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Re: Valeries Welt

Verfasst: Do 17. Jan 2019, 19:09
von Valerie Bellegarde
danke, Maria, und danke, Ascona,
lieben Gruß,
Valerie

Re: Valeries Welt

Verfasst: Do 17. Jan 2019, 19:57
von JanaH
hach, schön.... träum..

Re: Valeries Welt

Verfasst: Sa 19. Jan 2019, 09:34
von Valerie Bellegarde
danke, Svenja, und auch danke dir, Jana. Ich mach mich dann mal gleich an das neue Kapitel 26.
Grüße, Valerie

Re: Valeries Welt

Verfasst: Sa 19. Jan 2019, 11:35
von Valerie Bellegarde
Teil 2 Kap. 26: Was man alles können muss als Maklerin.

"Meine Partnerin" stellte Dr. Engel die Dame vor, eine attraktive Frau in den Vierzigern, vielleicht auch schon fünfzig, jedenfalls deutlich älter als Valerie. Die Gruppe war stehengeblieben, man schaute sich an. Aha, dachte Valerie, seine Partnerin, also ist sie nicht seine Frau. Also ist er entweder Witwer oder geschieden. Und er hat sie nicht mit Namen vorgestellt. Was bedeutet das?

Valerie würde das bei Gelegenheit noch herausfinden müssen, besonders, was die genauen Besitzverhältnisse anging. Grundwissen für Makler: Erstens: Wer ist der Verkäufer? Mit wem verhandelst du? Zweitens: Was bietet er genau an, was die Stärken, was sind die Schwächen des Objekts?, und daraus folgend Drittens: für welchen Preis kannst du es wieder verkaufen?

Die Gruppe war stehengeblieben, man schaute sich an.

"Ja..." sagte Dr. Engel und machte eine Pause.

"Also das hier sind die drei Häuser, jeweils ein Stockwerk, hier das Haupthaus, ein Salon, eine Küche und vier Schlafzimmer, davon zwei mit Bad und Toilette. Schauen wir uns gleich im Detail... Dort drüben das Nebenhaus, das ist ein großes Wohn-/Arbeitszimmer und nochmals ein Schlafzimmer. Dazu ein Badezimmer und eine Sauna... Und zwischen den beiden Häusern haben wir noch das kleine Haus, da ist die Schwimmbadtechnik drin, also die Umwälzpumpe und so weiter. Und übrigens können wir das Wasser hier heizen, das geht dann rauf bis 26 Grad, sehr angenehm, das verlängert die Badesaison bis in den Herbst hinein..." Er hielt kurz inne, schaute Valerie an.

"Sagte ich das schon?"

Valerie nickte. Er fuhr fort

"Aber vor allem ist das die Sommerküche, das kleine Haus dort in der Mitte".

"Sommerküche?" fragte Valerie

"Üblich hier im Süden", sagte Dr. Engel.

"In Spanien hat man das viel, und auch hier kommt das mehr und mehr in Mode... Es wird halt schon recht heiß in den Sommermonaten, dann wird das Leben eben immer mehr ins Freie verlagert und die Hausfrau kocht dann eben lieber hier an der frischen Luft..." er schaute seine Partnerin an, und die nickte bestätigend.

Kochen mit Blick auf den Pool oder sozusagen mit einem Bein im Wasser, dachte Valerie. Sie inspizierte die zur Terrasse und zum Schwimmbad hin offene Sommerküche. Tatsächlich, alles war da, Küchenzeile, ein großer amerikanischer Kühlschrank, Gasherd, links ein überdimensionierter offener Kamin zum Grillen, für Barbecues.

Wie im Kino, wie bei Filmstars, dachte Valerie.

"Gut" sagte Dr. Engel. "Gehen wir rein?

Er zeigte auf das Haupthaus. Sie betraten einen großen Salon, der am anderen Ende durch einen riesigen offenen Kamin abgeschlossen wurde, von links und rechts kam viel Licht in den Raum durch große verglaste Türen, die auf die Terrasse und zum Garten führten. Ein französisches Landhaus, ein Herrenhaus mit viel Charakter aber auch viel Charme, dachte Valerie. Ein wenig wie der Besitzer selbst.

