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Re: Valeries Welt

Verfasst: Sa 12. Jan 2019, 11:04
von Valerie Bellegarde
Teil 2, Kap. 24: Badezimmer-Übungen.

Als Valerie am nächsten Morgen die Augen aufmachte, war es noch keine sechs Uhr, draußen begann es gerade hell zu werden. Sie wälzte sich noch ein wenig im Bett herum und versuchte weiterzuschlafen, was ihr aber nicht gelang, denn das Telefongespräch mit ihrem Chef Michael von gestern Abend ging ihr nicht aus dem Kopf:

"Wenn einer das schafft, dann du, Valerie", hatte er zu ihr gesagt.

Er war schon ein geschickter Motivator, der Michael, er benutzte keine plumpen Worte, um ihr zu schmeicheln, sondern packte sie da, wo es am besten wirkte: er appellierte an ihren Ehrgeiz als junge Frau, die sich dafür entschieden hatte sich in einer harten Männerwelt zu bewähren.

Ja, sie war ehrgeizig, und würde dieses Geschäft mit diesem deutschen Herrn Engel machen, sagte sie zu sich selbst. An Schlaf war jetzt nicht mehr zu denken. Also kickte sie energisch mit einem Fuß die Bettdecke zur Seite, glitt aus der warmen Bettkuhle auf den Rand des Betts, wo sie eine Weile sitzenblieb um ganz zu sich zu kommen, schließlich stand sie aber ganz auf, streckte sich, hob mit einer schnellen, aber graziösen Bewegung ihr Nachhemdchen über den Kopf, warf es hinter sich aufs Bett und verschwand nackt im Bad.

Im beleuchteten Badezimmerspiegel sah sie eine verschlafene junge Frau an mit schulterlangem lockigem Haar, dessen Farbe etwa zwischen weizenblond und hellem Braun einzuordnen war, dazwischen hatte sie sich vom Friseur ganz helle Strähnchen machen lassen, was dem Ganzen eine weitere interessante Note verlieh. Wie es ihre morgendliche Gewohnheit war, hob sie mit beiden Hände ihre Brüste an, um in der Brustfalte die OP-Narben der Implantationen anzuschauen. Alles gut Valerie, sagte sie zu sich selbst und war zufrieden, auch mit dem Gewicht ihrer beiden Hübschen, die inzwischen wohl irgendwo zwischen B und C liegen durften, dank der parallelen Hormontherapie, der sie sich unterworfen hatte. B oder C, keinesfalls mehr ein "A" , jedenfalls nach ihrer privaten unmaßgeblichen Schätzung.

Zurück im Hotelzimmer vor ihrem Kleiderschrank, die Haare noch ein wenig nass von der Dusche, suchte sie ihre Unterwäsche für den Tag zusammen, heute sollte alles an ihr seriös sein, also war ein unschuldiges weiß für die Unterwäsche angesagt, und da sollte ja nichts durchschimmern, keine Träger und keine Konturen, denn sie würde darüber eine weiße Bluse zum schwarzen Rock tragen. Mit einem Griff fand sie in der Schublade einen ihrer Lieblings-BHs, ein kleines, ganz weiches weißes Synthetik-Teil Größe 80B mit zwei kräftigen Bügeln, die den Busen gut an Ort und Stelle hielten. Hinten mit zwei Häkchen am Rücken zu schließen, was sie, seit sie permanent en femme war, inzwischen täglich exerzierte und quasi im Schlaf beherrschte. In BH und Höschen drehte sie sich dann eine Weile vor dem Spiegel und föhnte sich das Haar trocken, setzte sich dann wieder auf die Bettkante und schlüpfte in ein paar halterlose Nylons, danach in eine weiße Bluse, vorne mit Knopfleiste, Business style, aber trotzdem auf Taille geschnitten, also figurbetont.

Ein letzter prüfender Blick in den Spiegel: Irgendetwas fehlte, sie wusste aber nicht gleich, was. Sie probierte mit den oberen Blusenknöpfen herum, ließ mal zwei, mal drei Knöpfe offen: Ja, das war es, der Ausschnitt war zu klein, ihr Ausschnitt fiel zu wenig ins Auge. Sie knöpfte die Bluse wieder völlig auf und zog sie aus. Sie würde ein wenig schummeln, man würde nachhelfen müssen. Frauen machen das bei besonderen Anlässen, sie legen Pads in ihren BH und sie dürfen das. Gottseidank gab es da ja diese kleinen Silikonkissen, keine wirklichen Silis, höchsten halb so groß wie die Silikonbrüste, die sie früher in ihrer Zeit als Crossdresser immer getragen hatte, diese Pads waren zum Unterlegen in Bügel-BHs und halfen, vorhandene Brüste kräftig anzuheben und Simsalabim, jeder Frau mühelos und ruckzuck einen hübschen und ansehnlichen Ausschnitt zu zaubern.

