Re: Valeries Welt
Verfasst: Mo 18. Mär 2019, 19:58
Teil 2 Kapitel 35: Zeit heilt alle Wunden
Die nächsten Tage und Wochen waren voller Arbeit und Stress. Der Verkauf des Engel'schen Objekts musste vorbereitet werden, die Sache wurde immer konkreter, je mehr die Zeit voranschritt. Dr. Engel hatte Valerie noch ein paarmal angerufen in dieser Sache. Für Valerie standen jetzt Besuche beim städtischen Notariat an, sie beantragte und bekam Einsicht ins kommunale Grundbuch, und so konnte sie sich Schritt für Schritt einarbeiten in das diffizile Thema mit dem Ziel, einen wasserdichten Verkaufsauftrag mit dem Kunden abschließen zu können. Die Arbeit bedeutete auch Ablenkung und brachte den unschätzbaren Vorteil mit sich, dass Valerie abends oft abgearbeitet und müde war und nicht mehr die Zeit und Muße hatte, in der Stille ihres Wohnzimmers viele unnütze und fruchtlose Gedanken zu wälzen über ihr persönliche Beziehungswirrwarr und überhaupt ihre Situation als Frau an sich, oder über Männer im Allgemeinen, oder gar über den Sex, den sie bisher mit diesen Männern hatte.
Wie bekannt ist, neigte sie ja gelegentlich zu diesen Selbstbetrachtungen, sie versank dann oft geradezu darin. Böse Zungen benutzen das abwertende Wort "Bauchnabelschau" für diesen Zustand, man mag es nennen wie man will, jedenfalls führt es meistens zu nichts.
Zurück zur Arbeit. Valerie hatte die Angewohnheit, Dinge, die nicht sofort im Büro erledigt werden konnten (oder die sie aus irgendeinem Grund jetzt nicht erledigen wollte) einfach mal auf einen Zettel oder auf ein rotes oder gelbes post-it zu schreiben, diese Zettel lagen dann in der Regel eine Weile auf ihrem Schreibtisch herum, oder waren an die Pinnwand vor ihrem Arbeitsplatz geheftet, was ihrem Arbeitsplatz immer einen leicht chaotischen Anstrich verlieh. Im Laufe der Zeit wurden diese Zettel von ihr abgearbeitet oder aber auch weggeworfen, wenn sich eine Sache auch einmal quasi von selbst erlegt hatte. Viele Dinge erledigen sich von selbst, wenn man sich einfach mal eine Zeitlang nicht um sie kümmert. Das Dumme war nur, ab und zu kamen wieder neue Zettel dazu, und es schien als bliebe die Summe aller Zettel auf ihrem Tisch immer gleich. Den Zettel mit der Telefonnummer von Dr. Engel hatte sie inzwischen mehrfach mit Markerstift gelb und rot eingefärbt, was ihm einen gewissen Prio-Status verlieh.
Eine eigene Wohnung hatte sie inzwischen auch bezogen, es war eine hübsche kleine Mietwohnung in einem der östlichen Narbonner Vororte in Richtung auf's Meer, leicht mit dem Auto vom Büro aus zu erreichen und den Parkplatz hatte sie direkt vor dem Haus. Die Wohnung war von ihren Freunden Alain und Delphine vermittelt worden, klar, dort hatte man natürlich die notwendigen Kontakte, und es handelte sich um eine niedliche Zweizimmerwohnung mit Küche und Bad, gelegen im zweiten Stock eines kleinen Mietshauses. Von Valeries Terrasse aus konnte sie auf den Sportplatz einer Schule runterschauen, daneben gab es noch weitere Grünflächen eines "Zentrums für Gesundheit und Freizeit", also lebte sie jetzt quasi im Grünen. Der Umzug war schnell vonstatten gegangen, weil sie praktisch keine Möbel und Einrichtungen besaß außer Kaffeemaschine und Toaster, also zog sie mit Koffer und zwei Pappschachteln im Taxi um.
Nach dem Einzug hatte sie sich auch angewöhnt, abends gelegentlich wieder mal selbst zu kochen, die Küche in ihrer neuen Wohnung war zwar nicht allzu groß, hatte aber alles was nötig war, und zur Markthalle hatte sie nur drei Busstationen zu fahren. Die Narbonner Markthalle ist wie alle "halles" der Region ein kulinarischer Treffpunkt um nicht zu sagen ein städtisches Kommunikationszentrum. Sie hat mehrere Restaurants, dort geht es meistens gedrängt zu und laut. Es wird auch gesagt, die Halle sei ein kulturhistorisches Zentrum für die ganze Region, eine alte und ehrwürdige Stahlkonstruktiuon mit viel Glasflächen. Mehrere Fischhändler werden morgens mit frischem Fang beliefert vom Nahen Meer aus. Seefisch ist jeden Tag zu kriegen, aber auch Krustentiere, Schnecken und Krebse und Austern, die kommen von einer nahen Aufzuchtstation am nahegelegenen Etang de Gruissan, der den dortigen Yachthafen, aber auch einen klitzekleinen Fischerhafen mit dem Mittelmeer verbindet.