Er macht das gerne, dachte Valerie, während sie Schreibblock und ihre anderen Unterlagen und Prospekte vor sich ausbreitete. Er geniest es, sein Anwesen zu zeigen. Und sie spürte auch noch etwas anderes: Er akzeptierte sie als Maklerin, dieser Dr. Engel. Und was sie darüber hinaus noch bemerkte: Er interessierte sich auch für sie als Person, als Frau. Sie bemerkte es an seinen Blicken, an der Art, wie er auf sie reagiert hatte, vom ersten Augenblick an, als sie aus ihrem Auto ausgestiegen war.

Ihr gefiel das außerordentlich, dieses Gefühl, fachlich akzeptiert zu werden als Maklerin, aber auch das andere Gefühl, dass sie ihren Gesprächspartner auch als Frau interessierte. Ob er sie sogar begehrenswert fand? Irgendetwas in der Art war da im Raum, Valerie spürte es deutlich. Er zeigte deutliches Interesse an ihr. Und das, obwohl seine Partnerin mit am Tisch saß. Valerie beschloss, ein wenig mitzuspielen, nicht aus Berechnung, eher so spielerisch, als wollte sie sich ausprobieren. Eigentlich mehr unwillkürlich ging sie darauf ein, auf diese Signale und dieses Interesse, das sie meinte in seinen Augen gesehen zu haben.

Schon draußen im Garten hatte sie darauf reagiert, indem sie sich aufrechter hielt als sonst, und die Schultern mehr zurücknahm als sonst, mit dem Effekt, den Busen mehr zu zeigen. Sie beglückwünschte sich zu ihrer Idee von heute morgen, es war eine super Idee gewesen, heute eine eng taillierte Bluse zu tragen und auch den engen Rock, und diese kleinen Pads einzulegen in ihren BH, sie bemerkte es selbst, wie sie sich bewusster bewegte, anders ging, Busen und Po mehr bewegte beim Gehen als sonst, demonstrativer, und es stimmte auch, sie hatte etwas vorzuzeigen. Sie beschloss, noch ein klein wenig weiterzugehen, noch ein klitzekleines Bisschen.

"Darf ich kurz Ihr Badezimmer benutzen?" fragte sie.

"Selbstverständlich"

Er stand auf und ging voran, zeigte ihr die Badezimmertüre.

Auch hier war alles blitzblank, Fußboden und Wände in weißem Marmor gehalten, die Armaturen am Spülbecken in Chrom, alles wirkte teuer und vornehm. Sie fischte den Lippenstift aus ihrer Handtasche und zog sich die Lippen nach. Als sie zurückkam und sich wieder an den Salontisch setzte, hatte sie die oberen drei Blusenknöpfe geöffnet, einen mehr als vorher. Die Waffen der Frauen.

Ob er es bemerkte? Bestimmt hatte er es bemerkt. Aber er ließ sich nichts anmerken, er hatte Stil, er war ein Herr, er behielt die Contenance. Die nächsten zwei Stunden vergingen wie im Fluge mit der Detailbewertung des Objekts, mehrere Ordner und Baupläne waren auf dem großen Tisch ausgebreitet, Dr. Engel referierte alles was er wusste über sein Haus, das er nicht selbst gebaut hatte und nun nach über 10 Jahren verkaufen wollte. Valerie machte eine Menge Fotos und Videos von den Räumen und auch eine Menge Notizen, füllte ihre Papiere aus, stellte Fragen, die Dame des Hauses servierte Tee und Gebäck, die Sache ging ihren Gang.

Am Ende war eine Art Vorvertrag unterschrieben, noch kein richtiger Verkaufsauftrag, aber eine Erklärung, die er unterschrieb und die Michaels Firma zum Verkauf des Objekts berechtigte und verpflichtete. Sie würden das Haus auf ihrer Internetseite anbieten, fünf Prozent Vermittlungsprovision würden irgendwann an Michaels Firma fließen, falls es ihm gelänge, innerhalb einer bestimmten Frist einen solventen Käufer beizubringen. Als vorläufige unverbindliche Preisidee hatte Valerie einmal ganz locker in das Papier reingeschrieben: achthunderttausend. Zahlbar vom Käufer an den Veräußerer nach Abschluss eines notariell beurkundeten Kaufvertrags. Ihr Chef würde jubeln: Das bedeutete vierzigtausend Umsatz für seine Firma, auf einen Schlag.

