Ich sitze jetzt schon ein paar Minuten und versuche irgendwie zu greifen, was mir an Petra Sofies Beitrag quer im Magen liegt. Vor allem, ohne polemisch zu werden. Ich bitte um Entschudligung, wenn mir das vielleicht nicht ganz gelingt im fogenden...
OK, ich denke es ist hauptsächlich die generelle Simplifizierung und beginnt bei den Beispielen. Weder die Amerikas als ganzes, noch die USA sind so einseitig, wie dargestellt, sondern unglaublich vielfältig. Nach meinen Erfahrungen "drüben" und mit realen Menschen von dort würde ich sogar sagen vielfältiger als hierzulande, wobei gerechterweise wegen der unterschiedlichen Lebensverhältnisse in Kalifornien vs. Minnesota, Texas vs. New York schon ganz EU-Europa vergleichen werden müsste.
Dass die Sache mit "Frauen an den Herd" noch nie so richtig gestimmt hat, vor allem nicht, je weiter es in der Zeit zurück geht, ist auch bekannt. Genauso wenig eine strenge binäre Genderwelt. Nicht mal hier wo wir wohnen. Jedenfalls nicht, bis bestimmte Auslegungen bronzezeitlicher Hirtenmythen aus dem östlichen Mittelmeer das hier eingeführt haben.
OK, vielleicht habe ich da Ironie übersehen oder es war ganz anders gemeint.
Aber die Simplifizierung steckt auch im Lösungsteil und Pauschalisierungen sind ja immer falsch, wie wir wissen. Nein, ich möchte keine einheitliche Bewegung mit einem alleinvertretenden Dachverband und Sprachrohr und alle anderen werden auf Linie gebracht bzw haben zu schweigen. Das ist nicht, wie Pluralismus und Demokratie funktionieren. Das läuft auf geschlossene Schlachtlinien und Anführer"¢innen mit wehendem trans Banner hinaus.
Wer fällt mir da zum Beispiel zum Thema Frauenrechte und Feminismus ein? Genau. "Die". Geliebt, gehasst, hatte ihre Zeit, ihre Erfolge - und sich in manchen Themen völlig verrannt. Einfach weil kein einzelner Mensch - und auch kein Verband - die ganze Bandbreite der Betroffenen vertreten oder auch nur verstehen kann. Und schon gar nicht in der nicht betroffenen Bevölkerung Akzeptanz schaffen.
Genauso wenig gibt es _die_ Allgemeinlösung für alles, sondern immer Ausgleich, Abwägung, Kompromisse. Muss es auch, denn jeder Sieg per Schlacht hinterlässt Besiegte, die Revanche wollen.
Keine einziger Fortschritt der mir bekannten Zeit wurde von solchen Alleinvertretungen erreicht, weil es immer um sehr kleinteilige Überzeugungsarbeit zum besseren geht. Um persönliches Beispiel und Engagement. Und auch die Bandbreite, obwohl sie widersprüchlich scheint.
Zur Ehe für (fast) alle haben zum Beispiel letztlich alle beigetragen. Die schrillen Auftritte auf CSDs und in den Medien, aber auch die Menschen, die sich in ihrem Umfeld aus der Deckung getraut haben. Auch die Promis wie Biolek, Wieben, Meisel, die ohne Aufhebens einfach als sympathische Mitmenschen sichtbar waren. Ich erwähne es noch mal: Wir haben seit 2009 kontinuierlich mindestens 1 offen homosexuelle Minister"¢in im Bundeskabinett (Brentano 55-61 lass ich als Episode mal aus).
Und das haben vor allem tausende, wenn nicht zehntausende Aktivistys erreicht, die immer wieder unermüdlich in Initiativen, Aktionsgruppen etc sogar in Dörfern und Kleinstädten auf lokale Politik einwirken. Das war nicht immer konform zum LSVD oder zu
Schwusos und
LSU. Die haben alle unterschiedliche, aber für ihre Mitgliedys valide Anliegen. Nur so war zur Zeit der Abstimmung im Bundestag bereits eine 75%ige Zustimmung in der Bevölkerung vorhanden.
Gleiches liesse sich für andere Themen zeigen.
Ich verstehe den Wunsch nach einer -äh- "zentralen Führung der Bewegung", schon aus der Frustration heraus, dass sich scheinbar nichts bewegt. Dem ist aber eigentlich gar nicht so. Die meisten von uns kriegen das nur nicht mit. Tatsächlich gibt es sehr viel Vernetzung und interne Diskussionen, aus denen sich durch Vielfalt der Perspektiven sinnhafte Vorschläge herausbilden.
Die inhaltlich fast identischen Anträge von Grünen und FDP zeigen das zum Beispiel. Es gibt auch in den C-Parteien Allys, die auch Dinge bewirken. Die wären aber bei einer "Zentralbewegung Trans" ganz schnell weg vom Fenster.
Letzter Punkt: Nein, wir brauchen nicht erst fertig ausdiskutierte, perfekte Lösungen oder eine Art inner-trans Einigkeit, wie zum Beispiel Dinge im Sport geregelt werden. Das durchzuziehen wäre eine jahrzehnte lange Verzögerungstaktik - so wird es ja auch immer wieder von aussen benutzt - und wäre auch gar nicht möglich, weil selbst bundesweit geregelte trans-inklusive Teams dann bei internationalen Wettbewerben nicht antreten könnten.
Egal was auf welcher Ebene vorgeschlagen wird, werden immer Gegenargumente kommen. Teils begründet, teils nicht, teils berechtigt, teils irrational, teil die altbekannten, teils neue, die bisher nicht aufgefallen waren. Soweit ich gesellschaftlichen Fortschritt begriffen habe, bewusst so ca. seit Beginn der 1980er, aber "die 68er" waren da auch erfolgreich, hilft nur erhöhte Sicht- und Hörbarkeit, interne Weiterbildung, Argumentation lernen und verbreiten. Und zwar alltäglich, im eigenen Umfeld. In Familie, Job, Gemeinde, Freundykreis, Verein, Partei, usw. Mund aufmachen, Meinung sagen, Standpunkt und Ansprüche vertreten, dem Unfug und der Ausgrenzung widersprechen. Diese leider sehr kleinteilige Arbeit lässt sich weder vom Umfang her, noch taktisch oder strategisch auf eine Zentralinstitution abwälzen.
Es ist aber jedx frei darin, sich bei existierenden Organisationen zu engagieren. Nur wenn eine davon meint, sie habe das Patentrezept für alle, disqualifiziert sie sich automatisch.