Teil 2 Kap. 28: Worum geht es eigentlich meistens in solchen Mädels-Gesprächen?
Die Frage ist eigentlich von rhetorischer Art, denn praktisch jeder Mensch mit ein wenig Lebenserfahrung weiß die Antwort sofort und ohne viel nachzudenken: Mädels reden am liebsten über Jungs. Oder sie reden über die Kerle, oder die Männer, je nach Gusto und Standpunkt ändert sich die Bezeichnung, aber der Inhalt und das Thema ändert sich eigentlich nie. Denn eines ist jedenfalls unbestritten: Mädels reden immer gerne über das andere Geschlecht.
Über Männer zu reden (bzw. über einen Mann), war auch der Hauptanlass dafür, dass Valerie nach einiger Zeit wieder mal Kontakt zu Erica aufnahm, ihrer Busenfreundin, ihrer besten und ersten (und bis heute im Grunde einzigen richtigen) Freundin. Leider war Erica ja in Stuttgart geblieben, wo sie immer noch mit Michael zusammen lebte. Und Valerie lebte jetzt ja schon eine ganze Weile unten in Südfrankreich. Und gerade dieser Michael, dessen Besuch ja bald anstehen würde in Narbonne, dieser Michael war eigentlich der Hauptgrund für Valeries Anruf bei Erica, das heißt man redete sozusagen von Frau zu Frau, quasi ein intimes Gespräch. Wir hören trotzdem rein.
Valerie hatte Ericas Nummer noch in ihrem Handy gespeichert, es war ihr Festnetz-Anschluss. Kurz vor sieben Uhr am Abend klingelte das Telefon in Ericas Cannstatter Wohnung. Valerie hatte richtig überlegt: Erica würde um diese Zeit schon zuhause sein, sie hatte nur einen relativ kurzen Heimweg von ihrem Büro beim XXXXler (der Autofabrik mit dem Stern, Valeries früherer und Ericas immer-noch-Arbeitgeber). Jedenfalls wäre Michael um diese Zeit (19.00 Uhr) noch nicht zuhause sondern entweder noch im Büro oder irgendwo im Auto auf dem Heimweg, jedenfalls würden die beiden Damen um diese Zeit noch ein wenig ungestört zusammen plaudern können, so ein paar Minütchen wenigstens. Erica nahm den Hörer ab:
"Erica hier..."
Sie stutzte, als sie auf dem Display des Geräts eine französische Vorwahl 0033 468... erkannte. (0033 ist Frankreich, 468 ist Narbonne)
"Bist du das Valerie? "
"Oui bien sur, c'est moi, voila ! Comment vas-tu ma chérie, dis-le-donc..." (klar, ich bin's, und wie geht's dir, meine Süße, sag mal?)
So kam es glockenhell und in Französisch aus dem Hörer.
"Ahhh... Menno, die Valerie! Ich glaub's nicht ! Ja super geht's mir... Aber sag bloß, ich hab' dich gar nicht erkannt auf Anhieb, deine Stimme ist viel heller als früher, kaum noch zu erkennen", antwortete Erica, und es stimmte, sie hatte die Stimme der Freundin nicht sofort erkannt.
"Das werden die Hormone sein, die ich jetzt regelmäßig nehme" antwortete Valerie, diesmal auf Deutsch.
Man blieb bei der vertrauten Sprache, schließlich hatte man jahrelang Deutsch miteinander gesprochen, während sie noch in einem gemeinsamen Büro saßen, damals unter ihrem gemeinsamen Chef, solange bis Erica später zur Abteilungsleiterin befördert wurde von Dr. Schmidt, und Valerie hatte damals den Job der Marketingassistentin angenommen in seiner Abteilung. Das war die Zeit gewesen, als Valerie die ganze Büroetage überrascht hatte, um nicht zu sagen frappiert hatte durch die Frauenkleider, die sie damals im Büro getragen hatte, so einfach, quasi von jetzt auf nachher trug sie damals im Büro Rock, Nylons und High Heels, und von da an war es ja auch dabei geblieben, sie hatte ihre Männerklamotten danach eigentlich gleich weggeworfen. Das ist jetzt ein Jahr her oder eineinhalb...