Als die Pads an Ort und Stelle lagen, schickte Valerie kurz ein Stoßgebet zu Himmel und bedankte sich bei dem unbekannten Erfinder dieses kleinen Hilfsmittels, so klein, so simpel, so billig, und doch konnte es so unermesslich wichtig werden, für eine Frau. Gerade, wenn sie eine besondere Absicht hat.

Jetzt mit den beiden kleinen Pads im BH war sie zufrieden mit ihrem Aussehen, die Bluse passte wirklich, man kann wohl sagen, alles saß dort wo es hingehörte, und das ziemlich stramm. Sie schlüpfte in einen engen Rock, der hinten einen dicken dunklen Knopf zur Sicherheit hatte und darunter noch einen kleinen Reißverschluss, der mit einem kleinen "zip" leicht zu öffnen und schließen war, der saß auch am Po bzw. in ihrer Taille. Sie würde heute keine High Heels tragen, bei Erstkontakten im Geschäft machte sie das eigentlich nie, denn noch konnte sie den Kunden nicht einschätzen, also entschied sie sich ganz brav für schmale schwarze halbhohe Schuhe mit 6 cm Blockabsatz, die ihr aber ebenfalls einen schlanken Fuß machten. Dann begab sie sich erneut ins Badezimmer um sich konzentriert nur noch ihrem Makeup zu widmen. Seriös wollte sie heute aussehen, aber auch durchaus ein wenig sexy. Ein wenig sexy darf schon sein. Kein Lieschen wollte sie sein, eher vielleicht eine Lisette. Wie kriegt man das auf die Schnelle hin wenn man wenig Makeup-Erfahrung hat?

Sie war keine wirkliche Expertin in Makeup und Kosmetik-Fragen (auch nach jahrelanger Crossdresser-Erfahrung hatte sie sich eigentlich nie richtig für dieses Thema der dekorativen Gesichtskosmetik erwärmen können) und ihre Ausrüstung an dekorativer Kosmetik war deshalb eher klein. Ein paar Gesichtscremes, Dosen mit Puder, dann natürlich die üblichen Dinge für die Augen, Lippenstifte, Nagellacke, und so weiter, aber das hat wohl jede Frau.

Vor allem mussten die roten Flecken im Gesicht abgedeckt werden, zu denen sie neigte, wenn sie sich im Gepräch engagierte und es aufregend wurde. Die mochte sie gar nicht, diese Flecken, die sie dann auf beiden Backen bekam, ein richtiges Rotbäckchen wurde sie dann, aber das wollte sie nicht sein. Also bearbeitete sie zunächst mal einige kritische Stellen im Gesicht mit etwas deckendem Concealer und danach großflächig mit einem hellen Gesichtspuder, das sie mit einem großen weichen Pinsel gleichmäßig auf Backen, Gesicht und Hals verteilte. Jetzt war ihr Gesicht, das schon damals ein klein wenig zur Fülle neigte, schön gleichmäßig blass, und um etwas mehr die Konturen zu betonen, arbeitete sie dann mit etwas Rouge die Wangenknochen etwas stärker heraus, sie hatte jetzt deutlich höher sitzende Wangenknochen, was das Gesicht schlanker, länger machte. Sie war zufrieden mit ihrem Aussehen.

Jetzt nur noch schnell die Augenbrauen, dann schnell noch Lippenstift, aber halt, sie hatte ja noch keinen Kaffee gehabt. Sie stellte die Kosmetiksachen zur Seite und setzte sich an ihren kleinen Tisch. Sie hatte seit einiger Zeit einen Kühlschrank und eine Kaffeemaschine im Zimmer, die ihr das Hotel überlassen hatte, damit sie sich als Dauermieter nicht täglich am aufwendigen Hotelfrühstück beteiligen musste, das im Frühstücksraum für die normalen Gäste ausgegeben wurde.

Was gab es bei Valerie zum Frühstück? Nein, keine Cerealien, nichts Probiotisches, nur etwas Naturyoghurt, dazu ein paar Blaubeeren (die heißen in Frankreich les myrtilles, und kommen meistens aus Chile) und natürlich hatte sie ihren Espresso, sehr klein, sehr stark, sehr süss. Ohne Kaffee kann sie nicht kämpfen, unsere kleine Protagonistin, und kämpfen wollte sie heute.

