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Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?

Verfasst: Sa 17. Sep 2022, 10:48
von Susi T
Natürlich 100%ige Zustimmung. Wir sind alle unterschiedlich und es ist doch immer toll, wenn Lösungen gefunden werden die Glücklich machen.
Für mich war die Entscheidung für eine HRT 100%ig richtig, aber das muss nicht für andere genauso sein. PM mit Bockshornklee, Reishi und Rotklee war vorher auch schon gut und hat gereicht um Stoffwechsel Richtung Weiblich zu drehen. Da hab ich aber auch nichts anderes gemacht wie heute, in mich reinhorchen und schauen was mir gut tut.
Immer besser als mit Gewalt irgend was machen, nur weil andere das so machen, oder weil man unbedingt will.

Vielen Dank an den tollen Chat gestern Abend, hat sehr gut getan einfach Mal zu quatschen, auch über so heikle Dinge.
Hab zwar fast die ganze Nacht geflennt, aber das hatte mehr mit meiner älteren Schwester zu tun. Die hätte nicht eine Sekunde gezögert und war bereit den Preis zu zahlen, als Mädchen trotz Abtreibungspille geboren zu werden. 2 Tage hat sie auf dieser Welt verbracht, bevor die gehen musste und wird immer in meinem Herzen bleiben, auch wenn ich sie , die ich 10 Monate jünger bin, nur auf dem Friedhof besuchen konnte.
Ich bin einen anderen Weg gegangen, ich bin halt nicht sie, auch wenn ich oft versucht habe sie würdig zu vertreten. Ich sah halt auch wirklich süß in ihren Babysachen aus und die Betreuung der jüngsten hab ich glaub ich auch ganz gut hinbekommen incl. Mutterrolle für ein Neugeborenes. Irgendwie hab ich ihr halt schon viel zu verdanken... Auch wenn es soviel Jahre gedauert hat, bis ich aufgehört habe mich zu verstecken.
Liebe Grüße Tira (flo)

Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?

Verfasst: So 18. Sep 2022, 00:50
von Claudia-67
Hallo,
Es muss jeder selbst entscheiden was gewünscht ist. Seit sehr langer Zeit ist mir bewusst, dass das Ding unten weg muss. Was dann kommt, also große oder kleine Lösung ist in den letzten Jahren immer klarer geworden. Es wird die große Lösung. Wenn man einen so großen "Umbau " seines Körpers macht, sollte nach meiner Meinung das auch eine gute Lösung sein.
Ich kenne genug Transfrauen und die haben das alle überstanden. Klar, das ist kein Spaziergang, aber machbar. Eine Freundin ist im nächsten Monat soweit. Da werde ich das relativ gut mitbekommen, inklusive Fotos.

Nächste Woche geht mein Antrag auf Kostenübernahme raus. Ob es bei Heß oder bei Morath&Schöll wird, ist noch zu klären, aber tendenziell eher Morath&Schöll. Geht schneller. Frau will halt fertig werden. Ich bin fast 55 Jahre alt.

Liebe Grüße
Claudia

Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?

Verfasst: So 18. Sep 2022, 07:16
von Annette
Claudia-67 hat geschrieben: So 18. Sep 2022, 00:50 Ich kenne genug Transfrauen und die haben das alle überstanden. Klar, das ist kein Spaziergang, aber machbar.
Sehr gut machbar! Ich bin Ende Juni operiert worden, alles ganz gut verlaufen, nicht die geringste Komplikation! Meine Einstellung zur OP war immer: dauert nicht mehr als eine gefühlte Sekunde, Augen zu,... Augen auf,... fertig! Was ich direkt danach empfunden habe, war dieses unbeschreibliche Glücksgefühl, diese schlagartige Verbesserung meiner Lebensqualität! Ich reite immer noch auf einer Welle der Euphorie, bin glücklich wie nie zuvor.

Die wenigen Schmerzen kurz nach dem Eingriff sind gut zu behandeln, da spürte ich fast nichts. Danach fühlte sich der Wundbereich eine Zeit lang etwas "unbequem" an, ich spürte halt dass da etwas "Grösseres" gemacht wurde. Und diese "kleinen Nachteile" meiner OP waren NICHTS im Vergleich zu dem was ich all die Jahre zuvor durchgemacht habe! Es hat sich gelohnt! Und wie!