Bei der Rückfahrt schwebte Valerie erst mal eine ganze Weile auf "Wolke sieben" sozusagen, das heißt, sie war euphorisch gestimmt. Hatte sie es wirklich geschafft? Aber plötzlich meldeten sich da wieder Zweifel. So viele war zu beachten, juristische Finessen, so viele mögliche Fallstricke. Wie waren die wirklichen Besitzverhältnisse? Gab es eine erste Ehefrau? Waren da eventuell noch weitere Berechtigte, die mitzureden hatten? Kinder? Erben? War das Objekt schuldenfrei?

Noch vom Auto aus rief sie das Stuttgarter Büro an.

"Michael hier"

"Valerie... ich komme gerade aus dem Objekt Dr. Engel. Halt dich fest, wir haben einen Vorvertrag..."



Fortsetzung demnächst in diesem Theater

L.G. Valerie :()b

Re: Valeries Welt

Verfasst: Sa 19. Jan 2019, 14:24
von Valerie Bellegarde
JanaH hat geschrieben: Do 17. Jan 2019, 19:57 hach, schön.... träum..
Schöne Träume weiterhin, Jana. Du schriebst mir früher mal, das wär' nix für dich, so als Immo-Maklerin zu arbeiten wie Valerie das tut. Bist du immer noch dieser Meinung?

L.G. Valerie

Re: Valeries Welt

Verfasst: Sa 19. Jan 2019, 14:35
von JanaH
Danke Dir, hatte ich gerade...
btw, nicht von Valerie, da sind wir doch zu sehr auseinander...,
auch der Job wäre nicht meins, ich bin lieber im Hintergrund.
Aber Du hast eine schöne Beschreibung hinbekommen, Danke dafür.

Ein schönes Wochenende wünscht

Jana

Re: Valeries Welt

Verfasst: Sa 19. Jan 2019, 17:37
von edeka
Hallo Valerie,
zum Thema 'Immo-Maklerin' - das reizt mich an deiner Geschichte auch. Ist doch ein Gebiet, mit dem man manchmal zu tun hat. Eigentlich hatte ich bisher nur einmal mit einem zu tun, bei einem Kauf.
Bei Wohnungen/Wohnhäusern ist es eigentlich ein überflüssiger Zwischenhändler, zudem teuer, deshalb haben sie auch einen schlechten Ruf.
Letzten Mittwoch gab es einen frz Spielfilm in arte, da ging es um eine Immobilienmaklerin (hiess nicht Valerie, aber Constance), Titel "Nicht meine Schuld". Scheinbar gibt es ihn noch in der Mediathek bis 22.1., vielleicht kommst du dran,(bei mir funktioniert es nicht) https://www.arte.tv/de/videos/080913-00 ... ne-schuld/
Ausserdem soll es eine Wiederholung im Programm am 6.Februar um 0:10 geben.
Vielleicht interessiert es dich. Das soll aber KEINE Empfehlung sein. Normalerweise gefallen mir frz Filme ausgesprochen gut, aber der war mir dann doch zu trübsinnig. Trotzdem atmosphärisch nicht schlecht und realistisch.

Du schreibst wirklich sehr anschaulich, man kann sich die Orte vorstellen und man kann sich die Personen gut vorstellen, so gekonnt du sie beschreibst. Kompliment ! (ap)
Oder ich sag's so: der Stil und die Rahmenhandlung sind so gut, daß man gar nicht nach den erotischen Szenen sucht, wie bei andern Geschichten. Aber du darfst natürlich trotzdem welche bringen. :lol: :lol:

Da bin ich mal gespannt, was für ein Geheimnis hinter dem Dr Engel steckt. Vielleicht ist er ein Betrüger. Dann müsste er aber schon sehr ausgefuchst sein , vielleicht mit falscher Identität, gehört ihm das Haus nicht ...

