin. Ja, ich bin anders. Und hier liegt auch die Crux. Ist es nur der Reiz des "Neuen"? Ich weiß, dass sowas auch abflachen kann. wobei die Gefühle schön und intensiv waren, diese Vorfreude... Apropos, einen Fetisch kann ich für mich ausschließen. Ich ertappe mich jedoch häufiger dabei, zum Kleiderschrank rennen zu wollen und meine Klamotten anzuziehen! Ich liege auch Abends da und überlege, wie es wäre als Frau auf dieser schönen Welt zu wandeln.
Ich schaue auf Youtube nach Crossdressern und habe urplötzlich ganz viel Verständnis und Empathie für diejenigen, die so viel weiter sind auf ihrem Weg.
In dieser Woche habe ich mir viele Gedanken gemacht - und es tut gut, die auch mal zu "Papier" zu bringen. Ich bin einfach jemand, der sich momentan erkundet. Der eine neue Gefühlswelt in sich entdeckt hat und die mit voller Wucht fühlen will. Ich bin aber auch jemand, der gar keine Schubladen für sich selbst braucht, der aber auch große Angst davor hat, von anderen in Schubladen gesteckt zu werden! Nun habe ich gelackte Fingernägel und werde damit meinem Umfeld begegnen... meiner Familie... zwangsläufig... mit Handschuhen! (nein Spaß)
Wie gesagt, man wird das mitmachen, langsam, Stück für Stück => Salamitaktik! Und dennoch ehrlich! Zumindest habe ich den Eindruck. Auch wenn ich meine Klamotten-Kiste morgen früh wieder gut und sicher verstauen werde.....
Die Strumpfhose bleibt schonmal im Schrank
Und ja, die Vorteile der Körperpflege, das ist definitiv ein guter Punkt
ascona hat geschrieben: Do 1. Feb 2024, 17:58
soo ein langer Vorstellungs-Faden !
Da bei ihr bisher nicht die Alarmglocken geläutet haben, und sie die Signale so locker genommen hat, wird sie das wahrscheinlich nicht
befürchten. Dann könnt ihr euch leichter arrangieren. Dafür gibt es ja Beispiele , wie du z.B. bei Malvine gelesen hast.
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PS: du hast ein hübsches Profilfoto, könnte eine 'richtige' Frau sein...
Liebe ascona, auch Dir vielen Dank für Deine Gedanken. Ich freue mich, dass der Vorstellungsthread länger und länger wird. Bin gespannt wann ich mir einen Rüffel abhole

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Ich bin oben sehr ausführlich auf meine Gedanken bezüglich "was ich bin" eingegangen. Ich vermute, sie hat es als Spaß aufgenommen und der "AHA" Moment wird noch kommen. Der, wo aus Ernst Wirklichkeit wird und sie mit der Realität Konfrontiert wird.
Mein ultimativer Traum ist aber, das quasi frei - aber nach Lust und Laune - ausleben zu können. Ohne gesellschaftliche Regimente. Ohne Angst, ohne dem Sich-verstellen, ohne diesem "ich brauche eine Ausrede parat"! Das wäre was ich will. Freiheit! Mit ihr! Zusammen einkaufen und Kleider zu probieren. Dass sie mir was mitbringt vom einkaufen... so was wäre mein absoluter Traum!
Vielleicht läuten bei ihr aber auch einfach keine Alarmglocken, weil sie mich besser kennt als ich selbst??? Hmm .. muss ich mal darüber nachdenken

- und vielen Dank! Ich hab die Anführungszeichen gesehen
Lana hat geschrieben: Do 1. Feb 2024, 19:47
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Spekulationen sind wahrscheinlich nicht hilfreich. Persönliche Erfahrungen von anderen sind jedoch wertvoll, weil man so ein Gefühl dafür bekommen kann, wie unterschiedlich und auch widersprüchlich ein Coming out verlaufen kann.
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Herzlich willkommen, liebe Nathalie.
Liebe Lana, auch Dir lieben Dank für Deine Gedanken! Ich verkleide mich normal nie an Karneval. Die Woche habe ich tatsächlich darüber nachgedacht, als Frau zu gehen. Ich habe auch darüber nachgedacht, die Frage hier im Forum zu stellen, als was ihr so geht. Aber im Grunde stellt es ja keine Verkleidung dar für die Allermeisten. Für mich wäre es wohl nur ein Vehikel, ein weiterer Minischritt nach vorne. Aber es ist schwierig und erfordert Mut. Und kommt ganz schön früh... Du hast natürlich recht, so könnte sich mein Umfeld daran gewöhnen und ich könnte es als weiteren Aufhänger für Gespräche nehmen. Naja, vielleicht entwickelt sich das noch als konkreter Plan die nächsten Tage, die Sachen hätte ich ja zumindest schonmal da

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Mit der Unbedarftheit könntest Du recht haben.