Die OP war mit Abstand das Beste, das ich je in meinem Leben gemacht habe. Der Klinikaufenthalt war, emotional betrachtet, die schönste Zeit meines gesamten Lebens gewesen. Mein Leben ist schön geworden! Ich geniesse es an jedem einzelnen Tag!

Dir, liebe Claudia (ist übrigens mein zweiter Vorname), wünsche ich Alles Gute für deine kommende Zeit.

Annette Claudia Simone

Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?

Verfasst: So 18. Sep 2022, 11:36
von Céline
Hallo,
Kleine Lösung? Große Lösung?
Eine individuelle Entscheidung die jeder für sich selbst entscheiden muss und sich nicht durch andere beeinflussen lassen darf. Und man sollte lieber länger darüber abwägen da diese Entscheidung nie!!!!! wieder rückgängig gemacht werden kann und riesige Auswirkungen auf die eigene Zukunft hat.
Für mich war es anfangs nicht sicher die OP zu machen da ich zum Schluss hin irgendwie angefangen habe mein Geschlechtsteil zu akzeptieren. Körperlich war er da aber in meinem Kopf hab ich immer ein weibliches Genital berrührt. Ein Kriterium war aber das ich endlich wieder Sexualtät erleben und spüren wollte und brauchte. Zudem hat sich meine Ausrichtung auch noch geändert und Männer als Sexualpartner jetzt dazu gehörten.
Ich muss aber auch ehrlich sein das ich selbst die OP unterschätzt habe und lange sehr große Schmerzen gehabt habe und selbst nach der OP zuhause sehr oft stundenlang weinend im Bett gelegen habe. Außerdem hatte ich und ich schreibe das hier ganz offen mehrere Analvenentrombosen die unglaublich schmerzhaft waren. Natürlich bin ich eine von wenigen die solche Komplikationen hatten aber ich bin der Meinung das es wichtig ist darüber zu berichten. Ein solcher Schritt sollte nie blauäugig gegangen werden.
Und trotzdem bin ich heute überglücklich diesen Weg auf mich genommen zu haben und würde es jederzeit wieder machen. Aber zu der eingangs gestellten Frage Große oder kleine Lösung? Ich denke hier sollte man nicht kurzfristig denken sondern langfristig.
Drum lass dir Zeit mit dieser Entscheidung. Lass dich nicht drängen und wäge alle Möglichkeiten ab. Ich wünsche dir alles gute und drücke dir die Daumen.
Liebe Grüße
Céline

Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?

Verfasst: So 18. Sep 2022, 11:55
von Tatjana_59
Céline hat geschrieben: So 18. Sep 2022, 11:36 Hallo,
Kleine Lösung? Große Lösung?
Eine individuelle Entscheidung die jeder für sich selbst entscheiden muss und sich nicht durch andere beeinflussen lassen darf. Und man sollte lieber länger darüber abwägen da diese Entscheidung nie!!!!! wieder rückgängig gemacht werden kann und riesige Auswirkungen auf die eigene Zukunft hat.

Céline
Hi Céline,

Du hast recht damit dass man sich von nichts und niemandem beeinflussen lassen darf in der Entscheidung.
Rückgängig machen kann man weder die kleine noch die große Lösung.
Allerdings kann man nach der Lösung Vaginoid tatsächlich später die große OP machen lassen um tiefe zu erlangen, dieses ist allerdings um vieles aufwendiger.
Soweit ich informiert bin machen dann auch die Krankenkassen Stress.
Ich habe auch schon gehört dass bei einer Detransition unter gewaltigen Aufwand wieder ein Penoid Aufbau möglich ist.
Ich weiß aber nicht ob das stimmt.

LG Tatjana

Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?

Verfasst: So 18. Sep 2022, 13:43
von Claudia-67
Hallo Annette, hallo Céline,

die Entscheidung muss jeder selber treffen, was für die Person richtig ist. Ich respektiere es auch, wenn jemand sagt, sich nicht operieren zu lassen. Jeder hat da andere Wünsche und Vorlieben.