Ansonsten hocken auf engstem Raum aufeinander: Bäcker, Konditoren, Gemüsehändler, es gibt daneben Stände mit Südfrüchten der Gegend, dazu Metzger und Fleischer, die alles Tierische anbieten vom Geflügel jeder Größe über Hasen, Rehe, Wild, Rind, Schwein, Wildschwein, was immer das Herz begehrt. Franzosen kochen und essen faktisch alles Tierische was im Stall gehalten oder draußen gejagt oder sonstwie eingesammelt werden kann, das Angebot ist außerordentlich vielfältig und nicht zu vergleichen mit einer deutschen Markthalle. Beispielsweise gibt es in Frankreich eine Spezialisierung der Metzger, der "boucher" ist nur auf Fleisch spezialisiert, während der "charcutier" sich in Charcuterie auskennt, also in Wurstwaren (was wiederum dem boucher ein fremdes Gebiet ist.)
Überhaupt das Kochen und das Essen. Seit Valerie in der eigenen Küche wieder mehr kochte (meistens mit Freunden zusammen abends wie gesagt)
ist dummerweise aber auch wieder ein Nebeneffekt eingetreten, der sie störte, nämlich eine unleugbare Gewichtszunahme. Moderne Synthetik-Unterwäsche ist ja elastisch, daran bemerkt man so etwas nicht gleich, also der BH und das Höschen weitet sich quasi unmerklich mit aus, aber an ihrem engen schwarzen Businessrock, und zwar am Bund, da merkte sie es schon, sie war deutlich dabei, zuzunehmen an Körpergewicht. Sie versuchte es mit mehr Jogging, drehte abends zusammen mit anderen Berufstätigen ihre Runden um den Sportplatz vor ihrer Wohnung, aber die Anstrengung schien erst einmal fruchtlos, ein Erfolg stellte sich nicht so schnell ein.
Für heute verabschiedet sich mit lieben Grüßen
Eure Valerie
Die nächsten Tage und Wochen waren voller Arbeit und Stress. Der Verkauf des Engel'schen Objekts musste vorbereitet werden, die Sache wurde immer konkreter, je mehr die Zeit voranschritt. Dr. Engel hatte Valerie noch ein paarmal angerufen in dieser Sache. Für Valerie standen jetzt Besuche beim städtischen Notariat an, sie beantragte und bekam Einsicht ins kommunale Grundbuch, und so konnte sie sich Schritt für Schritt einarbeiten in das diffizile Thema mit dem Ziel, einen wasserdichten Verkaufsauftrag mit dem Kunden abschließen zu können. Die Arbeit bedeutete auch Ablenkung und brachte den unschätzbaren Vorteil mit sich, dass Valerie abends oft abgearbeitet und müde war und nicht mehr die Zeit und Muße hatte, in der Stille ihres Wohnzimmers viele unnütze und fruchtlose Gedanken zu wälzen über ihr persönliche Beziehungswirrwarr und überhaupt ihre Situation als Frau an sich, oder über Männer im Allgemeinen, oder gar über den Sex, den sie bisher mit diesen Männern hatte.
Wie bekannt ist, neigte sie ja gelegentlich zu diesen Selbstbetrachtungen, sie versank dann oft geradezu darin. Böse Zungen benutzen das abwertende Wort "Bauchnabelschau" für diesen Zustand, man mag es nennen wie man will, jedenfalls führt es meistens zu nichts.
Zurück zur Arbeit. Valerie hatte die Angewohnheit, Dinge, die nicht sofort im Büro erledigt werden konnten (oder die sie aus irgendeinem Grund jetzt nicht erledigen wollte) einfach mal auf einen Zettel oder auf ein rotes oder gelbes post-it zu schreiben, diese Zettel lagen dann in der Regel eine Weile auf ihrem Schreibtisch herum, oder waren an die Pinnwand vor ihrem Arbeitsplatz geheftet, was ihrem Arbeitsplatz immer einen leicht chaotischen Anstrich verlieh. Im Laufe der Zeit wurden diese Zettel von ihr abgearbeitet oder aber auch weggeworfen, wenn sich eine Sache auch einmal quasi von selbst erlegt hatte. Viele Dinge erledigen sich von selbst, wenn man sich einfach mal eine Zeitlang nicht um sie kümmert. Das Dumme war nur, ab und zu kamen wieder neue Zettel dazu, und es schien als bliebe die Summe aller Zettel auf ihrem Tisch immer gleich. Den Zettel mit der Telefonnummer von Dr. Engel hatte sie inzwischen mehrfach mit Markerstift gelb und rot eingefärbt, was ihm einen gewissen Prio-Status verlieh.
