Nobbi56 hat geschrieben: Do 18. Okt 2018, 20:24
und aus dem Bewusstsein verdrängen möchte. Auf der anderen - der rationalen - Seite erscheint es doch unbefriedigend, dass so eine Straftat ganz ohne Konsequenzen bleiben soll.
Das ist leider so. Mir wurde einmal im Büro aus meiner Jackentasche mein Geldbeutel gestohlen. Ich habe keine Ahnung, wer das war, da wir neben den Mitarbeitern auch Studenten, Putzpersonal und gelegentlich auch Externe im Haus haben. Aber ich nehme an, der oder die Täter wussten, wo sie suchen mussten und da ich an diesem Nachmittag für 2 Stunden in einer Besprechung war, kann man Insiderwissen vermuten. Das Schlimme war aber nicht der materielle Verlust, sondern der Vertrauensverlust. Ich konnte für lange Zeit nicht mehr im Büro sein ohne an diesen Vorgang zu denken und habe mich ständig gefragt, wer das wohl gewesen sein könnte. Auch wenn es äußerlich nicht dramatisch ist, was in einem passiert, ist es schon, da das Vertrauen für mich eine wesentliche Basis eines menschenwürdigen Lebens ist.
Letztlich habe ich mich erst dann wieder auf ein "normales" Büroleben einlassen können als ich bewusst beschlossen habe, die Dinge auf sich beruhen zu lassen. Es ist mir egal, wer das war. Ich lasse mich auf das Risiko ein, dass es nochmal passiert. Für mich ist es wichtig, dass ich mich von solchen Dingen nicht wesentlich beeinflussen lasse und deshalb Einbußen in meiner Lebensqualität hinnehmen muss.
Ich tue solchen Menschen nicht den Gefallen und lasse mir mein Leben versauen.
Verdrängen bedeutet mMn nichts anderes, als die Dinge im Hintergrund wirken zu lassen. Ich habe nichts davon, ob diese Straftat Konsequenzen für den Täter hat oder nicht. Für mein Seelenleben sind andere Dinge wichtig. Ich bin mir noch nicht einmal sicher, ob Sühne oder Vergeltung für die Gemeinschaft hilfreich ist. Denn was ist eine Gemeinschaft wert, die nur durch Sanktionen funktioniert ? Es wäre eine angstbasierte Gemeinschaft und das ist aus meiner Sicht suboptimal. Ist denn die Sanktion nicht auch eine Form der Gewalt gegenüber dem Täter ? Macht sie sich denn dadurch nicht auch "schuldig". Wer definiert denn, dass die Reaktion angemessen ist ? Es sind die Regeln der Gemeinschaft. In unserem Kulturkreis sagen wir, dass das Handabhacken für einen Dieb nicht in Ordnung ist. Aber ist das Einsperren nicht das gleiche auf einer anderen Ebene ? Welche Reaktion wäre denn richtig in Steffis Fall ? Ich denke, die Meinungen dürften hier weit auseinander gehen und auch die Hautfarbe dürfte eine wichtige Rolle spielen. Aber was wäre hier Gerechtigkeit ?
Klar, meine Gedanken sind utopisch. Aber sich die Dinge einmal unvoreingenommen durch den Kopf gehen zu lassen, ist jenseits der ersten Reflexe meiner Ansicht nach wertvoll. Was würde ich an Steffis Stelle tun, wenn man mir den Täter, der mich geschlagen hat, vor mich stellen würde und die Gelegenheit hätte, alles mit diesem Menschen zu tun, was ich will ? Was wäre für mein Innenleben das beste ?