Jede OP hat Risiken. Die muss man abwägen. Bei mir hat die Abwägung stattgefunden und war pro GaOP. Ich kann mit dem Ding da unten nichts anfangen. Also weg damit.

Um die Risiken zu minimieren, specke ich seit Monaten kräftig ab. Von mehr als 120kg zum Jahresanfang auf heute 97.3kg. Der BMI von 30, der gerne als magische Grenze für die Narkose genannt wird, ist bald erreicht. Das wären 92kg, aber ich will bis auf 85kg, vielleicht auch 80kg runter, um etwas Spielraum zu haben. Dafür habe ich Ess- und Sportgewohnheiten radikal geändert, mit Erfolg. Ich hoffe, dass beeinflusst auch die dann weniger vorhandenen Risiken. Nebenbei passen die Klamotten auch bessser...

Liebe Grüße
Claudia

Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?

Verfasst: So 18. Sep 2022, 21:24
von Helga
Theresa hat geschrieben: Do 15. Sep 2022, 12:09 Es ist sehr interessant, zu lesen, welche Sichtweisen es zu dem Thema gibt und bestärkt einen in der Argumentation jenseits von Alles oder Gar nichts.
Liebe Theresa,
einmal ganz grundsätzlich: Es gibt mittlerweile einen Allgemein- Konsens, der von großen Teilen der Gesellschaft, einschließlich der relevanten polititischen Parteien (sogar mit "C" im Namen), der Gesetzgebung und sogar dem Bundesverfassungsgericht mitgetragen wird. Dieser lautet sinngemäß: Das Geschlecht eines Menschen muss nicht zwangsläufig mit dem äußeren Anschein oder den körperlichen Merkmalen übereinstimmen. Heißt: Um als Frau anerkannt zu werden benötigst du keine große Lösung, keine wie auch immer geartete kleine Lösung, nicht einmal eine HRT. Wer auch immer meint hier ein Ranking aufstellen zu wollen, macht sich der Diskriminierung schuldig.
In weiten Teilen der Trans- Community kursiert leider noch immer das fatale Zerrbild von der Geburt im falschen Körper, die sich nur durch massive operative Eingriffe korrigieren lässt. Ich schreibe fatal, weil hierdurch teilweise völlig falsche Vorstellungen davon geweckt werden, was Medizin leisten kann. Fatal auch, weil mir die letzte Konsequenz hieraus Angst macht: Wenn ich morgens das Haus verlasse und feststelle, dass ich die falsche Jacke anhabe weil sie zu warm, zu kalt, zu wasserdurchlässig ist, kann ich zurückgehen und sie ablegen. Einen falschen Körper kann ich auch ablegen, leider nur ein einziges, endgültiges mal.
Ob, und für was du dich entscheidest muss dir dein Körpergefühl sagen, ohne dich dabei von Anderen triggern zu lassen. Auch wenn wir immer wieder lesen können, dass dies die beste Entscheidung des Lebens war. Diese Berichte sind subjektiv, beinhalten keine Langzeiterfahrungen und blenden unangenehme Aspekte meistens einfach aus.
Die so oft zitierte Schwimmbaddusche oder Damenumkleide kann bei deiner Entscheidung kein Kriterium sein. Ich habe noch kein Schwimmbad erlebt, in dem ich gezwungen war mich vor Anderen zu entblößen. Es gibt überall Einzelumkleiden und in der Regel auch Separées in den Duschen. Zur Not bleibt das Unterteil halt an, dann wird wenigstens auch der Chlor aus dem Stoff ausgewaschen.
Bei den vorstehenden Beschreibungen der "großen" Lösung frage ich mich (ohne eine Antwort zu erwarten) wieviele Transfrauen, zudem im gesetzen Alter, haben den ernsthaft penetrierenden Geschlechtsverkehr? Mit zunehmenden Alter nimmt die ohnehin geringe Zahl der potentiellen Partner exponentiell ab, die wenigen Verbliebenen können bestenfalls noch mit Unterstützung blauer Pillen. Ich schätze da ist mehr Wunschdenken als Realität im Spiel.
Schlussendlich, um was geht es hier eigentlich? 100 gramm Haut und Muskelgewebe sowie eine Menge Nerven und Blutgefäße. Ein Körperteil, dass sehr stark mit Symbolik aufgeladen ist. Die Symbolik ist um so stärker, je archaischer die Gesellschaft ist. Eigentlich sollte unsere Gesellschaft langsam so weit sein, sich von dieser albernen Symbolik zu lösen, um den Betroffenen schwierige, schmerzhafte und fehlerträchtige Operationen zu ersparen und die Solidargemeinschaft von den Kosten zu entlasten.
Eines kann ich aus eigener Erfahrung ergänzen: Im Sitzen pinkeln geht auch mit Schlauch.
Liebe Grüße
Helga

Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?

