Soll mir recht sein. Ein bisschen angewandte Erkenntnistheorie kann nicht schaden. Solange wir noch verstehen, was wir sagen.
Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest? - # 5
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Noa
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?
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Tanja Stöckel
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?
Hallo Mädels,
dann füge ich auch noch mal meinen Senf hinzu. Zum einen, macht sich mein geschlechtliches Empfinden an mehreren Sachen fest. Das Einfachste ist das geistige Empfinden, da braucht man nur in sich hineinzuhorchen und nach mehr oder weniger langem Grübeln über sich und den Sinn des Lebens, habe ich für mich dann festgestellt, dass mein geistiges Empfinden eindeutig weiblich ist.
Jetzt passt aber leider hierzu nicht das körperliche Empfinden. Wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich da nicht die Frau, die ich eigentlich sehen möchte, sondern einen Typen, mit diversen typisch männlichen Attributen und Geschlechtsteilen - iiih bahhh! Um das zu ändern, braucht es eine Konsequenz, die medizinisch nur näherungsweise umzusetzen ist und viele Einschnitte nicht nur im Körper, sondern auch im sozialen und beruflichen Leben fordert.
Kommen wir nun zum dritten, aber leichter zu erreichenden Ziel, nämlich optisch für sich und Andere als Frau zu erscheinen und auch so wahrgenommen zu werden. Der Weg scheint zwar schwierig, aber dennoch mit etwas Übung und je nach der Stärke des maskulinen Erscheinungsbildes, mal einfacher und mal schwieriger umzusetzen zu sein.
Ich versuche momentan Teil eins und drei zu leben und fühle mich, wenn ich so sein kann, auch in diesen Momenten ganz in Ordnung, aber irgendwie kreisen meine Gedanken natürlich auch immer um Teil zwei, aber da spricht leider mein Umfeld gegen ohne eigentlich zu sprechen, denn die wissen nichts von Tanja, außer ein wenig meine, Frau, die allerdings den Umfang nicht erfasst, was es für mich bedeutet.
So, jetzt will ich hier auch nicht weiter rumsülzen und euch langweilen, im Grunde wird es den meisten je nach dem, ob ihr euch mehr als Transfrau oder als Crossdresser versteht, ähnlich gehen.
Alles Liebe und eine schöne Vorweihnachtszeit, eure Tanja

dann füge ich auch noch mal meinen Senf hinzu. Zum einen, macht sich mein geschlechtliches Empfinden an mehreren Sachen fest. Das Einfachste ist das geistige Empfinden, da braucht man nur in sich hineinzuhorchen und nach mehr oder weniger langem Grübeln über sich und den Sinn des Lebens, habe ich für mich dann festgestellt, dass mein geistiges Empfinden eindeutig weiblich ist.
Jetzt passt aber leider hierzu nicht das körperliche Empfinden. Wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich da nicht die Frau, die ich eigentlich sehen möchte, sondern einen Typen, mit diversen typisch männlichen Attributen und Geschlechtsteilen - iiih bahhh! Um das zu ändern, braucht es eine Konsequenz, die medizinisch nur näherungsweise umzusetzen ist und viele Einschnitte nicht nur im Körper, sondern auch im sozialen und beruflichen Leben fordert.
Kommen wir nun zum dritten, aber leichter zu erreichenden Ziel, nämlich optisch für sich und Andere als Frau zu erscheinen und auch so wahrgenommen zu werden. Der Weg scheint zwar schwierig, aber dennoch mit etwas Übung und je nach der Stärke des maskulinen Erscheinungsbildes, mal einfacher und mal schwieriger umzusetzen zu sein.
Ich versuche momentan Teil eins und drei zu leben und fühle mich, wenn ich so sein kann, auch in diesen Momenten ganz in Ordnung, aber irgendwie kreisen meine Gedanken natürlich auch immer um Teil zwei, aber da spricht leider mein Umfeld gegen ohne eigentlich zu sprechen, denn die wissen nichts von Tanja, außer ein wenig meine, Frau, die allerdings den Umfang nicht erfasst, was es für mich bedeutet.
So, jetzt will ich hier auch nicht weiter rumsülzen und euch langweilen, im Grunde wird es den meisten je nach dem, ob ihr euch mehr als Transfrau oder als Crossdresser versteht, ähnlich gehen.
Alles Liebe und eine schöne Vorweihnachtszeit, eure Tanja
Ich war schon immer eine Frau, nur niemand konnte mich wirklich sehen.
Jetzt wird es Zeit, dass alle die Frau sehen, damit ich mich erkennen kann und so sein kann wie ich bin.
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Wally
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?
