Re: Passing verbessern für Anfängerinnen (1x1)
Verfasst: Sa 4. Mär 2023, 11:05
Passing - was is'n das? 
Seit nun zwei Jahren lebe ich konsequent 24/7 als Frau - und habe seit einem Jahr auch amtlich den weiblichen Pass, Personalausweis, Führerschein usw.
Praktisch bedeutet das für mich: vom Hals abwärts kleide ich mich seitdem ausschließlich und eindeutig weiblich, mit Kleid, Rock/Bluse, Nylons, Pumps, darunter dicke Hüftpolster und Silis im BH, damit auch die Körperlinie "stimmt". Die ganze Silhouette (und dank der Pumps automatisch auch die Art, mich zu bewegen) wirkt auf den ersten Blick klar weiblich. Obwohl es meinen biologischen Körper konterkariert, ist das für mich keine "Verkleidung: ich zeige mich damit genau so, wie ich mich am wohlsten fühle. Es ist für mich einfach "stimmig" - genau so BIN ich. Nur auf der rein körperlichen Ebene verstecke ich da etwas; seelisch/psychisch zeige ich mich damit ganz offen und unverhüllt so, wie ich bin.
Mit meinem Kopf ist das leider anders: den konnte ich auch mit größter Bemühung noch nie wirklich auf weiblich trimmen; die naheliegenden Maßnahmen wie Perücke oder dicke Schminke empfinde ich zudem als Maske, als "Verkleidung", hinter der ich mich als Person verstecken würde: das bin ich NICHT - zumal ich selbst dann aus der Nähe immer noch überwiegend als "männlich" wahrgenommen werde. Ich habe es deshalb aufgegeben, ich bemühe mich gar nicht erst um ein spontanes, glaubhaftes "Passing" in dem Sinne, dass man mich komplett als "weiblich" identifiziert. Ich stehe zu meiner Halbglatze, zu den kantigen Zügen und der Bariton-Stimme: das bin ich nun mal auch. Irgendwie muß ich mich schließlich auch mit meinem Körper identifizieren, so, wie der nun mal ist, trotz des "falschen" Geschlechts - ich habe nur den. So begnüge ich mich damit, mein schütteres Greisenhaar im Rahmen des Möglichen auf "weiblich" zu trimmen, mich mit großen Ohranhängern zu schmücken und damit zu demonstrieren, dass ich mich selber gerade auch "zwischen den Ohren" als weiblich identifiziere, nicht nur körperlich.
Das optische Gesamtergebnis ist natürlich weit entfernt von dem, was wir traditionell unter einem "Passing" als Frau verstehen. Früher hätte man mich in diesem Outfit als "Tunte" bezeichnet - heute empfindet man es nur noch so, sagt es aber nicht mehr
Trotzdem ist es für mich letztlich ein Gewinn: wenn man mich schon nicht wirklich als Frau wahrnimmt, so doch wenigstens als einen Mann, an dem ziemlich viel Unmännliches ist, der auch gar nicht als Mann, sondern lieber als Frau gesehen werden möchte - und zwar persönlich, nicht anonym, ohne Maske, authentisch, mit offenem Gesicht. Diese Wahrnehmung liegt immerhin schon sehr viel näher an meiner Wirklichkeit als das sonst übliche Klischee "Mann-°. Die Leute erkennen mich damit ein gutes Stück besser als das, was ich wirklich bin. Manche (zum Glück nur wenige) kommen damit nicht zurecht, lehnen mich ab, weichen mir seitdem aus - was soll's, ich kann und muß auch nicht Jedem gefallen.
Aufzufallen war noch nie mein Wunsch, im Gegenteil: ich habe mich mein Leben lang danach gesehnt, möglichst unspektakulär und selbstverständlich als der Mensch erkannt und behandelt zu werden, der ich bin - genauso selbstverständlich und unauffällig, wie "normale" Männer und Frauen im Alltag als solche erkannt und bestätigt werden. Gerade deshalb habe ich mich jahrzehntelang bemüht, meine weibliche Seite so weit wie möglich "unterschwellig", im Rahmen des "Erlaubten" zu zeigen: bloß nicht auffallen, bloß keinen Skandal
Das hat aber nie funktioniert; es wurde einfach nur ignoriert.
Bei meinem endgültigen Wechsel in die weibliche Rolle vor zwei Jahren war ich dann sehr überrascht davon - und bin seitdem sehr glücklich darüber -, dass mein Wunsch damit nun endlich in Erfüllung gegangen ist: ich falle nicht auf! Niemand glotzt mich an, niemand macht blöde Bemerkungen, die Leute sind mir gegenüber freundlich wie immer (oft als "Frau" sogar noch spürbar freundlicher und zuvorkommender als früher in der männlichen Rolle), man bezieht mich auch selbstverständlich in alles ein und grenzt mich nirgendwo aus. Alles ganz normal. So gesehen das perfekte "Passing".