Verfasst: So 18. Sep 2022, 22:07
von Claudia-67
Hallo Helga,
Helga hat geschrieben: So 18. Sep 2022, 21:24 Auch wenn wir immer wieder lesen können, dass dies die beste Entscheidung des Lebens war. Diese Berichte sind subjektiv, beinhalten keine Langzeiterfahrungen und blenden unangenehme Aspekte meistens einfach aus.
ich kenne mehrere Transfrauen, die sich für die GaOP entschieden haben. Drei, die das vor 20, 6 und 3 Jahren gemacht haben, reden sehr offen mit mir und ja es wurden durchaus auch Fakten genannt, die nicht so optimal waren. Aber in der Summe sind sie sehr zufrieden und sehen es als vollkommen richtige Entscheidung. Natürlich muss man sich danach um seinen Körper kümmern, wenn das Ergebnis erhalten bleiben soll. Das ist mir durchaus bewusst.

Helga hat geschrieben: So 18. Sep 2022, 21:24 Die so oft zitierte Schwimmbaddusche oder Damenumkleide kann bei deiner Entscheidung kein Kriterium sein. Ich habe noch kein Schwimmbad erlebt, in dem ich gezwungen war mich vor Anderen zu entblößen. Es gibt überall Einzelumkleiden und in der Regel auch Separées in den Duschen. Zur Not bleibt das Unterteil halt an, dann wird wenigstens auch der Chlor aus dem Stoff ausgewaschen.
Wenn nicht im Schwimmbad, dann in der Reha. Ich war, bzw. bin aktuell in einer ambulanten orthopädischen Reha und dort gibt nur Gemeinschaftsduschen. Auf die Problematik als leider noch nicht operierte Transfrau dort zu duschen, angesprochen, meinte die Rehaklinik das aussitzen zu müssen. Ich bin da nicht so empfindlich, wenn mir jemand auf das Ding schaut, aber ich möchte keine Streiterei in der Dusche mit Cis-Frauen.
Da man meinte das weiterhin aussitzen zu müssen, kam dann der Träger meiner Reha, die Rentenversicherung ins Spiel und forderte die Rehaklinik auf eine Lösung zu finden. Die Lösung mit dem Schild, dass die Dusche besetzt ist, habe ich zweimal genutzt und dann wurde mir das zu blöd, weil logischerweise jeder gafft, was die Claudia für ein Schild an der Tür der Dusche aufhängt. Eine nette Frau hatte mich darauf angesprochen, weil sie schon ahnte, warum. Sie hat selber eine transidente Person in der Familie und fand das Thema Dusche auch entwürdigend.
Die Reha habe ich nur noch widerwillig mitgemacht und schweißtreibende Anwendungen verweigert, weil das mit dem Duschen nicht klappte. Logischerweise ist damit die Reha nicht wirklich gut gelaufen und eine Besserung meiner Rückenprobleme ist nicht eingetreten. Das hat nun ein Nachspiel und es ist denkbar, dass ich die Reha woanders wiederholen kann, wo die Situation in den Duschen besser ist.

Selbst bei meinem Museumsbahnverein ist das besser gelöst. Dort gibt es einen Duschkabine für die Frauen in der Herrendusche. Gut, wir müssen halt an den duschenden Herren vorbei laufen, aber anders geht es dort nunmal nicht wegen der örtlichen Gegebenheiten.

