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Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Verfasst: Fr 26. Jul 2019, 03:03
von Karla
Liebe Michaela,
gibt es da noch was zu überlegen?
a) großes Los - besser geht nich! (Neid!)
b) die derzeitigen Temperaturen schreien nach Rock - ich hab das zum Umsteigen genutzt und bisher nur positive Kommentare erhalten -
über ein paar irritierte Blicke muß frau halt hinwegsehen.
Michaela_mit_a hat geschrieben: Mo 22. Jul 2019, 15:54 Heute kam ein Freund und Kollege auf mich zu und bot an, dass er gern seie Tochter mal fragen könnte, ob sie Lust hätte mir Tipps und Tricks zum Make-up beizubringen.
Sie ist sehr talentiert und möchte Make-up Artist werden und ist in der LGBT-Szene unterwegs. Eigentlich perfekt :-)

Am Wochenende geht es zur nächsten Therapiesitzung und ich überlege tatsächlich nicht in meinem männlichen Kostüm zu erscheinen ... mal sehen :-)
LG, Michaela
LG Elly

Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Verfasst: Mo 29. Jul 2019, 11:03
von Michaela_mit_a
Ich habe natürlich das Angebot für die Schminktipps angenommen :-)
Jetzt schauen wir nach einem Termin und gucken, wozu sie Lust hat (Full face, Augen, Haare, etc.).
Ich bin echt gespannt, wie das wird und auf die Ergebnisse :-)

Am Freitag war ich das erste Mal als Michaela bei meiner Therapeutin. Ich hatte zuvor den Eindruck, dass ich ihr einfach einmal zeigen muss, wie ich den halben Tag so aussehe ;-)
Sie war sehr positiv überrascht. Nicht nur von meiner Erscheinung, sonder auch von meiner Entwicklung der letzten Monate und besonders Wochen.

Wir haben nun abgesprochen, dass ich mir einen Termin beim Endokrinologen besorge, um die nächsten Schritte Richtung Hormontherapie zu gehen.
Ich kann es kaum erwarten, auch wenn noch viele zeitliche Fragezeichen im Raum stehen.
Sollte es tatsächlich noch vor Weihnachten starten, feiere ich einen zweiten Geburtstag ;-)

Meine beiden Töchter waren das erste Mal bei mir zu Besuch und wir hatten ein tolles Wochenende.
Noch (fast) ganz als Papa, aber mit ersten Anzeichen in der Wohnung verteilt, da ich mir fest vorgenommen habe, nichts zu verstecken.
So steht eben Make-up im Bad, Schuhe im Schuhschrank, die Handtasche an der Garderobe, etc. und beide finden die Sachen chic.

Meine Augustliste der persönlichen Ziele wird immer länger und die Wahrscheinlichkeit diese auch abzuhaken steigt von Tag zu Tag.
Es geht mir gerade sehr gut :-)
Liebe Grüße, Michaela

Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Verfasst: Mo 29. Jul 2019, 13:14
von Michaela_mit_a
Nachtrag: Ich habe gerade meine Terminbestätigung für den Endokrinologen bekommen! Ende August geht es zum Ersttermin!
Infos darüber, was mich erwartet, gern in die Antworten :-)
LG

Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Verfasst: Di 30. Jul 2019, 11:26
von ChristinaF
Freu mich mit dir und alles Gute auf deinem Weg. (he)
Liebe Grüße
Christina

Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Verfasst: Di 30. Jul 2019, 14:52
von Engelchen
Michaela_mit_a hat geschrieben: Mo 29. Jul 2019, 13:14 Nachtrag: Ich habe gerade meine Terminbestätigung für den Endokrinologen bekommen! Ende August geht es zum Ersttermin!
Infos darüber, was mich erwartet, gern in die Antworten :-)
LG
Also wenn du Bestätigung deiner Diagnose dabei hast heißt es Blutabnehmen und eine allgemeine Abfrage deiner Gesundheit.
Danach heißt es warten ca. 1 Woche bis Ergebnisse da sind.
Danach entscheidet sich welche Medikamente in welcher Dosierung verabreicht werden.
Danach erste Kontrolle nsch weiteren drei Monaten.