Eine eigene Wohnung hatte sie inzwischen auch bezogen, es war eine hübsche kleine Mietwohnung in einem der östlichen Narbonner Vororte in Richtung auf's Meer, leicht mit dem Auto vom Büro aus zu erreichen und den Parkplatz hatte sie direkt vor dem Haus. Die Wohnung war von ihren Freunden Alain und Delphine vermittelt worden, klar, dort hatte man natürlich die notwendigen Kontakte, und es handelte sich um eine niedliche Zweizimmerwohnung mit Küche und Bad, gelegen im zweiten Stock eines kleinen Mietshauses. Von Valeries Terrasse aus konnte sie auf den Sportplatz einer Schule runterschauen, daneben gab es noch weitere Grünflächen eines "Zentrums für Gesundheit und Freizeit", also lebte sie jetzt quasi im Grünen. Der Umzug war schnell vonstatten gegangen, weil sie praktisch keine Möbel und Einrichtungen besaß außer Kaffeemaschine und Toaster, also zog sie mit Koffer und zwei Pappschachteln im Taxi um.
Nach dem Einzug hatte sie sich auch angewöhnt, abends gelegentlich wieder mal selbst zu kochen, die Küche in ihrer neuen Wohnung war zwar nicht allzu groß, hatte aber alles was nötig war, und zur Markthalle hatte sie nur drei Busstationen zu fahren. Die Narbonner Markthalle ist wie alle "halles" der Region ein kulinarischer Treffpunkt um nicht zu sagen ein städtisches Kommunikationszentrum. Sie hat mehrere Restaurants, dort geht es meistens gedrängt zu und laut. Es wird auch gesagt, die Halle sei ein kulturhistorisches Zentrum für die ganze Region, eine alte und ehrwürdige Stahlkonstruktiuon mit viel Glasflächen. Mehrere Fischhändler werden morgens mit frischem Fang beliefert vom Nahen Meer aus. Seefisch ist jeden Tag zu kriegen, aber auch Krustentiere, Schnecken und Krebse und Austern, die kommen von einer nahen Aufzuchtstation am nahegelegenen Etang de Gruissan, der den dortigen Yachthafen, aber auch einen klitzekleinen Fischerhafen mit dem Mittelmeer verbindet.
Ansonsten hocken auf engstem Raum aufeinander: Bäcker, Konditoren, Gemüsehändler, es gibt daneben Stände mit Südfrüchten der Gegend, dazu Metzger und Fleischer, die alles Tierische anbieten vom Geflügel jeder Größe über Hasen, Rehe, Wild, Rind, Schwein, Wildschwein, was immer das Herz begehrt. Franzosen kochen und essen faktisch alles Tierische was im Stall gehalten oder draußen gejagt oder sonstwie eingesammelt werden kann, das Angebot ist außerordentlich vielfältig und nicht zu vergleichen mit einer deutschen Markthalle. Beispielsweise gibt es in Frankreich eine Spezialisierung der Metzger, der "boucher" ist nur auf Fleisch spezialisiert, während der "charcutier" sich in Charcuterie auskennt, also in Wurstwaren (was wiederum dem boucher ein fremdes Gebiet ist.)
Überhaupt das Kochen und das Essen. Seit Valerie in der eigenen Küche wieder mehr kochte (meistens mit Freunden zusammen abends wie gesagt)
ist dummerweise aber auch wieder ein Nebeneffekt eingetreten, der sie störte, nämlich eine unleugbare Gewichtszunahme. Moderne Synthetik-Unterwäsche ist ja elastisch, daran bemerkt man so etwas nicht gleich, also der BH und das Höschen weitet sich quasi unmerklich mit aus, aber an ihrem engen schwarzen Businessrock, und zwar am Bund, da merkte sie es schon, sie war deutlich dabei, zuzunehmen an Körpergewicht. Sie versuchte es mit mehr Jogging, drehte abends zusammen mit anderen Berufstätigen ihre Runden um den Sportplatz vor ihrer Wohnung, aber die Anstrengung schien erst einmal fruchtlos, ein Erfolg stellte sich nicht so schnell ein.
Für heute verabschiedet sich mit lieben Grüßen
Eure Valerie