LG ascona )))(:

Re: Valeries Welt

Verfasst: Sa 19. Jan 2019, 19:46
von Valerie Bellegarde
Liebe Ascona,
ich glaube nicht, dass der Dr. Engel irgendein Geheimnis versteckt, nein, so ist der nicht gestrickt und auch nicht konzipiert von mir.. das ist einfach ein Apotheker aus Köln der dort seinen Lebensabend verbringt. Es gibt viele Leute mit Geld dort unten im Süden und auch mit solchen Grundstücken. Er dient für mich eigentlich nur dazu, dass ein wenig Action in die Story kommt. Und du kennst doch die Valerie, die schmeisst sich an solche Typen ran... Sie ist ja quasi ein Spätstarter als Frau, hatte keine Jugend als Frau und meint vieles versäumt zu haben und will das halt alles irgendwann und irgendwie noch nachholen, was sie bisher versäumt hat... kann aber auch sein, dass das auch so 'ne Art fixer Idee ist bei ihr. Aber es ist wahr, sie sucht den Sex schon...

Allerdings glaube ich nicht, dass irgendetwas geschieht in puncto Sex hier mit den beiden (ich meine Engel und sie), dazu ist der Altersunterschied zu groß.

Allerdings wird das Geschäft, also der verkauf dieser Villa am Meer, das Valerie dort in Roquebrune angeleiert hat, irgendwann zu groß für sie als Anfängerin. Zu viele Fachfragen, du verstehst? Jetzt ist als Michael gefragt, ihr Chef... Kannst dir ja denken, was das bedeutet, denn er kommt jetzt runter nach Narbonne und nimmt die Sache in die Hand. Und nicht nur diese Sache, wie ich ihn einschätze--- denn du erinnerst dich, ganz zu Anfang des Teils 1 hatte sie als ganz neue Valerie (nach dem Frankfurt-Abenteuer) mit dem Michael (damals und heute noch Freund ihrer Freundin Erica) ja schon eine Art kurzzeitiges Techtelmechtel, das damals wegen fehlender Erfahrung sozusagen in die Hose ging bzw. im Suff daneben ging. (Stichwort ihr misslungener deepthroat, Teil 1, eines der allerersten Kapitel).

Wart halt noch eine Woche, dann geht es weiter, nicht ungeduldig werden.

LG, Valerie

P.S. Den Film habe ich gesehen in Arte, ich mag frz. Filme auch, genauso wie du.

Re: Valeries Welt

Verfasst: Mo 21. Jan 2019, 07:28
von Christiane04
Hallo Valerie,

Danke dir , wie schön dezent und stilvoll du einen Vorschlag zum Flirten mit Kunden umgesetzt hast.......ich finde das realistisch und wunderbar geschrieben, garniert mit der fantastischen Beschreibung der Location, träum. Sehr schön!
Freue mich auf den nächsten Teil.

Lg Christiane

Re: Valeries Welt

Verfasst: Mo 21. Jan 2019, 14:02
von Dwt-Lilo-SL
Hallo Valerie,
Danke für die Fortsetzung der Geschichte/2.Teil.
Und danke das du Gesund u. Munter aus deiner kleinen Weltreise wider da bist.
Ich hatte leider beruflich eine Menge zu tun und könnte deine Geschichte jetzt erst lesen.
Ich bin wider sehr begeistert von deinem Schreibstil mach bitte weiter so.
lg LILO_GINA aus dem sonnigen Norden

Re: Valeries Welt

Verfasst: Mo 21. Jan 2019, 18:11
von Valerie Bellegarde
Christiane und Lilo,
ihr beiden seid wirklich lieb, und welche Frau mag keine Komplimente? Insofern habt ihr den weiblichen Teil gut getroffen in mir !
Gerne erzähle ich weiter, wartet halt noch ein paar Tage bitte.

Valerie

Re: Valeries Welt

Verfasst: Do 24. Jan 2019, 13:54
von Valerie Bellegarde
Also ich mache mich jetzt mal an die 27. Episode, das geht dann ca. 15.00 Uhr heut nachmittag raus.

Re: Valeries Welt

Verfasst: Do 24. Jan 2019, 15:16
von Valerie Bellegarde
Teil 2 Kap. 27: Ohne Papiere bist du nur ein halber Mensch.