LISA - der helle Wahnsinn

Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Verfasst: Di 30. Jul 2019, 17:07
von Lavendellöwin
Michaela_mit_a hat geschrieben: Mo 29. Jul 2019, 13:14 Nachtrag: Ich habe gerade meine Terminbestätigung für den Endokrinologen bekommen! Ende August geht es zum Ersttermin!
Infos darüber, was mich erwartet, gern in die Antworten :-)
LG

Hi..

manche Endos wollen auch ganz gerne einen Befund vom Urologen bevor sie das Rezept
dann ausstellen-frag vielleicht noch nach, ob das deine/r auch möchte...

manchmal dauern die Befunde der humangenetischen Tests länger, wenn dieser gemacht wird.

Ich hab 5 Ampullen Blut beim Ersttermin da gelassen-für was alles kann ich nicht mal sagen. :P

Mein Endo ist ein ganz Lieber und nimmt sich jedesmal viel Zeit-er hat mich sogar schon mal
abends zur Befundbesprechung angerufen...er weiss aber auch, das ich furchtbar neugierig bin..

Alles Liebe Marie (flo)

Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Verfasst: Mi 31. Jul 2019, 15:53
von Michaela_mit_a
Danke für eure Infos.
Meine bisherigen Informationen aus der Endokrinologenpraxis sind recht spartanisch:
Wenn ich bis dahin schon mein Indikationsschreiben habe, soll ich es mitbringen, was wahrscheinlich nicht der Fall sein wird. Sonst nur die Versichertenkarte.

Wenn es nur Blut abnehmen ist, dann kann ich mich darauf schonmal einstellen.
Ist ganz interessant, ob man sich z.B. "obenrum freimachen" muss, z.B. zum Abhorchen, Abtasten etc.
Das hätte dann wahrscheinlich Einfluss auf meine Kleiderwahl :-)
Scheint aber nach euren Schilderungen nicht der Fall zu sein.
Liebe Grüße, Michaela

Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Verfasst: Mi 31. Jul 2019, 16:19
von ChristinaF
Dein Outfit für den oder die Arztbesuche bestimmst du allein. Und da du nunmal als Frau leben wirst, spricht doch nichts dagegen sich dementsprechend anzuziehen. Also "normale" Kleidung, die Frauen auch tragen, wenn sie zu ihrem Arzt gehen. Und, dass frau nunmal dementsprechende Wäsche trägt, ist doch normal und wird keinesfalls zu irgendwelchen Fragen führen.
Fühl dich wohl dabei und genieße es.
Liebe Grüße
Christina

Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Verfasst: Mi 31. Jul 2019, 16:38
von Lavendellöwin
Michaela_mit_a hat geschrieben: Mi 31. Jul 2019, 15:53 Ist ganz interessant, ob man sich z.B. "obenrum freimachen" muss, z.B. zum Abhorchen, Abtasten etc.
Hi Michaela,

naja...endo heisst innen, ich glaube die wenigsten Endos starten eine äusserliche
Beschau-ist einfach nicht deren Baustelle... :lol:

aber selbst wenn, natürlich trage ich die Sachen die ich immer trage, was auch
die entsprechende Wäsche einschliesst-bei egal welchen Arztbesuchen.
Da ich zu allen meinen Arztpersonen ein offenes Verhältnis pflege dürfen sie
sehen was passiert und was sich entwickelt..

aber offen gestanden ist es inzwischen so, das ich mich eher lieber vor
anderen Frauen als vor Männern ausziehe..

Alles Liebe Marie

Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Verfasst: Mi 7. Aug 2019, 16:24
von Michaela_mit_a
Auf jeden Fall werde ich als Frau dort auch als Frau gekleidet erscheinen ;-)
Nur wäre es mir tatsächlich auch unangenehm mich ausziehen zu müssen (was ja hier nicht der Fall ist).
Da fehlt mir noch mehr von meinem persönlichen weiblichen Selbstvertrauen.