Helga hat geschrieben: So 18. Sep 2022, 21:24 Bei den vorstehenden Beschreibungen der "großen" Lösung frage ich mich (ohne eine Antwort zu erwarten) wieviele Transfrauen, zudem im gesetzen Alter, haben den ernsthaft penetrierenden Geschlechtsverkehr? Mit zunehmenden Alter nimmt die ohnehin geringe Zahl der potentiellen Partner exponentiell ab, die wenigen Verbliebenen können bestenfalls noch mit Unterstützung blauer Pillen. Ich schätze da ist mehr Wunschdenken als Realität im Spiel.
Ich finde es langsam etwas daneben, wie Du Dich hier aufführst. Lass uns Transfrauen unser Leben so gestalten, wie wir es möchten. Es ist doch egal ob ich es mir mit einem Kerl oder mit einem Spielzeug mache. Das ist meine ganz persönliche Sache, die Dich als vermutlich gar nicht betroffene Person absolut nichts angeht. (ag)


Ich habe mir meine Transidentität nicht ausgesucht. Um die 20 Jahre, unbewusst vielleicht sogar noch mehr, beschäftigt mich das Thema. Ich musste es wegen der Pflege meiner Mutter ewig vorher schieben. Das ist nicht lustig. Das hat mich mental teilweise extrem belastet.

Der erste Ausgang als Claudia heute vor 18 Monaten war eine Befreiung. Ich fing an wieder aufzublühen. Ich merke doch, wie richtig es sich jetzt anfühlt. Die GaOP ist dann der krönende Abschluß und ich warte sehnlichst auf den OP-Termin, der aber wohl erst in knapp zwei Jahren sein wird, wenn ich nicht vorher rein rutsche.

Liebe Grüße
Claudia

Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?

Verfasst: So 18. Sep 2022, 22:38
von ExuserIn-2023-01-07
Claudia, ich kann verstehen, dass Du Dich von den provokanten Worten Helgas etwas angegriffen fühlst. Du solltest das aber nicht persönlich nehmen oder auf Dich selbst beziehen. Ich denke nicht, dass Sie Deinen Weg der Transition kritisieren wollte. Zugleich finde ich, dass Helga wichtige Dinge anspricht. In weiten Teilen der Community geistert wirklich mehr oder weniger explizit die Vorstellung herum, dass eine gelungene Transition quasi automatisch auch eine GaOP beinhaltet.

Ich bin auch ziemlich viel auf Reddit unterwegs und habe im internationalen Vergleich den Eindruck, dass diese normativen Vorstellungen in Deutschland besonders stark ausgeprägt sind. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, dass hier das von uns oft gescholtene TSG mit seinen rigiden und engstirnigen Annahmen über Transsexualität sich mehr in unser kollektives Bewusstsein eingeschlichen hat als uns lieb sein sollte.

Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?

Verfasst: Mo 19. Sep 2022, 10:40
von Tanja Stöckel
Hallo liebe Schwestern,
ich will da auch mal meinen Senf dazu tun. In den meisten Fällen ist ja auch nicht nur das Wollen die Frage, was wie beschrieben auch mit den medizinischen Risiken einhergeht. Ich glaube wollen tut es jede von uns. Wenn da die gute Fee käme und ihren Zauberstab mit dem richtigen Spruch schwingen würde und schwupp, wäre dein bisheriges Männerleben ein Frauenleben gewesen ohne irgend welche Einschränkungen und Überlegungen, dann wäre das gar keine Frage.

Da die Feen sich in den letzten Jahren sehr rah machen, wird das wohl nicht passieren und jede muss aus ihren Lebensumständen heraus entscheiden. Meine Lebensumstände beinhalten zum Beispiel einen Job, der mich und meine Familie ernährt und eine Frau, sowie drei Kinder, die ich auch nicht aufgeben möchte. Somit sind meine Möglichkeiten stark eingeschränkt und so würde da nur das Downgrade eines Mittelweges das mögliche Ziel sein.

Ich denke mal, dass die wenigsten von euch so frei in ihrer Entscheidungslage sind, dass diese Punkte alle keine Rolle spielen.

Alles Liebe, Tanja (has-o)

Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?

Verfasst: Mo 19. Sep 2022, 11:02
von ExuserIn-2023-01-07
Liebe Tanja, genau darum geht es doch. Nicht jede will das Ding weg haben. Auch nicht mit Zauberstab und Fee. Dass das jede zu wollen habe, ist genau dieses binäre und diskriminierende schwarz-weiß Denken, das ich meine.

Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?