Ein Blick auf die Uhr: Oh je, schon bald acht Uhr, und um zehn war sie verabredet mit ihrem Herrn Engel. Und überhaupt, die Nägel waren ja noch zu machen. Aber das würde sie eventuell auch später machen können. Überhaupt: Naturbelassene Fingernägel sind doch auch ganz hübsch. Sie ließ die Nägel, wie sie waren. Sie suchte ihre Prospekte und die anderen Unterlagen zusammen, dann die Fotoausrüstung, alles zusammen verschwand in einer großen Umhängetasche, die am Schulterriemen zu tragen war, dann noch ein letzter Blick in den Spiegel: Ach ja, der Lippenstift. Sie erledigte das mit ein paar Strichen im Stehen, tupfte die Lippen mit einem Kosmetiktüchlein kurz ab und steckte die Hülse wieder drauf, und das kleine Ding verschwand in ihrer Handtasche. Sie beschloss, sich endlich jetzt mal ernsthaft mit dem Thema "permanent Makeup" zu befassen, wozu wohl auch ein besserer Lippenstift gehörte, der nicht ständig erneuert werden musste, sagen wir nach fast jeder Tasse Kaffee. Sie selbst besaß Lippenstifte in mehreren Farben, aber keiner davon war kussecht und einige davon neigten schon wirklich zu Verschmieren, das musste man zugeben. Sie würde sich mit dem Thema beschäftigen, aber später. jetzt war erst mal Business angesagt: Money, Money, Money.

Valerie verschwand in der Tiefgarage des Hotels, gab ihren Zielort ins GPS ihres Autos ein und gleich darauf fuhr ihr weißer Leihwagen, ein kleiner Renault, aus dem automatisch öffnenden Tor.


Das war's für diesmal. In der nächsten Episode (ca. 20. Januar) könnt ihr mal ein wirklich hübsches großes Villenanwesen kennenlernen, das Haus des Dr. Engel.


Liebe Grüße allen Leserinnen und Lesern.

Valerie :()b

Re: Valeries Welt

Verfasst: Sa 12. Jan 2019, 14:00
von Valerie Bellegarde
Mal zwischendurch eine kurze Frage, die mich aber sehr interessiert.

Seit ihrem Wiederbeginn bzw. Neustart vor etwa 10 Tagen hat die Story täglich 200 Leser oder mehr, aber praktisch keine Kommentare / keine Stellungnahmen. Was bedeutet das?

L.G. Valerie

Re: Valeries Welt

Verfasst: Sa 12. Jan 2019, 17:22
von Valerie Bellegarde
Nachtrag zur letzten Episode:
Ich habe jetzt noch einmal zum Thema permanent Makeup gegoogelt und festgestellt, dass ein kussechter Lippenstift damit überhaupt nichts zu tun hat. Im Gegenteil liegen Welten zwischen beiden Sachen, auch preislich. Was Valerie betrifft, denke ich sie wird sich (weil sie bei allen Dingen, die mit Geldausgeben zu tun haben, eher zurückhaltend ist, was damit zu tun hat, dass sie immer arbeiten musste für ihr Einkommen und weiß dass Geld nicht vom Himmel fällt), wird sie sich also sicherlich erst mal den kussechten Lippenstiften zuwenden als der teuren Methode, sich per Tattoing die Lippen dauerhaft rot pigmentieren zu lassen. Das mögen Filmstars tun oder meinetwegen Porno-Darstellerinnen oder auch Stewardessen in der First Class von Emirates Airlines meinetwegen, aber für Valerie ist das wohl eher "nichts", also nada, no good, forget about it...

Soviel dazu, und euch allen noch ein schönes weiteres WE

Valerie

Re: Valeries Welt

Verfasst: Sa 12. Jan 2019, 19:15
von Maria T
Hallo Valerie,
Nun es gibt nix zu meckern. Die geschichte geht gut weiter, das mit dem super teuren anwesen interessiert eben auch die Motivation das zu schaffen und klar auch das drum herum mit besonders schön machen 😊
Natürlich auch, wie geht's mit Gunnar weiter und vielleicht weitere Abenteuer in Frankreich und den Männern dort. Vielleicht auch mal ein kurzer besuch in der Heimat bei den dortigen Freunden.

Schönes Wochenende dir noch und weiter gute Ideen und leichte Finger zum schreiben.

LG Maria

Re: Valeries Welt

Verfasst: Sa 12. Jan 2019, 19:21
von Karla
Valerie Bellegarde hat geschrieben: Sa 12. Jan 2019, 14:00 Mal zwischendurch eine kurze Frage, die mich aber sehr interessiert.

Seit ihrem Wiederbeginn bzw. Neustart vor etwa 10 Tagen hat die Story täglich 200 Leser oder mehr, aber praktisch keine Kommentare / keine Stellungnahmen. Was bedeutet das?

L.G. Valerie
Liebe Valerie,
da Du Stuttgart und das Schwabenländle ja kennst: sieh dies als schwäbisches Lob an:
Id bruddlet isch Lob gnuag!
(mich hast Du auch grad beim "passiv konsumieren" erwischt - ich geb's zu!)
LG Elly

Re: Valeries Welt

Verfasst: Sa 12. Jan 2019, 21:13
von Valerie Bellegarde
Liebe Elly, liebe Maria,

Es ist einfach so, ich schreibe sehr gerne Geschichten, aber ich unterhalte mich auch gerne mit den Lesern und Leserinnen, bin halt der kommunikative Typ.