"Deine Stimme ist weiblicher geworden" wiederholte sich Erica.
"Nicht nur die Stimme" sagte Valerie
"Du würdest staunen, wenn du mich jetzt wiedersehen würdest..."
Die Unterhaltung plätscherte ein wenig hin und her, man redete ein wenig unverbindlichen Smalltalk, aber dann wollte Valerie doch auf den Grund ihres Anrufs zu sprechen kommen. Es war gar nicht so einfach. Sie druckste ein wenig herum.
"Es ist wegen Michael..." begann sie, schwieg dann aber wieder.
"Was ist mit ihm? " Ericas Stimme klang etwas beunruhigt.
"Ist irgend was...? Ich denke, ihr werdet euch sehen in einer Woche oder so? Er kommt doch runter zu dir nach Narbonne denke ich?... Richtig ...?"
"Das ist genau der Grund, warum ich dich anrufe", sagte Valerie, du ihre Stimme wurde plötzlich etwas ernster.
Sie wusste immer noch nicht, wie sie die Freundin auf das Thema ansprechen sollte, das sie interessierte. Ist ja auch nicht einfach, so mal kurz über Sex zu reden. So von Null auf Hundert.
"Ja..." sagte Valerie. "Wir sind dann ein paar Tage zusammen, Michael und ich... Und auch ein paar Abende..." setzte sie hinzu, schwieg dann aber von neuem, wollte nicht so richtig mit der Sprache heraus.
Erica brauchte nicht lange, um zu verstehen. Die Freundin redete um den heißen Brei herum, sie getraute sich nicht, auf den Punkt zu kommen. Aber das konnte sie ihr abnehmen, Erica war da nicht so erschrocken. Wir erinnern uns, Erica war da ganz locker, sozusagen souverän, und so ging sie mit dem Thema Sex um. Ein Vollweib, die Erica.
"Willst du mit mir über Michaels Sexleben reden, Süße?" fragte sie und blieb ganz freundlich dabei. Erica war in dieser Beziehung nie besonders verklemmt gewesen und schließlich waren beide Mädels ja quasi hundert Jahre miteinander befreundet, und sie hatte vieles geteilt, auch ihr Interesse an dieser Sache um die es ging, und (wir erinnern uns) auch eine Zeitlang (bzw. ein einziges Mal) hatten sie auch den Mann geteilt (bzw. beinahe oder ein wenig).
Valerie war erleichtert über Ericas Reaktion und versuchte offener zu reden. Ja... also... ob der Michael in dieser Beziehung immer noch so sei wir früher, so... dominant?
Sie fand immer noch nicht die richtigen Worte.
Erica reagierte ganz souverän. Ja klar, bzw. nein, da habe sich überhaupt nichts geändert. Immer noch derselbe alte Bock... Ja er macht immer noch jede Frau an, die nicht bei drei auf den Bäumen sei, so sei er halt, und sie, Erica, sie habe sich inzwischen damit abgefunden. Sie lasse ihm aber seine Freiheit, und sie nähme sich das gleiche Recht. Eine ganz offene Beziehung, also...
Valerie erinnerte die Freundin an die Nacht damals in ihrer Cannstatter Wohnung, nach diesem bewussten Opernabend (nachzulesen in Teil 1 der Story, eines der allerersten Kapitel).
"Erinnerst du dich, was er damals von mir wollte...?" fragte Valerie, obwohl die Frage eigentlich unnötig war, denn klar, logo, beiden Frauen erinnerten sich noch an jedes Detail dieser Nacht.
Soviel für heute. Fortsetzung, wenn erwünscht, gerne in wenigen Tagen. Wie immer, hier in diesem Theater.
Lieben Gruß,
Valerie