Auf der Rückfahrt ins Büro geriet sie am frühen Nachmittag blöderweise noch in eine Verkehrskontrolle. Die Gendarmerie hatte die von Perpignan kommende Route Nationale minutenweise gesperrt, um dann die Autos in kleinen Gruppen oder einzeln für eine Kontrolle auf einen großen Parkplatz herauszuwinken. Es handelte sich um eine Routinemaßnahme, aber offenbar galt heute die Jagd offenbar auch denjenigen Sündern (wie auch Valerie!) die verbotenerweise hinter dem Lenkrad ihr Mobiltelefon benutzt hatten.

Ein älterer Polizist winkte sie, bzw. ihr Auto mit einer knappen Handbewegung heraus auf den Parkplatz, aber sie hatte Glück, er schaute nur nach ihrer gilet jaune (die neongelb-farbene Warnweste) und nach ihrem Sanitätskasten, und beließ es im Übrigen wegen des Telefonierens bei einer routiniert vorgetragenen mündlichen Ermahnung, die erhöhte Unfallgefahr betreffend, wenn man hinter dem Lenker eines fahrenden Autos sitzt und dabei telefoniert. Sie ließ es uninteressiert, aber äußerlich mit freundlich-ernsthaftem Gesicht über sich ergehen, musste also ihren weiblichen Charme nicht groß bemühen, völlig unnötig, ihm dabei in die Augen zu sehen oder ihn anzulächeln, geschweige denn erneut ihre Reize spielen zu lassen (wie noch kurz vorher bei Dr. Engel). Entweder war der policier zu müde oder wegen des wirklich großen Altersunterschieds (mindestens 30 Jahre) einfach uninteressiert an ihr als Frau, auf jeden Fall machte er es kurz und es blieb ihr erspart, ihre Papiere vorzuzeigen, also blieb es diesmal bei einer mündlichen Ermahnung für sie, dann durfte sie weiterfahren.

Der kleine Vorfall brachte ihr ein Problem in Erinnerung, dessen Lösung sie eigentlich schon ein paar Monate vor sich herschob: Sie sollte eigentlich irgendwann ihre persönlichen Papiere, also z.B. Ausweis, Führerschein oder auch die carte grise, also die Wagenpapiere bei der Sous-Préfecture (Unterpräfektur) in Béziers in Ordnung bringen lassen, denn diese Dokumente waren ja zum Großteil noch in Deutschland ausgestellt worden und trugen noch ihren männlichen Vornamen, ohh je, ohh je....

Und dabei war sie ja faktisch seit mehr als einem halben Jahr permanent en femme unterwegs, und sie hatte sogar Brüste, und zwar vorzeigbare Brüste, das konnte kein Mensch ableugnen.

Bisher hatte sie den bürokratischen Akt ihrer quasi "amtlichen Verweiblichung" immer vernachlässigt bzw. vor sich hergeschoben. Mit anderen Worten, ihre körperliche und auch sexuelle Umwandlung eilte der papiermäßigen stets weit voraus. Der Grund lag darin, dass sie die körperliche Verwandlung stets (in jeder einzelnen Phase) selbst betrieben und forciert vorangetrieben hatte, also sie wollte das haben, sie wollte unbedingt eine Frau werden, koste es was es wolle. Erst mal sich äußerlich verwandeln (man denke an ihre Zeit als Crossdresser in Frankfurt und dann später im Betrieb als sie konsequent nur noch in Frauenkleidung ins Büro ging, was ihre damaligen Kollegen und Freundinnen, also speziell Erica und Alice sehr unterstützten, aber besonders auch ihr damaliger Chef, der Dr. Schmidt). Danach die innere Verwandlung, die sie insofern in die Wege leitete, dass sie sich Brüste machen ließ, die sie liebte und auf die sie stolz war. Aber jetzt was weiter? Irgendwie war sie stehengeblieben in diesem Wandlungsprozess, und zwar bei der Frage neuer Papiere. Aber sie mied diesen Gedanken, instinktiv.

Und sie mied ihn hauptsächlich deshalb, weil sie im Grunde ihres Wesens den bürokratischen Menschentyp grundsätzlich mied, um nicht zu sagen ihn hasste, sie wollte mit solchen Menschen nichts zu tun haben, und vor allem fürchtete sie die Erklärungsnöte, in diese sie automatisch geraten würde, wenn sie sich vor den Beamten zu offenbaren hätte (hier im Forum sagt man oft "Outing" dazu).