Valerie :()b

Re: Valeries Welt

Verfasst: Sa 12. Jan 2019, 22:01
von Karla
Die Geschichte ist so gut, daß Du nirgends einen Ansatzpunkt für Kritik bietest!
Permanent-Make-Up: wenn ich wie Valerie oder im RL Tessa Ganserer "meinen Kerl über Bord geschmissen hätte", dann wäre es eine Option!
(muß ja nicht so werden wie bei Dolly Buster..., wobei ich auch ihr und ihrer Karriere durchaus Respekt zolle)
Bei einer erfolgreichen Immobilienmaklerin sollte es natürlich etwas dezenter sein...
LG Elly

Re: Valeries Welt

Verfasst: So 13. Jan 2019, 10:47
von Valerie Bellegarde
Elizabeth hat geschrieben: Sa 12. Jan 2019, 22:01 Die Geschichte ist so gut, daß Du nirgends einen Ansatzpunkt für Kritik bietest!

Permanent-Make-Up: wenn ich wie Valerie oder im RL Tessa Ganserer "meinen Kerl über Bord geschmissen hätte", dann wäre es eine Option!
(muß ja nicht so werden wie bei Dolly Buster..., wobei ich auch ihr und ihrer Karriere durchaus Respekt zolle)
Bei einer erfolgreichen Immobilienmaklerin sollte es natürlich etwas dezenter sein...
LG Elly
Liebe Elly,
das mit dem permanent Makeup nehme ich irgendwann in den Erzählstrang mit auf, wenn es passt. Im Moment ist die kleine Valerie von dieser Welt der Reichen und Schönen noch meilenweit entfernt, aber weil sie schafft (Schwäble) und sich etwas vornimmt und das dann auch umsetzt (wie wir Schwaben halt), kommt sie dort vielleicht irgendwann nochmal an, in dieser Welt der Reichen und Schönen. Ganz klar. Denk nur mal an diesen Kerl der da noch im Hintergrund lauert, dieser Notar. Na ja, man wird sehen.
Bis dato steht Valerie ja noch ziemlich am Anfang ihrer Karriere als Frau, das betrifft ihren Körper, ihre Beziehungen zum anderen Geschlecht, aber auch ihre Karriere als Immobilienmaklerin.

Übrigens den / die Ganserer habe ich gegoogelt, ist auch auf Facebook. Von Markus zu Tessa. Hut ab, da macht jemand seinen Weg, ganz ähnlich wie unsere Valerie, denk ich mal, hoffe ich mal.

Schönen Sonntag noch.

Valerie

Re: Valeries Welt

Verfasst: So 13. Jan 2019, 12:04
von Valerie Bellegarde
Noch was wichtiges, Elly, was mir gerade noch einfiel zu deinem Post oben:
Valerie hat ihren Kerl nicht "über Bord geschmissen". So wild ist es nicht, denn Ihr kleiner Penis (wirklich sehr klein) ist noch dran. Sie ist da nicht so geil drauf, den loszuwerden, so ist sie nicht, nicht so rabiat, nicht ihre Art. Möglich, dass sie auch Angst vor einer derartigen OP hat. Also da baumelt noch was, da vorne, nicht groß, auch nicht groß störend, im Alltag genügt ihr so eine kleines cache-sex, um es wegzupacken.

Allerdings, was das bedeutet wenn sie Sex hat, ganz schwieriges Thema, aber schon früher zu ihrer/seiner CD-Zeit war ihr/ihm dieses kleine Ding nie eine große Quelle der Lust, weder für sich selbst noch für andere. Frag mal die Erica (eines der ersten Kapitel im ersten Teil).

Wie du als aufmerksame Leserin der Story weißt, ist Valerie ja neuerdings dabei, sich umzuorientieren beim Sex, sie sucht neue Quellen der Lust (Beispiel: die letzten paar Kapitel) aber bisher weitgehend ziemlich erfolglos (anal mag dem Partner was bringen, jedoch spürt sie selbst da bisher noch nicht allzu viel, wenn sie von hinten genommen wird) Bin selbst gespannt, wie das weitergeht, denn Valerie ist jung und Sex gehört schon auch dazu zu ihrer Welt...