Okay, zugegeben: genau genommen, ist das kein Passing als Frau, sondern als Tunte. Aber genau da hat in den letzten zwei Jahrzehnten der denkbar radikalste, öffentliche Sinneswandel stattgefunden: man darf heute ganz offen eine "Tunte" sein, das gilt nicht mehr als Perversion, es ist nichts Ehrenrühriges mehr. Ich falle damit nicht mal mehr auf. Ich bin's einfach, und es ist gut so.
Seit nun zwei Jahren lebe ich konsequent 24/7 als Frau - und habe seit einem Jahr auch amtlich den weiblichen Pass, Personalausweis, Führerschein usw.
Praktisch bedeutet das für mich: vom Hals abwärts kleide ich mich seitdem ausschließlich und eindeutig weiblich, mit Kleid, Rock/Bluse, Nylons, Pumps, darunter dicke Hüftpolster und Silis im BH, damit auch die Körperlinie "stimmt". Die ganze Silhouette (und dank der Pumps automatisch auch die Art, mich zu bewegen) wirkt auf den ersten Blick klar weiblich. Obwohl es meinen biologischen Körper konterkariert, ist das für mich keine "Verkleidung: ich zeige mich damit genau so, wie ich mich am wohlsten fühle. Es ist für mich einfach "stimmig" - genau so BIN ich. Nur auf der rein körperlichen Ebene verstecke ich da etwas; seelisch/psychisch zeige ich mich damit ganz offen und unverhüllt so, wie ich bin.
Mit meinem Kopf ist das leider anders: den konnte ich auch mit größter Bemühung noch nie wirklich auf weiblich trimmen; die naheliegenden Maßnahmen wie Perücke oder dicke Schminke empfinde ich zudem als Maske, als "Verkleidung", hinter der ich mich als Person verstecken würde: das bin ich NICHT - zumal ich selbst dann aus der Nähe immer noch überwiegend als "männlich" wahrgenommen werde. Ich habe es deshalb aufgegeben, ich bemühe mich gar nicht erst um ein spontanes, glaubhaftes "Passing" in dem Sinne, dass man mich komplett als "weiblich" identifiziert. Ich stehe zu meiner Halbglatze, zu den kantigen Zügen und der Bariton-Stimme: das bin ich nun mal auch. Irgendwie muß ich mich schließlich auch mit meinem Körper identifizieren, so, wie der nun mal ist, trotz des "falschen" Geschlechts - ich habe nur den. So begnüge ich mich damit, mein schütteres Greisenhaar im Rahmen des Möglichen auf "weiblich" zu trimmen, mich mit großen Ohranhängern zu schmücken und damit zu demonstrieren, dass ich mich selber gerade auch "zwischen den Ohren" als weiblich identifiziere, nicht nur körperlich.
Das optische Gesamtergebnis ist natürlich weit entfernt von dem, was wir traditionell unter einem "Passing" als Frau verstehen. Früher hätte man mich in diesem Outfit als "Tunte" bezeichnet - heute empfindet man es nur noch so, sagt es aber nicht mehr
Aufzufallen war noch nie mein Wunsch, im Gegenteil: ich habe mich mein Leben lang danach gesehnt, möglichst unspektakulär und selbstverständlich als der Mensch erkannt und behandelt zu werden, der ich bin - genauso selbstverständlich und unauffällig, wie "normale" Männer und Frauen im Alltag als solche erkannt und bestätigt werden. Gerade deshalb habe ich mich jahrzehntelang bemüht, meine weibliche Seite so weit wie möglich "unterschwellig", im Rahmen des "Erlaubten" zu zeigen: bloß nicht auffallen, bloß keinen Skandal
Bei meinem endgültigen Wechsel in die weibliche Rolle vor zwei Jahren war ich dann sehr überrascht davon - und bin seitdem sehr glücklich darüber -, dass mein Wunsch damit nun endlich in Erfüllung gegangen ist: ich falle nicht auf! Niemand glotzt mich an, niemand macht blöde Bemerkungen, die Leute sind mir gegenüber freundlich wie immer (oft als "Frau" sogar noch spürbar freundlicher und zuvorkommender als früher in der männlichen Rolle), man bezieht mich auch selbstverständlich in alles ein und grenzt mich nirgendwo aus. Alles ganz normal. So gesehen das perfekte "Passing".
Okay, zugegeben: genau genommen, ist das kein Passing als Frau, sondern als Tunte. Aber genau da hat in den letzten zwei Jahrzehnten der denkbar radikalste, öffentliche Sinneswandel stattgefunden: man darf heute ganz offen eine "Tunte" sein, das gilt nicht mehr als Perversion, es ist nichts Ehrenrühriges mehr. Ich falle damit nicht mal mehr auf. Ich bin's einfach, und es ist gut so.