Zur Zeit läuft eine persönliche Versuchsreihe bei mir: Laufen in schwarz/beere (dunkles pink) und laufen in schwarz/blau.
Bisher 4:1 männliche Reaktionen. Es scheint also entscheidend zu sein, welche Farbe schneller zur Figur als weiblich erkannt/zugeordnet wird 8)

Auch ganz drollig: Ich habe für meine Frau das Auto über den Kofferraum mit sperrigen Dingen beladen, als ich unsere Nachbarin hinter mir von der anderen Straßenseite nach meiner Frau rufen hörte.
Ich realisierte erst nach dem vierten Mal rufen, dass sie mich meinte :lol:

Liebe Grüße,
Michaela

Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Verfasst: Mi 7. Aug 2019, 16:27
von Anne-Mette
Moin,
Michaela_mit_a hat geschrieben: Mi 7. Aug 2019, 16:24 Ich realisierte erst nach dem vierten Mal rufen, dass sie mich meinte
Wenn "Frau G......" angesprochen/aufgefordert wurde und wir waren zusammen anwesend, haben wir oftmals gefragt: "welche?" (smili)

Gruß
Anne-Mette

Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Verfasst: Mi 21. Aug 2019, 13:35
von Michaela_mit_a
Es sind schon wieder zwei Wochen vergangen und der Alltag schleicht sich wieder ein.
Ein anderer als noch vor ein paar Monaten, aber es wird ein Alltag.
In der Woche: Aufstehen, Arbeitsverkleidung an, arbeiten, nach Hause kommen, umziehen und ich sein.

Ich habe mich das ersten Mal mit einer Frau zum Frühstück in einem Café getroffen, die mich nur als transidente Persönlichkeit kennt.
Sehr angenehm und hoffentlich entwickelt sich daraus eine bleibende Freundschaft.

Dann hatte ich noch mein "Make-up-Day", welcher sehr lehrreich war und mir gezeigt hat, dass ich noch eine Meeeeeenge Übung brauche :-)
Es ist eines sich Make-up aufzutragen, es ist aber etwas anderes es gut und passend zu tun ;-)
Insgesamt haben wir acht(!) Stunden zusammengesessen, eingekauft, gegessen und natürlich gequatscht und geübt.
Ganz klasse! Und das trotz fast 30 Jahre Altersunterschied. Fortsetzung folgt auf jeden Fall :-)

Jetzt steht mein Endokrinologentermin an. Bin so gespannt ...
Ganz liebe Grüße, Michaela

Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Verfasst: Mi 21. Aug 2019, 16:14
von Engelchen
Michaela_mit_a hat geschrieben: Mi 21. Aug 2019, 13:35 Dann hatte ich noch mein "Make-up-Day", welcher sehr lehrreich war und mir gezeigt hat, dass ich noch eine Meeeeeenge Übung brauche
Es ist eines sich Make-up aufzutragen, es ist aber etwas anderes es gut und passend zu tun
Insgesamt haben wir acht(!) Stunden zusammengesessen, eingekauft, gegessen und natürlich gequatscht und geübt.
Ganz klasse! Und das trotz fast 30 Jahre Altersunterschied. Fortsetzung folgt auf jeden Fall
Hach wie beneide ich dich um deine "Stylistin" - das fehlt mir so total.
Und genieße einfach den Weg den du eingeschlagen hast.
Er wird noch um einiges besser wenn dein "Coming-Out" komplett vollzogen ist.