Valerie (nachdenklich)

Valeries Immobilien

Verfasst: So 13. Jan 2019, 16:33
von edeka
Hallo Valerie,
ich habe nur ganz wenige deiner früheren Episoden gelesen, jetzt aber gerade den Neustart für dieses Jahr.
Immobilienmakler in Südfrankreich ... Valerie ... wahrscheinlich hast du viel von dir selbst einfliessen lassen, das will ich aber gar nicht wissen, ist schließlich eine Geschichte.
Aber falls du dich auskennst, wie läuft das denn mit den Immobilien in Frankreich ? (kannst ja ein paar Infos in die Geschichte einfliessen lassen, nicht nur "money, money")
Gelten für EU Ausländer andere Regeln als für Franzosen ? Geht es über Notar/Grundbuchamt wie in D ? Sind Notare Beamte wie früher in D oder privat ? Braucht man Anwalt wie in Spanien ? Wie hoch sind die Gebühren ? Wie oft sind Makler beteiligt, wie oft ohne Makler ? Wer zahlt den Makler - so wie in D bei Kauf der Käufer, bei Miete der Vermieter ? Gibt es so wie in D Grundsteuer und Grunderwerbsteuer, wie hoch ?
Zu Immobilien selber: wie ist die Bausubstanz bei neueren Häusern, älteren Häusern, Mehrfamilienhäusern ? Betriebskosten, Versorgungsinfrastruktur bei Wasser, Elektrizität.

Ich wollte dir jetzt keinen Schreck einjagen, erwarte auch keine Infos zu all diesen Themen von dir. Ich habe einfach nur die Punkte aufgezählt, die mir so einfielen. Vielleicht kannst du das ein oder andere einfliessen lassen.

Grüssle aus dem verregneten Deutschland,
)))(: ascona

Re: Valeries Immobilien

Verfasst: So 13. Jan 2019, 18:03
von Valerie Bellegarde
ascona hat geschrieben: So 13. Jan 2019, 16:33 Hallo Valerie,
ich habe nur ganz wenige deiner früheren Episoden gelesen, jetzt aber gerade den Neustart für dieses Jahr.
Immobilienmakler in Südfrankreich ... Valerie ... wahrscheinlich hast du viel von dir selbst einfliessen lassen, das will ich aber gar nicht wissen, ist schließlich eine Geschichte.
Aber falls du dich auskennst, wie läuft das denn mit den Immobilien in Frankreich ? (kannst ja ein paar Infos in die Geschichte einfliessen lassen, nicht nur "money, money")

Mache ich gerne, Ascona. Ich bin zwar kein Makler aber ich habe vor 20 Jahren mein Haus hier in Südfrankreich über einen Makler gekauft. Insofern kann ich dir sagen, wie es vor 20 Jahren war.

Gelten für EU Ausländer andere Regeln als für Franzosen ?

Nein, EU Ausländer und Deutsche sind rechtlich gleichgestellt in Frankreich.

Geht es über Notar/Grundbuchamt wie in D ? Sind Notare Beamte wie früher in D oder privat ?

Ja. Du kannst in Frankreich eine Immobilie nur über einen Notar erwerben. Der Notar wickelt alles ab, er ist ein vereidigter Staatsbeamter, auch die finanzielle und steuerliche und die grundbuchmäßige Abwicklung geht alles über diesen Notar. D.h. du bezahlst alles an den Notar, dieser bezahlt die vereinbarte Kaufsumme an den Vorbesitzer, auch die Marge an das Immobilienbüro und andere eventuelle Vermittler direkt aus. Er behält auch die fälligen Grunderwerbssteuern ein.

Braucht man Anwalt wie in Spanien ? Nein

Wie hoch sind die Gebühren ? Immobilienbüros nehmen bei Erfolg meines Wissens nach 5%, wenigstens war das vor 20 Jahren so.

Wie oft sind Makler beteiligt, wie oft ohne Makler ? Wer zahlt den Makler - so wie in D bei Kauf der Käufer, bei Miete der Vermieter ?
Als Käufer habe ich den Makler bezahlt, dazu einen dazwischengeschalteten Vermittler, insgesamt 5% und ein paar zerquetschte.

Gibt es so wie in D Grundsteuer und Grunderwerbsteuer, wie hoch ?

Eine Grunderwerbssteuer mußte ich nicht bezahlen, aber Achtung: Es gibt in Frankreich eine Grundsteuer (taxe foncière)
und eine Wohnsteuer (taxe d'habitation). Die ist permanent.
Da mußt du aufpassen, diese Beträge sind happig. Und fallen jedes Jahr an. Bei meinem Grundstück in Frankreich ( 3 Gebäude, 4000 m-²) bezahle ich an Grundsteuer etwa 3000 €/Jahr taxe foncière) und etwa nocheinmal so viel an Wohnsteuer (taxe d'habitation). Beide Steuern zusammen also ca. 6000.- an den frz. Staat, dafür dass wir in unserem eigenen Anwesen wohnen dürfen.
Diese Steuern sind nicht zu verwechseln mit den normalen Gemeindeabgaben oder lokale Taxen für Wasser, Strom, Feuerwehrabgabe usw.