Andererseits hatte sie gedanklich stets dazu tendiert, das Problem "Mann in Frauenkleidung am Steuer eines Autos" kleinzureden oder besser gesagt kleinzudenken, denn wo steht es eigentlich im bürgerlichen oder Strafgesetz, dass es einer männlichen Person, also einem Menschen mit männlichem Geschlechtsteil verboten sei, in weiblicher Unter- und Oberbekleidung, also in Nylons, Strumpfhaltern und High Heels, ein Auto im Straßenverkehr zu bewegen? Und dieses männliche Teil hatte sich ja noch nicht in Luft aufgelöst, das ihrige war zwar sehr klein, aber es war doch noch dran, da vorne. Allerdings besaß sie neuerdings zusätzlich auch zwei hübsche weibliche Teile, also Brüste. Alles etwas verwirrend für einen Beamten, der schlussendlich die Zuordnung würde vornehmen müssen.

Aber eigentlich gibt es für das Führen eines Autos in Frauenkleidung doch keine spezielle gesetzliche Regelung, weder im deutschen BGB noch im französischen Code Napoléon. Oder etwa doch?

Mit dieser rhetorischen Frage, bzw. der klaren Nein-Antwort auf diese rhetorische Frage hatte sie sich bisher immer selbst beruhigt bzw. redete sie sich ständig ein, eigentlich könnte sie es wirklich einmal darauf ankommen lassen, bei einer Verkehrskontrolle den männlichen Führerschein vorzuzeigen.

Nun gut, die Gefahr (die eingebildete Gefahr) war vorbei und der Kelch war für heute noch einmal an ihr vorübergegangen, allerdings knapp.

Das Thema "Papiere" hatte aber noch ein paar weitere Aspekte: irgendwann würde sie in Frankreich einen festen Wohnsitz haben müssen, denn ihr Nomadendasein im Hotel würde unbegrenzt nicht so weitergehen können, man denke nur an die Kosten. Also bräuchte sie eine Wohnung, das bedeutet eine Anmeldung, dem folgte eine Steuernummer, denn Steuern müssen bezahlt werden von jedem der arbeitet, auch hier unten im paradiesischen Südfrankreich.

Sie beschloss, Michael, ihren Chef, bei Gelegenheit auf dieses Thema einmal anzusprechen, verbunden mit der allgemeinen Frage nach ihrer beruflichen Zukunft als Repräsentantin seiner Firma hier in Narbonne. Planungssicherheit, das war es, was sie brauchte, so nennt man das wohl. Ein eigene Büro müsste also her, aber zuerst wohl einmal eine Wohnung.


Nächstesmal geht es weiter mit ein paar Vorbereitungen zu Michaels Besuch in Narbonne.

Liebe Grüße, Eure Valerie :()b

Re: Valeries Welt

Verfasst: Fr 25. Jan 2019, 14:58
von Valerie Bellegarde
Teil 2 Kap. 27 (Ergänzung)

Wegen der unerwarteten Verkehrskontrolle hatte sie das Telefonat mit Michael, ihrem Chef, abrupt abbrechen müssen, trotzdem hatte die Kamera sie beim telefonieren am Steuer registriert und sie war gleich darauf rausgewunken und ermahnt worden, gottseidank nur eine mündliche Ermahnung ohne Amende (Bußgeld). Trotz der Ermahnung durch die Polizei, die sie gerade eben kassiert hatte, rief sie ihn beim nächsten Ampelrot noch einmal auf seiner Festnetznummer in Deutschland an:

"Du, ich musste gerade unser Telefongespräch unterbrechen, ich bin da gerade in eine Verkehrskontrolle geraten."

"Ahh shit... sagte er. "Und du hast am Steuer telefoniert...Was wird das kosten?"

"Nichts", antwortete sie. "Ich habe dem policier schöne Augen gemacht, kennst mich doch... Und er ließ mich dann auch gleich wieder laufen"

"Bist schon ein Luder" sagte er und lachte maliziös.

Ja, ja... die Valerie und die Männer. Sie konnte einen Mann schon um den Finger wickeln.