Sehr schön ausgedrückt, danke!Vicky_Rose hat geschrieben: Di 13. Dez 2022, 07:52 Ich gebe meiner inneren Wahrheit ein äußeres Bild. Damit bin ich mit mir kongruent. Nicht mein Körper definiert mich, sondern ich beschreibe mich über meinen Körper. Die Brücke dazwischen ist der "Gummihandeffekt". Er erlaubt, dass ich das, was ich im Spiegel zu sehen glaube, auch bin.
Aber warum neige ich dazu, meinen Körper genau SO zu definieren? Warum identifiziere ich mich ausgerechnet mit großen Brüsten und breiten Hüften, was für die meisten Männer eine Horrorvorstellung wäre - warum nicht stattdessen mit einem doppelt so langen und dicken Phallus, was für mich eine Horrorvorstellung wäre (obwohl der bei mir Gottseidank so klein ist, dass das wiederum für die meisten Männer eine Horrorvorstellung wäre
Diese "seltsame" Tendenz ist nicht zufällig so. Ich kann sie weder frei wählen noch wechseln; ich erlebe sie seit meiner Kindheit als eine der robustesten, hartnäckigsten, sich gegen alle Widerstände immer wieder durchsetzenden Konstanten in meinem Leben. Weder die konservative Erziehung meiner Eltern, noch die männliche Sozialisation in der Jugend, noch eine jahrelange Psychotherapie konnten daran irgend etwas ändern; ich konnte das letztlich nur als meine eigene, unveränderliche, tiefere Natur akzeptieren, um nicht daran zugrunde zu gehen.
Natürlich kann ich theoretisch an allen Marionettenfäden meines Körpers ziehen. Ich könnte das Gummihand-Experiment auch mit einem dicken Prügel in der Hose machen, vermutlich würde das sogar funktionieren. Aber warum kann ich das nicht wollen, warum empfinde ich einen massiven Widerwillen dagegen - während mir gleichzeitig dasselbe Experiment mit Brüsten und Hüften ein so tief sitzendes Bedürfnis ist, dass ich nun schon seit zwei Jahren gar nicht mehr ohne aus dem Haus gehe?
Unser Wille ist nicht wirklich frei, unsere eigene Natur setzt ihm Grenzen. Gerade das Wort "Widerwille" bezeichnet eine solche Grenze: ein Gefühl, das unseren Willen eingrenzt. Wir können die Gefühle, die über unsere Motivationen letztlich unseren Willen steuern, nicht frei wählen, wir sind ihnen ausgeliefert. Wir können sie allenfalls ignorieren und übergehen; in einzelnen Situationen mag das auch richtig und notwendig sein. Wenn wir das aber dauernd tun, als Grundhaltung, dann machen wir uns damit unweigerlich selber kaputt.
Herzliche Grüße
Wally
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Noa
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Re: Geschlechtliches Empfinden: Woran macht ihr es fest?
Die eigene, unveränderliche, tiefere Natur - das weckt die Vorstellung von dem, was du in den Posts oben über das Körper-Sollbild gesagt hast (aber hier nicht sagst): Es sei schon vor der Geburt da, du kommst damit auf die Welt.Wally hat geschrieben: Di 13. Dez 2022, 18:55 Diese "seltsame" Tendenz ist nicht zufällig so. Ich kann sie weder frei wählen noch wechseln; ich erlebe sie seit meiner Kindheit als eine der robustesten, hartnäckigsten, sich gegen alle Widerstände immer wieder durchsetzenden Konstanten in meinem Leben. Weder die konservative Erziehung meiner Eltern, noch die männliche Sozialisation in der Jugend, noch eine jahrelange Psychotherapie konnten daran irgend etwas ändern; ich konnte das letztlich nur als meine eigene, unveränderliche, tiefere Natur akzeptieren, um nicht daran zugrunde zu gehen.
Was du beschreibst, lässt sich auch ohne diese Annahme denken. Auch wenn du nicht mit diesem Körperbild auf die Welt gekommen bist, sondern wenn es erst mit dir entstanden und gewachsen ist, vielleicht über Jahre hinweg, auch dann ist es irgendwann so fest und so hartnäckig, dass du es nur als deine eigene, unveränderliche, tiefere Natur akzeptieren kannst.
Wir unterschätzen leicht, wie stark sich psychische Strukturen verfestigen können. Wahrscheinlich können sie im Einzelfall härter werden als genetische Fakten. Ich sehe kein Problem darin, sie dann auch als die eigene Natur zu betrachten, die wir zeitlebens nicht loswerden.
Wie genau diese psychischen Strukturen denn entstanden sind, ist eine Frage, die wir nicht wirklich beantworten können. Schon gar nicht für eine individuelle Lebensgeschichte. Aber da wiederhole ich mich.