Zu Immobilien selber: wie ist die Bausubstanz bei neueren Häusern, älteren Häusern, Mehrfamilienhäusern ? Betriebskosten, Versorgungsinfrastruktur bei Wasser, Elektrizität.

Zur letzten Frage kann ich nur sagen: KOMMT DRAUF AN:

Ich wollte dir jetzt keinen Schreck einjagen, erwarte auch keine Infos zu all diesen Themen von dir. Ich habe einfach nur die Punkte aufgezählt, die mir so einfielen. Vielleicht kannst du das ein oder andere einfliessen lassen.

Grüssle aus dem verregneten Deutschland,
)))(: Ascona


Liebe grüße, Valerie

Re: Valeries Welt

Verfasst: So 13. Jan 2019, 18:15
von Valerie Bellegarde
Noch zu Asconas Fragen zum Hauskauf in Frankreich:

Frankreich ist ein bürokratischer Zentralstaat. Bei größeren Aktionen, also Immo- Käufen/Verkäufen ist alles bis ins kleinste Detail geregelt, du brauchst dich also nicht vor Betrug zu befürchten. Als Deutscher bist du EU-Bürger und einem Franzosen gleichgestellt in Rechten und Pflichten. Also bist du steuerpflichtig (Wohn- und Grundsteuer, aber keine G-erwerbsteuer wie in D).

Was auch noch relevant ist: kaufst du mal dort eine Immobilie und vererbst du sie so Gott will an deine nachkommen, so geschieht das nach frz. Recht, nicht nach deutschem. Da gibt es Unterschiede, z.B. bei den Pflichtteilen.

P.S. Trockenes Thema?
Bin ich derselben Meinung. Lass uns wieder von Valeries Welt träumen, ok?

Valerie

Es gibt zu dieser Frage Hauskauf Frankreich im Google ein paar hervorragende Seiten in Google.

Lieben Gruß, Valerie

Re: Valeries Welt

Verfasst: Di 15. Jan 2019, 17:14
von Valerie Bellegarde
hallo meine Lieben,
was ist besseres zu tun an diesen nasskalten dunklen Wintertagen als zuhause bleiben?
Also, ich war fleissig und habe für euch den Rahmen für Kap. 25 fertiggemacht. Bis bald.

Grüße, Valerie

Re: Valeries Welt

Verfasst: Di 15. Jan 2019, 18:18
von Valerie Bellegarde
Teil 2, Kap. 25: Das Anwesen des Dr. Engel.

"Du musst die alte Nationalstraße nach Perpignan nehmen, du fährst also nach Süden, dann kurz nach der Abfahrt "Bages" fährst du rechts runter, also nicht links nach Bages, hörst du, sondern du lässt Bages links liegen, und bleibst immer stur auf der Route Perpignan, und dann fährst du die Nächste rechts runter, und dann muss es gleich kommen: ROQUEBRUNE, da wohnt er, ein Dr. Engel, hier ist die genaue Adresse..."

so hatte ihre Kollegin Delphine sie noch instruiert, falls sie da draußen auf der Route Nationale keinen Empfang auf dem GPS mehr hätte, und prompt fiel das Netz auch aus, kaum hatte sie das Ortsschild Narbonne in südlicher Richtung hinter sich gelassen, das Internet war damals noch kaum richtig erfunden und auf jeden Fall noch nicht so genau und ist es auch heute noch nicht, nun ja, wir sind in Südfrankreich, da gehen die Uhren anders, und in gewisser Weise macht das ja auch den Charme der Gegend aus, diese Bodenständigkeit und Langsamkeit des Lebens, manche sagen Lässigkeit dazu, andere nennen es Rückständigkeit.

Eine Zeitlang führte die gewundene kleine Straße durch hügeliges Gelände, eine wildromantische Landschaft voller grüner kleiner Weinberge, ab und zu ein großer kalkig weißer Felsen, links das Mittelmeer, das früher vor Millionen Jahren ja mal ein Jurameer gewesen war (daher die Kalkfelsen) und heute hier lauter versteckte kleine Lagunen bildete, geheime Buchten so blau wie der Himmel mit kleinen Segelbooten drauf, ein verträumter Fischerhafen, dann fand sie rechts das Ortsschild: Roquebrune, ein Ortsteil der Gemeinde Prat de Cest. Delphine hatte recht behalten.

Der Ort selbst war winzig, nur ein paar alte windschiefe Häuser an der Straße, aber immerhin: eine eigene Postleitzahl. Sie stoppte vor einem Strassencafé, zwei Männer lümmelten sich auf weißen Plastikstühlen, vor sich ein Glas Pastis. Sie ging auf den Älteren zu, der aussah, als sei er der Patron, um zu fragen.

Gleich ein Volltreffer.

"Le docteur allemand? Ahhh, oui Madame, vous prenez la première à gauche, puis restez tout droit, deux minutes avec la voiture. C'est facile à trouver."