Liebe Grüße
Lisa

Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Verfasst: Fr 23. Aug 2019, 11:48
von Michaela_mit_a
Mein Endokrinologentermin habe ich nun hinter mir und es war gar nicht so schlimm, wie befürchtet :-)

Natürlich war es schon ein mulmiges Gefühl, das erste Mal in der Praxis als Michaela aufzutauchen.
Stadionbeleuchtung, dutzende Patienten, musternde Blicke = gruselig ;-)
Das Praxisteam war sehr nett und äußerst zuvorkommend.
Es wurde vorab am Telefon und auch vor Ort noch einmal gefragt, wie ich angesprochen werden möchte, ob es einen Namen gibt, den sie schon einmal eintragen sollen etc.
Aufgerufen wurde ich als "Frau ..." und als die Praktikantin den "Herrn ..." aufgerufen hat, weil sie nicht wusste, dass sie auf den Vermerk auf der Patientenkarte achten sollte, kamen zwei Helferinnen zu mir um sich zu entschuldigen.
"Alles gut, alles kein Problem." sagte ich, man bedankte sich für meine Gelassenheit und würde sich freuen, wenn jede/r das so entspannt sehen würde. (Kleiner Appell an die Mitlesenden :-) ).

Das Arztgespräch verlief ebenfalls angenehm. Es wurde zur Kenntnis genommen, dass ich gut vorbereitet war, die Aus- und Nebenwirkungen schon sehr gut einschätzen kann und das ich einen gefestigten und reflektierten Eindruck mache. Sehr gut :-)
Nachdem wir über Erwartungen, Wünsche, Risiken, Variationen und groben Ablauf der Hormontherapie sprachen, gingen wir noch kurz auf Genitalien, GaOP und Orchiektomie ein.
Alles ganz unverbindlich, wohl wissend, dass besonders in diesem frühen Stadium nichts in Stein gemeißelt ist.
Mit einem guten Gefühl, dass hier offensichtlich nach Bedürfnissen der Patienten behandelt wird und man sich keinen Gedanken verschließt, ging es zur Blutabnahme.
Blutwerte, Chromosomanalyse und Gerinnungswerte sollten bestimmt werden.

Hier habe ich das erste Mal überhaupt eine negative Reaktion auf "mich" bekommen.
Ich schaute mich im Wartezimmer um und bekam von einer anwesenden Frau in den 30ern einen abfälligen Blick.
Natürlich war genau neben ihr auf der Bank der einzige freie Platz im Raum :-(
Als ich mich setzte rutschte sie demonstrativ von mir weg und presste sich an die Wand neben ihr.
Ich ließ mir nichts anmerken, war aber dennoch etwas geknickt und verunsichert.
Ja, das wird nicht das einzige und letzte Mal gewesen sein, aber mein erstes und das war nicht so schön.

Die Blutabnahme war super. Ich habe nicht einmal den Stich gemerkt und auch der obligatorische blaue Fleck in der Armbeuge blieb aus. Top! Habe ich auch gleich als Lob dort gelassen :-)
Nun warte ich auf die Ergebnisse, aber im Gespräch zuvor klang es schon so, dass wenn nicht etwas Unvorhergesehenes bei der Blutuntersuchung herauskommt, steht nur noch das Indikationsschreiben meiner Therapeutin aus :-D

Was das angeht, gehe ich von einem halben Jahr therapeutischer Begleitung aus, die meine Ärztin abwarten möchte.
Auch wenn ich natürlich gern schon vor zwei Jahren mit der HET begonnen hätte, ist das für mich OK (weil absehbar).
Um nichts zu überstürzen, der Krankenkasse keinen Anlass zu geben sich zu beschweren, Sicherheit für mich und meine Therapeutin ...
Wenn das so klappt, dann wäre das auch schon im Oktober :-D
Ich bin soooooo gespannt!
Liebe Grüße, Michaela

Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Verfasst: Fr 23. Aug 2019, 11:53
von Anne-Mette
Moin,
Michaela_mit_a hat geschrieben: Fr 23. Aug 2019, 11:48 Ich ließ mir nichts anmerken, war aber dennoch etwas geknickt und verunsichert.
"... bin nicht ansteckend" ist Dir nicht eingefallen? (moin) )))(:

Gruß
Anne-Mette