Verfasst: Mo 19. Sep 2022, 11:40
von Claudia-67
Hallo Juna,
Juna33 hat geschrieben: So 18. Sep 2022, 22:38 Claudia, ich kann verstehen, dass Du Dich von den provokanten Worten Helgas etwas angegriffen fühlst. Du solltest das aber nicht persönlich nehmen oder auf Dich selbst beziehen. Ich denke nicht, dass Sie Deinen Weg der Transition kritisieren wollte. Zugleich finde ich, dass Helga wichtige Dinge anspricht. In weiten Teilen der Community geistert wirklich mehr oder weniger explizit die Vorstellung herum, dass eine gelungene Transition quasi automatisch auch eine GaOP beinhaltet.
wie gesagt, muss das jede selebr entscheiden.
Ich möchte aber einfach Dinge machen, die für eine Frau normal sind. Dazu gehört halt auch einen Badeanzug anziehen zu können. Das mit dem Badekleid wie ich es aktuell mache, geht. Es ist aber ein Kompromiß. Beim Badeanzug oder gar Bikini sieht man nunmal die kleine Beule, die jedem auffällt der nicht ganz blind ist. Das ist doch Mist.
Auch in die Sauna gehen ist so eine Sache.

Für mich ist klar, dass die GaOP nötig ist. Aber wie gesagt, für mich und das was ich so mache. Helga spricht das aber allgemein ab, wie beim Thema Geschlechtsverkehr. Da ich ohnehin auf Frauen stehe, ist das nicht mal mein Hauptargument. Es sind einfach die optischen Gründe, um nicht aufzufallen.

Juna33 hat geschrieben: So 18. Sep 2022, 22:38 Ich bin auch ziemlich viel auf Reddit unterwegs und habe im internationalen Vergleich den Eindruck, dass diese normativen Vorstellungen in Deutschland besonders stark ausgeprägt sind. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, dass hier das von uns oft gescholtene TSG mit seinen rigiden und engstirnigen Annahmen über Transsexualität sich mehr in unser kollektives Bewusstsein eingeschlichen hat als uns lieb sein sollte.
Was dort und woanders steht, ist mir relativ egal. Wie gesagt, es muss sich jede selber die Fragen stellen und für sich beantworten und dann entscheiden.

Leicht fiel mir die Entscheidung auch nicht und ich schwankte im Laufe der Jahre durchaus mal. Inzwischen ist mir aber klar, dass ich den Weg komplett gehen werde. Ich will optisch komplett stimmig sein und das komische tote Ding da unten brauche ich nicht mehr, ich habe es noch nie gebraucht.

Liebe Grüße
Claudia

Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?

Verfasst: Mo 19. Sep 2022, 12:16
von Tanja Stöckel
Juna33 hat geschrieben: Mo 19. Sep 2022, 11:02 Dass das jede zu wollen habe, ist genau dieses binäre und diskriminierende schwarz-weiß Denken, das ich meine.
Hallo Juna,
ich denke mal, wie gesagt denken nicht wissen, dass die meisten von uns relativ binär denken, weil dann bräuchte man ja auch nicht zu versuchen, schlussendlich durch die GOP, dem Original (Frau oder Mann) möglichst nahe zu kommen, sogar in der sexuellen Gebrauchbarkeit der Genitalien, nicht nur das Gehänge oben oder unten ab. Laut deiner eigenen Genderbezeichnung, fühlst du dich keinem Geschlecht zugehörig (nonbinär?). Da wäre mir auch nicht klar bzw. ich würde keinen Grund dafür sehen, mich in irgend einer Form anzugleichen, dass würde ja meinem Grundverständnis widersprechen.

Für viele aber, die sich nicht richtig in ihrem körperlichen Geschlecht fühlen, wäre dieses Verständnis, genau wie auch für mich, kein Weg. Mein geistiges Geschlecht ist eindeutig weiblich und ich wäre froh darüber, meinen Körper dem entsprechend nah zu bringen, zumindest so weit, dass ich mich in meiner Wunschrolle unauffällig und "NORMAL" bewegen kann.

Alles Liebe, Tanja (has-o)

PS: Ich verstehe deine Ansicht, aber nicht, dass man hierum eine Grundsatzdiskussion führen sollte. Jede ist wie sie ist (oder er ist).

Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?

Verfasst: Mo 19. Sep 2022, 12:47
von ExuserIn-2023-01-07
Doch. Man sollte Grundsatzdiskussionen führen. Denn Diskriminierung von Minderheiten folgt genau aus dem Denken, dass das Verhalten der Mehrheit (auch innerhalb einer Gruppe, die wiederum selbst eine Minderheit in der Gesellschaft darstellt) die Norm sei. Und deshalb habe ich auch auf allgemeiner und nicht persönlicher Ebene argumentiert. Ich persönlich würde mir das lästige Ding sofort wegzaubern lassen. Ich finde es interessant, dass Du aus meinen Kommentaren Rückschlüsse auf meine persönliche Identität schließt. Denn dazu habe ich mich überhaupt nicht geäußert.

Re: Wer begnügt sich mit der "kleinen Lösung“?

Verfasst: Mo 19. Sep 2022, 13:50
von Aria
Helga hat geschrieben: So 18. Sep 2022, 21:24 Um als Frau anerkannt zu werden benötigst du keine große Lösung, keine wie auch immer geartete kleine Lösung, nicht einmal eine HRT.
Woher willst du wissen, wer was braucht um das Gefühl zu haben als Frau anerkannt zu sein? Du brauchst doch auch ein gewisses Bild von dir - gerne auch leicht überzeichnet und einem gewissen Klischee entsprechend - um dich als Frau zu fühlen und so (hoffentlich) anerkannt zu werden.

In diesem Zusammenhang fällt mir ein Witz ein, den ich vor langer Zeit gehört habe: Treffen sich 2 Frösche. Sagt der eine: "Ich bin ein Schwan, ich bin ein Schwan!" Darauf der andere: "Du hast sie wohl nicht alle. Schau dich im Spiegel an! Du bist ein Frosch" Der andere wiederholt aber immer wieder: "Ich bin ein Schwan, ich bin ein Schwan!" Der andere wieder: "Du kannst es drehen und wenden wie du willst, du bist und bleibst ein Frosch." Da bittet der vermeintlich Schwan den Frosch in seine Unterhose zu schauen. Dieser schaut, tritt erstaunt mit grossen Augen zurück und ruft: "Mein lieber Schwan!" :D
Helga hat geschrieben: So 18. Sep 2022, 21:24 Ob, und für was du dich entscheidest muss dir dein Körpergefühl sagen, ohne dich dabei von Anderen triggern zu lassen.
Ich denke viele von uns, die diesen Weg eingeschlagen haben, machen genau das. Sie hören auf ihr Gefühl. Dennoch ist es gerade heute, im Zeitalter des Internet, verdammt einfach auf Meinungen in gewissen Gruppen herein zu fallen und an sich zu zweifeln. Und deshalb kann ich deine Kritik auch ein wenig verstehen. Jedoch äusserst du diese immer mit einem erhobenen Zeigefinger und dem indirekten Vorwurf, dass die Leute nicht mündig genug wären so etwas in ihrer Entscheidungsfindung zu berücksichtigen.
Helga hat geschrieben: So 18. Sep 2022, 21:24 Ich schätze da ist mehr Wunschdenken als Realität im Spiel.
Und ich denke, du solltest aufhören Vermutungen anzustellen und übergriffig zu sein. Ich würde mir niemals anmaßen, jemandem einen Vortrag zu seinem (noch zu erwartenden) Sexualleben zu halten. Und auch wenn diese Person für immer Single bleiben möchte, kann es dennoch zur seelischen Beruhigung beitragen, zu wissen, dass man jederzeit könnte wie man will.

Helga hat geschrieben: So 18. Sep 2022, 21:24 und die Solidargemeinschaft von den Kosten zu entlasten
Meine Güte! Diesen dämlichen Satz hast du in diesem Zusammenhang schon mal in ähnlicher Weise gebracht. Und er hätte nicht besser von einer transphoben Vereinigung ausgesprochen werden können. Bevor darüber nachgedacht wird, dass man diese Kosten einspart. Dann sollte man vorher alle anderen unsinnigen Kosten reduzieren, zB die Behandlung von Raucher- und Alkoholkrankheiten.