(der deutsche Doktor? Na klar, sie nehmen die erste links, dann immer geradeaus bleiben, zwei Minuten mit dem Auto, sie können es nicht verfehlen)

Sie fand es auf Anhieb, und es war auf den ersten Blick traumhaft. Schon die Lage, ganz dominant auf einem Hügel, mit Blick nach Osten auf die Lagune, das Anwesen ringsum eingefasst durch eine Natursteinmauer, die aussah als sei sie schon dreihundert Jahre alt und stammte noch aus der Zeit Molières. Hinter der Mauer sah man die Giebel von drei Häusern sowie ein paar Bäume, dazwischen schimmerte es blau: der Pool. Sie bremste vor einem großen schmiedeeiserenen Tor, links ein Klingelschild aus gelbem Messing: Dr. Engel.

Sie brauchte nicht einmal auszusteigen um zu klingeln, ihr Auto war innen schon bemerkt worden, denn das Tor öffnete sich automatisch. Sie fuhr langsam auf einen kiesbestreuten Hof, links waren zwei Autos geparkt, sie stellte sich dazu. Sie bemerkte, der größere der beiden Wagen war einer dieser großen Geländewagen, ein SUV, vielleicht ein Range Rover oder etwas in der Art, sie kannte sich da nicht so aus bei Autos, auf jeden Fall hatte er ein Kölner Nummernschild, Der Kleinere, ein Japaner, hatte dagegen eine französische Nummer.

"Die Dame vom Immobilienbüro Narbonne, wie ich annehme?"

Eine angenehme, volle Stimme.

Ein mittelgroßer älterer Herr kam auf sie zu, reichte ihr zur Begrüßung die Hand. Sie bemerkte, selbst mit den niedrigen Absätzen war sie fast gleich groß. Er nannte seinen Namen: "Doktor Engel"

"Bin aber kein Arzt" setzte er hinzu, "nur ein ehemaliger Apotheker". Bestimmt hatte er den Witz schon hunderte male gemacht.

Sie lachte, hatte sofort einen positiven Eindruck. Bestimmt ein wohlhabender Rentner oder Pensionär, dachte sie bei sich spontan. Dr. Engel hatte eine untersetzte Figur, weiße Haare, ein offenes Gesicht und besaß ein freundliches professionelles Lächeln. Er ist bestimmt um die fünfundsiebzig Jahre oder älter, dachte sie, oder aber aber er war aber früher mal Selbständiger oder Akademiker, so etwas in der Art, man bemerkte es an seinem dominanten Auftreten.

Er war noch einen Schritt nähergetreten, schaute ihr ins Gesicht.

"Soyez la bienvenue dans notre petit paradis" (Seien sie willkommen in unserem kleinen Paradies)

setzte er hinzu und breitete beide Arme aus, beließ es dann aber bei der angedeuteten Umarmung der Besucherin. Wies dann mit großer Geste auf die drei Häuser, die rechtwinklig zueinander standen und sich an den Ecken fast berührten, sodaß sie als Ensemble eine Art von "U" bildeten, in dessen Mitte das Schwimmbad gelegen war.

Mindestens 12 Meter Bahnlänge, dachte Valerie, also das war nicht nur zum Planschen, das war etwas für Schwimmer.

Dr. Engel hatte ihren Blick bemerkt.

"Fünfzehn Meter" sagte er.

"Und es ist zu beheizen, das verlängert die Badesaison"


Nächstes mal schauen wir uns das Anwesen noch genauer an, Liebe Grüße, eure Valerie :()b

Re: Valeries Welt

Verfasst: Do 17. Jan 2019, 16:52
von Valerie Bellegarde
Teil 2, Kapitel 26: Ein Apotheker als womanizer?

Valerie war anfangs ein bisschen frappiert, was sonst eigentlich nicht ihre Art war, aber heute schienen ihr das zu viel Eindrücke auf einmal, der prächtige Garten, der blaue Pool, die romantische Anlage. Die drei Häuser waren in dem regional üblichen ockergelben Kalkstein gehalten, die Terrasse zwischen den Häusern, die den Pool einfasste, ebenfalls in hellem Naturstein. Von der Terrasse aus führte eine großzügige Steintreppe hinaus in den weiten Garten, links und rechts gesäumt von zwei herrlichen Phoenix-Palmen, deren gefächerte Blätter sich im sanften Wind wiegten. Ein Bild wie aus dem Prospekt eines Reisebüros, absolut traumhaft das Ganze.

Der Gedanke an das Reisebüro brachte sie auf den Boden der Tatsachen zurück: Ja, davon musste sie unbedingt ein paar Fotos machen... Aber hatte sie sich ihm überhaupt schon vorgestellt? Sie fischte in Ihrer Tasche nach ihren Visitenkarten.