Er sagte es nicht, aber sein Lachen hatte so etwas Hintersinniges in der Art (wie oben) zum Ausdruck gebracht. Manche Männer können das, sie können da etwas in ihre Stimme legen, etwas Vieldeutiges. Nonverbale Kommunikation, so nennt man das in der Wissenschaft. Michael beherrschte das, ohne jemals Psychologie oder etwa Kommunikationswissenschaft studiert zu haben.

Er wurde wieder ernst.

"Na und? Wie lief es? Jetzt erzähl mal..."

Valerie hielt auf einem Parkplatz an. Dann erzählte sie noch einmal von Anfang an von ihrem ersten Besuch bei Dr. Engel in Roquebrune. Ja, die Firma hätte heute einen Verkaufsauftrag erhalten, und sie, Valerie habe die entsprechende Unterschrift des Besitzers. Und man habe sich auch auf eine Preisforderung geeinigt, vorerst mal auf 0,8 Millionen für dieses Objekt dort in Roquebrune. Valerie wurde ganz feierlich zumute, als sie die Zahl nannte.

Michael reagierte ganz cool und holte sie auf den Boden der Tatsachen zurück.

Noch sei nichts verkauft. Immer langsam mit den jungen Pferden. Nicht dass er ihre Leistung schmälen wollte, nein im Gegenteil. Erst mal Glückwunsch, wie sie das Geschäft bis hierher angeleiert habe. Aber sie solle sich mal keinen Illusionen hingeben, denn noch sei überhaupt nichts in trockenen Tüchern.

Er stellte ein paar Fragen.

Ob sie die grundbuchmäßige Eintragung des Objekts im Notariat in Narbonne schon überprüft habe? Die Besitzverhältnisse seien klar im Detail? Kann er verkaufen? Oder sind Hypotheken auf dem Objekt oder irgendwelche weitere Schuldverschreibungen?

Nein, habe sie nicht geprüft, gab sie zu. Werde sie aber gleich morgen nachholen.

"Laß mal sein", sagte er und bremste ihre Initiative.

"Das machen wir gemeinsam... Ich komme nächste Woche runter nach Narbonne, dann überprüfen wir das alles und wir sprechen dann noch einmal gemeinsam mit diesem Dr. Engel. Auf jeden Fall nehmen wir ihn erst einmal in unseren Angebotskatalog mit auf. Und ebenfalls ins Internet. Hast du die Daten, Fotos und so weiter?"

"Fotos habe ich, auch ein, zwei Videos habe ich gemacht... Was die Grundstücksflächen und Wohnflächen betrifft, habe ich bisher nur mündliche Angaben. Brauchen wir da noch ein Büro zum Nachmessen? Eintrag im Grundbuchkataster?

"Muss ich mir ansehen in den Unterlagen. Möglicherweise genügt es, wenn eine gestempelte Vermessung vorliegt, möglichst nicht allzu alt... mal sehen"

"Ich habe eine ganze Menge an Unterlagen mitbekommen, alte Pläne, alte Zeichnungen, solche Sachen"... sagte sie.
Ja, o.k... Am besten wir schauen uns das gemeinsam durch und sehen, wie es weitergeht. Jedenfalls wollen die beiden wirklich und ernsthaft verkaufen, und zwar altershalber", setzte sie hinzu.

"Bist eine ganz Tüchtige..." sagte Michael, und sie war geschmeichelt von seinem Lob, wurde sogar ein bisschen rot.

Er würde sich sofort um einen Flug nach Montpellier bemühen, sie solle ihn dann am Flughafen abholen.

"Alles weitere morgen? Und kannst du mir vielleicht ein Hotelzimmer in Narbonne buchen, sagen wir so für zwei, drei Nächte?
fragte er noch. "Ich maile dir die Termine noch durch."

"Mache ich" antwortete sie. Und setzte noch hinzu: "ich freue mich auf deinen Besuch."




Soviel für heute. Fortsetzung so schnell wie möglich.

Lieben Gruß,
Valerie :()b

Re: Valeries Welt

Verfasst: Mo 28. Jan 2019, 05:21
von Maria T
Hallo Valerie,
Zum ersten teil, tja die lieben Papiere. Bin mal gespannt was sie sich da alles einfallen lässt.
Zum telefonieren, naja glück gehabt 😊
Wieder ein schönes Kapitel.
Bin gespannt auf das wiedersehen mit Michael.
LG Maria