"Merci bien, Monsieur, enchantée de faire votre connaissance... Oui je suis l'immobilière, on a parlé au téléphone..."
(Dankeschön, ja ich bin die vom Immobilienbüro, erfreut Ihre Bekanntschaft zu machen, und ja wir haben am Tel. gesprochen)

sagte sie dann und lächelte ebenfalls.

"Ich bin aber selbst eine halbe Deutsche und wir können Deutsch miteinander sprechen, wenn Ihnen das lieber ist,"

setzte sie hinzu.

Dr. Engel nickte und war einverstanden. Er stellte sich als früherer Apotheker aus Köln vor, Er nahm sie gleich am Arm und zeigte ihr die Gartenanlage. Hinter den Häusern breitete sich grüner Rasen aus, soweit das Auge reichte, verstreut darin Büsche, Bäume, Blumenbeete. Es war ihr ein wenig unangenehm, als er sie so einfach an die Hand nahm. Aber Herr Dr. Engel schien früher wirklich ein "womanizer" gewesen zu sein, vielleicht hatte sie alte Instinkte angesprochen bei ihm. Wer weiß... siebzig Jahre, aber noch kein bisschen weise? Sie nahm sich zusammen, bleib ein Profi, Valerie, dachte sie...

Die beiden gingen eine Weile Hand in Hand. Sie entzog sich ihm nicht. Er zeigte und erklärte ihr einzelne Pflanzen der mittelmeerischen Fauna, zum Teil wirkliche Seltenheiten, Kakteen, Sukkulenten, Rosen in separierten Beeten, die extra bewässert waren, aber auch die typische Flora der Region, also Oleander, Judasbäume, Korkeichen, Mandelbäume, und eine Gruppe großer Schirmkiefern, dazwischen immer wieder verstreute Zypressen.

"Sie haben wirklich einen wunderschönen Garten"

sagte Valerie bewundernd, mit Blick auf die beiden großen Palmen.

"Wir hatten früher zwei Apotheken in Köln, wissen Sie, direkt in der Altstadt gelegen, eine wahre Goldgrube, sage ich Ihnen"

sagte er und seufzte gedankenschwer. Valerie verstand ihn nicht sofort, denn er sagte tatsächlich "eine Joldjrube", also zweimal mit jot.

"Ach ja, und jetzt leben wir in diesen kleinen Häuschen hier in Südfrankreich, hahaha..."

Er lachte und deutete auf das Ensemble der drei Häuser mit dem Garten dahinter. Valerie lachte mit, aber mehr aus Höflichkeit oder auch deshalb, weil sie sich plötzlich an ihren Job erinnerte, und der war es ja, hier mal eine Bestandsaufnahme zu machen, ein paar gute Fotos zu schießen, und im Übrigen sollte sie ja gute Stimmung verbreiten, sozusagen versuchen, eine Grundlage zu schaffen für das, was später mal kommen würde, und das war ja wohl eindeutig der Verkaufsauftrag für ihre Firma.

"Und das wollen Sie jetzt alles verkaufen?"

fragte Valerie unschuldig und versuchte das Gespräch wieder auf den eigentlichen Grund ihres Besuchs zu lenken. Dr. Engel ging jedoch nicht auf ihre Frage ein, er wollte ihr unbedingt noch mehr von seinem Garten zeigen, und da gab es ja auch eine Menge zu sehen. Die ganze Anlage bestand in Wirklichkeit aus mehreren ineinander übergehenden Bereichen, hinter den Rosen schloss sich ein Obstgarten an, eng bepflanzt mit Kirschen, Pflaumen, großblättrigen Feigen, Aprikosen und Mispeln. An das Haupthaus schloss sich ein Gemüsegarten mit Gewürzgärtchen an, vermutlich lag dort irgendwo die Küchenterrasse, Valerie machte ein Foto nach dem anderen. Sie entdeckte einen gemauerten Brunnen unter den Mandelbäumen.

"Funktioniert der noch?"

"Klar, da ist eine Gardena-Pumpe drin, habe ich selbst installiert, die holt das Grundwasser aus zehn Meter Tiefe, und damit bewässern wir zum Teil den Obstgarten"

antwortete er stolz und erklärte mit ein paar großen Gesten das künstliche Bewässerungssystem. Valerie lächelt wieder, obwohl oder gerade weil er so schön "Jrundwasser" sagte und "Jarten" statt Garten.

"Alles computergesteuert. Ohne eine künstliche Bewässerung geht in dieser mittelmeerischen Klimazone kein englischer Rasen und auch kein Obstgarten. Und unser Gemüse und die Blumen, das muss ja auch alles bewässert werden das halbe Jahr über."

Eine Frau mittleren Alters gesellte sich zu den beiden und wurde vorgestellt.



Fortsetzung demnächst in diesem Theater

Liebe Grüße, Valerie :()b